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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-04 · Heft 1996 (4.9.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1996 (4.9.1924)
Date
1924-09-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1996 ©tat, Donnerstag Wiener Morgenrettunft. '4. Gsplember 1924 9e6e I WWMW^WWWWMM! Intensive ' . Wie bekannt, hat Px. Sys? in bereits Schritte unter-, 'rwmmen, um eine Genossenschaft ins Leben zu rufen, die den Hweck hgt§ die erste Kleinsiedlung aus Grünt, intensiver Bodenbearbeitung zu schassen. Außer Dr. Soskin gehören zu den Gründern der Gesellschaft die Mit-' glieder des Zionistischen Aktionskomitees van Vriesland und I. Rosow, ferner der Bürgermeister von Tel-Awiw Di-eng off, die Herren Ing. Seidener, Cassel, Podlischewski, I. Gordon, S. Tolkowski, Dr. Zlocisti. Der Uebergang von abstrakten Diskussionen über die Prinzipien der Landwirtschaft zur realen Tat hat in den interessierten Kreisen Palästinas das leibhafteste Interesse hervorgemsen. Pie Zeitschrift für Handel und Industrie „Mischar s as i ahi* widmet der Gründungdieser Gesellschaft ein spezielles Doppelheft. Das Blatt hebt hervor, daß das landwirtsch-ftliche Stzstem intensiver BÄrenbearbeitung an sich zwar schon langst die Anerkennung der palästinensischen Agronomen und Kolonisten gesunden habe, welche seinerzeit nicht gegen das System selbst auftraten, sondern gegen die Anwendung dieses Prinzips als Grundlag der gesamten "Kolonisation, wie es vo« Soskin gefordert wird. Gerade darin aber liege der Vorzug dieses neuen Planes, welcher ein volkswirtschaftliches System schafft, in dem das Prinzip der Intensität in allen Phasen der Landbesitzevgreifung sowie auf allen Gebieten und in allen Formen der Landwirtschaft streng durchgsführt wird. Dia „intensive Kolonisation" beginnt schon, lange, bevor dieKalonisten angesiedelt werden. Ztvecks Ersparung menschlicher Energie und. zur Vermeidung unnützer Ausgaben wer- , den schon vorher diejenigen Arbeiten gemacht, die ein neu aufgeschlossenes Gebiet erst bewohnbar und ProduktionSfähig gestalten, deren Ausführung ober in den Kolonien und Kwuzoth den eigentlichen Siedlern selbst überlassen blieb. Der Siedler soll seine Energie nicht an Arbeiten vergeuden, die die Beseitigung äußerer Hindernisse, die Sanierung der Gegend, Drainage usw. erfordern. Alle diese Arbeiten sind größtenteils technischer Natur und müssen durchgeführt werden, noch ehe der K ofanift sich uns dem Poden niederläßt. Per Sichler soll überhaupt Meistens .jn die PchmApngen eines' normalen Gemeinwesens versetzt werden; er soll z. P. nicht in Zelten wyhnen, sondern in ein wohlgeordnetes H a u s einziehen. Er soll auch nicht selbst den Boden von Steinen reinigen, Pi'e Wasserleitung bauen usw, Mes dies wird schneller, besser und billiger vorher von der L e ttu n g für die ganze Siedlung aüsgesührt werden. Der Boden muß zur Aufnahme der Saat schon vorbereitet sein, buch schon vor Ankunft des Sichlers gedüngt werden. Vorherige Urbarmachung des Bodens und vorherige Einrichtung der Wirtschaft sinh die Vorbedingungen für die Schaffung einer intensiven Kolonisation, die ein« Konzentration der Kräfte bedeutet. Aber es müssen nicht nur der Blöden und die potenzielle Energie ausgenützt werden. Eine nicht minder wichtige Rolle spielt das Menschen mater i al bei der Durchführung des Systems der intensiven Kolonisation. Dieses Material muß nämlich sorgfältig ausgewählt, schon vorher in allem Nötigen unterwiesen werden, endlich muß ihm während der Arbeit der Rat eines erfahrenen Fachmannes zu Gebote stehen, um gleich zu Beginn Fehler zu vermeiden. Aus besonderen Versuchsfeldern werden diese Instruktoren selbst ihre palästinensischen Erfahrungen sammeln. Mel Aufmerksamkeit wird in den Artikeln und Notizen dieses Heftes