Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1993 (1.9.1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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,1993 Wien, Montag Wiener Morgenzettang. ö rep. ' ich tzrrm^As mutz man wieder riehen, Urkrrall schnürt man das Ränrrl. WegEHWs ja auch in Wien. Räüber tznd auch 'am Lubrnzl. Bald ist alles in der Skadk Nus den Bergen, aus den Nurn, Fällt der Kurs» das Tand» das JBlaff, Kommen dann dir holden Frauen. Mrvhwitwrr fühlt bänglich nah ^chon' dir legitimen Hände, Bald ist, auch dir „Teure'' da» Dir Erholung ist zu Gndr.- Ruf dem Tand in Oesterreich Wurst die bodenständige Ralfe; And die Wangen blieben bleich, Nbgrbrannt ist nur dir Lasse. NNd der Würger ist erbost, Venn das Dasein wird so teuer; Einerseits dir Hausmannskost, Andrerseits dir hohe Steuer. Doch , es stietzt der Lebensquell In der Arbeit Damxfgrwirnrnrl» Blaue Flecken gibt es schnell Ueberall, nur nicht am Himmel. Nmnsrmrnts für jung und alt Zeigt man schon an vielen Orten. Nutzrrm Zirkus öffnet bald Nuch das Parlament dir Pforten! AH. SLLLk i Me und Lawes-Pla«. Der Zolltarif, dessen 'Behandlung so lange Zeit Hierviots Trinkspruch. Festmahl in Paris'zu Ehren Herriots nach glücklichem Abschluß her Londoner Konferenz. Herriot wird sehr gefeiert, worauf er sich echÄt und sagt: ,Ich l eere das Ruhr-gebiet auf das Wohl Deutschlands!" Die Barches. Im Osten ist es ein alter Brauch, au Samstagen die jüdischen Ortsarmen anstatt mit Geld mit Speisen und Barch esstücken zu be-schenken. Da kommt in einem kleinen Städtchen einmal einer, die Taschen mit Semmelstücken voll behackt, zu R-eb Meier und verlangt seinen Obolus, Rsb Meier trägt ihm die schönste und größte Barches entgegen. Der Arme, ganz überrascht, will sie hastig ergreifen. „Nein!" ruft ihm jener zu, „ich meine nur, indem Sie jct genüg ,Meines" haben, daß Sie mir — retour geben!" Jgchak Li. .Was man alles schlucken mutz. Ein Reisender kommt in ein kleines Nest irgendwo in der Slowakei. Es ist spät abends, er ist müde und ausgehungert. Nach langem Herumsuchen stolpert er endlich in die bescheidene Gaststube eines jüdischen Wirtes. Die Auswahl ist nicht groß. Man einigt sich auf Gansbrust und rote Rüben. Der Reisende läßt sich's gut schmecken und veülangt zuletzt etwas zu trinken. Der Wirt reicht ihm ein schäumendes Krügel Bier. Der Fremde trinkt und, mit feuchten.Augen zwinkernd, drückt er gleichzeitig seine Zufriedenheit aus. Drei Wochen später führt den Reisenden eine Tour wieder in das kleine Nest. Gansbraten, . rote Rüben, schön. Er läßt sich's gut schmecken. Doch heim Bier Verzicht er den Mund: > „Sind Sie mir nicht böse", meint er. ,M ist alles sehr schön und gut, aber das letztemal war das Bier direkt ein Genuß und heute ist es nicht zum saufen." „Nun," sagt darauf der Wirt verbittert, „soll man da nicht zerspringen? Wie die Leute sind! Es ist doch noch ganz •mau dasfelbe Fasset!" Jsber. Tanz und Tranee. Der Hypnotiseur verkündete: Madeinoiselle Heilvife steht der Tanzkunst völlig ahnungslos gegenüber, solange sie wach ist. Doch sobald sie vn hypnotischen Schlaf versetzt ist —. Sprach's, hob beschwörend die Arme und warf i>hr Hände voll Fluidum ins,Gesicht. Heloise tanzte zum Gotterbarmen,. Aus dom H'mt-er- . grund des Saales, tönte eine Stimme: ,/Oh, Herr, können Sie die Dame nicht so stark hypnotisieren,. »daß ihr auch die Beine ei nschlafen?" Der Gemütsmensch. Das Ehepaar Stern feiert goldene Hochzeit. Stern ist gerührt und sagt zu seiner Frau: „Also, mem liebes Kind, ich wünsch'' dir, du selbst loben hundevtundneunzchn Jahve!" „Aber Vater, warum nicht hundertzwanzig, wie man einem doch gewöhnlich wünscht?" , ,^Ja, weißt du, ein Jahr mvcht' ich nämlich auch gern in Ruhe verbringen." SBrfeffttfteti* Jzehakhi. Beitvag angenommen. Brotfabrik. Auch Ihre Witze