Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1994 (2.9.1924)
- Date
- 1924-09-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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«MH Men^ DknStay Volkswirtschaft stark genug sein wird, diese neuen Belastungen Shne Schwierigkeiten zu tragen. Die^ Krone ist zwar im Verhältnis zu den Goldvaluten stabilisiert, aber wie die wachsende Teuerung zeigt, vermindert sich ihre Kaufkraft irn Inland. Der Verdacht ist nicht von her Hand, zu weisen, daß die Gesetzwerdung des neuen Zolltarifes, sofern sein JnSlebentreten nicht eskoinptiert worden ist, eine neue Teuerungswelle nach sich ziehen wird. Wenn auch die Verteuerung von Brot und Mehl infolge des Getreidezolles kaum mehr als 160 K. pro Kilogramm betragen wird, so ist zu bedenken, daß nunmehr auch auf- Schlachtvieh, Fett, kurz alle Lebensmittels die seit-dem Kriege Zollfrei ins Land gingen, Einfuhrzölle gelegt werden. Die allgemeine Verteuerung der Lebenshaltung dürfte sich bald in neuen Lohnend Gehaltsforderungen auswirken und die österreichischen Wirtschaftsführer müssen sich wohl im klaren sem, ob unsere daniederliegende Industrie und der arg in Mitleidenschaft gezogene Handel diese neue Be-, lastungsprobe ohne Erschütterung ertragen können. Der Handel' kam bei der Ausarbeitung des Zolltarifes nicht in gebührendem Maße zu Worte und darum enthält das Gesetz auch mehr als einen Schönheitsfehler. Es ist nur charakteristisch, daß bei der parlamentarischen Verhandlung des Gesetzes, während einzelne Handelskreise beispielsweise gegen den Eisen-, . den Zement- oder den Schutzzoll Sturrü liefen, der Abgeordnete-Partik, der sonst immer den Vertreter des legitimen Handels mimt, nicht einmal den Mund austat. Wie das Experiment mit den neuen Zöllen ausfallen -wird, läßt sich auch nicht annähernd abschätzen. Der-günstigste Fall wäre es, wenn das Gesetz wenigstens einebrauchbare Unterlage für den Abschluß von Handelsverträgen mit den Nachbarstaaten oöte. Dies zu beurteilen, ist natürlich Sache der ständigen Unterhändler. Besahen sie diese Frage, dann könnte man trotz , aller Mängel mit dem neuen Gesetze zufrieden sein und unter der Voraussetzung, daß es bei den Handelsvertragsverhandlungen auch gelänge, einen Teil-der Zollmauer abzutragen, könnte das Werk einen Schritt auf dem Wege zur wirtschaftlichen Konsolidierung Oesterreichs bedeuten. Amerika für die KontrsKe de« Waffenhandel«. ° ' <&otf, 1. Septemlbet. (Schweizerische Depeschsnagent.) Eine Note -des amerikanischen Gesamdten in Bern Gibson an ben Gen-ovalstkvetvr des Völkerbundes Sir Eric Drumond teilt mit, daß die Vereint g t c n Staa.ten bereit ft-ien, an einer internationalen Ko nffe r e n z - zum Abschluß eines Uebereink.omme-ns über die Kontrolle des Waffe n- N nd Mun i t io N Sha nd e 1 s teilzunehrnen. Sie deutsche AiileHr. Berlin) 1. September. In FinaNzkreisen verlautet, baß aller Voraussicht nach die deutsche Ausländsanleihe von 800 Millionen Goldmark am 15. d. in Lond o n gezeichnet werden dürfte. Die englischem Bankiers werden sich voraussichtlich daran mit 200 Millionen Sold mark beteiligen. » Ae Wahlen in Sberschlesten. ' (Eigendienst der „Wiener Morgenzettüng".) Berlin, I.