Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1978 (17.8.1924)
- Date
- 1924-08-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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WWMMMM-M ~~* /--» 5".-r-vi üfww15^lt7-^7T Getel 17. AiuMt 1SS4 Wen, Sonntag Wiener Morrgenreituns. M. 1S78 «WWW H tti " :♦-■ ■ SEIFENBLÄTTCHEN LUX Ist das über die ganze Welt rühmlichst bekannte Spezialreinigungsmittel für WOLLSACHEN, SEIDE, GARDINEN UND ALLE ZARTEN GEWEBE LUX ist ein hochedles Seifenpräparat, dargestellt in viereckigen Blättchen von minutiösester Dünne und aus den erlesensten Rohmaterialien gewonnen, ln heißem Wasser aufgelöst, entwickelt es einen wunderbar reichen und weichen Schaum, der aus den feinsten Fasern den Schmutz herauszieht, ohne daß es nötig ist, die Gegenstände wie Wollsachen, feine Wäsche und Gewebe zu reiben oder mechanisch zu behandeln. Dadurch wird der Schutz der Gewebe gegen Zerstörung gewährleistet und das Eingehen der Wollsachen vermieden. LUX ist heute wieder in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Kt besteht nur eine Möglichkeit, Ihre Wollsachen ohne Gefahr zu reinigen, wenn Sie LUX unter genauer Beachtung der auf den Originalpaketen angebrachten Waschvorschrift verwenden. Nie Fra« und ich. lvirzivei. Von Andor GeAor. . .. ,Mble d"hote, erste Serie!" ruft der Bedienstete des Speisewagens ins Coupe und die Reisenden begeben sich Wer de» schmalen Korridor in den Speisewagen, wie kleine Kähne in der unruhigen Meeresenge, van einer Wand an die andere geschleudert. Auch ich tanze den Korridor entlang und setze mich «rf den mir angewiesenen Platz. Ein kleiner Tisch mit bloß zwei gegenuberstchenden Sesseln; darüber fteue ich mich schr, da ich auf diese Art beim Essen bloß ein einziges Gegenüber haben werde. Es ist ein überaus eigentümliches Gefühl, beim Essen ganz fremden Leuten aus nächster Nähe in den Mund zu schauen, die sich ungemütlich suhlen undsich bestreben, weder M schmatzen «och zu schlürfen, nur damit der andere, von dem sie nicht einmal wissen, wer, was er ist, von ihnen eine gute Meinung hat.- Ich, warte; wer wird mir gegenüber auf dem leeren Sessel Platz nehmen? Eine Dame. . Ich schaue nicht auf, um sie durch mein Fixieren nicht in. Verlegenheit zu bringen, und vertiefe mich anscheinend.mit der größten Aufmerksamkeit ins Studium der Speisekarte. Schön ist die Dame, nicht,, das sehe ich sofort; kleinbürgerlicher Typ, auch ihre. Eleganz ist nicht übermäßig, aber' wir werden schon miteinander irgendwie diese Viertelstunde auskommeu. Die Frau richtet sich die Frisur. Das ist lieb von ihr. Man bringt die Vorspeise und sie nimmt nur wenig davon. Ich verstehe; sie WM nicht, daß ich sie sur eine große Esserin. halte. Seit Byron ist es nicht schön, wenn die Frau viel ißt, da sie nun schon einmal essen muß, was traurig genug ist. Während der Vorspeise beginnt mich die Frau zu betrachten. Oh, oh. Wie fest sie schaut. Sie schaut in sinemfort, und so, daß es'nicht mitzzuverstchen' ist. Was habe ich gesagt: diese Frau, ist nicht schön? Sie ist sogar ziemlich schön. Häßlich kann man sie auf keinen Fall nentren. Um die Nase, und um den Mund hat sie einen lieben Zug. Sie fixiert mich derart, 'daß ich verlegen werde Und . nicht mehr weiß, welches das Salz und welches der Zucker ist. Ich scheine