Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1983 (22.8.1924)
- Date
- 1924-08-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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\ "mk'9 , ' Ptat, Freitag kurrenz nicht cmstommen könnte. Nun ist ja bekanntermaßen England an der Wiederanfrichtnng Deutschlands in' erster Linie deshalb interessiert, weil Deutschland 'sein bester Abnehmer war und nach seiner wirtschaftlichen Restaurierung wieder sein könnte. Daß einem klugen und klar denkenden Kaufmann, wie es der Engkärger im allgemeinen ist, eine solche Bevorzugung eines Hsndelskonkurrenten nicht angenehm sein kann, ist selbstverständlich. Diesen Erwägungen hatte auch der britische Schatzkanzler Snolvden, ein Parteigenosse Mac DonaDs, Ausdruck gegeben. Es ist zehn gegen eins zu wetten, daß Mac Donald selbst, hätte er über den Handelsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich ein Interview zu geben gehabt sich genau auf denselben Standpunkt gestellt hätte. Aber die politischen Leuchten erklären auf Grund der Darlegungen Snowdens, jetzt sei es mit der Arbeiterregierung endgültig zu Ende, denn die Arbeiterregierung — so heißt das schöne Wort — lose sich in sich selbst auf. Diese Prophezeiung ist natürlich ebensoviel wert wie alle' arideren, die bisher das Ende des Kabinetts Mae Donald verkündeten. Sie ist übrigens von Snowden selbst dementiert worden, der erklärte, es sei lächerlich, zu erzählen, daß Mischer!, ihm und dem Premierminister im besonderen und innerhalb des Kabinetts im allgemeinen Reibungen und Meinungsverschiedenheiten bestünden. Es entsteht nun die Frage: Warum wird dem Kabinett Mac Donald täglich und stündlich der Untergang prophezeit? Die politischen Leuchten, welche es tun — und hier ist ein Großteil der kontinentalen Presse in löblichem Bemühen vereinigt —, besitzen doch nicht so geringe Kenntnisse der allgemeinen politischen Verhältnisse ^und der englischen im besonderen, daß sie nicht selbst sähen, wie absurd ihre Kombinationen und Konstruktionen find. Es ist auch nicht die Dummheit, welche in dieser Methode herrscht, höchstens kann dies in der deutschen politischen Auffassung der Fall sein. Im Grunde aber ist es die Abneigung aller der Kreise, welche spüren, daß ihr Weizen nur im allgemeinen Ehaos der Welt blühen könne. Ihnen und ihrer Presse ist eine.Regierung, deren Haupt und deren Mitglieder dem wirklichen Weltfrieden dienen wollen, ein Dorn im Allize. Es jittb die Kreise, welche aus -dem Ruin der Welt Gewinn geschöpft haben und um des Gewinnes willen wünschen, daß der ruinöse Zustand erhalten bleibe. Der Weltfriede, dem die Bemühungen des Kabinetts Mac Donald und jeder ehrlichen Demokratie dienen, muß und wird die Baissepolitik und ihre Presse üherwmden. Sie Beratunsen in Berlin. Im Reichsrat. Berlin, £1. August. In der heute abgehaltenen Sitzung Reichsrates, in der die von der Reichsregierung in London getroffenen Abmachungen zur Beratung standen, gab namens depreußischen StaatsministermmS' M'mistexprä-sident Braun eine Erklärung ab. in der er unter anderem ausführte, das Resultat der Londoner Konferenz belastet das deutsche Volk und seine Wjrtschast auf das schwerste. Wir können nur ablehnen oder annehmen. Die Bevantwortung für diese zweite Mernative glaubt die preußische Staatsregierupg nicht auf sich nehmen zu können und fttmmt daher dem Abkommen und den sich aus diesem ergebenden Gesetzen zu. Im auswärtigen Ausschuß. Berlin, 21. August. Der auswärtige Ausschuß hat heute seine Beratungen fortgesetzt. Die Sitzung war zum erstell Male