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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-02 · Heft 1994 (2.9.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1994 (2.9.1924)
Date
1924-09-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1994 W^n, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 2. September 1W4 Seite S Der Bundeskanzler wieder in Wien. Bnnidestanzler Dr. Seipel G gestern aus. Mehrerau m Wien eiritgetroffen und im EchotKmgshem) in Hütteldovf abgestiegen, wo die Behantdiluntz der Stoffwechselstörung fortgesetzt wird. Bor seiner Abreise aus Vorarlberg hatte der Kanzler in Lindau eine Zusammenkunft mit dom bah rischen Ministenpvälfideniten Held. Aus der Schweizer Gesandtschaft. Der schweizerische Gesandte Dr. Charles D. Boureart und seine GmwikM sind vom Urlaube nach Wien zurückgekehrt. Minister. Bourcart hat die Leitung ^er Gesandtschaift wieder ÄLernommon. Ser neue Wiener Gesandte Svaniens. Der neuernannie Gesandte des Königreiches Spanien Antonio de ZayaZ y Beaumont, Herzog von A-malsi, hat geistern in Begleitung des diplomatischen Personals der Gesandtschaft dem Bunldespräsiidenten Dr. Hämisch sein Beglaubiigungs sch reiben überreicht. Tomaun von denKommmlisteu ausgeschloffeu. Der frühere Führer der österreichischen Kommunistischen Partei, Karl To mau, wurde auf Grund eines Disziplinarverfahrens aus der Pavbei ausgeschlossen. Der Oeffentlichkeit ist nicht begannt geworden, was ihm zur Last gelegt wird. Pros. Waldner gestorben. Nach einer Meldung aus Klagensuvt ist dort der ehemalige Reichsvats- und Laudtagsabgeordnete Üniversitätspvosessor i. P. Dr. Viktor, Waldner am 30. v. M. rn der LandeMmnckenanstalt im 72. Lebensjahre g e st o r b e n. Dr. Waldner, der selbst bei den Deutschnatioaleu zu den Vergessenen zählte, wurde im Jahve 1917 Obmann des Deutschen NationaLverbandes, des Sammelderbandes der deuischnatonailen Antisemiten im Reichsvate. Unter seiner Führung gerieten die unterschiedlichen Deutschnationalen immer mehr ins Fahrwasser der Siegfriedler. Professor Redlich und einige andere vernünftige Abgeordnete wurden aus dem Verband verdrängt und schließlich wurde die Vertretung -der bürgerlichen Deutschen von dem arischen Gurkeuhändler Teufel dirigiert, während Waldner nur mehr der repräsentative Klubobmcmn war. Ler Kongreß der Bereinigung für Kinderhilse. Vom 8. bis 8. Oktober in Wien. Die Internationale Bereinigung für Kinderhilfe in Genf veranstaltet am - 6., 7. und 8. Oktober ihren vierten internationalen Kongreß in Wien. Dieser Kongreß ist bestimmt, die Hilfe der Internationalen Vereinigung für Kinderhilfe für eine Aktion im Nah-Orient zu sichern. Die heimische Zweigvereinigung ist das OesterreichisÄe Komitee für Kinderhilse unter Vorsitz von Frau Marianne Hämisch, die mit Bürgermeister Seitz den Allgemeinen Verband für allgemeine Jugendfürsorge in Wien vertritt. Die letzten Kurse. (Radiodienft der „Wiener Movgenzeitmrg".) London, 1. September. Die Börse entbehrte wegen des amerikanischen Laboar Day der Ne-w-Iorker Anregung und blieb umsatzlos, meist abgeschwächt. Wenn auch einzelne Sonderhaussebewegungen sich bemerkbar machten. Die deutsche Anleihe stug stark, Sprozentige 36.9, Somhalbprozentige 26,9, 4Prozentige 27,3, Kowfols 38, Oesterr. Anleihe erholt, französische widerstandsfähig, Textilaktien allgemein schwacher, ebenso Textilwerte, Petroleumwerte auf Pariser Verkäufe erholt. Zinnaktien wegen starker Steigerung, von Zinn höher. Die politischen Ereignisse, wie die Berliner Ratifikation, blieben ohne Einfluß, da die City an derselben keinen Augenblick zweifelte. London. 