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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-01 · Heft 1993 (1.9.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1993 (1.9.1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wen, Montag Wiener Morgenzeilnng. 1'. September 1924 Nr. 1993 bK Schuhe! mit eingebautem „Ber$on*‘-Guninii-Absatz dreiundvierzig Mann auf zweiunddreißig herabgesetzt. Auch wird der furchterregende Titel „Heer" dieser unheimlichen Gesellschaft in „Sicherheitswache" umgewandelt. Ferner hat es die Mrüstnng zur See beschlossen. Es besitzt drei gepanzerte Sardinenschachteln, eine Unterseezigarrenkiste und einen starkwandigen Nachttopf, welcher im umgedrehten Zustand als Panzerturm verwendet werden kann. Dos Parlament hat beschlossen, die Sardinenschachteln zu versenken, daß Zigarrenkiste! den königlichen Kindern zu schenken und den Nachttopf nie mehr umdrehen zu lassen. Der Weltfriede ist also nach MenschenmöglichkeiL gesichert. Amerika ist.fürs Abrüsten und baut nur noch rasch zweihundert Torpedokreuzer, England kennt kein sehnlicheres Ziel, als die Abrüstung, und konstruiert acht Ueberpanzerschiffe. Der Herr Mae Donald hat unter dem Beifall seiner sozialistischen Parteigenossen erklärt, daß man nicht für den Krieg baue, sondern nur zur Abhilfe gegen die Arbeitslosigkeit. Wegen der Arbeitslosigkeit bäommen gewiß die Schiffe zwolshundert arötzttalibrige Kanonen. Alles wegen der Avbeitslosigkeit. Das sind aber Kleinigkeiten. Die Abrüstung ist unaufhaltsam auf dem-Marsche und Dänemark geht voran. Der Weltfrieden ist gesichert! Dänemark, das bisher so schreckliche, eroberungslustrge, meerbeherrschende Dänemark, rüstet ab! Heil! Tagesbericht. Eine Spielbank in Zgls ansgehobe«. Inusbrmk, 31. August. In der Nacht zum 31. August wurde durch Gendarmerie- und Kriminalbeamte in Jgls eine Spielbanck ausgehoben. Die Geräte und das vorhandene Bargeld wurden be- .schlagnahmt, die Veranstalter und die Spieler festgestellt. Die Anzeige an die Staatsanwaltschaft ist erstattet worden. __ Explosion in der Warschaner Zitadelle. Vieltzehn Offiziere schwer verletzt. Warschau, 31. Augch't. Im Pviffuntzssual der Warschauer Älitobette explodierte während einer U-ncheroffißiersprüsung des A. Schützenregiments eine französische Handgranate. V i er- ^hn Off iziere wurden sch wer verletzt. Explosion im LrWger Lunapark. Leipzig, 31. August. Heute kurz nach 11 Uhr vormittags explodierten im Lunapark27 Zentner Feuerwerkskörper. Die. Kabinen einer Badeanstalt, in denen die Feuerwerkskörper untergebracht waren, brannten nieder. Der Brand wurde in kurzer Zeit gelöscht. Ein Feuerwerker erlitt schwere Brandwunden. Frechen v. Lützow. der Sadift. Orgien in einer -Pribatunterrichtsanftalt. Aus Berlin wird gemeldet: In dem Borort Zossen eurde von der Kriminalpolizei in der seit Jahren vom Freiherrn v. Lützow betriebenen Unterrichtsanstalt eine aufsehenerregende Züchtigungsaffäre aufgedeckt. Lützow ersann alle niöglichen Gründe, seine Zöglinge zu bestrafen; die Strafen bestanden meist» in den allerschwersten Züchtigungen. Er bestellte seine Zöglinge in seine Wohnung, ließ sie in der Badestube entkleiden und schlug derart auf ihren Roßen Leib ein, daß nicht selten Blut floß. Nach der Züchtigung nahm er die