offiziell und von sämtlichen bereits in BeÄin anwesenden Abgeordneten besucht. Der Reichskanzler erklärte, daß die Frage der Unterzeichnung am 30. August sich m erster Linie nach einfachen juristischen Gründen erledige. Der Vertrag von London sei an sich zustande gekommen durch die Paraphierung, die sämtliche Delegierte vollzogen hätten. Wenn Deutschland am 30. August nicht in der Lage sei, die Gesetze als angenommen zu präsentieren, so müßte sich die Reichsregierung die Frage stellen, oh sie dann in London das Protokoll endgültig unterzeichnen könne. Sollte im Reichstag keine Zweidrittelmehrheit für die Annahme der Dawes-Gchtze zu finden sein, so sei es die Pflicht der Reichsregierung, alle dersassunOmüßigen Mittel anzuwenden, um den Reichstag zur Bewilligung zu veranlassen, denn es müsse nach innen alles getan werden, was nach außen der Reichsregierung die Möglichkeit eröffnet, von neuem in Verhandlungen e-inzutreten. Die Erklärung des Reichskanzlers wollten die' Deutschnationalen nicht gelten lassen. Sie wiesen darauf hin, daß ihrer Ansicht nach neue Verhandlungen möglich seien. Demgegenüber erklärte Außenminister Dr. S t r e s emann, daß man nicht wissen könne, ja, daß-es höchst, zweisechaft sei, ob für Deutschland aus dieifer künftigen Konferenz die gleichen Ergebnisse erzielt werden könnten wie jetzt. In dieser Kontroverse zwischen der Regierung und den Deutschnationalen stellte der demokratische Abgeordnete Haas fest, daß die Haltung der Teutschnationalen doch eigentlich recht merkwürdig sei, da sie doch zufrieden sein müßten, wenn durch ihre Haltung die Ergebnisse der Londoner Konferenz nicht zerschlagen werden. Im Verläufe der Verhandlungen kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Reichskanzler und dem nationalsozialistischen Abgeordneten Grase. Wiener Moraenzeitung. LS. «iwch 1934 Nr. IW — Tie Lhnmncht des Ministerium« gegen den Habilitationrftandal. Wie noch erinnerlich, wurde im April dieses Jahres von sozialdemokratischer Sette an das Unterrichtsministerium eine Anfrage über die Verwendung der Auditoricngelder der Wiener Universität gerichtet, in der hcvvorgehoben wurde, daß der Teil der Anditoricugcldcr, über welchen der akademische Senat zur Dotation für Wohlsahrtseinrichtungen der Studentenschaft Verfügung hat, zur Unterstützung einer von der rein hatenkreuzlcrischen „Deutschen Studentenschaft" veranstalteten „Deutschen Woche" in Gauting verwendet wurde. Aus der Beantwortung dieser Anfrage durch den Nnterrichtsminister, die erst jetzt erfolgt ist, geht hervor, daß der akademische Senat der Wiener Universität dem Unterrichtsministerinnr aus seine Anfrage die impertiönte. Antwort gab, er verstehe unter Wohlfahrtseinrichtungen für die deutsche Studentenschaft auch solche, die der gesamten Erziehung und der geistigen Wohlfahrt dienlich seien. Eine solche Interpretation ivagt die Gesellschaft vom Hakenkreuz, welche die längst veraltete Universitätsautonomie für ihre rassenschützlerischen Zwecke mißbraucht, dem Unterrichtsministe-- rium zu geben. Das Ministerium hat, wie aus der Ansragebeantwortung hervorgeht, die Interpretation des Diener- Senates entschieden zurückgewiesen und wird Vorsorge treffen, daß Zuwendungen aus den Anditoriengeldern in Hinkunft nur dann erfolgen dürfen, wenn Zusammenhänge mit parteipolitischen Zwecken ausgeschlossen erscheinen. Bleibt nur noch fraglich, ob das Unterrichtsministerium seinen löblichen Vorsatz gegenüber den autonomen Rassenwissenschaftschützlern wird ausführen können. Wie groß die Ohnmacht des Uüterr'ichtsmimstermms gegenüber dem