Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1986 (25.8.1924)
- Date
- 1924-08-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Geike 3 Wien, Montag Wiener WoLgenzeilnM. 25. August mi Nr. Äl» «W« [?fv Ui. iS**"’" * ' .-- "'7"... 2 61* ▼u'-CteifctiÄMf;<*U^*»V.v-'\r'1 .yjÄW Sil fr: +«:/; Affe/ LZ £* ■-. >/ 'S E ^apyrixdt Oesterhrld L To. Verlag, Berlin. 7. Fortsetzung.. ' ,Mcrvllm hast dir gezögert, als ich dich fragte, . ob ipgettd ein Fehler gemacht wurde?" fragte er burch Zeichen.- Davga blickte nach der Dur, hinter der Pete sich wusch. ,Meil Pete für eine Viertelstunde ’ verschwand, als wir fertig waren: er will nicht sagen, wo er wirr." Hutchs Gesicht kochte vor Wut. Er wollte in das andere Zimmer stürzen, als -Pete di« Dür öffnete-, und herauskam. Er hatte nur Hosen an, sein roter Leib triefte to£»t' Wasser, die enormen Muskeln waren schlaff. In der Hand hielt er die Fetzen eines farblosen Hemdes. „Hast du mich gerufen?" fragte ihn Hutch.; Pete drehte-sich langsam um: „Du bist wohl verzückt?" brummte 'er. Er schob eine kleine Zinkschüssel zum .Kamin, -goß langscm: etwas Benzin hinein, warf die Hemdfetzen -darauf und strich ein Zündholz an-der Wand an. Hutch betrachtete ihn, sein« Adern schwollen. „Wohin gingst du, als du von Dargan -wegliefft?" drückten fein« Finger aus. Pete warf das brennende Streichholz auf die benzm-- getränkten Fetzen. Er lachte über den Sprung, den Hutch machte, als die Flammen ansbrachen. Das hakbersticktc Gurgelln des wütender: Taubstummen machte keinen Eindruck auf ihn. - „Meine Sache!" -bequomte er sich zu antworten. „Vorsicht du Narr!"-schrie ihm Dargan zu. „Er wird dir das Herz heraus reißen!" '- „PH! Glaubst du?" , murmelte Pete. Er schob die Hand in die Hosentasche uaid drehte sich zu Hutch um; man konnte deutlich den Umriß einer Waffe in feiner Tasche erkennen. „Paß auf, du Orang-Utang, ich habe dir was zu sagen", rief er Hutch zu. „Nachdem wir.mit den: — tont — fertig 'baren, entschlüpfte ich Dargan.' Was ich in der Zeit gemacht habe, geht dich nichts an — noch nicht. Getrunken Hab' ich nicht." Hutchs schnüffelnde Nase wußte das schon. „Aber etwas anderes Hab' ich gemacht. Und laß dir's gesagt sein, Hutch, mach mich nicht wütend; komm mir nicht in die Quere!" . „Was soll das /heißen?" rief Dargan leichenblaß. „Halt's Maul!" murmelte Peie geringschätzig. „Ich tede nicht mit dir. — -Vorsicht!" schrie er, als Hutchs Arme gegen seine Kehle schossen. Die Hand in seiner Tasche zuckte gegen Hutch. und der lange-Affenarm hielt sofort -inne. Pete, - amüsiert, aber ruhig entschlossen, neckte Hutch mit kleinen Bewegungen. Daun aber wurde sein Gesicht Mörderisch. „Guck 'her, du Spinne!" brumutte er. „Du kennst die Menschen genug, mit mir zu glauben, lvas ich sage. Du mußt gewaltig ans meine Gesundheit achtacben, Hutch. Laß mir nichts zustoßen! Ob es nun deine Schuld oder die eines anderen sein wird, tvenn mir etwas geschehen sollte, du und Dargan und die ganze Bande, ihr werdet um die Ecke gehen . . . Da!" Er zog aus seiner Tasche einen flachen -Revolver und warf ihn verächtlich auf den Tisch. Hutch schuappie ihn auf wie-eine Fisch eine Fliege. Pete drehte sich unbekümmert um, schüttete noch -mehr Benzin aus die verlöschende Flamm« und beobachtetes wie die Fetzen. langsam verbrannten. Hutch beugte sich über ihn; sein gekrümmten -Finger erreichten fast Petes Gurgel. Er stieß dumpfe Laute aus. Pete aber schien ihn überhaupt nicht zu beachten. Dargan, der den Sturm sich leger: sah, ging an das zweite Telephon, nannte e-ine Nummer und wartete. Hutch entfernte sich in ohnmächtiger Wut und, in einen Sessel sinkend, preßte er die Hände gegen seinen Schädel. Jemand antwortete am Apparat. ,„H:er