-Soptemlber. Die infolge eines WaApvotöstes der deutischen Wirtschaftspartel für u n.g ü l t i g erAärten Reichstagswcchlen vom 4. Mai im Walhlkreis Oppeln (Oberschl-esien) sind auf den 21. d. festge,setzt worden. Cs handelst sich um die Wahl von sechs Abgeochneten, von denen bisher drei dem Zentrum, einer den DenWnationalen und zwei. den Kommunisten anaelört-en. Sie AMrekernvg de? tzrzberaer-Msrder. ' Berlin, 1. September. Wie den Blättern mitgeteilt wird,- habe sich das Reichskabinett am Samstag mit der Frage der Auslieferung der Mörder Grzbergers beschäftigt. Die Verhandlungen zwischen der deutschen und der ungarischen Reigierung seien stochnicht abgeschlossen. Die Affäre der Enzberger-Mökder vor dem ungarischen Parlament. Budapest, 1. September. (Tel. der Wiener Morgenzeitup.A.) Die Opposition hat die Einberufung der ungarischen Nationalversammlung für Freitag bewirkt. Der sozialdemokratische Abgeordnete Payer wird die Gründe darlegen, weshalb die Opposition die Einberufung des Parlchmntes verlangt habe. In der Sitzung wird (voraussichtlich durch den Abgeordneten D r o z d h) sowohl die Eskütt-Affäre als auch diese Angelegenheit der Erzberger- Mörder zur Sprache gebracht -werden, die letztere deshalb, lweil es bereits erwiesen ist, daß die Flucht des zweiten Erzberger-Mörders und seines Kumpans aus der Gömbös- Villa nur mit Wissen, also auch mit Willen der Regierung erfolgen kannte. Gine Gedächtnisfeier für Erzberger. Freiburg, 1. September. (WM.) Der großdeutsche Orden, der Schutzbund verfassungstreuer deutscher Jugend, die demokratische Jugendgruppe und der Wmdhorst-Bund veranstalteten gestern in Grießbach an der Stelle, wo Echbevgvr vor drei Jahren erschossen wurde, eine Gedacht«isf.«ier. Es wurden an Frau Erzberger, Reichsranzkoer Dr. Marz und an den badischen Staatspräfipentin Telogvomrnre gesendet, worin die vvrsassnugs- ****** (JjHJJcJW VW WWIjplWml JUS «WyltvlH WJltCVJÖCt* Wieyr Movgenzeitun«._ ■ L. Dept«Mk«r1S!!1 j1 . Aus Äe« BesWffen der zweiten jüdischen Kinderhiife. Die Konferenz wolle beschließen: Mn «ti.t einer Fachkraft ausgeftatteteS S e k r e.t a» r i a t für Ki n b e r f ch u tz und Jugendfürsorge beim Bureau der Exekutive -zu errichten, da's für die Aufrechtevhaltung der Verbiridirng mit den intrrnat-'-onMN Kiuderschutz- und Hilfsinstitutionen sorgen und besonderen Wert auf die dauernde Verbindung mit der Genfer Vertretung legen soll. Die nächste Dringendste Ausgabe des Sekretariats und des pwvisorischrn Ait-sschussez ist:.'" a) Aufstellung eines Katasters der vorhandenen jüdischen Jugendwohlfahrtsorgamsationen; ' b) Anregung zur Gründung von Landesorganif a t i o n e n. (-st el l e n) für K i n ü e r s ch u tz und I uge n dw ohlfahrt; c) Emle-itnug der Zusammenarbeit. mit. Gesundheits- Fürsorge stellen; d) ' Einrichtung Mer Weltsam mel v ormundfchaft f ü r verlas se n e Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit' dem Sekretariat: - ' - e) Einrichtung einer internationalen Nachweis- und Ausgleichs stelle für die U n t e rd r i ntzu ng vön Waisen und erholungsbedürftigen Kindern und Jugendlichen, mit dem Ziele eine,: möglichsten Vereinhsitlichurvg dieser Arbeit für. das nächste Jahr. ) Aus den Resolutionen der Kommission für Arbeit. Den Fragen der Sozialpolitik, der Arheitsfürsvrge, der Arbeitsvermittlung und der ProduktiVierung -der emigrierenden M a s se n ist, besonders Aufmerksamkeit.zuzuwenden. Das gesanrte Material internationaler Verträge und Bestimmungen, die die Probleme des Arbeitsrechtes usw. betreffen, ist in einer bei der Exekutive der Welthilfskonferenz zu schaffenden Stelle zu sammeln und zu bearbeiten. Diese Stelle ist insbesondere verpflichtet: die internaticualen Bestimmungen, die die Arbeiterschaft und die SozialpoliM betreffen, den Organisationen, die sich mit diesen Fragen befassen, zugänglich zu nmchen; zu den internationalen Stellen, wie Las internationale' Arbeitsamt, der internationale Ausschuß für Sozialpolitik u. a. eine Verbindung herzustellen und aufrechtzuerhalten, um die - Kongresse dieser Veveilügungen für die sozialen Probleme der jüdischen Arbeiterschaft zu interessieren, damit