Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1979 (18.8.1924)
- Date
- 1924-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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fe. JM9 18. August 1924 Men, Montag ©tote* Ml>r«»nzert«nü U. w ROMAN VONSIDNEY HORLER AM ^Nachdruck Vorbehalten.) (49. Fortsetzung.) „Wir werden den Cup gewinnen, mein Junge! Wenn ich überhaupt wetten würde, wiirde ich mein letztes Hemd auf Hollywood setzen, und ich sage das nicht, weil ich der Manager dieses Klubs bin. Wir haben schon die ganze 'Saison -hervorragenden Fußball gespielt, aber das Publikum ist erst jetzt daraus gekommen!" Marr, der in diesem un-evfchnttevlichen Vertrauen des Managers ein gutes Omen erblickte, ging aus dem Zimmer, da «ihm rnitgeteilt worden war, daß eine Tarne ihm zu sprechen wünsche. Bor dem Hoteleingang saß in einem großen Auto Margery mit ihren unzertrennlichen Freunden, Mr. und Mrs. Anthony Armitage. „Ich muß dich noch einmal sehen) Dick, mn dir Glück zu wünschen", sagte Margery mit vor Erregung blitzenden Augen. Sich hinauslchnend, fügte sie hinzu: „Nach dam Match!habe ich eine wunderbare Neuigkeit für dich!" „Diese wunderbaren Neuigkeiten' werden dir zur Gewohnheit", scherzte der Fußballer. „Du hast mir dasselbe vor. dem Semifinale gesagt, aber verraten wolltest du mir weiter nichts!" . „Weil ich ctivas zu früh gesprochen 'habe, Liebster", war -Mc Antwort. „Aber jetzt ist alles schon in Ordnung, nicht wahr, Mrs. Armitage?" „Vollkommen in 'Ordnung", antwortete die letztere un-d lächelte Tick freundlich zu. „Kommen Sie nach dem Match zu uns und wir wollen Ihnen mehr verraten! Wien und recht viel Glück!" In den prächtig eingerichteten AnUeideräumen — den -besten, die sie je gesehen hatten' — bereiteten sich die HoLlywood-Dpieler für den gewaltigsten Kampf ihrer Karriere. Vor zwanzig Minuten noch waren sie über den wundervollen Rasen der Arena geschritten und hatten lächelnd die gewaltigen Massen beobachtet, die zu ihren Plätzen drängten, und die vielen possierlichen Ädascots, die zu sehen waren. Jetzt ivar ihnen das Lächeln vergangen-, sie sahen nervös und ängstlich aus. Ihre Körper zitterten vor verhaltener Erregung. In ihren Augen lag ein Blick, wie er Menschen eigentümlich ist, die vor einem großen Abenteuer stehen. Aber als sie angezogen waren, präsentierte sich eine prächnge Gruppe von Athleten in funkelnagelneuen rotem Dreß, makellos weißen Hosen und rotgestnlpten Strümpfen. „Ihr seid ja hübsche Iungens", grinste Kanonier Sage. „Ihr macht mich wirklich neidisch!" Ein stattlicher Mann mit einer schwarzen Kappe foni zur Tür und winkte Ben Warriner mit gekrümmtem Figer. Der Hollywood-Kapitän folgte dem Wink und ging „Wer ist das?" fragte Walter Bell. „Ter Schiedsrichter — Horton. Der beste m ganzen Lande. Gott sei gelobt, wir 'haben heute einen guten Schiedsrichter. Was wollte er von dir, Ben!»' fragte Transield den eben wieder eintvcteuren Kapitän. „Er -hat Crosby zusammen mit mir hinansgerusen, um tlns zu sagen, daß er unsere Unterstützung braucht, um das Spiel fair zu halten. Ich habe ihm gleich gesagt. Daß unsere Fungetls nie anders spielen. Er hat -darauf gegrinst und gemeint, das wüßte er zwar, aber -wenn Leute einmal nervös sind, vergessen sie sich oft." „Also, Iu-ngens," fuhr der Hollywood-Kapitän fort „in zwei Miltuten stehen wir dort draußen. Bis ich anders entscheide, spielt ihr Walter Bell zu. Er hat den schwächeren Teil -der Verteidigung gegen sich. Haft du verstanden, Tommy," wandte er sich an Dean, „und auch du, Pat?" „Was du sagst, sitzt, Ben!" antwortete der Rechtsinnen. ,fühlen Kopf bewahren, denkt immer daran, daß ihr die bessere Mannschaft seid", sagte der Kapitän und zupfte noch einmal sein Jersey zurecht. „Wir sind fertig, Sir!" . Mit dem Tramingsball in den, Händen, führte. Warriner. sein Team hinaus, wo sofort 'Hunderte von Kameras und. Fr'lmapriaratc auf ihn gerichtet wurden. :' Er war vierzig Jahre alt, aber er sah aus-wie ein Aüygling. Warriner! Braver, prächtiger Warviner! 