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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-19 · Heft 1980 (19.8.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1980 (19.8.1924)
Date
1924-08-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ae höchsten Avhewohner. Vom Dierleben auf dem Mount-Everest. Der Führer der mißglückten Mount-Everest-Expedion, Oberstleutnant Norton, veröffentlicht in den Lon- »ner „Times" einen überaus interessanten Artikel über iine Wahrnehmungen auf dem Gebiete der Fauna 'auf em höchsten Berge der Welt, woraus ersehen werden mn, daß die Expedition, trotzdem sie.auch diesmal den sipfel nicht zu erreichen vermochte, doch in Wissenschaftler Hinsicht lohnend war. Die Expedition fan bin einer Höhenlage von 17.000 sir ßeine wilde Schafspezies, ,^8urhel" genannt, die sich em in dieser Höhenlage angelegten Kamp der Kletterer ollkommen furchtlos bis auf etwa 20 Fuß näherte. Die kchase bezeichnet Norton als prachtvolle Tiere, welche die selsblöcke bis zu den äußersten Grenzen des Pflanzenvachstums hinanklettern ,trotzdem für sie daselbst kaum rgendwelche Nahrung vorhanden zu sein scheint, außer inigen vereinzelten Büscheln Gras in den Felsenritzen, die Expedition fand zwischen und unter den Felsblöcken in sehr seltenes Tier, ein kleines „P i k a" und hier und ja steht man auch einen flüchtigen Hasen über die Felsen etzen. Ueber diese Höhe hinaus fand Norton keine höher «rganisierten warmblütigen Säugetiere mehr. Aus der Vogel Welt sahen die Expeditionsmitilieder manche auf der Wanderung in beträchtlichen Hö- »en und Norton gibt der Vermutung Raum, daß die kleinten Vogelarten die höchsten Erderhebungen überfliegen, vährend andere die hochgelegenen Bergplateaus bewahren. Biele der Sumpfvögel steigen so hoch hinauf in den öerghängen, so hoch es Sumpfboden gibt. Die kahlköpfige tibetanische Gans und die rote Brandente jammein sich in Herden in den tibetanischen Sümpfen in riner Höhe von 14.000 Fuß, und der Autor erzählt, er habe eine Schnepfe aus einem Hochlandstümpel in der höhe von 15.000 Fuß aufgescheucht. Aehnli chverhält e ssich mit den Waffervögeln, die so hoch zu finden sind, als es Bergwasser gibt. Der Taucher, der in jedem Wildbachgebiet des Himalayagebirges anzutreffen st, geht bis an die Gletscherauslaufer hinan, etwa bis zu eine rHöhe vori 16.000 Fuß. Der kleine schöne Rotschwanz steigt sogar noch höher empor. Ob- . gleich es seine Gewohnheit ist, sich an den Flußlauf zu halten ,hat Norton diese Spezies in der Höhenlage von 18.000 Fuß auf dem Eise nahe dem Fuße des Mount- Everest gefunden. Andere Vögel gehen in noch höhere Regionen, teils um nach Aas Ausschau zu halten, teils um nach Abfällen von den Kamps zu fahnden. Viele überfliegen auf ihren Wanderungen die großen Höhepunkte. Norton sah einen herrlichen Lämmergeier in der Höhe von 20.000 Fuß in wunderbaren Kreisen''eine Bergspitze überqueren. Dohlen wurden in Schwärmen rund um den Gipfel eines mindestens 24.000 Fuß hohen Berges fliegend gesehen und andere erhoben sich bis zu Höhen von 27.000 Fuß. Bisher wußte man nicht, da ßsich lebende Geschöpfe bis zu dieser Höhe erheben könnten. , Von den bescheideneren kleineren Tieren ist eine kleine Eidechse zu nennen, die auf dem Plateau von Tibet lebt. Sie bewohnt ein kleines Erdloch und kommt an warmen Tagen an die Oberfläche. Sie paßt sich in überraschender Weise an ihre Umwelt an, selbst in einer Höhe von 14.000 Fuß, da die Bussarde und Falken scharfe Wacht halten. In diesen Höhen hat Norton keine Schlangen gesehen, die offenbar von der Kälte abgehalten.werden ,da in den heißen Gegenden Tibets an den heießn Quellen usw. Schlangen beobachtet wurden. Insekten, wie Käfer usw., überwintern gut in Höhenlagen