1. September. Devisenkchlußkurie: Wien 320.500, Prag 149,50, New-York 4,48»/». Paris 83,225. Brüssel 88,625, Rom 101,25. Zürich 23,86, Madrid 33,775, Lissabon 1,59, Amsterdam 11,5975, Kopenhagen 27,355, Christians 32,475, Stockholm 16,895, HelsingforS 179, Berlin 18,875, Athen 245, Rio de Janeiro 5,31, Bukarest 915. Vondon» 1. September. Effektenkurfe: Oesterreichische Anleihe 92,25, Tschechische Anleibe 101. Prager-Anleihe 90,50, Skoda 90,50, Bankverein 8, Bodenkredit 18, Central Mining 10.925. General Mining 11,6, Diamonds 17, DebeerS 11,6875, Rio Tinto 35, Royal Dutch 29, Shell 3,875. M e t a l l m a r k t: Kupfer Standard Kassa 63,17,6 bis 64, dreimonatig 64.15 bis 64,17, Zinn Standard Kassa 258,5 bis 258,10, dreimonatig 258,17,6 bis 259,2,6, Blei englisches 34,10, ausländisches 33,5 bis 82,5, Messing ausländisches 33,3,9 bis 32,18,9. Baumwolle; Full Middling 15,47, Terminware 9 bis 22 Punkte niedriger, September 14,85, Oktober 13,90, Jänner 13,66, Marz 18,85, Mai 13,61. 11 Uhr 16 bis 4 Punkte niedriger. 12 Uhr 13 bis 2 Punkte niedriger. 8000 Ballen Umsatz. 13 Uhr 15 Min. Md 14 Uhr bis 4 Punkte niedriger. 14 Uhr 10 bis 14 Punkte niedriger. Schluß September 14,37, Oktober 14.87, Jänner 13,66, März 13,67, Mai 18.61. „ Zucker in London ruhig, zu alten Preisen greifbar. Weiße Terminware 22,10'/», Dezember 2l^6. Paris. 1. September. Die hauptsächlichste Tätigkeit der Börse erstreckte sich heut« auf die Liquidation der Augustengagements. Diese vollzog sich im allgemeinen in ruhiger Haltung, ohne daß auf den verschiedenen Märkten irgendeine Reaktion erfolgt wäre. Auch der Ankauf von Bargeld vollzog sich in normaler Weise. Im Parkett mit 4,86, in der Kulisse mit 7,5 Prozent. Im allgemeinen zeigte die Börse wenig Tätigkeit. Die Festigkeit war die vorherrschende Tendenz des Marktes. Der Schluß erfolgte in ruhiger Stimmung. Dasselbe gilt für das Gebiet des Devisenumsatzes. Im Schranken waren die Geschäftsumsätze' äußerst träge mit geringen Kursänderungen. Paris, 1. September. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banaue de France —.—, Pragobmka 400,—, Credit Lyonais 16,95, Suez 14,425, Platine 857,. Dabrowa 705, Banque Ottomane 815, Central Mining 919, Rio Tinto 29,02, Le Navhta russe 414, Succeried Egypte 1020. Cautickoucs sin 144,—. Chartered 47,25, Tebeers ordin. 974,—, Goldfields 83.25, HuanchakaS 333,—, Jägers Fontain 249.—, Malacca ordin. 148,—, Maltzoff 459,—, Mexiean Eagle 76.50, Padanq 332,—, Rand Fontain 78,50. Nandmiue 239,—, Silva plana 158,—. Tanganvika 169,-, Tubice wie 615 -, Utah Cevper 1540. SM 332,50, Royal Dutch 24.300, Burmah —, Bakow 26,90. .Paris. 1. September. Wechselkurse: Auf der Börse wurden heute folgende Kurie notiert: London 83.91, New-Bork 18.70, Brüssel 92,50, Holland 716, Italien 81,35, Prag 55.40, Bukarest 9.15. (Eigelddienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Iork. 1. September. Infolge der durch die Tätigkeit des Ku-Klux-Klan im Bezirke William verursachten Unruhen, hat die Regierung den B elagerungszustand über den genannten Bezirk verhängt. Es wurden drei Kompagnien Bundestruppen nach William entsandt. 