Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1992 (31.8.1924)
- Date
- 1924-08-31
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeiturrg. 31. August 1924 Nr. 1692 *! ( H; Vir große Plissermvde. Mit geradezu vebblüsfeMr SchnelligM hat sich hie Pliffeomode die Gunst d>er Fvauewvelt erobert. Plissee — wohin das Ange blickt, ohne Plissee fast kein modernes Kleidungsstück mchr. Vorherrschend ist natürlich der Pliiffeerock. der. am vornehmsten in Weiß wirkend, mit-einer der modernen, türkisch, ägyptisch, chinesisch, japanisch ober pressiomstiisch gemusterten bunten, langschötzigen Wiffen ein so reizvolles, jugendliche- Sommergewand ergibt. Ganz in Weiß gehalten, also -um weißen Nock auch die gleiche, wollene,, .natürlich uiMssierte Bluse getragen, an der nur in einer kleinen Avergtasche am breiten Gürtel, ein wingiges seidenes Taschentuch eine recht wirkungsvolle, farbige' NnteBvechung ‘ der gelblich-weißen Tonung herstellt, sicht mau das gleiche Sommevgewand namentlich in den kühleren Abendstunden sehr viel auf den Wandelpromen-vden großer, eleganter Badeorte tragen. Immer apart, immer äußerst kleidsam, gleichviel ob sich eine hellblonde, braungelockte oder schwarzhaarige Schöne darin dem bewundernden oder heimlich neiddollen Blicke besitzloser" Mitschwestern zeigt Aber die Plissesmode nur als Garnitur, also nicht als selbständiges Kleidungsstück gestaltet, ist nicht minder reizvoll. Volant-, und Blendenundwandlungen, Fichus- und Capesbesätze, Schals- und Tncherschmuck aus schmalem Plissee machen jenem erfolgreich Konkurrenz und wetteifern mit plMerten Bändern als Achsel-, Gürtel- und Hutschmuck, um den Vorrang als neueste aller neuen Aus'chmückungsarten am Hoch- und Spätfommerkleid. Der nahende .Herbst wird der Frauenwelt, jedenfalls neben dunklen. einsaMgen und guevgestrsiften plissierten Röcken, auch plissierte Tages- und Abendmäntel, ganz oder nur im Rockteile plissiert, bescheren und das bisher nur vereinzelt au-ftretende, duftige plissierte Abendkleid mit Sraußsedernbesatz am Rocksaume in Massen erscheinen lassen. Dann freilich wird Frau Mode für jene weiblichen Wesen, die sich gleich bei seinem ersten Auftreten mit „Plissee" schmücken konten, wieder etwas anderes bereithalten müssen, da dann bei ihnen schon der Usberdruß gegen diesen schonen Schmuck eintreten wird. VIKTOR MEISE LMANN SALON FÜR FEINSTE MASS ANFERTIGUNG KpSTÜME / MÄNTEL KLEIDER /PELZE WIEN, 9. BEZIRK. HÖRLGASSE 9. TUR 12 -TELEPHON NR, 3744/6- — Vas gürtellos? Dleid. Gleich vorausgeschickt sei: daß bei seiner Wahl strengste Kritik, ohne jede Beschönigun'g, di« eigene Figm rein sachlich prüfen muß, ob sie auch das unbedingt notwendige schöne Ebenmaß dazu mitbrmgt, sonst: „Hand von den Bildern", wie der Volksmund oft so treffend ^gt. Wie das enganliegende Prinzeßkleid vor 15 bis 20 Jahren oder das Empivegewand in seiner klassisch-Michten Linie, verlangt auch das jetzt hochmoderne „gürtellose" tadellosen Wuchs, wenn es in gewünschter öder vielmchr insgeheim heiß erstrebter Weise „aller Welt" gefallen — also auffallen soll. Ist dieser vorhanden, dann hebt es sowohl die Vorzüge und Reize eines zierlichen Nippfigürchms, wie auch die imponierende Fülle einer WaWre wohltuend durch seine ununterbrochene