Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1987 (26.8.1924)
- Date
- 1924-08-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r )>[ fr tp,'> <_ - ' { „ v ,r .v : .-; < '-'Mi £' ." "* r- ' Nr. 1987 Men, DrenZiag Wiener Morgenzeitung. 26. August 1924 Seite 9 Tie Kampfe in Tkansjordanlen. Herabsetzung der internationalen E Jerusalem, -24. August. (Reuter.) Amtlich wird gemeldet: Die Wahabite-n, die abermals. Transjordanien südlich ‘ von A m m a n angegriffen hahen, sind z u r ü ck g e s ch l a g e n worden und haben auf der Flucht mehrere Hunderte an Toten und Verwundeten iu rückgelassen. Die französischen und englischen Behörden sehen bei der Unterdrückung des Räuberunwesens <nt syrisch - transjordanischen Grenzgebiet e i ndernehmlich vor. Abdankung des Emirs Abdullah? Jerusalem, 25. August. (I. T. A.) Die arabische Zeitung „El Carmel" meldet am 20. d., daß Emir Abdul lah von Transjordanien abgedankt hat. (Eine Bestätigung dieser Mitteilung liegt von keiner anderen Seite vor.) Sie neue arabische Bauernvartei in Palästina. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Die im Mai d. I. in Hebron gegründete arabische Landwirtepartei hat dieser Tage in Jerusalem eine Tagung abgehalten. Die Beratungen nahmen drei Tage in Anspruch. Sahed Shain, Mitglied der Exekutive, forderte in der Eröffnungsrede die arabischen Bauern Palästinas aus, mit den übrigen Einwohnern Palästinas in Frieden zu arbeiten. Die Konferenz nahm die folgenden Resolutionen an: 1. Herausgabe einer landwirtschaftlichen Zeitung in arabischer Sprache; 2. Aufforderung an die anderen agrarischen Parteien in Palästina zur Beteiligung an einem Kongreß zwecks Beratung der gemeinsamen politischen und wirtschaftlichen Arbeit; 3. Die Partei erklärt: sie wolle a) mit allen Einwohnern des Landes in Frieden leben; b) das vom VöÜerbunde auf Großbritannien übertragene Mandat anerkennen; e) im Interesse aller Einwohner, insbesondere der Bauern »ersucht die Partei, daß, die einmal von der Regierung vorgeschlagene legislative Körperschaft einberufen werde, die Vertreter des ganzen Volkes umfasien soll. Die ReligionMmpfe in Fadien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 25. August. Nach einer Meldung aus Kalkutta sind bei einem Zusammenstoß zwischen Mohammedanern und Hindus in Ja minash tani 20 Polizisten und 9 Eingoborne verletzt worden, Die Hindu waren in eine Moschee eingebrochen, in welcher die Mohammedaner gerade ein Fest feierten. Die Polizei war gezwungen, auf die Ruhestörer zu feuern. Numerus clausus an der Krakauer AniverfitA. Aus Krakau wird uns berichtet: .Das .Dekanat -der landwirtschaftlichen Fakultät an der Jag ello irischen Universität zu Krakau hat eine Kundmachung veröfsentlicht, in der es heißt, daß auf Grund des in Kraft befindlichen Numerus clausus diejenigen Personen, welche Aufnahme an der Fakultät finden wollen, bis zum 15. September ihre Maturitätszeugnisse vvrlegen müssen. Erst dann -wird bestimmt werden, welcher von den Aufnahmsbewerbern zugelassen find. (Diese Kundgebung ist umso auffälliger, als offiziell ein Numerus clausus in Polen nicht besteht. Die Red.) Verbilligung der PahgMhren in Wen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 26. August. Wie ihr Korrespondent erfährt, werden in der nächsten Zeit, vielleicht -schon im nächsten Monat, die gegenwärtig geltenden Paßgebühren neu geregelt werden. Es tritt eine Vereinheitlichung und Ermäßigung der jetzt geltenden Paßgebühren ein, und zwar wird ein einheitlicher Gebührensatz-von 10 0 Zloty Geltung haben. Gegenwärtig wird über den neuen Gebührensatz zwischen dem Innenministerium i.