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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-14 · Heft 2005 (14.9.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2005 (14.9.1924)
Date
1924-09-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, BonM- Wiener Morgenzeituns. 14. September 1924 Sie Kultusgemeindewahlen in Wien. . Das Prästdium der 'JsraMis-chen KMusgemeinde MM die ätzende Kundmachung: . a) Wahl dex Viorsta-ndsmitg-lteder und Bertraus-männer. Aus Grund der laut Erlaß des Bundesnünifteriums für Unterricht vom 12. Juni 1924, Zahl 12.066-17 (Kultus), genahmigten Bestimmuttgen des Statutes und der Wahlordnung der Israelitischen! Kultusgenteinde Wien wird <m Sonntag den S. November d. I. ' ' ' die Neuwahl von 3 6 Bor ist an d 's nt itgl i e de r n der Israelitischen Kultusg-ememde und von 12 0 V e r- Lraueus m ä n n e r!s1attfin>de-n. b) E i n si ch t u-a h inc i n d ie W ä h l e r l i st e n. Das Verzeichnis der wahlberechtigten! Personen liegt ad Sonntag den 14. d. Ibis -einschließlich Sonntag den 28. d., von. 9 dis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags (mit Ausnahtne der Samstage) zur Einsichtnahme für die Kultusgemeindeangchörigen an folgenden Stellen aus: Für die Wahlberechtigten des 1. Bezirkes: Seitenftettengasse 4; 2. Bezirkes: (rechts von der Taborstraße) Tempelgasse 3. (links von der Taborstraße) Malzgasse 16; des 3. und 11. Bezirkes: Untere ViadUktgasse 13; >des 4., 5. und 10 Bezirkes: Siebenbrunnengasse 1; des 6. uttb 7. Bezirkes: Schmälzhofgasso 3; des 8. und 9. Bezirkes: Seegasse 9; des 12. dis 15. Bezirkes: Turnergasse 22; des 16. und 17. Bezirkes: Hubergasse 8; des 18. und 19. Bezirkes: Schopenhauerstraße 39; des 20. Bezirkes: Kluokygasse 11; des 21. Bezirkes: Holzmetstergasse 12. c) Rekla m ationen. Reklamationerr wogen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von .nichtwahlLerechtigten Personen sind Ibi's spätestens Sonntag den 28. d., in der Kanzlei der Israelitischen Kulltusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, s ch -r i f t l i ch einzubringen. d) Erstattung von Wahldo rs chlägen. Die Wahl erfolgt: nach dem System der Verhältniswahl (Proportioualwahilre cht) auf Grund von Wahlvorschlägen, welche von jenen Wahl« gruppen (Parteien), die sich an ider Wählbewegung '.beteiligen, Mhostens drei Tage nach Auslegung der ^Wählerliste und -fpäteßens dreißig Tage vor dem Wahltage bei den: Präsidenten der IsraeWschen Kultnsgemeinde einzure-tchen sind. - Die einschlägigen! Beistt'tUtmtugen der Mahlordnung sind an den Kundmachungstafeln der Jfraelitschen KulALgemeiude und der BeMuser ersichtlich. Der Maffenftreik m der Metallindustrie. Schulbeginn. Kriegerische Stimmung. Sutgegenkomme« der Gemeinde und der Regierung au die guduftrie. . Morgen ist offizieller Schluß der. Sommerferien. Die liehe Schuljugend, die sich durch mehrere Wochen in der Heuer recht spärlich scheinenden Sonne, jedenfalls aber in frischerer Lust tummeln konnte und die goldene Freiheit mit der beneidenswerten Sorglosigkeit der Jugend genoß, muß nun zurück unter die strenge Zucht der SchuMsziplin. . Der 16. September eröffnet die Saison der kontinuierlichen, zehn Monate währenden häuslichen Kämpfe, des zähen Kloiickvie-ges zwischen Eltern und Kind, zwischen praktischer, zielstrebigerErwachsenheit und der natürlichen Jugendwilöheit, deren Instinkte sich immer noch sträuben, fremdem Drucke restlos zu gehorchen. Nun mu ß die Jugend auf einmal alles mögliche: lernen, Aufgaben schreiben, memorieren, stundenlang