Linie gemildert ivird. Vorbedingung ist aber in beiden Fällen, daß ein anderSsaMges Unterivleid die sonst allzulange gerade Linie unterbricht oder breite Sanmlbesätze und Aenmelausschläge das Ganze wirkungsvoll beloben. Weiter sollten keine allzu 'lebhaft gestreiften Stoiffe dazu verarbeitet werden, da sie auch vorzüglich proportionierte Figuren bei völliger Gürtellofigkeit de>m Auge wesentlich größer uit*b dadurch. unharmonisch erscheinen lassen. Die wieder gang besonders bemerkenswerte Vorliebe der Mode für die Farlbenzusammenstellungen: Schwarz-Weiß, Rot-Weiß, Schweife-lgLllb-Weiß^ Diolett-Wviß und Jadegrün-Weiß,, kann gerade am gürtellosen, hochmodernen Sommerkleide voll berücksichtigt werden, indem die eine der beiden Farben das Obevkleid, die andere das darunter nur 10 bis 20 Zentimeter hervorlugende Unter-leid angibt, das dann wieder mit seiner Farbe an jenem als sparsam angewendeter Besatz dient. Lange Reihen schimmernder Perlmutterknvpfe, die vordere Mitte bis zum Saume oder nur zu zwei Drittel chrer Länge schmückend, devemzelt auch noch „blind" der obenauf liegenden Aermelnaht in langer Reihe als »Knopffchluß" ausgeisetzt, erhöhen noch die gesuchte und dabei keinesfalls als solche wirkende vornehme Kleiidsamikeit dieser Gewänder. PERMANENTE AUSSTELLUNG! Kunstgewerblicher Arbeiten aller Art Blusen / Handarbeiten / Hippes Feine Damenwäsche Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT | Hanna Menzel & Cie« Kunstgewerbe Wien, I. Burgpassage 106M EinTea-gown, das nicht viel kostet. ■ Wenn man ein Abendkleid schon ein- oder zweimal umgearlbeitet hat, dann kann man nicht mehr gut damit in Gestlllchoft gegben, um so weniger, als der Stoff bereits zu l»idcn beginnt und eine Aufttischung verhältnismäßig zu viel k-fften würde. Da ffes praknscher, ein neues Abendkleid anzuser'.igen un! das alte ohne große Spesen in ein reizendes^Tea^Avs zu verwandeln; so angetan können wir unsere Freundmnen zu.n Tee empfangen. Zwischen einem Gesellschaftskleid und einem eleganten Jnierieur ist heutigen Tages kein wesentlicher Unterschied: die 9'.nie bleibt dieselbe, nur einige Einzelheiten differieren. So braucht mau an der Fasson selbst nicht viel zu ändern. Ein Interieur muß vor allem lose in der Taille sein, und da die modernen Kleider es ebensalls sind, so brauchen wir nur den Gürtel ein wenig zu erweitern, um den gewünschten losen Fall um die Hüften zu betonen. Unser Kleid hat noch von der letzten Umarbeitung her eine Dunique, und diese Tunique soll uns dazu dienen, die geplante Blenderung auszuMren, gleichv'-cl, aus welchem Material sie sein mag. Wir lassen alle Garnituren weg, die den Abendkleidern Vorbehalten bleiben, wie Blumen, Federntuffs nsw. Die Tunigue wird hevuntergenommen und in zwei Teile geteilt. Di« eine wird vorn am Rock angebracht als unabhängiger Schür-- zenteil, der nur mittels des Gürtels am Rock besestigt ist. Die andere Hälfte wird an ein Band genäht und als Cape, das frei über den Rücken herunterhängt, an der Taille angebcachi. Das Band soll mit dem Gürtel, wenn möglich, ubereinstimmen. Diese Garnitur gibt dem Tea--gown die charakteristisch« Note und wird an den Schultern mittels einiger unsichtbarer Stiche befestigt. Das Band wird sehr lang gelaffen, sehr tief vorne gekreuzt und endigt in zwei langen Schärpenenden, die bis über das Tablier hinunterhängen. Die Modistenschule^ Men, 1. Bez., Mahlerstratze Nr. 13, 2. Stock. Tür 8. wird am 15. September eröffnet. Es werden Kurse in der Dauer von 16 Monaten abgehalten und auch einzelne Lektionen gegeben. Anmeldungen ab 1. September. Elegante CDamnfiuie. I /. Mahtersir&sse tS Wjlq: Copyright Orsterhrld ft Co. Bttlaq. Berlin. 