Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2005 (14.9.1924)
- Date
- 1924-09-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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«rv*. Vlrt) ,_JV_....^_ Festabend im LeovoldMttr ^rmdel. Von J«ü»b Krausz. An der Stätte, an toc oinst Goldslein, der Ztr»rg mit btt RivsenstinMe, Bela Guttmann, der elegante, vornehme SadmchäsE Mit dem kräftigen und doch emschn»eichewden lbavtkm, Joses Morgenstern, der ,Macker" am Sebasiopol, M dam den Rcvmn durchschneidenden Schirürttenor die Zn- Höver entzückten, himissen, verblüfften, hat es der neue Ober-, fattfeu: der LsopoWadt, Heinrich Fischer, der vorgestern abends feiMch dm feilt Amt «angeführt wurde, nicht leicht, die Ohren md Herzen seiner Delnthelbesucher zu gewinnen. Mer die wWdervvlle Art, wie er sich Freitag Änstihrte und — ein» gssührt wurde, tote er, . itm vollen Einklang nck dem Text muWcklisch deklaimie-rte und auch bei den schwierigsten Passagen Satz selbst einem , AuigeMicksesfekt zuliebe nticht änderte, ulkt er seinen vollen, den ganzen großen Raum dmchdriivgenden, ausgreifenden Bariton nur dann wirken lkß, wenn die GrLekstelle es erforderte, alle diese, auch einem MusAaien sich «msdrängenlden Qualmten, beruhigen darüber, daß Oberkantor Fischer der richtige Mann aus dem richtigen Platz ist. Sympathisch M chm ist vor allein, daß er sozusagen vor dom vlnbetevpult ausgewachsen, kein Getsangsgigerl «st, das die Gemeinde damit glücklich macht, daß es seine Stimme und «ulsikalischen Kenntnisse nicht der Oper oder im Konzert, sonder« herablassend der Synagoge Widmet. Oberkantor Fischer bringt aller mit, was man heute von einem „Scholiach Zibbur", ebmn Abgesandten, Repräsentanten der religiösen Gemeinschaft fordern muß: eine kräftige Stimme, musikalische Schulung, guffundiertes hebräisches Wissen, allgemeine Bildunig und ein« schon in seinem Aeußeren gekennzeichnete ernste, solide Auffassung seines Berufes. * Die Gemeindevorstehnng tat gut daran, auch durch die Szenerie der Amtsführung den Ernst des Kcmtorenberufes gu unterstreichen und dem Akt den Stempel eines Ereignisses ersten Ranges im Leben unserer Gemeinde auszudrücken. Die Begrüßungsworte, die der Gemeindepräsident Pwf. Dr. Pick und der Präsident des Bechausvorstandes Anton Beck an den neueit Oberkäntor im Zeremoniensaal richteten, die kurzen, <fax einem Diensteid gleichkmnimenden Dankesioorte Obetkmrtor Fischers und nicht zuletzt die ermahnende, aufmuntemde Rede des Rabbiners Dr. Grünwald an seinen ne^n Partner im LeopMstädter Tempel, waren wohl ein Novum, tfxt sehr am Platze. $ Ich gehe selten m den Tempel und An kein Musiker. Uebermannt mich einmal ein« Stimmung der Andacht, bleibe sch gerne mit ihr allein; auf dam Gebiete der Noten aller Art bin ich «in gottverlassener Stümper. Gche ich aber^kdmal fo die Synagoge, dann höre ich gerne die konservative Note der ganzen Veranstaltung der Andachtsübung heraus.' Ein synagogalts Leben, das nicht konservativ ist, ist ein Unding. Ich begreife jene Orthodoxen der vorigen Jahrhunderts, die vor dem Schlagwovt des ,/geregelten Gottesdienstes" die Fahnenflucht in die Separation unternahmen, und ich verstehe den Präsidenten ta Budapest« „Neologen"-Gemeinde, Dr. Alexander Lederer, wenn er sich krampfhaft bemüht, von seiner Synagoge da» Stigma' der Reform abzustreffen. Die Wiener Gemeinde, synagvgen waren von jeher gu-t konservativ und de Show halben st« ihre hohe Bedeutung i« Leben der Wiener Judenschaft ViS heute erhalten. Die Bedeutung dieser jüdischen Auidachtshatten nach dem Typus der Wiener Geweindesynagagen wird vechts und links viel zu wenig beachtet. Ich bewachte sie als wichtige Tvansenen, wo die von rechts nach Äntt abgleitenden »- #•**»' » .