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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-31 · Heft 1992 (31.8.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1992 (31.8.1924)
Date
1924-08-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. IM Men, Sonnlag Miene« Morgenzeituns. 51. August Ml Aeliir 3 Bisher war die Landkauftatigkeit von privaten Juden ln Palästina gleich Null. Und der Jüdische Natioil-alfonds, der in 20 Jahren Samm-ültätigkeit mit Mühe und Not '100 Quadratkilometer aufgekaust hatte, war mit seinen Geldmittelnferüg. Heute — glückliche Duplizität der Fälle — hat der Nationalfonds"wieder Geld, um Boden zu kaufen und gleichzeitig tritt — zum evstenniail seit Kriegsende — eine -sehr starke private Nachfragen ach Bö d e n auf. Es ist das noch lauge &in Anfang von privater Kolonisation: es ist das eher Bodenkauf aus Sentimentalität. Vor allem amerikanische, dann aber auch polnische Inden wollen Boden in Erez Israel „besitzen". Sie denken noch nicht daran, ihn selbst zu bewirtschaften, aber sie möchten — für alle Fälle ■— «in Stück Land in Palästina in Eigen haben. Und so hat die Pale st ine Land D e v e I o p m e n t C o m pa n y -endlich wieder die Möglichkeit, große Käufe abzuschließen, die unsere Kolonisationstätigkeit wieder ein Stück vorwärts 'bringen (werden., Der bereits der Oeffentlichkeit bekannte Kauf von Afulc, einem - Terrain von genau 15 Quadratkilometer südlich von MerchMviah, das den Eisenbahn- und Str-aßenkriotenpunkt Afule, beit .militäristhen Schlüssel Palästinas, in jüdische Hände bringt, ist nur der Anfang. Terrains in mehr als' dreifachem Umfang von Afule sollen jetzt in Wische Hand'.übergehen und unsere wichtigsten Beisitzungen in Nordpalästina zu einem zusamurenhängenden Territorium von der Größe eines kleinert Fürstentums ver- -einigen. Erwähnt man noch, daß auch die Pica die Sümpfe von Kabara — südlich von Haifa — endlich.erworben hat, daß neue Bodenlkänfe in -Jerusalem erfolgt sind, so haben wir wieder das Gefühl, das wir so lange nicht gelabt haltei!: Es geht vorwärts. * lieber die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird «?in andermal zu sprechen sein, Nur eines muß schon hier -gesagt werden: ungeahnte Bedeutung gewinnt für Palästina der Touristenverkehr. ' Eine ganz große Anzahl von Touristen wurde hier gn Palästinensern -der Seele. Viele blieben im Lande, noch wehr investierten hier Kapital — fast alle aber, vor allem die Amerikaner, nahmen die Sehnsucht nach Palästina mit rn die Galuth. Vor einem Jahre wäre dies unmöglich gewesen: damals war Palästina im Niedergange. Heute überträgt sich die hoffnungsfrendigc Stimmung deZ.Jffchuw <tuf die Besucher: sie glauben an Palästina. Und nicht nnr die Juden glauben an den Sieg des Zionismus, auch die Araber selbst. Einer der entscheidendsten Faktoren in der günstigen Entwicklung unserer Position im Lande ist ja der Zusammenbruch der großen antizionistischen Partei Palästinas: der „Mohammedanisch-christlichen Bereinigung". Vor einem Jahre noch fast allmächtig, ist sie heute zu einer der vier oder fünf Parteien des Landes hevabg,drückt worden, noch immer größer als die anderen, dafür aber innerlich Zerrissen in Freunde und Feinde des Kalifen Hussein. Haben so'die Araber die Geschlossenheit verloren, mit der sie früher den Juden gegenübertraten, so ist das Auftreten -ausgesprochen jndenfreuiidlicher Bauern- und Beduinen- Parteien nur ein weiterer Schritt auf dein Wege der Anerkennung Wischer Aspirationen durch die Araber. Der Zauberkreis, der uns so lange gefangen hielt,, scheint durchbrochen. Die englische Politik war uns-feindlich, deshalb kam-kein-Kapital ins Land. Weil kein Kapital kam, kam keine Einwanderung: weil keine Einwan^ernng