sind altgelbacken. Ihr bester Einfall ist, daß Sie die Preise noch vor der Ueberpvü'fung heräbsetzen wollen. — Wetterprophet. Ja, entweder es wird anders oder es bleibt wie es. ist. — Optimist. Weil e8 neulich «ünen halben Tag karig keinen Äutoünfall und -keim Insolvenz «eg Sre schon «in TrmmphgcheÄ an. Lassen Sie die faulen Witze, — Kkki. Nau i " Napagchi, EzeS, Axolotl. Qgrösl, Bernhard 2, Olso iv ..... .. ^smÄ «WA Wnmvdbox, BtWäG werden hono erforderte, ließ sich nicht mehr länger htnausschMen. Es ist nicht 'ganz richtig, was von der soMdemokvatischen TÜoretiterseite mit solcher Em'phü,e verkündet wird, daß der Zolltarif eine dieser Partei sehr unerwünschte Angelegenheit war, die, der Not und de^pa^ lamentarischen Parteienmajorität gehorchend, geschluckt werden mußte und nur gemildert werden-konnte. Die Partei, welche die österreichische Sozialpolitik gepachtet zu haben vorgibt, deren wirtschaftliche Programmziele sich aber trotz aller.schönen Phrasen den . jeweiligen WirtschastsverhältNissen anpassen müssen, weiß selbst ganz genau, daß eine Schutzzollpolitik gerade, im gegenwärtigen Augenblick schwer zu verhindern ist, sollen nicht die geringen Produktionsmöglichkeiten Oesterreichs durch die gegenwärtige Weliwirtschaftskonstellation völlig verschüttet werden. Das Londoner Abkommen, welches eben erst von Deutschland angenommen, und am Samstag in London unterzeichnet wurde, bringt, wie immer seine politische Auswertung auch sein mag, jedenfalls eine starke Veränderung in den europäischen WirtschastsverhältNissen mit sich. Das Londoner Abkommen, vom deutschen Reich genau erfüllt, kann Deutschland so große wirtschaftliche Vorteile bringen, daß die schweren Lasten, die es ihm auferlegt, nicht nur aufgehoben, sondern durch wirtschaftliche Vorteile, die sich jetzt für Deutschland ergeben können, weitaus wettgemacht werden.- Man darf nicht vergessen, daß durch das Londoner Abkommen Deutschland als freier Konkurrent auf dem Welltmarkte wieder erscheinen kann, und selbst wenn es Frankreich, um die lothringische Industrie vor der deutschen Wirtschaftsexpansion zu schützen, gelingen sollte, die Bevorzugungsklauseln für die Jndustrieerzeugnisse aus Elsaß- Lothringen von Deutschland zu erlangen, so ist es voraussichtlich nach verhältnismäßig kurzer Zeit als wirtschaftlicher Faktor der Wirtschaft Frankreichs weit gefährlicher denn als militärisch-kriegerischer Exponent. . Aber dies gilt nicht nur siir Frankreich, sondern auch für die übrigen Staaten Europas, wo Deutschland in absehbarer Zeit als wirtschaftlicher.Konkurrent aufzutreten imstande sein kann. Am schnellsten hat diesen Umstand England begriffen, wo geradezu mit dem Tage, da das Londoner Abkommen abgeschlossen wurde, der Ruf nach Schutzzöllen eingesetzt hat. Schutzzoll ist heute nicht nur die Parole der mit dem gleichen Wahlruf in der Wühlschlacht vor acht Monaten unterlegenen Konservativen, sondern — und das ist für die völlig geänderte Wirtschaftsauffassung in England charakteristisch —■ die Parole sogar der Arbeiterpartei, wenn auch in einer modifizierten Form. Es darf nicht übersehen werden, daß alle Nachfolgestaaten einschließlich Oesterreichs seit ihrer Gründung wirtschaftlich eigentlich von der Ausschaltung Deutschlands aus dem europäischen Wirtschaftsmarkte leben. Der in den letzten Jahren in eine schwere Absatzkrise hineinzeratenen Tschecho-Slowakei hat nur der dumme Streich des Ruhrabenteuers in den letzten Monaten zu einer vorübergehenden Besserung dieser Absatzkrise verhelfen können. Die Tschecho-Slowakei ist das markanteste Beispiel für die starke Abhängigkeit der Wirtschaft der Nachkriegsstaaten von der deutschen Konkurrenzfähigkeit. Weniger hervorstechend ist diese Abhängigkeit der österreichischen Wirtschaft. Oesterreich hat vorwiegend Fertigwarenindustrie und seine