13. Fortietzung. Las Mädchen im Nebel. Kriminalroman. Von Josef Gollomb. Eileen ließ sich überreden; sie ging zurück und fetzt« sich. Das.Medium sah sie erleichtert an. „So istts recht, liebes Kind", sagte sie. Sie schloß die Augen und lehnte sich in ihren Sessel zurück. ,Mur einen Augenblick und es wird schon gehen. Nur . . . einen . . . Augenblick. . wiederholte sie schläfrig. Naida ging zur Tür und riegelte ab. Das Feuer im Herd knisterte. Gin« Violine wurde hörbar, bie mit ihren kreischenden Mißtönen Eileens Nerven zu zerreißen drohte. Sie sprang zitternd auf. ,^Jch werde verrückt!" flüsterte sie. Nakda ging zur Wand und klopfte. Die G"ige verstummte. Das Medium richtete sich im Sessel auf. „Es ist seufzte sie. ,^Fch fühle mich wohler. Kommen Sie her, liobes Kind, und setzen Sie sich mir gegenüber in -den Stuhl." *- Eileen näherte sich langsam. Sie suhlte keinen Abscheu, eher Mitleid, und doch stieß sie etwas an diesem Weibe zurück. Die -verschwommenen blauen Augen der Frau versuchten, Macht über sie zu gewinnen. Ein seltsamer Ausdruck veränderte das sonst so gewöhnliche Gesich des Mediums. Eileen setzte sich ihr gegenüber aus einen kleinen Stuhl. Erzählen Sie mir mal, mein Kind," sagte die Frau, „was waren die letzten Worte ihres Vaters?" -Ihr Blick bohrte sich in Eileens. Zum ersten Male spürte das Mädchen einen Ekel; sie mußte die Augen vor diesem Blick schließen. Naida rief laut: Aragon sind unnötig! Sie wollen . sich die Mühe ersparen, die Antworten aus -der Quelle zu Holen, aus der wir sie hören wollen." ,Menn Sie glauben, daß ich betrüge . . „Sie werden nicht betrügen", sagte Naida bestimmt. -„Die Leute sprechen so leicht von Betrug", sagte das Weib schläfrig. ,-Glauben Sie mir, liebes Fämlein, ich wäre froh, wenn ich keine Geister wehr zu sehen brauchte ... Gib mir deine Hand, Min Kind." Eileen suhlte Mitleid mit ihr und streckte ihre Hand hin. Frau Lewis ergriff sie hastig. Ein paar Minuten vergingen. Plötzlich schrie die Frau schmerzhaft auf. Eileen wandte sich zu Naida, die ihr Zeichen machte, zu schweigen. Das Medium seufzte, murmelte und begann in noch schläfrigerem Tan: „Warum spricht er nicht . . . nicht zu.mir? Oh, er ist ein Meister, nicht wahr? Rothaarig . . . breite Brust . . . ungefähr fünfrmdoierzig . . . und 'die hohe Stirn! . . . Ein Denker. . . ein Denker! . . . Strenge blaue Augen . . . und die Vi^Cen Flachshaare . . . Sein Mund ist groß und fest, auf der einen Seite etwas hochgezogen. Er sieht so nachdenklich aus . . . Liebling, wa's bedeutet der. rote Strich an seinem Hals? Oh, wie traurig ... er ist furchtbar verwundet worden . . Eileen sprang auf. Das Bil>d ihres Vaters war unverkennbar. „Kücken . . .!" Frau Lewis lachte. Das Wort fu'hr wie Stahl durch Eileen. Es war der Kosename, den der Vater ihr gegeben hatte. Lücken ist