10. Kapitel. Das Finale. Erregt und ungeduldig' -harrte die riesige Menge, wohl an die 150.000 Menschen, auf das Evscheinen der beiden Teams. Die meisten hatten unzählige. Qualeu zu überstehen gehabt, um überhaupt dabei sein zu tonnen, aber zusammengepfercht, daß ft-e kaum atmen konnten, wären sie jetzt glücklich und zufrieden. Denn es Ivar ihnen vergönnt, das größte Eveignas -des. Sportjahres, -den klassischen Kampf mn den engÜschen'Pokal, vor ihren Augen abrollen zu sehen. Hollywood erschien zuerst aus dem Felde, und als die rot-weiße Dreß sichtbar wurde, rollte ein brausendes BegrüßungLgebriM aus'den Kehlen der nordischen Gäste über das- Folk. Zwei Mnuten später schl-enderte'Kensington, der Stolz der Metropole, wie überhaupt des ganzen Südens, in das Feld. Es waren große,. untersetzte Burschen in blauen Jerseys mit den Initialen K. F. C. in weißer Seid; aus der linken Brust. Wie ein Orkan fegte der Gruß der Menge über, das Feld, als sie stolz und nachlässig die Arena betraten. So geladen war die Atm^'phäre mit Spannung, daß nicht.die kleinste Einzelheit, die sich begab, unbemerkt blich. Mit atemloser AnfmerEfa-mLeit folgten hunderttausend Allgenipaave der athletischen Gestalt des Schiedsrichters, als er mit bei Geschwindigkeit eines Knaben in die Feldmitte lief-und dabei mit denr .-naiven Entzücken einess-Pi-elenden Kindes Den Matchball vor sich herrollte. Ein scharfer Pfiff und wieder rollte der Beifall über di: Arena, als die beiden Kapitäne zur Feldmitte eilten, wo. .sie vom Schiedsrichter, begrüßt wurden. Best Warriner schien die besondere^Wertschätzung des Schiedsrichters zu genießen, denn dieser umarmte -den Meinen Mann im rot-iveißen Dreß mit dramatischer Geste und klopfte ihm liebevoll auf -en Rücken, Die 'kleine Episode fand brausenden Beifall und die Zchntausende, die Hollywoods rot-weiße Abzeichen trugen, jubelten: ,/Hnrrah, Benny!" Dann trat Totenstille ein. Bei dem ctivas heftigen Wind, der herrschte, hing viel davon ab, wie das Los fies. Der Führer Kensinglons konrute seine Freude über die günstige Auslosung nicht verbergen und rannte mit denr Ungestüm eines ungebärdigen Schuljungen zu seinen Ge-, fahricn zurück. Jur Hollywcad-Lager zeigte sich aber nicht die leiseste Spur von Niedergeschlagenheit. Jeder einzelne Mann rl-rhnr ruhig seinen Platz ein und man hatte den Eindruck van einem zielbewußten Team, welches auf effe.tthaschende Gesi-n vollständig verzichtete. Nach ihrem Benehmen zu schließen, hätten sich ebenso gut zu einem gewöhnlichen L igaspstl an treten können. „Nicht den Kopf Verlierer! sind imnrer daran denken, daß ihr die 'bessere Mannschaft seid", hatte Ben Warriner seinen. Mannen gesagt. In diesen ersten, schicksalsschweren Minnien. als die Nerven zum Reißen gespannt waren und die Füße der dirigierenden Avbeit des Gehirns noch ent- 'behrren, o-'wies Hollywood, ivie sehr sie ihres Führers Rat sich zu Herzen genommen hatten. Gleich vom Abstoß 'weg zog Bill Len nie unter dem Anschein, den Ball seinem Flügelmann zuzuspielen, di-e Verteidigung auf sich. Eingeengt von drei Männern, schoß er jedo5das Leder hinüber zu Malter Bell, der ein ziemliche Stück vorn rechten Kensington-Half entfernt stand. Wie ein Meteor zischte der kleine Flügelmann die! Onllinie entlang, Bedroht von Harvey, dem rechten Back, gelang es ihm' aber nicht, zu zentern, er lief daher, seinen Gegner, der groß genug ipar, mn ihn aufessen zu können, geschickt umspielend, .weiter. O h!!'