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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-29 · Heft 1990 (29.8.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1990 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Morgenzeituirg. 29. August 1SS4 Nr. HSV " " " .— —. -- ' — . . — . ■«—«JUäAwi ♦ Sie demaknMsche« SpUnisatiouerr und die Fm. — VaWWa als KinKauderuussImid. (Von un''vom Spezial-BerichterstatteL.)' EnÄ Lj «*» t , i; V |,pf* If1 AeWtfÄmftrenz €5ci^ * Wieir. Freitag i--:-- Schutz Organisationen zu schaffen. Sie fühlen sich nicht als-bedrohte Volksgemeinschaft, nicht als schutzbedürftige Minorität. Sie fühlen sich nur als freie "Amerikaner, »n die das politische Iudeuelend nicht he van reichen kann. Wie etwa die Inden in Europa vor dreißig Jahren. Hat der Pöbel im Gerichtssaal Taut genug gebrüllt? Wenn der Skandal beim Mordprctzeß genügt hat, die amerikanischen Juden aus dem gefährlichen Traume von ihrer Unverletzbarkeit wachznrütteln, dann fei er gepriesen. Das amerikanische Judentum ist jnNg, ftäfttg und unverdorben. Als politisch organisierte Macht kann es fürchterlichen Gegnern standhaiten. Wenn es aber die Sturmzeichen nicht zu deuten vermag, wenn eS sie achtlos verklingen läßt/ dann wird es schwerer zu leiden haben, als das jüdische Volk in irgendeinem Erdenwinkel leidet. Denn Amerika ist das Land der Menschen, die im NasseukciMpfe meisterlich dressiert sind. Indianer, Neger und Gelbe wissen ein trauriges Lied davon zu" fingen, wie unterm Sternenbanner Andersrassige behandelt werden. Die amerikanischen Juden könnten von ihnen etwas lernen; und sie sollten es bald tun. __ Lespold i!nö LoeS zum Tods »erurteNt? Das Ende des amerikanischen Sensationsmordprozesses. "AuS Berlin wird unterm 28. d. gemeldet: Nameiner Meldung des „L o k a l a nz e i g e r s" aus Chikago sind die beiden jugendlichen ^näbenmörder Leopold und Loeo;um Tode verurteilt worden. Senry Ford — HroteAor drr K»>Ki«r-M«. Das „vodenständige" Ametikantttnm. (Eigendienst der „Wiener MorgenzeÜnng".) New-Iork, 28. August. Henry Ford erklärte kürzlich in einem Interview, daß die Geheim organisation des Ku-Klux-Klan arg verleumdet werde. D'/:se Gesellschaft wolle lediglich das Wohl des Lundes und arbeite für die Vorherrschaft des b ode n st ö n d i g c ,v .^lmerikanertums. Sie QKriifhieg. Die Beratungen der nUcrparlaincnt arischen Union. Genf, 28. August, Tie Konferenz der interpärlamsnkarischen Union behandelte heute vormittags die Frage der Abrüstung. Ter belgische Abgeordnete van Walleg he n verlangte für die Staatsfabriken dieselbe Ucb.'rwachung wie für die Privaten Betriebe und schlug vor, daß dir Kontrolle des Waffenunb Munitionshandels gleichzeitig von den Negierungon und vom Völkerbund ausgeübt werde. Prof. Quid de (Deutschland) erklärte, man müsse, so lange nicht die totale Ab- MtüNg' erreicht' sei, we.nWens trachtech., die Herstellung von Massen zu unterbinden. Die Versammlung trat sodann in die Besprechung der Frage der entmslitarisrerten Zonen ein. Den Bericht erstattete Unterhausmitglied General Speare, der ausführte, der Grundgedanke bei der Schaffung von Militärischen Zonen sei die Errichtung von natü rl i ch e n Barrieren. Tie Erreichung dieses Zieles würde einen großen Schritt zum internationalen Frieden bedeuten. M ü n ch (TäNenwrk) unterstützt die Bestrebungen d"H Völkerbundes und unterbreitet dem Kongreß eine Resolution, wonach die beste Art,,zu einer wirksamen Abrüstung zu kommen, darin bestünde, daß die Staaten ihre Militärausgaben auf einen Betrag beschränken, der ihre gegenwärtigen gesamten Militärausgaben keinesfalls übersteigt. Amerika Will an der Abrüstungsfrage Mitarbeiten. . Washington, 