kam, kamen keine Spenden: weil keine Spenden kamen, konnte man keinen Boden kaufen. Deshalb wurde unsere politische Situation wieder schwächer und schlechter und der Kreislauf begann von neuem. Wer den Zaüberkreis gebrochen hat — ich weiß cs nicht. . Aber setzt. kommen Menschen, man kauft Böden, unsere politische Macht steigt, die Engländer sind uns daher freundlicher: weil die politische Lage besser ist, kommt mehr Geld ins Land, daher meist Menschen . . . und der "eue Zaüberkreis hat begonnen: der Kreis zum Guten . .. Ae FrkedhofsMnde» vm Hasen verurteilt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 30. Aug'nst. Ein Verbrechen, das in ganz Deutschland wegen seiner bei spiel losen Roheit seinerzeit großes Aufsehen erregte, beschäftigte jetzt das Schöffengericht in Hagen in Westfalen, Es handelt sich um die unglaublich gemeine Verwüstung des jüdischen Friedhofes in Hagen. Augeklagt waren wegen Grabschändung und versuchten Einbruches vier junge Leute im Älter von 17 bis 23 Jahren. Sämtliche Angeklagte sind Mitglieder der kommunistischen Partei, beziehungsweise deren Jugendorganisation. Der Haupt Übeltäter erklärte bei der Verhandlung, daß bei ihm für die Tat politische Be w eg gründe maßgebend . gewesen seien. Als er nach diesen gefragt wurde, verweigerte er ihre nähere Kennzeichen. Der Anführer Bas wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, die übrigen Angeklagten zu Gefängnisstrafen von zwei bis vier Jahren verurteilt. 704 Schuhel mit eingebautem „B©rs©f&“-Gumtrii-Absatz (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) Budapest,. 30. August. Wie „A Vilag" mitteilt, hat Generalkommissär Smith dieser Tage eine komplette Liste der ungarischen V e r w a l t u n g s b e a m t e nschaft erhalten. Aus dieser Statistik geht hervor, daß die Zahl der Hoheitsbeamten in dem heute von acht Millionen Menschen bewohnten Ungarn wesentlich größer ist, als im Vorkriegs-Nngarn mit seinen 22 Millionen Einwohnern. Die Zahl der Staatssekretäre und Staatsselretärstcllvertreter betrug int Budgetjahr 1913 46, im Budgetjahr 1923 aber 143. Die Zahl der Ministerialräte und Kurialrichter ist von 290 im Jcchre 1913 aus 1102 im laufenden Jahr gewachsen. Statt 1335 Scktronsräten hat Ungarn heute deren 2676. Insgesamt hat der Personalstand der Vcrwaltungsbeamtenschaftin 10 Jahren einen Z n w a ch.s von 28.643 auf 33,883, also um 5340 Staatsbeamte, erfahren. Das Blatt hebt weiter aus dem gestern erschienenen Bericht des Generalkommissärs hervor, daß der Beamtenstand des H o f st a a t e s des Reichsverwes ers seit dem Vorjahr eine Reduktion von 537 auf 528, also um fünf Köpfe, erfahren habe. Ein weiterer Abbau von 31 Angestellten beim Hofstaat des Reichsverwesers ist geplant, wodurch der Personalstand in diesent Anti auf 497 sinke:! wird. Wie aus dent Bericht des Generalkommissärs hervorgeht, ist der Stand des Gendarmerie k o r p s gegen das Jahr 1913 u nt 243 gewachse n, das heißt, das heutige um Zweidrittel verkleinerte Ungarn unterhält auf seinem Gebiet 12.162 Gendarm en gegenüber 11.919 auf dem Gebiete Groß- Ungarns im Jahre 1913. Ferner unterhält Ungarn jetzt eine S t r o m p o l i z e i in der Stärke von 2317 Mann, die vor dem Kriege überhaupt nicht existiert hat. Die Gesamtzahl der Staatsangestellten betrug am 1. Juli d. I. 188.012, von welcher Ziffer 8^.234 auf die eigentliche Verwaltung, 51.089 auf die Staatsbetriebe und 49.689 auf die Gruppe der ständigen Arbeiter in Staats diensten entfallen. Ein wesentlicher Abbau gegenüber den: Stand vont 1. Juli 1923 zeigt sich nur in der letztgenannten Kategorie der öffentlichen Angestellten Ungarns. »er angebliche Plan für die Wische Kolonisation in Wland. Ans Moskau meldet I. T. 90: Das Kommissq riflt