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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-15 · Heft 2006 (15.9.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2006 (15.9.1924)
Date
1924-09-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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©eile 2 Wert-, Monlas M Wlenei: Morgenzellung. rvTr.’ IS. SHcksmKe« KA Skr. KW Schuhe1 mit eingebautem „Bersoii^-Gummi-Absatz Bolksparteiler, vom niederen Klerus geführt, sind zwar sehr ftomme Leute, aber sie sind Demokraten und etwas sozialistisch angehaucht. Sie wollen nicht daran glauben, daß die Schandwirtschast Mussolinis und seiner mörderischen und diebischen Lumpen von Gott gewollt ist. Um diesen frevelhaften Unglauben auszurotten, laßt Mussolini die katholischen Redaktionen und Volkshäuser plündern und anzünden und der Papst gibt ihm den Segen dazu. Die beiden hohen Herren haben nämf lich einen privaten Ausgleich geschlossen. Mussolini, der ehemalige Sozialdemokrat, hat in den italienischen Staatsschulen den Migaten katholischen Religion^ unterricht eingeführt und den Religionsunterricht anderer Konfessionen ausgeschlossen. Dafür hat ihm der Heilige Vater das Recht erteilt, mit den erwachsenen Katholiken nach Belieben zu verfahren. Er darf sie mederknüppeln und bis aufs Hemd ausrauben. Wer widerspricht, wird aus der Kirche ausgestoßen. In der Reihe der katholischen Heiligen ist eine neuartige Persönlichkeit angeführt. Die meisten Heiligen sind Märtyrer, Leute, die von harten Schurken zu Tode gequält wurden. Ihre-Geschichte ist ein wenig gleichförmig, fast langweilig. Nun kommt zur erfrischenden Abwechslung einer, der die anderen schindet. Mussolini als Heiliger, sein Tun und Lassen für jeden KathMken heilig. Der Papst scheint Sinn für Humor zu besitzen, Aegypten gegen König Hussein» Kalifat. Jerusalem meldet I. T. A.: Der Oberste mohammedanische Rat zu Kairo gibt begannt, daß der im März 1926 stattsindende allwMiche islamitische Kongreß über die Kälrfatfrage entscheiden wird. König Hussein wurde bekcmnÄich im März d. I., als er zu Shuna in Tra-nsjordcmien wellte, von den Arabern TranEordamiens, des Hedschas und Palästinas zum Kalifen proklamiert. König Hussein steht auf dem Staiudpunkt, daß nur e r die für den Kalifen, erforderlichen Qualifikationen besitze; er sei ein 'direkter Nachkomme -des Propheten und gehöre dem Stamme Koreifh an. lleberdies gehören ihm die heiligen Städte des Islam. Er sei bereit, einen allweltlichen islamitischen Kongreß abzuhalten, dieser Kongreß müsse aber in Mekka stattsinden. Die ägyptischen Mohammedaner mit König F u a d an der Spitze erheben scharfen Ein s P r u ch ' gegen König Husseins Kalifat. Auch die Araber von Nojd sind gegen König Hussein. .;y: Sie Erziehung zum Krieg. London» 13. September. Das Reutersche Bureau meldet aus Washington, daß gestern im ganzen Lande' der Verteidigungstag abgehalten wurde, der von Millionen Menschen mit großen Kund gebungen begangen wurde. Zweck der Veranstaltung war, unter den amerikanischen Bürgem das Interesse an der Vorbereitung derLandeSverteidigung wachzuhalten, entsprechend den Befehlen des Generals Pershing, der heute in den Zivilstand Lbergetreten ist. Verschiedene kirchliche Organisationen und zahlreiche liberale und sozialistische Vereinigungen haben Entschließungengefaßt, in denen die Veranstaltung des VerteidigungstageS