28. August. (Telegramm der ^Wiener Morgenzeituttg".) Im Staatsdepartement erklärt man, daß dlamerikanische Regierung die Einladung des Völkerbundes, daß eine amerikan ische Delegation in. Genf an der Abfassung einer internationalen Konvention über den Waffen- und Munitionshandel teilnehmen möge, a n n e h m e n wird. Erweiterung der BSiterbundrutes. London, 28. August. Wie der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" erfährt, will Lord PürMöor in Genf einen Plan, betreffend die Erweiterung und Demokratisierung des Völkerbundes einbringen. Nach diesem Plan soll die Zahl der Mitglieder des Bölkevbundrcites von zehn auf sechzehn erhöht werden. Darunter würden Sitze für Deuts ch l a n d und später auch für R u ßland vorgesehen werden. Die Türkei gegen die Behandlung der Mossülsrage vor dem Völkerbund. GeNf, 28. August. Die türkische Regierung hat beim Völkerbu ndfekretartat dagegen Einspruch evhoben, daß die Mossulfrage auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Völkerbundrates gesetzt werde. Sie macht hierbei geltend, daß sie von der Inkraftsetzung des Vertrages von Lausanne noch nicht offiziell unterrichtet worden sei, was die wichtigste Voraussetzung für die Behandlung der M e i n u ng s v e r s ch i e d e n h e i t e n zwischen Türkei und England durch, den Völkerbund bilde. Die im Vertrag vorgesehene Frist für eine direkte Regelung der Angelegenheit zwischen England und der Türkei sei n:c(i: ausgenützt worden; die Türkei sei jedoch im Prinzip bannt einverstanden, daß die Frage der (8 r e uz fe st s c tz u n g zwischen der Türkei und dem Irak ans die Tagesordnung einer späteren Sitzung des Völlevbundrates gesetzt werde. Karlsbad, 27. August. Im Min-.'tpnulte der bisherigen Ver'haMnntzeir sicn:.d die C m i g r a t i o n s f r a g c, welche das Interesse der Konferenz schon wegen ihres besonders aktuellen Charakters stark in Anspruch nimmt. Die Generaldebatte gestaltete sich sehr ausführlich und gab vielen Rednern die Gelegenheit, ihre Anschauungen zu entwickeln. Grünberg (Paris) erklärte, man sollte nicht von unbegrenzten Möglichkeiten Palästinas sprechen, um leine Illusionen zu erwecken. Tie Wichtigkeit Palästinas als EmwandcrungÄland fei groß genüg, man braucht sie nicht noch überschätzen. Wenn es 15.000 bis 20.000 Einwanderer pro Jahr aufnehmen kann, ist es schon das wichtigste Eirrwanderirngslanh v r Welt. Rur überschätzen soll man die Möglichkeiten Nicht, und cs ist besser, wenn die Konferenz diese Frage von rein sachlichen Gesichtspunkten betrachtet. Dr. O l l e n >d o r f (Berlin) fordert die Welthilfskonferenz auf, eine sachliche Beratung der Vertreter derjenigen Onauisatiouen zu veranlassen, die auf dem Gebiete der Emigration tätig sind. TäS erste Thema dieser Beratungen wäre, Hilfe für die 10.000 in bürt Hafen st ä d t e n an gesammelten Flüchtlinge zu finden. Eine längere Rede über die Beziehungen zur Ica hielt Dr. H. Sliosberg (Paris), der erklärte: Ich bin kein Verteidiger der Ica. Ich bin auch vollständig unabhäng von ihr. aber ich habe gesehen, was sie in R u ß I a n d geleistet hat. Die Ica war es, die die jüdische Kooperative in Rußland geschaffen und dadurch das ganze jüdische Leben vor der Revolution konsolidir'rt hat. Auch die landwirtschaftlichen Kolonien in Rußland haben viel Hilfe von der Ica bekommen. Der Redner befürwortete eine Zusammenarbeit mit der Ica. Koordination ist nicht Kapitulation. Wir könnten, mit vereinten Kräften und hauptsächlich mit vereinten Mitteln arbeiten. Rap Pa Port (Paris) erklärte, es könne keine Rede von Kapitulation vor der Ica sein, im Gegenteil, die Tatsache, daß die Ica heute mit demokratischen Organisationen verhandelt, sei