der Frage des Exports geschenkt, aus dem letzten Endes das g a n z e S h st e m D r. S o s k i ns basiert. Unter den bisherigen Agronomen und Arbeitern ' lebt noch immer die Furcht vor der Orientierung der Landwirtschaft nach dem Export, wodurch die palästinensische Ausfuhr durch unlösliche Bande mit den auswärtigen Märkten verknüpft wäre. Deshalb standen auch die Leiter unserer bisherigen Kolouisationsarbeit aus dem Standpunkt einer gemischten Wirtschaft, die picht für den ausländischen, sondern für den inländischen Markt berechnet ist. Dabei vergißt man aber, daß bei dem gegenwärtigen Austausch von Gütern und dem komplizierten Gewebe internationaler Handelsbeziehungen kein so krasser Unterschied bestehen kann zwischen den Begriffen „inupd ausländischer Markt". Wenn die Erzeugnisse Palästinas den australischen Erzeugnissen an Qualität nachstchen, sie aber in den Preisen übertreffen würden, so werden die australischen Produkte die palästinensischen noch Vom inländischen Markte verdrängen, wogegen sich Palästina durch gute und billige Erzeugnisse' einen beständigen Absatz aus den ausländischen Märkten sichern könnte, , Gomit handelt es sich um di? Schaffung einer Landwirtschaft, deren Produkte der Konkurrenz aus den ausländischen sowie inländischen Märkten 'gewachsenwären.' Verschied nie Autoren weisen' darauf hin, daß hier zum erstenmal an Stelle der. philanthropischen eine aus, geschäftlicher G r u n dl o g e bcgr ü n d e t e, r e n t a h l e K o l v p i s o t i o r. npternanmwn wird, die sich auf Privat kapital, verbunden mit eigener Arbeitskraft stützt. Weiters wird daraus hingewicsen/ daß sich seine Kölosti». sation in großem Maßstabe.entwickeln könnte, wnin dse Ansiedelung einer Familie 1609 .Pfund Sterling kosten solle wie in Nahalal. Wenn sich das System von Dr. Snskin bewähren' sollte, sv würden sich die Ansiedsunaskosteu einer Familie aus 600 Pfund Sterling belmch'ü, deren Betrag im "Lause, von' etwa 3 0 Jahren abgezahlt werden könnte <zn 5 Prorench, upd.es würd-y sich unserer Kylonijatipn MrWiipeu eröffnen, die sich heute poch gar 'nicht übersehen lassen Die Aufgehe« de- TechnUumr w Haifa, " Wie bereits gemeldet, wird das Techntdum in Haifa Ende Oktober offiziell' eröffnet werden. Mr. Blök, welcher. für das erste Jahr mit der Leitung des Instituts betraut wurde, ggb einem Vertreter des „Ivwish Chronicle" die folgenden Aufklärungen über die küustigen Aufgaben des Instituts. Jp erster Reihe sollen in dem Institut Leute ausgehildet werden, die gewisse Gegenstände Herstellen und reparieren können, Häuser bauen, Straßen anlegen und Drainagearbeit. verstehen, kurz gelernte Arbeiter jeder Ars. Sorgfältige Umfrage bei Palästinensischen Arbeitgebern und bei den Regierungsdchartements haben ergeben, daß überall, besonders aber im B a u« und Mechaniker ge werbe, Nachfrage nach gelernten Arbeitern besteht. Der Mangel an geeigneten LehrinöglWeiten, an emer ausgeglichenen systematischen technischen Ausbildung, die gesunde grundlegende theoretische Kenntnisse mit möglichst viel praktischer Ausübung verbindet, hat sich -dringend fühlbar gemacht. Nun ist es schon fast Axiom in der technischen Ausbildung geworden, daß die einzelnen Fabriken und Werfe als Lehrstötten nicht durch die Werkstätten eines Instituts ersetzt werden können. In Palästina aber ist die Industrie noch ganz rm Werden begriffen; und bis zu dem Zeitpunkt, wo Fabriken und Werfe viel allgemeiner vorhanden sein werden als jetzt, soll es Aufgabe des Hgisaer Instituts sein, die praktische Erziehung zu übernehmen, was in anderen Ländern die Werkstätten der bestehenden Fghriksunternchmungen besorgen. Um den richtigen Maßstah für diese Arbeit zu gewinnen,,werden natürlich immer pst bereits praktisch tätigen Unternehmungen und Arbeitsorganisationen um Rat und Hilfe angegangen werden. Beth Sefer Real! lbri Haifa Hebräische Realschule in Haifa in Varbindung mit VeE-feer-eMiingi; (Metaliarbeit, Tischlerei, Buchbinderei für .Knaben, Hauswirtschaft für Mädchen) , , Isftftrn&f für Knaben und Machen Körperlich? Ausbildung ° Spprt Gesundes K.ima Anfragen sind zu richten an den Leiter der Schule vr. Artur B i r am, H a l f a, P. O. B. 202 . Die erste Ausgabe sei, aus gelernten Handwerkern, wie Zirninerkeutsn, Monteuren, Schlossern usw.