Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1991 (30.8.1924)
- Date
- 1924-08-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1991 Wkn, Skmslatz r ' WieneL Morgenzeltun^. 30. August 1924 " " Gelle 8 Sturmflut in Island. London, 29. August. Nach einer Meldung aus Reykjavik ist dort in einem Teile von Island ein heftiger Erdstoß verspürt worden, besonders in der Gegend von Reykjavik. Auf die Erschütterung folgte eine Sturmflut. Elf Schiffe vermißt. London, 29. August. Das Nvw-Vorker Wetterbureau hat den Schiffen auf dem Atlantischen Ozean eine Warnung vor neuen orkanartigen Stürmen zugehen lassen. Südöstlich von Neufundland sind 11 Schiffe in den Orkan g er at en. Ueber ihr Schicksal ist noch nichts bekannt geworden. Von einem, der Schiffe wurde ein Funkspruch aufgesängen, der die Bereitstellung von 10 Ambulanzen fordert. Unterwegs befinden sich noch die Dampfer „Majestic" und ^Leviathan". An Bord des „Leviathan" befindet sich der Prinz von Wales. Ein Dampfer im Eise eingefroren. London, 29. August. Nach einer Meldung aus New-Iork /st der Dampfer „Lady Kindersley" im Norden von Alaska im Eise eingefroren. Der Dampfer hat ein« Besatzung ran 16 Mann. Ein gescheiterter Schoner. Der Kapitän und fünf Mann ertrunken. Halifax, 28. August. (Reuter.) Der Schoner „Anna Macdonald" ist in Charlotte Town in einem Orkan gescheitert. Der Kapitän des Schiffes und die Besatzung von fünf Mann sind ertrunken. Mitteilungen aus dem Publikum. Richter- Miger-Talare u. Barette_, in den mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig und nach Mass bei billigsten Preisen beim Spezialisten RUDOLF GOLDSTEIN, WIEN, II. TABORSTRASSE 84 Telephon 45-6*29 Oegründet im fahre 1866 Telephon 45-6-29 Lieferant vieler in-u. ausländischer Kultusgemeinden! Zahlreiche belobende Anejkennungssohreiben! _ r Orosses Lager feiner Stoffe für Massbestellungen! .Maria Tharoslen-Klno 70-, Ab 2. September 19241 Die Stadt ohne Zuden ln cksn Hauptrollen: kkeukelck, 8erg, Werbezirk Beginn der Vorstellungen: >/,S Uhr nachmittags Wi" n, 30. August. * Ein Maharadscha in Wien. Gestern ist hier der Mahakadscha of Iinx mit seiner Familie und feinem Gefolge, aus Paris kommend, eingetroffen und hat im Hotel Imperial Quartier bezogen. * Selbstmord. Gestern früh hat sich der Buchhalter R. auf dem Dachboden seines Wohnhauses am Neubau erhängt. Die Ursache der Tat sind materielle Schwierigkeiten gewesen. * Unaufgeklärter Tod einer Malerin. Gestern abends wurde in der Pension SÄczan die Kunstmalerin Regina Frucht garten, eine gebürtige Warschauerin, in der Badewanne tot aufgefunden.' Zur Feststellung der Todesursache wurde die Oefsnung der Leiche beantragt. * Unfall. In der englischen Gesandtschaft in der Metternichgasse ist gestern während der Arbeit der Asährige Schlosser Gottfried Steindl durch ein Glasdach durchgebvochen und etwa 4 Meter tief ab gestützt. Er erlitt erhebliche Verletzungen und mußte von der Rettungsgesellschaft verbunden und in das Rudolfsspital gebracht werden. * Autounfall. Gestern nachmittags wurde in der Mare- Aurel^Straßr nächst dem SMgrieS der Njährige Buchdruckeveibesttzer Heinrich Wagner beim Uebersetzen der Eahrbahn von dem Autotaxi A 8 919. das der Chauffeur Adolf asel lenikte, erfaßt und medergestoßen. Wagner erlitt mehrfache Rißquetschwuwden am Kopfe und wurde von dem Chauffeur zur Rettungsgeftlllschast gebracht, wo ihm erste Hilfe geleistet wurde. Nach Angabe von Augenzeugen soll Wagner am Unfall selbst schiMragend sein. Die Erhebungen sind eingeleitet. * Der Erfolg der polizeilichen Autokontrollfahrten. Bei den von der Polizeidirektion zur Bekämpfung des Schnellfahrens und sonstiger Mißbräuche im Autoverkehr