Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1984 (23.8.1924)
- Date
- 1924-08-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1“ * 9k. ’tm mm, SamMtz.. ' * Englische ttttb sranzSsische KoriversaUonslurse. Ab September finden in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (Hofburg, Schatzkammevstiege, Michaelertor. Mezzanin) wieder die fremdsprachigen Konversationskurse statt. Einschreibungen im Bureau dortselbst täglich von 9 bis 1 und 3 bis 8 Uhr. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Neindorfgasse 42. - (Entgeltlich.) Vereine. Voüriige nnd Versammlungen. Zionistische Jugendgruppe Leopoldstad t. Heute, '/,8 Uhr abends, Geselligkeitsabend im Landeskomitee, 2. Bez., Taborstraße 20 a. Sonntag Ausflug nach Baden über Mödling, Husarentempel, Anninger. Treffpunkt r Schottentor gegenüber dem Bankverein um 7 Uhr früh. — Zeire - MiSrachi. Morgen Sonntag Ausflug nach MatterSdor f und Sauerbrunw; 7#11 Uhr Misrachi-Meeting in Mattersdorf, nachher Misrachi-Akademie in Sauerbrunn. Abfahrt 6 Uhr 40 Min. früh (Südbahnhof) im reservierten Waggon. Gäste willkommen. — Kulturgruppe der Zionistischen Bezirkssektion Brigittenau, 20. Bez., Karl Meißl-Straße 5. Heute, 4 Uhr, Miedgliederzusammenkunst. Sonntag, 7,2 Uhr, Ausflug, Treffpunkt im Vereinslokal. Montag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr Bibliotheksstunden. — Zionistische Sektion Zwischenbrücken. Heute, 4 Uhr, Vortrag des Herrn Schwertfinger. Gäste herzlichst willkommen. Morgen Sonntag Ausflug nach Vöslau. Treffpunkt 8 Uhr im Caf6 Park, 20. Bez., Allerheiligenplatz 3. — H e ch a l u z. Heute, 7 Uhr abends, im Saale der hebräischen Schule, 15. Bez., Herklotzgasse 21, Plenarversammlung. — ZionistscheBezirkssektion IX teilt mit, daß sie ab 1 5. S e p t e m b e r 1 9 2 4 nachstehende Kurse etablieren wird: 1. Hebräische Kurst für Anfänger und ' "rtgeschrittene, 2. Klavterkurse für Anfänger und Fort- > löiritteue, 3. Handarbeitskurse aller Art für Anfänger und tz ortgeschrittene, 4. Stenographiekurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Für je 10 Anmeldungen wird ein Kurs eröffnet. Anmeldungen mittels Korrespondenzkarte a« Weiner, Wien, 9. Bez., Servitengaffe 13/19. Die Ferienkolonie Weingut-Donauwarte. Die Ferienkolonie in Kahleitbergerdorf hat Mitte August ihren ersten Termin abgeschlossen. Drei im zionistischen Leben bestbekannte Männer, Direktor Kellner vom Jüdischen Realgymnasium, Ministerialrat Weiner und Dr. Leo Gold Hamm er vom Jüdischen Etterverein für den 9. Bezirk, haben hier ein Werk geschaffen, dessen Früchte sich bereits beim Abschluß des ersten Turnusses zeigen, dessen Erfolg nicht nur durch die Würdigung der Presse, sondern vielmehr hauptsächlich durch das Herzweh, mit welchem die vielen Kinder das traute Heim verließen, dokumentiert ist. — Unzählige Schwierigkeiten waren zu üoerwiwden, bis es gelang, oieses karitative Werk zustande zu bringen. Unter der umsichtigen und tatkräftigen Leitung des Ehepaares Retter sowie auch der bekannten Philanthropin Frau Philipp haben 130 Kinder vier Wochen verlebt, tn* ihnen nach ihrer eigenen Versicherung unvergeßlich bleiben werden. Eine kräftige und reichliche Kifft hat dafür gesorgt, daß die Kinder durchschnittlich eine' Gewichtszunahme von 4 bis 5 Kilogramm zu verzeichnen haben. Durch jüdische Spiele und Lieder, von Zeit zu Zeit kleine Feste wurde in unauffälliger, aber um so nndringlicherer Weise das jüdische Gesühl gefestigt. Der rührende Abschied, der brennende Wunsch der