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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-31 · Heft 1992 (31.8.1924) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1992 (31.8.1924)
Date
1924-08-31
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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> Nkr. Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitüng. 31. August 1924 Seite 18 außer Zweifel, daß viele schwache und auf keiner reellen, Basis stehende Uutomehmnngen die schweren Zeiten nicht Lurchhalten Wrmen Änd zur LiquidKrung werde«: schreiten müssen. Die wertvollste Erwerbimg für die Republik Polen war u-n-weifelhaft. Galizien (jetzt Kleinpolen genannt), Las außer einer Reihe von diversen Industrien die außerordentlich leistungsfähigen Petwleumquellen, die sich insbesondere in den Bezirken Boryslaw, Stanislau und.Jaslo befinden, besitzt. Trotzdem die Produktion der Jahre 1914 .und 1920 noch, lange nicht erreicht ist, zeigt die Produktion in den letzten Kahren eine., aufsteigende Linie. Me Gesamtzahl-. der BohMrme wurde Ende 1923 mit 2610 angegeben, wovon 2064 in Betrieb waren; hievon produzierten 141 nur Erdgas. Eine Reihe größerer Konzerne arbeitet an dem Uebergange vom Dampf zum elektrischen Betrieb, um, die Produktionskosten zu verringern. Tie Hauptpwduktion stammt noch immer aus dem Boryslaw-Tnstanowice-Becken, und da sich gegenwärtig die Bohrtätigkeit in Tustanowiee im südlichen Teile der Naphthalinie stark erweitert hat, liegt die sichere Vermutung nahe, daß Boryslaw und Tustanowice noch durch lange Zeit die Naphthaproduktion geben und die Hegemonie der polnischen Naphthaindustrie behalten werden. Ws Nachfolger von -Boryslaw tritt jedenfalls das Biikower Revier stark hervor. In der Gegend von Pasieczna-Bitkow- StaMnia-DAwiniaoz steht man vor einem neuen EMoitationsterrain, welches wahrscheinlich schon in kurzer Zeit zur weiteren Hebung der polnischen Naphthaindustrie viel beitragen wird. Die jetzige Wirtschaftskrise hat die Rohölindustrie sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, schon aus dem Grunde, weil gerade diese Industrie die größten Kapitalien zur Verfügung haben muß. ' Stark betroffen von der allgemeinen Krisis sind die privaten Raffinerien, da sie nicht wie der Staat Rohöl, welches auf: die Brutwantvile entfällt, unter dem Tageskurs emkaufen können.. Die Leistungsfähigkeit der polnischen Raffinerien beträgt 120.000 Waggons im Jahre, Demgegenüber werden jedoch nie mehr wie 70.000 bis 80.000 Zisternen verarbeitet. Trotz Reduzierung der Löhne sind die Preise so hoch, daß sie sogar auf dem heimischen Markte zu teuer sind. Infolgedessen muß auch diese Industrie im Ausland einen schweren Konkurrenzkampf austragen. 8lber auch im Inland ist der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Konzernen sehr stark und aus diesem Grunde wurde bereits in Warschau eine Preiskonvention durch eine Reihe von Unternehmungen abgeschlossen, welche jedoch in Kürze in ein Preiskartell ansgebant werden soll. Eine der größten Industrien Polens ' ist die' Te x t i -li n d u ft r i c. Die Textilindustrie in' Lodz wurde nach deutschem Muster geschaffen und arbeitet auch nach den deutschen Methoden und mit deutschen Maschinen. Die Lodzer Industrie hat jetzt schwere Entwicklungsmöglichkeiten, nachdem' sie speziell für-den Absatz nach Osten eingerichtet war, Mach dem Kriege wurden/ hie Beziehungen mit Rußland noch nichtvollkommen ausgenommen. , ..H^öwtzite it Textikbezirk Polens, Bielitz-Biala, hat eine leichtere Existenzmöglichkert, da schon' bor dein Kriege Bielitz seinen'Export, Hauptsächlich nach dem Westen richtete./ Die', scharfe Konkurrenz gegen die deutschen und englischen Fa-> brikate.zwangen die dortige- .Industrie, . ihre, Produkte so zü vervollkommnen,. daß sie auf dem Weltmarkt, ihre Konkurrenzfähigkeit behalten fotzen. Lodz und auch der dritte Textilbezirk Polens, BialyM^'tttußten /auch-durch, längere Zeit die durch den Krieg verursachten Schäden gutmachen, wogegen Bielitz diesbezüglich, fast überhaupt nicht zu.Schaden kam. Die Jnfla- •tiou der, Mark, bedeutete. § für diese .Industrie eine . Hochkonjunktur, welche nach de^Währungsstabilisierung in eine scharfe Krise ansartete. > Die Textilindustrie bemüht sich jetzt um Auslandskredite, um dch: Hreditnot im Jnlande zu entgehen, und, falls sie diese, erhalten sollte, steht es außer. Zweifel, daß die Textilindustrie, Polens einen bedeuteirden Aufschwung, der ihr auch gebührt,! durchmachen wird, ivelcher, sobald der volle Export nach dem Osten möglich sein wird, seinen Höhepunkt erreichen wird. Die polnische Hüttenindustrie hat ihren Hauptsitz in Oberschlesicn, wo auch eine Reihe von deutschen Hütten ihren Sitz hat.' Auch, diese Industrie leidet derzeit ungemein unter den