Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1986 (25.8.1924)
- Date
- 1924-08-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wirw* ' E? .v ',' :rijr Wien, Montag Wlerreir Morgenzeitung. 26. AuWst 1924 r\ Seite 3 Won Zeit;u Zrit. Im AlxrMndlrrbundr war Dir Sanirrüng im besten Zuge: Es bleibt der Vravv MMN M Narr» Der andre wird schnell mrschugsr. Da Hai man des Mrdtrs neuen Preis Errechnet mit grvtzer Mühe. (Vs ist für soviel Arbeit und Schweitz Direkt eine ,Mrstr"!) . Es steigt natürlich alles gleich: Senf, Fleisch, Spagat, hors d'oeuvrr, Das alles kommt in Oesterreich Vom Laisersrmmrlmanöver« Der Legen schadet der Saison Auch noch äüf alle Fälle. Man sitzt jetzt auf dem Trockenen schon Und schwimmt in der Teuerungswelle. Trotzdem: es kommt dir neue Zeit, Der Zimmer man Wirdes drechseln; Jüngst war schon rin Thauffrur bereit» Bei Nachttax' Geld yx wechseln! And nimmt das Maul voll aus dem Ein H skeukreusterfatzkr: Mir rrigen auf unsere Helden gleich, Auf un sr r r Mutz und M a tz K r. Der Tag ist nicht mehr sommerlich. Es reifen die Kastanien: Dir Gläubiger versammeln sich In Zis- und Transpleirhanien. ' AU. ir ~ Alles fällt. Ein Banldirettor, der durch seinen schönen Schnurroart. bekannt ist, kommt eines Tages ganz glattrasiert auf die Börse. \ „Was ist?" ruft ihm ein Bekannter zu. „Auf einen Schnurrbart tragt es auch nicht mehr?" Ausgerechnet. Der kleine Moritz hat vom Vater einen Radioapparat bekommen und ist einige Tage lang „brav". Eine Woche später kommt der Vater nach Hause und findet das Haus in größter Aufregung. Die Mutter ist verzweifelt. Der hoffnungsvolle Sprößnng sitzt beim Radioapparat und brüllt aus Leibeskräften. „iirkr Gottes willen, was ist geschehen?" fragt besorgt das Familienoberhaupt. Niemand antwortet. Dann sagt die Mutter: „Er will keinen Radioapparat mehr, er möcht' einen knzianblBen aus dem Salzkammergut.?! Alfred Rot tau scher, der Dichter . der sLilverzeit im Waidemiemsater a-ufgefÄhrten Stomöidlv ,DaS Miferveich Guyana", bat im Derlag Karl Step he nso n (LvWgMieni eine G das Gewastd eiweS lustigen RoüvanS gektewete MMus-chiMvung ,/Zepp Hölzl aus - den Alben" aus dem GaWcnmnevgnl erscheinen^ lassen. Gr ergänzt sie durch einen Anhang, eine Sammlung vo« LasefÄchten aus Sal^ammergutMitungen. Wir lasten hier einige folgen: Mtev .Mgcmte PinWmevin" erliegt hier Bvief. Sofort ibcheben. » '. Zitherd-irtuosin konzer-Oevt vor distinguierten Pevsönttch-- Leiterr, Unter «Lyra SW" an die Bevwattung. : ■■ Jene Dame in Rot, welche sich am Saanstchtz am Kai bemerken Wtz, wich um hötteveS LKenSWchen Mter ,Mein liM Dunlkel IM" an die BerwaltMdg echtcht. Warlnu ng! Warnen hiernrit Herrn Wilhelm Hintecherger, der sich am Dchntag bei einer Feier sehr vewvtM aufführte und sich bcloidigeud äußerte, Drohungen ausstieß, ferner sich als Visenbcchnbcdiensteter aus-gakb, uns SünstiMn in keiner WeSse mehr zu LslLstitzen, da sonst ohne Rücksicht gerichtliche Schritte eingeleitet werden. Famien Kraus und Stübel. * Bezüglich der Annonce Mm 18. d. mache ich aufmevksam, daß weder ich noch meine Frau oder Tochter Luise bei einem Einbruch oder Diebstahl in irgend einer Weise beteiligt waren, Genannte sind nur wegen bedenWichem Ankauf in Untersuchung. Josef.Borger, REDAKTION Die Hvkerrkreitzhetze in Baden. r / Verehrliche Redaktion! Die Nachricht, die Sie über die Hakemreuzlevexzesse in Batzen veröffentlicht haben, hat, wie ich mich überzeugen konnte, in weiteren jüdischen Kressen'die lebhafteste Empörung hervorgerufen. Es ist wohl einzig dastehend und für unsere österreichischen Zustände charakteristisch, daß man in einem Vom Büchermarkt. .Ein Herr ersucht einen Bekannten, den Besitzer einer großen Bibliothek ,ihm ein Buch zu borgen Der sagt ihm darauf: „Lieber Freund, find Sie nicht böse, aber Bücher i bqrge ich prinzipiell nicht. Ausgeborgte Bücher pflegt man nie zurüüzugeben. Schauen Sie sich meine Bibliothek an, das sind lauter ausgehorgte Bücher." 