sie einer interNationalen Lösung zügfführt werden-, mit den Staa- - len und Völkern, die ..au^denJrägen der Auswanderung der Arbeiter besonders interessiert sind sowie mit zentralen Organisationen in solchen Ländern eine Arbeitsgemeinschaft herbeizuführen zur gegenseitigen Unterstützung'gemeinsamer Fobderimgeu. ' ' Es ist eine Verbindung der jüdischen Körperschast-en, öffentlicher und Privater, -herb-sizu-ftihren, die sich nx.it den Fragen der Arbeiterfürsorge und der Arbeitsvermittlung beschäftigen, um eine Vereinheitlichung und Systematisierung dieser Tätigkeit zu erreichen. \ In allen jenen Landern, wo ein Bedürfnis nach Arbeit besteht, ist auf die Errichtung von Jnformatio-ns- und Arbertsoevmittlungsftelleu für jüdische Arbeiter und Angestellte hiinKU-wirken. Für die Chaluzarvüt. Die Konferenz erkennt klar, welche große Bedeutung die H a ch s ch a r a - A r b e i t des Weltverbandes Hechaluz für die Prodnktivierung der jüdischen Jugend und für die Bewältigung der Emigration's- und Kolonisationsnöte ides jüdischen Volkes hat. Sie sieht in der Unterstützung- und Finanzierung dieser Tät.igkeit einen or g a ni's ch e n Te tl der W i ede r au fbo u a r b e i t, die die jüdische WelthiPtouftrenz zu leisten hat. ' Die Konferenz weist alle ihr angeschlossenen Organisationen auf die Bedeutung der Hechaluz- Arbeit hin und fpvdert sie auf, diese Avbeit mit allen Kräften zu unterstützen und zu fördern. ( ' ' ■ 3sit Frage detdjüdischerr Bolksbank. - i »zweite jüdische- Welthilfskonferenz anerkennt die u n h-e d i n gt e N o t -w e n dbg feit der Gr it ndung der Vereinigten jüdischen Bolksban-k und begrüßt mit Dank die Vo-rbereitungKrrbeiten der früheren Exekutive auf diesem Gebiete. ,, i Die Konferenz beauftragt die gewähltem NlssührungZorgaue, die Vorbereitung der Arbeiten energisch fortzusetzen, um. rasch das notwendige Mienkapital zusammenzubringen ünp auf diese Mise' die'M-öglichM zü-'s«haffen, -daß die Bank innächster Zeit zur Durchführung ihrer Aufgaben gelangt. - Die Grunderaktien bleiben v o r l ä u f i gin den Händen des Zentralratetz. ' . Die Konsevenz. /lenkt, die Aufnterksam-ke-it sther verschiedenen Teiledes. jüdischen Bastes aus die P fl i cht, die ein jeder Jude bei der großen Arbeit zu . erfüllen hat, der BereinitztM' jüdischen' VoMbank' dv,s Mienlopitalzu verschaffen.. Sie äppelliert' an 'alle ' jüdischen - 'Körderschaften und sozialMigen Persönlichkeiten, sogleich an'den -Absatz.füx die Jüdische Volksbänk^ 'die zum zentralen Finanzinftitut' für-den Wiederaufbau des jüdischen Volkes werden soll, heranKUgchen. ' ' ---. “V Eine Resolution über die Jntellettuellenhilse fovdert eine.besondere Zentralstelle für Jntelligenzhilfe, welche in .glerchem..Maße alle .-Studieren de n. der weMcheu und ro'ligwsen Schulen und alle Kategorien. der Intellektuellen berücksichtigt. . . , , In der Resolution über die k o n st r u k t i v e Hilfe heißt es: Was die Erziehung der männlichen und werblichen Jugend anlangt, so soll der professionellen E rziehung durch Schulen, insbesondere in den größeren Städten, nach wie v-or die Aufmerksamkeit gewidmet werden, vor allem auch in Hinblick auf die vorhandene Jmmigvaii ousmöglichkei t; daneben sollen im steigenden Maße L e h r l i n g 's p a t r o n a t e geschaffen werden, die durch Kontrolle und ergänzende Abendkurse -wirken. Bei der Auswahl der Branchen sollen die lokalen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Nach Beendigung der Ausbildung soll für die passenden Gesellenstellen'gesorgt werden. Die Erziehung zur la nhwirtschafilichen Ar- .heit soll, wo irgend die LWgstchkeit besteht, unterstützt «werden. Die vorhandenen und in größerer Zahl