Kinder auf den Schoß, um sie durch Liebkosungen die Züchtigung vergessen zu lassen. Durch den Sohn eines Schlächtermeisters, dessen b l u tunterlaujenen und mit Striemen und Schwielen bedeckten K ö r.v e r der Vater entdeckte, kam die Sache auf. Auch mehrere Lehrer machten überaus belastende Aussagen gegen Lützow. Der Diamant des Mnlep Hasid. „New-Aork Herald" berichtet über den abenteuerlichen Transport eines Diamanten von fabelhaftem Wert aus Marokko nach den Vereinigten Staaten. Danach hat vor einiger Zeit ein amerikanisches Syndikat von dem Exsultan von Marokko, Muley Hasid, den Diamanten „2 ult a n a" gekauft. Dieser Diamant gilt als einer der größten und schönsten Steine der Welt. Der Kaufpreis wird in dem Bericht des „.Herald" nicht genannt. Die Schwierigkeit war nun die, den gekauften Diamanten aus Gl Ksar El Keblir in Spanisch« Marokko, der Residenz des gestürzten Sultans, he raus zuschmuggeln und nach New-Aork -den Käufern zu überbringen. Muley Haftd und seine engste Umgebung werden nämlich von den marokkanischen Behörden mit der schärfsten Wachsamkeit beobachtet, so daß jeder Europäer beim Verlassen des Ortes sich verdächtig gemacht hatte. 1 In diesem Dilemma betrauten die amerikanischen Juweliere, die den Riesendiamanten gekauft hatten, einen jungen amerikanischen Flieger namens Josef Stehli.n ans Brooklyn mit der abenteuerlichen Ausgabe/ den Stein-'aus Marokko zu holen. Stehlin, der sich jetzt in Amerika anfhält, unternahm die Reife, nach Marokko und gelangte glücklich, als Araber verkleidet, nach El Ksar El Keblir. Der 143 Karat schwere Stein wurde ihm von Vertrauensmännern des Exsultans,Mergebm. Mittlerweile hatte sich das 'Gerücht Wer den Verkauf des berühmten-Steines in ganz Marokko verbreitet, so daß doppelte Vorsicht geboten war. In dunkler Nacht verließ Stehlin mit dm: unschätzbaren Stein in der Tasche die Sultansvosidenz zu Pferde und es gelang chm, Tanger zu erreichen, wo eW Jacht mit Vertrauensleuten Muley Hafids aus den jungen'Amerikaner wartete. Die Jacht brachte ihn über die Meerenge von Gibraltar nach Kadiz, von wo die Marokkaner in ihre Heimat -zurückkehrten. In Kadiz wartete ein von dem amerikanischen Jnwelierssyndikat beigestellter Rennwagen, der Stehlin nach Madrid brachte. In Bladrid übernahm bereits eine Versicherungsgosellschast die Garantie für den weiteren Transport des Diamanten, so daß die Aufgabe Stehlins damit erledigt war. Strafanzeigen gegen die kaufmSmiische Bank und die ..Srga". Das Gläubiger-Zwölferkomitee der österreichischen kaufmännischen Bank hielt Sonntag vormittags in der Volkshalle , eine Versammlung mit der Tagesordnung: „Der Verwaltungsrat saniert — Die wahre Aufklärung" usw. Der Hauptreferent Landes erklärte, die SanierungSaktion des Verwaltungsrates gehe nur dahin, daß sich diese Herren mit den Einlagsgeldern ihre M a ndate erhalten. (Lebhafte Zwischenrufe von „Orga"-Anhängern.) Die Gläubigerschaft habe zu der gegenwärtigen Verwaltung kein Vertrauen. Redner erklärte, daß auch gegen die „Orga" mit einer Strafanzeige bei der Wirtschafts- Polizei vorgegangen werden wird. . Iw einer Resolution wurden folgende Forderungen formuliert: Das ganze bewegliche und unbewegliche Vermögen aller Direktions-, Verwaltungs- und Aufsichtsräte müsse sofort unter