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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-07 · Heft 1999 (7.9.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1999 (7.9.1924)
Date
1924-09-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Teste 6 Wien Sonniaa Daher ist der Palästinavavltlon imucer von. im r.!.'••• '' . ni?<ute zu und das Gewühl wird oft beängstigend di.ln. Die größte Beachtung findet das .Kunslgcwerbe. Es ist vielleicht auch am besten vertrete». Und das ist ein gutes Zeichen. Es zeugt Volt dem erwachenden Schön yeitssinuc der palästinensischen Juden. Da sind Metallarbeiten der verschiedensten Art, Schmuckgegenstände aus Olivenbolz. Perl ' mutterarbeiten, Tücher und Teppiche. Und all das hat auch einen praktischen Wert: es wird viel gelaust und gut bezahlt. Möglichkeiten für die Etttwicklung einer erfolgreichen .Industrie liegen hier. Und die Grundlage zu all dem hat die Grüuduiig tiner eigenen Schule vor dem Kriege durch Professor Baris Schatz gelegt, der Bezalel. Sein Einfluß ist überall unverkennbar. Da sind Miniaturzeichnungen auf Elsen lein, Thorrkronen und reich verzierte Mesusoth, prächtige Megilloth und die eigenartigen BibelzeichmlUgen von Abel Patin, dem künstlerischen Leiter der lithographischen Bezalelpresse. Die Metallarbeiten und besonders die Filigranarbeiten, die früher einen breiten Raum in der Tätigkeit des Bezalel entnahmen, werden nun von Schülern des Bezalel selbständig weitergeführt. Daneben trat in den letzten Jahren eine andere jüdische Firma, Alfred Salz manu. Besonders ihre Arbeiten aus Olivenhol; haben die Bewunderung des englischen Königs und Baron Edtoard Rothschilds erregt. Sie werden ift gerne gekauft und die Firma hofft, als ein Ergebnis der Ausstellung ihren Betrieb, der jetzt o-'rzig Arv-chrer zählt, bedeutend erweitern zu können. Äkener Moraönz?ltung.__ Be »-hier kann doch vieles davon auch hier erfassen: da lind die schütten S t ä d t e p l ä n e des Architekten K a u f f m a n p. Nicht zufällig und chaotisch sollen hier Städte erstehen, sondern nach den modernste» Methoden der Städtebaukuust. Und uh' idiese Pläne sie hl, die hier an der Wand hängen, kann träume,,, ivie stolze nud schöne Städte mit Plätzen und Parte» und Monnmentalgebänden in wenigen Fahren dort sich erheben werden. :vo heule das Auge im Lande nur jeden Tag siel, mehrende Häuser sieht, Straßen im tiefen Sande, Andeutnugeii in felsigem Stein. Es ist nur zu wünschen, daß die neue» Städte wirklich ganz nach Kauffinanns Plan gebaut werden und daß der Juden Sinn für die harnronische Weite verschwenderisch, i° Raumgestaltung und die Notn endig keil selbst teurer öfseutlicher Aulageil geiveckt wird. Lud daun ist da ein Modell Palästinas und darin die Nuibentzergschen Kraststatioukir eiugeü'tz'., wie sie i» rvenigeu Ich reu das ganze Leben des Landes änderir werden. Tel-Awiw kennt heute elektrische Küchenherde und elektrische Fächerventilatoren. In Haifa wird jetzt die neue Station der elektrischen Werke gebaut und bald wird >vohl auch Jerusalem folgen. Tie Araber in Jaffa nud Haifa haben sich zuerst gesträubt; aber sie haben schnell gelernt, welche Wohltat das Werk Rutheubergs für das Leben jedes einzelnen bedeutet. Aber interessanter vielleicht ist noch ein kleineres Modell im Stande des landwirtschaftlichen Departements der Zionistischen Organisation, das Modell des Dorfes Rahalal. Hier hat der Keren Hajessod auf dem Boden, der dein iüdi- 7. September 192-1 Nr. 1009 Sonderbare Reliquien. Bon Egon Dietrichstcin. Mtem In diesem Möbellager ist Oesterreich... Nämlich im Magazin der weiland k. u. k. Hofmöbci, >» der monarchistischen Rumpelkammer oder wie man offiziell sagt: das BundeSmobiliendepok, Dre Schlösser sind erhalten, schlecht und recht irgendivie verwendet worden, aber zu den Barockfautenils, zu de» sechzigkerzigen Kronleuchtern fehlen die Bewohner. Kostbare Stücke sind im Umsturz versunken, Kuriositäten haben illegale Liebhaber gefunden, so daß man schließlich die Möbel einer eigenen Amtsverwaltniig unterstellte. Das Mobiliar mürbe inszeniert, fach- und sachgemäß zusammengestellt, die denkwürdigsten Zimmer