neu zu schaffenden Kre-ditkassen sollen in erhöhtem Maße zur Gewährung langfristiger Kredite befähigt -werden; insbesondere ist mit Rücksicht auf -den gesunkenen Geldwert dahin zu strebe::, daß die Kredite auf die Höhe der Vorkriegszeit gebracht werden. Argentinien. Da Argentinien eines der lvichtigsten Einw-ande* ruugsländer ist, beawt-ragt die Konferenz ihre künftigen Ausführungsorgane, für die Einsetzung einer Kom-misston zu sorgen, die zur Aufgabe haben soll, die allgc-nxein-e Lage in Argentinien zu untersuchen und die Verhältmss-e der avgentinlscheu jüdischen Kolonie n und die dortigen Ginwandemngsmöglichke'iten zu erforschen. Kolonisation in Palästina. Die Koufersnz anerkennt die N ot we ndigkeit» alle Möglichkeiten für -landwirtschastli.che Kolonisation zugunsten der. jüdischen Emigrations- Massen auszunützen und -macht die jüdische Oeffentli chkeit besonders auf die K o lo n i s a ti o n s in ö g lichte i t e n in E-rez Israel aufmerksam. Alle Emigranten, die ihrem Wer und ihrer Vorbildung nach für die Landwirtschaft geeignet sind, soll die Möglichkeit verschafft werden, nach Palästina zu gelheu. Die statistische Kommission beantragt, die zukünst'ige Exekutive damit zu betrauen, ein Z e n t r a l i n st i 1 ot t für Statisiik der Juden zu schaffm. * ein unterdrückter Aufstand in Georgien. Moskau, 1. September. Die Russische Telsgraphenagentur veröffentlicht einen Regverungsüericht des Obersten Völ'kskcanmissariats, in dem es heißt: Am Morgen des 29. August wurde ein Ueberfall auf die Stadt C z i e t u r h in Georgien mit gegeurevötutionären Zielen unternommen, und zwar von ehemaligen Offizieren, Fürsten und Großkauflauten. Das Unternehmen wurde raschest unterdrückt. Den Behörden ist es gelungen, die Fü h r e r z u v e r h a f t e n. In manchen anderen Ortschaften versuchten Menschewiki gleichfalls, ähnliche Aufstände zu örganisieven, doch wurden alle Versuche seitens der ansässigen Bevölkerung raschest nnterdrückt. Die Regierung hat alle Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit und Ordnung zu schützen. * Bekanntlich war Georgien vier Jahre laug die einzige autru'ome Republik, welche eine' legale Volksvertretung besaß. Die Bolschewiken hatten im Parlament der georgischen Republik der Arbeiter und Bauern nicht die Mehrhest;?dle Regicrung war eine menschewikische. Die Sowjetregierung hat sich dieser Republik durch „Krieg" 'mit Georgien entledigt und richtete in diesem Lande eitt wahres Vchveckensvegimeut ein. Huberte von MnschswiMWO Politikern wurden g-ewaltfam beseitigt, tausende wegen ^Hochverrats" ins Gefängnis gesetzt.' Der jetzt gemeldete ,/Äufftand" scheint wieder mit einer „Aktion zu-r Befestigung der Sowjechervschaft" zufammenzuhängen. Die Kiimdie in Wina. v (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung".) New-Iork, 1. September. Nach einer Meldungaud Peking sind die Versuche, zwischen den feindlichen chinesischen G < ne raten zu vermitteln, als g e s ch e U tert anzusehen, nach dom sowohl General L i a n g als auch der Marschall Tschi Sien Tjuan die Vorschläge für den Abschluß eines W a f f e n st i l I st a n d e s a bgelehnt haben. Die beiden Armeen haben jetzt.in -der Gegend von S ch a n t u n g Aufstellung genonxmen. In der Nähe von Kanton soll es zu Zusammenstößen gekommen sein. . In G ch a n g h a i sind a m e r i k a n i s ch e K r e u z e r eingetroffen^ In T s ch e - F u wurden. 80 a M e r.i k a n is ch e M a r i n e s o l d a t.e n gelandet, die die. amerikanische Kolonie in Schanghai schützen, sollen, In Schanghai sind aus dem Innern des Landes '200 Missionäre ciugetrofsöu» die von schweren P l ü n d e r u u g e n im Innern bepiHt>en< -