Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-09-07 · Heft 1999 (7.9.1924) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1999 (7.9.1924)
Date
1924-09-07
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981082--20364-3007586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

i* sy«;™- .v i* ’ Güte 18 Wien, Sonntag Wiener Moegenzeitung. 7. September 1924 Nr. 1999 G n o p f r e ICH T •.•.!’■' - ’Jg!'l' ^..' ' r—r Der moderne Damensthuh. Die Schuherzeuger von heute dichten wohl nicht mehr s la Hans Sachs nur in ihren Feierstunden, Tafel und Griffel in der Hand, denn auch was sie nun in arbeüen- Prosa schaffen, entfernt sich immer mehr vom nüchternpraktischen Alltagsleben, um auf blumigen Gefilden der Phantasie zu wandeln. Für Wind und Wetter, Steine, Straßennässe und irdischen Stand sind die Pariser Schuhe noch nicht geeignet, und auch die bruchartigen, modernen Strümpfe, in. weißer. Seide, k rosigem . Beige, in allen Hautfärbungeu des Kolorits der maurischen. Körper gebracht, verleihen ihnen keinen soliden. Hintergrund. Wohl liefert mcur auch gerippte, chinierte, mit knotigen Spitzenmaschen gewebte Strümpfe, allein nur deren Aeußeres ist illusorisch solid, das Ganze sehr dünn, und die Pariserin bleibt: trotz all diesen praktisch scheinenden Lockungen doch dem ganz glatten, ganz feine» Strumpf treu, so lange oder so kurzi er bei ihr verweilen mag. Sie läßt sich weder von medaillonactigen Spitzen-Jnkrustationen noch allernenestens von in Regenbogenstreifen ombrierten 'Strümpfen von ihm abwenden, ist er 'ja, in seiner gewollten Unfcheinbarkeit, die beste Folie fürs raffinierte Kunstwerk des modernen Schuhs. Beim gewissenhaften Studium seiner Arten und Abarten kommt mau bald zur .Gewißheit, daß der Schuh viel weniger spitzig geworden ist, daß. seine Absätze, die meist 5,6 Zentimeter nicht übersteigen, also nicht höher hinan wollen utib daß der Schuh nun aus zwei rechts und links durch bis zur Sohle in sichtbarer Leere getrennte Hälften besteht, einer rückwärtigen und einer vordere!!, während die Seiten unbedeckt sind. Spangenbrasseketts, Briden- Kolnbinabionen, Lurch vorne aufsteigende Schuhvorderteile oder Schnallen versteckte Gummieinsätze, wenn nicht Gummibändcheu, halten Len Schuh fest, der aber so tadellos sitzen muß, daß er eventuell auch allein halten kann. Die indianischen Leistchenschuhe, mit Zanz niederen, halb- oder ganz hohen Absätzen scheinen sich für Strand und Land spezmli-' siecen zu wollen. Man trifft sie in Weiß, in grellen Farben, VIKTOR MEIS CLMANN SALON FÜR FEINSTE MASSANFERTIGUNG KOSTÜME/MÄNTEL KLEIDEN /PELZE WIEN, 9. BEZIRK, HÖRLGASSE 9, TUR 12 -TELEPHON NR. 3744/6-- PERMANENTE AUSSTELLUNG Kunstgewerblicher Arbeiten’aller Art Binsen / Handarbeiten / Rippe* Feine Damenwäscbe Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT Hanna Menzel & Cie* Kunstgewerbe Wien, I. Burgpassage 10628 N>(°)DEDIAE *•;aufeh iie BILLIÖ/T IM < . imswm II.TABOR/TRi M? 18 |(HOTEL NATIONAL^ KiePtlOn «04 21 in braunem Marocain, dann weiß oder cremefarbig eingeslochten, doch macht ihnen neuestens der schachbrettartig, wunderfein geflochtene Schuh in bunten Farben und schneeigem Weiß einige Konkurrenz. Städtischer wirkt natürlich der schwarze Lackschuh, nun oft mit vergoldeten Leisten verziert, gerne aus goldenen oder goldgeränderten Absätzen ruhend, dann auch mit bunten Rändern versehen, noch eleganter mit Applikationen von Eidechsen- oder Schlangenhaut. Tadellos elegant präsentiert sich dann, auch der grauweiß geschuppte oder bunt gefärbte Schlangenschuh oder der schwarze Lackschuh mit gemalten Rändern, wenn nicht mir bunten Leder-Inkrustationen. Die Spangen scheinen übrigens breiter n-erden zu wollen und ein ganz neues Mooell zeigt eine Spange, die wie eine Halblarve geschnitten ist und gleich einer solchen eingeschnittene Augenschlitze hat. Zum hellen Sommerdreß paßt der aus feinsten Stroh sä den gestickte Schuh, mit bunten Strohblumen