Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1998 (6.9.1924)
- Date
- 1924-09-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1998 ~ Wen, Samstag Wöllersdorf. Am 49 MMardey Material verschleppt. Eurer AnfrvlgebeanUvortuug des Handelsministers Dr. Schürfs über Wöllersdorf, die geistern im Parlament zur Verteilung gelangte, ist unter anderem zu entnehmen: Wie ich bereits mitgeteilt, ist die Untersuchung der Geschäftsgebarung der Majoritätsgruppe der Möllers' dorse Werke A.--G. durch zwei vom Bundesministerium für Handel und Verkehr bestellte Buchsachverständige eingeleitet worden. Diese Untersuchung hat ergeben, daß die Melallumgruppe unter d r ü ck e n d e n B e d i n g u n g«n der Wöllersdorfer Werke A.-G. Kredite gewährte und daß die Geschäftsleitung der Wöllersdorfer Werke A.-G. Abverkäufe im Ausmaß von rund 49 Milliarden Kronen getätigt hat, wovon jedoch der Gesellschaft kein nennenswerter Betrag zugeflossen ist, da von den einfließenden Geldern hohe Abzüge für Provisionen und verschiedenste Spesen gemacht wurden und fünf Achtel des Restes des Verkaufserlöses zur Abdeckung des Kredits venwendet wurden, den die Metallumgruppe gewährt hatte. Weiters erfolgte ein Teil der Abverkäuse auf dcnt Umwege einer Gesellschaftsgründung der Metallumgruppe, der Iran Metal A.-G., an der weder die Wöllerdorser Werke A.-G. noch der Bund beteiligt ist. Die Wirtschaftspolizei hat das von ihr zusanrmengestellte Erhebungsmaterial an die Staatsanwaltschaft abgetreten, die den Akt an den Untersuchungsrichter Zur Durchführung der Voruntersuchung weitergeleitet hat. Die Voruntersuchung befindet sich noch im Anjan-gsst^dium. Wie bekannt, ivar die Metallumgruppe seinerzeit bereit, dem Bundesschatz eine Kompensation für die eingetvetene Benachteiligung zuzugestehen. Dieses Arrangement durfte aber nicht abgeschlossen werden, da die Untersuchung noch nicht beendet ist. In der Öffentlichkeit sind auch Beschuldigungen gegen staatliche Funktionäre erhoben worden. Das hierüber eingeleitete Disziplinarverfahren fyat nichts hervorgebracht, was diese Beschuldigungen bestätigen würde, kann aber insolange nicht abgeschlossen werden, als nicht das ganze gerichtliche Verfahren in Älchen Wöllersdorf beendigt ist. Um die Interessen des Bundesschatzes in entsprechender Weise vertreten zu sehen, wird an Stelle des bereits abberusenen staatlichen Vertreters in das Exekutivkomitee der Wöllersdorfer Werke A.-G. ein Industrieller entsandt werden. Religionsunterricht konfessionsloser BolksschSler. Auf die Anfrage eines sozialdemokratischen Abgeordneten über einen Erlaß des niederösterreichischen Landesschulrates betreffend den Nichtbesnch des Religionsunterrichtes durch konfessionslose Kinder teilte der Unterrichtsnrinister in einer schriftlichen Ansvagebeantwortung unter anderem mit, daß das Reichsvolksschulgesetz die sittlichreligiöse Erziehung als Aufgabe der Volksschule festsetze. Der Religionsunterricht ist Pflichtgegenstand der Volksschule, von dem eine Befreiung als ausgeschlossen erachtet werden muß. Ein Schüler, der infolge Fernbleibens in einem Pflicht-gegenständ keinerlei Kenntnisse auszuweisen vermag, kann das vom Gesetz'^vorgeschriebene Lehrziel nicht erreichen. Das Reichsvolksschulgesetz, das den Besuch des Religionsunterrichtes ganz allgemein vorschreibt, macht auch für die Kinder konfessionsloser Eltern keine Airs nähme. Für diese Kinder können die Eltern, beziehungsweise die Bezirks'hanptmannschast das Religionsbekenntnis bestimmen. Versäumen die Kinder den für siH bestimmten Religionsunterricht, dann, tritt für sie, da sie wegen- Fernbleibens ' im Pflichtigen stand, Religion, keine