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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-03 · Heft 1995 (3.9.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1995 (3.9.1924)
Date
1924-09-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1995 «2£jen, gyitttVDüc^ Ae PalSWasrake auf der intet« parlamentaMen Konferenz. Wir Gespräch mit Dr. Leon Reich, Obmann des Mischen Klubs im polnischen Sejm. , Der Obmann des Jüdischen Klubs im polnischen Parlament, Deputierter Dr. Leon Reich, welcher gegenwärtig, auf >der Rückreise von - der soeben geschlossenen Konferenz der Interparlamentarischen Union, in Wie n weilt, hatte -die Freundlichkeit, einem unserer Mitarbeiter über die Ergebnisse und die Bedeutung der Konferenz einige Mitteilungen zu machen. Deputierter Dr. Reich oezeichnete die Konferenz als einen Erfolg; ihr Verlauf habe gezeigt, das; der ihr zugrundeliegende Gedanke des Meinungsaustausches zwischen den Parlanientarier« aller Länder über die verschiedenen internationalen Probleme immer mehr an Boden gewinnt. „Wie Ihnen bekannt ist," fuhr Dr. Reich fort, „ist bei der Tagung auch die Frage der jüdischen Minderheitsrechte »besprochen worden; der jüdische Deputierte aus Lettland, N n r o k. formulierte überaus präzis 'das Wesen der jüdischen Minoritätsrechte. Zum zweiten Male kam das jüdische Problem -bei der Behandlung der Mandatsfrage n zur Besprechung. Nach dem Referate des Deputierten Montet, welches die völkerrechtliche und Politische Bedeutung der Mandate ganz ausgezeichnet darlegte, Hatte ich Gelegenheit, darauf hinzn-we-isen, daß der Begriff des Mandates und der Mandat'sverwMung nicht bloß auS einem Gesichtspunkte erfaßt werden könne. Das Palästinamandat, welches England übertragen wurde, unterscheidet sich wesentlich von den Mandaten über verschiedene Kolonialgebiete, schon dadurch, weil es gleichzeitig den Zweck haben soll, dem jüdischen Volke die Errichtung eines nationalen Heims zu ermöglichen. Dadurch entstehen für dieses Mandatsgebiet ganz andere Fragen der Ausübung des Mandats, der Verwaltung de's Mandatslandes, aber auch der Berücksichtigung des Mandatszweckes. So zum Beispiel wird gerade «der im Palästinamandat liegende Zweck dadurch geschädigt, daß Einwandermlgsbeschvänkungen vorgenommen werden und daß einzelne Staaten Answanderungsbeschränkungen Lurchführen oder 'wenigstens planen; gerade für die zur Errichtung des jüdischen Nationalheims notwendige jüdi-. sche Palästinawanderung sind Maßnahmen, welche die Immigration oder Emigration >beschränken, in höchstem Maße abträglich. Deputierter Moutet ging in seinem Schlußwort auf 'diese Darlegungen ausführlich ein,' wies auch darauf hin, daß die Besiedlungsmethoden für Palästina gayz andere seien, als für andere rein koloniale Mandatsgebiete und erklärte schließlich, daß der dem Palästmamandat, zugrundeliegende Gedanke der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina seine und der Konferenz vollste Sympathie besitze. Die jetzt geschlossene Tagung der Interparlamentarischen Union hat also," schloß Dr. Reich seine Ausführungen, „eine eingehende Aussprache über die zwei wichtigsten politischen Probleme der Judenfrage, das Problem der jüdischen Kolonisation Palästinas und das Problem der jüdischen Mi ndcrheits rechte in der Galuth, gezeitigt und so zur Klärung dieser Probleme für die Vertveter der