3t. Leopold Badarz gestorben. In Budapest ist letzten Freitag der ehemalige Staats sekretär im Justizministerium, Dr., Leopold Vadasz, im 63. Lebensjahr gestorben. Der Verstorbene, der seine Laufbahn als Advokat in seiner Geburtsstadt Kleinwardein begann, lenkt« durch sein hervorragendes juristisches Wissen und seine publizistische Tätigkeit auf seinem Fachgebiet sehr frA) die allgemeine Auflnerkfamkeit aus sich. Später widmete sich Dr. Vadasz auch der politischen Journalistik und wurde im Jahre 1910 ntil dem Programm der Partei der nationalen Arbeit des Grafen ' Stephan Tis za ins Parlament gewählt. Hier wurde Doktor Vadasz in die wichtigsten Ausschüsse gewählt und seine Parla. mentsreden zählten stets zu -den Ereignissen der ungarischen gesetzgebenden Körperschaft. Ms Stephan Tifza die Regierung übernahm, ernannte er den jüdischen Abgeordneten und Rechtsgelchrten Vadasz zum Staatssekretär des Justizministeriums Sa oft die Regierungspartei damals in eine kritische Situation geriet, wurde Dr. Vadasz ins Tressen gesührt, weil er mit seiner Autorität der Geeignetste war, die Situation zu retten. Seine Ernennung zum Staatssekretär wirkte damals weg n seiner Zugehörigkeit zum Judentum sensationell. Am Winker Hof wurden auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den alten Kaiser zu bewegen, den, Vorschlag Tiszas abzulehnen, was jedoch infolge der Hartnäckigkeit Tiszas mißlang. Vadasz war auch inr Kriege Staatssekretär im Justizministerium und eine ganze Anzahl kMMiorischer Maßnahmen stammt von ihm. Dr. Vadasz zahlte zu den unbedingtesten Anhängern und Verehrern Stephan Tiszas. Es ist bekannt, daß der nunmehr Ver-? blichene an einem biographischen Wer! über seinen Freund und Führer arbeitete. MS Jude hat Dr. Leopold Vadasz an den Kulturbestrebungen des ungarlündischen Judentums regen Anteil genommen; er war diele Jahre hindurch Präsident der ungarisch-israelitischen literarischen Gesellschaft, Mitglied der Repräsentanz der Budapester Kultusgemeinde und Ehrenmitglied verschiedener jüdischer Organisationen. Die Gesinnung Dr. Vadasz' gehl am deutlichsten aus jenen Worten hervor, die er wenige Stunden vor seinem Tode zu seiner Umgebung sprach: „Es gibt nichts schöneres, als wenn ein Musch dem anderen zulächelt. Die Menschen wissen nicht, was Liebe heißt. Ich möchte nur darum leben, um sie das zu lehren." DäS Leichenbegängnis fand unter überaus großer Beteiligung statt. Neve Untersuchungen über dir RelntivitArtheorie. Die Universität Chikago trifft umfassende Vorbereitungen, um die Richtigkeit der Einste ins chen Relativitätstheorie nachzuprüfen. Es soll wieder experimentell entschieden werden, ob das Licht in der einen Richtung schneller geht als in der senkrecht dazu stehenden. Zu diesem Zweck hat die Universität Chikago einen besonderen Apparat erbaut, der aus einem 21,946 Mter langen Wasserrohr von 30,48 Zentimeter Durchmesser bestcht. Dieses Rohr hat ein Gewicht von 300 Tonnen. Mit Hilfe einer 40-PS- Pumpe wird das Wasserrohr so weit als möglich luftleer gemacht, und dann weichen von einer Bogenlampe Lichtstrahlen durch das Rohr, das in Recheckform gebogen ist, gesandt. Ein System von Spiegeln an den Ecken des Rechtecks stellt em Interferometer dar, daS ermöglicht, die Zeiten zu vergleichen, die zwei Lichtstrahlen, die in senkrecht auseinander stehender Richtung durch das Rohr gehen, für chren Weg gebrauchen. Das ganze Experiment soll an einem besonderen Orte im Staate Illinois stattfinden. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: In Ergänzung -es in der „Wiener Morgenzeitung" vom 30. August erschienenen interessanten Aufsatzes über „Schachsagen und Schachgeschichten" möchte ich darauf Hinweisen, daß der französische Gelehrte A. Alexandre in seiner „Encyelopedie des echecs" das Schach schon in das 2. Bych Samuel, Kap. 2, hineinzudeuten versucht, was ihm allerdings nur durch eine „exegetische Spielerei" gelingt. In einem deutschen Sagenbuche aus dem 16. Jahrhundrt wird König Salomo als Erfinder des Schachspiels bezeichnet. Eine Anekdote von Salomos Schachspiel mit seinem Feldherrn Benajahu ist in deutscher Sprache zu finden in „Erster Teil Jüdischer Historien oder Talmudische, Rabbinische, wunderbarlichen Legenden... Teutsch verfertiget, Christophorum Helvicum Professoren: in der Universität Giesen. Getruckt zu Gießen bey Caspar Ehamlein, im Jahre 1612." Die Historie trägt die Ueberschrift: „Wie König Salomo im Schachspiel betrogen tvard und er dahinter kam." Danach hätte also das königliche Brettspiel seinen Siegeszug durch die Welt aus dem Hebräerlande genommen. Die Sage knüpft indes gewöhnlich an den persischen König Khosru Annschriwan an, der der Erfinder des Schachs gewesen sein soll; jedoch läßt sich nicht genau der Zeitpunkt bestimmen, in dem Perser und Araber zum ersten Male mit dem Schachspiel bekannt wurden. Sehr wahrscheinlich ist es, daß das Schachspiel, in Indien erfunden, im 5. Jahrhundert der üblichen Zeitrechnung von Persern, Arabern und Juden gekannt und den Europäern vermittelt worden ist. Ter erste Europäer, der das Schach erwähnt, ist Petrus Alphonsi i.htt 11. Jahrhundert) in seiner „Disciplina elericalis" (herausgegeben von B. Schmidt, Berlin, 1827, Kap. 6, 8, S. 44). Das umfassendste deutsche Werk über Geschichte und Literatur des Schachs ist die „Geschichte und Bibliographie des Schachspiels" von Dr. Antonius van der Linde. Sehr zahlreich sind die Schachlegenden und Schachanekdoten, die für die Wertschätzung und Verbreitung des Schachspiels höchst charakteristisch sind, obgleich sie auf historische Geltung nichtimmer Anspruch niachen können. Eine der bekanntesten Schachlegenden ist die vom „jüdischen" Papst Ana kl et dem Zweiten, dessen bürgerlicher Name angeblich Elchanan gewesen war, und den sein Vater, Rabbi Simon aus Mainz, an einem Schachzug als Sohn wiedererkannt haben soll. Eine in ihrer Art charakteristische Anekdote, die an Friedrich den Großen anknüpft, lautet folgendermaßen: Friedrich der Große spielte häufi-g mit einem Juden Schach; einmal spielte er in Gegenwart von anderen Personen und verlor wiederholt. „Die nächste Partie werde ich doch hoffentlich gewinnen!" ries der König mit Unwillen dem Gegner zu. Dieser war jedoch so ungeschickt oder so eitel, den Wink nicht zu verstehen: der König verlor abermals. Darauf wurde der Jude mit Zorn hinausgewiesen, um nie wieder der hohen Ehre teilhaftig zu werden. Eine andere Anekdote und ein in Schachkreisen oft angeführter Spruch knüpfen an den Zeitgenossen Friedrichs, an Moses Mendelssohn an. In Lindes „Geschichte des Schach" wird eines