Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1991 (30.8.1924)
- Date
- 1924-08-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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?S5 9 Gerte 4 Men, Samstag Wiener Morgenzeitung. so. Äügüst im k. ISA. 11 ' ämon der Aus Siebe 300 MillioM veruktreuK Äitf Are Kosten ein Wohlleben führt«. W o H « n t l i k den Märchen der 1001 Nächte berühmten Kalifen Harun al Raschid hevvorgcht, in dem er das Tributvechältnis ferner Vorgängerin Kaiserin Irene zum Reiche des Harun Ä Raschid als das des Bauern zum Turm im Schachspiel bezeichnet. Die Araber waren es, welche das Spiel nach Spanien brachten; von dort kam es nach Frank» reich, wo insbesondere Karl der Große ein eifriger Verehrer des königlichen Spieles war. Kaiser Otto der D ritte galt als der beste Schachspieler Europas. Cr wurde im Jahre 1001 vom Grafen Esa besiegt und gab ihm dafür feine Schwester, Prinzessin Mathilde, zur Frau., Im Gebiete des heutigen Deutschland »wurde das Schachspiel' insbesondere in der Gegend von Halber st adt im 11. Jahrhundert populär und bis heute gelten die Bewohner von Halbcrstadt, auch Handwerker und Arbeiter, als ausgezeichnete Schachspieler. Mit dem Schachspiel war in der Gegend von .Halberstadt auch ein Hochzeit?- b r a u. ch verbunden: Vor der Hochzeit mußte der Bräutigam mit dem besten Spieler der Stadt eine Schachpartie spielen. Gewann er, so konnte er unbehelligt znm Traualtar gehen; verlor er, so mußte er sich mit Geld die Erlaubnis zur Heirat erkaufen. Interessant ist, daß im Anfang des 13. Jahrhunderts daS Schachspiel in Frankreich unter der Geistlichkeit so ' verbreitet war, daß der Erzbischof von Paris, im Jahre 1264 ein Verbot des Schachspiels an die Geistlichkeit erließ mit der Begründung, daß sie dadurch von der pünktlichen Erfüllung ihrer geistlichen Pflichten abgehalten werde. Als das Verbot nichts half, wurden in den Kirchen und Klöstern Han sdurchsu chungen vorgenommen und den' Geistlichen die Schachbretter weggenoommen. So fand dann in Paris ein richtiges Autodafe von eüoa 30.000 Schachbrettern statt. Geistliche Fadeahetze. Aus Warschau meldet I. T. A.: Die jüdischen Einwohner der Stadt Stolbzy sandten ein Schreiben an die jüdische-Presse, in welchem sie gegen das Verhalten des Bischofs L o s in s k h Protest erheben. " Als der Bischof Losinsky die unlängst von einer russischen B a n d i t e n b a n d e heimgesuchte Stadt S t o l b.z y besuchte. wurde cr unter anderen auch 'von einer jüdischen Delegation mit dem Rabbiner an der Spitze, mit Brv^ und Salz empfangen. Der Rabbiner hielt eine Ansprache und drückte die. Hoffumig aus, daß der Bischof helfen werde, best Frieden unter der Bevölkerung zu erhalten. Darauf er.v»derte der Bischof: „Ich will glauben, daß Ihr mir! bas Prot aus vollem gespendet habt, leider muß ich sagen, daß sich un er Euren Brütern zahlreich: Feinde Polens be'inien. Ich meine nicht Euch persönlich, aber das jüdische Polk im allgemeinen ist.unser Feind." In einer späteren. Rede anläßlich der Grundsteinlegung, für das Tenkmal der Opfer des Ueberfalls, sagte der Bischof: „Ich wiederhole es und ziehe nichts von me'neu Worten zurück: Die in Polen lebende jüdische Masse ist nn'er Feiud, da helfen k.'ine schönen Reden. Auch wenn Lh.istus selbst das leugnen sollte, würde, ich .es trotzdem vie.erholeu. Polen ist kr in Aufenthalt für Staatsfeinde. Ter Bo^en gehört den Polen und den Weißrussen, nicht teu -Juden. Ti-sienigm, denen es hier nicht gefällt, vö en so:'sichen." 