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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-17 · Heft 1978 (17.8.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1978 (17.8.1924)
Date
1924-08-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1978 Wien, Sonnkas MeneDr Mörüenrettung. Matteottd Leiche sefmde»? . Rom, 16. August. (Stesaui.) An der Stelle Mischen . Serosano «n- Castelnonvo di Porto, wo vor zwei Tage» I -er Rock M attesttis gefunden wurde, haben Polizei- J Hunde einen L e i ch n a m aufgespürt, -er dort b e g r a b e n , war «nd sich im Zustande beginnender BerwchAg befindet.; BehSMiche Organe begaben sich an den Fundort, um sest- , zusiEen, ob es sich um den Leichnam Matteottis handelt. Das ErgeVurs .der amtlichen Nachforschungen steht «och aus. - > Wie die Blätter melden, ist die aufgefundene Leiche zerstückelt und der Kopf ganz ohne Haare. Die früheren Deputierten To«ello und Mastraechi hätten an dem goldenen Schneidezahn der Leiche erkannt, daß es sich um den Leichnam Matteottis handle. Die letzten Nachrichten von dem Orte, wo -er Leichnam geßun-en worden ist, lassen vermuten, -atz es sich t a t s ä ch l i ch um -ie Leiche M alte » t t i s handelt. An -er A u S g r a b u n g der Leiche wird - eh « t f a m gearbeitet» -amit Lei« Teil verloren gehe. ES scheint» -atz die Auffindung -er Leiche von entscheidender Bed e »tu « g sein werde. Aegyptische und englische Proteste. Mexandrien, 16. August. (Router.) Gm geistern verüffeMliichtes Communlique bqsagl, der ägyptMe Minist-err at halbe den Botschafter in London be- «aulftvagt, gegen die bri ti f ch e A g i t at i o n i m Sudan zu protestieren, die Aufhebung der UrtieÄie gegen die Beschuldigten zu verlangen und die Prüfung der Lage sowie die Feststellung der VsvantwoMchkeit eiiner äghptirfch-fudauefiiisch'en Kommisif <i oot aMver,Wauen. London, 15.. August. (Reuter.) Der englische Oberkommiissär hat beim ägyptischen Ministerpräfidenten gegen die in diesem Communique enthaltisnen UngönauWoiten protsstiart, worin gegen die «nMchen Truppen BeischulldiWNgen echckben werden. Kämpfe? Nach einsr MeLdrvng aus Kairo halben . im P o r t Sudan nach der Anrkmvst der englischen Verstärk ungen aus Kairo Kämpfe stüttgchunden. Die Engländsr wuüden von den Gingeibovetnien mit GowchrschWen empfangen. Die Aufregung unter der einheimifchen ÄwöAevung ist sehr groß. : Kundgebungen in Kharimm. Rach MolÄungen aus Khartum ist gestern eine große Menlschemnenge vor die Gisenlbahnzentmlftvtvan gezogen, um zugunsten des' mente r n'd e n EilsaMhahindataillons eine Kundgebung zu Voranstalten, da angenommen wurde, daß das Bataillon M einem EvsenbahnKuge verlboMn wäre. Bekanntmachungen ohne Mterschrift, in denen gegen die britische Herrschaft gehetzt wurde, wurden während der Nacht an Mliegraphenstengen und an den Häusern Omdurmans angebracht. Darin heißt es, daß die, sudanesische Bevöl- Die letzten Kurse. (Radiodienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 16. August. D e v i s e U s ch l ir ß k u r s er Wien 329.809, Prag 181.62»/,, PMS 79,83,. BMel 86.36, Rom 166»/„ Zürich 24.88. Madrid 38,61, New-Uork 4,88»/., Amsterdam 11,62, Kopenhagen 28,—, Christiania 32,41»/», Stockholm 17.11»/,, Helsingfors 181,78, Berlin 19,20, Bukarest 997,60.; Aew-Pork» 16. August. (Radio.) Devisenschlußkurier Taggeld —Wechsel auf London 4/547/s, 60 Tage- Wechsel 4,62»/.. Paris 8,71, Amsterdam 89,16. Prag 2,97'/,. Silber Berlin 23'/,. kernng namens der ganzen Bevölkerung des Sudans den Kampf gegen die englische Negierung erklären soll. - Die KSmftse in Transiorüanien. Kairo» 16. August. (Reuter.) 