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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-07 · Heft 1999 (7.9.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1999 (7.9.1924)
Date
1924-09-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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gfiicntts MoraemeÄv«». 7. SeftkelMr.lHÄk Geilik 8 ' ^'' iw s/fy *. y>jt &v Der Palästinapavillon in der britischen Reichsausstellnng zu WemAeh. ' Kr. 1999 Wien, Sonntag mit eiNAedautem „8vl'Lvn"-(iummi-^.dSLt2 Schuhe! ^rirtv; Somit Lutste in Babylon das Bankgeschäft dom D epot- und Darlehensgeschäft entspringen. Md tatsächlich weist bereits das Hammur-aibi-Gesetz mchrere Bestimmungen über «das Döpotgeschäft auf; im modernen Kapitalismus wird bekanntlich dieser Zweig von der Hinterlegung von Wertgegenständen bei Juwelieren hcvgeleitet. So findet sich die Bestimmung, daß ein Vertrag über Verwahrung von Gold, Silber oder was sonst immer, uvkundlich vor Zeugen abgeschlossen werden müsse, weil er sonst nicht klagbar sei; ferner, daß der Vevlvahrer für den Verlust haftet,, insbesondere durch Einbruchdiebstahl, sofern er nicht die erforderliche Sorgfalt beobachtet hat. Ihm bleibt es überlassen, sich bei dem Dieb schadlos zu halten. Wer die wirtschaftliche Entwicklung schreitet energisch über den Zweig des Depotgeschäftes, den man heute das geschlossene Depot heißt, weiter und erreicht die Stufe, auf der die Barrk als Vermittlerin des Geld- und Kredrtverkehres anftritt. Das alübabylomsche Bankgeschäft befaßt sich ober auch mit der Eiulreibung von Leistungen, unid es ist wahrscheinlich, daß der Staat sogar die Steuern an große Geschäftshäuser verpachtete. Das Bankgeschäft nimmt auch Geld zur Ber-kns ung an, sogar für ganz kurze Fristen, immer nrit den: VorbchM, daß , es mnevhaibb dieser Frist das ein,gezahlte Geld als Darlehen weiter-gelben kann. So ist eine Urkunde vorhanden, die uns zeigt, daß das Bargeschäft Nnzahlungen, die mit dem Auftrag genracht werden, die Summe an einem bestimmten Ort binnen vierzehn Tagen zu zahlen, auch zu verzinsen verspricht, wenn es in dioser Frist das Geld -veitev verleihen kann. Wenn auch in diesen Verträgen nirgends davon die Rede ist, daß der Geldmann ein Bankier sei, so ist cs nur denkbar, daß een Bankier, also ein Mensch, der gewerbsmäßige Verbindung mit dem GeÄ- und Kreditverkchr hat, daran denken kann, eine große Summe für dierzchn Tage durch Darleihen Zins, tragen zu lassen, Eines der Haüptgeldgejschäfte war das Dar l e h e n, worüber sich außerordenMch viele Verträge vorfinden. Die Rechtssicherheit im Laude war augenscheinlich so groß, daß die B erruft quote nicht allzu hoch gewesen sein dürfte. Das gcht schon aus der mittleren Höhe des Zinsfußes uüd ferner ans dem Umstand hervor, daß das Darlehen nicht mehr gegen Sicherheit, wie Pfa-nd'bestellung oder Kauffiktion gewährt wird, sondern ein reines SchMverhältnis ist. Nebm den RealkrMt ßst schon der Personalkredit getreten. Es hat' den Gesklügkeitscharakter der Leche bereits völlig dbgvftreist und ist ein Geschäft wie jedes andere geworden. Die Annahme der Existenz und Entwicklung des Bankgewerbes erhAt aber ihre stärkste Stütze durch Urkunden aus ' der Zeit der Kaschuherpscher in der