für Landwirtschaft der Sowjetrepublik ist gg> genwärtig mit der Ausarbeitung eines detaillierten Planes für die jüdische Kolonisation beschäftigt. In dq darüber am 25. August veröffentlichten Mitteilung wird goi sagt, daß die Ausarbeitung eines solchen Planes durch die bs ständig sich mehrenden Gesuche jüdischer Bevölkevu-ngskreist ihre Lage'durch Ermöglichung einer laMvirffchaftlichen Bet tätiglmg erleichtern zu helfen, akut .geworden ist. Da die Indes der Ukrailie 10 Prozent der Bauernschaft des Landes <tu& machen, hält cs das Landwirtschaftskommissariat für airg« zeigt, zu den bisherigen. 50.000 Desjatin weitere 70.000 Des< jatin Land unter die Juden zur Verteilung zu bringen. Ei steht demnach der jüdischen Kolonisation eine Gesamtfläche vo» 120.000 Desjatin Land, also ein Zehntel der ukrainischen Landl rcserven, z >., r Verfüg n n g. Mae donald als Saft beim König. (Eigendienst der „Wiener Morgenzcrtung".) Lsndon, 31. August. Mac Donald verbringt fei* Wochenende * in Bolmora in Schottland als Gast dej Königs. Er begab sich heute im Automobil dahin. Diese vielsagende Statistik erschien genau einen Tag, nachdem die ungarischen'Blätier sich über allerhöchste Order der Negierung darüber entrüstet hatten, daß die Prager Blätter in den letzten Tagen genau dieselben Daten veröffentlichten und daran die logische Schlußfolgerung knüpften, daß Ungarn noch imnier unter den verschiedensten Dccktrteln eine bewaffnete Macht erhalte, die verhältnismäßig grösser und stärker ist, als sie inl alten Ungarn war. Die „Wiener Morgenzeitung" hat auf diese Anomalie unausgesetzt hingewiestn und es sei aus diesem Anlaß abermals darauf verwiesen, daß in Ungarn auch jetzt noch Z w a n g s r e k r u t i e r u n g e n unter den verschiedensten Deckformen durchgesührt werden. Wie-unbequem der llngarischcll Regierung übrigens diese ganze Kontrolle des Generalkommrssärs ist, zeigte sich auch darin, daß Genera! mmmissär Smith die oben veröffentlichten Daten erst nach vielfacher immer eindringlicher werdender Urgenz erlangen konnte. Vor kurzem erst war der Generalkommissär förmlich gezwnilgen, die Flucht in die Oeffentlichkeit zu ergreifen und in einem Interview darüber zu klagen, daß er liicht imstande sei seinen Bericht zu vollenden, weil einzelne Ministerien trotz seines Drängens mit den Ressortberich Len ' int Rückstände sind. Jetzt begreift man, warum diese Ressortberichte so schwer aus den Kanzleien herauskamen. Aber ebenso sicher ist es, daß auch dieser Bericht hinter der Wirklichkeit zurückbleibt und daß die Zustände in Ungarn noch viel schlimmer sind als aus dem Berichte des Generalcommissärs ge folgert werden kann. 8« den Armen lirsten sich beide. Horthh rehabilitiert Szabo. Budapest, . 30. August. Der R e i ch s v e r w e s e r Horthy empfing heute nachmittags, den Ackeröauminister Szabo-Nagyatad und versicherte ihn seines nnverä n d e r t e n Vertrauens. Der Luftverkehr zwischen Sesterreich n«d Ungarn. (Elgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 30. August. Das nngarisch-österreichische provisorische Abkommen über die Regelnng des Luftverkehrs zwischen den beiden' Staaten wurde geste.ru vom Außennü nister Da rn Vary.und dem österreichischen Gesandten Ca l i e e unterzeichnet. Der Vertrag sichert den Flugzeugen beider Lander dass Recht des freien Verkehrs über den beiderseitigen Gebieten zu und regelt die Registrierung der Luftfahrzeuge, den Gebrauch der Flughäfen, die Bezeichnung derFlugapparate, die Legitimation dev Piloten und ähnliche Fragen. Seipel beim badischen ötaatrpMdentea. Konstanz, 30. August. (Wolfs.) Der, österreichiischL Bundeskanzler Dr S e i p e l stattete Freitag nachmittags dem zurzeit tu Hegne weilenden badifchen Skaachs- Präsidenten einen