gerichtliche Sperre gelegt werden; die Schuldfrage ist unbeschadet der, Sanierung öffentlich k l a r z u st e l l e n und gerichtlich auszutragen; kein bisheriger Direktions-, Berwaltungs- oder Aufsichtsrat (bis auf Schallaböck' und Zellhofer)" dürfe in der Verwaltung vertreten sein. Schließlich werden noch einige Forderungen des Zwölferkoyntees hinsichtlich der Gleichberechtigung mit anderen Gläubigerverlretungen ausgestellt. Bor einem radikalen Abbau im Telegraphen- und Lelephondienft? Wie. die „Wiener Nachrichten-Korrespondenz" mitteilt, soll im Telegraphen- und Telephondienst ein. radikaler Abbau des Personals bevorstehen. Zunächst, will man den sukzessiven Abbau der nicht ständigen Hilfsbediensteten vornehmen, von welchen eine Anzahl bereits die Aufforderung zum Anstaltsarzt erhalten hat. Auch m den Automatzentralen soll eine Anzahl von Beamtinnen, in erster Linie Substitutinnen abgebaut werden. Auch der Abbau der verheirateten Frauen, welchen der Zentralausschuß bisher immer hintangehalten hat, ist nunmehr geplant. Von der definitiven Beamtenschaft wird für den Abbau vornehmlich die Qualifikation maßgebend sein. Zuerst werden die schlecht- oder mindequalifizierten Angestellten drankommen; aber auch die gutqualifizierten sollen überprüft werden. Beim Telegraph soll ebenfalls abgebaut werden, obzwar man beispielsweise in der Telegraphenzentralc infolge Personalmangels nicht einmal die Apparate besetzen kann. r * Selbstmord durch Leuchtgas. Samstag nachts wurde dis 27jährrge Molfine K -i g l c r, in ihrer Wohnung bei geöff§etM Gashqhne tot ausgefunden. * Unglückliche Liebe. In ihrer Wohnung m -der Stiftgasse19hat sich Samstag nachts die 37jährige Beamtin HildaG wegen unglücklich er Liebe durch Genuß von Morphium zu vergiften versucht. Unter Anzeichen einer schweren Morphium- Vergiftung wurde die Unglückliche bewußtlos von der Rettungsgesellschaft in das Sofienspital überführt. * Riesenbetrug bei Mehlsendungen. Auf Grund einer Angeige der Kriminalpolizei München fahndet die Wiener Polizei nach einem Schwindler V a n H e e d e n, der gemeinsam mit einem Salzburger Kaufmann Josef Haglettner die bayrische Warenvermittlungs-A.-G. durch gefälschte Frachtdokumente über Mehlsendungen geschädigt hat. Augenscheinlich handelt dssich um einen groß angelegten Betrug. Die polizeilichen Erhebungen sind im Zuge. ' + Die Feuerwehr assistiert bei einer Delogierung. Im Hause Felberstraße Nr. 104 sollte das Ehepaar Rnppert und Helene Wacek über Weisung des Wohnungsamtes delogiert werden. Frau Wacek bat in ihrer Wohnung ein kleines Kind und 'befindet sich in anoeren Umständen, so daß ihre Erregung umso größer war, als Samstag vormittags der Wohnungs« kommissär erschien und sie ersuchte, ihm Eintritt zu gewähren, um'die Delogierung vornehmen zu können. Die Frau, die sich mit ihren Kindern in der Wohnung befand, verriegelte die von innen mit Eisenstangen versehene Eingangstür und erklärte, daß sie sich lieber mit den Kindern zum Fenster Hinausstürzen würde, als freiwillig aus der Wohnung zu gehen. Mit Hilfe der Feuerwehr wurde die Eingangstür eingedrückt und die Frau aus der Wohnun g herausgetragen, worauf der Wohnungskommissär die Amtshandlung durchsührte. itteilungen aus dem Publikum. r-Maria Theretien-Kino AM: 70- Ab 