Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1990 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981073--20245-3007458- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seiie 8 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitnng. Nr. 1990 , Gerichtssaas. Ankauf gestohlener Aktien. Bor einem Appcllsenat wurde gestern nachmittags über dir Berufung gegen ein llrtert Verhandelt, mit welchem dem BanLgeschäftsintzaber Mfrsd Weiß wegen bedenklichrU Ankaufes von MO Stück Vereinigte S p i r i t u s a k i i e n eine Geldstrafe von 500.000 K. cutjetköt worden war. Tiefe Mtien rühren von einer Judnstriegründung des „Varon" August 8oder er her. Aus dem Verfahren ergab sich, daß die fraglichen Atrien seinerzeit ein gewisser Josef Richter der Frau Anna S o ch e r gestohlen hatte. Richter ist dcstvegeu vom Landesgericht;u 16 Monaten schweren Kerkers verurteilt worden. Cr hatte -einen Teil der gestohlenen Aktien dem Alfred Weiß, der feil 88 Jahren in der Theobaldgasse in Mariahils ein Bankgeschäft betreibt, verkauft. Weiß zahlte für düs Stück 5000 K. In fern Ankauf erblickte die Staatsanwaltschaft einen bedenklichen Vorgang, da laut Gutachten des Börsenrates Ludwig Grü.iwald der Kurswert des Stückes sich zwischen 9000 und 12.000 Kronen bewegt habe. Der Verteidiger erklärte, das Gutachten sei augenschein-- lich irrig, denn selbst der seinerzeitige Finanzminister Tr. Gürtler habe im Nationalrat die Vereinigten Spiritusaktien als Schwindelipapieve bezeichnet. Beim Verkauf eines Papieres bestehe übrigens kein Legitimoiionszwawg. Der Gerichtshof beschloß, die Verhandlung zu vertagen, um «men neuen Sachverständigen über die au der Börse nicht notierten Papiere, sogenannte Exoten, zu hören. 29. August 1924 lUil-iiitlWUllilWM Alle Arten von Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Kredituna BllksZwZ Wien, I. Sditz«r0ati6 4 |ESÄT w^ng^fu ‘Telephon! 22-8-00 Serie hm& Telegrathttiadre»ae t PrftpftbaAk Vollmirt. Mit dem Tode des Hauptmieters erlischt das Untermiettecht. Die Private Elise M. brachte nach dem Tode der früheren Mieterin gegen deren Untermieter eine Klage auf Räumung der von ihnen bewohnten Wohnung ein, weil mit dem Tode der Hauptmieterin das Wcchnungsrecht der Untermieter erloschen sei. Die Geklagten beriefen sich aus ein Dekret des Wohnungsamtes. demzufolge die Uebertragung der Hauptmiele an <Nis« M. nur unter der Bedingung erfolge, daß die bisherigen Untermieter in der Wohnung verbleiben. Das Bezirksgericht Äeopoldstadt gab trotzdem der Räumungsklage Folge, weil mit dem Tode der Hauptmieterin, die keine Erben hinterlitß, daß Mietrecht an dieser Wohnung und daher auch das Unterrnietvecht erloschen sei. Die vom Wohnungsamt gestellte Bedingung, daß die Untermieter in der Wohnung zu verbleiben haben, habe deshalb keine rechtsverbindliche Bedeutung, weil das Wohnungsamt diese Wohnung nicht üngesordert habe und sie daher auch niemandem guweisen könne. Ueder die Berufung der Gesagten fand gestern Vor dem Landesgericht für Zivilrecht^achen die Berhündlung statt. Der Geklagtenvertreter Machte geltend, daß Wohnungsamt habe auf die Anforderung di-eser Wohnung Nur deshalb verzichtet, weil es annehmen konnte und mußte, daß die Parteien einen rechtlichen Anspruch haben, in der Wohnung zu verbleiben. Ter Berufuttgssenat gab der Berufung keine'Folge und bestätigte -das erstrichtcrl'che Urteil. Cs sei gleichgültig, aus welchen Gründen das Wohnungsamt die Wohnung