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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-18 · Heft 2009 (18.9.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2009 (18.9.1924)
Date
1924-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[Polen 20groszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taboratr. 1-3, oder iß einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strasjenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien v Oesterr. monatl. K 40.000 Tschech o-Slowakei Mon. K18. Jugoslawien Mon. Dinar60. Polen: Mon 31/* Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien; Mon. Frcs. 12 'WtW 1 Preis K 1400 England: Mon. 1 Schilling Italien: ' ona . 12 I i»«-, Rumänien M>n. 1501 ei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 elenhone: 44-0-38,43-3-19, i n 6 Uhr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitätsstr. L—8 (Druckerei Steinmann) 6h<V N a ebaabIu a£en "W W Preiierhöhuosren Vorbehaltes Nr. 2009 18. September 1924 mm Oesterreichisches Postspar' tapsen - ^onto Nr. 150.693 Kontrolle und Koalition. — y. Wien, 18. September. Der VMerbundrat Hat die. Entscheidung über di österreichische Frage so gefällt, wie zu erwarten stand Er Hält die Kontrolle aufrecht. Die Einschränkungen die getroffen wurden, betreffen geringfügige Einzel Heiten und beseitigen lediglich gewisse Schönheitsfehler Die Kontrolle wird erst enden, wenn alle über Oesterreich gesetzten Instanzen die Ueberzeugung gewönne: haben werden, daß die Stabilisierung der Verhältnisse erreicht ist. Das ist ein sehr dehnbarer Begriff, zumä unter den heutigen Verhältnissen, die die allgemeine Ruhelosigkeit und Unrast in ^eder Weise widerspiegeln Die Vorgänge im internatronalen Wirtschaftslebe: reflektieren sehr scharf auf Oesterreich und wenn. eZ heute schon feststeht, daß es im wirtschaftlichen Sinm überhaupt keine Unabhängigkeit, gibt, so gilt dies in ganz besonderem Maße für die kleine Republik, die ir allem und jedem, von Lebensmitteln bis zum Rohprodukt, auf das Ausland angewiesen ist. Daraus ergibt sich die Leitlinie für ihre Politik. Sie muß Frieden halten, Freundschaft und Vertrauen suchen und sorgsam alle Konfliktmöglichkeiten meiden. Nur in der Lossagung von allen Bindungen liegt die Gewähr für die Lebensfähigkeit Oesterreichs. Diese Notwendigkeit ist erfreulicherweise heute von der Mehrheit der Bevölkerung anerkannt und es ist darum nur ein untauglicher Versuch dümmster Brunnenvergistung, wenn ein Berliner alldeutsches Organ den Eintritt Oesterreichs in die kleine Entente ankündigt. In den Beschlüssendes Völkerbundrates zeigt sich, daß diese Körperschaft ein sorgfältiges Kompromiß ÄvifchenMn Ansprüchen Oesterreichs und den Interessen ver Kredirstaaten 'geheoffen hat. Damit bleibt der Völkerbund in der Hm erteilten Mission, der Treuhänder beider Teile zu sein. Die Bedingungen, zu denen sich die österreichische Delegation verstehen mußte, stellen die Regierung, und die Parteien auf eine ernste Probe ihrer politischen Einsicht. Vor allem wich es sich darum handeln, den Widerstand /der. Länder gegen das ihnen zugemutete Maß von Staatsbewußtsein und Gemeingesühl zu überwinden. Man wird den Wog zur Einheitlichkeit der Verwaltung zurückzusinden haben, kein leichtes Unterfangen angesichts des so hoch entwickelten Länderegoismus, der gerne in dem schillernden Kleid der Autonomie auftritt, was in einem so kleinen Staat mit homogener Bevölkerung ein Unding , ist. Die gesamte europäische Politik bewegt sich heute in der Richtung der wirtschaftlichen Solidarität, der möglichsten Vergrößerung der Wirtschaftsgebiete. Angesichts dieser Strömung ist die Aufrechterhaltung der alten Kronländer als historische Individualitäten kaum mehr zu rechtfertigen. Aber auch die von Genf geforderte Aenderung'des Meterschutzgesetzes wird zu schweren parlamentarischen Kämpfen sichren, deren Ausgang sich nicht voraussehen läßt, da ja die Vevordnungsvollmacht des Kabinetts Seipel mit dem Ende dieses Jahres abläuft. Ob dann die Voraussetzungen für die heute