Kenntnis aufweisen können, die gesetzliche Folge ein. Ein Rekurs ist in der gegenständlichen Angelegenheit beim Ministerium nicht eingebracht worden, daher war es nicht in der Lage, der instanzmäßigen Entscheidung vorzubeugen. Das Unterrichtsministerium wird jedoch alle Sorge anwenden, um allsällige Härten, die sich aus der Anwendung des Gesetzes ergeben, möglichst zu vermeiden oder zu vermindern. , " -1—i— Irr ffrwerb von Immobilien durch polnische Staatsbürger. Das Bundesgesetzblatt verlautbart eine Verordnung des Bundeskanzleramtes, nach der polnische Staatsa n g e h ö r i g'e seit dem Wirksamkeitsbeginne des Hande-lsübevemkommens vom 25. September 1922, das ist seit dem 15. Jänner 1923, zum Erwerbe von Rechten an inländischen unbeweglichen Sachen gleich Inländern zu ge lassen sind. Sofern durch rechtskräftiaes Urteil ein zwischen denc bezcichueten Tag-e und de:-.: Beginne d-er Wirksamkeit dieser Verordnung abgeschlossenes Rechtsgeschäft für -ungültig erklärt wurde, hat es dabei sein Bewenden. Tie ffrkrankimg des Landwirtschastsministers Minister Buching er ist vorgestern, wie berichtet, während der parlamentarischen Verhandlungen über den Zolltarif, ernstlich erkrankt, so. daß er auf ärztliches Anraten in das Cottagesauatorinm überführt wurde. Ueber fern-Befinden Um heutigen Tag gibt der behandelnde Arzt bekannt: Allgemeinbefinden gebessert, jedoch sind die zur Erhebung -der. Krankheitsursache notwendigen diaguostischen Untersuchungen noch nicht beendet. Nach deren Schluß findet ein Konsilium statt. Wiener Morgenzeitung. / - \;\ \S. T3 fi enznv ’Unudelsfyisztlschafi' ThcodorHaj 6s &Co Sofien Wied neriHaujitofrasse 41 * i " iWPMW Telephon Nf. 57^0^11 . (Radiodienst kr „Wiener Movgerizeituirg") London. 5. September. D e v i t ö n i ch l u ß k n r fe: Wien 317.500, Prag 149,—, Rew-Aork 4,45'/,, Paris 84,575, Brüssel 89,75. Nom 101,93, Zürich 23.675, Madrid 33,825, Lissabon 1,59, Amsterdam 11,595, Kopenhagen 26,855, Christiania 82,425, Stockholm 16,755, Hrlsingfors 178.-, Berlin 18,85, Athen 247,50, Rio de Janeiro 5.28, Bukarest 845,-. London, 5. September. Effekten! urse: Oesterreichische Anleihe 92, Tschechische Anleihe 101,50. Prager Anleihe 90.50, Skoda 90,—, Bankverein 8,—, Bodenkredit 18, Central Mining 11,—, General Mining 11,3, Diamonds 17,6, DebeerS 11,25, Rio Tinto 29, Royal Dutch 3^/,, Patts, 5. September. (Radio.) Effektenfchlußkurse: Banane, de France —, Pragobanka 400,—, Credit Lyonais 15,10, Suez 146,75, Platine 860, Dabrolva 725, Banque Ottomane 813, Central Mining 935, Rio Tinto 29,16, Le Navbte msse 412. Succeried Egypte 1043, Cautschoucs fin 1046, Chartered 47,75, Debeers ordin. 996,—, GoldfieldS 87,—, HuanchakaS 331.—, Jägers Fontain 250,—, Malacca ordin. 152,50, Maltzoff 460,-. Mefican Eagle 80.25, Padang 351.50, Rand Fontain 80,50, Randmine 243,—, Silva plana 155,50. Tanganyika 170.50, Tubice Tote 620-, Utah Cepper 1634. Shell 335,50, Royal Dutch 24,750, Burmab —, Bakou 27,—. Paris» 6. September. Wechselkurse: London 84,40, New-York 18 91, Briissel 94,45, Holland 727, Schweiz 346,25, Italien 62,65, Prag 55,60, Bukarest 9,80. Aew-Borlr, 5. September. Effektenbörse Atchinson 103,75, Baltimore 62, Canadian Pacific 146,25, Cbeasepeacke 86,50, Eari 29, Greath Northern 65'/,. MilwMkee 15.50, Northern Pacific 65T/8, Union Pacific 140,50, United Steels 107s/8 Royal Dutch 42,60, Southern Pacific 9S7/8. AmuMen in Konkurs. Wie uns aus Christiania gemeldet wird, hat der bekannte Polarforscher A m u n d s e n Konkurs angemeldet. Aus diesem Grunde entfällt die beabsichtigte Polarexpedikwn. In Walhall wohnen die Götter und in. Baireuth waltet Wahufrieds Erbe, Richard