still sitzen,' sich' zur Aufmerksamkeit zwingen und zahlreiche Dinge Verstandes- und gedächtnismäßig verdauen, die sie eigentlich gar nicht interessieren. Ntrn beginnt die große Umbiegung der IjügeMichen Seele, Wohl auch die rücksichtslose Stützung «ihrer ei gentümlichsten Triebe, bis aus dom schönen Wrldgewachs aus Gottes Naturpark'em braves, linear zmechtgestntztes Zierpflänzchen geworden ist. Ein neues Ideal, von Erwachsenen drohend 'aufgerichtet, ti'iimt sich auf: der Vorzugsschüler. Gefahrendrohen: did schlechte Note, der ungünstige Studienevfölg und damit das unerschwingliche Schulgeld. Es ist eine Welt der Tragödien, die sich hier auftut, eine Tragik, von der nur die wenigsten unter den Erwachsenen etwas ahnen, und' die nicht weniger tief, nicht minder schicksalsvoll ist als jene in der, Mlt der „Großen", die darum noch lange nicht die größere Welt ist. ' . Noch tappen wir int Dunklen auf dom weiten Felde der Pädagogik, das so länge schon von so vielen Pflügern beackert wird, deren überwiegende' Mehrzahl die kalten Regeln tausendmäk besser kennt als. das, woraus es letzten Endes entkommt, die heiße, zuckende Seele des keimkräftigen jungen Mensch?«; noch steht man.hier erst im ersten Vorhof der Erkenntnis, noch latM .sind Eltern keine Erzieher und Lehrer keine Erzieher, noch herrscht Drill und Gebächtnrsarbeit vor in der Schule,,Äe sinNM noch der-Marne viel näher steht als Lean frohen Meinstaat, einer > neuen Menschettwelt, in der sich Pflicht und Wille' harmonisch verbinden. Noch steht die Kampffront zwischen Groß, und Klein und ihre Mrüftungspokte vermag kein Völkerbund gu entlversen. - Das Fin.'da Sieclr hat den .Mul gehabt, seine Zeit -das „Jcchrhunidert des Kindes" zu nennen. Unter im verschicheuen Lügen der verlogenen Zeit mag diese -die dreisteste gewesen sein. Das Jahrhundert des Kindes wird im Anbruch sein, wenn in allent sozialen Tun, im gesamten staatlichen, gesellschaftlichen und apolitischen Leben »das Bewußtsein herrschend wird, daß sin den Schulen' und. Erziehnngsanstalten die Zukunft dieser Menschheit und ihrer Kultur geformt wird, geformt werden muß. rst, j. . Heute werden wichtige E n t s ch e i d u n g e n im Konflikt in der Metallindustrie fallen. Die Aeußeruttgen aus dem Lager der Streikenden klingen sehr kriegerisch. Der langsame Gang -der Vorverhandlungen wird von ihnen als Verschleppn/t-gsntanöver gedeutet, . -dein sofort m i t allen möglichen Verschärfungen der Streik maß nah men begegnet werden müsse. Die Führer bewähren jedoch ruhiges Blrtt und wollen namentlich der Agitation der Kom-munisten, die gestern u. a. in Flugzeiteln die Lehrlinge zur Beteiligung am Streik anfforderten, entgegenwirken. Regierung und Gemeinde Wien sind nunmehr über die Steueü.vünsche informiert, von deren Erfüllung die Industriellen die Gewährung vou Lohnerhöhungen abhängig machen. Bund und Stadt Wien sind -schon bereit, ein ge wiffesEntgege «kommen zu zeigen; über das Ausmaß der Steuerermäßigungen wird noch verhandelt werden müssen. Die durch den Streik überhitzte -Atmosphäre ist allerdings solchen Verhandlungen nicht förderlich. Im Verbandst im der Metallarbeiter wurden gestern die internen Besprechungen fortgesetzt. Für heute wurde,; die Sekretäre der auswärtigen Ortsgruppen des Metällarbeiterver'ba-ndes nach Wien berufen. Nachmittags tritt der Vierzigerausschuß zusammen. Das. Interesse -konzentriert sich jetzt auf die gemeinsame Aussprache der Vertreter der Metallarbeiterschaft mit den Vertretern der Industriellen, die für heute 10 Uhr vormittags ins.Jndustriehaus einberufen wurde. Falls diese Konferenz neuerdings ergebnislos verläuft,' dann wird der Vierzigerausschuß die letzten Vorbereitungen für die am Motttag beginnende tt Streikverschärfungen treffen. Bisher ist nur eine Ausdehnung des Streiks ans den St. P ö 11 n e x und W r.