Dargan," meldete er sich. „'Hat jemand von euch hier angerufen seit ich wegging?" Er wartete. „Seid ihr sicher?" Pause. „Gut!" Er hing den Hörer an. Der Taubstumme blickte zu Dargan auf, als dieser sich umwehte. Dargan schüttelte den Kopf. „Sie waren's nicht." Untevdessen hatte Pete die Reste des Hemdes zu Asches Verbrannt. Er trug die Schüssel-zum Ausguß,'öffnet«-den Hahn -und'ließ den-starken Wasserstrahl die schwärzliche Brühe hinabschwemmen. Dann warf er sich auf ein Sofa und beobachtete mit schiveren' 2lugen Hutchs glühenden Blick, bis er seine Lider.nicht' mehr offen -halten konnte. Gleich darauf hörte man ihn schnarchen. . Dargan sah, wie Petes nackter-HM einen Sturm von: Versuchung in Hutchs -Fingern-hervorrief, ccher-er wußte, - daß, solange. Hutch sich die/Drohung Petes überlegte, dieser -; Hals uMrsehrt bleiben ÄMe.,' . ,Mnnst . du nichts aus. ihm herausbrivgen.?" schrie Dargan. ängstlich. ' ' L Hutch schüttelte den Kopf.' „Aber ich werde es, - tvelvigsteNs in-drei Tagen,. haUn.—" Auch Dargans aufgepeitschte Nerven erschlafften. Er i ' schlief ein und wimmerte im Schlaf wie ein kleines Kind. Hutch-blieb noch eine Zeitlang sinnend tvach, dann stand er auf und ging in eine Ecke des Zimmers; dort.war eine Art Sättel auf zwe-i Stangen an der Wand'gefestigt. Hutch schwavg sich hinauf, ^fvitt«Beinc umklammerten den Sattel, , er schloß die Augeü/SHn Kopf sank tief herab. Er sah aus wi« ein Tier im Urivald. Ms das Brummen von „Big Pen" Mtternacht . .'verkündete, erlosch langsam das Licht./. C . 7 - Vierttzs.-Kapit.el. . - Es wird Nachtr Da fast niemand .in.. der -Garderobe des. Pica-dilly-- Palastes war, kam Eileen nngchiudert zun: Ausgang/ Der Nebel war unterdessen undurchdringlich geworden. Bor dem Hotel staute sich eine ffesir |Ät von Menschen. Ripse - e-rtöiEn, Befehle; sie hörte deü halberstrickten Schrei einer- Frau.'das Tuten einesi-p^/ '.- ' „Ist hier ein Arzt, in der Nähe? rief jemand. Eileen -hörte dies alles kautn; sie hatte nur den einen Gedanken, nach -Hause/ ihren Vater zu sehen. Sich durch die Menge drängend, erblickte sie den Portier. „Ein Auto", bat sie., . Der Mann schüttelte den Kopf. „Kein Rad 'bewegt sich, gnädiges Ftäulein," sagte , er, „es wird auch-nichts nützen, selbst wenn ich eins bekäme. Warten. Sie lieber, bis sich der Nebel ein wenig lichtet." „Ich kann nicht. Wie-komme ich zum Grosvenor Square?" „Gehen Sie erst mal rechts, aber ich würde es nicht versuchen—" „Tanke", sagte sie und betzämu zu laufen. „Na. wenn Sie absolut g«'hen n:üssen", rief der Portier. „Hier, Page, .'begleite, die Dande." „In dem Nebel?" fragte ber Junge ängstlich. „Du mußt es versuchen, los! Viel Glück, Madam!" Unwillig machte sich der Page mit Eileen auf den Weg. . Naßkalte Schauer schüttelten das junge Mädchen. Zu allem. -Elend reizte sie-der rauchige Nebel zum Husten. Bei jedem Schritt wurde sie angestoßen. Wenn sie in die Nähe einer Laterne-kamen, atmete sie auf, als ob die Lust hier freier wäre. .. , In dieser u-nhenttlichsn Atmosphäre glaubte sie. sich von Schatten -und Gespenstern gejagt, die ihre Vernunft vergebens zu verscheuchen suchte. Eigentlich war nichts geschehen, was ihre Furcht berechtigte, nur ein Augenblick der Einbildung und etwas RätselHaftes in Mälbin's Benehmen. .Ihre müden, überreizten Nerven sehnten sich nach Gewißheit, nach -den: Anblick ihres -.Vaters, nach seinem Lachen. Wann wird sie endlich nach Hause kommen? Ueber eine Stunde 'war' vergangen, aber Eileen /hatte allen Sinn ftir Zeit und WiMchkeit verloren, als sievor. ihrer 'Tür anlaug-te. Sie gab den: Jungen Geld und schickte ihn zurück.