bestickt, während Silber- oder Stahllinien hellfarbige Ledermodelle mit Geschmack konturieren. Originell wieder sind schwarze Bernisschuhe mit aufgelegten Arabesken oder Fragezeichen aus farbigem Leber, und di« Mischung Schwarz-Braun bringt elegante Exemplare mit schwarzen Lackkappeu, deren Spitze bvrne hoch aufsteigt, zu braunen Fersenteilen. Andere braune.Modelle schmücken sich mit mnschelartig gebogenen, länglichen Goldschnalleu oder mit Altsilberschnallcn diese ganz massiv gehalten und erhaben, hoch, wellig gerippt, . wie dennüberhaupt die Schnallen scheinbar gewichtiger werden. Ajourierte Schuhe sind des öfter«. zu sehen, insbesondere in jenen Pariser Läden, die ihre Direktive. und Modelle zum Teil ans Amerika erhalten. Die Formen sind dann solider gehalten, die Absätze aller Straßenschuhe direkt nieder, viel schöne Applikations- und Ajourarbeit, insbesondere in hellblauem Leber auf weißem Sämischleder, graue Dessins auf weißem Grunde, wie denn überhauptdie Farbenbpos der Mode nun so wohlgefällig klingen, daß man auch! die einfachsten Cannevas-Schuhe in Weiß, Hellgrau oder Beige mit schwarzen Lackleisten versieht und. den. weißen Modellen sehr buntfarbige Einfassungen aufsteppt. Unter den neuen Motiven für Durchbruchsarbeiten figurieren stili- Copyright Oesterheld & Co. Verlag, Berlin. so. Fortsetzung. Das Mädchen im Mel Kriminalroman. ,> Von Josef Gollomb. : „Inspektor .Hawleh von Scotland Aard möchte Fräulein Sangree sprechen." Naida stand ans. ,/Jch will ihn in .der Bibliothek empfangen." ' „Bitte! Ich möchte ihn auch sehen!" rief Eileerr eifrig. ,Dostehist du darauf?" fragte Naida. „Du weißt, Doktor Ramey .. ,> ***' ,/Jch fühle mich stark genug. Ich würde ihn so Hern sehen." ,Mtten Sie ihn, hierherzukvmmen", sagte Naida zu dem Mädchen. ,-Verleihung, Fräulein, aber er sagte extra, ex wünscht allein mir «Ihnen zu sprechen." „Weil er g-lanbte, ich sei noch zu ikvarik", erklärte Mleen. ^Lassen Sie ihn nur hier hereinkommeri." „Cs sind noch ein Paar fremde Leute bei chm." . ,-Sie sollen in der Bibliothek warten." „Ja, Fräulein Eiteen." Das Mädchen vechieß -das" Zimmer. Gin Paar Minuten später kam sie zurück.. ,/Jch habe dem Herrn Inspektor gesagt, daß KöuMn Eiteen ihn hier zu. sprechen «wünsche; er -'bestcht 'darauf, -daß er nur Sie, Fräulein Sangree, Sie ganz, allein sprechen muß." : , V. Naida stand auf. „Ich weM ihn hier her-einbvingen." Sie ging hinaus. In der MAiMek 'wartete.' iIn-' spsktor 'Hawley mit ldrei anderen Männern. ' .' . „Fräulein Goodrich wünscht Sie zu sehen", sagte sie kalt zu km. Der große Mann von Scotland Davd schüttelte den Kopf. „Ich muß Sie wirklich allein sprechen." - ,Ich kann mir nicht denken, was Sie mir zu sagen hätten. Ich habe keine Gehsimniisse vor Erlern." ,-Immerhin, es ist etwas — das sie zu sehr ausregen würde. Ihre Nerven >haben schon zu viel aushatten müssen." .. „Das können «Fräulein Goodrich und ich besserbeurteilen,". Naida ^wandte sich zur Tür, aber Kawleh trat ihr in den -Weg. ' ' ' * ,-Bitte, gehen Sie nicht." . Naida zurück. „Sprechen Sie jetzt als iPolizeiheamter zu nrir?" „Vielleicht lassen Sie mich erklären . . sagte Hawley peinlich berührt. , / ,/Jch werbe Sie in Fräulein Goodrichs Zimcher auhöpen, »wenn Sie mich nicht 'durch Polizeigetyalt hier zuviickhatten." Hawleh zögerte. Daun wandte er sich zu dqn Männern um und sagte: „Wartet hier." Er trat «beiseite, und ließ FxäuNn Saugree in Glleens Zimmer.; : Zwölftes Kap'ct ett ' Naida von gestern. Gespannt begrüßte Eileen dein 'Inspektor. „Ich freue , mich sehr, Sie^zu sehen",, ries sie, ihm die Hand hinstreckend, j '.