veranstalteten Kontrollscchrten werden täglich durchschnittlich 20 99* anstdndnngen vorgenommen und durch die gleich an Ort und Stelle erfolgte Zustellung der Vorladung die rasche Durchführung der Amtshandlung sichergestellt. Die bezüglichen Amis- Handlungen werden zentralisiert im Verkehrsamt du rchge führt; in den letzten drei Tagen wurden 22 Personen wegen Nichtbeleuchtung und mangelhafter Beleuchtung ihrer Automobile sowie wegen Schnrllsahreus bestraft. * Nicht hinausbeugen. Gestern vormittags stand die 28jährige Marie Karras bei der Zirkus-Vusch-Saileife im Prater aus dem Trittbrett des Triebwagens eines fahrenden Straßenbahnzuges der Linie 5. Während der Fahrt beugte sie sich vor, schlug jedoch mit den: Kopse an den Mast einer neben dem Geleise stehenden Bogenlampe an und wurde dadurch a u s dem Wagen geschleudert. Sie erlitt mehrfache Verletzungen und mußte von der Rettungsgesellschaft in bewußtlosem Zustande auf die zweite Unfallstation gebracht werden. * 292 Millionen gestohlen. Am 25. d. wurde in der kurzen Zeit zwischen 7 und dreiviertel 8 Uhr abends rm Hause Schottenfelidgasse 7, eine Wohnung gewaltsam geöffnet und daraus ein Betrag von 292 Millionen Kronen gestohlen. Die Täter haben sämtliche Kästen und auch dw Betten der Mahnung durchwWt, jedoch alles, auch einen Kasten mit Silberzeug, unberührt gelassen und nur eine Handtasche mit 292 Millionen Kronen mitgenommen. * Verschwundene Aktien. Dem Vertreter Gustav Koch ist gestern um die Mittagsstunde eine Rolle mit 76 Stück Kabel- und Drahffabrcks-tztz-G.--Mtien abhanden gekommen. Die Nummern der Mtien sind bekannt. Ihre Sperre wurde veranlaßt. * Ein vermißter Tourist. Der Bankbeamte Kurt Nagel wird vermißt. Es wird befürchtet, daß ihm. entweder ein Unfall zugestoßen ist oder daß er das Opfer eines Verbrechens wurde. Kurt Nagel hat am 15. d. seinen Urlaub angetreten. Er war mit 'der Bahn nach Tarvis gefahren und wollte nach Italien. * Die Trafiken dürfen nicht billiger verkaufen, Den Tabaktvasrkanten ist es bei Strafe des Trafikentzuges verboten, billiger als zu den amtlich festgesetzten Preisen zu verkaufen und insbesondere Schankgewerbetrekbenden oder deren Personal Prozente zu gelben. Gegenwärtig wird diesbezüglich gegen drei Wiener Trafiken von der FinanKezirksdirektion behördliche Untersuchung geführt. * Der Zirkus Hagenbeck kommt wieder nach Wien. Der große Zirkus Hagenbeck, durch sein vorjähriges Gastspiel, und seine einzigartige Tierschau bei dem Wiener Publikum wohl noch in bester Erinnerung, wird, wie wir erfahren, demnächst wieder nach Wien zurückkehren und hier abermals während der Wintermonate gastieren. Das Programm wird ein noch reichhaltigeres als im Vorjahr sein und wird überdies durch die Äufführimg großer Ausstattungspantomimen ergänzt werden. Die hierfür notwendigen baulichen Adaptierungsarbeiten wurden schon vor einiger Zeit in Angriff genommen. * Keine Mietgasinstallationen mehr durch die Gemeinde? In der gestern abgehaltenen Generalversammlung des Reichsverbandes der Gas- und Wasserleilungsinstallateure wurde mitgeteilt, daß die Mietgasinstallationen nicht mehr durch die städtischen Gaswerke ausgeführt werden, sondern privnien Installateuren aus zehn Monatsraten übertragen werden sollen. * Prähistorische Funde bei Mauer. Bei den Arbeiten im Steinbruch bei der Schießstätte in Mauer bei Wien wurde in den letzten Tagen ein prähistorisches Ablager ausgedeckt. Ein sachkundiges Urteil über die Wertung der Funde stcht noch aus. * Gottesdienst anläßlich der hohen Feiertage. Der Vorstand der Wiener Mischen Kuliusgeniein.de veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, 1. Bez., Dmn'bagasse 3, Sophiensaäl, 