Treiben an der Wiener Hakenkreuzuniversität ist, geht aus der Beantwortung des Unterrichts- Ministers aus die Anfrage über den Habil itations-skandal an der Wiener Universität hervor.. Von sozialdemokratischer Seite wurde bekanntlich die Habilitattonsangelegercheit deS Dr. Karl Horowitz und auch anderer Habilttationsw erber zum Gegenständ einer Anfrage gemacht. In dem besonders krassen Fall Horowitz hat das Unterrichtsministerium, wie aus der Antwort des Ministers hervorgeht, feistgestellt, daß das Prosessorenkolleginm den Antrag Horowitz in geheimer Mstttnmung abgelehnt und ohne Angabe von Gründen dieses Resultat dem HabilitationswerLer mitgeteAt hat. Erst auf seine Beschwerde beim Unterrichtsministerium erfolgte über dessen Anordnung eine neuerliche Behandlung des Habilitationsgesuches. Erst über Auftrag des Ministeriums hat das Prosessorenkollegimn, welches das Gesuch abermals aLwies, sich zu einer Begründung herbeigelassen; es gab an, die Abweisung sei aus einem in der Person des Belwerbers gelegenen Grunds erfolgt. Mn -einer neuerlichen Beschwerde zu begegnen, wutde rasch von einem Mitglied des Professorenkollegiuwä eine DiszipLinaruntersuchnng gegen Dr. Horowitz wegen einer angeblichen Aeußerung gegen dieses Mitglied beantragt und der akademische Senat hat nun die Gelegenheit ergriffen, die Habilitationsbeschwerde des Dr. Horowitz bis zur Entscheidung dieser Angelegenheit zu v e r 1 a g e n. Aus der Ansragebeantwortung des Unterrichtsministeriums geht hervor, daß es daran denkt, die Praxis des Habilitationsverfahrens abzuändern. Dem Bundesminister für Unterricht, einem einigermaßen rechtlich denkenden Wlanri, muß wohl bei der Darlegung der troudmtschen Winkelzüge, welche bei diesen Habilitationsangelegenhetten angewendet wurden, übel geworden sein. Auch hier wird wohl die beste Absicht nichts nützen, so lange nicht W§ Uebel an seiner autonomen Wurzel angefaßt ist. DjeMkerbvvdtagMls. Die Berichte der Kommissionen vor dem Bölkerbundrat. f Tficrfbienft der „Wiener Movgenzeimng".) Genf, 21. August. Der Volke ribund rat tritt unter dem Borfitz des belgischen Außenminishers Hhmans am 29. d. zusammen, um zunächst den Bericht der., j u r'i st ifchen Kommiss io n betreffs der Frage der Mlimrkontrolle über Ungarn, Oesterreich und Bulgarien entgogenzu nehmen. Außerdem wurden folgende Kommissionen oingeladen, Berichte zu erstatten: Die Kommission für die Abrüstung, die Mandatskommission, die Kommission für Bekämpfung der Sklavere i, für g e ist i g e Zusammenarbeit, das Wirtschastskomitee, die Opiumkommisiion, der Oberkommissä r für die Flüchtlinge und das Amt für die griechischen Flüchtlinge. Gin neues Projekt zur Sicherung des Weltfriedens. Der Völkerbuudkommifsion wird diesmal große Bedeutung zugemesien, da in der Tagung di« Frage des europäischen Friedens, die eng mit der -Abrüstung und den gegeusMgen Garantien zusanWenlhäugt, sicherlich zur Sprache gebracht werden wird; fcxieg soll jedoch in einer anderen Form als des des letztens abgelehnten Projekts der gegenseitigen Hilfe erfolgen. Man nimmt an, daß es sich diesmal um ein Projekt handelt, das auf dem schiedsrichterlichen Prinzip aufgebaut sein wird. (Radiodienst der „Wiener Morgenzettung*.) London, 21. August. Devisenschlußkurs er Wien 319.500, Berlin 16,35, Prag 145, Bukarest 992,50, New- Nork 4,4Ss/8, Paris 83,45, Brüssel.90,58, Rom 101,933/„ Zürich 23,8870, Madrid 33,65, Amsterdam 11,58, Kopenhagen 27,75, Christiänia 32,42'/,, Stockholm 16,86, Helfingfors 179'/«. Athen 2,477s, Rio 5,28. London, 21. August. Effektenkurse: Oesterreichische Anleihe 90,75, Tschechische Anleihe 100,50, Prager Anleihe 90,50, Skoda 89,—, Bankverein 7,09, Bodenkredit 18.6, Central Mining 11.