Wagners wackerer Sohn. Flattert im Reiche die völkische Fahne, darf sie auch in Baireuth nicht fehlen. Richard Wagners Größe vermag keine Feststellung -seiner persönlichen Mängel zu erschüttern, über Siegfried den Unbedeutenden darf das Urteil wesentlich anders lauten. Dieser erweist sich, scheint es, als echt völkischer Mann. Er ist, nicht lange ist's her, von erfolgreicher Werbefahrt aus Amerika heimgekehrt und es sind nicht gerade rassenreine arische Kreist gewesen, die.ihm-treulich den Säckel stillen halsen. Unter welchen Geistesauspizien -die heurigen Baireuth er Festspiele standen, davon war hier schon die Rede. Aus der „Nürnberg- Furcher Sonntagspresse" erfährt man hierzu weitere Einzelheiten. Das Blatt schreibt: „. . . Es fühlen sich Vertreter Prominenter Parteien, die ihre Berufung nach Baireuth mehr ihrer politischen Einstellung wie ihrem nicht mehr als provinzialen Können zu verdanken haben, berufen, Konzerte „unter dem Protektorat des völkischen Bundes" zu veranstalten und wissen in ihrer hohen künstlerischen Sendung keine anderen Zugaben zu ihrem Programm zu geben, als das inhaltlich wie musikalisch so ergreifende H aken kr c it g lieft. Den wahren Geist Baireuths kann man aber an: besten daran ermessen, daß an öffentlichen Stellen ein von w ü st e m S ch mutz starrendes Schmäh l i e d verkauft wird, von dem nur die letzte Strophe angesübrt fei: Was Meister Sachs uns künden tut, Das schert den Jnd' 'neu Dreck! 7'nd wo sich zeigt Germanenmut, bleibt der Moritz weg! 1 s baute Wagner dieses Hans t Fürs deutsche Volk allein! * Drum Cohn und Levy bleibet draus/, ' '?,m wird uns Wähler sein! '' -nn wer da naht mit platten Füßen, F-.e Nase krumm, die Haare kraus, Der soll das Festspiel nicht genießen, Der muß hinaus, der muß hinaus! 'Aber nicht allein damit sind die Mitläufer am Thespiskarren der Baireuther Kultur von 1924 zufrieden; sie schämen sich nicht, ihren Geist, der auch nicht vor Tätlichkeiten halt »nacht, in Lokale hineinzutragen, die einst der Treffpunkt 6. September 1924 ■' . Serke 3 jener glanzvollen Größen waren, an denen.gemessen so manche^ der heute in Baireuth an erster Stelle tätigen Künstler p? absoluten Bedeutungslosigkeit herabsinkt. Unter dieser Flagge wird man mit großer Wahrscheinlichkeit Voraussagen können, daß ucan das große Erbe Baireuths in Bälde an Ort und! Stelle wird zu Grabe tragen müssen. Denn jedem ankündig denkenden Menschen und Kunstfreund im In- und Ausland nruß diese sittliche Entartung einer e i nst heiligen Atmosphäre die Schamröte ins Gesicht treiben, j Das alles unter der stillschweigenden, wohlwollendes Duldung des Hauses Wahnsried." Auch der itMenistze Historiensnnd — ei« Muff. Der angebliche Originaltext des Livius-Codex. > Aus Neapel wird uns gemeldet: Professor Demarting Fusco hat heute nachts an alle Blätter ein Rundschreiben gerichtet, in dem er das Publikirm auffordert, man möge ihm bei seinen Studien in Ruhe lassen und man möge mit Geduld und Vertrauen auf den ausführlichen Bericht, den er vor der königlichen Akademie in Neapel erstatten werde, abwarten. Vorderhand müsse man aber überaus vorsichtig sein, alles genau abwägen und durchstudieren, denn er sei nicht in der Lage, irgendwelche Mitteilungen zu machen. Gleichzeitig hat er in seinem Empfangszimmer für alle Besucher und Aussrager einen in Maschinschrift abgefaßten Zettel anschlagen lassen, in dem wörtlich zu lesen ist: Es ist ein Irrtum! Infolge einer in Angriff genommenen Arbeit über die Neapolitaner Kalligraphenschule bin ich mit der. Vervollständigung des Neapolitaner Codex des Titus Livius, der aus dem sechsten Jahrhundert stammt, beschäftigt. Es