Parlamente der ganzen Welt manches beigetragen." Von Artur Silbergleit. Noch trunken von beit süßen Dufträuschen der in zahlkosen schmalen Becherforrnen aufgeschlossenen Frühlingsblütenkelche in der Gartenfülle Luganos, folge ich den grünen und silberblauen Spiegellockungm des gleichnamigen Sees und lasse mich auf seinen Fluten von einem Dampfer in die verführerische Ferne tragen. Die Wolkenkaiserin Sonne hat bereits zu Ehren des strahlenden Lenztages am Himmelsfirst ihre Goldstandarte gehißt, und wie nunmehr das Schiff in ruhigen Wellenrhythmen dahingleitet, löst ein Gipfelpanorama das andere brüderlich ab, scheinen die Berge wie Kulissen eines bunten Schaustückes zusammenznrücken, das seine Eindruckssteigerung in dem terrassenförmigen Anstieg des grünen, zuweilen auf Felsenhöhen mit großen Hotels oder weißen Villen bestandenen Landes sucht, während längs des Strandes, je weiter man sich von Lugano entfernt, der malerische Verfall und Schmutz bereits italienisch anmntender Häuser mit ihren sich selbst am wirksamsten kennzeichnenden flachen Dächern und bereits italienischen Aufschriften wahrnehmbar wird. In braunen, schon zcrmorschten Fensterrahmen harren in brühender Sonnepglut rote Unterbetten ihrer Auslüftuug, und die noch soeben am Ufer von dunkelloüigen Mädchen und Frauen ausgewrungene, farbige Wäsche wimpelt dir an manchem Bindfaden nach Giclmwenart bunte Grüße zu. Wie an einem Pilgerzuge schwebst du bald an dem steten Wechsel der Strand'läden, Arkaden, Osterien und Häusern von Campione, Vcssone, Melide, Bruisino und Arsino vorbei, unlö schon begrüßt du selig dein Reiseziel Morcote, einen dörflich amnutenden' Schweizer, Flecken von fast ganz südlichem Gepräge, dessen Schönheitsreiz dich bald gefaugen nimmt. Das Sonnengold einer sanft einschläfernden Nachmittagsstundö dürchgleißt den See und schmiegt um die Hochwacht der fernen Gipfelhäupter seine gelben Bernsteinketten; ein müdes Bergkapellenglöckchen durchhallt die azurklare Luft, eine grüne Echse raschelt über deinen Weg, Hummeln summen, Falter huschen zu ihren Wiener Morgenzeitung. (Rodiodienst der „Wiener Movgenzeitnng") London, 3. September. Devtsecklchlußkurse: Wien 819.500, Prag 149,75, New-York 4,49V«, Paris 82,85, Brüssel 88,875, Rom 101,4375, Zürich 23,872, Madrid 88.82, Lissabon 1,625, Amsterdam 11,6025, Kopenhagen 27,376, Christiania 32,475, Stockholm 16,895, HelsingforS 179, Rio de Janeiro 5,21; Berlin 18,926, Athen 246,60, Bukarest 912.60. London. 2. September. Effektenkurse : Oesterreichische Anleihe 92, Tschechische Anleihe 101,60, Prager Anleibe 90.60, Skoda 90,50, Bankverein 8, Bodenkredit 18. Central Mining 10.926, General Mining 11,8, Diamonds 17, DebeerS 11,68, Rio Tinto 34,125, Royal Dutch 29,125, Shell 3,933. ' London, 2. September. Die Börse war heute tendenzlos. Heimische Anleihen abbröckelnd, heimische Bahnen, Lokalbahnen wegen des nahen Endes der Ausstellung schwächer. Deutsche Anleihen im Brennpunkte der Spekulation wiesen eine steigende Tendenz auf: 3»/,ige 33, 3'/,«/,ige 30, 4'/,°/vige 30.6, KonsolS 40,6. Nachher gaben aber sämtliche Anleihen wieder nach. Neue tschecholowakische Anleihe 99. Metallmarktr Kupfer Standard Kassa 63,15 bis 63,17,6, dreimonatig 64,15,6 bis 64,17,5, Elektrolyt 68,10. Zinn Standard Kassa 260,16 bis 261, dreimonatig 261,10 bis 261,15, englisches Blei 34,10, ausländisches 33,5 bis 32,7,6, Messing ausländisches 33,5 bis 32,18,9. Baumwolle: Full Middling 16.56, Tenninware anfangs Oktober 13.92, Jänner 13,70, März 19,70, Mai 13,67. 