Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1994 (2.9.1924)
- Date
- 1924-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Poian: zu gro«zyl Wies: Zum Abtiolen in der Eacpedition, II. Taborstr. 1-L oder in einerVerscbleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenvärkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Be*.» Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 n*\ Ts ch e e h o-S I owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. SVi Zloty, Dentsehland: Moo. Goldmark 4, Fr an k r.» Belgien: Mon. Frei. 12 I Preis K 1400 'England: Mon, 4 Schilling, II a! i o n: Monatl. 12 Ure, Ru m ä n i e nMon. lSDLei, Bulgarien Mbn.80l.ewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich, Frcs. 4 Redaktion «. Administration Wien, II., Taborstrassei ~3 Telephone: 44^.38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann! WU" Nsehsshlunren tat PrstssibStmagen vorKeliiilU* Oestenreiehieches Postspar* kassen-Konto Nr. 1,50.698 am Rr. 1994 Mm. Lienstag. 2. September 1924 6. noftrwma Sie feierliche Eröffnungssitzung. — Ser der Tagung. — Sechs (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 1. September. D've EvöffnungSsitzung der fünften Bölkerbundiversamimlung ging unter ungcheuer starkem llnbrang vor sich und tvng seierKches Gepräge. Bikber sind 1.11 Delegierte als Vertreter von 54 MitgttedstMten in der soeben ausgegebenen, jedoch noch nicht vollständigen Präsenzliste aufgezählt. ' Unter den Delegierten befinden sich fünf Ministerpräsiidenten (Herriot ist schon ringe t-wfftn, Mac Donald wird für morgen erwartet) irnd zahlreiche Außenminister der Mtgliedstaaten. Die Sitzung wurde um viertel 12 Uhr vormittags dom Präsidenten des Völ'kevbundrates, dem belgischen Außenminister H y m a n s, eröffnet. In seiner Ansprache wies er ravaus hin, daß sich i>m Völkerbund sichtbar die Atmosphäre der Solidarität immer mehr ausbveitete rnd der Geist des Krieges dem G e i st d e r s r i e d l i ch e n Lntwi ck l-ung allmählich Platz machte. Als Hhmans unter den vom Völtevbund geschaffenen Einrichtüngen den internationalen Schiedsgerichtshof ermähnte, setzte starker Beifall ein und vermehrte sich, als der Minister vonden Bemühungen Lord Robert C e c i l s und Henry de Fön bene l sprach,^.eGen Plan für die 11lagerne ine Abrüstu'ng, die eine der Haupiaüsraben des Vö8erb'MÜ>ck/sei,izü^ entwerfen. DÄina! vielte Abrüstung setze eine" moralische Abrüstung voraus und diese könne nurin. einer A t m o s.p h ä.r e -es V e rtra u e n s erreicht werden. In diesem Sinne hätten die Regierungen. Frankreichs und Englands .den Gedanken von der Heiligkeit der Verträge kürzlich in London zum wahren Ausdruck gebracht, und Herriot und Mac Donalds die Führer der beiden mächtigsten Völker Europas/ würden beide auf dieser Versammlung versuchen, dieser Idee auch im Rahmen des Völkerbundes Geltung zu verschaffen. Der fünften Versammlung des Völkerbundes möge es gelingen, die Menschheit auf den Weg zu leiten, der zur Herrschaft des Rechtes und >der G e r e ch t i g k e i t auf foer, Erde führt. Hymans schloß unter starkem Beifall. Am' 4 Uhr nachmittags erfolgte die Wahl des Präsidenten. Mt 45 von 47 abgegebenen Stimmen wurde zum Vorsitzenden der Völkevbundversammk;ng der schwo'zerische Bundesrat Motta gewählt; Hymnus.. bezeichnete diese Mahl als eine Ehrung für die gastfreundliche Schweiz, welche dem Völkerbund seine heilsame Tätigkeit in voller Unabhängigkeit. ermögliche. In einer kurzen Rede dankte Motta für die Mahl und sprach sein unerschütterliches Vertrauen zum Völkerbund aus. Er gedachte dann des Londoner Abkommens, worin die Idee der Schiedsgerichtsbarkeit zwischen den Staaten endlich znm Durchbruch gelangt ist, und erweckte damit den wiederholten Beifall der , Versammlung. „Die Anwesenheit so vieler bedeutender Staatsmänner in Ihrer Mitte," schloß Motta seine Rede,.,/hebt einerseits das Ansehen des Völkerbundes, beweist aber auch andrerseits, daß der Völkerbund