***• ** 4 t t WIEN. II. GLOCKENSASSE 8, TEL 4»-4 33 I.. ■. -; \1> PELZWAREN JEDER ART IN FEINSTER ‘ AUSFÜHRUNG BIU. GST BEI; GEBRÜDER BRAININ und mngekchrt von Links nach rechts zurückstrabenden Juden ihren ^Sammelplatz finden. Sie hier festzrchälttn, ihnen, hier einen festen Halt zn bieten, gehört zu Pen wichtWeZ Ausgaben der Kultusigemeinde. Bm dieser Aufgabe fällt dem Rabbiner auf der Kanzel und dem Kantor vor dem Amud. dam BorbeterpM, eine ausschlaggebende Rolle zu. Ein Rabbiner, der nicht zu belchren verficht and ein Kantor — mag er noch so virtuose stimmliche Kaskaden Produzieren.— der durch sein unjüdisches Auftreten und seine Ignoranz abstößt, werden vielleicht Menschen, die sich amüsieren wollen, heranlocken, aber niemals das Judentum festigen. Ich möchte, daß unsere Synagogen — Verzeihung für das profane Wort -- ihre guten, jüdischen Habitues haben. * Juden itt der Synagoge und im „Schulhof". Das ist meine eigentliche Welt, in die es mich mitunter mit unwiderstehlicher Gewalt hinzieht. Ich verstehe die Augensprache dieser Inden und weiß die Bedeutung jedes Zuckens um ihre Lippen. Etwa ein Dutzend Kandidaten haben sich um diesen Posten in der Leopoldstadt beworben und um ihn zur Probe gesungen. Dar heißt wienerisch-jüdisch auLgedrückt, daß am Freitag abends zwölf verschiedene Anhängergruppen zu dem Zwecke in di» Synagoge kamen, um sestzustellen, daß ihr Favorit weit besser' sei als der Gewählte. Ich höre ihre Bemerkungen: „Hast du schon einmal in deinem Leben gehört Md gelesen — ein Kantor mit Augengläsern?" Mnd mit einem Bart?" fügte ein Zweiter die Kritik verschärfend hinzu. „Und nicht einmal die Stimmgabel benützt er" — empört sich ein anderer. Der „Haschkiwenu" war ja nicht schlecht, aber was mein Kandidat den „Mögen Owaus" mit dem aufgesetzten obersten C schöner gemacht hat, soll ich meine eigenen Dollars zahlen können" — trumpft ein Dritter daraus. Mer ic weiter der Gottesdienst gedieh und je mchr Oberkantor Fischer die anfängliche Befangenheit überwunden hatte, desto leiser wurde die Stimme der Nörgler. Sie werden ja niemals verstummen. Sie gehören zur Judengasse und zum Schulhof, wie die lustigen, ungebärdigen Rangen zur Simchas Thora. 8« Kongreß les internationalen Verband» ffit ftinftetfiilfe. Beteiligung der Jüdischen Welthilsskonferenz. Wie wir erfchren, wurde die Jüdische Welthilfskonferenz offiziell zur Teilnahme an dem am 6. Oktober in Wien stattfindenden Kongreß des internat tonalen Verbandes für Kinderhilfe eingeladen. Die Welchilfskonferenz hat diese Einladung angenommen »nd nach-, stehende Delegation mit der Vertretung ihrer Organisationen betraut: Zwi Abersohn, Oberrabbiner Dr. Chajit, Dr. Deutschlän^r, Prof. Eisler, Pvof. Ehrmann, Dr. N. M. Gelb^»Fnru Anitta Müller-Cohen, Frau Matzner, Dr. M. Wecker »nd H. Pappenheim.. ~ $k% %, ■— ---——*■ , faul Moriand gestorben. In Genf ist dieser Tage der Profesior der römische Rechtes an der dortigen Unidersität Paul Moriand plötzlich gestorben. Moriand, ein gebürtiger Genfer, war nicht nur als Lehrer des Rechtes geschätzt, sondern auch als vielseit^er Kopf und namentlich als Präsident des gemischte* Schiedsgerichtes zur Schlichtung der Nachkriegskonflikw zwischen Belgien und Deutschland auch außerhalb der Schweiz sehr bekannt. Moriand hat sich auch außerhalb feiner Wissenschaft erfolgreich betätigt. So nahen er tätigen Anteil an der philanthropischen Bewegung und betätigte sich namentlich im Zentralkomitee für die Unterstützung der Armenier. Er hat sich als Stenograph einen Name», gemacht und war in der Graphologie, für welche er sich besonders interessierte, so bekannt, daß er dem Dreyfuß- .Prozeß als Schriftexperte beigezogen wurde.. Ser ..schwimmende Staat“. Seit dem Abschluß des Vertrages mit China fuhrt di« Sowjetregievung einen bisher erfolglosen Kampf gegen ein geradezu mittelalterlich-romantisch anmutendes Gebilde — den „schwimmenden Staat" des Generals G l e b o w. Auf der Flucht vor den vordrmgenden Sowjettruppen, die den letzten Rest des zaristischen Rußland — Wladiwostok am Stillen Ozean — dem Sowjetstern unterwarfen, zogen in einer Herbstnacht 1922 etwa 1600 Männer und Frauen auf das Meer hinaus: Offiziere und Rechtsanwälte, Kosaken und kaiserliche Hofdamen, Matrosen und 'ehemalige Millionäre. Sie treiben seitdem auf vier Kriegsschiffen unter' der alten russischen Flagge in den chinesischen und japanischen Gewässern umher. An der Spitze dieses .„souveränen" Gemeinwesens steht General Glebow als Diktator. Er. teilt die Regierungslast mit drei Departementchefs: für die Verwaltung, die Ernährung und die auswärtigen Angelegenheiten (!). Der letztere hat einen besonders schweren. Stand, weil er China und den Alliierten gegenüber die Unabhängigkeit des „schwimmenden Staates" verfechten muß. In seinen „Noten" setzt er auseinander, daß die Schiffe „nur einer künftigen rechtmäßigen Regierung" zurückgegeben,, sonst aber bis auf den letzten Blutstropfen verteidigt werden würden. Ohne sich um die chtnesffchen Hoheitsrechte zu kümmern, laufen die Schiffe einen Hafen an, es wird ein Stückchen Land besetzt und man geht ans Verdienen. Es werden Lasten getragen und Hasenarbeiten verrichtet, wahrend die Oberschicht Konzerte veranstaltet und die Damen in Kabaretts austreten. Neuerdings sind die Schfffe zu Kauffahrern umgewandelt und neu gestrichen worden; sie übevnehnren die Beförderung von Waren und Personen. Die chinesische Regierung fft machtlos; sie erklärt im Hinblick auf >das unvermeidliche Blutvergießen, die wiederholten Forderungen des Sowjetgesandten auf Auslieferung der Schiff« nicht erfüllen zu können. Roch rin Spier des MostenmSrdrrr Haormopn. Die Berliner Kriminalpolizeit hat ein neues Opfer des Masienmörders H a a r m a n n entdeckt. Es handelt sich um eine« 18jährigen tschecho-slowakischen Staatsangehörigen, her bei einer Berliner Firma angestellt wap, «ach Hanuiwer fuhr unh feicher v e r s ch w u n d e n ist ■—» 1 ■ Sie zehn Gebote. Wr haben heute kchnen Michelangelo, der die unbän« big« Kraft und die. monumental« Majestät bei großen BolksbäudigerS MofeS a-us dem Stein meißeln könnte.' Es