Kmder, noch hier Aeiben zu dürfen beweist am besten, daß diesem WeÄ ein volles Gelingen beschienen war. Leider konnte dem Wunsche der Kinder nicht willfahrt werden, da viele Hunderte Kinder darauf warteten, im Monat August unterzukommen. Die beschränkten PlatzverhältnW sowie die großen materiellen Schwierigkeiten gestatten es nicht, alle untevzubringen. Zur Behebung des Defizits, das noch immer besteht, plant der Jüdische Elternverein für den 9. Bezirk für Sonntag den 31. August ein großes Strandfest in der Kuchelau und anschließend em großzügiges Gartenfest im Garten des Heimes und ist dieser Veranstaltung mit Rücksicht auf den wohltätigen Zweck eine rege Beteiligung zu wünschen. Näheres wird noch bekanntgogeben. Biihne und Kunst. kr wird besser. Eine Wiener Opertteubühne gab bekannt, daß sie im Rahmen des Musik- und TlMtersestes das ebenso belebte wie berüchtigte Mveimäderlhans" aufführen werde. Von offiziöser Seite, nämlich von der Leitung des Mu>siknnd The ater festes, wurde geigen die Verbindung dieser Aufführung mit der Wiener KunsMransialtung energisch protestiert, und damit eindeutig gezeigt, daß man nicht mehr gesonnen ist, dem Mißbrauch von Schuberts Musik im Dienste der Operettenindustrie Vorschub zu leisten. Da man die Aufmerksamkeit der OHfeutlichkeit darauf lenkt, daß höchst fragwürdig und kunstwidrig ist, was bisher der Masse gefiel, und überdies dafür sorgt, daß die-Musikhungrigen auch wirklich Schubert' zu hören Wommen, so wird tatsächlich von der Stelle, welcheberufen ist, die Erziehung zur Kunst zu leiten und das Wiener Kunstwerk vor Entstellung und Mißbrauch zu wahren, eine Reinigung des Kunstlebens viersucht. Die Besserung zeigt sich auch in anderen Dingen. Eine andere Wiener OPerietteubühne kündigt nicht bloß die 'bevorstehende Premiere eines Jndustrieproduktes äte vertrusteten Operiettenje-vzeugungsfäbriken an, solidem auch einte Reprise des Johann Straußschen Kunstwerkes ,/Das Spitzentuch der Königin". Und bemerkenswerte Aufmerksamäoit wird einer neuerlichen Dheaiervertrnstung gewidmet. Es Mt sich für diese Vereinigung von drei Theatern (Neue Wiener Bühne, Kammevspiele und Modernes Dhiaater) ein solch Wachsamtes Interesse kund, daß wohl schon durch diese Achtsamkeit ein Mißbrauch des Kunstbetrielbes und mrc Schädigung des Schauspielerberusles hintangehalten erscheint. Es wird 'besser. .1 Busonis letzter Aufsatz. Kurz vor, [eincnit Tode hat Fermccio Büsoni einen Aufsatz über das Wesen der Musik verfaßt, dem wir sagende nmvkante Stellen entnehmen: „So wie wir aus den zufälligen im Grunde vovbestinlnrten Begeglmngen mit wenigen Frauen beu Begriff der Lietbe bilden n'Ud diese niemals über diese Begegntisse hinaus begreifen und Dingen 'durch Unendlich>ke>it und Ewigkeit, so ist es durch die Vermittlung weniger itns bekannt geiwordeller Kmu- Poivislen, daß )vir glauben, das Wesen der Musik erschaut zu Haberl. Was wir kavon wirklich erschauen, sind (Sin* Wiener Moraenzeltung. Jeder Gesunde und jeder Kranke bestätigt die denkbar beste Wirkung bei Gebrauch von Diana-Franzbranntwein. _ zelheiten und Manieren, die — noch dazu — der Kleinere vom Größeren übernimmt; bis ein neuer Größerer eine bis «dahin unenthüllte Wendung erhascht und so den nächsten Schritt antvitt. Dieser „Neue" gilt als Genie. Im Grunde verdankt er seine Bedeutung dem Orte und dem Augenblick, die seine Geburt umstanden. Das Wesen der Musik'ist bei 'wenigen einzelnen geahnt, den meisten unbekannt oder von ihnen verkannt. Es ist, als ob mmr aus