Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1985 (24.8.1924)
- Date
- 1924-08-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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MiMii.w,)^'1 ' I ' J IHIUUJI m . ,.n-jij t.i. Pl n I'HIIJI "I| um.. " " ».W. MWU»! ^u>., ^»MWNMWWI. , . 1 ., .... ■■■•'"» Kr. 1905 Wien, Sonnlatz __ ' Und 6le Kavf- oder Handarbeiter? Verwenden Sie nur dett echten „Diana"-Franzbramitwein zu Abreibungen und zur Körperpflege. m Die Erzählung im zweiten Kapitel des Exodus erkmere an eine bekannte, auch von P'lutarch erwähnte ajgyptische Legende, nach welcher Nephths, die Gemahlin des Tyhon (ünfmchkbares Meer) ihr mit Osiris gezeugtes Kind ausgesetzt hat. Isis, die als Tochter des Ke'b (Evdgatt, BmÄer und Gemahl der - Himmelsgöttm Nut) den Titel einer. Prinzessin führt, hat es aufgefunden u-nd als Sohn (mes, mose) annchmen wollen. In Verbindung mit der mißverstandenen Stelle der vorliegenden Inschrift Mte diese Legende das Material für Exodus 2. ' Dolter nimmt an, daß die Laulust'vge Königin Hatsche- Mt zur Beförderung des Berglbanes auf Kupfer, Türkis und Malachit am Sinai sowie zur Besorgung des Transports der gewonnenen Schätze nach Aegypten die Hebräer aus Gosen an den Sinai verpflanzt hat. An Stelle des Auszuges aus Aegypten setzt Böller den Wegzug der Hebräer vom Sinai unter Amen- .hotep dem Zweiten. Nach dem Tode des strengen und starken Dhutmoses dem Dritten, als die syrischen Städte und Obevnublien das ägyptische Joch abzuschütteln versuchten) sähen, auch die Hebräer eine Möglichst, dem' SklaverMben am . Sinai, zumal dem entsetzlichen Frondienst in den Minen daselbst, zu entrinnen. So sind sie, Vielleicht von anderen Einheimischen, besonders den Kenitevn begleitet, nach Kades gezogen . . . . Wolter will in den Inschriften eine Stütze feiner früher geäußerten Hypothelse sehen, wonach der flvaeWsche Gott des Sinai identisch sei urit dem ägyptischen Sopd oder Schn oder Sapdai (-Schaddai), der in Gosen im alten Pi-Söpd, sowie im Minengeibiet des Sinai, speziell im Ternpel auf Serabit el Khädem neben der HaSbor verehrt wurde. So schröibt auch Völler ebenso wie Grimme, wenn auch in anderer Deutung dieser Sinaiiuschrift. große historische .Bedeutung zu. Nach diesem ist sie der wertvollste außerbMische. Beweis für. die biblische Tradition. Nach jenem der Schlüssel zu der mißverständlichen Deutung, die aus dem Steinmeister und TempeHauptmann, dem Ägyptischen Beamten Menassae am Sinai, den religiösen Heros und großen Propheten Mose gemacht haben soll. Die Erläuterungen und gründlichen Darlegungen Böllers bestechen durch die strenge Tlbweifung aller nicht ganz gesicherten Annahmen. Nichtsdestoweniger scheint in der Frage der geschichtlichen Bedeutung der Smäirnschvif- 'ten Mch lange nicht das letzte Wort gesprochen zu sein. Wird es überhaupt gesprochen, werden können? Dr. ,M. Rosenfeld. . In der „Baseler Nationalzeitung" schreibt O. E. Sntter: Die Zoologische Gesellschaft Londons hat im schönen Vergärten des Regent Parks , ein neues Aquarinni einrichten lassen. Freund N. K. riet dringend, jenem einen Besuch abzustatten. Wir ließen es uns gesagt sein und wollten eine Stünde, die Museen, die anspruchsvolle „Wembley", Verabredungen frei geben würden, dem Bassin der Meeresbewohner widmen. Es war zwei Uhr nachmittags, lals wir kamen und — sieben abends, da wir gingen. Die Seepferdchen feiectcit ein Fest. Ein Fest der Mwegulngskünste und der Farben. Ein. Fest,. das ich me ver-. gessen werde. Wir standen vor den bLairken Scheiben, hinter denen ungezählte Seepferdchen ihre Künste, erprobten. Solch ein Seepferdchen ist. eine der kühnsten und entzückendsten Schöpfungen der Natur. In niedliche Schildchen