—, General Mining 11,6, Diamouds 18,6, Debeers 11,875, Rio Tinto 34,76, Royal Dutch 29, Shell 3,866. New-Aorll, 21. August. Esfektenbörs e. Atchinson 105,75, Baltimore 63,50, Canadian Pacific 150,60, Cbeasepeacke 857», Eari 29,76, Greath Northern 66. Milwaukee 667,, Northern Pacific 15%, Union Pacific 146,—, Union Steels 111, Royal Dutch 347g, Southern Pacific 96,58. Äew-Bork, 21. August. (Radio.) Dcvisenschluß° kurier Taggeld —, Wechsel auf London 4,50*/,, 60 Tage- Wechsel 4,48, Paris 5,45, Amsterdam 38,83, Prag 3,-, Silber —Berlin 237,. Paris, 21. August. (Radio.) Effektenschlußkmse: Bangue de France —, Pragobanka 415,—, Credit Lyonais 16,30, Suez 14,390, Platine 838, Dabrowa 738, Bauque Ottomane 804, Central Mining 930, Rio Tinto 28,92, Le . Naphta rnsse 414, Succeried Egypte 1044, Cautschoues sin 144,—, Chartered 48,—, Debeers ordin, 908,— Goldsields 8l,7b, Hnanchükas 350,—, Zägers Foutain 249,—, Malacca ordin. 162,—, Maltzoff 450-, Mexican Eagle 79.50, Padanq 378Rand Fontain 82,—, Randmine 245.—, Silva plana 161,—. Tanganyika 166,—, Tubice soie 626.-, Utah Cepper 1525. Shell 332,50, Royal Dutch 24,400, Burmah —, Bakou 2652. Jas Leichenbegängnis Matteottir. Fratta Polesine, 21. August. Heute vormittags fand das Leichenbegängnis Matteotis statt. Hinter dem 'Sarge schritten Vertreter der Kammer und des Senats, der staatlichen Institute und der lokalen Behörden sowie äußerst zahlreiche Fveunde des ermordeten Abgeordneten. 'Ein Bataillon erwies die militärisch« Ehren. Der Sarg Wcw mit zahlreichen Kränzen bedeckt. Es ereignete sich ke i n Zwischenfall. Sie Kikmtzse iu Lrasriordanie«. Waffenschmnggel aus -HeSron. Jerusalem, 20. Au-gnst. (I. T. A.) Die Palästinensischen Behörden halben festgeistellt, daß seit einiger Zeit ein lebhafter Handel mit geschmuggelten Feuerwaffen zwischen Hebron und Transjordanien befiehl. Die Regierung. hat energische Schritte unternommen, um diesen .Handel zu unterbinden Ein volitischrr Attentat in Reval. Reval, 21. August. (Tel.-Komp.) De^ Abgeordnete de8 estländischen Reichstages, der unabhängige Sozialist M i l s o n, der früher Kommunist war und später zur Sozialdemokratie irhertrat, ist ermordet worben. Mm nimmt ein kommunistisches Attentat an. Marx an Seipel. Reichskanzler Dr. Marx hat auf das Telegranm deS Bundeskanzlers Dr. Seipel mit folgender Depesche ertvidert: Eurer Exzellenz spreche ich fiir dix frennd.lichen Worte, anläßlich der Beendigung der Londoner Konferenz meinen wärmsten Dank ans. Mit Ihnen erhoffe ich, s e g e n 8 r e i ch e A u 8 w i r k « n,g e n dieser Konfermz für Deutschland und Europa, im Sinne e i n e S wahren V ö l k e r f r i e d e n S? Lie Ankunft -er Mirerbunddeiegatkon in Wie» Am 25. August. Nach einer gestern vormittügs hier eingelangten De pesche tröffen die Finanzdslegierten des Völkerbundes M o ntag d en 25. d. in Wien ein. Als Sekretär der Fitt-anzdelegatiou des Völkerbundes wird Dr. Valre de Bordes fungieren. Die, Beratungen werden nach Ansicht informierter Kreise mindestens v i e r z c h n T a g e dauern. Im Mittelpunkt der Konferenzen steht, wie bekannt, der Maatsvoranschlag für 1926. Die Hllndelsverttagsverhondlnngen mit Zugoflawien. Abreise der Belgrader Delegierten nach Wien. <Eigcndienst der „Wiener Mörgenzeitung".) Belgrad, 21. August. Heute sind die Delegierten Jugoslawiens nach.Wien abgereist, um dort mit den österreichischen Delegierten die Handelsvertragsverhandlnugen aufMnehmen.