Mt unserer Zeit an der künstlerischen. GefaMmelcheit, an dem idealen Schivung, an dem Zeitglauben, um in mormmentaler Kunst wiMch Großes, Kraftstrotzender zu leisten. Und doch hat dies« schwache, -erfahrene, nervöse Zeit ihre angemessenen Formen der schöpferischen Gestaltung, als welche sich die Kunst gibt, di« an MoMmentalität, an Kraft und Schwung nicht hinter den größten Schöpfungen der Vergangenheit zrtrückbleiben. ES sind nicht Kunstwerke m landläufigem und herkömmlichem Sinne de- Wortes, nicht Gemälde und Skulpturen, sondern Wunder der Technik und der Organisation, in welchen sich der schöpferische Geist dieser Zeit austobt. Und es ist der modern« Großfilm, in dem sich Technik und i Organisation, hier fälschlich Regie genannt, eines künstlerischen, wenn auch pleudokünftlevischen Gewandes bedienen, um aus di« Zeitgenossen zu wirken. Nichts ist falscher als dir Einreihung des Films in die herkömmlichen Kategorien deS Kmfftbetriebes' und seine Wertung mit den herkömmlichen Maßstäben der Kunstkritik. Die Welt der Leinwand hat ihre Eigengesehlichkeit, deren Geheimnis und Ausdruck Bewegung ist. Man Könnte auch sagen: Spannung durch Betvegung. Niemand hat diese Eigengesetzlichkeit bester erkannt, niemand versteht sie bester in photographierte Handlung umzusetzen als die Amerikaner, und unter diesen vielleicht niemand bester als Cecil B. de Mille,.desten gewaltigstes Werk wir in den „Zehn Gelten" vor uns hai^u. Seit Wochen wird dieser Pavamount^Mw im Berliner Großen Schauspielhaus gegeben. Die Tropffteinhöhle Reinhardts, deren Kuppel durch tausende Glühbirnen geschickt die Unendlichkeit des gestirnten Himmels vortauscht, wurde für di« Ausführungen nicht nur wegen des erwarteten Massenbesuchegewählt, sondern auch zur Ermöglichung der in Berlin unvermeidlichen sogenannten großen Ausmachung. Gemischter Chor mit überflüstiger Faustmystrk, Orgel, großeS .i Orchester und eine Bühne mit Mci überlebensgroßvt dekorativen Tempelleuchtern» Tafel« der vunderlade mit den hebräischen AnfangSworten der zehn Gebot« als Vorhang, geschäft-tüchtiges Au-bieten von Chanukkählainpen, Ngadabüchern und Bibelexemplaren im Foyer sowie daganze unvermeidliche ReAcmiebeiwerk einer Berliner Sensation schaffen , den unerfreulichen Rahmen. Er vermindert in keiner Weise den nachhaltigen Eindruck des eigentlichen FilmwerkeS. , Man steht vor drm Rätsel, .wieso eine -iffchige und sentimentale Handlung nur durch die Kühnheit der Darstellung und durch die sieghaft« Ueberwindung aller materiellen. Schwierigkeiten die atemlose Spannung erzeugen kann, mit der man diesem Film folgt. Di« Kinder Israelin ägyptischer Gefangenschaft, die Pracht und Hoffart deübermütigen Ramses, Mose- und Aaron vor dem Pharao, die Nacht der Erstgebornentötung und.der verheißungsvolle Morgen. des Auszuges. allenach den Worten. und mit den Worten dezweiten Buche- MofeS. Und dann, wie nah der Lächerlichkeit und doch im GegenteÄ von einer hin-, reißenden Lebensechtheit der Auszug der Kinder Israels aus Aegypten. Ein ganzes Volk, aufgescheucht wie em Bienenschwarm, wirbelt dnrrcheinander. und Moseführt es in di« Wüste. In wtrndervollen, vielfarbigen Aufnahmen bringt es dieser amerikanische Regisseur zustande, seinen 206 Statisten in der kalifornischen Wüste biblisches Leben