eingeschalt, Übt es sein Können voll. Elastizität und Munterkeit. Der Kopf ist der eines Rößleins, in ritterliche Panzerung gesteckt, so etwa wie mcm's von Schachfiguren kennt. Das Körperchen, nach vorn selbstbewußt ausgebuchtet, endet in einem dünnen Schwanz aus kleinen Gliedmaßen, die gelenkartig ineinander stecken. Mit diesem Schwanz wird das Hippoeampus zum unerreicht geschickten Equilibristen. Mit chm hält es sich elegant an den Stengeln der Algen. Noch graziöser schlingt ein Tierchen sich um das andere. Das ist eine Verbindung von wahrhaft bestrickender Anmut. Natürlichster Liebreiz, wie wenn floh tanzende Kinder sich die Hände reichen! Dame löst sich ein Ring von zwei, drei, vier der schuppigen Gesellchen und senkrecht steigt schaukelnd der Reigen empor, irgendwo an anderer Meerpflanze sich änklammecnd. Das Spiel der Seepferdchen erschien in den Stunden, in denen wir ihren Kapriolen folgten, von befouders inniger Hingabe an Bewegung und Rhychmik. Die Sonne trgf golden von oben her das Wasser. Perlmutterfarben schillerten Kopf und Brust der Panzerung der auf- und absteigenden, irgendwie an Formen paläontologischer Funde oder an heraldische Gebilde erinnernden Lebewesen. Um sie prickelte das Wasser in funkelnden Wirbeln. Lebensfreude durchpulste die fröhlich sich bewegenden Seepferdchen. Uebermütige Lebensfreude! ' Sicher hatten wir uns zu einem „Fest der Seepferdchen^ eingefunden. Wie oft erweist sich Zufall als fteund- Üchster Lenker unserer Entschließungen. Und selbst wenn sie kein Fest gefeiert haben, die niedliche», geschwungenen und schwingenden Meergeschöpfe an jenem Nachmittag, der uns vor ihrem Bassin wie eine kurze halbe Stunde verstriche — vns wack durch, sie ein Fest ohnegleichen bereite/« Wiener *r*> xvsrte 20.000 Studenten all» den ruffWen HnwerMen «Mchen Intelligenz nach SiKrien verschickt. - .Aus Warschau wird.uns geschrieben: Ihr -Kop! respon-deni hatte Gelegenheit, mit soeben aus Rußland, geflüchteten russischen Studenten zu sprechen, die von der - Moskaue r medizinischen Fakultät ausgeschlossen wurden.. Die Studenten erzählen,- daß die Sowjetbchörden in letzter Zeit auf Grund eines Beschlusses der kommunistischen Partei eine Revision der Zusammensetzung der studierenden Jugend vorgenommen halben. Zu diesem Zwecke wurden vom VMskommissariat für Mdungswesen spezielle Kontrollkommissionen eingesetzt. Offiziell wurde verlautet, daß. die Kommission nur die akademischen Oualifikat.i one n der Studenten zu untersuchen haben. In der Tat aber wurde von den Kommissionen die politische Gesinnung der Studenten geprüft. Bor allem wurden die Studenten überprüft, ob sie kommunistischen Organisationen angelhören. Da aber in der studierenden Jugend in der letzten Zeit keine besonders starken Sympathien für die Kommunisten vorherrschen, qualifizierte die Kommission den größten Teil der Studenten als politisch unverläßlich. Es Me nicht viel gefehlt, und die Kommissionen -hätten eine derart gründliche Säuberung der Universitäten vvrgenommen, daß die Hochschulen hätten gesperrt werden müssen. Um -dem vorzubeugen, verfügte der Vorsitzende des „So-Wnarkom", Rykow, daß jene Studenten, die bis Ende 1925 ihre Studien beendigen, der Kontrolle nicht unterliegen, um auf diese Meise den Hochschülbetrieb halbwegs aufrecht erhalten zu können. Bei den Untersuchungen wurden die Studenten nicht nur auf ihre politische Gesinnung geprüft, sondern man fragte sie, welche Bücher und Zeitungen sie lesen und in welchen Kressen sie verkehren. In Moskau und Leningrad wurden über 20.000 Studenten ausgeschlossen, dar- . - Der größte Teil der Massenslucht ins Ausland. unter über 60 Prozent Juden.' 