7. ' , Erste Hilfe. Ein Mann steckt an einer kleinen Station seinen Kopf zur Tsir des Coupes herein. „Hat jemand etwas' Kognak? Nebenan ist eine Frau ohnmächtig geworden." Man reicht ihm eine Flasche. Er setzt an und tut einen herzhaften Schluck. „Danke," sagt er, sie zurückgebend, „mir war ganz elend geworden bei dem Anblick." Abgekürztes Verfahren. Ein Mann aus dem Osten fährt nach Amerika. Unterwegs überfällt das Schiff ein furchtbarer. Sturm und greift auch auf die Passagiere über, die auch zu^ schaukeln beginnen. Da kommt der Steward mit einer Platte Sandwichs und bietet unserem Reisenden an. « „O ja, ich möchte schon", sagte er, „aber schmeißen S i e's gleich ins Wasser." Prinzipien / Ein Wiener Mädchenpensiönat geht im Stadtpark spazieren. Die Mädchen kommen auch zu den Störchen und beginnen versteckt zu kichern. Dies sieht die begleitende Pensionsmutter und ruft streng: „Und es ist doch so." Sprachkenntnisse. :: Eine Damengesellschaft bewundert auf einem Ausflug die Schönheit einer Bergwiefe. Eine der Damen, die schon genug hat, sagt: „Allons nous en marche." Daraus Frau v. P., welche auch dabei war: „Natürlich, setzen wir uns ein bisserl!" , Brleftafte«. Susak: Einiges angenommen. — S. K., Jägerstraße: DiHmMMM. JzhW; Leider nicht geeignet. — Jakra (GleichMED HoffentlH. 'Wird Ihre Stimme bald wieder vernehmbar fein. Rizinusöl ist nicht das Richtige. •— BaruS: Sie werden stch schon wieder Man gewöhnen. Honorarnote folgt. — Riki, Winrmerl, Robert, Ribisel» Xantippe, Powidl, Miesmacher, Dalles 20, Mohnstrietzel: Ungeeignet. Verwendbare Beiträge .werden honoriert. reichs und der übrigen in Betracht kommenden Länder aufgc« führt werde. Eine solche großziigige Propaganda. die viel star« ker wirkt, als das ges-pröchene Wott; welches vMach auf Mrtz^ trauen stößt, wäre sicherlich geeignet, dem jüdischen Palästinawerk, das chne Zweifel großer Mittel bedarf. neue Freunde Und Anhänger zu gewinnen. Es drängt mich, Ihnen diese Zerlen zu schreiben, für deren Veröffentlichung ich Ihnen verbunden wäre. < Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Moriz K. . >ebr stanzen für die Angelegenheit den Ausdruck billigen BÄ>auerns übrig haben werden; aber ich meine, das allein kann nicht genügen, um den Unmut der jüdischen Badegäste zu beschwichtigen, die ihr gutes Geld nach Baden tragen, um sich zum Schluffe noch an jeder Straßenecke in nicht mißzuverstchender Weise zum Verlassen Badens aufgefordert zu sehen. In einem solchen Falle nvuß man die Kurverwaltung für alle die Juden verunglimpfenden Vorfälle voll verantwortlich machen. Die Stadt Baden ist in erster Reihe Kurort. Diesem Umstand müßte insoferne von vornherein Rechnung getragen werden, daß Kurverwaltung und städtssche Instanzen derart zusamme'twirkcn, falls;%> nicht identisch lind, dos; jeglich"- Bcrbalattentat auf einen bestimmten Teil der Kurgäste hintatigehalten werden kann. Dies Ware in dem von Ihnen gebrandmarkten Falle umso leichter möglich gewesen, als die in Rede stehenden Plakate eine Beschimpfung darstellen, welche eine Behörde auch in Orten, die keinen Anspruch darauf erheben, internationale Kurorte zu sein, nicht dulden dürfte. Ich glMbe, es wäre gut, an den B ü r g e r m e i st e r von Baden in aller Oeffentlichkeit folgende Fragen zu richten: 1. Was gedenkt er jit veranlassen, um eine Wiederholung solcher Vorgänge zu vermeiden? 