wenigen Ballsteinen, die wir zusammentragen, ein Bild der Architektur aller Zeiten und Länder gewinnen wollte. Jln Gegenteil, solche sporadischen und bröckligen Kenntnisse verkleinern und verwirren das währe Bild, wie das innere Gesicht eines Berufenen es sich allenfalls konstruieren könnte, im Augenblick gesteigerten Schertnms." . An« de» Matern. V o l k s o p e r. Heute infolge Erkrankung des Herrn A r e n s e n statt „Die Jüdin" Wagners „Der fliegende Holländer". Im Deutschen Volkstheater beginnt die heutige Erstaufstihrrmg der Komödie „Vinzenz u n d d i e Freundin bedeutender Männer" von Robert Musil pünktlich um V«8 Uhr. Zu spät Eintreffende können nicht vor Schluß des ersten Aktes zu ihren Plätzen gelangen. Wochenspielplän der VolkSoper. Sonntag „Die Fledermaus". Montag „Der Freischütz". Dienstag „6 a v a 11 e r i a rusticana". — „D e r B aj a z z o". Mittwoch „D i e B o h e me". Donnerstag „H o f smanns Erzählungen". Freitag „N i g o l e t t o". Samstag „C armen". WochenspielvlandesDeutschenVolkst h e a t e r s. Sonntag, Dienstag und Donnerstag „Vinzenz unddie Freundin bedeutender Männer". Montag „Sechs Personen suchen e i n e n A u t o r". Mittwoch und Freitag „Die Freier". Samstag (zum 1. Male) „EinschwachesWei b", Lustspiel in 3 Akten von Jacques D e v a l. Heute letzte Festaufführung „Aida" auf der Hohen Warte. Mit der hellte »rm halb 8 Ahr abends unter fcte musikalischen Leitung Pietro Mascagnis .stattfindenden 17. Festaufführung verabschiedet sich die große Opernstagione bar ,-Sife". Für die heutige Abschiedsvorstellung wurden populäre, Preis« festgesetzt, und Mar: Stehplatz 10.009 K., Sektor N 30.000 K., Sektor M 40.000 K., Sektor L 50.000 K., numerierte Plätze in den Sektoren A, B. C und D und E 80.000 K. Logensitze 150.000 K. Nach Schluß «der Vorstellung direkter Stvaßenbahnvierkehr nach allen Richtungen. Die Geschichte eines Liebermann-BildeS. Vor kurzem hat der Mastr Ernst Fischer ein Bild Liebermanns entdeckt, welches der Mtmvister vor 46 Jahren gemalt hatte. Es handelt sich um bas Gemälde ,-Dchwimmbad", das im Jahre 1878 in Amsterdam ausgestellt war, aber später von Liebermann nicht mehr anlcirkannt wurde. ..Run hat Liebermann über Intervention Fischers das Bild wieder aus die Staffelei gestellt und einige Veränderungen vorgeuommen. Ten Himmel und das Wasser mit idem Kahn., die auf dleim Gemälde p sehen sind, hat 'der 77jährige Meister fetzt hinzu «fügt. Biihnenkunst als Lehrfach. Die K ö lner K ll n ft g ew e rbe- und H andWerkersch u l e hat eine Berufung an Professor P i l ä r tz ergehen lassen und ihm das Lehrfach für Plastik nnd Bühnenkunst übertragen. Pilartz, einer der hervorragendsten modernen Bühnenmaler, ist gleichzeitig künstlerischer Beirat des Kölner und des Düsseldorfer Schauspielhauses. Der Oberkommissär der Riheinlandkommiffion als Possendichter. Lord K i l m a r n o ck, der britische Oberkom m is s är der Interalliierten Rheinlandkommission, hat den Pegasus bestiegen und eine Posse „Der Traumkuß" gedichtet. Er hat das Kind seiner Muse zunächst der Besatzungsarmee anvertraut, die es durch ihre Theatertruppe anfführte. Jetzt t wird „Der Trailmkuß" fleißig in London gespielt und beifälligst ausgenommen. Kilmarn'ock hat aber auf den Theaterzettel ffn Pseudonym setzen lassen. Ms Possendichter führt der bedeutende englische Diplomat den Namen Joshua Jordan. Schillers Dichterstube zu Jena. Die kleine Wohnung Schillers zu Jena, in welcher das „Lied von der Glocke", „Wallenstein", „Maria Stuart" mid eine