'In der jüdischen Bevölkerung herrscht wegen dieser Ncnßerungen des Bischofs große Empörung. Man bog'nut von neuem, mit kräftiger Betonung der Kader? z. Wer wird Galiläa wieder aufbauen? Antwort: Die Ehaluznn bauen Galiläa wieder auf. To s.'dt der Tanz fort bis ins Unendliche und wahrend Sfr hr-a^e .di:selbe bleibt, wechselt die Antwort zu Ehren teuer, die sich während der Woche in der Kolonie ausgezeichnet haben, Uriel oder Schamai, Schoschana oder Sch-ulamich, welche-'HagalN wieder aufbauen wenden. Und 'immer schneller, immer wilder setzt es fort; neue Lnll'mmliuge treten ein, andere gehen hinaus; Schritt und Figuren erneuern sich, jetzt graziöse Menuette, jetzt Kesaken- -prünge; aber immer wiederholt der Refrain: Wer wich Galiläa wieder ausbauen? Und jetzt sind es die Personen der Bibel in alphabetischer Dvdnung von Abraham bis Zacharias, die, vom Rhythmus begleitet, Galiläa ausihauen. Aber der Eifer des Aufbaues dehnt sich aus; es ist nicht me-hr Gälilüa, es ist das ganze vschesßene Land von Dan bis Beesicheba, das wieder auferstcht; eS ist der Karmel, Sichem, Galaad, Bethel, Gilbeon, Jericho, Micha, .Jerufchalaim, teure, verehrte Namen, Erinnerungen an Ruhm und Glück, die sie, wie in Halrrzinaiüonen, wiederholen, indem sie gehen und kommen, stürmen, springen und sich im Kreise bewegen, im Wirbel der Jugend, mit der ländlichen Lustigkeit eines wiedergenssenen Volkes. Und ich denke an das alle Volk, das vevftlgte, Mterdrücktt, gchaßt«, zerstreut bis in die äußersten Michel der Erde. Tind es nicht seine tausenidjährigen Aengste, seine Schnsucht, seine Träume, sein heiliges und irres Verlangen, die in dieser Vftase Mern, aus diesem Jubel schreien. , Lange noch höre ich in meinem kleinen Zelte den Gesang der 'Mischen Tänzer, welche die heiligen Namen im Rhythmus wiederholen' Die Postmeisterm in Gobelsburg. die 43jährige Rosa K o w a r n a; ist am - 23. d. wegen A m t s u n t e rschlagung in der ungefähren,Höhe von 300 Mllionen Kronen verhaftet und dem Kreisgerichte Krems eingeliefert worden. Nun wurde gestern in Wien, unter der Beschuldigung, an ihr Erpressungen begangen zu haben, die 53jährige Antonia König verhaftet und dem Landes-: geeichte eingeliefcrt. Hinter dieser dürren Mitteilung verbirgt sich, «wie wir erfahren, folgende psychologisch sehr interessante und zugleich erschütternde Tragödie. In Gobelsburg besteht ein Keines Postamt, dem durch viele Jahre «die Postexpedientin Rosa K o- Warna mit Fleiß und Gew'issen'haftigkeit Vorstand. Sie ist eine arme Person, von Kindheit an verwachsen, vorzeitig gealtert. Einmal, im Jahre 1918, ist sie nach Pottenbruun gekommen und düs wurde ihr Schicksal. Durch Zufall - lernte sie dort den angeblichen Reisenden Karl Populorum kennen, der darnvls im Telegraphenregiment Schreiber war. Sie traten in Briefwechsel. Im Jahre 1920 schrieb ihr Populorum sehr liebevoll, er werde sie in Gobelsburg besuchen, und eines Tages war er wirklich in dem kleinen Ort. Er blieb auch dort. Er sagte, er habe keinen Posten und ließ es sich Wohl gesallen, dast die Poiftmeisterin für seinen Lebensunterhalt auflam. So blieb es durch acht Monate, bis Populorum nach Wien übevsiedelte. Sie unterstützte ihn öfters durch Geldsendungen. Im Frühjahr 1923 kam Populorum wieder in den Ort und verlangte von der Kowarna einige Millionen, eine Forderung, die sie jedoch nicht erfüllen konnte. Populorum aber drängte und drängte in sie, bis sie schließlich in die Postrasse griff, 5 Millionen an sich nahm und ihm gab. Das aber war nur der Beginn, schon nach einer Woche kam Populorum wieder um Geld, und wieder beruhigte er den armen Krüppel, daß man so bald nicht 