3. Bez., Marxergasse 13, und im Hotel Continental, 2. Bez., Taborstraße 4, Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahr benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen an der, Kartenkasse der Küitusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, in der Zeit vom 9. bis 19. September während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags beheben. Der allgemeine Kartenverkauf beginnt am 21. September. * Bibliothek der Kultusgemeinde Wien. Infolge Renovierungen und Adaptierungen in den Bibliotheksräumen bleibt der Lesesaal bis 15. September für den Parteienvevkehr gesperrt. * Zwei neue Bergbahnprojekte in Tirol. Gegenwärtig wenden zwei neue Bergbahnprojekte bekannt, und zwar eine elektrische Fernpaßbahn, die von Imst, bezichungsweife Land eck an der Arlbergbahn ausgehen wird und in Ehrwald, beziehungsweise Griesen Anschluß au das deutsche Bahnnetz finden roll. Es hat sich eine eigem Fernpaßbahngefellschaft in Oesterreich gegründet, die nun den Bau dieser Bahn ansführen will. Auf der halbfertigen Strecke Landeck— Finstermünz—Mals beabsichtigen italienische Interessentenkreise, in Verbindung mit obigem Projekt den Plan einer Stilserjochbahn (über italienisches Gebiet) zu verwirklichen. Die Gemeinde Jgls bei Innsbruck will eine SeiWwebebahn von Jgls auf den 2248 Meter hohen Patschevkosel errichten. Das Bundesministerium für Handel und Verkehr hat nun der Gemeinde Jgls die Bewilligung zum Bau dieser Bahn erteilt, die innerhalb eines Jahres sertigaettellt sein soll. * Amerikanische Filmregie. Mit welchen Wern die amerikanischr Filmregie arbeitet, ersieht man am besten aus der Schlußabrechnung zum Film „Der Gefangene von Zenda". Der genannte Film kostete 1,200.000 Dollar, 20.000 Personen wirkten bei den Aufnahmen mit. Es wurden für den Film 267.521 Fuß Negativ belichtet. Ein Läufer, der den Rekord von 9,6 Sekunden für 100 Meter erreicht, braucht 23U Stunden, um den Film zu durchmessen. Das Manuskript war 1622 Seiten stark, 540 Schneider schufen unter der Leitung von 26 Kunstgewerblern in einer Fabrik die Kostüme. Die Krönungsgarderobe allein wird ohne die Juwelen auf 105.000 Dollar geschätzt. Eine Burg, eine Kathedrale, ein Dorf, ein Schloß und ein Stadtviertel wurden eigens für den Film errichtet. Dorf und Stadt wurden zwei Wochen lang von 10.000 Personen bewohnt. 432 Köche sorgten für das leibliche Wohl der riesigen Menschenheere, die durch Radiophon dirigiert wurden. sDie nachstehenden Ankündigungen sind entgeltlich.) * Aerztliche Nachricht. Dentist Robert B r e i n e r, Wien, 2. Bez., Hollandstraße 8 (früher Stephaniestraße) ist von seinem Urlaub züruckgekehrt nnd ordiniert, wie gewöhnlich, an Wochentagen von 9 bis 5 Uhr, Sonn- und Feiertag von 9 bis 12 Uhr, Tel. 44-0-27.' * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez.» Neindorsgafse 42. Vereine. Vorträge und Ansammlungen. Kulturgruppe der Zionistischen Bezirkssektion Brigittenau, 20. Bez., Karl-Meißl- Straße 5. Heute, 7-4 Uhr. Vortrag S. Brokmann (Jaffa) r „DieBedeutungPalästinaS für die jüdische Jugend". Sonntag, '/,2 Uhr, Ausflug. Treffpunkt im Vereinslokal. — Akademische Sektion der Hitachduth, 2. Bez., Zirkusgaffe 33. Heute, 7--8 Uhr abends, erste Zusammenkunft mit Vortrag. — Jugendgruppe derZionistischen Sektion Prater. Dienstag den 2. September, 7 Uhr abends, im Heim, 2. Vez., Jungstraße 8, großer Heimabend. Jugendliche Gäste herzlich willkommen. — D i e Zionistische Sektion Prater veranstaltet morgen Sonntag um 8 Uhr abends in ihrem Heim. 2. Vez., Jungstraße 8, eine Abschiedsfeier für Herrn L ö b l T a u b e 8, der sich Montag abends nach New-Iork begibt. Alle Zionisten wie auch die Freunde des Herrn Taubes und der Gesamtvorstand der Sektion Prater werden auf diesem Wege höflichst eingeladen. Urania. Heute 5 Uhr (Großer Saal): Der Rhein, der Stroin des deutschen Schicksals. 