restauriert, so daß es nun in der hellichten Mariahilferstraße, ,vo sich das Depot retablierte, wieder „Gelbe Salons", „Chinesische Zimmer", „Hosdauleugemächer", „Fagdkammern" gibt. Sterbe- und Geburtsstätten in reichster Auswahl sind private, intime Antiquitäten. Mau braucht die alle Zeit nicht zu betrauern, aber nun, in nicht mehr eristentein Zustand, ist sie vortrefflich zu verwenden. Sie gibt der Gegenwart neue Ausstellungen, ue>,e Museen, neue Konzert- und Theatersäle und neue Skandalassäreu. Die Säle und Denkwürdigkeiten blieben früher -- ovn einigen Abfällen abgesehen, die man leutselig, zeitweise und mit Einschränkung der össentlichen Besichtigung „opferte" —- dein Hofe reserviert: das Schloßtheater in Schöiibrunn, den Dilettantenvorstell,tilgen der Aristokraten, der Hostamwcc garten dem Morgenspaziergang Franz Josefs, das Gartenbassiir de», Badebedürfnis der k. k. Burggeudarmen. der beste Teil d-es Belvepereparkes den Promenaden Franz Ferdinands, die Säle der alten Burg den allerseierlichsten Ereignissen und dem Hosball, die neue Burg den endlosen Ban arbeiten. Nun erst wurden bte Schätze durch Inkasso von Eintrittsgeldern vcnvertet. Tie spanische Reiischnle gibt öffentliche Vorstellungen, die Hosstallungen beherbergen de» Messe' basar, die Eingeweide der Burg sind als Theatersälc ausgewertet worden, zur Schönbrunner Menagerie müssen Eintrittskarten gelöst werden. Hans Habsburg verzinst sich. Fm Zuge dieser Frultisikation hat mau nun die Ans- , stet lang der „Hvfmobilie n" eröffnet und in den seriösen .Hofprunk ein P a n o p t i ku m eingestellt.... Das Panoptikum; ist in Wien sehr populär geworden, allerdings bisher weniger! als Zweig des habsburgischen Stammbaumes: vielmehr als gruselige Erinnerung an die historischen Lust-und Raubmorde. Unter der Firma: „Präuschers Panoptikum" genießt es in. der Wiener Bevölkerung ein crträgnisreiches gienomme. Freilich: inan hat neben den berühmten Giftmördern, Halsab- , schneidern und anderen menschlichen Bestien auch die Wiener LEblingc, wie spart Lueger, ausgestellt. Die Persönlichkeit wirkt ans den verschiedensten Gründen attraktiv: der eine als Held, der andere als Bauch ansschlitzer. Das Pauvptikuiu im Hofmobiliendepot ist vor allein harmlos. Man bat die D i c n e r s ch a f t Franz Josefs dort auf bewahrt. Natürlich nur die proiuiueutesten Diener, die dem allerhöchsten Thronsitz nächsten Gardisten. Das sind nicht Typen, sondern Individuen, Nicht ein Gardist, sondern ein ganz bestimmter Gardist und der Bnchscnspannner. Nicht in einem nachgeahmten Kosti'un, sondern in der Originallivree, die er wahrhaftig und wirklich trug, wenn er an, Kutschbock des kaiserlichen Wagens saß. Wirklich und wahrhaftig: es fehlt keine nebensächliche Spange, cs fehlt fein Band, es fehlt keine Schleife. So und nicht anders war er adjustiert. So und nicht anders sah er ans. Er hatte eine würdevolle und ausgiebige Fülle und das dünuc Spitzbärtchen gab dem Lakaieugcsicht ein sachtes Merkmal von Intelligenz und Besonderheit, er war der Büchsenspanner. Es sprießt vom Stamme der Niesen der Burggendarm hervor. Er wurde vor allem mit dem „Maß" asseutiert; nur der ausgediente Feldwebel mit der qualifiziertesten Brustbreite, mit dem vorschriftsmäßig beschriebenen Körperbalt konnte in das Korps eintreten. Er stand zieinlich unnahbar in der Burg Posten, im Hofe, auf den Gängen. Zugeknöpft. Man hatte das Empfinden: eine Adjustiecungsvorschrift, ein kompliziertes Monturreglement hatte hier menschliche Umrisse angenommen. Mitunter bewegte sich der verschnürle befederte, galagekteidete Koloß, gemessen, mit der vorschriftsmäßigen Anzahl der vorgeschriebenen Schritte. Punkt 12 Uhr mittags marschierten sie farbenprächtig, bunt mit ritterlichen Hellebarden in die Hofburg zur Wacheablösnng. Die Leibgarden waren ein besonders stolzer Besitz des .Hauses Habsburg, sie bewachten die innersten Gemächer. Der Leibgardist trug in einer seinem Körpermaß entsprechenden Lcdertasche die Aktenstücke aus den .Hofkanzleien. Er war die Ordonnanz des Hofdienstes und der Familie. Der Kommandant der Garde war mit dem Ruhme ausgezeichnet, eine der allerhöchsten