gut zu mir, Doktor Goodrich . . „Sagen Sie ihr, daß sie sich nicht grämen soll. Hier ist sein kleines Mädchen, und er will nicht lächeln? . . . Großer Mann, wollen Sie denn gar nichts sagen? Wollen Sie nicht? . . . Oh!" schrie sie leise auf. Auch Naida stieß einen leichten Schrei aus; Eileen hatte nie einen derartigen Laut von ihr gehört. Plötzlich sah auch sie . . . Die Wände des Zimmers -waren von -der schwachen Gaslampe kaum beleuchtet. Bis 'dahin waren sie ttef im Dunkel geblieben, aber jetzt.lichtete sich der Schein auch in der entferntesten Ecke. Es wurde immer heller, die Lust schien durchsichtig geworden zu sein. Mehr und mehr verdichtete sich das Licht; Wolken formten sich zu einem Gesicht, das nach und. nach die Züge ihres Vaters annahm. Die starken Augenbrauen, das charakteristische Zucken um Der Sensattonsroinan „Das Mädchen im Nebel" erscheint auch in unserer M o n t a g sa u s g a b e (Seite 4). Neueintretende Abonnenten erhalten die bisher erschienenen Fortsetzungen unseres spannenden Romans „Das Mädchen im Nebel" auf Verlangen gratis nachgeliefert. den Mund, die Falten auf der Stirn, die Eileen so oft zu 'glätten versucht hatte — sie erkannte alles. Eine ungeahnte körperlich« Kraft überkam sie, obgleich sie sich nicht zu rühren vermochte. v Dann begann es vor ihren Augen zu wanken, aber das war nur, weil das seltsame Lickst, auf das sie starrte, selbst zu wanken begann. Es wurde undeutlicher, dunkler, bis es gänzlich vom Schatten verschlungen war. Eckeen peitschte sich auf. Sie sprang in die Ecke und riß an den alten Kleidern, die dort hingen. Ein veMichener .Kattunvorhang, der darüber gespannt war, siel von der Stange. ,Heb' den Lampenschirm hoch!" schrie Eileen, die Kleider in der Nische herunterreißend. Sie hörte, wie Naida «den Schirm der Lampe hochhob; das Licht siel über ihre Schulter. Trotz der wütenden Untersuchung der Wand fand das Mädchen keine Spur einer Tür. Sie schleppte sich z., Naida zurück. „Mas war's?" fragte sie dumpf. „Ich weiß nicht!" flüsterte die andere. Ihre Augen leuchteten vor Erregung. „Es muß eine Materialisation" gewesen sein. Das kann sie nicht vorgetäuscht haben. Geh' zurück." Das Medium fuhr wimmernd fort: „Er wünscht nicht, daß Sic über ihn weinen sollen. Er will, daß sie stark bleib"n soll. Nur . . Ihre Stimme wurde plötzlich tief und kräftig. „Tochter — Eileen! Garra kann mir nichts mchr tun Aber was für ein brennender Haß! W'e B'triol!.. W.' ex mich und die Meinen haßt! Selbst h'."r' Er kan« nich: vergessen'. Er wird nie verzeihen, sagte er. Er glaubt, ich hätte ihn um die Früchte seiner Entdeck mg geblocht. Ich tat es nicht, Kücken' . . . Daß er Selbstmord beging, 'war das Ende seines irdischen Elends. Hier äugt sei« E'.end erst an. Sie häbcr.'s nicht gut hier, die Selbstmörder, und jetzt sagt er. :ch hätte ihn 'angebracht. Denk' nur. Kücken, ich, der ihm alles gegönnt hat! Aber ich wollte auch Min Teil haben, mein rechtliches Teil. Es ’ ist furchtbar, wie er mich haßt. Wie die Pest! . . . Sein Sohn ist vavon angesteckt. Das ist das einzige Erbe seines Vatertz, er wird es ausnützen! . . . Oh, mein kleines Kücken, so allein und schutzlos! Ich möchte dir so gern Helsen, aber Garras Haßj ist -u stark. . ^Fortsetzung folgt.>