'Protestversammlungen kamen' mit Ausnahme von Leningrad, wo sämtliche Teilnehmer verhaftet, wurden,' ans Angst vor den Behörden nicht vor. Die Univ ersit ä t s Professoren waren - durchwegs G e g'n e t dieser eigenartigen Reinigung der Hochschulen, konnten aber angesichts des' herrschenden Terrors'nichts unternehmen. Sämtliche Berufungen her ausgeschlossenen Studenten. an. die oberste Koutrollkonmrission ■ blieben sekbstvevständlich unberücksi.ch tigt. . Die Lage der ausgowiesenen Studenten ist umso tragischer, weil ihnen ja auch die den Studenten zukom menden Brotrationen entzogen wurden. Für die Läge der ausgewiesenen Studenten hat sich besonders der italienische Botschafter in Moskau, Graf Manzoni, interessiert, der sich bereit erklärte, einem Teil der ausgewiesenen Studenten die Fortsetzung ihrer Studien an den italienischen Hochschule» zu ermöglichen. In den nächsten Wochen hatten eftilA hundert Studenten auf Rechnung' der italienischen Regierung nach Italien gebracht werden, sollen, aber über Verfügung der Sowjetbehörden wurden die meisten dieser Studenten verhaftet.- Die ausgeschlossenen Studenten werden von den Sowjetbehörden nach Sibirien verschickt, wo sich bereits ein Großteil der russischen Iw t e l l i g e n z befindet; nur einem sehr geringen Teil ge^ lingt es, ins Ausland zu flüchten. Neue Verhaftungen von Chaluzim. Wie aus Riga gemeldet wird, nehmen die Verhaftungen von Chal.uzim durch, die Sowjetbehörden ihren Fortgang. In den, letzten Tagen wurden wieder 300 Cbaluzim verhaftet. Metternichs Beziehungen zum Fndenttrm. Von Dr. Willy Cohn. Der Mann, welcher vor hundert Jahren einige Jahrzehnte .hindurch die Geschicke des alten Oesterreich-Ungarn und darüber hinaus die Europas in seiner Hand hielt, ist in unserer schnellebigen Zeit halb vergessen, und eigentlich mutet uns ja alles, was jenseits des Jahres 1018 gelegen ist, als einer längst vergangenen Zeit angehövig an..Fürst Metternich ist am 15. Mai 1773 in Coblenz geboren und lenkte seit dem 8. Oktober 1809 die Geschicke Oesterreichs, seit 1815 auch die der sogenannten heiligen Allianz. Die Revolution in Wien vom 13. März 1848 richtete sich 'besonders gegen ihn. Er mußte damals aus Oesterreich fliehen, aber 1851 durfte er wieder zuvückkehren. Acht Jahre später ist er dann in hohem Alter gestorben. - So viel einleitend über sein Leben, damit die folgenden Ausführungen, die seine jüdischen Beziehungen beleuchten, besser verstanden werden können. Schon als junger Gesandter hatte er in Frankfurt a. M. Gelegenheit, mit Juden in Verbindung zu treten, und als auf dem Wiener Kongreß 1814-15 auch die Judenfrage behandelt und gelöst!werden sollte, da kam es ihm sehr zugute, daß er schon von früher her mit diesen Dingen Bescheid wußte. Am 26. 'Jänner richtete er an den; k. k. Geschäftsträger in Hamburg, E. L. v. H o efe r, die folgende Note: ,In dem Augenblick, wo die jüdischen Glaubensgenossen eine nach liberalen Grundsätzen berechnete Bestimmung ihrer Verhältnisse von dem hier versammelten Kongreß zu erwarten berechtigt sind, hat es mir nicht gleichgültig sein' können, die Bedrückungen zu erfahren, welche die jüdischen Einwohner in Hamburg, Bremen zu erleiden 'haben. Ich fühle mich um so mehr zur Teilnahme an ihrem Schicksal aufgefordert, als in der österreichischen Monarchie sowie in mehreren arideren Maaten Deutschlands die jüdischen Gemeinden schon längst sich einer den Forderungen der Menschlichkeit, dem Bedürfnis der Zeit und einem väterlichen Regierungssystem angemessenen Behandlung zu erfreuen haben, und der Druck, den die Häuser dieser Nation im Auslande leiden, auf die unter dem schützenden Zepter Oesterreichs lebenden jüdischen Familien der engen, mit jenen bestehenden Handelsverbindungen wegen eine höchst