es wohl verstanden hat, sich bei den Völkern und Staatsmännern Ansehen zu versrhasfen, auch bei denjenigen Völkern, die dem Gedanken des Völkerbundes am schwersten zugänglich waren. Unsere Kinder und Kindeskinder werden uns Tank wissen für die Schaffung des Völkerbundes, dieses Instruments friedlicher internationaler Aussprache." Hierauf beschloß die Versammlung die Verteilung der einzelnen Punkte der Tagesordnung auf die im Vorjahre gebildeten s e ch 's Kommissionen, und zwar: 1. Für interne und Verfassungsfragen; .2. für die technische Organisation; 3. für Abr ü st u n g s f rage n; 4. für Finanz- und Budgetfragen; 5. für humanitäre, und 6. für politische Fragen. - . . Die Kom-mifsivsten NM r« ^5rä>ftbenten otrt1> sich zu konstituieren. Die Präsidenten der sechs Kommffsiönsn werdewpann zusammen mit den sechs von. der Versammlung direkt zu wählenden Vizepräsidenten das P r ä s id i u m d e r Ve rf a m m l u n g bilden. Die Wahl der Vizepräsidenten durch die Versammlung findet morgen ant 12 Uhr statt. Sie MandatsfryM» vor dem VAkerbundrat. Genf, 31. August. (F. T. A.) In der ersten Sitzung des Vötkerbundr.'.irs .wurden die Berichte der ständigen Mandatskommission vorgetragen und genehmigt. In dem Bericht der Mandatskommission wurde darauf hingewiesen, daß im vorigen Jahre der britische Vertreter die Frage der militärischen Rekrutierung der Eingeborenen gewisser Mandatsländer zur Verwendung außerhalb ihrer Länder zur Sprache brachte. Die Kommission vertritt die Auffassung, daß der' Geist und der Buchstabe des Mandats verletzt werde, wenn die das »Mandat ausübenden Machte die Eingeborenen zur militärischen Verwendung außerhalb des Maudatsgvbiet.es reknüieren. Mit lebhaftere Befriedigung habe der Rat davon Kenntnis genommen, daß die britische Regierung ihr Recht auf Rekrutierung der Eingeiborciüen der Mandatsgebiete zur Verwendung außerhalb dieser Gebiete nicht aufrecht erhalte. Auftakt und Sie Wunnmg des Ruhrgebietes. Die erste Etappe soll am 7. Dezember beendet fein. Paris, 1. September. (Wolfs.) Der Reparationskommission ist heute 'vormittags durch die Kriegslastenkvmmission offiziell mitgeteilt worden, daß die für die Durchführung des Dawes-Planes notwendigen Gesetze durch den.Reichstag angenommen und durch die Reichsregierung veröffentlicht worden sind. Die Kommission tritt deshalb, wie der „Temps" meldet, heute nachmittags zusammen, um von dieser Mitteilung Kenntnis zu nehmen und, wie dies im Schlußprotokoll der Londoner Konferenz vorgesehen ist, festzustellen, daß die erste Bedingung des Dawes-Planes erfüllt ist. Vom 1. September, dem Tage dieser Feststellung an, lausen dann die. im Protokoll festgesetzten Fristen für die Wi e d e r h c r st e l l u n g der wirtschaftlichen u n d f i s k a l i s ch e n E i nh e i i des Rmhr- und RheingeÜ ietes, General D e g o u t t t trifft inzwischen, den erhaltenen Befehlen. entsprechend, die Maßnahmen für die militärische Räumung der in Frage kommenden Gebiete, die spätestens am 7. Dezember durch Uebergabe. der französisch-belgischen Regie an die neue deutsche Eisenbahngesellschast. beendet sein wird. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 1. September. Heuae Montag wurde an der Mauer des B ö rs e n g e b ä «d e s in den Mittagsstunden e i n e B o m b e gefunden, die sich bei näherer Untersuchung als eine abgeschossene und mit Sprengstoff gefüllte Granate erwies. Die Polizei hat umfassende Recherchen eingeleitet. Es steht noch nicht fest, ob ein Attentat gegen die Börse beabsichtigt war. Immerhin ist es ausfällig, daß dies im Verlauf der letzten Monate schon die dritte Bombe ist, die am oder in dem Börsengebäude niedergelegt wurde. d. d. W i e n, 2. September. Heute beginnt der Nationalrat die zweite Lesung des neuen Zollgesetzes, die er wohl in ein bis zwei Sitzungen beenden wird. Die Gesetzwerdung, die sonst nur unter Blitz und Donner und nach jahrelangem Feilschen der beteiligten Wirtschaftskreise und schließlich