zweiten Hälfte des drei» zchnten Jahrhunderts; die ansgefnnidonen sechzig Tafeln bilden Mw einen TeA, vielleicht kaum die Hälfte des Avchüvs einer Bankierfamilie, die ihren Sitz in einem Keimut Städtchen des babylonischen Reiches hatte. Ihre MitiML Lvstveckte sich aber weit über den Heinratsort hinaus, dsrm;.fte führte auch die offizielle Verwaltung dev königlichen Interessen Mch fungierte als Berechmvugsstelle zwischen der königlichen Kaurmorverwaltuing und der Staatsbehörden in diesem Städtchen «ach Art der Bank von England. Daneben diente das Hans auch.noch als Vermittlungsinstitut van Privatleuten in ihren Bezichnngen zu den Tempeln und betätigte sich schließlich in Geldgeschäften sowie landwirtschaftlichen und''ini)u-- seriellen Untevnchmungen, wofür es zahlreiche Arbeiter. und: Angestellte hat te. Ein günstiger Umstand läßt uns dann in bcjc. neubabylmrischen Zeit das Schicksal eines dieser BanMyser von Nebulkadnezrr an bis Darms verfolgen. Das Bankhaus Jgibi undSöhne, welches in Babylon jsMst seinen Sitz hatte, unterhielt weitverzweigte Goschäftsverlbindungeu und demnach auch zahlreiche FilialAr. Doch beschränkte sich die Wtigjke.it: seiner, Mitglieder — das Haus wurde bis m die Zeit des Darms von einer Familie in einer Art Familiengemeinschaist geführt — nicht nur auf Bankgeschäfte; man machte vielmehr auch alle möglichen sonstigen Geschäfte, meist in der , Fvrm der Beteiligungen, wobei das Bankhaus einem Traklator — darunter auch einmal einer Frau — Kapital und Waran stellte. Wenn auch ans dem erhaltenen Material üicht ersichtlich ist; wie das Betriebskapital zusammenLam,'' dürfen wir doch mit gwßer Wahrscheinlichkeit vermuten, daß. 'es größtenteils durch Einlagen >geschcch, wie beim Banikhaü's des Pasion in Achen im Zeitalter des'Demosthenes. Aus der uns echaltemn'Auseinianidersetzung'der Inhaber, nämlich dreier Prüder; geht'aber hervor, daß auch sie recht vernröglich' üüd jkve-ditsiähig'.wjttM; stellt doch schon chr Grundbesitz in Babylon — nach dem vorhandenen Inventar — ein Wertvlbljeki von vielleicht Ms chis zehn Millionen Friedensmark dar, sonstiger . Besitz an Lanidgütern und Sklaven gar nicht nritgerechnet. 7"!' i... '. * /' Jp. «Her, uns das hochenttvickMe babylonische' WirtsrhäMsbe^ihufch. genaue Kenntms rückt, desto größer wird die i ' Aohnsichkeit^ Mt. unseren.' Bank- und Krciditverhältnissen. - Ist . / jäv mit allergrößter Wcchcksche«Mchkei-t.anKN-uchmm, daß di^'e ,.^twiiÄtUW..-soHar zur Schaffung einer Waren--und "Efsektenb 0 rse im alten BadY{0 n gchichrt hat. , Dof. Dr. WWlm Stein. Dort» wo das feste Gefüge der fast endlosen Stadt sich lockert und ick offenes Land langsam überzugehen beginnt, liegt Wembley. In diese sonst so geruhige Umgebung hat die große Ausstellung Ströme von Leben gebracht. Das britische Weltreich strömt hier.zusammen, die englische Provinz, die überseeischen Dominions begegnen hierihren Londoner Pattern und mischen sich mit Gästen ans Amerika und vom Kontinent. Tagelang farm man hier in den Pavillons. unb Ausstelluugspalästen immer neue Abteilungen Nie vorher gesehene Gegenstände entdecken. Das glanze gleicht London irgeckdwie: es ist kaum schön zu neunes sicher ermüdend, bielet nicht jene Ruhepunkte, die der Kontinentalevon seinen