große Zahl voll Balladen des Dichters entstanden, befand sich bisnun im Schutze der Universität und diente als Assistentenwohnung. Vor einigen Tagen wurden nun diese Zimmer im Gartenhause als Erinnerungsstätte der Oeffentlichkeit übergeben. Man hat die Wände der kleinen Wohnung in ihrer ursprünglicheil Farbe gestrichen und (wie es bereits Goethe vor einem Jahchuudert vrrgeschlagen hatte) die Daneckersche Schiller-Büste angebracht. Null geht man daran, auch das Arbeitszimmer Schillers in dieser Wohnung wieder herzustellen. Richard Brer Hoffmann als Regisseur. Wie verlautet, hat sich Richard Beer-Hoffma nn, der Dichtlar von „Jaakobs Traum" und des "Grafen von Charolais", über Ersuchen Max Reinhardts bereit gefunden, während der kommenden Spielzeit einige Stücke zu instruieren. Beter-Hoffmann wird zunächst Goethes „Iphigenie" am Theater in der Josesstadt in Szene setzen. beschichte der Juden erhalten £GRATISPRKMIE^! der 'Wiener Morgenzeitung; bei Aufgabe eines Mresflhonneinents siehe Abonnement« tarif 23. Augu-st 1924 , Seit« ö VeWste mit ungedeckten Schecks. Nach dreitägiger Verhandlung ist vorgestern spät nachts der Betrugsprozeß gegen den 23jähvigen Kautfmann A'llfonS Glaser und den 28jähvigen Kansmann Leopold Winter zu Ellde geführt worden. Sie hatten mit ungedeckten Schecks betrügerische Geschäfte gemacht. Da von der Berteildilgmrg Zweifel cm der Zurechnungsfähigkeit der beiden AnMaigten geäußert wurden, hat der Senat den Vorstand der .psychiatrischen Klinik Hofrat Pros. Wagiler- I all regg als Zeugen einvernommen, weil Glaser aus der Beobachtungsstation einen Monat hindurch sich befunden hat. Prof. Wagner evltlärte, daß Glaser wohl psychopathisch mllldevwertig, aber n 'i ch t als geisteskrank änzuisehen fei. Auch die Gerichts achverständigell äußertell sich iu diesem Sinne. Der Schöffenseuot erkannte beide Angeklagte des Verbrechens des Betruges, Glaser auch der Vernntremmg schuldig llnd verrwieilte den Glaser zu a ch t z e h n, den Winter zu fünfzehn Monaten schwerell Kerkers. Der Herr Hausbesorger. Tänltliche Wohilparteien einer großen Zinsikaserne inr 5. Bezirk wuvden vor de>m Bestrksgevicht Margareten als Zeugen in einem Kündigungsprozeß vernannnen, den die Hausbesitzerin Marie Haniczek gegen ihren Hausbesorger Karl Stooch und seine Gattin Marie angestrengt hatte. Die Kündiglmg erfolgte wegen Beleidigullg des Hausverwalters, des Hausillispektors und der Mietpärteien. Der Klage zufolge feierte das Haus>besorgerchepaar wahre Schimpfovgien, mit Ausnahme einiger weniger Parteien seien alle Bewohner des Hauses zum Besch impf twerden all die Reihe gekommen. Besonders gebräuchlich waren die Bezeichnungen: „Trampel", „Pülcher", „B-aigage", „,Ge>sindel". „Blöder Kerl", „Iudex" (Jud plus ex), „di' werd' ich atbflaschnelr", „ich hau' Jhna eine Watschen obi, die wird Jhna fanex mehr wegnehmen". Es befanden sich aber noch andere, nicht leicht wiedevzugebende Schimpfereien in dieser Bltütenlese. Damit nicht genug, haibe die Hausbesorgerin auch noch üble Nachretde über einzelne Parteien gehalten und sehr viel über die-seliben getrascht. Das Bezirksgericht Margareten erklärte die Kündigung für wirksam, weil durch diese Beschimpfungen den Parteien das Wohnen im Hause verleidet werde. Dies wurde bei der Peirusinngsverhandlung vor dem ZivMandesgericht von dem Geklagtenvertreter bestritten. Es habe auch keine der einvernommenen Parteien behauptet, daß ihnen durch Schimpfworte das Wähnen im Hause verleidet worden sei. Man müsse sich auch das