ihr zu gefallen. Aufrichtig gesagt, wundert mich das gar nicht. .Es ist aber.doch keine alltägliche Sache, daß sich eine höchstchende Dame gleich in 'der dritten Minute in einen Mann verliebt; und daß es eine höchstchende.Dame ist, erkentst .man.schon an ihrer Eleganz. Und'schön ist sie auch. Erst jetzt bemerke ich, daß sie schön ist; sie -hat etwas um die Schläfen und Ohren, das direkt schön ist. Sie -ist auf. jeden Fall sehr schön, denn jetzt lächelt sie mir auch schon zu. Es, freut mich, daß ich den Ehering nicht am Fmger frage, erst jetzt stellt es, sich.heraus, welch eine kluge Maßregel das von mir war. Trüge tch den -Ehenng^ würde die Baronin sofort sehen, daß ich trotz meiner Jugend ein verheirateter Mann -bin und. sie würde es nicht , mehr wagen, sich in mich derart zu verlieben, wie sie es soeben tut, augensichtilich tut —> verschlingt sie mich doch förmlich mit ihren Äugen. M Kdtze M" i i M LhM. allen gesellschaftlichen Vorurteilen". Ohne sich dämm zu kümmern, daß du ja eine Gräfin bist,, zeichnest du mich, den Plebejer, mtt deiner Lielbe aus, während du so schön bist, daß sich dir selbst Könige freudig zu Füßen werfen würden!" Jetzt esse ich wenig; das Brot rühre ich nicht an; der Engel möge schen, mit wem sie es zu tun hat. Vornehme Leute essen nicht 'viel Brot, und auch ich werde es mir abgewöhnen, damit ich mein ganzes Leben lang, für dich, meine Herzogin, schlank und bezaubernd bleibe. Ich flüstere dem Kellner diskret zu, mir eine Flasche Champagner auf den Tisch zu stellen. Ich bin zwar kein Trucker, man erscheint aber gleich in einem ganz anderen Lichte, wenn man selbst zum'einfachsten Speisewagen-Souper Champagner statt Mineralwasser austragen, läßt. Die Prinzessin bemerkte gar nicht den Champagner,. so schr ist sie in meinen Anblick vertieft, nur ich nrtereffiere sie; sie scheint sich gar nicht darum. Kl kümmern, ob ich ein Bettler bin oder ein Königlich habe in ihrer Brust eine vechängnisdolle Leidenschaft wachgemfen ... Das Souper ist zu Ende, nun wird sie aufstehen, sie wird, etwas sagen, wird mir zuwinken, ihr Inkognito lüften. Oh, welch ein herrliches Abenteuert ' - ' , Die Dame steht auf, schaut mich noch einmal an, noch intensiver als bisher und sihwebt dcwon. Davon ... - ' Der Kellner beginnt plötzlich hinter meinem Rücken etwas mit der Serviette zu .Ich schi/c hin. Mn Spiegel . . . ' Ein Spiegel ist hinter meinem Mcken, der Spiegel des Speisewagens. Und ich bin zwischen der Frau und. dem Spiegel gesessen. Sie beide: die Frau und der. Spiegel ...... Unerhört, wie eitel häßliche Frauen sind, besonders Wer die von kleinbürgerlichem Typ. (Deutsch von Maurus Mezej.) Die Geschichte des Lachens. - Trotzdem von den ältesten Zeiten niemand so recht was Gewisses weiß, gestattet sich der Unterzeichnete doch die Vermutung, daß das Verhältnis der. Sevlenkräfte. zuernatcher.. sich nicht -wesentlich , verändert hat und' daß auch im Jahre 36 vor Christo der Mensch sich am glücklichsten gefühlt hat, wenn er lachte. Tiere lachen.bekanntlich nicht, nicht einmal die Affen. Das Lachen war etwas, was die neue Art Geschöpf erst 'lernen mußte. Es Mar das natürlich.