von 17.000 Fuß und wenn man Felsstücke umdreht, sieht man häufig genug ganze Büschel solcher Käfer im Zustande der Ueberwinterung. Interessant ist, was Norton von den von ihm in den Höhen gefundenen ^Ameisen sagt: „Auch diese", bemerkt er, „zeigen deut- 'li'ch die Rückwirkung der Kälte. Das sind nicht die lebhaften Verwüster der Ebenen und der Dschungeln; es sind . vielmehr Mitglieder eines trägen, verkommenen Haufens. -'.An eine msonnigen Tage rücken zwar die Arbeitstiere aus, aber den größten Teil des Tages verkriechen sie sich in ihren Löchern. Verschiedene Wespenarten steigen bis zu Höhen von 15.000 Fuß auf. Eine kleine Spezies, die in Lehm arbeitet, klebt ihr gewölbtes Nest an die Felsen. Drei andere Arten sind in der Höhe von 17.000 Fuß zu finden. Diese graben tiefe Schächte und kerkern ihre Opfer darin auf dem Grunde der Schächte ein. Sie arbeiten nur an sonnigen Tagen mit dem größten Eifer und Enthusiasmus. Ueberaus seltsam mutet das Schmetterlingsleben in diesen Höhenregionen an. Schmetterlinge von den eisiigen Windzügen des Mount-Everest umhergeweht zu-sehen ,i stein schon durch den 'Kontrast unvergeßlicher Anblick. Auf den Bergpässen kann man sicher sein, dem „Apoll" zu begegnen. Trotzdem er ein Spielball des Windes und schwach im Flugvermögen ist, zieht er es dennoch vor, in diesen unwirtlichen Zonen zu leben. Der Schwalbenschwanz und der Perlmutterfalter kommen in Höhen von 17.000 Fuß vor, wo sie sich aus Gletschern und Moränen herumtummeln. Ueberräschend ist, daß man Heuschrecken in einer Höhe von 18.000 Fuß findet. Sie ^sind sehr klein und haben die SchutzfarLe. der Motten, um jsi chso ihrer trostlosen Umwelt anzupassen. Ueberdies halben sie keine Flügel, da die Tierchen ohnedies wegen des ^Eiswindes nicht fliegen könnten. Blutegel findet man / eleickfalls in der Hyhe von 16.000 Fuß, wo Norton einige Wiener Morgenzeitrmg. 19. August 1924 lute 3 Ungarn — das Mörderasyl. *> Die drei „Gäste" GSmbös' Teilnehmer an den deutschen Putschs. - An FSrfter ein wichtig« Erkennnngsrekchen des Srzberger-Mrders Messe« festgestellt. — Horthy liefert „volitlfSe Flüchtlinge" nicht ans. 'ip* (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) - Budapest, 18. August. Die Angelegenheit der von dem Abgeordneten Julius Gömbös auf seinem Gute versteckten drei reichsdeutschen politischen Flüchtlinge hat sich zu einer beispiellosen Skandalaffäre entwickelt. Einerlei, ob die geheimnisvollen Deutschen die Mörder Erzbergers sind oder sich nur wegen der' Teilnahme am Kapp-Putsch oder dem Hitler-Putsch in Ungarn verborgen halten — es ist bezeichnend für den Geist der ungarischen Behörden, daß drei verdächtige Ausländer sich monatelang Völlig unbehelligt m der Umgebung der Hauptstadt aufhalten, während dieselben Behörden häufig mit Ausweisungen gegen solche Personen Vorgehen, die feit Jahrzehnten in Ungarn ansässig find und einem geordnehm Erwerb nachgehen. Wie die Blätter miiteilen, wurde der verhaftete Heinrich F ö r st e r bei seiner Aufnahme in der Gefängniskanzlei mit der Begründ^f^ m Gewahrsam genommen, daß er auf Grund des Steckbriefes der deutschen Strafbehörden des Mordes an dem deutschen Finanzminister Matthias Erzberger dringend verdächtig sei. Der Verhaftete wurde nur einem ganz kurzen Verhör unterworfen. Förster gab an, daß er Oekonomiebeamter sei und leugnete auf das entschiedenste, mit - dem Mörder Erzbergers, Tillessen, identisch zu sein. Auffälligerweise wurde Förster bei seinem Verhör auf der Oberstadthauptmannschaft nicht um die Gründe befragt, weshalb er aus Deutschland geflohen ist, warum er sich in der Umgebung von Budapest verborgen hält und fein Domizil bei der Polizei nicht angemeldet habe. Infolgedessen besteht das Protokoll über die