2. Ist er bereit. naMens der Stadwertretung oder Kurverwaltung eine EMärung zu veröffentlichen, welche jene Exzesse mißbilligt um die Stellung Badens zu den jüdischen Kurgästen offiziell fest legt? Schr bedauerlich ist das Vechalten der Wiener Presse, welche zu solchen Dingen in vielen Fällen schweigt und damit einen Teil der Verantwortung für die Fortdauer dieser Zustände auf sich lädt. Es täte einmal wirklich not, durch eine organisierte korporative jüdisch« Aktion ein Exompel zu staituieren und damit zu demonstrieren, daß sich.Juden ihrer »Würde bewllßt sind und nirgends hingehen, wo man Wohl gern ihr Geld, nicht aber sie selost sicht. Ergebenst _ Med. Dr. R. F. Die Paläftinapropaganda im Bilde. Sehr geehrter Herr Redakteur! Vor einigen Tagen hatt« ich Gelegenheit, in einem öfterreichischen Kurort dec AuMhrung eines jüdischen Palästrnafilms beizuwohnen, dessen Anblick auf mich einen überaus starken Eindruck machte. Ich hätte , nicht gedacht, daß das Werk der Mischen Initiative in Palästina schon solche Resultate gezeitigt hat und muß bekennen, daß ich freudig überrascht war, dieses neue Leoben kennen zu lernen und zu.sehen, wre eifrig und unverdrossen jene Chaluzim an der Arbeit sind, um wüstes Land in fruchtbare Siedlungen zu verwandeln, und das Land unserer Vater wieder Mssch zu machen. Ich habe beobachtet, daß cs allen anderen Besuchern dieser Vorführung genau so erging wie mir und hörte von allen Seiten nur Worte der Anerkennung und des Lobes für dieses wunderbare Werk. Ich bin, wie ich gestchen muß. der zionistischen Bsweaung brsher ganz ferne gestanden; unter dem Eindruck des Gesehenen fühle rch mich aber gedrängt, mich der jüdischen Sache mehr zu nähern als bisher. Ich glaube, daß solche . Filme geeiMt wären, äüch iiP. skampfe- Men atzstjüdische Vövnrterle M wirffänntes Mittsb verwendet ^n-Widen um niöchte die ' MrregM. 'n, daß man'solche'MmL möglichst oft und übeiäll Juden" > Nichijüden — iü erster ReM aber natürlich den Inden ut.c Unterschied ihrer Gesinnung — zugänglich mache. Vielleicht ließe es sich organisieren, daß dieser Säte oder ähnliche jn j'öder größeren ProvinzgemeiM O-Mri Dos Bertnmm des Aurlaudes. Darüber herrscht, vom GeneraUommissär ange« fangen bis zu den kleinsten Exponenten der österreichischen Wirtschaft, Einstimmigkeit: Uns fehlt das Vertrauen des Auslandes. Verschieden find nur die Ansichten darüber. Mas unter dem Vertrauen des Auslandes zu verstehen ist und wie es die österreichische Wirtschaft wieder gewinnen kann. Es ist bekannt, daß die Gelder, welche daS Ausland in die österreichische Wirtschaft steckte, zurückgeZogen, daß ausländische Kredite, die Banken und Industrie eintzeräumt worden waren, gekündigt wurden, und es ist bekannt, daß es gegenwärtig für uns schwer ist, ausländische Gelder heranzuziehen. Die Ursache wird gern darin gesehen, daß die AnlaZeMöglichkeiten für das ausländische Kapital bei uns zu wenig rentabel sirw und insbesondere, daß die Frankenschlacht uns schweren Schaden zugefügt habe. All dies ist nur teilweise richtig. Denn es hat schon eine Anzahl von Ländern gegeben, in denen Spekulationskrisen