nach-, teilige. Einwirkung haben müßte." Die Verbindung mit Metternich, dessen Interesse für die jüdischen Angelegenheiten man wachzuhalten suchte, wurde besonders .durch den Bankier Leopold Edlen v. Herz ausrecht erhalten. Während der ganzen schwierigen Verhandlungen über die Judenfrage auf dem Wiener Kongreß hat Metternich eine den Juden gegenüber wohlwollende Haltung bewiesen, und er richtete, als man Frankfurt zur freien Madt machte, an diese die Warnung, die sich auf die Rechte der Juden bezog: „Indem sie (die Mächte) dem Senat und der Bürgerschaft die vollkommenste Eintracht und Unparteilichkeit empfehlen, müssen sie auf Erhaltung aller wohlerworbenen Rechte jeder j Klasse von Einwohnern festhalten". An demselben Dag erließ Metternich auch im Interesse der Juden der Hansastädte die folgende Note: „Die ans dem Kongreß allhier versammelten Mächte, auch für-das Wohl -er einzelnenbesorgt, haben beschlossen, daß den jüdischen Glaubensgenossen in den ' deutschen Bundesstaaten - die - a l l gemeinen bürgerlichen Recht e zugesichert werden. Da aber ditz Zeitumstände die völlige Ausführung dieses- Gegenstandes auf dem Kongreß in Wienunmöglich machten, so wurde vorläufig m der Bundesakte bestimmt und festgesetzt, daß auf dem deutschen Bundestag in. Frankfurt ' a. M. in Beratung gezogen werden soll, auf welche Art die allgemeinen bürgerlichen Rechte den isvae>litischen Gemeinden in den verschiedenen Bundesstaaten erhalten werden sollen." \ Me11ernich und Harden.berg glaubten in der endgültigen Formulierung die Rechte der Juden, für die sie eingetreten waren, genügend geschützt zu haben. Jedoch verstand man es später, ohne daß Metternich dafür eine Schuld trifft, sie ihnen durch eine falsche. Interpretation wieder zu schmälern. Man machte nämlich einen Unterschied, ob die Bundesstaaten selb st. den Juden die Freiheiten und Rechte bewilligt haben; oder ob dies in der Zeit der napoleonischen Herrschaft von der damaligen Staatsgewalt geschehen ist. In dem letzteren. Fall glaubte man, daß die Interpretation des Wiener Kongressts nicht bindend wäre. Im Jahve 1818 hatte Metternich noch einmal anläßlich des Aachener Kongresfes Gelegenheit, sich in einem Gutachten über die Judenfrage in Oesterreich zu äußern. Er wies hier darauf hin, daß in der Donaumonarchie das Toleranzedikt Kaiser Josefs des Zweiten weiter in voller Kraft stehe, nur Ungarn der Ausführung eines Teiles von ihm Schwierigkeiten mache. Er schilderte im Anschluß daran, welche Bildungsmöglichkeiten die jüdische Jugend habe und welche Stellung sie im Heer «innehme. Im StaatMenst befänden sich ke^i ne Inden, vielleicht w eil si e s i ch d iese m Berufe nicht widmen, vielleicht auch, weil die, die darnach streben, in den Schoft der Kirche e i n t v e t e n. Schließlich wies er auf gewisse Mißstände hin, diedas Toleranzedikt Josefs des Zweiten im. Gefolge gehabt hat um dann doch zu dem Resultat zu kommen, -daß es im ganzen wohltätig gewirkt habe. Bemerkenswert fft auch, daß Metternich anläßlich des.Tod"s von Heinrich Heine dessen Dichtergröße durchaus gerecht wird, wenn er auch über ihn als Menschen. aus seinem kirchlichen Mandpunkt heraus zu einem abfälligen Urteil kommt. -. '.: . Unter den vielfachen Sorgen, mit denen der Kopf dieses S'taatsnrannes belastet war, der ja in der Hauptsache den Geist seiner Zeit wenig verstand, konnte die Jüdenfrage naturgemäßnur einen geringen Platz beanspruchen. Jnteresiaut wäre es, zu wissen, inwiefern er in ihr nicht nur ein religiöses, sondern auch - ein nationales Problem gesehen hat, da ja in dem bunten alten Oesterreich die Juden mancher Lan-desteile noch -eine geschlossene Einheitbildeten. Hierüber jedoch sind Aoußerungen von ihm nicht bekoun^