verurteilt wird, weil diese Veranstaltungen nur den Geist des Militarismus fördern. Schluß der Wiener Herbstmesse. Die Siebente Wiener Internationale Messe (He-vüstrnesse) würbe gestern in allen drei Messehäusern.um halb 7 Uhr abends geschlossen. Nur die Kohlenmesse Meibt noch bis -inklusive 20. d. geöffnet. Noch am letzten Tage toctr Vm Massenbesuch zu verzeichnen. In einer -Reihe von Branchen kam es zu Geschäftsabschlüsien. Schwerer Fliegerunfall in Aspern. Der Pilot erheblich verletzt. Auf dem Flugplatz in Aqpern ereignete'sich gestern ein schwerer Unfall. Eines der für den Nnndflug um Wien bestimmten Flugzeuge sollte eben starten, als beim Anfahren sich ein Rcü> loslöste und das Flugzeug sich mchrmals überschlug. Ms das Flugzeug dann nach wenigen Minuten zertrümmert am Boden war,- lagen drei Personen, eine Frau und zwei Männer, verletzt auf'dem Platze. Die Verletzten waren der 41jahrige Flugzeugführer Karl Krieger und die Passagiere der Flugzeugkabine, die Private Mzzi Krügelhuber und der 27jährige Josef SchrameS, sämtliche aus Wien. Am schwersten verletzt war Kriege r, der eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hat. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Unfallstation. Die beiden anderen Verletzten konnten sich allein in ihre Wohnungen bsgeiben. . Skandal in der Bolksoper. SoppelanshraW» an das Publikum. — „Passive Msten» wichtiger Instrumente." Gestern gab es in der V o I k s o p e r infolge Loh nstreitigketten der Orchestermitgliede^ knapp vor dem angesetzten Beginn der VWellsing lärmende Demonstrationen, '; ■ , v,; Als erste der für die Mnsikfestwoche bestimmten, BorsMungen sollten gestern „Die Hugenott e n" in glänzender Besetzung aufgeführt werden. Den'Raaul sollte -der Tenor des Grazer Opernhauses Heinz Arens-e n, die Partie der Valentine zum ersten Male Frau Pfiffer- Lax singen. Das Haus war gänzlich auSverkawst. Die Vorstellung. deren Anfang für 7 Uhr abends angosttzt -war,, konnte jedoch nicht beginnen, ,. weil das Orchester leer blich. Da's Publikum begann bereits unruhig zu worden. Man.hörte nur, daß sin wilder Streik der Orchester.-mitglieder ausgebrochen fe-i, und daß auf der Bühne zwischen -den Direktoren Markovsky und Dr. S t i e d r y einerseits und den Betriebsräten des Orchesters Beisprechungen andererseits stattfänden, während sich die Musiker in dem sogenannten Stimmzimnrer versammelt hatten. Die Direktoren erklärten, daß sie die Vorstellung wegen des Streiks der Musiker a b s a g e n würden, -woraus der Betriebsrat Schieber erklärte, daß ex -das schon selber besorgen werde. Direktor Markovsky verbat sich dies, nichtsdestoweniger führte Schieber seine Absicht aus und so wurden gleichzeitig zwei Ansprachen an das unruhig gewordene Publikum gehalten. Namens der Direktion der Volksoper trat ein Beamter vor den Vorhang und sagte: „Da das Orchester passive Resistenz leistet, ist die Direktion leider nicht in der Lage, die Vorstellung abzuhalten. Das Geld für die gelösten Karte« wird an der Kassa zurückerstattet." . Gleichzeitig mit , dem Beamten sprang Betriebsrat Schieber auf die Rampe und rief in das Publikum: „Das Orchester ist in passive Refistenz getreten, weil die Direktion die Lohnverhandlungen verschleppt. Wir sollen mit zwei Millionen Monatsgage leben. Dem Publikum zuliebe will das Orchester spielen, damit die Vorstellung stattsinden kann. Im