*.’o Finanzministerium verhandelt. BervaitmgMderungen in Kroatien. (Eigendienst der „Wiener'Morgenzeitung".) Agram, 26. August. Das hiesige Amtsblatt bringt eine Verordnung, die, obgleich nur formalen Charakters, in der viel umstrittenen Frage der kroatischen Selbstverwaltung einer Konzession an die Idee der Dezentralisation in der Verwaltung glaichkommt. Das Amtsblatt stellt provisorisch die jüngst aufgenommenen Zentralsektionen für innere Angelegenheiten, für den Unterricht, für die Volkswirtschaft und für die Sozialpolitik wieder her mit dem Wirkungskreis, den die Zentralstellen vor der Einführung des neuen Begirkseinteiilungssystems inne hatten. Auch die Provinzialregierung in Agram tritt wieder in ihre Rechte. Als Leiter der Regierung in Agram und als Stellvertreter des Statthalters ist der Chef, der Sektion für innere Angelegenheiten, Dr. Gojkovi c, ausevsch-m. Einige Blätter melden, daß auch in Bosnien wieder eine Art Landesregierung hergestellt werden soll,.ebenso in Laibach für Slowenien. Der König hat ein Dekret unterzeichnet/ womit im ganzen Königreich neue Präfekten ernannt werden. Londbn. '28. August. E f f e 11 c n f u r f c : Oesterreickiische Anleihe 92,91, Tschechische Anleihe 101.-, Prager Anleihe 90.60, Skoda 89,—, Bankverein 8, Äodenkredit 18.16, Central Mining 11.—, General Mining 11,6, Diamonds 17,6, DebeerS 11,376, Rio Tinto 94,60, Royal Dutch 29, Shell 37/,. London. 25. August. SDebHettfAlttfcfutfet New-York 4,48'/„ Paris 83,76. Brüssel 90,60. Wien 318.000, Prag 149.76, Amsterdam 11,67/„ Cbristiania 32,49, Kopenhagen 27.75, Stockholm- 16.87, Zürich 23,98, Finnland 179.50. Nom 101.60, Madrid 33.76, Warschau 23.37, Athen 249.60. Sofia 616. Bukarest 955, Konstantinopel 8,4. Budapest 360.000, Riga 22.40, Paris, 26. August. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Pragobanka 413,—, Credit Lyonais 16,56, Suez 14,280, Platine 832. Dcwrowa 726, Banque Ottomane 817, Central Mining 925, Rio Tinto 28.65, Le Naphta rüste 412. Succeried Egypte 1030. Cautschoues sin 143,60, Chartered 47,76, Debeers ordin. 976,—, Goldfields 81,—, HuanchakaS 341,—, Jägers Fontäin 246.60, Malacca ordin. 167,—, Maltzoff 444.-. Mexican Eagle 77.25. Padanq 373,t-, Rand Fontain 82,26, Randmine 246.—, Silva plana 163,60. Tanganyika 164,50, Tubice wie 611.-, Utah Cevver 1490. Shell 329,-, Royal Dutch 24,300, Burmah —, Bakou 2665. New Porü, 26. August. Effektenbörse. Atchinson 104.76. Baltimore .62'/,. Canadian Pacific 149,60, Cbeasepeacke 84.60, Eari 29//,. Greath Northern 66V^, Milwaukee 64,475, Northern Pacific 16/,',. Union Pacific 143,4.75, Union Steels 108,475, Royal Dutch 43 V8, Southern Pacific 95,476. New-Dorkr, 25. August. (Radio.) Devilenschlußkurser Taggeld—.—, Wechsel auf London 4,4,86. 60 Tage- Wechsel 4.4.75, Paris 6,405, Amsterdam 38,70, Prag 2,995, Berlin 237/s. Sie Konferenr der interparlamentarischen tznion. Die Wünsche der jüdischen Minderheit. Bern, 25. August. (Schweizerische DePescherEgentur.)' Heute vormittags wurde die Vollversammlung der interparlamentarischen Konferenz eröffnet. Zu der Frage der Minderheiten sprachen der Präsident der bulgarischen Gruppe, der gewesene Minister Mol-off, und der serbische Abgeordnete Agachonovic. Für die j ü d i s ch e n Minderheiten sprach N u r e ck (Lettland), der für die Mische Bevölkerung nationale Autonomie, Gleichberechtigung mit den anderen Völkern und Erleichterungen bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft verlangte. Hierauf ergriff der Amerikaner Bur ton das Wort. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß zwischen Frankreich und Deutschland wieder bessere Beziehungen hevgestellt werden. Die Konferenz lehnte hierauf mit -großer -Mehrheit drei Anträge des Schweden Lindhagen ab, darunter einen auf R e v i s i o n d e s V ö l k e r b u n d p a k i e 's -und eine auf Einladung der Vereinigten Staat e n zum Eintritt in -den Völkerbund. Die Konferenz ging hierauf zur Frage der Par l amentarischen/Kontrolle der-AußenPolitik über. Namens der Kommission für Rechtsfragen referierte Professor Schücking, der Vorsitzende der deutschen Gruppe; fein Referat -gipfelte in drei Resolutionen, von denen die wichtigste die Forderung enthält, daß in die Verfassungen aller Städten Bestim-mun--en ausgenommen -werden, d-ie den Abschluß eines jeden G Heimvertrages oder Geheimabkommens untersagen. Le Foyer-(Frankreich) -unterstützte im Namen der französischen Gruppe die Anträge Schückings und trat für ein allgemeines internationales Wahlrecht zur Wahl eines internationalen Parlamentes ein, das allein für internationale Fragen zuständig sein soll, die nicht von den nationalen Parlamenten abhängig sein dürfen. Das englische U-nterhausmitglied Lawrence -unterstützte die Ausführungen Professor Schückings und trat für die Kontrolle der Außenpolitik durch die Parlamente -ein. Bei der Abstimmung wurden die von der Kommission beantragten Resolutionen einmütig genehmigt. Die Fortsetzung der Debatte erfolgt-morgen vormittags. Die Kommission für Abvüstungsfragen hielt -um 6 Uhr abe-nds eine Sitzung ab. Ae Hakenkrenziagung in Weimar. Eine Klage gegen die thüringische Regierung. Berlin, 25. August. (I. T. A.) Der thüringische Reichstagsabgeordnete und frühere Staatsminister August Fröhlich hat wegen der Vorgänge beim Parteitag der Völkischen in Weimar, beim Reichsinnennünister Dr. Jarres die Klage gegen die gegenwärtige thüringische Staatsregierung erhoben, welche die Hakenkreuzbewegung in Thüringen begünstigt. Die thüringischen Regierungsbehörden sind nicht emgeschritten, als beim Deutschen Tag in Weimar Ludendorff und seine Konsorten die Republik verhöhnten. Die paradierenden Hakenkreuzler wurden von den Regierungsorganen geduldet und es wurden vor deren Augen Bürger der Republik mißhandelt. Die Pcirademärschler haben während ihrer „Defilierung" aufreizende antisemitische Lieder gesungen. Das Schreiben Fröhlichs schließt mit der Aufforderung an den Reichsinnenminister, der Reichsverfassung Geltung zu. verschaffen und dementsprechende Maßregeln anzuordnen. Wieder ein jüdischer Friedhof geschändet. Die Schändung jüdischer Friedhöfe nimmt überhand. Auf dem Israelitischen Friedhof in Negensburg Wurden mehrere G r a b st e i n e b e s ch ä d i g t und mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Täter sind nicht ermittelt. (I. T. A.> Berlin, 25. August. Nach Meldungen der. Blätter am Kopenhagen hat der Weltpostkongreß in Stock Holm beschlossen, das internationale Br ie fportum 50 Prozent he rabzn se h e n. Das Transit Porto, das die Länder einander zählen, ist gleichfalls be deutend, in gewissen Fällen bis zu 50 Prozent herab gesetzt worden. Die Aenderungen treten am .4.-Ol tober in Kraft. Vorverhandlungen mit Jugoslawien. Sonntag ist eine jugoslawische Delegation, beste hew aus dem Sektionschef Todorovic, Inspektor Lazar e v i e und zwei Sekretären eingetroffen, um mit der österreichischen Vertretern die V o r b e s p r e ch u n g e r für die H a n d e l s v e r t r a g s v e r h a n -d l u n g e n auf. - zunchmen. Diese Besprechungen, welche von österreichisck^ Seite durch den Gesandten W i l d n e r geführt werden wurden gestern bereits aufgenommen. Gleich nach Beendigung dieser Borbesprechunger werden, wie wir erfahren, die Handelsvertrags. Verhandlungen mit Jugoslawien beginnen die teils in Wien, teils auf dem Semmering geführt wer. den sollen. Die ingoslawischen Vertreter, die bereits nominiert sind, werden bereits in den nächsten Tagen in Wien eintrefsen. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu dev übrigen Nachbarstaaten. Mit dem Beginn der österreichisch-jugoslawischen Handelsvertragsverhandlungen ist ein weiterer Schritt zur Regelung unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu den Nachbarstaaten vorbereitet. Nach den Informationen, welche wir an maßgebender Stelle über den gegenwärtigen Stand der Wirtschaftsb-ezichnngen zu den Nachbarstaaten erhielten, stellen wir diese wie folgt dar: Deutschland. Während des Aufenthaltes des Handelsministers Schürft in Berlin (4. bis 6. März) wurde vereinbart, die Verhandlungen über die Umgestaltung des bestehenden provisorischen Wirts-chaftsübereinkommens in einen Handelsvertrag in nächster Zeit in Wien aufzunehmen. Die Verhandlungen, die am 8. April in Wien begannen, wurden am 1-2. Juli in Prag zu Ende geführt. Es wurde Zusatzantrag zum deutschöste-rreichischen Wirtschaftsabkommen vom 1. September 1920 unterzeichnet. Er enthält eine Anzahl von Bindungen und Zollherabsetzungen im geltenden deutschen Zolltarif und im neuen österreichischen Zolltarif, ferner ein Tierstuchenübereinkommen. Es ist in Aussicht genommen, im Herbste noch einen 'Zusatztarifvertrag abzuschließen. Polen. Beim Besuch des polnischen Handelsministers K i e» d r o n in Wien (Mitte März) wurde vereinbart, das geltende Handelsübereinkommen vom 26. September 1922 demnächst durch Ta r ifve r.e i n& a v u tt<j eit, auszng estaIten. Rumänien. Beim Besuch Dr. Seipels und Dr. Grün» ' bergcrs in Bukarest (3. bis 6. Februar) wurde ein Abkommen über die Meistbegünstigung im Handelsverkehr unterzeichnet. Ts che cho -Slowakei. Am 19. Juli wurde bei den Verhandlungen über den österreichisch-tschechischen Handelsvertrag in Prag in der Mehrzahl der Fragen eine Einigung erzielt, so daß der Vertragsentwurf paraphiert werden konnte. Etwa 50 Positionen wurden offen gelassen, weil ihre endgültige Erledigung noch Erhebungen und Entscheidungen der Regierungen notwendig macht. Die Differenzen betreffen hauptsächlich Textilien, keramische Produkte und Erzeugniffe der Schwer- und Maschinemndustrie. Im Herbst soll de» Vertrag zum Abschluß gelangen. Ungarn. Haudelsvertmgsverhandlungen sind für den Zerbst in Aussicht genommen. Ae BeMe der BmderAnMMen. Zweierlei Auszahlungen am 1. September. Infolge der noch laufenden Durchrechnungen werden sich am 1. September zweierlei Auszahlungen ergeben. Bei jenen Direktionen (Post und Telegraph), bei welchen die vollständige Abrechnung bis 1. September bereits durchführbar fft, enthalt-cn die Zahlungslisten schon die vollen neuen Bezüge auf Grund des Gehaltsgesetzes. Sonst gelangen 178,7 Märzbezüge zur Auszahlung. An Strafverfahren geeen Jr.Brann-Stammfest. Wegen betrügerischer Krida. Auf Grund mehrfacher, bef der Wirtschaftspolizei erstatteter Anzeigen, hat die Staatsanwaltschaft gegen den als Gründer zahlreicher, in der letzten Zeit, zusammengebrochener Aktiengesellschaften bekannten Rechtsanwalt Dr. Rudolf Maria Braun-Stan»mf e st eine Voruntersuchung in der Richtung der b e t r n g e r t« 1 ch e n, eventuell fahrlässigen Krida ringeleitet. Die Nntev'uchnng dürfte einen großen Umsaug anuehmea und sehr lana dauern.