11 Uhr 4 bis 7 Punkte höher, 12 Uhr September 14.48, Oktober 14.03, Jänner 13,80, März 13,80, Mai 13,77. 10.000 Ballen Umsatz. 14 Uhr 16 Min. 7 bis 14 Punkte höher. Schluß September 14,51, Oktober 14.01. Jänner 13;7S, März 13,70, Mat 13,76. New-Jork anfangs 1 bis 15 Punkte niedriger, New- Drleans 1 bis 25 Punkte niedriger. Paris, 2. September. Die Börse verkehrte heute in etwas frenndikicherer Haltnuy als an. den vochrrgegangenen Tagen. Der Umsatz Web gering. Eine Besserung ist auf den meisten Geibieten des Marktes zu verzeichnen, insbesondere halben Bainkwerte, die durch ihre feste Haltung gewöhnlich der Vovbote einer Besserung der Bövsenlage sind, stärker angezoaen. Ausfallend bei der Festigkeit des Marktes ist der geringe Einfluß, den die Senkung des Dollars und Pfundes -ans-Mben vermochte. Die Börse schloß in fester Haltung. Großen Einfluß nahmen besonders auf die belgifch-franMifchen Werte die Festi-Mä der belgischen Devisen. Die französischen Renten sind fest. Russische Werte halben sich, trotzdem das Angelbot die Zahl der Interessenten weit überstieg, fest gehalten. Auch .russische Industriewerte zeigten sich recht widerstandsfähig. Im Schranken herrschte ebenfalls feste, Stimmung. Kurse, waren wenig verändert, der Umsatz gering. Parts. 2. September. (Radio.) Effektenichlußkurse: Banane de France —. Pragobanka 405,—, Credit Lyonais 10,85, Suez 14,480, Platine 857, Dabrowa 705, Banque Ottomane 815, Central Mining 917, Rio Tinto 29.37, Le Napbta russe 412. Succeried Egypte 1025, CautschoucS sin 146.60. Chartered 48.—, Debeers ordiu. 976,—, Goldfields- 83.75. Huanckakas 330,—, Jägers Fontaiu 243,—, Malacca ordin. 152,50, Maltzoff 442,—. Mexican Eagle 67.75, Padanq 371.—, Rand Fontaiu 78.30, Randmine —,—, Silva plaua 157,—. Tauganyika 171,-, Tubice wie 614 Utah Ccvper 1513. Shell 333,-, Royal Dutch 24,400, Bnrmah —, Bakou 26,75. Aew-Vork, 2. September. (Radio.) D e v i s e n s ch lu ßkurie: Taggeld 2‘/<, London 4,48*/s, auf 60 Taae 4.45"/,, Paris 5,§1Amsterdam 38,62, Prag 3. Berlin 23T/„ Silber 68,75. - (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Agram, 2. September. Im hiesigen Polizeigefängims befindet sich ein Individuum, das verdächtigt wird, an dem Erzberger-Mord teilgenommen zu Halden. Er nennt sich Heinrich Stark e, geboren am 21. Juli 1902 in Schedewitz bei Zwitiau «m Sachsen, evangelischer Konfession. Dies geht aus seinem Taufschein, dem einzigen Dokument, das er bei sich getragen hatte, hervor. Andere Angaben fehlen. Man glaubt, 'daß sein Auswe i s falsch ist. Die Agvamer Polizei sucht jetzt feine Identität festzustellen. Blütenbräuten, von der Flut her vernimmst dr: den eintönigen Wellenschlag eines Ruders, und es ist hier so traumhaft still, als lebten die Menschen dieses sonnengesegneten Fleckens nach Theodor Storms Derszeilen: „Kein Klang der aufgeregten Zeit drang je in diese Einsamkeit." Unter, dem stolzen Schwung der Strandarkaden siehst du bunte Marktgestalten Goldorangenbälle in ihre bastgeflocht.enen Körbe einordnen, Männer und Frauen sitzen sinnend und träge auf einer fast tropisch lichtdurchglnhien Bant, die Hastkette einer Uferbarke klirrt leise im Winde, Vögel zwitschern, und singend wie in einer