^, W e r k f ü h r e r und Ausscher zu machen. Später wird zweifellos noch eine E le k t r o i n g e n 'i e u r a b t e i l u n g eingerichtet werden. Es solle nicht damit begonnen werden, gelernte Ingenieure, Architekten oder sonstige vorgeschrittene Spez'Äisten aus;u? bilden, wie sie ja im Lande oder außerhalb desselben schon vorhanden sind. Was die Verwaltung anlangt, so sei der Londo ner Board verantwortlich für die Unterrichtsmethoden und stalle das Geld ansbringeU.-Mit dem Wachstum des Instituts werde; dessen Verwaltung und Beaufsichtigung mehr und mehr ganz i nach Palästinaübergehen. Damit die Arbeit des Instituts dem Lande angepaßt sei, wurde unter Ussischkins Vorsitz ein : Palesti ne Com m itty pf M.en age m ent gebildet, auf dessen Ratschläge sich her Board stütze.. Mitglieder dieses üo- ’ nntees sind Colonel Kish, Dr. M agnes, Dr. Biram (Direktor der Haifaer Realschule') und Herr P e w s n e r. Die Unterrichtssprache wird h-ebräisch sein Auch Araber und an^re Nichtjnden werden Aufnahme finden können, falls sie fähig sein werden, hebräische Borlesungm . zu verstehen. Mr. Blök weist darauf hin, daß die Spenden der deutschen Juden für das Instimt m u st e r g ü l t i g seien, und man hosse, daß in anderen Ländern ähnliche Kär- ' pcrschafstn entstehen werden, wie das deutsche Komitte für das Technikum, dem unter anderen Professor Einstein an gehöre. < Auch in Cmgland habe man bereits einige großzügige Spenden erhalten, doch sei men von einer vollsiänd'g'ii Ausstattung ' noch weit entfernt. Die Bsutaiigkeit in Jerusalem. In I'rnir'em herrscht eine r-sge Bautätigkeit; im August allein 'sollen über lsig neue Wohnungen fertig sein Es sind, wie bereits ge-, mcld't, vier jüdische Viertel im Bau, R u h a m a, R o m a-m a, Rach'biäh und Mekör'Chaim Außerdem wird mit bedeulenden Kosten e-'u französisches Kloster gebaut, dessen i Bainnaierialien aus Italien'gebracht wurden; einige hundert jüd'sche Arbeiter' sind am Ban der jüdischen Unwersitäis-; l"ibä»de beschäftigt. Da die Wohnungsfrage infolge, der Auf- . > \ 'mg des Mieterschutzes ein schweres Problem värstellt, bew -stchtigt eine Gesellschaft aus Aworika 600 hölzern« Wohnhäuser von verschiedenem Typus zu beziehen. Andrücke aus Nahalal. Von Dr, NM, Vchur, Ierusastw, Naha lal ist vielen schon mehr als ein bloßer NantE; es P so sehr ZBunstshoffnnng nnd Ergebnis aller Er» fahrpngen, Enttäuschungen und enhigUtiger EBschlofsew Heit; ist schon jetzt, ihm hrftten Jahr seines Beistandes, Prüfstein filr die Möglichkeiten des Landes und der Menschen, und deshalb auch Gewähr für eMiches Gelingen UNsere'z Stvebens. Und doch, tyer nicht dort war und Mt dep Menschen einige Tage verlebt hat, kann nicht wissen, wqs es uns hier im Lande bedeutet - Denn wen« Mn F-veud und Stplz hier fühlt heim Anblick der wunderschönen Landschaft, der 'wachsenhep Siedlung, des erstaunlichen Fortschritts in Feld, Gartßp und Pflanzungen, der Sguberke-it der eir^gchen Hoilz« barschen, in denen die Siedler wohnen, der prächtigen ys« sunden Kinder, die in Schule und Garten hernmspielen — und tvispiel konnte man nvch Po« Mhalgl erMW! — so steigt doch manchmal wie eine Angst auf: und wie. wenn wir auch hier versagen wenn diese, Summe ap Wertzie. Hingsgebenheit und vevständnispyller Arbeit .scheiWy müßte an dem Widerstande des Alltags, an den^Schwierige leiten der