-zunächst.nichts Kultiviertes. Wir können, es uns gut Vorsteven, daß der eHe Mensch beim Lachen ,',wie ein Närr^ ge'brNt hat. Ein Ratgeber für gutes. Benehmen -war damals'noch nicht geschrieben — zum wenigsten ist -in den Höhlen der Dordogne und bei dem Neandertaler Menschen nichts gefunden -worden, woraus sich - aus', ein Urzevemomell schließen ließe.' , ' Ich. weiß nicht, ob schon eine Monographie über das MW WLM M M Mm ME WMW' ist, laßt' sich schwer feststellen. Ans schr früher Zeit ist dar -„homerische Gelachteiu bekannt. Wir legen diese Ärt Lachen heute als.etwas besonders Ehrliches, Lautes, WÄthin* schallendes aus. ' Das Lachen hatte feinen gesunden Kern, und die K ul- . tur war.wie in allen Dingen auch diesen gesunden.Kern zu verderben bestrebt. In.der Zeit'vom siebenten bis zum dreizehnten Jahrhundert können wir uns das Lachen sozusagen auf dem Index vorstellen; es.war wohl in rein private Oertlichkeiten verwiesen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß einer, der lachte, sich Ablässe kaufen mußte. Das Lachen war nur ganz hochgestellten Persönlichkeiten erlaubt. Aus der Geschichte ist es bekannt, baß irgendein Kaiser.da oder dort laut, gelacht hat. Im übrigen begab sich die Menschheit bekanntermaßen nach der ägypttschen Wüste, nach-dem Berge Athos und füllte den Kalender mit Heiligennamen. Nebenher führte sie Kriege, blendete dir Unterlegenen, ersann Sekten und Instrumente, die man Keuschheitsgürtel benannte. - Gne schöne Zeit für das Lachen kam dann mit der Nett ä i s fance. In ganz Italien wurde das Lachen eine offizielle Kundgebung. Die lit er aris chen Dok um ent e beginnen sich zu häufe« und neben dem Namen Dantes taucht derjenige deS Boccaccio auf. Daß ein Rabelais' im Zettalter der Kreuzzüge nicht hätte erstehen können, ist sonnenklar. Sehen wir.uns dagegen irgend ein Bild.von Rembrandt, Rubens, Osiade oder auch ein solches von Boucher, Fragonard und RowlaüdsrM an, so sehen wir, daß damals für das Lachen schon gesorgt war. . Aber ha wir. uns schon im galanten Zeitalter befinden, dürfen wir nicht vergessen, daß das Lachen der Kultur unterworfen ward. Es bildete sich der Unterschied heraus zwischen einem Herrenlachen und einem Volkslachen. Indes die Bauern deS Ost ade.ans voller Kehle, mit Auge«, Nase,.Bart, ja noch mit dem Rocksaum zu lachen , imstande sind, als hätten sie den Verstand verloren/ lacht die Herrschaft „con fordrno", Lautes Lachen, ein weit offener Mund,'aus dem Auge quellende Freudentränen: in alledem sah man Mangel an guter Erziehung. Die Aristykvatie, die jenseits , des Rheins über gut und schlecht Wetter entschied, fand heraus, daß die Schattierungen des Lachens zugleich Schattierungen der ^Zivilisation todrett. tJch glaube, daß noch in der Biedermeierzeit ein lautes Lachen als Ungehörigkeit °. galt. ' Jetzt aber leben wir in einem, demokratischen Zeitalter. Ein gedämpftes Lachen gilt als Beweis unzureichender leiblicher NW seelischer Gesundheit. Nach der Art des Lachens unterscheiden wir die Duckmäuser, von denen, welchen wir trauen können. Wir lachen wieder so natürlich, wie vielleicht einmal der Naturmensch gelacht hat. Was ffur Folge hat, daß wir von Lustspielen immer nur die HäDe hören. Aber das tut nichts. Denn die Form des Lachens ist , immer ei» Beleg dafür, wie wett wir von einem natürlichen Verhältnis der menschlichen Seelenkräste entfernt sind. Es scheint, daß wir uns diesem Gleichgewicht wiederum anzunäher» beginnen. ' Mus „Pravo Lidu^