eher eine Kapitulation.. Der Vertreter des amerikanisch-jüdischen Kongresses. Dr. Rorh, erklärt, weshalb die jüdische Oefsentlichke'it Ainerikas nicht mit genügender Energie den entgegentzettstm ist. Obwohlldas G'esetzMtM^HVZei^dorbereitet wützde, ist seine Annahme in her gegenwärtigen Form unerwartet gekommen und die jüdischen Kreise hatten keine Möglichkeit Einfluß auszuüben, Was die Länder anbetrifft, in die Emigration gerichtet werden soll, darf sich die jüdische Oefsentlichkeit leinen Illusionen hingeden. In der Praxis sind sie sehr beschränkt und der Hanpiström muß künftighin nach Palästina gehen. Alfred Berger (Arbeitersürsorgeamt, Berlin) weist > darauf hin, daß Frankreich in diesem Augenblick gewisse Möglichkeiten für die Einwanderung jüdischer Arbeiter bietet, daß aber die französisch-jüdischen Organisationen nicht willens sind, diese Möglichkeiten auszunützen. Mae Donald reist Dienstag nach Genf. London, 28. August. (Wolfs.) Premierminister Mac Donald wird Montag früh Schottland verlassen, die Nacht in London verbringen und Dienstag nach Genf abr-nstu, von wo er am 8. September zurükehren dürfte. FranMch-msiische Besyrechimzeri? London, 28. August. „Daily Mail" erfährt, daß in der letzten Zeit in Paris halboffizielle BesPrechnMn mit einem Emissär der Sowjetregierung stattgefunden hätten. Der Delegierte sei über die Ergebnisse seiner Mission in Frankreich sehr befriedigt nach Moskau zurückgekehrt. Tie Besprechungen sollen in den nächsten Tagen durch R akowski fortgesetzt werden und so bald sie geuihgend fortgeschritten sein werden, soll Tschitscherin persönlich in Paris eintreffen, um offizielle Verhandln rwn mH der französischen Regierung zu führen. . . Da» srlmzWM MAmzMWÄ. . Ter heute stattgestmbene Ministerrat hat beschlossen, am 8. Sevtember mit d e r D r o s s e l ir n g bet 31 « § gaben in den verschiedenen Ressorts einzusetzen und dann im Budget pro 1625 unbedingt das Gleichgewicht herznstellcn, Sa» »«-«rische Rstrderasyl. Eine neue Note des deutschen Gesandten. > Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 28. August. Im Laufe der nächsten Woche wird der deutsche Gesandte Graf Weitzel nach seiner Rückst hr nach Budapest der ungarischen Retzicrung .eine ne w Rote in ÄngestgenhAt der Erzbergcr- Mördcr überreichen. Die d e u 1 f ch e n K r i in i n a lbeamten haben ihre Tätigkeit beendet und jind bereits nach Deutischland abgeretst Bogdauowski (Hechaluz, Berlin) wandte sich gegen den Vorwurf, daß den Auswanderern goldene Berge in Pa last i na versprochen würden. Gerade das G ege ut e i l sei der Fall. Jeder einzelne wäre auf die ungeheueren Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, die ihn dort erwarten und nicht genug damit, Nmrde von ihm eine mehrjährige Erprobung im Golns verlangt. Aber wenn man hier stundenlang über Emigration und Immigration spricht, dann darf man doch vor allen Dingen Palästina nicht vergessen. Wir behaupten gar nicht, sagte der-Redner, daß die Möglichkeiten unbeschränkt feien, aber wir dürfen sagen, daß die Grenzen uns nicht von außen aufgezwungen werden,.sondern in uns selbst liegen. Der Präsident der Konferenz, Motzt in. legte hierauf dar, daß vre MAthilstckonferenz überhaupt 'keine Abmachungen mit der Ica getroffen habe, sondern das EMgratiottsdirektorium, also eine Organisation, an.der die Welthilfskonstrenz sehr stark beteiligt ist, aber doch nur mit 26 andern Organisationen. Diese Abmachungen sollten selbsttverstandlich i-M Plenum besprochen werden. Das eine kann heute schon gesagt -werden: Daß die Ica durch diese Abmachungen die Leitung erhält, stimmt nicht. T'.e Abmachu-ngLN sahen eine absolut paritätische Gruub* läge vor. Weiter