7*8 Uhr (Großer Saal): Unser Alpeuvolk und seine Lieder. 7-8 Uhr (Kleiner Saal) r Architekt Pros. Otmar L e i x n e r : Eine Wanderung durch die Wachau. 7,8 Uhr (Kurs-Saal): Marine-Generalschiffs bauingenieur i. R. Theodor Nowotny: Schiffe und Schiffsverkehr auf der Donau in alter nnd neuer Zeit. * Der Palästinafilm in der Hinterbrühl. Der Keren Kaje meth l'Jsrael (Jüdischer Nationalfonds) veranstaltet morgen um 3 U h r nachmittags in der H i n t e r b r ü h l, H e l m st r e i t ni ü h l e, eine Vorführung seines Films „EineReise durch Erez Israel im Jahre 1923". Den begleitenden Vortrag hält Dr. N. Blauer. Kartenverkauf bei Herrn Fritz Koch, Mödling/ Schillerstraße 77, nnd an der Kasse. ' Biichsenleerung des Jüdischen Nationalfonds. Die dies malige Leerung aller Sammelbüchsen des Keren Kajenreth l'Jsrael in Oesterreich findet im Lause de» Monats September statt. Alle Keren-Kajemeth l'Jsrael-Kommissäre, bezw. Vertreter der Jugendgnippen werden ersncht, in den nächsten Tagen in: Bureau des Keren Kajemeth l'Jsrael zwecks Uebernahme de8 Leerungsmaterials zu erscheinen Zionistische Bezirkssektion Alsergrund. Die zionistische Bezirkssektion Alsergrund erläßt das folgende Zirkular schreiben: Die Schekelaktion, die das W a ch 8 t u m u n s e r e r Organisation dokumentieren soll, geht bereits zu Ende. Leider müssen wir mit Bedauern feststellen, daß der 9. Bezirk sich im Verhältnis zu den anderen Bezirken in einem geradezu auffallenden Rückstände befindet. Es erübrigt sich wohl, auf. die bedauerlichen Folge« einer solchen Interesselosigkeit zu verweisen: auch ist bekannt, daß von der Anzahl der Schekelzahler die Zahl der Kongreßdelegierten wie auch die Stärke der zionistischen Organisation abhängig ist. Wir appellieren in letzter Stunde an Jbr Pflichtgefühl und ersuchen Sie dringend, zumindest den Verkauf der bei Ihnen besindlichen Blocks zu beschleunigen und uns postwendend das Resultat niitzuteiken. »mg. Anläßlich des plötzlichen Todes des Herrn ax R ö d e r erfüllt die Z. M. V. N e t> e m t a die traurige Pflicht, das Grab ihres Gründungsbmschen S o n ut a g d e n 31. d. zu besuchen, da es ihr infolge verspäteten Eintreffens der Todesnachricht nicht möglich war. ihrem Bundesbruder das letzte Geleite zu geben. Alle Bekannten nnd Freunde sowie Korporationen werden zu diesem PietätSakt höflichst eingeladen. Zusammenkunft um 10 Uhr vormittags Anfanasstation des 71er-Wagens oder um 11 Uhr beim dritten Tor des Zentralfriedhofes. Bühne und Kunst. Goethe-Feier im Komädienhaus. „Iphigenie auf Tauris." — Gastspiel Alfred Gerasch. Herr Gerasch hatte während seiner Burglheater,;^ trotz großer Hingabe nicht Viole glückliche Albende. Um so Wähler mmg ihn: gestern >der Beifall getan haben, der ihm reichlich und stürmisch zuteil wurde. Allzu reichlich, allzu stürmisch. Dieser gutgepolsterte, süße Orestes läßt sich einfach nicht von den.Erinnyen jagen, und wenn er anch sehr verstört tut — man glaubt's ihm nicht, daß sich die fu>rcht!baren Geister an seine Sohlen geheftet halben. Aber auch diesmal ernster künstlerischer Wille, Edelmaß der Geiste und streckenweilse guter Vortrag. Die Iphigenie sagte Margret Roederer aus nnd wurde mit einer Mumenspende bedacht. Vorläufig sollte sie noch nicht vor aller Ooffendlichkeit das Land der Griechen mit der Seele suchen, sondern ihre guten Anlagen am bescheideneren Anfgaben schulen. Rudolf Zetiseil sprach den König Dhoas ausgezeichnet — aber er spielte ihn nicht. Die Darsteller des Pylades und des Arkas, die