Publikum wurde diese Doppelansprache mit großem Mißvergnügen äufgenommen, Es kam zu erregten Zwischenrufen. Es dauerte ziemlich lange, bis sich das Publikum wieder beruhigtet Mit . einer Verspätung von mehr als einer halben Stunde konnte endlich die Oper beginnen und -dauerte bis nach 11 Uhr nachts. Die Vorstellung war übrigens glänzend und das Publikum spendete allen Künstlern reichsten Beifall. * Gestern nachmittags erschienen die Betriebsräte des Volksopernorchesters in -der Direktion Und stellten ihr ein Ultimatum. Sie verlangten die schriftliche B-ctvilligung verschiedener Forderungen, darunter auch die Auszahlung eines Vorschusses von 800.000 Kronen pro Kops aus die geforderte Lohnerhöhung bis Mittwoch mittags. Die Dir^ktion erklärte, daß sie auf keinen Fall in der Lage sei, den geforderten Vorschuß, der allein zirka 64 Millionen ausmache, zuzusagen. Daraufhin erklärten die Betriebsräte der Musiker, daß sie in diesem Fall die passive Resistenz gewisser wichtiger Instrumente nicht ausschieben können. ' Schon die vorgestrige Aufführung der „Fledermaus" mußte ohne Schlagwerk aufge-führt werden. Bei der gestrigen Aufführung der „Hugenotten" beabsichtigte die Direktion — dir Verhandlungen mit den Betriebsräten des Orchesters hatten sich schon bis ein Viertel 3 Uhr hin-gezögen — ein Harmoninmindas Orchester z u st e l I e n, um die fehlenden Klarinetteeinsätze auf diesem Instrumente durch einen Kapellmeister ersetzen zu lassen. Diese Absicht der Direktion löste nun einen Streikbeschluß des gesamten Orchesters aus, das erklärte, es dulde nicht, daß ein Harmonium in den Orchesterraum gebracht werde! Daraufhin faßte die Direktion den Beschluß, wegen des Ovchesterstveiks die B o r st e l l u n g a b z u s a g e n. Das Orchester wollte aber offenbar das Odium dieser Absage vor dem unwillig gewordenen Publikum nicht aus sich nehmen und erklärte — wie schon oben berichtet — durch den Betriebsrat, daß es dem Publikum zuliebe spiele. Daraufhin begann mit ' dvsiviertel Stunden Verspätung die Vorstellung. Eröffnung des Mufti- und Lheatersefte«. I Gestern nachmittags er öffnete Bürgermeister Seitz vor dem Rathause das zweite Musik- und Theaterfest der Stadt Wien in eindrucksvoller Weise. Ein^ ungeheure Menschenmenge füllte den Rathausplatz bis zur Ringstraße - und harrte des Fanfarenzeichens/ Um halb 5 Uhr nachmittags erschollen vom Rathausturm die Klänge der F a nsar enmusik, welche Richard Strauß eigens, für das Fest komponiert hat. Die Bläser der Oper unter Leitung Stieglers liehen der Musik Strauß' den Wohstlang. ihrer Instrumente; die dekorativfeierliche Musik in G-Dur, welch^ alle Raffinements chtt'Instrumentation verwendet, und auch einen da und dort auftauchenden „Meistersinger"-Einsall in technischer Vollendung mit Eigenart zu umkleiden verficht, fand reichen Beifall. Als der letzte Ton verk!un>gen war, hielt Bürgermeister Seitz die Eröffnungsrede, in der er Musik und Kunst als Mittel der Völkerverbrüderung feierte und das Wiener Musikfest, das eine ständige Einrichtung werden solle, als wirksames Instrument der beginnenden Versöhnung der Völler darstellte. Der Bürgermeister dankte zum Schluß allen, welche die Abhaltung des Festes ermöglicht hatten, vor allem dem Initiator Dr. B a ch. Nach der Rede des Bürgermeisters erklangen wieder die Fanfaren; damit war die Eröffnung des Musik- und Theaterfestes vollzogen. Ei« brennende» Auto