-N e u st ä d t e r J nd u st r i e b e z i r k ^schlossen. Sollte die Entscheidung des Jndustriellenverbandes die Arbeiterschaft nicht befriedigen, iw tut wird der Vierzigerausschuß den schärfsten Kampf durch Ausdehnung -es Streiks auf alle Industriegebiete Niedevösterreichs und* die anderen Bundesländer.proklamieren.; Ob es zu iwerteren ^Stillegungen, namenftich der l eb e n s w i ch t i g e n Bet r i e b. e i n Wie n komut-sn wird, hängt ledig-lrch von der heutigett .Äntwort der Industriellen' ab. Ein Anschluß.der Wie-netzMektrizit ä t s a r b e i t e r an -den Streik, was gle-ichbeideutend mit. der Einstellung der elektrischen BeleuH-' tüng, des Betriebes der.Straßenbahn^ der Lieferung von Kraftstrom und >damit auch des Stillstandes vieler Industrie- und Gewevbebetriche wäre, ist n i ch t a ü sg«schlossen. In diesem Falle könnten auch die Zeitungen nicht erscheinen, da die Elektromotore der Truckereimaschmen vom städtischen. ElektWitätswerL gespeist. werden. >; . . Im Rathause fft man ziemlich optimistisch. ' . Gelegentlich eines Presieentpfangs aus Anlaß des Wiener Musilfestes ersuchte Bürgermeister S e i tz die ausländischen Press-ebertveter, die General st re i k gerächte nicht t nt A usland z u verbreitest.' Wenn auch die Lage ernst sei, so könnte eine friedliche Lösung, wie imrrver bei solchen Konflikten, i m letzten M o m e nt geftmden iverdett. Ue-'ber die Geneigtheit d-er Gemeinde Wien, Steuern«chläfse zu gewähren, erfährt man aus einer Pressekonferenz, die gestern tm Rathaus .staitfan-d, unter anderem: - HERBST-UND WINTERNEUHEITEN Velourmäntel ...... .1450, 1150, 870- 590 Velour de Lain-Mantel, pelzverbr. 1450, 1450,. 1000 Velour* Kostüme . .2350. 1650, 1100 Sport-Kostüme ........ .1000. 800, 000 Stoffrips-Kleider . . . . . . . . . 960, 700, 490? Crepe de Chine-Kleider.1250, 1000,. 890 v Preise in Tausendern - Ausserordentlich günstige Kaufgelegenheit! M Laudtagspräsident Dr. Danneberg kam auf. den Einspruch der Rcgierttug gegen die Novelle zum Wohnbausteuergesetz zu sprechen. Erleichterung der Wohnbausteuer. Er verwies auf einen Beschluß des foziäldemokratisck>en GemeluderatsKübs, in. Attbetracht der schwierigen Wirtschaftslage eine Ueberprüfung -des Gesetzesbeschlusses dahingehend vürzuue'hmen, ob nicht für Geschäftslokale, und Fabriken gewisse Erleichterungen-geschaffen werden könnten. Es st-cht in Erwägung, die Steuer für Lokale, die einen HöhLrou Friedenszins . als* 6000 ,K. haben, in der g t e i ch e n H ö h e zu belassen wie bisher und nur einen fixen Betrag als. Zuschlag einzuheben, da die bereits geltettde Steuer in der gegenwärtigen Krise stärker fühlbar ist. Das Ausmaß des fixen'Zuschlages hängt von der finanziellen Auswirkung.ab, wobei beachtet werdet:' muß, daß jede Schmäleruttg des Ertrages der Wohnbausteuer eine Kürzung des Wo'hubattprogramvrs -bedeutet, was ebenso vom Stattdpunkt -der Wohnungßlöfen wie auch vom Standpunkt der produktiven Arbeitslosenfürsorge be-' daüerlich wäre. ' ' ' : ' ■ ’ Ermäßigung der Fürsorgeabgabe? Stadtrat Brei t u c x stellte' zunächst eine Ermäßigung der F r e m de nzimme rabga be in Aussicht, wenn die unEdiugte Notwendigkeit hierzu durch Blich- - einsicht bewiesen tvird