Geldbeschaffung und der rechtzeitige^. Herr sorgung? Die Siedler sin-vertrauensvoll; -sie selbst hättep Haum so vielt Energie und Scha^fensfreudWsit erwartet, ,che^oin« ^ders upter diesen Umständen", Ja, die.se Umstände sche.ineu manchmal so riesengroß emporznwachsen, nicht NM in MhaW — bej jeder Arbeit, hie hier gaMtet tyich, .dH MN manchmal in ihnen MteMta'uchtzn fürchtet. Abyx iyitr wissen, was an uns ist; und M glaMen, daß.dy-. jWW HM wissen wird, was an ihm M. „Diesen Umständen" zum Trotz. Wd in MaWssitzM Ringen mit ihnen wich jetzt dort, die Mädchenl eh rsa r m errichtet. Es ist fein Woher ZuM, haß dies in Nahalal geschieht. Die Mädchen leben hier in einer Umgebung, in der selbständige Acheit und ge.WiHcWe Hevantwortkichfeit -das Ideal sinh, iy der insibesMd'epe M Hrsahrung, Umsicht nnh Tatkraft her einzelnen Frau in ,'hep Wirtschgft zur-Geltung kommön — wcchPschmnUch,snH^ M in her großen KwMh, wo die Besouderhst'lW .WW - N-iveVert werden. Huhechem sind die, SiMer durchwegerfahre!. Achejter, hon deyeu-MNche sich iN - tzinzelWr Jweigen der LanidwiMchgst hesonhers ausbeichnen und -Vpu denen mancher den Mädchen praktische Anleitung-Mt, -.sp« längs keine speKiellen Aehrex für sie. .anMteU , Wochen können. Ban. ÄichWeit ist auch die enge, DeMndung. Mt der landwirtschaftlichen BevsuchAstation,' die M GmeA fynst n'ch kein» Vevsuchss-el-der hat und die in der LehwfaM gemachten Beobachtungen he nützen wjvd. Ja, aber die „Umstände"! Byn einem geordneW Lchchetrieh ist keine Rche, denn e? fehlt glVe h: HauD, Lehrer und Lehrmittel. Nur eins M da UM dies HW denjenigen, die, daran arbeiten, allen Umständen zu txotzen: die Schülerinnen, die, lernftegienig, gre beitsr-srig, sich in immer größerer Anzahl melhey. Me Mätzchen Wallen nach lieber nach Mhalal als nach Te'l-Gwvw, Mwar sie dort ein schönes, Heim HMN und hier in provisorischen Hühnerställen Ihausen Msien. Sie wollen hieher, weil sie hier ehex, WiMch Lajchwiphschaft erlernen können nnd an allen neuen MsttchMM» die sich im Emek konzentyieren, teilnehmen. . Und wenn man ihrem Lehen, und ihren ArLelten M sieht, überfommt einem etwas wie Scham und Zorn; daßes so Mer lange dauert, bis man ihnen die Mögsichwit gibt, ihren Arbeitswillen nutzbringend anguwendsn, Dennes ist sicher nicht alles rattonell in diesem Petrieh; Mer wie s.illte das auch möglich sein, wenn die Kühe schon da waren, ehe der Stall fertig Mr; wenn die Hühner die Mädchen ans ihren Wohnräumen verdrängen, wenn bei den Bienenstöcken nur ganz wenige der nötigsten BcheLfe tzor'hrnden sind, und schließlich, wie erwähnt, noch keine Kode von einem geregelten Unterricht ist. „Es w i r d bei uns einmal schön sein", sagte eine? - der Mädch'n, die, während sie Wäsche wuschen, mit mir sprachen, „in ein -paar Jahren". „Bei uns?" fragt die andere, „nicht mehr bei uns, denn dann sind toi* ja nicht mehr hier." „Wenn auch nicht ftir uns, das ist ga-ntz gleich —aber es wird schön sein!" anbwortete die erste Wer E-esühl hat für so reinen, seW'losen Zukunftswillen, der die Gegenwart mit Glück erfüllt, der «Mte Scham empsinden vor solcher Gesinnung — oder Neid. Er kann aber auch etwas anderes: seWst ditzser Zukunft, unserer Zltkunft, die ,/schön sein wird, wenn auch nicht für uns", eujgegelßeben, indem er mWlft, sie zu schaffen. Einweihung, der neuen Jerusalemer Siedlung Mekoff Chaim. Wn 17. Auig-ust fand in Jeruisalem die EmM-Mn-g der neuen SiMnng Mekor Chaim statt. Es ist dies die zehn Minuten von der Jerusalemer Eisenbahnstation entfernte, auf ÄtattonaibfondAboden qngelvgte Siedlung, 76 Bauparzellen zu-st 2 Duna-m, religiös gesiMter Arbeiter, Errichtung eines neuen Hotels ln Sased. Die „Doar Hasam" berichtet, soll m Sased ein europäisch emgevichtetes Hotel erbaut werden. 0001900201000102

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