2. September 1924 s H In den. Hauptrollen: 'NelffeTd, Berg, Werbezirk Beginn der Vorstellungen : V*5 Uhr nachmittags * Urania. Heute den 1. September: 5 Uhr (Großer Saal): Unter Kannibalen; halb 8 Uhr (Großer Saal): Riesencishöhlen im Dachstein; halb 8 Uhr (Kleiner Saal): Dr. Helene. Anderle: Die sexuelle Aufklärung; hcckb 8 Uhr (Kurs-Saal): Dr. Rudolf Wagner: Bilder aus den Wundern der tropischen Pflanzenwelt. * Das schwimmende Variete. Um der alkohMosen Dürre des „trockenen Amerika" zu entgehen, hat man elK luxuriöses schwimmendes Variete geschaffen, das in den Gewässern an der Küste von Lang Island kreugt und dessen kostspielige Sensationen in einem Aufsatz der Nöw-Aorker „Herald and Tribüne" geschildert werden. Der Journalist erzählt von einem eBsuch dieses Luxusschifses, das einen Gehalt von 17.000 Tonnen hat und ein früherer Dampfer des Norddeutschen Lloyd, Mmlich der „Friedrich der Große", sein soll. Sämtliche Rimm^ves Dampfers sind auf das kostbarste eingerichtet. Eine Neger-Jazzband liefert die Musik für das PuM« kum von Dollarmimonären uns Ballettmädchen, die der Barietevorstellung zuschauen oder sich auf dem Parkett des Ballsaales drehen. Der wichtigste Raum im Schiff ist natürlich die' Bar, wo man die st ä r k st e n Drinks haben kann, und auch für eine hervorragende Küche ist gesorgt. Erste Barietekräfte treten auf dem Schiffe auf. das unter britischer Flagge segelt. Billig ist em Besuch dieses „schwimmerMen Varietes" nicht, er kostet mindestens 15 0 Dollar. Die Polizei hat die Suche nach diesem Schiffe ausgenommen, das bald hier, bäld dort an der Küste austaucht. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Remdorsgasse 42, (Entgeltlich.) Schach. (Alle Zuschriften sind zu richten cm Fritz Igel. Wien, 2. Bez., Pvat-evstvaße 41. Aufgabe Nr. 18. Solomon Großmann. Schwarz: Ko5, 8b6, g7 (3 Steine.) Schwarz. d d e Weiß. r g h Weih: Kg6, Lb5, b8, Tb2, Sdfc, Be4, g2 (7 Steine., Matt in drei Zügen. Lösungen. Nr. 15: Dh7—g8, Nr. 16: VL5-s3, Nr. 17: DaS-~e7. Richtige Lösungen: Max Schattner (Wien), Hella Straucher (Wien), Jakob Schmnroth (Krakau), Mayer Szapira (Ezernowitz), Artur Morgenstein (Wien), Heinrich Rabinowitz (Wien), Pa''' Gräber (Wien). Parliestellung Nr. 2. New-Iork 1924. Schwarzr (Dr. S. G. Tartakower) Kf8, TcB, La-, c7, b8, d&, f& (7 Steine.) Schwarz. <T e Weiß. Meitz: (I. R. CapaSlanea) Khi, Th7, Ba4, ätz, f 4, gb (6 Steine). Schwarz hatte durch kräftigen Abtausch obige Stellung erreicht; seine Partie war gegen den Weltmeister von Hanaus auf remis angelegt, aber er hatte Pech. Er verlor, so unglaublich eS klingt, dieses Turmendspiel mit einem Bauern mehr,, nur weil er die schlechtere Königstellung hatte. Er zog Tc8—18, worauf nach g 6—g 6, Tf3Xft, Kh4-gß, Tf4~e4, Kg5~f6 der weiße König das Spiel entschied. Es fragt sich nun, ob die Stellung an und für sich verloren ist und da müßte vor allem »7—»5 untech'.cht werden mit der Drohung b 6—b 5, sich einen Freibauern zu schaffen. Der weiße Turm wäre dann durch e 7 verhindert, anzugreifen und der König könnte wegen Schach auf ob, respekttve L8 nicht auf die sechste Reihe. Also würde sich ein remis gewiß herauSschlagen lassen. 3tm. breit STO??E wieN.UAotencAsr.E. > r. Ttfcfwnfte 762.9*

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