'daraufkommen werde. Und ft gab die Kowarna dem Blutsauger fortab jeden Monat mindestens fünf Millionen Kronen Amtsgelder. Was sie erhoffte, war die Ehe, ' die ihr Populorum wiederholt, sogar einmal schriftlich, versprochen 'hatte. Aber ein zärtliches Alleinsein vermied er.nach Möglichkeit. E ines Tages las sie in der Zeitung, daß Populorum in St. Pölten verhaftet worden sei, weil er seine — Frau m ißhan d e I t hatte. Er hatte hinter ihrem Rücken geheiratet. Die Küvarna traf einige Zeit später wieder den Populorum in Krems und zeigte ihm das Blatt. Lächelnd gab er die Che zu, später fügte er hinzu, daß er ohnehin mit seiner Frau im Scheidungsprozeß stehe und, daß sie ganz beruhigt sein könne. Sie beruhigte sich auch und gab ihm weiterhin 5 Millionen in der Woche Als die Kowarna einmal nicht mehr Geld geben wollte, drohte ihr Populorum mit Enthüllungen. In Todesangst gab sie ihm weiter Geld und . mußte es geschehen lassen, daß der Mann mit seiner Frau nach A b b a z i a fuhr und Mißerfolg in Wembley haben jetzt einen derartigen Umfang angenommen, daß die Leitung der Ausstellung offiziell erklären läßt, daß von einem Plan jder vorzeitigen Schließung der Ausstellung ke i ne Re de sei. Eine Entscheidung darüber, vH die Aus- 'stellnng i-nt nächsten Jahre wieder ausgenommen werden wird, ist noch nicht gefallen. Bisher wurde die Ausstellung von 11 Millionen Menschen besucht. Wegen des Ausfalles der Sonntage stehen noch etwa 30 Ausstellungstage bevor. Die gestrige Bosuchsziffer war 111.000, und das wird als Durchschnitt betrachtet. Demnach wurde die Ausstellung von 13 bis 1H Mllionen Besuchern aufgesucht worden ftm. Man rechnete mit einer Befuchszifftr von 30 Mllionen, bei welcher die Ausstellung rentabel sein könnte. Mutz dem M i ß e r s o l g der Ausstellung wich heute kein Geheimnis mehr gemacht. BestialMen des Ku-Klux-Kliiir. Au? Nsw-Aork beruhtet I. T. A.: Dem vom Bekämpfer des Ku-Klux-Klan, Ex-Gouverneur Walion Oklahoma, herauSgegebenen Wahlrundschreiben ist die Photographie zweier von den Klanlonten verstümmelten Personen, eines Juden und eines Katholiken, beigefügt. Zu Panville in Illinois wurde der iHähxige Frank Aron beim Nachhausogehen von Automobilisten angerissen, die eine Panne erlitten hatten. Während er versuchte, den Defekt zu finden, stürzten sich die Insassen des Wagens auf'ihn, rissen ihm die Kleider vom Leibe und.ein Mätzchen brannte ihm mit einem beißen Eisen das Z ei ch e n KKK ' auf die' Brust. ernmal kam er aber von Abbazia nach Wien ode Krems und holte sich den Tribut. Er erzählte, daß e in Abbazia Roulette spiele, » um viel Geld zu gewinnen. Einmal erzählte er von eine« Gewinn von 50 Millionen, den er am nächsten Tage wi< der dem Spielteufel geopfert habe. Eines Tages erschien plötzlich die Schwiegermutter Populorums,. Antonia König, in Gobelsburg und verlangt unter dem Titel, daß sie ihrem Schwiegersohn Geld ge borgt habe und die Weisung erhalten habe, das Geld be der Postmeisterin einzukassieren. 4 Millionen Kronen. Di Postmeisterin gab ihr eineinhalb Millionen unl versprach ihr den Rest. Nach zwei Wochen kam Fra, König wieder nach Gobelsburg und präsentierte der Ber zweifelten eine Rechnung auf 7 Millionen. Die Kowarm zahlte nur zweieinhalb Millionen und versprach, den Ref zu schicken; als sie im Rückstände blieb, kam ein Brief de, König mit Erpressungen und Drohungen, ft daß dü Kowarna auch die viereinhalb Mllionen zahlte. Im Gan» zen hat die König von der Postmeisterin zehneiichalb Mib Ronen erhalten. Frau Populorum selbst kam Mitte Juli nach Gobelsburg. Die Postureisterin war