Romanze streckt mir eine heißäugige, schwarzgelockte, fremde Frau aus offenem Fenster ihren ersten Leibessproß, ihr nacktes, lustig strampelndes Büblein, gleichsam zum WillkommeuLgruß, entgegen. Und nie verschollene, alte Erinnerungen aus der Vorkriegszeit erwachen und verjüngen sich in mir. In diesem Ort mit dem melodischen Namensaufklang verlebte ich ja bereits vor Jahren in der gastfreien Villa meines Freundes Dr. Rudolf P r e s b c r unvergeßliche Tage und Nächte. Durchklangen seinen blütenreichen, mit Palmen und Zypressen geschmückten Strandgarten und dieses Künstlertusku'lum nicht wechselvoll Maudolinenlicdcr, Hymnen an schöne Frauen und Dichterworte, und wiegte uns nicht-sein mit erlesenen Früchten, Asti Spumanti, Chianti und mit griechischen und römischen Klassikerwerken beladenes Motorboot allabendlich unter dem ewig blauen, sternenbestickten Himmel Wohl nach den heimlichen Rhythmen jener Verse der Antike, denen das melodische Geflüster der Userwipfel ihre Wiederholnngsweihe schenkte? Becher klirrten auf, Männerfreundschaftsschwüre und ewige Treuebeknudnugen vermählten sich mit den Oben auf prangende Frauen, den lorbeerreichen Süden und auf die, Herrlichkeit der Welt. Ich suche mit beklommenem Herzen d'icse alte Stätte seliger Träume auf; die Froundlichleit eine» neuen Besitzers, eines deutschen Privaldozentrn, der her seine Mußestunden verlebt, öffnet mir die gastlichen Pfor'.en zu, dem nnninchr auch baulich veränderten Musenheim, dessen alter Künstlergeist aber noch heute durch die Räume zu schweben scheint. Und meine 3. September 1924 Seite 3 Seipel bei -Misch. Bundeskanzler Dr. Seipel hat gestern nachmittags dem Bundespräsidenten Dr. Harnisch in seiner Privat Wohnung auf der Hohen Warte einen Besuch abgestattet., Sie Beratungen der Mamdelegierten. Die Beratungen der Finanzdelegierten wurden gestern vormittags fortgesetzt. Zunächst wurden einige Industrielle ans Vorarlberg, darunter .mehrere Textilfabrikanten, von den Delegierten empfangen. Später erschienen die Vertreter der Landwirtschaftlichen Gesellschaft. sowie die Vertreter der Landwirtschast'ska'mmer und wurden in die Beratungen der Delegierten mit einbezogen. Die Arbeiten der Delegation sollen, wenn möglich, noch diese Woche abgeschlossen werden. Bundeskanzler Dr. Seipel soll in den nächsten Tagen mit den Finanzdelegierten in persönliche Berührung treten. MiB Die am 20. August zwecks Berichterstattung an dir Auftraggeber unterbrochenen Verhandlungen der Wiener Metallindustrie -wurden gestern zwischen dem Wiener Induftriellenverband und den: Metallarbeiterverband wieder aufgenommen. In der Verhandlung teilte das Unterhändlerkomitee -der Unternehmer die nachfolgende Stellungnahme der Delegiertenver sammln ng des Wiener Jndustriellenverbandes zu den Fordernngen der Metallarbeiter mit: Die Dlegi-erienversammlung des Wiener Industriellenverbandes hat am 1. d. den Vertragsentwurf bei, Metallarbeiterverbandes in Beratung gezogen, der neben zahlreichen mehr oder minder wichtigen Abänderungsvorschlägen vor allem eine Erhöhung der Mindestlöhne auf ungefähr das 20.000fache der Vorkriegszeit verlangt, ferner eine Aenderung des b e st e h e n d e n L 0 h n s Y st e m s und als Z w is che n maß nah me eine läprozentige Erhöhung der gegenwärtigen Bezüge. Die Delegiertenversammlung hat sich hauptsächlich mit der vom Metallavbeitevverband