einzuhauchen. Dann der technische Clou des. Films, der Durc^ug durch dar Rote Meer, das sich teilt auf den Wink Moses, „daß die Gewässer standen wie eine Mauer zur Rechten und zur Linken". An dieser Stelle, in der das. Wunder der Sage durch ein Wunder der Technik verwirklicht wird, brachen die Tausende auf den Ringen und Rängen des großen Theaters in mächtigen Beifall, aus; eine Huldigung für den ftrnen amerikanischen Wundertäter. Nachdem die 600 Kriegswagen Pharaos mit Roß und Reitern untergegangen sind, erreicht das eigentliche biblische Drama, seinen Höhepunkt. Moses auf dem Berge Sinai ringt mit seinem Gotte, empfängt von ihm in Feuer und Blitz die Worte der Gesetzestafeln — während das abtrünnige Volk unten um das goldene Kalb tanzt und in Sittenlosigke'vt und Unzucht seinen Führer vergißt. Mit GotteS Strafgericht schließt — dieses Vorspiel. - Denn, an diej«r Stelle erfahren wir .zu unserer Ueberraschmrg,^ daß dies alle-, dieser ungeheure Aufwand a« Kraft, an Menschen und Mitteln nur ein Vorspiel war; ein Vorspiel zu einer unglaublich banalen und sentimentalen dramatischen Handlung, die sich auf di« amerikanisch naive Frage stützt: Gelten di« zehn Gebote auch noch heute? Und doch versteht es Cecil B. de Mille aus der Geschichte dieses einfältigen Mütterchens, fco§ den Wortlaut der Bibel zur unverrückbaren Richtschnur der Erziehung ihrer zwei Söhne gewählt hat, von welchen selbstverständlich „der Brave", der an die zehn Gebote glaubt, ein Keiner Zimmermann bleibt und dabei glücklich lebt, während der andere, „der Schlimme", der die zehn Gebote leugnet, den Gipfel von Reichtum und Macht erklimmt, dann aber in die Tiefe stürzt und rettungslos zugrunde geht, so viel Handlung und Spannung herauszuschlagen, daß man auch hier wieder mitgerissen wird. Und di« Moral dieser moralischen Detektivgeschichte ist: Wer die zehn Gebote bricht, den brechen sie. Offen bleibt nur die eine Frage, warum gerade in Amerika, dem klassischen Lande „der Schlimmen", der Dollaranbeter und Erfolgsjäger, auf das Preisausschreiben Cecil B. de MlleS unter 70.000 Einsendungen nicht weniger als acht Entwürfe „Zehn Gebote" ertthalien waren und preisgekrönt wurden. Warum gerade dort die Moral aller Gcschichtm zugunsten der einfältigen Zimmerleute ausgeht, nach welchen sich aber in der Praxis wohl keiner, der so. bieder und fromm tuenden Aantees richten wird? Sollte da die Absicht mitspielen, die Legende von der Seligkeit der Armut und der Einfalt zu propagieren, damit es die anderen, die Wissenden, um so leichter haben? Oder spielt dabei nur der Wunsch die Hauptrolle, beim entspannenden Spiel das Gegenteil der Affekte, zu erleben, die man in der Wirklichkeit des rauhen Daseinskampfes findet? Jedenfalls wirLt eS auf den steptischen Mitteleuropäer mehr als lächerlich, wenn Cecil B. de Mille in seinem den Film begleitenden Aufsatz patbr-ti sch aus ruft, es s«i ihm darum z»» der Menschheit zu beweisen, daß die zehn Gebote als ewig gültige Moralgesetze den Konflikt zwischen Recht und Unrecht auSgleichen. Nein, die Hersteller des Films wollten Geld machen;, sie haben ausgezeichnet gearbeitet, der Erfolg ist ihnen daher zu gönnen. Sie haben das Geld, wir das Vergnügen; was hat das mit den Moralgesetzen zu tun? Berlin, Anfaqg Septeinber. Fredtz.