damals krank. Wuterfüllt zeigte sie der Kowarna mehrere Briefe, die sie ihrem Mann geschrieben, machte ihr Vorwürfe, daß sie ihn ihr entfremdet und zeigte ihr einen Zettl, auf dem Populorum bestätigt, daß die Kowarna seiner Frau monatlich 2 Millionen Krönen als Alimentation bis zur Durchführung der Scheidung zahlen müßte; zm gleich verlangte die Populorum erst 4 Mi.ioneu für August und September. Als die Postmeisierin nicht zahlen wollte, riß sie sie an den Haaren aus dem Bette. Sie ries laut um Hilfe. Als aber kein Mensch kam, gab sie ihr nicht nur die vier Millionen, sondern sogar «weitere vier Millionen. Jndesien waren die unterschlagenen Auitsgelder ins Ungeheure gewachsen. Die Kowarna mußte mit Entdeckung rechnen und dachte in ihrer Verztveiflung an Flucht. Sie besprach sich mit Populorum, und es wurde ausgemacht, daß sie «ach Italien fliehen sollten. Am 22. d. M. kam die Kowarna nach Wien; als sie Populorum traf, war feine erste Frage nach Geld. Sie gab ihm noch 4 Millionen und Populorum teilte ihr scheinbar bestürzt mit, sie könnten jetzt nicht mach Italien. reisen, da seine Frau hinter ihren Plan gekommen sei. Auch das glaubte die Kowarna. Er' versprach erst allein nach F ist me zu fahren und sie telegraphisch zu verstäMgen, wann sie Nachkommen könnte. In ihrem .Heimatsort zurückgekehrt, wurde dann die KciÄarnÄ vo« der Gendarmerie verhaftet, da ihre Unlerschle'rfe aufgekommen waren. Auf Grund Sä? Erhebungen wurde nun auch Frau König verhaftet und dem Landesgerichte eingeliefert. Die Erhebungen Kur Au.- forschung de- Ehepaares Populorum, dessen Auftnchakt bisher unbekannt ist, sind eingeileitet. Sie tiiglichen Preirfteigemugeu der Leben > mittel. Die seit der Vorwoche zum Vorschein gelangte steigende Bewegung auf dem Fleischmarkte macht Tag für Tag weitere Fortschritte. Gestern sind im Großhaiidel Rindfleisch neuerlich um 1000 K„ Kalbfleisch um 1000 K. bis 2000 K.,. Schweinefleisch und Fettstoffe um 1000 K. pro Kilogramm im Preise gestiegen. Auch im Detailverkehr verfolgen die Preise sämtlicher Fleischarten die aufsteigende Richtung.^ Die' vollen Auswirkungen dürften sich erst heute, am HaupteinkaufZtage,. empfindlich fühlbar machen. Die Aussichten für die kommende Woche sind auch nicht besonders günstig, da infolge der bevorstehenden Messeeröffnung die Wiederverkäufer größere Vorräte aufkaufen dürften. Der Zentralgemüfemarkt wies auch heute auf den meisten Gebieten sowohl in bezug auf einheimische wie auch importierte Erzeugnisse ziemlich günstige Zufuhren aus. Da infolge der unerschwinglichen Fleischpreise der Hauptvevkchr sich auf den Gemüsemärkten konzentriert, ft wiesen diese gestern lebhaften Besuch auf. Mit Ausnahme von Kchl und Kraut, die mäßig im Preise augozogen haben, Wchen die Preise aller anderen Gemüfesorten stationär. Auf dem ObstmaMe fauden die meisten Obstgattungen raschen Absatz. Auch Fische, die während der,, ganzen Woche wenig Beachtung fanden, begegneten gestern reger Nachfrage., Namentlich Seefische wurden viel gekaiift. Las Wetter. Gestern gab es endlich wieder einen schönen Dpätsommev, tag. Die Mittagstemperatur erreichte 2 0 G r a d. Die Voraussage Mndigt zunächst heiteres, warmer Wetter ae Für Sonntag droht schon wieder eine Verschlechterung. Eine Wettevkataftrophe in Japan. AuS Paris wird telegraphiert: Durch Erdrutschungen, die auf außerordentlich heftige Regengüsse zurückzuführen sind, sind 7 500 Wohnstätten unter' Wasser gesetzt worden und eingestürzt, wodurch zahlreiche Personev verschüttet wurden. Ein Miß<rfog. , Aus London wird gemeldet: Die Gerüchte über den