Stellen und imposantesten Uniformen auszufüllen. Nun, da man ihn im Ausstellungsräume wieder sieht, mit allen Details der Uniform, nur seiner Würde entkleidet', fällt ein subalterues Feldwebelgesicht und sein aufgezwirbelter Untevoffiziersschnurrbart auf. Kurz: man sieht nun ein Jndividium, während wart einst nur ein Glanz-, Macht- und Galasymbol sah. In den drei Puppeir des Hofstaates, in ihven Prunkuniformeu, ist eine ganze Zeit verkörpert. Man kann nicht behaupten, daß der Büchsenspanner und der Leibgardist, daß diese Puppen, so sehr sie den Originalen gleichen, rrcht! lebendig sind. Sie können es nicht sein, denn ihre Zeit ist toh. Aber man merkt nun, daß nur Menschenpuppen das Original so hochgradig treffend darstellen können, die auch bei Lebzeiten nicht anders waren als Puppen, Uniformmodelle. Sie sind nun aus Wachs. ^t-iren sie jemals aus Fleisch und Blut? ’S F* * * >. -4' ■ M <y.;< '"V >' ' 't-,''' " .? * t i i 1,.L... Der OSerkommissar von Palästina Sir Herbert Samuel (X) vor dem Eingang des Palästinapavillons kt Wembleh. Um sichtbarsten türmen sich im Palästinapavillon aber bie zw« meist ausgeführten Landesprodukte dem Beühauer «tgogenr Wein und Drangen. Die Köstlichkeit palästinensischer Tafeltrau bei:, ioie sio letzthin in manchen jüdischen Kolonien erzeugt werden, läßt sich leioer nicht bis Lsndvn echatten. Aber Wein und Kognak ist da für j«den Gaumen und vor allem die großen, dickschaligen, kernlosen, süßen Omngen aus Palästina. Sie hatten ihren Einzug nach London schon früher gehalten, aber die 5lonkurrenz war groß: nun haben sie den Markt endgültig erobert. Sie sind nicht billig, vier oder füns Pence kostet eine, und doch gibt es wenige, die daran Vorbeigehen, ohne zu kaufen. Und neben Orangen sind es vor allem Palästinas Süßigkeiten, die beweisen, wie reich das Land au Delikatessen ist. Die jüdischeSchokvladef ab rikRaanan inTcl-Awiw soll es, wie Keimer behaupten, mit den Schweizer Fabrikaten aufnehmen können. Aber die Ausstellung der eigentlichen zionistischecr Arbeit ftEst enttäuscht etwas. Und dies ist nicht zu verwundern. Das Eigentliche, Wertvolle, Wesentliche dieser Aufbauarbeit kamt kerne Ausstellung fertiger Produkte wiedergeben. Tenn hier ist alles rm Werden, Wachsen, im Schwellen, und das Gmße ist der Geist der Chaluziuth, der Pioniergeist, der dberrdige, vorwärtsdrängende Nan, die elementare Kraft, Wda wie über Nacht Sprachen und Kulturen belebt, neue Lirdlimgen M»d ganze Städte schafft. Aber der aufmerksame scheu Nationalfouds gehört, ein Wunder geschaffen. Drei Jahre zuvor war hier Sumpf, eine berüchtigte Malariagegend. Heute find hier 284 jüdische Menschen angesiedelt, achtzig Bauemfamilien, wohnen in schönen Holzhäusern, haben Betonställe, haben Getreide gepflanzt, Futterpflanzen, Gemüse,' Frnchtbäume, Eukalyptnsbüume und Weinreben, es gibt keine Malaria mehr, sondern eine neue, gesunde, jüdische Generation wächst hier heran. Unb' dieses Wunder hat der jüdische Chat uz mit den Mitteln des Keren Hajessod an einer Reihe von Stellen im Lande vollbracht, m Nuris und m D i i b, in Tel-Adas und in K f a r-J eh e s k i e l. Schöne Photographien an den Wänden zeugen davon und Früchte in Glasern sind der einzige, ach, so wenig das Leben wiedergebende Atlsdrnck dieser neuen Realität. Tabellen hätrgen ringsum ilnd zeigen das Werk des Keren Hajessod auch auf dem Gebiete des Schulwesens und des Kampfes um Besserung der Gesuudheitsverhöltnisse des Landes, die Arbeiterkooperative zeigt in einem eigenen Stand, was die organisierte jüdische Arbeiterschaft im Lande geleistet und wie sie geholfen hat, aus eigener Initiative die schweren Geburtsstundcn der neuen Siedlung zu überwinden. Und dann tritt man wieder ins Freie. Und unwillkürlich vergleicht man: hier die Sicherheit, der großartige Glanz eines alten mächtigen Reiches, dort drinnen im Pavillon die Zeugen eines kleinen, manchmal noch ärmlichen und doch so schnell heranreifeitden Beginnens. Und man spürt etwas vou < ';'t dieser Schöpferfrende, die in diesem Beginnen -Kec '''Men Zukunft entgegenschtvillt. ■' —'•ujflär.*’*

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