2500 Muselmanen de» Sultanats Nedjd haben mehrere Dörfer an der trans jordanische »Grenze in Brand gesteckt. Schließlich gelang es, sie ungefähr 40 Meilen von Aman zurückznfch lagen. Der Bürgermeister von gerusakm. London, 16. August. Die Exekutive der Zionistischen Organisation veranstaltete zu Ehren des augenblicklich in London weilenden Bürgermeisters von Jerusalem, Reg hi Bei Nashashibi, einen Empfang, an dem von zionistischer Seite Dr. Weidmann, Nahum Sokolow, Louis' Lipsky, David Bellin und Israel Cohen teilnahmen. - Die Astgrenze Polens. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Krakau, 16. August. Dom „C z n s" wird aus Warschauer diplomatischen Kreisen mitgeteiilt, daß anläßlich der e nglis ch - r uss isch en Ve-rh and Lungen in London der Süwsetvertreter Rakowski.auch cm Memorandum über Ostgalizien vorgolegt hat. In diesen: wird davge-liegt, daß Ostgalizien eine zu 70 Prozent ukmiuiische BcvöWruiNtg und nicht viell über 14 Prozent Polen zähle. Die im Jahve 1923 durch Eden Botschafterrat beschlossorle Zuteilung Ostgaliziens zu Polen bedeutet eine BergewaltigUiNg des Selbstüvftimm.ungsvechte!s der ukva-iischen Bevölkerung; Sowjie-tmßlad und Ukraine - hätten bereits mehrmals dagegen protestiert. - Es sei daher Aufgabe Englands, die ^lbstbestimmung -OstigaLiziens wch' 'M' damit zusailmnenhäingende -' VÄWerün-g feiBs. Schicksals herbeizuführem Hierdurch wstrde' W englischie R-egierung hk., Entscheidung der vstgalizischen Bevölkerung über ihr zuschristev an die Redattion sowie nnverlangr einlängenven Manuskripte« wolle man stets Rückporto verlege«, öa sonst eine Beaulwortung» beziehungsweise Rücksendung nicht erfolgen kann. ... .. 17. August 1924 i Seite 8 Schicksal ermögsttchen. Eine ähnliche Erksämng gab am Ra ko Ws kt Mer Bef,savabitzn ab. Der polnische Gefandte in London.'hat von de Warschauer Reghemmg die Instruktion eWilben, in die.sv A-ngölegercheLt entsprechende Schritte M.-unieirnehnten Menfo wurde der pollmsche Charge dÄffawes in Mos' kau beauftragt, der SowjetregiomUg hie Erklärung ab zugsben, daß die Dskkvmtion Rakowskis'. - im W i d t % spruch zum Rigaer Fariedensbe-rt-rag stche da in diesem bekannNch die Ostgr-eutze Polen) durch die Dollvjots anerkannt ^wurden. - Der Ausftand in Lberschlesten beendet. Warschau» 16. August. (P. T. A.) Der Verbandskongr«. der Arbeiter, der am Freitag in Kattowitz tagte, hat die Entscheidung de 8 S ch i e d S g e r ich t e S.a n e r k a nnt Es wurde einv Entscheidung angenommen, worin der AuSstani' in Oberschlesien für b e e n d e t erklärt wird. .> , Die bulgarischen Banden. Dir N zierung dementiert die Uebersälle auf griechisches und serbisches Gebiet. . Sofia, 16. August. Die Bulgarische Telegraphenagenm, .ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die ftit einiger Zei» systematisch verbreiteten Nachrichten über angebliche. Einfälle bulgarischer Banden auf serbisches und griechisches Gebiet sowie über Brandschatzungen. -Unruhen im Innern unv Berkündigmlg des Belagerungs, zustandes in Bulgarien der Wahr,heit nicht ent. sprechen. - Russische Waffenlransporie — fixt wen? Nach einer offiziellen Meldung.. ist festgestellt, daß von Rußland ans systematische W a f s e n t r a n 8« Porte organisiert worden sind. Durch Vermittlung des Advokaten Tuudschew in Tumen haben.die svwjetb schen. Militärbehörden in SeLastelho.