bei Wiener-Renftadt. Ern Wiener Kaufmann schwer verletzt. Gestern ereignete sich in der Neunkirchener Allee unweit -des Bahnhofes St. Argyden ein schwerer Auto- Miöbilunf-all. Das Auto des Wiener Großkaufmannes Eckstein wollte einem Motorrad answeichen und stürzte in den Straßengraben. Der Wagen überWng sich und begrub seine fünf Passagiere und den Chauffeur unter sich. Sie erlitten zum Glück leichte Verletzungen, nur- Eckstein wurde schwer verletzt-. Nach dem Sturz hatte das Auto Feuer gefangen furtlb brannte bis auf di« Eisenteile vollständig aus. * Die Lebensmüden. Samstag hat sich die Private Marie S. in ihrer Wohung mit Arsen zu vergiften versucht. Die Rettungsgesellschaft brachte sie in das Spital. Die Ursache der Tat sind Familienzwistigkeiten. — Gestern vormittags hat sich die Jnstallateursgattin Karolnde E. in ihrer .Wohnung aus unbekannter Ursache durch Genuß von Opium zu vergiften versucht. Sie wurde von der R-ettungsgesel' “ ms Spital gebracht. * Erhöhung der Darlehenssatze im Dorotheum. Vom 5. September l. I. an werden auf Gegenstände aus Edelmetall höhere Darlehen gewahrt. Für die vor diesem Termine in Pfand genommenen Gegenstände kann eine Darlchensanfzahlung beehrt werden. * Tanzinstitut Hermann Braun» 14. Bez., Reindorfgasfe 4» * (Entgeltlich.) Der Prozeß Mlcoch. Der Präsident des Allgemeinen StaatSpeufionistenvereineS vor den Schöffen. Heute hat sich vor einem Schöffensenate der 64jährige> ehemalige Gendarmeriewachtmeister Josef Mlcoch wegen Betruges zu verantworten. Er hat den Verein durch verschiedene Manipulationen schwer geschädigt. Außerdem wird er noch beschuldigt, daß er in zwei Fällen Leute zu falscher Zeugenaussage verleitet hat. 1 Die Anklageschrift erzählt, daß Mlcoch iw Jahr« 4912 den Reichsverem ehemaliger Gendarmerieangehöriger gegründet hat. Mlcoch beschloß einige Jahre später eincit neuen Pensionsverein auf breitester Basis zu gründen und es entstand der „Allgemeine Staatspensionistenverein Oesterreichs". Gleich in der ersten Zeit wurde ein Blatt unter dem Titel „Zeitschrift für Staalspens i o ni st e n" herausgegeben. Schon nach kürzester Zeit gelang es dem Mlcoch, alle Macht im Vereine an sich zu reißen. Funktionäre, die sich gegen seine Herrschaft auflehnten, schloß er einfach aus dem Verein aus. - Präsident Mlcoch ließ sich dann noch als Kanzleileiter mit einem festen Monatsgehalt ansiellen, er bezog weiter Repräsentationsgelder, Entschädigung für Ueberstunden, Sprechgebühren, Reisediäten usw., so daß er schließlich das Einkommen eines Sektionschefs bezog. Auch bei Herausgabe der Zeitschrift verstand es Mlcoch sich Vorteile zuzuwenden.! Die Anklage schließt: Als Mlcoch schließlich am 23. Sept-.^ tember 1923 durch eine außerordentliche General-! Versammlung abgesetzt wurde, war fast das ganze im Laufe der Jahre erworbene Vereinsvermögen verloren und der Verein tief in Schulden. Das Vorgehen Mlcochs war umso gewissenloser, als die Geschädigten durchaus arme Pensionisten waren. Er hat es gegenüber den Vereins-^ Mitgliedern immer verstanden, die Rolle des großen Wohltäters aller Pensionisten zu spielen, dessen Wahlspruch stets gelautet hat: „Einer für alle". Er selbst hielt sich nur an den zweiten. Teil dieses Spruches „Alle für einen.". 148 cm breit In allen Farben STOTT£ AK WtCiftkL.A0l.IM4l 'TKflMflrmiilfc )

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