nicht anforderte, maßgebend sei nur die Tatsache, daß sie nicht angefordert wurde, die Wohnung könne daher auch nicht zugewiesen werden. Mit dem Tode der Haupt- Mieteriu aber hörte das Mietrecht der Untermieter auf.. Die Aufführungsrechte der Frau Jda Roland an dem Stuck „Die Schwester". Frau Roland hatte am 1-8. November 1928 mit dem Donauverlag einen Vertrag abgeschlossen, wonach der Verlag der Künstlerin das Aufführungsrecht an dem Stück des jungverstorbenen Dichters Hans Kalte neck er „Die Schwester" für Wien und Desterreich, die Schweiz und die Nachfolgestaaten und in einem Nachtvegsübereivkommen auch für Berlin und München unter der Bedingung überlassen haste, daß sie die Rolle der Ru'.h spiele. Tie Äufführuugsverkräge waren vom Verlag mit dem beiröffenben Direktor, den Frau Roland bekanntzugeben hatte, abzuschließen. Als nun Frau Roland dem Direktor Rosenbaum des Verlages im Mai d. I. 'bekannt gab, daß sie das Stück am Berliner dramatischen Theater des Direktors Dieterle placiert habe, erklärte Rosenbaum, Laß er das Stück für Berlin an Direktor Robert vergeben hübe, weil er der Ansicht war, daß das Stück bis 28. Juni nicht nur placiert, wie es im Nachtragsübereinkommen hieß, sondern aufgesührt sein müsse. Fvau Roland hatte geklagt, daß der Verlag schuldig sei. den mit Dieterle geschlossenen Anstichrungsvertrag zu respektieren und den Vertrag mit Direktor Robert gu stornieren. Das Handelsgericht hat in zweiter Instanz den Verlag vücurteilt, mit Direktor Dieterle eisten Auf« sühruGgsvtttrag obzuschließen und dem Verlag verboten, bis 31. Dezember 1924 mit anderen Personen wegen Ausführung der „Schwester" in München und Berlin abzuschließen. Beim Bezirksgericht Innere Stadt wurde erwirkt, düß dem Direktor Eugen Robert, welcher das Stück erworben hatte, verboten werde, dos Stück in Berlin bis zum LI. Dez-ember 1924 zur Aufführung zu bringen. Das Landesgericht hotte über Rekurs des Pros. Robert die einstweilige Verfügung aufgehoben, weil Frau Roland kein Urheberrecht besitze und daher nicht befugt sei, gegen einen Dritten ihr Aufführungsrecht geltend zu machen. Heber'Revisionsbeschwerde hatte nun der Oberste Gerichtshof die rein formelle Entscheidung des Rekursgerichtes MM hoben und, dem Landesgericht aufgetvagen, über den Rekurs in der Sache selbst zu entscheiden. Das Landesgericht hat den Rekurs des Prof. Robert zurückgewiesen und das V er bot bis 31. Dezember 1924 bestätigt, doch kann Prof. Robert sich dieser Verfügung durch Erlag einer Milliarde Kronen entziehen, welcher Betrag der BeMerung des Schadens der Antragstellerin und des Direktors Dieterle entsprechen dürfte.??#• Sie tschrcho-slowakische Brau- und kamstaM 1M-L4 kennzeichnet unser Brunner L—. S.-Mitarbeitek wie folgt: Tie mit dem 31. d. a blau sende Bi-ersaison 1923-1924 war für die tschechoslowakische Brauindustrie als ausgesprrchrnes Krisensahr zu betrachten. Die Gerstenpreise stieg-'a um ungefähr 80 Prozent, die Hopfenpreise um mehr a!s 100 Prozent innerhalib der Betriebszeit, wodurch die Pcsitwn der Brauereien außerordentlich erschwert wurde, zumal die Regierung eine Erhöhung der Bievpreise nicht bewilligte und zu einer Herabsetzung der Biersteusrsätze nicht zu bewegerr war. Der Ausstoß der Brauereien war Zwar um 20 bi's 40 Prozent höher als in der Vorkampagite, verringerte jedoch die Mehrerzeugungskcsten keineswegs in dem von den Brauereien erwarteten Ausmaß, so daß die Erträgnisse weit hinter