als besonders dringend bezeichneten Forderung nach der Erhöhllng der Löhne u m 1 üPr 0 zentals Zwischenmaßnahme bis zur Beendigung der allgemeinen Vertrag'sverhandlungen beschäftigt. Die Delegiertenversammlung gab übereinstimmend der Auffassung Ausdruck, daß die schwere Krise, in der sich seit Monaten die Metallindustrie befindet, die sich überdies von Woche zu Woche verschärft, eine kollektive Erhöh u n g d e r L ö h n e n i ch t g e st a t t e t. Die Delegiertenversammlung ist.der Ansicht, daß ein« kollektive Erhöhung -der Löhne nur dann möglich ist. wenn — neben der Verbilligung anderer Faktoren der Produktionskosten, wie Leihzinsen, Steuern und soZialPolitische Lasten — durch eine Intensivierung der Arber 1sleistung, eine weitere Erleichterung -im Konkrirrenzkampf Eintritt. Die Delegiertenversanmrlung hält sich für dervflichiel, die Wiener Metallarbeiterschast ixrrauf aafmerksar.'. zu -machen, daß auch den im abgelausenen Halbjahr üblichen Einzelaktionen zur Erhöhung der Löhne in einzelnen Betrieben e i n Z i e l gesetzt i st. Wie in Kenntnis der Sehenswürdigkeiten dieses Fleckens drängt mich aus jenem Hause einst jauchzenden Lebensü'berschwau'ges zu dem berühmten Friedhof, dessen ungewöhnlich, steilem Felfengelände hoch -ikber dem Wellenspiegel des Sees hier ein Meister der Baukunst Raum für die Toten abtrotzte. Du schreitest vom Userpfad, von der Weltköchin Sonne gebrüht, so zahlreiche Stufen hinam daß dich eine leichte Herzensboklemmung überfällt: nach Atem ringend und erschöpft lehnst du dich an das Eisengeländer der Felsen; und du schaust in leiser Betäubung von dieser Höhe aus die Heiterkeit der Seetiese hernieder, deren nur hauchgekräuselte Gelassenheit die Erregung deiner Sinne wieder befchtvichtigt. Immer wolkennäher führt dich dein Weg, bis du durch, eine -schmale Pforte wandelst und sich der Friedhof -in seiner schtwermuttiesen Stimmuugsschönheit deinen Blicken erschließt. Böcklins Toteninsel scheint dir ihre fast nnirdische Feierlichkeit zn offenbaren, so wehmutvoll und steil ragen hier die Zypressen und Pinien zur ewigen Azurblaue empor, aber den dunklen Ernst -dieses Gottcsgartens sänftigen lichte, freundliche Gcdenkzeichen der Lebenden an die Toten; denn auf den Hügeln zeigen uns der Entschlafenen Bilder unter Glas u.-och einmal ihre Antlitzzüge. die zuweilen auch in Ällarinor und Gips auf den Gvüsten nachgebildet erglänzen, und zahlreiche bronpne Kränze, blütenumwucherte Eifenkreuze und seideuslltterbehängke, e-wige Lampen sowie bunte Glasperlenschnüre schmücken die Gräber. Ist doch das Verhältnis der Lebenden zu den To;en hier legendenhaft wundersam: nach dem Schmerz über ihren Heimgang verkehrt das Volk mit ihnen so, als wandelten diese noch in der Glorie des Tagesgcstirns. und man bringt den clvigen Schläfern an jedem Festtag Opfergaben, Blumen. Bilder dar, als sollte das ewige Leben über Gräbern lächeln; und ein vers-chweuderischer Frühling vergißt nicht, über -die Friedeusstätten der Schlumi mernden sein lauterstes Aetherblau zn wölben und seine üppigsten Blütenteppiche strahlend auszn- ''keu. Und du kehrst, von dieser . . Bähung auf Grüften beseligt, wieder nach Lugano hei > i,u die reizvolle und reigenreiche Dreieinigkeit, die $Kuücu;iUlc des Südens, des Frühlings und der Liebe, abermals anbetest.

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