-Zitternd versuchte sic die . Tür zu öffnen, der Schlüssel entfiel ihr. Ein -letzter Aufivand von Selbstbeherrschung verhinderte sie, um Hilfe zu rufen. Tastend-fand sie endlich den Schlüssel wiÄ>er und; trat in den Flur. Erschöpft-sank sie in einen Stuhl und bemühte sich, ihre Gedanken zu sammeln. Sie wollte sich erheben, aber ihre Füße trugen sienicht. „Naida!" rief sie, -beinahe weinend. Einige Augenblicke blieb .es still/-dann öffnete sich eine j Tür/Aus dem Treppenabsatz erschien eine -schtapike Frau; - FMche;.Wßten sie'.utcheinrtich siMn. Ihr Msicht war bis - zu den-Äugen von einem -entzanftegenden, rotseidenen Schal . verhüllt, der die häßlichen braunen Flecken auf ihrer .Haut verbergen sollte. Ihre großen, schwarten, leuchjtmrdewM«geN -waren undurchdringW'.:' „Naida^- -ist- Bahrr-M-HNufe?"..M W««..! ,Mar er mcht----Msi,^^McmW«»?" „Oh. Narda!"^Ä«ts'-Mädchen gegen. Sie schlvntz die Arme um sie.''' - ' l „Du zitterst, -Meen/l - - . ,.r -. Mleen schloß di« Augen,- wartet«.und versuchte gft Fächeln. .. A. ./" . /.’ 7 - .7:. i Mein erster - schwerer Nebel,"' lachte M nervös, ,MUÄ ^Bater ist drm:ßen." .' l-. Naida nahm ihr Hut, und Mantel ab, führte isie in ei» uäh-egelegenes' .Zimmer nüd bettete^sie auf^evn/Sdfa.' „Ich ivelß wW über' deinen -Pater, aber wir' werden -wohl jeden AugeMick'von Hm hören;" sagte sie, ,Ms -hat dich so aufgeregt?"'; , . . Di« Kälte in ihrem Don konnte man -für Mangel,<at „Oh, es sind nur die dummen Nerven," sagte EUeen, ihre Sinne ansmerksamaus die Haustür gerichtet, D alles so neu und-Msregend. Ich bin,-glaube ich, Wchtz gmz - ich selbst heute —" .. Die Ha.ustürglocke' läutete' lang und unWüWWch. M-een war ausoesprnngen nnd^^-wMe -ihirrMevrermim)'-^ Naida hielt sie zurück..- . „Laß Mary öffnen",-.sagte sie.; . , -:,; -; ", „Ich kann, nicht warten", ..flüsterte.Meer». . -; ,Meib nur -hier, Ich werde' hinnnieDgehen. Wahvschei«» lich ist es dein- Vater, und es täte mir leid,'wenn er sähe, wie sehr sc ine ■ Abwesenheit dich aufgeregt hat." Mt Spannung horchte Eileen. Anten wurde die Dstre geöffnet, Stimmen ertönten; -«der kante Schrei deS-Mädchens, cm Schreckmsvnf Midas, .das Schlürfen vieler Mtzv, Eileen lief zur Treppe und starrte hinunter. Man schleppte einen in Decken gehüllten Körper>-herein. „Naida — Vater!" schrie Eileen auf, «die Treppe hMübstürzend. Naida fing sie aus. , „Sieh nicht hin," sagte sie leise. Eileen riß sich lös; sie packte einen riesigen PokWbeO am Arm. - Jst's mein Vater?" fragte sie. „Ich fürchte,-Fräulein", anwortete er niedevgefchlatzen. „Mein Vater!" schrie sie. . „Dennis, sprechen hoch!" .. ,"' ' / Der Chauffeur war m den Flur getreten-Mn' ^var verbunden. ' Fräulein Eileen, es war — es war- Sie's ihr, Wachtmeister.", Cr tamnelte vor Schwäche. Man trug-den leblosen Körper in .iden Sakon. Rur deni vereinten Kräften Naidäs und des Polizisten gelang es, Eileen fesizuhalteu: man versperrte ihr den Weg., „Ein schreckliches Unglück ist geschehen, Fvwnlein", iß«* gann der Polizist. „Ist er tot? schvi« Eileen. ' „Ein Verrückter fuhr im Nebel in den Wagen Ihres Vaters — die Fenster wurden zertrümmert — lirmr fand' Ihren Vater —" - „Ermordet!" wimmerte EAeen. „Aber Eileen", sagte Naida. „Es war ein Unglück, Fräulein", fuhr der Polizist fort. „Soviel wir wissen, Fahrlässigkeit. Der andere Wagen verschwand .. - '' „Ermordet!" jammerte Eileeu. / ' . „Was sagst du?" svagte ftwida.- Eileen packte, sie. '„Ich jhabe seine Stimme gehört ich Hörte das Zerbrechen-der Scheiben — „Sie ermovdet, die Feinde",, rief er.^. . Naida.schüttelte sie. „Wo -^hast du das ffragte sie. - 7 - ' „In einem Raum, in 'dem niemand war, neben 'dom Bureau in Picadilly." ' Eileen tanmeLt-e. ' . . - : „Wann? Um--wieviel Uhr? .Sag!" schrie. Naida. . ' ' „Wie du telephoniert 'Haft — gleich nachher —" , (Fortsetzung folgt.)