Herren Heindorff und Eckmayr, gaben sich gewiß alle Mühe, den festlichen Charakter dieser Aufführung anläßlich des 175. Geburtstages von Goethe recht sehr zu erhöhen. Ich glaube nicht, daß es ihnen gelungen ist. D. A. Das Hakenkreuz im Theater. Antisemitische Hetze unter den reichsdentschen Schauspieler». AuS Berlin wird uns geschrieben: Angesichts der irngeheueren Not und ArbeitSlosigkerl, die unter den deutschen Schauspielern herrscht, bemühen sich anl'semitrsche Kreise, da- Schauspielerelement gegen jüdische Direktoren und jüdische Kollegen aufzuhetzen. Führer in diesem Kampfe ist der Theaterkritiker der ,-Deutschen Zeitung" Erich Schlaikjer, der — angeblich von Schauspielern dazu ausgesovdert — die folgende Aufforderung an die Schauspieler richtet: „Benierkt ihr nicht, daß die jüdischen Schauspieler euch immer mehr verdrängen, weil der Jude euch im Jmtereffe seiner Herrschaft aus den entscheidenden Stellen heraushaben will? . . . Laßt in jedem Ensemble des Reiches die Trompete des Aufruhrs schlagen, dann werdet ihr ganz von selber so stark, daß man euch nicht überhören kann." Der „Weckruf" Schlaikjers ist bestimmt geeignet, die Not Äesy Schauispielerstandes zu beheben, zumal die Judenhasser zwar selten die Wirtshäuser, hingegen mit großem Kunsteis'"' die Theater besuchen. Aus de» Theatern. Volksoper. Heute „C arme n". Morgen (Sonntag „L o h e n g r i n". Im Raimund-Theater finden heute, morgen und Montag die drei letzten Vorstellungen der Operette ,D i e tolle Lola" statt. Dienstag den 2. September geht zum ersten Male Roda Rodas und Karl Rößlers Schwank „Der Feldherrnhügel" in Szene. JmNeuenWienerStadttheater endet die Sommerspielzeit Montag den 1. September mit der Aufführung der Burleske „EinBöhm in Amerika". Von Dienstag den 2. September bis Freitag den 5. September bleibt das Theater wegen Abaptierungsarbeiten geschlossen. SmnStag den 6. September, l/88 Uhr abends, Uraufführung des SchausvieleS in vier Akten „D e r S o w j e t k o m m i s s ä r" von Eugen T s ch i r i k o w. Das Moderne Theater wird heute mit Strindbergs Komödie „Kameraden" eröffnet. Die Bertha spielt Maria O r 8 k a. Burggarten. -Wegen Indisposition des KainmersängLrs P r e u ß muß die für heute angesagte Uraufführung der Opera busfa „Jgekhofers Hochzeitsreise" im Burggarten bis aus weiteres verschoben werden. — Montag den i. September beginnt unter der Leitung Hans S o n n e n t h a l s ein Volksstück- und Lustspielzhklns mit der Ausführung von Anzengrubers „Der Pfarrer von Kirchseld", welcher Dienstag ein« Wiederholung boA Blumenthals und Kadelburgs „Weißem Rössel" folgt. Donnerstag den 4. September findet die Uraufführung des Volksstückes „G l ü ck l i ch e Leut' aus alter Zeit" von Georg Berend, Musik von Rudo-ff Herling, statt. Berliner Opernpremieren. Die Berliner große B o l ksoper plant an Novitäten „Die ersten Menschen" 'imt Rudi Stephan, die im Vorjahre zurückgestkll:en drei Einakter von Paul Hindemith („Nuschi-Nuschi", „Mörder der Frauen", „Saneta Suzanna"), ferner Werke von.Strawinski), Mufsorgskly, Bartok, Ravel und I anacek („Katja Kabanova"). Das gepfändete deutsche Opernhaus. In der Steuevangelegenheit des Berliner Deutschen Opernhauses, dessen Fundus wegen einer Schuld von 240.000 Rtark an Lustoarkeitssteuer vom Berliner Magistrat gepfändet wurde, steht die Entscheidung noch aus, doch hofft man aus eine günstige Erledigung durch das zuständige Ministerium. Gastspiel Alfred Gerasch im Wiener KomA»ienha«s. Heute erste Aufführung von Sudermanus „Dir Ehre". Den Robert Heineke spielt Alfred Gerasch. Else Lasker-Schiiler hat ihre Tätigkeit als künstlerischer Beirat des Berliner Dramatischen Theaterstellt.