wies Herr Motzkin darauf hin,, daß ganz ohne zionistische Ideologie, einfach aus der Tatsache heraus, daß man jährlich 16.000 bis 20.000 Einwanderer, also doch einen wesentlichen Teil der Flüchtlinge nach Palästina bringen kann, Interesse für dieses Land in allen jüdischen Kreisen hervorgernfen werden-müßte. Auch L a tz k y betonte, daß zun: ersten Male, so lange sie besteht, die Ica bereit ist, ihre M o n o p o I.ft e llung anszugebcn und auf paritätischer Grundlage 'bei der Jmmigraüonsarbeit mitzuwirken; auch in stezug auf die K o l o n i f a t i o n s a r b e i t sind durch VerharÄ»- lungen schon gewisse Fortschritte erreicht. Die Hauptfrage der Kottfercuz, die Gründung des Weltverbanhes für soziale Hilfe soll einer der nächsten VevbandlungIgegenstände sein. Man rechnet mit einem raschen Schluffe der Tagung. * Die B^nai B'rtth und die Welthilfskottfeeenz» Im Zusantnlenhang mit der Tagung der WvlthilfskonfereUz fand eine geschlossene Festsitzung für'die Mitglieder der B'nai B'tith-Lotzen statt. Hcnchtrctmer waren die in Karlsbad zwecks Teilnahme au der Konferez anwesenden Großmeister der bedeutendsten europäischen Großlogen: der Großmeister für Deutschland Geheimvat T i m e n d o r f f e r, der Großmeister für Oesterreich Professor DA E h r rn a n n, der Großmeister der palästinensischsyrischen Großloge David D e l l i n, der Großmeister für Rumänien Oberrabbiner Dr. Niemirower und der Großmeister von Polen Dr. Adler. Geheim rat Timendorffer betonte -den Geist, der Gleichberechtigung zwischen den Gebenden uud Nehmenden, der in der Konferenz -herrscht. Obervabbiner Dr. Niemirower -machte darauf aufmerksam, daß die Welthilfskonfereuz einen Teil jener großen Arbeit, die die Logen als Ziel verfolgen, erfolgreich leistet und sie darum die warme llnterstützuntz der Logen verdient. MurtwM^wgraHKiiH ui iiiiHn ... iiiiniiiiiiwiii«n«iiii nn uu iiiiwTinii Sa» erste Sstser der 8»Ktt - Prozeffes. Budapest, 28. August. Wie die Blätter nwIveN, erschien Ackerbauminister S z a b o heute mittags bei den: aus der Sommerfrische in Budapest eingetroffenen MinisterpräsidenM Grafen Bethlen Und überreichte ihm s-eine Dewis-sion, die jedoch vmst Atinisterpräsidenten n i ch t a n g e n o m m e n würde- Dev Ackerbauminister erklärte gegenüber einem .ZeitungAberichterst-atter, daß er noch vor der Urteilsfällung über Eskütt Gelegenheit nehmen werde, vor der Oefstntlichkeit die gegen ihn gerichteten Verleumdungen (!) zu widerlegen. Bethlen schützt Szalw. Budapest, 28. August. Minist-er-präsident Gras B e t h l-en veröffentlicht spät abends eine längere Erklärung, in der er aufs wärmste für den Ackerbauminister Szabo-Naghatad eintritt. Er erklärt, er habe die im ZusainnteNhauge Nrit dem Eskütt-Prozeß aügebotene De m iss i o n des Acker'bauministers n i ch t a n g citont tittlt. Die EsEiitt-Affäre sei eine gewöhnliche Strafsache, aus der keine politische Angelegenheit genracht tverden dürfe. Der Ackerbauminister habe sich diese Ausfassuna des Ministerpräsidenten zu eigen gemacht. Kein.LndriendenischlavS". Prag, 26. August. Wie zu erwarten tvar, ist die Re- . gierung dem Drucke der nationaldemokraüschen Partei gewichen und hat den sogenannten Sudeteudeutjchlaud- Erlaß widerrufen, durch den gestattet würde, für daö von Deutschen bewohnte Gebiet der. Tschecho-Slcl vakei das Wort „Sudetendeirtschland" zu gebrauchen. Abgeordneter Lukavsky hatte an die Regierung eine Anfrage gerichtet, die nunmehr beantwortet 'mnrde, daß der Erlaß widerrufen worden sei und die unwrg.'croneten Behörden den Auftraghaben, das Wort „S ud et enden ts-chland" im öffentlichen Druck zu. k -on f i s z i e r e u.

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