Einvernahme Heinrich Försters nach seiner Einlieferung bloß aus wenigen Zeilen. Im gestrigen Communique der Polizei heißt es übrigens, daß Försters linkes Ohr eine im Kriege erlittene Verletzung aufweist, was bekanntlich in der Kurrende des Mörders Tillessen als Erkennungszeichen angeführt ist. Einem Mitarbeiter des Blattes wurde gestern abends auf der Budapester Oberstadthauptmannschaft in der bestimmtesten Form mitgeteilt, daß die drei Deutschen, selbst wenn sich die Mörder Erzbergers nachweislich unter ihnen befinden sollten, keinesfalls an DeutschlüNd ansgeliefert werden dürften, da die Ermordung Erzbergers als p ol i t i s ch e s Verbrechen anzusehen ist und Ungarn politischen Verbrechern das A sylrecht gewährt. Ein neues Communique der Polizei, welches im Laufe des heutigen Tages erschienen ist, gibt an, daß die deutschen Gäste des Abgeordneten Gömbös politische Flüchtlinge sind, die am Kapp-Putsch soin einem eisiigen Flnßlaufe bemerkte. Auch in den Tümpeln und Wasserläufen in den Höhen von 15.000 Fuß und darüber fand Norton ein reges, ja bewegtes Tierlebem So sieht man, schreibt Norton zum Schluß, verschiedene Lebensformen in den höchsten Höhenlagen und nimmt wahr, daß die Tierewlt weit höher hinansteigt als die Pflanzenwelt. Eine kleine schwarze Spinne springt auf den felsiigen Klippen unter und versteckt sich in der Höhe von 22.000 Fuß unter den Trümmern, die von den Winden vom Schnee reingefegt wurden. Diese Spinne zwischen Eis und Fels ist sicherlich der höchste Erdbewohner. Zunächst rangiert ein Schmetterling, den Norton und seine Genossen auf dem Mount-Everest in einer Höhe von 21.000 Fuß fliegen sahen. Wer hätte jemals denken können ,daß Bienen mehr al sdreitausend Fuß über der Schneegrenze leben und gedeihen könnten? Und doch fand Norton Bienenschwärme in dieser Höhe. Re Wen Kurse. (Ncünodienst der „Wiener Morgenzeitung*.) Paris, 18. August. (Radio.) Effektenichlußkurfe: Bangire de France —, Pragobanka 415.—, Credit Lyonais 1610, Suez 149,—, Platine 845. Dabrowa 733, Banqne Ottomane 765, Central Mining 910, Rio Tinto 28,95, Le Navhta rusie 415, Sueeeried Egypte 1038, Cautschoues fin 147,—, Chartered 47,—, Debeers ordin.. 299, Goldsields 77,—,. Huanckmkas 352, Jägers Fontain 245,—, Malacca ordin. 157,50, Maltzoff 460, Mexican Eagle 82.85, Padanq 386,—, Rand Fontain 31.—,Nandmine 242.—, Silva plana 161,50. Tanganyika 150,-, Tubice soie 682.-, Utah Cepver 1675. Shell 333,60, Royal Dutch 24,200, Burmah —, Bakou 2685. Rew-Borlr» 18. August. (Radio.) D e v i s e n s ch l.u ßkuri er Tcigaeld —, Wechsel auf London 4,51°/«, 60 Tage- Wechsel 4,437/g, Paris 5,46, Amsterdam 39,02, Prag 2,99, Silber —.— Berlin 237/8. London, 18. August. Austro Anleihe 91, fünfprozcntige tschecho-slowakische Anleihe 100,50, Prager Anleihe 60, Skoda üö,60, Bnakverein 8, Bodcnkredit1S,(), Central Mnnig 11, General Mnnig 11,6, Diamons 17, Tebeers 11,25, Rio Tento 35)26, Royal Dutch 29,50, Shell 4. New-Dork» 18. August. Effektenbörse. Atchinscn 105,25, Baltimore 645/«, Canadian Pacific. 152,—, Cbeasc'i.'.-acke —, Eari 30, Greaty Northern '67,75, Milwaukee 667/„, Northern Pacific 17,—. Union Pacific 144V«, Union Steels l 10,26, Royal Dutch 43,76, Southern Pacific 96V«. Wie an den verschiedenen nationalistischen Aktionen Ludendorffs, Hitlers und des Kapitäns Erhardt teilgenommen haben und aus diesem Grunde nach Ungarn geflohen sind. Ministerpräsident Graf Bethlen trifft, mit einer neuerlichen Unterbrechung seines Sommerurlaubes, heute vormittags in der Hauptstadt ein und wird si chsofort nach Gödöllö begeben, um dem R e i ch s v e rwefer über die Angelegenheit der drei Deutschen Bericht zu erstatten, welche bereits ein Politikum ersten Ranges darstellt. Was die Horthy-Agentur