längereit Besuch äb.i Gegen Abend begab sich der Bundeskanzler wieider rtach Mchrerau zurück. Ae Wiener Verhandlungen zwischen Sentschland ünd Polen beendet. Ein Abkommen über die Optrons- und Staatsangehörigkeitsfragen. Die deutsch-polnischen Verhandlungon über die Fraget, der Staatsangehörigkeit und der Option, bic aut 30. April in Wien begonnen haben, sind gestern zum Abschluß gelangt. Auf Grund der vom Schiedsrichter Professor Kacikenbeck getroffenen Entscheidung wurde in der Hofburg ein Abkommen unterzeichnet. Wie wir von unterrichteter deutscher Seite erfahren, entspricht das heute hier abgeschlossenen deutsch-polnische Abkommen in den Staatsangchörigkeitssragen überwiegend dem deutschen Standpunkt; in der Frage'der Option hat dev Präsident Kacikenbek durch seinen Schiedsspruch dagegen die p o f n i) ch e These bejaht, wonach Personen, die gültig für Deutschland optiert haben, aus Verlangen der polnischen Behörden das Land .verlassen müssen. Indessen ist es gelungen, angemessene F r t st c n für diese Abwanderung ausznbodingen. Den abwanderungspffichtigen Optanten soll eine vorherige Benachrichtigung von den polnischen Zu zehnjähriger Freiheitsstrafe. Alaska», 80. August. Das Zentvalexekutivkoutitee hat <n Berücksichtigung des Ersuchens des Kriegsköllegimns des Obersten Gerichlhoses die für Sa w i nk ow beantragte Todesstrafe in zehnjährige Freiheiisjtrafe mngewandelt. .!lSUUR-MgCL*; flwi r1Hl"'CMM (Radi»dienst der „Wiener Morgenzeitung") London. 29. August. D e v i s e n s ch l u b I u r ' c Wien 819.500. Prag 149.37. Neiv-Aork 4,50s/le, SßarW 82,20, Brüssel 88,875, Noin 101,1875, Zürich 29,88, Madrid 33.735, Lissabon 1,59, Amsterdam 11,625, Kovenhacren 27,825, Ehriftiauia 32,44, Stockholm 16,925, Helsingsors 179, Berlin 18,975, Athen 245.50. Rio de Janeiro 5.625, Bukarest 912.50. Paris, 30. August. Wechselkurse: Auf der Börse wurden heute folgende Kurse notiert: London 82.50, Rew-Uork 18.32, Brüssel 92,45, Holland 710, Italien 81,50, Prag 65,25, Bukarest 8.95, Zjirich 946,50, Wien 25,87. - New-Vorkl» 30. August. (Ngdio.) D e v i s e n s ch l u stkurte: Taggeld 2% London 4,48,75, auf 60 Tagee 4,46, Paris 5,40'/,.'Amsterdam 38,70, Prag 3, Berlin 23'/,, Silber 68.75. in den Liqnidations- und Paßsragen schon von der llntcrzeichttung des Abkommens ab gemäß den Bestimilnmgen desselben zu behandeln. - Die Ratkslziernng des Abkommens soll spätestens biß zum 80. November lausenden Jahres erfolgen. Me BAkerbuaddelegatlo« in Wie«. Gestern vornr-ittags ha-ben die Delegierten des Völker, bundes -die Berichte der Vertreter des Handels, -der Industrie und der Kansrnannschast entgegerlgeno-mmen. Am Nachmittag tverdvn Delegierte der Arbtzits'kammer ernpsaugelt. ' , Bei den Besprechungen handelte es sich um die gesamten W irtschastsproblerne Oesterreichs, die Lage der Industrie, die Frage der Arbeitslosigkeit und der sozialen Lasten, die Steuersragen, die voraussichtliche Gestaltung des Staatsvoranschlages für 1925/ die Ziussußpolitik der Natiortalbank und die Frage der Bankenkonditionen,'set'ner die Frage einer Verwendung -der VMerbundkräditreste für wirtschaftliche Anlagezwecke. Schwere Stürme i« Schwarzen Meere. Bukarest, 30. August.'Ans dem Schwarzen Meere wüte-X in den letzten Tagen ein heftiger Sturm, der zahlreiche Schiffe schwer beschädigt hat. Das Frachffchiff „Castor" ist in der Nähe von Konstanza gestrandet. Im Hafen von Konstan-tinopel stieß der französische Dampfer „Espoire" mit dem türkischen Handelsschiff „Misa Mi" zusammen. „Espoire" sank innerhalb einiget Minuten, der türkische Dampfer erlitt schwere Havarien. Die Mannschaft des französischen Dampfers konnte sich noch r.:ch> zeitig rettey, &

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