ist nicht wahr, daß ich den Originaltext gefunden, habe." Die Blätter kommentieren diese Nachricht, indem sie sagen, daß diese ganze Affäre ein kolossaler Bluff fe* Bei den Erfindern. Man darf nichts Uebervagende's erwarten mb muß ohne phantastische Vorstellungen in den ' Weinen Raum in der Postgasse hinausgehen, wo die Erfinder auslstellen. Es gibt dort keine weltnmstürzlerrsche Dinge zu sehen, keine Todesftrahlen und keine revolutionierenden Ent°- deckuugen für die Sanre-Gurken-Zeit. Dort; sind nur Keine, interessante Neuerungen für das praktische Lehen, solche, die Bequemlichkeit und Behagen vermehren, sozusagen Verbesserungen für Küche und Haus, für Familie und Heim< Jode Hausfrau, jeder Gatte, die großen und die kleinen Kimder finden dort sympathische Neuheiten. Die großen Probleme des Lebens -werden dort nicht gelöst, aber für die Keinen Hemmungen des Alltags, welche die Nerven dH. hastenden Großstädters quälen, häben die unermüdlich vvrführenden und erläuternden Damen und Herren mancherlei AWtse. Wes ist auf das Praktische- Leichtfaßliche, Bequeme uud Billige eingericht-ot. Die österreichische Bastlerei, die sonst im öffentlichen Loben wenig Produktives Anstande bringt, lebt fich hier aus und will -der Tücke des Objektes, die unsere Laune veMttert, beikommen. Haben Sie sich schon einmal die Schuhe selbst geputzt?^ Ja. Und haben Sie daM eine frische Dose Pasta genonr- >men? Wie wurde Ihnen beim Oeffnen, wenn Sie auf einmal den verbogenen Deckel mit der ganzen Sauce auf der Hand verschmiert hatten? Nun, hier zeigt man eine fest verschlossene Dose mit einem tadellosen Verschluß, dessen Drehung den Deckel glatt äbhebt. Oder Sie gehen mit einer reizenden Dame, di-e zufällig nicht. Ihre Gattin ist, auf bei Gaffe und auf einmal rutscht iJhnen der Sockenhalter herinnter, daß-Sie schnell in ein Haustov flüchten müssen. Der verbesserte Sockenhalter und Hosenträger, der hier ausgestellt ist, schützt Sie vor derlei unangenehmen Unterbrechungen der KonversatWN.- Was glauben Sie, werden Sie nicht gerne den Delephonappavat zur Hand nehmen, der Sie ebenso, wie der im amtlichen „Fernsprechnetz" im Gebrauch „befindliche" nicht mit 'der Zentrale verbindet, aber -dafür wenigstens als elektrischer Zigarre-nanzünder vevwendeij werden kann, — wie der Aussteller behauptet. Die praktische Probe wurde nicht gezeigt, wahrscheinlich, weil in dom Raume das Rauchen verboten ist. Ein kömbiuierter Rucksack mit Ueberrock un-p Hängematte, alles aus einem Stück, ist angesichts des zu iAusflügen einladenden Wetters just eine entzückende Neuheit, znmindrst für jeden, den etwa die neue Maisstupf maschiu-e iwemger interessieren sollte. i Welche Hausfrau wird nicht über -die phänomenalen Vereinfachungen jubeln, die es da zu 'scheu gibt: Da ist Faustus ein ,Michenschlager ersten Ranges", das „Ideal jeder Hausfrau". Ermöglicht ein blitzschnellos-! Schneiden von 15 Sorten Suppenmehlspeisen in „ver-; schiedenen Längen -und Breiten". Und dies alles, bitte,! ohne daß die „T-eigblätter abge-trocknet werden müssen"! > Der Fußboden-Bürst- und Wischapparak sowie der neue Staubsaugeapparat wünschen jedes Heim zu schmücken. Na, und de-r Gum m it r i chte v zur Behebung von — Klosettverstopfu-ngen! Umsonst wird der jllnge Ehemann die Kochkunstprodulte seiner Gattin diskret verschwinden lassen. Einmal wird er es tun, alben der Gumulitrichter beseitigt die Berstopfnng und bringt! alles an den Tag. Die s -e -l b st g e h e n d e P u ppe nruß die ganze Kinderwelt begeistern. Und daun die verschiedenen Türschloß sicherungen! Eine davon scheint ihrer Sache! so sicher zu sein, daß sie die herausfordernde Be-zeichnuiyA