meldet. Budapest, 18. August. (U. T. K. B.) Der Leitet der politischen Abteilung der Budapester Staatspolizei erklärte einem Berichterstatter des „Magyar Hirlap", es sei authentisch (!) festgestellt, daß Heinrich Förster ein ehemaliger deutscher Offizier und keineswegs mit Heinrich Tillessen identisch ist. Die Polizei habe die Untersuchung abgeschloffen und werde die Akten der Staatsanwaltschaft.al,treten. Förster dürfte auf freien Fuß gesetzt und gegen ihn das UebertretungsVerfahren eingeleitet werden, weil fein Paß und seine Dokumente nicht in Ordnung sind. Bethlen verspricht eingehende" Untersuchung. Wie weiters gemeldet wird, stattete der. deutsche Gesandte Graf W e l c z a k heute mittags dem Ministerprüsidew. ten Graf Bethlen einen Besuch ab. Der Minister. Präsident habe dem Gesandten eine energische U n< ierfuchung der Angelegenheit zugesagt. Förster freigelassenk Heinrich Förster wurde auf der Budapests Oberstadthauptmannschaft heute einem neuer! lichen Verhör unterzogen. Nach genauem Vers gleich seiner Gesichtszüge mit denjenigen des von det deutschen Behörden kurrendierten Mörders Tillessen konnte eine überzeugende Aehnlichkeit (§ zwischen Förster und Tilleffen nicht festgestellt wer! den, obwohl auch Heinrich Förster eine ganz gleich artige Verstümmelun'g des linket Ohres aufweist wie der Mörder. Da ferner Heinrick Förster jede Schuld an der Ermordung Erzbergers ar^ das entschiedenste bestritt und auch ein Alibi (!) zr erbringen vermochte, hat sich die OberftadthauptmanN schaft von der Unschuld Försters überzeugt und des Verhafteten auf freien Fuß gestellt. Die Buda Pester Polizei hält damit jegliche Untersuchung in dieses Angelegenheit für abgeschlossen. . j Anfruchkbarmachung geWg Minderwertiger Aus Dresden wird uns geschrieben: Das sächsisH Landesgesundheitsamt hat sich in eiinem ausführlichen (m achten zu der Anregung des Zwickauer Bezirksarztes Dom. B o e t e r s betreffend .Unfruchtbarmachung g e i st ij Minderwertiger geäußert. In diesem Gutachten wfi vorgeschtaigen, im Strafgesetzbuch im 17. Abschnitt (Körpervü letzung) hinter § 224 folgenden § 224 a einzufügen: „Eine ftroj. bare Körperverletzung liegt nicht vor, wenn jemand duö einen Arzt zeugungsunfähig gemacht worden ist, dl an einer geistigem K r a n k h e i i, einer dieser gleich erachtenden geistigen Störung oder an einer bestätigt schweren verbrecherischen Veranlagung leü oder gelitten hat, die nach dem Gutachten dreier hierfür au lich anerkannter Aerzte mit großer Wahrscheinlichkeit s. ch w e i Erbschädigungen seiner Nachkommen erwarten lös Der Eingriiff muß mit seiner Einwilligung oder bei 12 mündigen mit Einwilligung des gesetzlichen Vertreters und j beiden Fällen mit Zustimmung des Vormundschaftsgerlicht vorgenommen sein. Als Gutachter kann nur ein Psychiater uj ein in Engenie und Rasseuhygiene erfahrener Arzt gelter Dieser Gesetzentwurf ist an das Reichsjust• n'[icvium w> tergogebrn worden. Las Wrtter. : Die Voraussage kündigt veränderliches, l ü h i• Westwetter an. Hochwasser in Bayreuth. München, 18. August. Aus allen Teilen Bayern.) a:j Nachrichten über schwere Unwetter, Wolkenbrüche. und Ho Wasser vor. So wurde auch das Taubertal schwer heimgesch wo die Wolkenbrüche großen Schaden anrichteten. Bedeute! Sachwerte und Vieh wurden vernichtet. In B a y i e u: und Umgebung drang das Wasser bis in die Keller der Häp ein. Im Saalegebiet bei Hof ist gleichfalls Katastropheuhr tvasser ausgetreten. Der Wolken'bruch bei Oberjoch und h Oberdorf hat den ganzen Ort in Mitleidenschaft gezogen. , 150 Dörfer in China überschwemmt.! Peking, 18. August. Der Damm des Großen Kanals in der Nähe von Jenhsien in Wost-Lcha::tnng

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