.! Ein vielstimmiger Schrei der Angst ging durch die Menge denn es schien, als ob-Bell .den Ball zu hart getroffen hätte, so daß er ins Oüt zu gehen drohte. Genau auf der Linie jedoch schwang Walter Bell den .linken Fuß. , . Es war ein tvundwbarer - Zen.ter.ball, obwohl der Linksaußen in seinem Verziveifelten Bemühen zu, stark geschbsseih hatte. Aber, der -Ball Mi wuchtig und Präzise, wie aiL-oilnr Kanone, -an' der. Mälyffnnng.i.porb^^schv'ssen und landen am. Fuße Tommy-Äeans, welcher ihn-'sofort seinem Nachbar zuspieltc. Pat Finuegau, - der - sofort wuchtig a-ngeganMntombc, rollte das Leder zu Marr. . , Schweres Atmen hinter fein-em Rücken vsevidt Mittelstürmer, daß der große Bill Lenmie in MttvüüÄ- - barer Nähe war, Marr konnte, nicht Mer schvchm, i da ihm 'der KensingtvwiZentevhalf wie «inhing. - -- - , - - - Als der Ball zu chm gelangte, hob' er den Fnß, M ob er ihn aushalten, wollte aber 'vr berührte dcE -überhaupt nicht. Das kleine Äkmover täuschte, feinen Mstgnec so Vollkoni men -daß er sich sofort, nach rechts wHbüe, um -dem Schuß, der jetzt zu kommen schien, UL lbetzWbM. . Ter Trick gelang, -der feiMiche nicht schnell genug zurück, uim 'dMiLWKSÄWüdiW'-bvsW«, welcher die Lücke'zwischen dem -der entfernterer: Goalstange erspähend, eine seiner belobte» ..Bomben hinein schmetterte. -. . - Es. war vollendete Schießkunst. ^Das Leder stvnste -die Innenseite der Goalstange und sprang in das Äotz, -während der Tovmann hilflos daneben stauch.' , Delirinnl -brach ans. Die Kohorten Hollywoods sMm- ,ten einen jubelnden' Trinmphchorus a-n und aus mehr-M '50.000 nordischen Kehlen brauste es-' emporr:' . i- - , ,,'Det ’cm alight, Set 'cm alight, ' " - Set 'em alight, .. . . The Ro-b — insl^ .. .. .'.. .--istI Mitten in. diesem Pandämonium lachten chmge-Mite, iurrd plötzlich widerha-llte das Gelächter am ganzen. Walter Bell, der'' w-ilizige Wüsermarm) war stinem Motner auf den Rücken gespvuugen und ritt so zurück Wr öÄiÄÄlinie. . . Das , erste Goal inr. CuPfmale -ist ein . Defizit andere Seite, das sofort ansgeglichenivevdev!. -rmch,!!Mft Hängt es drohend wie 'ein duniKer Schatten über. d^m-' Team und lähmt sein Vertrauen. Sein - mbväKscher ' 8Wck' ist unschätzbar. ... - : Betäubt und bestürzt, jedoch mit. grimmiger. Mw» schlossenheit spielten die mächtigen und stolzen Ehampioms des Südens weiter. Sie waren -das wsitans schchsreve... 'Team und machten davon auch Gebrauch. - Sie -warfen sich beinahe rücksichtslos auf'ihre Gegner, blichen Mach immer in den Grenzen fairen Spieles. Sie kannten den Schiedsrichter -viel zu gut. um sich Ausschrei-timgen zu eolmEenz ein warnender Blick, ein Wink mit dem Fingerbic skrupellose Absicht war im Keime erstickt. Mit dem 'svumdlich lächelnden Mann in der schwarzen Kappe 'war-wcht-M spaßen. - Es kommt selten vor, daß in einem Cupstnabe -KmH-. ' stücke gezeigt werden. Es steht zre. viel.auf ddm Spi>Ä-.M^ die .Spaunung ist zu groß für derartige Effekte. ,3b&$ dieses Spiel war keine Ausnahme davon. Aber -was dem Kampf an - kunstvollen EinzeHeAen fehlte, wurde durch die aufregendslen- Episoden -ersM. T^a «war zürn Bei-spiel der wirWch nENMfPeiWe«Ve''Wje^ - blick, als Mae Kie, der sich um Benett ^umgsfMt Wie, Wallis allein gegenübeostand. Der HoKy-wood-.Tövma.:m 'verließ'' fvm.'Esmk/-' Schußfläche einznengen. Bevor er aiber 'den seindlichen-Fovward erreichen und ihm das Leder streitig -machen 'hatte Mae Ki-e schon mit Wucht geschossen. . . .... Mit Rücksicht -darauf, daß er. im Laufen. gesthMvt hatte, ivar es ein wohlgezielter Schuß. - . - -. Mit einem erstan-Mchen. Lu-stsprung -voWvaHe^' Wallis eine sensationelle Leistung.. Die' Finger', feimv'- gestreckten linken Hand berührten den- Ball ämd^fätM« ihn noch höher, und während -er gloichtzeWg'.MiückM, frwg' c r. das stürzende Leder so' geschickt -wie' -ein' 'Iattgjkem:i Mi) wirbelnden Teller fängt. Im selben Augenblick versuchte der inzwischen hM«- gekommene Flügelmann,- Wallis auzugehen. In seinen Bemühungen, dem Gegner auszuweichen, glitt der.DoMNM« aus, lva-rf sich aber s-osovt'auf die Seite, sprang fa&fa. auf die Seite,, sprang wieder ans up-d.schl-euldevte, in das Out! Das ivar einer der vieilen uerverpuHeDWMyk. Momente des Kampfes. - Unmittelbar darauf gelang -es Mavr, -welcher der''am- -meisten beobachtete Mann am Felde -war) ‘bistt ihm wie ein Schatten folgenden Gegner lochuMchür: M 'dribbe-lde -einige Schritte -weit, gab dann p8Mchs-,«Mschiveven: Tritt :mch links ab, wo Walter Bell.sich wie ein Hund auf den Knochen, aus--dm Ball stÜHte. üanncK