denen des Vorjahres Zurückbleiben. Die Bierausfuhr war infolge der hohen Zölle und Frachtraten sehr minimal und einzig und allein in die Slowakei ein lebhafteres Geschäft zu verzeichnen. Die Aus-sichren der neuen Betriebsperiode sind im Hinblick auf die teueren Nohstoffpreise uns günstig zu beurteilen. Die Ausnützung der Malzfabriken betrug in der Kampagne 1023-1924 22 bis 25 Prozent der Gesamtkapazität gegenüber 12 bis 15 Prozent in der Vor-kampagne. Durch die Auflösung des Malzsyndikates (30. Juni d. I.) werden die tschecho-slowakischen Mälzer in der kommenden Betriebsperiode einen schweren Stand gegenüber der Äuslandökundschast haben und außerdem durch den bedeutend billigeren deutschen Wettbewerb hart bedrängt werden. Erhöhung der FinlagenzinskuÄs beim Korsttzemn. Das Dorotheum verzinst Spareinlagen auf Cinlagebüch.r ab 1. Septem b e r d. I. bis auf weiteres mit 16 Prozent bei dreimonatiger Kündigung, mit 14 Prozent bei zweimtnaiiger Kündigung und mit 18 Prozent pro einmonatiger Kündigung. Täglich abhebbare Einlagen werden mit 12 Prozent verzin st. Fusion Angloban? - Lönderbavk? Ein Spätabendblatt meldete gestern, daß zwischen den Pariser Interessenten der Z e n t r a l e u r o p ä ischeu Länderbank und der Ä a n k v-o n England, die die Aktienmajorität der A n g l o - A u ft r i a n - B a n! besitzt, seit längerer Zeit. Verhandlungen wegen ihres Verhaltens gegenüber ihren Wiener Zweigstellen geführt werden. Wie nunmehr verlautet, soll die Bank von England und eine ihr angeschloss.'nc Gruppe eine Fusionierung der A n g l o - A u st r i a n - Bank mit der Zentraleuropäischen L ä n d c r b a n k beabsichtigen, um die Lasten der beiden Wiener Institute zu verringern. Die beiden Mitglieder des Vcrwaltnngsrüles der Anglo- Austrign - Bank und der Zeutraleuropäischen Lönderbank Sir Henry Strakosch und der ehemalige russische Finanz minister Bark sollen mit der Führung der Verhau dümgen betraut sein. ' SesterrrichifHe AatignMask. Rückgang des Banknotenumlaufes um 325,6 Milliarden Kronen. Nach dam letzten Ausweis der Oesterreich iischen NationalbalE vom 23. d. hat der Bar schätz eine Verminderung um 27 Milliarden erfahren und beträgt jetzt 3262,6 Milliarden Kronen. Das Wcchselportef e u i l >l e weist eine Verminderung um 63,7 Milliarden Kronen auf. Eine Evscheinnng des loprozentigen Zmsftißes. Das Wechsel Portefeuille beträgt jetzt 3209,9 Milliarden Kronen. Ter B a n k n o t e n u m ll a u f hat sich um 325,6 Milliarden Kronen vermindert und beträgt 7289,9 Milliarden Kronen. Die Verbindlichkeiten aus dem Giroverkehr halben eine Zunahme um 234,7 Milliarden Kronen erfahr«-', und somit 1406,3 Milliarden Kronen. Strafantrag gegen die Leitung der Bottrba» Heimat. Geste m fand in den Eichensalen eine vom Verbaut der Sparer unb Kleinrentner einberufene Versammlung der Glü'.wiger der Volksbank Heimat statt. Namens des Verbandes sprachen Prof. Schmetter und Dr. Popper. Vom Glünb-igerausschuß der Bank referierte Dr. Stecher welcher auf Grund des vom Gläubigerausschuß gewonnene« Einblickes in die Geschttftsgebarung die unkorrekte und NM gesetzliche Handlungsweise der Leiter der Heimat, Sköcki und Wolfik aufzeigte. Redner teilte mit, daß auf Grund der erhobenen zahlreichen Betrugsfakten sich in den nächsten Tagen eine Abordnung des Gläubigerausschusses in das Landesgericht begeben werde, um die Strafverfolgung der heute noch immer auf freiem Fuße sich befindlichen Leiter der Bank