Milieu —« ein Vorstadthans mit sehr viel Parteien — vor Augen halten und werde zu dem Schluffe kommen, daß aus diesen Schimpfworten nicht die äußersten Konsequenzen z>r ziehen sind. Der Klagevertreter erwiderte, der Hansbesovger soll nach dem Gesetz „mit Umsicht, Treue nmb Redlichkeit die Interessen des Hausbesitzers wahren". Das könne ober einem Hausbelsorger, der sich so benimmt, sicherlich llicht, nachgesagt werdn. Daß den Parteien das Wohnell im Hause verleidet wurde, gche alls der Tatsache hervor, daß die Mehrzahl der Parteien die Entfernung des Hanstbesorgevpoares forderte. Ter Bsrufungssena-t wies die Berusunig ab. Es sei nicht notweMg, daß die Parteien allsdrückkich erklären, daß ihnen das Wohneil im Hause verleitdet werde. Auf einen solchen FoMt-alismus könne es nicht ankonlmen. Die entführte Schauspielerin. Bor dem StirHbHiriksgericht 1 trat gestern der Schauspieler Kurt Labasf als PrivaMäger gegen seinen BerüfslkollegM Rolf Ronay auf. Dem Beschnldigten lag zur Last, daß ev kürzlich. bei der PolitzeliidirMon gegen den Kläger e'me Strafanzeige wegen Entführung der Frau des Anzeigers, der Schauspielerin Marita West, erstattet hatte, in welcher Airzeige unter anderem hervorgehoben worden war, daß die EnMihrte ihren ganzen kostbaren Schmuck mit sich genonnnen untd^ daß der Entsührer es oilf diesen Schmuck äbgchchen haben dürfte. Der Angeklagtei-satb zu, die Anzeige erstattet zu haben. Die Entfuhrnng seiner Frau könne auch vom Kläger nicht geleugnet werden. Der Klagevevtreter erklärte, daß sein Klient nicht wegen der Büschuldigung der Entführung, sondern wegen, der änderet! in der Anzeige enthalteuen Vorwürfe bezüglich seiner Lenmuindes und der Absicht auf den Schmuck die Klage erhoben haibe. Der Angeklagte erklärt sich bereit, diese Vorwürfe zurückzuzichen und die Prozeßkosten zu ersehen, worauf der Kläger den Strafantrag zurückzog und der Beschuldilgte freigesprochen wurde Mäusegift im Grieß. In dem Arbeiterkonsumverein in Nennkirchen wurde Ende Jänner dieses Jahres Grieß an verschiedene Kunden verkauft, nach deffen Gemlß Vergistungserscheinungen bei den Käufern zutage traten. Die Erheibungen ergaben, daß der frühere Lagerhalter K. zur« Brrtibgung der Mäuse Gift angeschäslft hatte, das mit Grieß vermengt war. Dieses Gemenge wurde in einer Kanditondose mit der Aufschrift „Mäuse gi ft" abgesondert von den übrigen Vorräten verwahrt, ivovon das ganze Personal Kenntnis hatte. Die ganze Menge betrug zirka 16 Dekagramm. Als nun K. fernen Posten verließ und an seine Stelle ein Nichtibranchenkuudiger trat, wurde von einem gleichfalls neu angestellten Verkäufer der angebliche Grieß in bet Stellage entdeckt und zu dem für dm Vevkaulf bestimmten Grieß ge>schüttet. Der Vertreter der Ge>schädigten und die Krankenkasse erstatteten die Anzeige. Unterdessen hatte sich der frühere Lagerhalter K. hart neben dem Konsumverein als Kaufmann etoblievt und der Konsumverein erstattete nun gegen K. die Anzeige, weil er das Gift unvorsichtig verwahrt hatte und so den Irrtum verschuldet habe. Das Bezirksgericht Nnikircheu hatte K. wegen FahrläsftMt zu einer-Geldstrafe von 3 0 0.000 Kronen verurteilt, wogegen der Verurteilte berief. Er erklärte, daß kein Fachmann 15 De-kagramm Grieß, der nachgüwiesenermaßen schmutzig und, veadorh^n war, in den zum Verkauf bestimmten Grieß schütten wird. Er fönite nicht dafür verantwortlich gemacht toerden, wenu sachilnkundige Leute angestellt werden. Das KreiÄge-richt sprdch ■ den Verurteilten frei. v -Ivj# . i.if \ ■