^l.einer An?ah( v o.n Personen (wer sind die „Personen"? Die Red.) Waffen und Mnnitio>n in 120 Kisten ausgeliefert, die mittels Barken verschifft -wurden. Einer Motorbarke und einem Segler, die am 5. d. Sebastopvl. verließen, und am 11. d. an der bulZarischeu Küste eintrafen, gelang es, 80 Kisten Ge^wehre, Revolver, Bontben und Patronen auszuladeu; ein Teil davon, wurde am Ufer; in ' Beschlag genommen, ein anderer in-einem WaDe i40 Kilometer von der Küste, wo er verborgen worden war. Die in die, Angelegenheit verwickelten Personen sind größtenteils verhafte t. m t; - . . ii;.v ' Der Zolltarif. Gestern wurden die Einladungen zut^Einberufüug de8 Zollausschusses ansgeschickt. Der Zollaüsschuß wird für den 35. August, 4 Uhr nachmittags, einberufen mit der Tagesordnung : Fortsetzung der Debatte über den Z ollt a r i f. Am dem Miuifterivm der Ambern. D-er Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Grünbe.rger ist von einem kurzen Urlaub z u r ü ck g e t e h r t und hat die Geschäfte wieder über« nonnnen. um den Hals verließ er mit seiner Mutter Madrid. Diese Kette soll er von der Tochter Kaiser Karls VI., der Erzherzogin Maria Theresia, während 'ihres Aufenthaltes in Madridzu deren Ehren der Inquisitor Diego d'Aquilqr in seinem ‘ Pal aste ein Festbankett veranstaltet hatte, als Geschenk erhalten haben. Hier - weist die Legende auch eine ande.e Version auf, wonach d'Aquilar von der Erzherzogin, deren Jugendgespiele er gewesen,, beim Abschied cir.eit Handschuh erhalten haben soll, bei dessen Ueberreichung ihn die Erzherzogin aufforderte, wenn er irgend «inen Wunsch habe, ihr diesen Handschuh zu senden oder-selbst zu ihr zu kommen. Eine andere Version spricht wieder von einem Schleier. Auch soll der Kaiser Pereira das Wort gegeben habell, daß er für ihn, wenn er nach Wien komme, malles tun würde, was. in seiner Macht stünde. Nach der Legende verließ nun der Inquisitor mit . seiner Mutter Madrid und wenige Monate später kam er allein nach Wien, wo er die Kaiserin Maria Theresia um Schutz für sich und die.Mt ihm amgekonrmenen spanischen Flüchtlinge ersuchte.- Seine Bitte irurde von der Kaisserinbewilligt, die den spanischen Juten sowohl den ft ä n d i g e n A u f.e n t h a l t als auch freie R e l i g i o n s a n s n b u n g gestattete. , So weit, die Legende, die daran vergessen hat, >daß die. Kaiserin Maria Theresia (geb. .13. Mai 1717), im Ja!)re 1723, in dem Pereira nach Wien kam, erst sechs Jahre alt sein konnte?) Historisch steht nach der gegeniuiutiacit Kenntnis und dem uns zur Verfügung stehenden Aktemuaterial fest, daß d'Aquilar um das Jahr 1722 vort L fs s a b o u nach L o n d on und von -hier -arach W i e n . gekommen ist. In Wien; wo. er bei Kaiser Karl VI-, später bei der Kaiserin? Maria Theresia m besonders hoher Gunst- *) Ein jüdischer Chronist erzählt eine andere Legende, wonach d'Aquilars Vater als ein ängesebener und reicher Mann am spanischen,Hof lebte und Diego m seiner Jugend'den' Entschluß gefaßt haben soll, zum Judentum zurückzutreten. Hwrauf sei er mit seiner Mutter nach Holland geflüchtet, wo er Jude würbe. Von hier kam. er nach Wien, wo ihm Karl der Sechste eingedenk der Verdienste seines Vaters, l trotzdem er Jude wax, zum Baron ernannte. (Jeschnothstand*), spielte er im damaligen Wrtschafts- und Finanzleben eine bedeutende Rolle. Er gehörte te.n Interessentenkreise des damaligen / jüdischen./ Finanzmagnaten Samuel Oppenheimer an.