herrschenden- Mrtschaftsvechältnissen, der Kreditiwt und Absatzschwierigkeiten. Die Produktion stieg im Jahve 1923 . um 26 Prozent im Vergleich zum Jahre 1922, wogegen das Jahr 1924 infolge Betriebseinstellungen und Streiks einen Rückgang der Produktion aufweisen wird/ Die Hütten -sehen'sich gezwungen, ihre Produkte unter den Gestehungskosten abzustoßen, um sich, nur das notwendige. Geld zu beschaffen. Ebenso schwer ist die Lage der K o h l e n i n d u st r i e. Die Kohlenproduktion Polens ist sehr groß und benötigt bedeutender Exportmöglichkeiten, nachdem das Inland kein genügend großer-Abnehmer ist. Me Tschecho-Slowakei bemerkt« diesen Umstand und ermittelte'solche'Tarife für polnische Kohle, daß dieselben ungemein verteuert werden und im Auslande nicht konkurrenzfähig' sind. ' Deutschland, der größte Abnehmer, bemüht sich bereits jetzt, den Einkauf einzuschränken, und es steht außer Zweifel, daß, , falls die' Reparationszahlungen beendet werden, Deutschland als Käufer polnischer Kohle ganz ausbleiben wird.'Die polnische Regierung kommt jetzt der Kohlenindüstri« zu Hilfe und verzichtet auf'die öprozentige Steuer in Oberschlesien und die Zprozentige iw Dombrower Revier, nur um die Kohle zu verbilligen. Die M a s ch i n em- > u n d- Wä g g'o ni-n d n st>r i e leidet unter den jetzigen' Vechältnissen vielleicht am stärksten, und zwar aus dein Grunde, weil die Bautätigkeit sich nicht eingestellt hat, das Privatkapital keine Mittel für. Neuanschaffungen besitzt und.'schließlich der- Staat keilte ' neuen -Bestellungen ausschreibt, sondern im Gegenteil alle Aufträge für das Jahr 1924 infolge der-'Sparmaßnahmen iw Zusammenhänge mit der Sanierung chis zu 10' Prozent' storniert hast Me Exportmöglichkeiten .'siiK auch-bei dieser Jndust^ äußere-ungünstig. . . I« der Holzindustrie dauert die Krise seit einen« halben Jahre und steht auch im Zusammenhang mit de« Exportt schwierigkeiten. Außerdem leidet die Industrie m Mangel a«! Betriebskapitalien und besonders tiefen Preisen. Bei der G l a s in du ft rieläßt sich eine leichte Besserung der Konjunktur konstatieren. Die Salzindustrieleidet keine Mängel und entwickelt sich besonders gut. Die Produktion ist in ständigem Steigen begriffen und erreichte im Vorjahr über 800.000 Sonite.it. Die chemische Industrie entwickelt sich zur vollsten Zufriedenheit. Die Produktion der Danziger chemischen Fa--, briken ist ein wertvolles Aktivnm des polnischen Wirtschaftslebens. Es werden derzeit Projekte von Neugrnndungen erwogen und alle Anzeichen lassen darauf schließen, daß diese. Industrie bald einen noch günstigeren Aufschwung nahmen wind. Die Papier Produktion betrug im Jahre 1923 60.000 Tonnen und deckte nur' 80 Prozent des Bedarfes. I» Polen bestehen 18 Fabriken, zwei weitere befinden sich im Ban. Die Zem ent p ro d ükt io n betrug 489.848 Tomreitz Portlandzement und 22.750 Tonnen gewöhnliche Sorten. I» diesem Jahre waren 13-Fabriken tätig. Die Produktion hät^, wenn Bedarf und Export -gestiegen wären, viel größer sein könnend Derzeit sind infolge der Krise' nur einige Fabriken tätig.. Zucker nimmt in der Handelsbilanz eine immer wich-i tigere Stellung ein, nachdem der Export in ständigem Steigeist begriffen ist. In der Kampagne 1986-24 wurden 140:800 Hektar mit Rüben bebaut, welche 76 Fabriken zu 276.700 Tonne« Zucker verarbeitet haben. 180.000 Tonnen wurde« in ibötf Jahren 1923 und 1924 exportiert. Einen starken . Aufschwung «ahm die Karte ffelv e r a r b e i t u n g sind N st r i e. Die Zahl der Spiritus< raffmerien stieg im Jahre 1923 auf 1531. Stärkefabriken, in der Zahl von 53, produzierten in diesem Jahre 26.600 Tonnen Stärke, von welchen 70 Prozent exportiert wurden. Sirup produzierten 4 Fabriken, und zwar 11.000 Tonnen, von welchen 20 Prozent, und zwar hauptsächlich »rach England, exportiert wurden. Die heute herrschende Wirtschaftskrise bezeichnet man am treffendsten als Deftatronskrise. Dieselbe breitet sich gleich, mäßig aus Industrie, Handel und Landwirtschaft aus und hat ihren Ursprung im Mangel an Betriebskapital, KrÄit und der Verringerung der Kaufkraft des Inlandes durch die hohen Steuern und schließlich durch die Ueberschreitung der Weltparitätspreise, wodurch der Export unmöglich wird. Deshalb' muß jetzt, das größte Augenmerk der Beschaffung ausländischer Kredite zngewendet werden. Ein gesunder Aufschwung der Industrie wird von der Möglichkeit abhängen, ob sich di« polnische Industrie vom Ausland« die notigen Kredite zu fce* schaffen wissen wird und ob sie sich den Bedingungen des We!^ Marktes wird anpassen können. -V Produktion normal: „2OOO Paar pro Tag IC Gegr. BRUDER KLEIN N.-ö Stadtbureau: Wien Werdertorgasse 17 Telephon 664-79 Verkauf sste 1 len in Oe st e r r e i c h Unsere befindet s i c h ul. PoczIowa 3

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