Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1992 (31.8.1924)
- Date
- 1924-08-31
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Geäk, 14 Wen, Sonntag Wiener Morgenzeitrmg. m. August 1924 Nr. 1999 werden, was den Export in den lbetvef^rtden Jndustrk- -'.veigrn Oesterreichs für längere Zeit Mfa-tzmMchleiten fciekt. Ern stets auf de« Bezug dev vevschiedenartigisten Artikel der Maschinen-, Werhoug- -und Mrotechnischett Fndnstrie angewiesene Konsument öft die Petroleunchroduktion, deren Zentren nur einige CisenLahnjftuacken von Lemberg entfernt liegen, wo die Menden DireEiionen der Brchrunternehmu'ngen ihren Sitz haben. Die Leitung der Lentzbepger Ostmessen glaubt, daß diese Aule.Gelegenheit zur Anknüpfung neuer Verbrnduingen seitens der österreichischen Interessentenkreise auch im laufenden Jahr imvollen Maße aus-genützt werden wich. Wenn auch manche österreichische Jndustviegweige unter H,en. allgemeine» ungünstigen wirtschaftlUchen Bechältnissen beiden, so dürfen gerade diese Industrien in ihrem Bestreben'-nicht ruhen, ihre Wsatzmögilichßeiten auszuvehnen. Man kann zuversichtlich Haffen, daß eine Beteiligung an . der Lemderger Ostmesie ihnen keine En-ttäuschung bringen wich. E. N. Ae HandeKvöM Polens. Ton Leo Karl Aprill, Sekretär der Oksterreichifch-Polnischen . . Handelskammer in Wien. Das Jahr 1924 bedeutet in der Entwicklung Polens einen Mgewöhnlichen Fortschritt durch die wichtigen Ereignisse ans dem Gebiete der wirtschaftlichen Gesetzgebung. Es dürfte heute auch dem kritischesten Beobachter zur Genüge klar geworden fein, daß die Wirtschaftspolitik im gegenwärtigen Polen eine dominierende Stelle cinnimmt und daß die besten Kräfte des jungen Staates, der wirtschaftlichen Orientierung gewidmet sind. Die. schwere .wirtschaftliche Lage des Landes, namentlich die durch die. Balutastabilisierung verursachte Schwächung, haben die wirtschaftlichen Probleme in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt und die Allgemeinheit zur tatkräftigen Mitarbeit an der Ueberwindung der Krisis angespornt. Dieser erfreuliche Wirtschastspatriotismus äußert sich sowohl in dem Verstummen und Abflauen der Parteikämpfe wie auch in der wirklich aufopfernden Art und Weise, in welcher polnische Staatsbürger die enorme Steuerlast ertragen. Die Statistik der Steuereingänge spricht diesbezüglich eine beredte Sprache. Die Ergebnisse dieser Atmosphäre verdienen Beachtung und Anerkennung, besonders dort, wo Polen, wie z. B. auf dem Gebiete der Finanzpolitik, des Abbaues des Mieterschutzes, der vernünftigen Regelung der Arbeitszeit und dergleichen, allen anderen. Staaten mit Initiative vorangeht. Der polnische Ärbeitsgeist und gifte Wille zur Regelung aller wirtschaftlich wichtigen Fragen, hat seinen Höhepunkt in der Ordnung der Staatsfinanzen gefunden. Die Dsflationskrijis, die typische Nebenerscheinung einer jeden WührnriAsstcvbilifierung, geht ihr-em Ende entgegen, die stabile Währung aber, der unumgängliche Faktor jeder wirtschaftlichen Tätigkeit, bleibt bestehen als ©afiß für die künftige Entfaltung aller wirtschaftlichen Kräfte des reichen Landes. Eng verbunden mit der Währungsstabilisieriing ist die Frage der Regelung der Vorkriegs -und Kriegsschulden und der Umstellung der Privatwirtschaft aus die neue Währung. Beide Fragen haben in dem Valorisierungsgesetz und der Verordnung über die Aufftellung von auf Zloty lautenden EröffnüngSbilanM ihre Lösung gesunden. Auch die Steuergesetzgebung wurde vereinheitlicht und die Steuersätze in Zloty ausgedrückt. In handelspolitischer Beziehung brachte daS Jqhr 1934 eine Reihe neuer Handelsverträge auf Basis der Meistbegünstigung, die es der polnischen Volkswirtschaft ermöglichen, das Netz direkter Wirtschaftsbeziehungen ans säst alle Kulturländer auszudchnen. Der für die polnische Meistbegünstigung grundlegende Handelsvertrag mit Frankreich steht vor einer wesentlichen Abänderung, die sicherlich Anlaß geben wird, daS bisherige BertragsverhältniS zu den übrigen BertragSlandern, somit auch zu' Oesterreichs zu revidieren. Nichtsdestoweniger stehen der polnischen Handelspolitik noch sehr wichtige Aufgaben bevor: der HandelsvertDag mit Deutschland, Rußland und der Tschecho-Slowakei; doch ist das Verhältnis zu diesen Nachbarstaaten durch so mannigfaltige und wichtige politische Rücksichten beeinflußt, daß der Abschluß volltvertiger Handelsverträge mit denselben auf große Schwierigkeiten stößt. In dem empfindlichsten Punkt seiner Wirtschaftspolitik, und zwar auf dem Gebiete der Zolle, hat Polen in letzter Zeit seine Abkehr vom ungesunden Protektionismus und eine vernünftige Einschätzung des freihändlerischen Gedankens bekundet. Der neue Zolltarif, der auch zolltechnisch einen bedeutenden