Bildes Erwähnung getan, das Lessing und Mendelssohn am Schachbrett darstellt. Isaak Heß, ein leidenschaftlicher Schachspieler, soll die beiden Zierden jener Zeit zuerst anr Schachbrett zusaimueugesührt haben. Nach einer anderen Version habe Mendelssohn das Schachspielen abgclehnt mit den: Aussprrrche, es sei für Spiel zu viel Ernst und für Ernst zu viel Spiel. Jedenfalls dürste Mendelssohn diesen Ansspruch erst in späteren Jahren getan haben, denn in seiner Jugend und im Mannes alter war er sicherlich ein fleißiger . Schachspieler, *) was ans einer Anekdote hervorgeht, die Zelter in einem Briese an Goethe mit folgenden Worten wiedergibt: „Ans jüngeren Jahren füllt mir ein Jude ein, namens Michel, der in allen Dingen, bis aus zwei Elemente, verrückt erschien. Wenn er französisch sprach, kam kein unebenes Wort über seine Lippen, und spielte er vollkommen Schach. So kommt dieser verrückte Michel (w.ie man ihn nannte) zum alten Mendelssohn, der sitzt und spielt Schach mit den: alten Rechenmeister Abram. Michel sieht das Spiel an. Abram macht endlich eine Bewegung mit der Rechten, um das Spiel als verloren umzuwerfen. und erhält einen derben Schlag an den . *) Nach Mendelssohn wird auch das sogenannt« Matt cioufe (Erstickungsmatt) benannt. Kopf, daß ihm die lose Perücke abfällt. Abram hebt r-uhrg seine Perücke auf und spricht: „Aber, lieber Michel, wie hätte ich denn ziehen sollen?" — Lessing hat den Vorfall im „Nathan" nachgebildet..." Der römische Geschichtsschreiber TituS Liv-iuS hat eine römische Geschichte feit Gründung der Stadt in 142 Büchern geschrieben, von denen zur Freude aller Gymnasiasten, für die dieser Historiker als einer der un-genießbarsten klassischen Autoren gilt, nur 85 Bücher erhalten geblieben sind, und Zwar Buch 1 bis 10 und die Bücher 21 bis 45. Nun berichtet die in Nea,pel erscheinende Zeristhrift „Rivista Indo-Greoo-Italica", daß der dortige Paläograph Professor De Martin o-Fuscv , Vas vollständige G esch i ch t sw'erk des Titus-LiviuS in einer Reihe von Handschriften gefunden habe. Wenn Vie^se Nachricht den Tatsachen entspricht, s-o würde dies eine Bereicherung der römischen Literatur bedeuten, wie sie seit der Renaissaneszeit nicht mehr vorgekomncen ist, und überdies würde die Geschichte der römischen Republik eine große Zahl von neuen dokumentarischen Unterlagcr: erhalten. Die Nachricht der erwähnten wissenschaftlichen Revue hat mtürlich große Sensation.' hervorgerusen. Professor De Martino ist jvdoch sehr zurückhaltend. Er hat es sogar abgclehnt. dem nach Neapel gereisten Vertreter des Unterrichtsministeriums Erklärungen abzugeben. Einem Berichterstatter des „Eorrieri della Se.re" bestätigte Professor De Martino die Richtigkeit der Nachricht von den: Fnnde der Historien des Livius. Er erklärte hber, er habe die Entdeckung bereits vor einun>dei:chal>b Jahren gemacht, sie jedoch absichtlich geheimgehalten und wolle dies auch weiter tun, bis er die Abschrift der Bücher beendet habe. »Durch eine Indiskretion eines Mitabeiters fei die Nachricht in die erwähnte Rovue und von da ins Ausland gelangt. Ueber den Ort, wo er die Livius-Bücher gcfuulden habe, verweigert De Martino jede Auskunft. Dies gibt allerdings Anlaß, der sensattonellen Nachricht gegenüber noch immer Skepsis zu belvahren.

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