-„Danke IHM" , saAe er ernst. „Ich muß-'Oie: -erj suchen, Fräulein 'ÄhodM. Ihren Einfluß' auf Fräülein Sangreee. auszuÄben- UWit sie' mir eine Unterredung ge- .chährtl 1ß& ist. «von' größter. MchWU." „Diese. Sache ist für wich erledigt",. .unterbrach ihn . Naida. „Entweder Sie sprechen hier vor Fräusein Goodrich sierte Tulpen, breite Biedermeierroseu, geometrische D'reb eck-Effekte. Zum Nachniittägstanze abe r wollen, myrborefqrbigi Atlasschuhe, deren schmale Randleisten in weißenr Atlas bunt bestickt erscheinen oder. die. aus ihrer braunen Fläche verstreut gestickte, bunte Knospen aufleuchten lassen. Em seh r eleganter, schwarzer Lackschuh zeigt vorne lose, große, ovale Medaillen ans grauer Eidechsenhaut oder degradierte, graue Lederringe anstatt der Schnallen. Schwarze .Abendschuhe aus Atlas bringen sogar aktuell das ineinander verflochtene, farbige Ringmotiv der vlympischen Spiele als Borderdekoratton oder spitzig zugeschnittene, rote wie auch grüne mit Schwarz gemengte Blätter, die eine aufstrebende, halbe Chrysantheme formen. Oft wird die schlank oder breit aufsteigende Borbergacnitur oben von einer, das Ganze konsolidierenden Spange oder einen! Knöchelring aufgefangeir, aber die ällerneueste Dekoration schrvarzer Atlasschuhe liefern, wie sie dies nun auch im Hntfache erprobten, aus seinen Goldplatten ausgeschnittene, kleine und größere Medaillen oder längliche, zulaufende Metällinotive, während die Ränder anderer Halb-- schuhe Miniatur-Kolliers tragen, aas Gold, mit winzigen, schwarz emaillierten Tropfen. Halbc-eifen aus. weißen oder weiß-rot wie weiß-grün assortierten Similis gebracht, umsäumen gleichfalls den Borderausschuitt und finden «gerne, beim seitlichen Spaugenknopfe, ein in ihren Farben funkelndes Echo. Noch viel kostbarer aber sind Abendschuhe, völlig aus Diamant-Imitationen, aus Similis und, farbigem Edelstein-Ersatz, aus schillernd geschlissene!! JcttplättcheN ge» bracht, die haargenau passen müssen, so die Trägerin nicht schon beim ersten Shimmy schmerzlich wissen soll, wo. sie der Schuh drückt. Und wenn Richard Wagner geahnt hätte, wie sein „Schusteclied" anno 1924 zu kliugen habe, hätte er es vietteicht, statt derb für Baß-Bariton, nicht Hans Sachs, sondern leicht beschwingt lieber dem Evchen-Zopran seiner „Mvistersinger" anverttaut. FEINSTE Herrengarderoben nach Mass und konfektioniert sowie sämtliche HERRENHODEARTIKEL (Herrenwäsche, Krawatten etc.) zu mäsilgen Preisen! HERRENPELZEt<HT«""»»»" in jeder Grösse und Ausführung BET“ zu besonders billigen Einführvngspreiseh! Herrenraodehaus A. Borenstein, Wlin,!l. HollandstMO Elegante Oamenkute /. Mihlerstnsse /3 oder Sie übernehmen «die Berantwoactu-W und verhästen «mich. Etwas anderes gibt es nicht für mach."- HaWlehs Gesicht würbe finster. ,-Fch hoffe, es wird nicht nötig fein, Maßnähmeu .. * Etteen starrte von einem znm anderen. „Warum, was ist denn tos?" fragte sie. „Was soll i... heißen „verhaften"? Ihr nmcht nttr Angst!" „Entschuldigen Sie", sagte der Inspektor mit absichtlicher Betonung. „Das Bonchmep Fräülein Sangrees läßt nttch annehmen, daß sie nichts dagegen hat, Sie zu ängstigen." ,>Herr Hawley," schrie Eileen, so etwas dürfen Sie nicht sagen — denn >das kann doch nicht Ihr Ernst sein?" Hawleh schwieg. „Wollen Sie sagen, daß es nicht so gemeint lvar?" Hawley gab keine Antwort. „Da>ß Sie glauben, Naida will mich in Furcht jagen!" Er Web stumm. ,Hber >was soll sie denn für einen Grund dagu haben?" „Inspektor Hawleh weiß wahrfchointtch," sagte jetzt illaida mit messerscharfer Stimme,,?„,idaß ich im Einverständnis mit. deinem Vater Vollmacht über dessen Vernrägen «hatte und dein Vormund whrde. Es . würde gewiß sehr vorteilhaift für mich fein, werM du dwvch Angst Md Aufregung irrsinnig werden wmdessß Es würde mir nn- -begreiHte Macht über dein"Veruwgeü gsben." „Naida, sprich nicht so", schrie das Madien aus. „Bitte, entschuldigen Sie sich bei ihr, Herr Hawleh. Sie ^ben.siepbelMgt." ... .. .. ...... . ......... ■ ' ZüHrer gpößten Wstürzüng schivleg der WlinIron .SeotAnd Darv. ^noch, immer,'. Meen sah>. dgß er,Ächtt abgeneigt «war/ Naidas AMhevung zu glauben. Sie riß die Angen auf vor Entsetzen. Daun kam sie zu Änem schneller Entschluß. Fortsetzung folgt.) .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.