Kaffeehäusern und Gartenrestaurants her liebt, hat wenig Anmut, imponiert aber durch seine Größe, durch seine Wucht und seine innere Stärke, Wie anders hätte man nt Wien oder Paris diese Ausstellung präsentiert, und doch, nirgends so voll großer Linien und großen Charakter aus§ atmend, erfüllt von einer ruhigen, bewußten, klugen und höflichen Sicherheit. Da, inmitten der Betonriesen, liegt ein kleines Aussteslnngsgebäude, das für die Juden aller Länder, und nicht nur für sie, von einer eigenartigen Bedeutung ist. Es unterscheidet sich äußerlich schon von'allen anderen, üher seinem Eingang steht: „Mrndated Territory". Diese Inschrift soll anzeigen, daß es nicht ganz ein Teil des Britischen Reiches ist, sondern daß cs ein völlig eigenes Daseirr hat. Und es ist auch der einzige Pavillon, der seinen Hamen in drei Sprachen trügt:' Englisch, hebräisch undarabisch erfahren wir, daß da Palästina ausstellt. Und dem Kundigen ist es noch an einen; anderen Zeichen erkeMtlich: ringsum auf den Bänken entlang der schönen PvMenaden, die zum südafrikanischen Pavillon führe,:, sitzen die Menschen und essen Orangen. Jassaorangcn, wie sie hier heißen. Der Palästinapavillon ist klein, fast zu klein. Daß Land ist ja im Verglich zu den anderen Teilen des britischen Reiches verschwindend klein und es ist heute noch, tvenige Jahre, nachden: es aufgehört.hat, ein verlorenes Erdenwinkel m einer vernachlässigten türkischen Provinz zu sei,:, sehr an». In beängstigender Enge sind hier auf kleinstem Raume die verschiedensten Produkte Palästinas und des Gewerbefleißes seiner Bewohner ausgestellt, und so wenig das Arrangement in Ml: Einzelheiten zufriedenstelleu kann, so sehr muß man es bewundern, wie viel doch aus ungünstige,: räumliche» 1 Verhältnissen herausgeholt worden ist.. Da sind zuerst die An- und Vorbauten. In einem sind schöne Modelle des salomonischen Tempels und des Tempel platz es in seiner heutigen Gestalt zs sehen, einen,anderen bildet ein aräbisch es Zelt, Geschenk des Emir Abdullah von Transjordanieu, irr einem dritten sitzen jemenitische Juden und zeigen Proben ihrer Kunstfertigkeit. Das Innere des Pavillons selbst aber legt deutlich Zeugnis davon ab, daß, mag die Zahl der Inden in Palästina noch gering und zahlenmäßig von einer Majorität weit entfernt sein, ihr kultuMer und wirtschaftlicher Einfluß das ganze? Land durchdringt und bestinunt. Wem: Palästina würdig vertreten, ist^: ist es dies dank den j ü d i sch en Neuerungen und Verbesserungen m A cke r b a u, Hand e l und I n d u st r i e. \ So klein der Pavillon ist, so viel Beachtung findet er, nicht nur bei den Juden, sondern vor.Mm bei d^n Engländerin. Da ist das Heilige Laich, mit' den: vielleicht! kein anderes christliches Volk gefühlsmäßig so eng verbunden ist wie die Engländer. Von Birma oder Nigeria wissen die kleinen Leute, die Herkommen, um dje^ Größe des britischen Reiches zu bestauncu, wenig oder nichts, aber von Jerusalem oder dem Jordan haben sie M -seit ihrer-Mudheit:Wort. c ÄW- -V * Modell des salomonischen Tenchelö auf der Ausstellung (im Hintergrundc die heMe Omarmoschee). WMMM '«.-Sv •. . i üüii S 5# 44 X . XX . , Xx^ * S V.ylw' < . 'r-'fy-i.- ¥■ ’’ ■>' l->. v

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