eintraten, ohne daß dadurch das Vertrauen der übrigen Kapitalswelt erschüttert worden wäre. (Man denke etwa an die vor ein paar Jahren^ in Holland hereingebrochene Markspekulationskrise.) Die Ursache des schwindenden Vertrauens zur österreichischen Wirtschaft im Auslande hängt mit der Frankenkrise nur insoferne zusammen, als gerade dieses Ereignis dem Auslande besonders deutlich die unreelle FuMerung unserer Wirtschaft zeigte. Es wurde nämlich in Oesterreich nicht bloß mit überschüssigen, sondern auch mit den zur P r o d u ktion bestimmten Kapitalien spekuliert, d. h. gespielt oder hasardiert. - Die Wirtschaftsmethoden in Oesterreich sind nämlich heute gänzlich unnatürlich. Statt daß die den Wirtschaftsausbau bestimmenden Faktoren sich angesichts der Verengung der Absatzmöglichkeiten auf die Gewinnung neuer Absatzmärkte durch Verbesserung und Intensivierung der Produktton, durch stärkere Einstellung aus den Weltmarkt verlegen würden, sind die Wirtschafts- Methoden geradezu unproduktiv. Die großen Gewinne der Inflationszeit sind vorüber und die österreichische Wirtschaft hat sich darauf verlegt, da so große Gewinne nicht mehr zu erzielen sind, auf eine neue Konjunktur zu warten und inzwischen, statt ihre Konkurrenzfähigkeit zu heben, die Hände in dm Schoß zu legen und mit den ihr zur Verfügung stehenden Kapitalien auf andere Weise, wie etwa durch Börsenfpiel, mühelose Gewinne zu erzielen. Diese Methode ist weit entfernt davon, den Anspruch auf produktive Arbeit zu erheben, und diese geringe Tendenz zur produktiven Arbeit ist es in erster Linie, welche uns um das Vertrauen des Auslandes gebracht hat. Für diese Lässigkeit der wirtschaMchon Arbeit in Oesterreich gibt es vielleicht eine EntschuWigung, nämlich die, daß von Staats wegen nichts getan wird, um produktiver Arbeitstendenz entgegenzukommen. Industrie- und Handelswelt seufzen unter einem drückend, hohen Zinsfuß; der Diskontsatz der Nationalbank wird Monat um Monat erhöht (er soll in absehbarer Zeit weiter erhöht werden) und es geschieht nichts, um für Handel und Industrie Kredite zu halbwegs erschwinglichen Zinssätzen zu ermöglichen. Auf den Unternehmer in Handel und Industrie werdm schwere Steuern gewälzt, welche durch die sogenannten sozialen Errungenschaften bedingt sind. Auch sie bilden ein Hemmnis für die Intensivierung der Produktion. Dabei nützm die besten sozialen Errungenschaften nichts, wenn Industrie und Handel stagnieren und im Gefolge solcher Stagnation naturgeinäß immer mehr Elemmte aus dem Beamten- und Arbeiterstande arbeitslos werden. Bedenkt man noch, daß Warenumsatzsteuern, verfehlte Zollpolitik, die bloß auf fiskalische Interessen gerichtet ist, einer Intensivierung der Produktion abträglich sind, so kann man begreifen, daß der natürliche Hang zur unproduktiven Arbeit, zur Bastelei oder zu in leichten Geldverdienen, der seit je in Oesterreich und besonders in Wien stark ist, genährt wird und Wirtschaftsmethoden bei uns emreißen, deren Unnatürlichkeit uns in den Augen des Auslandes als unernst und daher wenig vertrauenswürdig erscheinen lassen muß. Die Vertrauenskrise, welche Oeftevreich durchzumachen hat, ist nicht durch einen Einzelfall hevvorgerufen und kann auch nicht durch Beseitigung der Folgen eines Emzelfalles, nicht durch eine' Geldinstitutszentrale und nicht durch' StützungZaktionen für ein ungesundes Bankwesen behoben werden, sondern nur dadurch, daß in Oesterreich die Disposition zu produktiver Arbeit geweckt und. gefördert wird.