Handelsbedeutung kann nur auf dem Gebiete des Transithandels liegen. Soll angesichts der durch das Londoner Abkommen mit aller Wahrscheinlichkeit sehr erstarkenden wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit. Deutschlands die österreichische Fertig Warenindustrie nicht vollständig verdorren und zu völli ger Bedeutungslosigkeit herabsinken, wodurch naturgemäß die Lage der Arbeiterklasse verschlechtert werden würde, so sind Schutzzölle unbedingt notwendig. Die Behauptung also, daß die Sozialdemokratie aus reiner Rücksicht auf Parteimachtverhältnisse den Zöllen zugestimmt habe, ist eine fromme Legende, welche für Partei zwecke erfunden ist. Ist so die Einführung der Jndustriezölle, verbunden mit der erst Freitag angenommenen Anti-Dumpingklausel, für Oesterreich gerade bei der sich jetzt vorbereitenden wirtschaftlichen Konstellation eine doppelte Notwendigkeit, so ist die Einführung der Getreidezölle auch in der Form des gleitenden Getreidezolles eine Konzession, welche durchaus nicht zum Vorteil' der gesamten österreichischen Wirtschaft den Agrariern gemacht wurde. Die Getreidezölle sind in Oesterreich zum Schutze einer agrarischen Position eingerichtet, welche selbst dem Eigenbedarf des Landes gegenüber als unwesentlich bezeichnet werden muß. Was von der Intensivierung der österreichischen Landwirtschaft gesprochen wird, ist gelegentliches Wahlgerede, das angesichts der natürlichen,,.Verhältnisse in Oesterreich niemals zur Erfüllung, gelangen, kann. UvSui "aYa: An aTS' bWMtt..!»»«« •Krtl'lttt vor den ' 1. September 1924 __ I stärkste Intensivierung der Landwirtscbaft würde für b$ 1 Eigenproduktion an Getreide nicht viel mehr ergeben, abgesehen davon, daß die Intensivierung im allgemeiner) nicht auf den Getreidebau gerichtet ist. Die Einführung der Getreidezölle bedeutet also nur eine Erhöhung det Preise, die einer für die Gesämtproduktivität Oesterreichs wenig ins Gewicht fallenden Schichte zugute kommt. Mer diese wirtschaftspolitische Konzession aus parteipolitischen Motiven, die so wenig Nutzen bringt, schadet durch die am wichtigsten Preispunkt einsetzende Teuerung, die sie Hervorbringen muß, der gesamten Wirtschaft und macht die -Vorteile der Zollpolitik in den übrigen Wirtschaftszweigen illusorisch. So wird in Oesterreich seit je Wirtschaftspolitik getrieben. Es gibt hier niemals eine produktive Wirtschaftspolitik, sondern immer nur Wirtschaftspolitik für diese oder jene Partei. Aus ihrem Geiste ist auch der neue Zolltarif geboren, der ein unfruchtbares, weil wirtschaftlich unproduktives Kompromiß darstellt. RE OAKTION . . Baden bei Wien unter allen Umständen meiden." Baden bei Wien, Franzensrmg 21. 29. August 1924. Sehr geehrter Herr Redakteur! Der Artikel in Ihrem Blatte vom 22. d. betreffend das . unMcks-elige Verhalten der Hakenikvmzl-er in Baden verpflichtet uns sicherlich zu besonderem Dank und aufrichtiger Anerkennung für das große werktätige Interesse, das Sie für die Rechte und die Ideale des Judentums bekunden. Obwohl wir amerikanisch-jüdische Bürger ein tiefes Interesse an der Wohlfahrt und dem Fortschritt der österreichischen Republik empfinden, so können wir doch die ganz frei und öffentlich in Form von Maueranschlägen in den Straßen von Baden durch die sogenannten HakemreuOer zur Schau getragenen beschämenden, Insulte nicht ruhig hinnchmen. Wrr, die wir unser gutes Geld in die.se Stadt bringen und damit die hiesigen Geschäftsleute, Jaden und Christen in gleicher Weise, unterstützen, können es nicht verstehen, wie die hiesige Stadtbehövde Bewegungen solcher Art gestatten kaum Eine ganze Anzahl von uns bekannten Christen, die mit den Lehren und Grundsätzen des Christentums durchaus vertraut sind, haben ihrem großeen Erstaunen darüber .Ansdruck gegeben, daß die Machthaber der Stadtgemeinde von- Baden sich diesen