und dieser Stmepnachlaß zur A-usgLstaltung der Betriebe verwendet wird. Zu diesem Vorschlag haben die Hoteliers bis jetzt'noch nicht endgültig Stellung gettontmen. Was die ertragreichste Steuer,' die Fürsorgeabgabe, anlatt-ge, so.handle es . sich hier keineswegs um eine Sonderbelastung für Wiett. Die Fürsorgeabgäbe ist durch ein Bustdesgesetz allen Ländern vorgeschrieLen worden und darf nicht weniger als 4 Prozent 'betragen. Es könnte also lediglich 'die nn Februar 1923,beschlossene Erhöhung der Fürsorgeabgabe von 4 auf 4,25, beziehungsweise von 8 aus 8,5 Prozent einer Ue'berpr jifung unterzogen werden. Der Anlaß zu dieser Zu-satzstetter war damals die HeranzielMtg der Gemeinde zuden Kosten der Arbeitslosenuttterstützung. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1923, der noch im September dem städttschen.Finanzausschuß zugehen wird, zeigt nmt, daß' tatsächlich die Kosten der Arbeitslosenunterstützung h int er dem E r t r a g d e r Z u s a tz st e u e r zurückbleiben. -- Es könnte nun erwogen werden, und es wird wohl gelegentlich der Beratung des Rechnun-gsäbschlusses für das Jahr 1923 geschehen, den Zuschlag dort ein viertel Prozent in jenem Ausmaß he rab zusetz e it, als dies dem derzei- - tigen durchschnittlichen Aufwendungen für die Arbeitslosenunterstützung entspricht. Werrn der Zuschlag von entern halben Prozent, der für Banken und Wechselstuben auge- -wendet wird, unverändert bleibt, so käme allenfalls für die ^Hauptkategorie der FürsorgeabgaLepfl-ichtigen eine H e r a bse tzung um ein Achtel, höchsteyZ drey se chz e'hntel> Prozent in Betracht. ' , ' Was Breit n e r hier bietet, ist sehr wenig., Er wird von feiner Fürsorgabgabe mchr zur Hevstelluug des Wivtschaftsfriedens in Oesterreich/ Massenmüssen. ,E'm mehrwöchiger Streik, der auch auf :bi:c; städtischen Betriebe übevgreift, würde übrigens einen so.großen-Äu.ssa-N an Gemeind eein nahmen bedeuten, daß Breitnrr.. bei einem iverteren Beharren auf seinen' hohen. Steuersätzen in sehr fch'lechtes Geschäft machen würde. - Die Regierung verspricht Steuerermäßü guugen. Die -Freitag begonnenen Besprechungen, des Haupt- Verbandes der Industrie mit der Bundesregierung und den Vertretern der politischen Parteien. wurden gestern nachmittags unter dem Vorsitze -des VizMuzlers Är.'F ra n ik und im Beifeindes mit der Vertretung des Fmanzministers lbetrauttzn Ministers Schmitz fortgesetzt. - ' Vom ^Hauptverband der Jndnstrie wurde eine Reihe von Wünschen, 'betreffend das A b gä b e w e f e n. des Bundes, der Länder und der Gemeinden vorgebracht. In Würdigung der schwierigen Lage der Industrie erklärten sich die anwesenden Vertreter der Bundesregierung bezüglich der den Bund betreffenden Stenerfrägen grundsätzlich zu einem Ent g e g e nko nt man bereit. Die vorgebrachten Wünsche seien gewiß -diskutierbar und i-n ernste Evtvägung Zu ziehen. Dia konkreise- Stellungnahme kvnm jedoch erst nach Abschluß der Genfer Verhandlungen erfolgen. ' / Im wetteren Verlaus der Beratungen wurden die einzelnen Punkte besprochen, wobei auch, die Vertreter cher politi-schetr Parteien sich bezüglich -der-ben 'Bund betreffenden Angelegenheiten im Sinne de-r. Wünsche d'e-r I n d -u st r i e äußerten. In gleicher Weise - > wurden, i die Wünsche bezüglich der. Länder- und GemeindeabgabeNn erörtert. Vizekanzler Dr. Frankschloß die BesprechunF nach mehrstündiger Dauer mit der Ankündigung, daß die.Regierung die Fortsetzung -der Besprechungen' in Aussicht nchn«.

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