Fortschritt bedeutet, bringt infolge seiner ganz modernen Differenzierung .der Positionen für sehr viele Importartikel Ermäßigungen der Zölle; außerdem wurden die Zölle für lebenswichtige Artikel zum Zwecke der Preisregnlierung bis auf weiteres hoffentlich herabgesetzt. Es wäre durchaus verfrüht zu -behaupten, daß die Schutzzollmauer ganz -gefallen wäre. Der Tarif enthält noch immer Sätze, deren wirtschaftliche Notwendigkeit kaunr begründet werden kann. Immerhin ist dieser Schritt der als extrem schuAöllnerisch geltenden polnischen Regierung, der gerade in der schwersten Zeit der polnischen Finanzen unterncnnmen wurde, sehr charakteristisch und beachtenswert. Die Tatsache, daß die List« der ausfuhrverbotenen Waren gerade in jüngster Zeit aujgehoben wurde und nunmehr mit Ausnahme von Eiern alle Waren aus Polen ausfuhrfrei sind, dient als weiterer positiver Beweis der polnischen Neuorientierung; allerdings wurden die Ausfuhrverbote dukch Ausfuhr-' zolle ersetzt, die durch das Vertragsverhältnis zu den meistbegünstigten Ländern nicht tangiert werden und deren Höhe sehr häufig wechselt. Es bleibt sonach abzuwarten, wie sich dai neue System bewähren wird.- Die enorme Preissteigerung in der Deflationsepoche be. wirkte eine Verschlechterung der Handelsbilanz durch bedew teude Steigerung der Importe, an welcher Oesterreich ta hohem Maße beteiligt ist. Der Verkehr zwischen, den Ländern nahm in dev letzten Monaten bedeutend zu und brachte für manche Zweige der österreichischen Industrie und des Handels ausgezeichnete Konjunkturen. Besonders hervorzn-heben wäre, daß trotz größer Absatzkrise und GeMnappheft in Polen die geschäftlichen, Transaktionen mit Oesterreich sich im allgenreinen glatt äbgewickclt haben. Im Personenverckehr sind keine wesentlichen Schwierigkeiten zu verzeichnen, bis aus die unseligen Paßvorschriften, welche infolge unerschwinglicher Gebühren (100 Dollar pro Person) häufig den polnischen Ge« schästsleuteu. das Rciün ins Ausland durch lange Monate mrmögl-ich machten. D - ^?>.ch dieses Uobel wurde in den letzten Wochen beseitigt, w>. I der polnische Geschäftsmann noch immer gezwungen : t. Bescheinigung der politischen Behörde zweiter Jnstauü-^r d^e Notwendigkeit, der Reffe beizubringen, um in den Besitz eines Auslandspasses zu komme». Wk wir hören, gibt dieser Vorgang häufig Ursache zu Klagen und Beschwerden, da der Geschäftsmann vollständig auf die wirtschaftliche Einsicht und Orientierung - einzelner Amts» organe angewiesen ist, die sich berufen fühlen, über die Geschäftspraxis der Parteien Kontrolle und KritA zu üben. Der engeren Zusammenarbeit beider Länder dienen die Messen in Wien und in Lemberg. Für beide. Veranstaltungen ist das Interesse sehr stark, was zu der Hoffnung berechtigt daß sie dem weiteren Ausbau direkter freundschaftlicher <8* fchäftsbeziehungen vorzügliche Dienste leisten werden. Ae Lage der volnischen Znduftrie. Don unserem Warschauer I. M. S.-Berichterstatter. Obzwar Polen kein ausgesprochenes Industrieland ist, hat es trotzdem eine fast alle Zweige vertretende, leistungsfähige» große Jndustvie. Der Uebergang aus der Inflationszeit in die Deflationspolitik mußte natürlich gewisse Wirkungen ausüben, welche heute sehr stark hervortreten. Einerseits wahrte die groß« Nachftage nur so lange, bis die Sanierung die Inflation auS der Welt schaffte, andererseits verschärfte die Deflation di« Möglichkeiten einer entsprechenden Produktion. Es war jedoch vorauszusehen, daß die Stabilisierung der Valuta eine Wirtschaftskrise nach sich ziehen wird, die nicht so leicht und nicht so bald wird gelegt werden können. Eine solche Krise trat auch in allen anderen Staaten mit größerer oder minderer Stärke «ff, welche nach dem Kriege eine Sanierung ihrer Währung durchsichren mußten. Außer den vielen schweren Folgen hat jedoch eine solche Krise das Gute, daß sie die Wirtschaft von den vielen Schädlingen der Nachkriegsgründungen befreien wird. Es steht Das seit 25 Jahren bestehende Wien, 2. Bezirk, Praterstratze Nr. 9 offeriert während der TU. International-« Wiener MMe 7. bis Ik September 618 tief reduzierten Preise« Stets lagernd grosse Posten ei*kules-|S Kämme Sa Stahl* und Nürnberger Galanteriewaren M. INTRATESt Wien, Kl. 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Polnische Landwirtschaftliche Ausstellung Mittelpunkt für östlichen und südöstlichen Warenverkehr Einkaufszentrale des östlichen Grosshandels Beste Absatzmöglichkeiten für alle Industrieerzeugnisse liege Beteiligung österreichischer Interessentenkreise verspricht gute Erfolge Auskünfte: Ostmesseamt in Lemberg(Polen), Jaglellonskagasse 1/und Aussenhandelsdienst der österreichischen Handelskammern, Wien, I. Stübenrihg 8—10 mnrcnxxr.s* t *M« n *.»