**) So - verhandelt mit ihm die österreichische Negierung im Jahre 1?32 über eine Zehnmillionenanleihe, die die Hofkammer zur Hebung der bedrohten Lage der Wiener Stadtbank aufnimmt^Er ist an den Anleihen, die diie Hofkamnier bei den jüdischen. Finanicecs S ji n z h e i m und S i m o n aufnimmt, beie [ gt. Ec le hi der.Kaiser'« zuär Pan pes,S ch ö n b r u n ne r Schlosses 300.000 Gulden. Eine besondere Rolle fiel ihm um die 40er Jahre zu, als die österreichische Hofkammer daran ging, das Tabakwesen zu' ordnen. Bekanntlich wurde in Oesterreich im- Jahre 1692 wegen der damals < herrschenden Geldnot in der Staatskasse, das Tabakmonopol eingeführt. Diego d'Aqu'ilar, der bereits mit seinem Vater das Tabakwesen in Portugal organisiert hatte, legte der Hofkammer einen Plan vor, ivorkach der Fiskus aus dem Tabakgefälle, welches er zu reforniieren. beabsichtigte, jährlich 60.000 Gulden mehr als bisher erzielen sollte. Er bot eiinen achtjährigen Pachtvertrag an; verlangte aber, daß ihm der Charakter eines A d m i nistrations- und General.superiutendenten über das gesamte T a b a k f a b r i k s g e f 6 l 1 e mit der freien und unabhängigen Gewalt, über seine Leute zu disponie.'en, verliefen werde. Sodann sollte er das Recht haben, die Tabakpreise allein, zu bestimmen, sowie nach eigenem Ermessen Tabakfa.briken zu errichten und deren Erzeugnisse im Jn- und Auslände zu verkaufen. Er verlangte ferner, Paß in Streitfällen Zwischen ihm und der Hofkammcr eine Junta . *) Diego d'Aqnilar erfreute sich des besonderen Vertrauens der Kaiserin Maria Theresm, die trotz ihrer aniijüdischen Gesinnung ihn für ehrlich hielt und alle seine Vorschläge ernst behandelte, da er, wie sie 'sich in einem Reskript auf dm Vortrag der Hofkammer ansdrückt, sich „niemähls unterstehen, was zu avancireu, was er nicht halten konnte". Sie. berüsichtigte.stets, seine Bitten, da „ich bin ihme vill schuldig, oihne dem also ihme znrückstellen kann." **) Siehe M. Grunwald: „Samuel Oppeuheimer und ]m Kreis", Dien 1913, A, 295—300. von ahlen Dikasterien unter Vorsitz eines Ministers, der auch er als'Direktor angehören sollte, zu entscheiden hätte. D'Aquilar konnte von Karl VI., der sogar die .Absicht hatte, aus allen seine Ecbländern die Juden' zu vertreiben, alle Zusicherungen nicht in dem Maße, wie er sie verlangt hatte, erlangen, da begreiflicherweise der Kaiser Bedenken hatte, eurem Juden eine solche führende Stellung zu übertragen. D'Aquilar übernahm hierauf die TabakPacht in. . den böhmischen und österreichischen Länderir*) für die Dauer von acht Iah reu mit dem Titel, eines Administrators. Zum Scheine hatte er sich auch einen christlichen Kompagnon, den Marchese Earigna'ni, genommen, um.nicht den Unwillen der christlichen Bevölkerung zu erregen. Er bezahlte an Pachtschilling für die ersten fünf Jahre'400.000 Gulden und für die restlichen drei Jahre 600.000 Gulden. Für sich und seüre Fansilie erhielt er völlige Religiönsfveihett, durfte aber im Tabakgeschäft keine Inden anstellen; in den.Tabakfabci^n wurde ihre Anzahl mittels Privilegien beschränkt. D'Aquilar, der auch den Titel eines Kassiers der niederländischen und italienischen Staaten' führte**), zog begreiflicherweise zuverlässige Mitarbeiter heran,, die selbstverständlich Juden waren, so seinen Schwager Jakoben Jsak Jeschurun Alvarez, der aus London.nach Wien kam und hier am 30. April 1735 gestorben ist,***) ferner Abraham Lopez di Per.eira, in dem vielleicht nach Wachsteins Vermutungen****) sein Vater zu sehen ist. Es ist daher als sicher anzunehmen, daß Pereira mit den bei ihm beschäftigten spanischen Juden und mit den. öfters nach Wien kommenden türkischen Juden spaniolischer Abstammung den *) „Ueber den Kampf der Stände gegen . d'Aquilar" siehe Dr. L. Oelsner „Diego d'Aqnilar" im Jahre 1736 in I. Wcrtheimer „Jahrbuch für Israeliten", 5617, S. 306—356. ' **) Arneth: „Maria Theresia", Band 4, S. 142. ***) Dr. B. Wachstein: „Inschriften des alten Juden-! ftiedhofcS in Wien", Band 2, Nr: 811. ****) Dr. B. Wachstein: „Inschriften des alten Jnden- 'etz rn. Mm". Hand. 2. Nr. , 859. .-i-

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