einzuleitett. Nach einer ziemlich erregten Debatte unroe eine Resolution ailaenommen, in welcher dem ti&n der Bank vorgeschlageiieit Ausgleich nicht zugestäMmt wird und die Gltiubiger aufgefordert werdm, nur eiueN solchen Ausgleich anzunehmen, wo die Verwaltung der Äusgleichs- Masse einem Komitee der Gläubiger übertragen wird und dieses selbst die Höhe der Ausgleichsquote auf Grund der ebenfalls »om Gläubigerausschuß vorzunehmendeu Eintreibung der Außenstände bestimmen wird. Ae bevorstehende Liquidation der „Stornta“ Handel«-A.. 8. r Die ,,Wiener Bank- und Börsenzeitung" schreibt: Dtr allgemeine Abbau bei den Banken und anderen großen Unternehmungen, der dem Abbau des Geschäftes nunmehr folgt, scheint auch auf jene Unternehmungen überzugreifendie gowissecinaßen die Hausmacht einiger großer Financiers verkörperten. Dieser Abbau ist wohl weniger dem eigenen Willen, den eigenen Plän-en entsprungen, sondern wird der Not gehorchend, der Kreditnvt zumal, durch ge führt. Von diesem Schicksal dürfte, wie in informierten Kreisen erzählt wird, auch die Wiege der Finanzmacht des Präsubeuten Bösel, die „Omnia" H^attbelS-A.'-G. betroffen werden, die wahrscheinlich zur Liquidation schreiten wird. Die Gesellschaft ist eigentlich di« ganze letzte Zeit über nicht mehr als eine leere Hülse gewesen, die auch durch die vor Jahresfrist erfolgte Einbeziehung des alten Exporthauses Robicsek u. Reiß nicht auSgefüllt werden konnte. Im Gegenteil, die Firma wurde zu einet ausgesprochenen Passivpost für die „Omnia"^ da sie mit großen Borkeiegsschulden belastet war, die die „Omnia"l-A.-G. übernehmen mußte. Als dann die Zeit der Kreditnot em» setzte, wurde die Lage der Gesellschaft noch durch Kreditk tt n d i g u n g e n verschärft, die nicht nur seitens ausländischer Geldgeber, sondern auch von viel näher stehen-- der Seite erfolgte. Unter diesen Umständen trägt man sich nun mit der Absicht, die Liquidation der^Omnia" Handels-A>G. durchzufllhren. Eine Entscheidung über diese Frage durfte in der nächsten Zeit erfolgen. Standard SN ko. fordert von Deutschlaud 10 Mionen rast«. Der Standard Oil Eo. hat als Entschädigung^ für die van Mackensen in Rumänien seinerzeit ausgebeutetert Erdöllager dieser amerikanischen Gesellschaft 10 MilUonen Dollar verlangt. In dieser Angelegenheit hat am 16. D. eine Konferenz begonnen. Bis dahin wurden alle amerikanischen Forderungen von deutscher Seite negiert. Man behauptete, das rumänische Heer hätte beim Abzüge die Ausbeute der Erdölbergwerke unmöglich gemacht, so daß die Deutschen auf eigene Kosten alles lhätten restaurieven müssen. Ganz unverhofft hat nun Deutschland während der Londoner Konferenz grundsätzlich die Billigkeit der amerikanischen Forderungen anerkannt, man tat aber den- Gegenvorschlag aus Bezahlung der Hälfte jener Summe. Standard Oil Eo. ließ sich zu einer Konferenz bewegen, an der Vertreter der deutsch-amerikanischen gemischten Kommission sowie Vertreter und juristische Berater -der Sinndard Oil teilnehmen. Sollte die Konferenz nicht zu einer Einigung sichren, so soll ein. vom Präsidenten Coolidgo einb^rufones Schiedsgericht in letzter JllstaUz die Entscheidung fällen. ftrthd* Ersetz' „Geschichte der Zudes kn 3 eleganten Halbleinenbänden der ^Wiener Morgenzeitung", der die Bezugsgebühr für 1 Jahr im voraus bezahlt, erhält WT* || C Ci f S! Hti&et der J-hr-rg-b«hr fi ib für Ders-ndsp-s-n beS .Gr a « tz" noch S. K. 25.ODO 3 u entrichten 3988193519685901