nach unendlichem Kuhhandel der politischen Parteien es zu einem Zolltarif brachte, arbeitete diesmal viel rascher und reibungsloser. Allerdings ist auch das : neue Gesetz nicht besser, als solche umfangreiche wirtschaftspolitische Werke der Legislative sonst zu fein pflegen; weist es doch alle Mängel eines Kompromisses auf. Ein neuer Zolltarif bedeutet auch bei der sorgfältigsten Vorbereitung einen Sprung ins Dunkle und dies namentlich in Neuösterreich, weil hier alle Erfahrungen mangeln. Noch immer ist die Gesamtmentalität der Bevölkerung und auch der Wirtschaftskreise vom Größenwahn nicht geheilt. Jeder Oesterreicher fühlt sich noch als Angehöriger der 54-Millionen-Monarchie, eines geschlossenen Wirtschaftsgebietes. Das Umlernen auf die Wirtschaftsgeographie des Bergländerbundes ■■■ mit seinem minimalen inneren Markte und feinen geringen Exportmöglichkeiten geht nur langsam vonstatten, gerade die Zeit der Hochkonjunktur nach der Gebietszerreißung war dieser Umstellung der Geistesverfassung nicht förderlich, da bei dem Mangel an allen Waren in den Nachfolgestaaten und auch in einem Teile, der Siegerstaaten alle - Erzeugnisse reißend Absatz fanden und die Prämie der sinkenden Krone alle Zoll-'- und Transportspesen,' alle räumlichen Entfernungen .nicht ins ' Gewicht fielen ließ. Die DingchstndM ' anders geworden. In den NachfWMütmHabäi'..sich>r^ nationale Industrien gegründet uM düM Würde der 1 österreichische Export aus seinen alten und aus desr neu' erworbenen Absatzgebieten, verdrängt, wozu natürlich auch die Konkurrenz der oftmals viel leistungsfähigeren Industrie der Siegerstaaten kam. Das Dumping der sinkenden Krone ist sckt der Stabilisierung des/ Geldwertes nicht mehr vorhanden. Sonne und Wind-wären für Oesterreichs Handel und Industrie im Wettbewerb mit dem Auslande gleich verteilt, wenn nicht der große Unterschied der Produktionskosten bestünde, in Oesterreich vornehmlich bedingt durch den hohen Zinsfuß, die sozialen Lasten sowie die Rückständigkeit der.Betriebe,, und wenn nicht außerdem die Absperrungsmaßnahmen des Auslandes die ihre Ursache hauptsächlich in dem Fehlen von Handelsverträgen haben, vorhanden wären. Um die Voraussetzung für die Beseitigung dieser . letzten Ursache zu schaffen, soll nun der neue Zolltarif die Grundlage bieten, auf der Handelsverträge abgeschlossen werden könne:;. Mtan hat sich bei der Beratung des Zolltarifentwurfes die Sache ziemlich leicht gemacht und zunächst nur zwei große Wirtschastskreise mit der Angelegenheit befaßt, die Agrarier und die Industrie. . An dem Kompromiß, . das diese beiden Wirtschaftsgruppen miteinander schlossen und das sinnfällig bei jeder einzelnen Zollposition in die Erscheinung tritt, wurde im Laufe der parlamentarischen Beratungen kaum viel geändert. Soweit Verbesserungen an dem^ vom Häuptverbande der Industrie und der landwirtschaftlichen Zentralstelle paktierten Entwurf vorge- . nommen wurden, handelt es sich im wesentlichen um Zollpösitionen, die diese beiden Körperschaften schon in - der Voraussicht so erstellten, daß man sich von ihnen werde etwas abhandeln lassen müssen.'Die Regierung^ selbst chat: in die schwebenden Verhandlungen kaum: eingegriffen und stellte Nur die Referenten aus den- Mini-' firnen bei. Der Finanzminister hatte' nur das 'eine - ' Interesse, daß der voraussichtliche Ertrag des Zoll-' t-arifes keine Milderung erfahre; brauchte er doch-die Zolleinnahmen zur Bedeckung der definitiven Besoldungsordnung der Beamten; und für.das, wäs.darüberhinausgeht, hat er Wohl schon im Voranschlag für 1-925 i die Verwendung vorgesehen. f Vom Standpunkt der Staatswirtschaft betrachtet, ' ist das neue Zollgesetz gewiß nur vorteilhaft, weil es neue Einnahmen schafft. und demnach dazu, beitragen wird, den Bundesvoranschlag der Ausbalancierung zu nähern/Eine andere Frage ist es, ob die, österreichische I!. Taborstraße 48 Telephon 47«1>79 En gros Eh detail m allen Ab teiluugen des Waienhanses m&mm