regierende Koalition noch bestehen und ob nicht eine andere Konstellation wird geschaffen werden müssen, steht einstweilen noch dahin. Es wird sich vielleicht doch auch bei den großen Volksparteien die Einsicht durchsetzen, daß an die Stelle der Belastung durch die isolierten Großdeutschen die innerpolitische Bindung der Opposition treten muß. Dies wäre durch einen Appell an die Wählerschaft zu bekräftigen, der allein Klarheit darüber schaffen kann, .ob die Bevölkerung mit den Genfer Resultaten einverstanden ist. Auch diese Beschlüsse erfordern die Mitarbeit und das volle Verständnis der Massen. Sie sind ohne den lebendigen Willen aller nicht durchzusühren, weil sie sich an alle wenden und tief in jede Einzelwirtschaft hineingreisen. Der Arbeiter, der .Bauer und der Bürger müssen Mitwirken und es wird doch : einmal notwendig sein, daß sich Behörden und Parteien-an ihre sozialen und politischen Pflichten im-vollsten Sinn erinnern. Der jüdische Teil der Bevölkerung, der schon bisher geduldig die Last der Sanierung in einem übergroßen Ausmaß trägt, tut dies'in dem Bewußtsein, daß der Aufbau der österreichischen Staats- und Volkswirtschaft eine Vorbedingung für den.Frieden ist und daß sich in der Unterstützung durch den Völkerbund jene kulturelle Solidarität, zeigt, die stets den Inhalt der jüdischen Weltanschauung bildet.. Aber diese Selbstlosigkeit darf nicht durch eine Politik bösester Rassenblödheft bestraft werden. Die in der Nacht ans gestern erzielte Verständigung zwischen den Vertretern der Metallindustriellen und der Arbeiterschaft wurde gestern abends von der Konferenz der Betriebsratsobmänner nach fünfstündiger Debatte bekräftigt. Die Versammlung nahm die Vorschläge der Unternehmer nach einer heftigen Aussprache an. Vor und nach der VerhsMung kam es auf der Straße vor dem Arbeiterheim in Ottakring zu Gegendemonftrationen, die von kommuniftischer Seite ausaingen. Die Licht sperre wurde im Laufe des Abends aufgehoben. - * Die Lahmlegung der L i cht- und Stromlei 1 u n g e n im ersten Bezirk und deg angrenzenden I Stadtteilen hat auch gestern den Tag über, angehalten. Eine Reihe von Zeitungen konnte nicht erscheinen, einige behälfen sich mit Auch - dasamtliche' MrMatbder Wiener Börse kkonnte nicht ' gedruckt werden.' Die nächtlichen Verhandlungen, an denen sich das ganze Verhandlungskomitee der Metallarbeiter bis zum letzten Augenblick beteiligte, der- 1 .liefen unter fortwährend sich wiederholenden dramatischen Auftritten Mehrfach drohte es zum Abbruch der Verhandlungen zu kommen und die schweren Folgen einer weiteren Verschärfung des Streiks schienen manchmal in greifbarer Nähe. Besonders eindrucksvoll war es, als gegen 9 Uhr abends im Saale des Bundeskanzleramtes und im! Industriehause, wo gleichzeitig verhandelt wurde, in An- > Wesenheit des Vizekanzlers Dr. Frank das elektrische Licht erlosch. Die Arbeiter der Elektrizitätswerke hatten telephonisch angefragt, wie die Verhandlungen stehen, und als sie die Antwort erhielten, daß eine Einigung nicht erzielt sei, schalteten die Betriebsräte der Elektrizitäts-Werke das Licht aus. Die Verhandlungen wurden nun bei Kerzen! i ch t unter großer Erregung wieder ausgenommen und fortgesetzt, bis es den Arbeitervertretern gelang, -in den beiden Vevhandlungssäl-en das Licht wieder einschalten zu lassen. Die Krerftstvomleitungen würden gestern UM.HM 1. Uhr mittags wieder in Aktion gesetzt. Es war dies deshalb notwendig, weil an diesem Kabel im ersten Bezirk die Telephonzentrale angeschlossen ist. Die an Wechselstromleibungen angeschlossenen Lichtikabel erst abends nach dem Abschlüsse der Kon-, serenz im Ottakringer Arbeiterheim freigegelben. Nach dw Verschärfung der Streiklage am Dienstag nachmittags, die in der in o ffiz >ie 11 e n Abschaltung der Kraft- und Lichtstromleitnngen im ersten Bezirk ihren Ausdruck fand,. kam es in den Morgenstunden des gestrigen Tages zu einer Verständigung der beiderseitigen Vevhandlungskomitees. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Industriellen und . der Arbeiterschaft dauerte gestern bis 5 Uhr früh. Um diese Zeit wurde für den Bereich des Wiener Jnd ü st r i e l l e n v e r b and e s eine' Einigung auf folgender Grundlage erzielt: ' .Erhöhumg der Mindestlöhne um ungefähr 20! Prozent, Erhöhung, der übrigen Löhne - um 10 Prozents . Die Regelung ist eine - p r o v i s o. r i s ch e, auf uuge-. fahr zwei Monate, die endgültige'-Genehmigung ist . einer furcheute dm 18. d. einberufenen Vollvevsamw- , lung der Unternehmer Vorbehalten. ■ Ueberdies. bewahren einzelne Jndustriegruppen und Firmen das Recht, sich innerhalb eines bestimmten Termines von der Regelung auszuschließen. Diese A u s s cb lu ßNa u s e l gilt namentlich für hie . Unternehmungen der Automobil'indusLrie. Der Vierzigeraus schuft. der im Streik stete: cden Arbeiterschaft trat um halb 11. Uhr vormittags im Verbandsheiim im 5. Bezirk zusammen, um zu der in der Frühe beschlossenen Kompromißklausel Stellung zu nehmen, Abgeordneter Wieden Hofer erstattete den Bericht, worauf sich eine sehr erregte Debatte entwickelte. Gegen 4- Uhr nach mittäs versammelte' sich im Arbeiterhein: in Ottakring die Konferenz der Betriebsräteobmänner zur Entgegennahme der Anträge des Vierziigera-usschusses. Auf der Straße hatte:: sich Str-eÄende und Neugierige in großer Zähl ange-sammelt. Die Eingänge in das Haus Ware:: durch A r b e i t e r o r d n e r g e s p e. r r t. Auf der Straße kam es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen, d ie von k o m m u niftif ch e n und n a t i o n a ls o z i a l i ft i s ch e n A g i t a t o r e n hervorgerufen wurden. Gegen halb 9 Uhr abends wurde bekannt," daß die Betriebsräte - ' dieEmMng^- ^nowMN hatten. Dies gab wieder . lärmenden Kundg-chun- -gen, die jedoch nach kurz.., ^beendet waren. J-m -Laufe des heutigen Tages, werden Betriebsversammlungen der Arbeiter stattfinden, in welcher die Vorschläge ruit-geteilt und die Entscheidung über die offizielle Beendigung, des Streits getroffen werden wird. Wie bestimmt verlautet, soll die Wiederaufnahme der Arbeit am Montag erfolgen. Bezüglich der Stveiklag-e in der Provinz, ist bisher keine Entscheidung erfolgt. Die Jnduftriellenverbärrde treten heute nachmittags zur Ratifizierung des Uebereiw kommens zusammen. * Erregte Szenen vor dem Arbeiterheim. Heber die Sitzung der Betriebsräteobmännerkonfer-enz wird uns berichtet: Nach fünfstündiger Debatte wurden die Bereinoarnngen, die gestern früh zwischen den Metallindustriellen Wiens und den Vertretern der Metallarbeiterschaft betreffend -die Lohnechöihungon getrcffe>n wurden, genehmigt. Die Vertreter der Metallarbeiterfchaft, die mit den Unterneh:nern verhandelten und diese Vereinbarung zustande brachten, .hatten heute keinen leichten Stand, denn d-e Kommunisten hetzte-n und wühlten die Arbeiterschaft auf. .Ihre Vertreter in der Betriebsrätever-sarumlung - wollten 'durchaus, daß der Streik noch nicht beendet werde. In der vormittägigen Konferenz des Vierziger-, aus/schusses, der von halb 11 Uhr bis dreiviertel 3 Uhr nachmittags tagte, gab es - eine bew egteDebatte. Zum Schluß wurde aber doch' eine-»R e s o l u t i o n ä n- ^genommen, die besagt, daß der Bericht zur Kenntnis genommen und die Vorschläge der Betrie-bsräteobmännerkonfete'n-z zur Anna h m e empfohlen werden. Diese Refoilutiön' wn-rde mit 35 gegen 5 Stimmen-angenommen.. ' ' Für halb 3 Uhr nachmittags war die Konferenz der .Bet.riebsräteob-männer der'Metaltöranche im Ottakringer' Aribe-iterhe-im.einberufeu. Schon geraume Zeit vorher hatten, sich zahlreiche Arbeiter vor dem Är- -be-iterhein: arigesammolt. Auch die K o m.m u n isten kamen in größerer Anzahl. Die Versammlung begann um 3 Uhr. Es mochten ungefähr 2000 Betriebsräteobmänner erschienen fein. Die Ko-mmunisten hatten ihre gesamte Anhängevsch>aft aufgeboten und glaubten, daß es ihnen gelingen werde, in? den'. VerfamnttungAsaal zu gelangen Aber eine dichte Kette der. Ordnerwehr hinderte sie daran. Die Kommunisten ihvew Aevger durch laute Rufe Luft. El« Ko-rmnunfft am» oem

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