unerträglichen und unmenschlichen Anständen gtzgenWer in Schweigen hüllen. Diese Hakenkreuzler sind entschieden zu spät gekommen, als sie ihre Propaganda in dieses Jahrhundert verlegten. Es kann ihnen nicht gelingen, eine -neue Inquisition und allgemeine Verfolgungen zu etablieren. Wir halben gar nichts dagegen, -wenn sie die Erfolge der Juden auf wissenschaftlichem, künstlerischem, intellektuellem, und wirtschaftlichem Gebiet mit Aufmerksamkeit verfolgen. Innerlich mögen -die Hakenkrsu-zler die Fortschritte der Juden allerorten mit Neid zur Kenntnis nehmen, aber wir können sie versichern-, daß in -allen anderen Ländern, wo die Gleichheit des herrschende Prinzip ist, die Juden überaus geachtet und anerkannt werden. Sie kennen gewiß unseren -großen Staatsmann, den Herausgeber und Eigentümer des größten und populärsten Blattes der Welt, „New Aovk Am-ericau". Mr. William Randolhch H e a r st. Wir empfehlen, ihm sobald als möglich ein Originalexemplar der jüngst in Baden veröffentlichten Plakate mit einer englischen Uebersetzung einWsenden, und wir Kve-ife-lu nicht daran, daß ein solcher Schritt unmittMar befriedigende Folgen zeitigen wird. Da wir nun sehen, daß unsere mit enorme» GEumslagen verbundene Anwesenheit den Bewohnern von Baden unerwünscht ist, werden sowohl wir als auch unsere übrigen ausländischen Freunde diesen Kurort so rasch als möglich verlassen mit dem ausrichtigen Versprechen, niemals mehr die Gemarkung dieser Stadt zu übertreten und gleichzeitig unsere jüdischen Mitbürger in Amerika warnen und ihnen eindringlich zu raten, daß sie einen europäischen Kurort aufsuchen wollen, Baden bei Wen unter allen Umständen müden. Ihr ergebenster I. P. Loesberg, -ehemaliger Instruktor für die amerikanischen glied des Erziehungsaltsschusses im fünften N-ew-Aork. Mn, Mit» irk der Stadt Das wäre das gleiche, als wenn eine Partei Wahlen eine Veränderung der Bodenformätion üttd des ' Klimas in Oesterreich versprechen würde. Oesterreich pro- „Juden ist dev Eintritt verboten!" Sehr geehrte Redaktion! . In diesem Jahre vevbracht-e ich meinen kurzen Sommer» Urlaub in den deutschösterreichvschen Alpen. Während ich in traurigen Gedanken über das viele Blut, das wir während des Krieges in herrlichen Bergklüften und Schluchten vergossen, versunken war, wurde ich durch eine Aufschrift an einem der Schutzhäuser geradezu vor den Kvpf gestoßen: ,^Jud-en und Mitglider der Sektion Don-auland ist der Zutritt verbotenst Ich dachte zunächst an einen grausamen schlechten Scherz. Atz ich jedoch auf meiner weiteren Tour auf allen SchuMuser-n des Deutsch-österreichischen Alpenvereins genau dieselbe Aufschrift fand, wurde ich von einem österreichischen Touristen dahin aufgeklärt, daß der Deutsch-österveich,siche Alpenverein auf dem sogenannten Rassenstandpunkt steht und demnach den Inden die Benützung der Schutzhäuser verweigert, und daß die Mitglieder des Donauland deshalb mit -demselben Boykott wie die Juden belegt wurden, weil Donanland den judenausschließenden Arieüparagräphen sich nicht zu eigen machen trollte. Ich will Ihnen ehrlich gestehen, daß ich mich über die Geschmacklosigkeit und Blödheit der berüchtigten österreichischen - Antisemiten weiter nicht aHusehr aufregt-e. Es gibt schließlich Menschen auf dieser Erde, denen es im^Geist niemals Helle wird. Aber nur die bescheidene Frage hätte ich a-n diese Maulhelden: Warum erst jetzt, warum nach dem großen Krreg? Warum schrieben sie nicht schon früher zu Beginn oes Kriegs auf -die Felsen und Klufteingäntze der.Mpen: „Juden ist der Eintritt verboten!" Warum war es sihnen nicht i,m mordenden Geschützf-euer verböten?. Wahrscheinlich, weil die Aütvren dieser änMetn-itifchen Frechheitendamals die gefährlichen Alpen selbst mieden. Mit vorzüglichtr Hochachtung Ein jüdischer Houvtiiraun d. 3t. .. . ULM N- MM IM.