Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1976 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981059--20083-3007282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 9 Wien, Freitag Mhne und A«ft. »urggarten. (Gastspiel des Polnische» Ballett-Ensembles.) Ein Ensemble von Tänzerinnen und Tänzern der Posener Äch Warschauer Oper unter Leitung Von Jan Eiepl-inski svössinete gestern im Rahmen der BurMrten-Konzerte sin Gajstifpttl und wu rde von dem überaus zahlreichen, zumeist aus Landsleuten der Gäste bestchenden Publikum sehr freundlich «Hgenommen. Königm des Ensombles, daS den nationalen Tanz und die gute alte Ballettkunst und Tanzpantomime .pflegt, ist die entzückend« Helena Slaw ins? a, ebne Meisterin der FuWätzentechnik. Das schalkhafte PaderowSiky-Menuett, zu welchem sie mit zwei Herren der Dangtvuppr eine heitere Paraphrase Mer dar Thema „Oh, wie betrügerisch" tanzte, mutzte wiedechM werden. Auch die übrigen Gaden der Gäste (der Damen MatuSzewska, Slawieka, Pugycka, der Herren Domlbrowskä, Zacizkiewicg, Wierzbicki, Szubliaki ewi cz) waren durchaus gvschmaikroll und gediegen, wenn auch nicht gerade neu oder gar himmelstürmend. Anmut und bescheivdenHornehmes Wesen zeichnet diese Tanzgssellschast aus. Gingeleitet wurde der Abentz durch DschaikowSkys F-Moll« Symphonie, dom Wiener Symphonieorchester unter LeÄung Martin Sporrs mit großer WiÄun-g gespielt. Ausgrabungen aus der Mropollr. Das Odeion des Perikles. Am Güdoschange der Akropolis in Athen wuvde ln letzter Zetz ekfmg und erfolgreich gegraben. Schon in den KrtvgSjcchren hatten die griechischen Gelehrten die Lage des Odeionr der Perikles festgestellt. Nun hat Kastriotis im Aufträge der Archäologischen Gesellschaft den Außenbau und «inen Teil des JMnern freigelegt. ES war ein vermutlich quadratischer Bau von 46 Meter Scktenlänge. Auf allen vier Setten erhoben sich die «ttist mit Marmor verkleideten und tont Konsolen in Form von Eulen getragenen Sttzbänke amphithsatralisch. Das mächtige, pyramidenförmig zulauifende Dach wurde im Innern von Säulenreihen gestützt. Die Technik der Mauern führte zu der neuen Erkenntnis, daß die gestrudenen Raste nicht gu dem Bau des Perikles^ sondern zu dem Neubau des Fviobarzanes des Zweiten von Kappadozien nach dem Brande im Jahre 88 v. Ehr. gehörten. Ein A'ildniSkops des Königs fand sich im Verlause der Grabungen, dm in der Charakteristik glänzendes Stück. Am gleichen Ort, auch aus dem ersten Jahrhundert v. Ehr.» wurde das Oberteil einer wedblichen tragischen Maske aus Marmor aüfgodeckt. Von dem Bau des PerMeS selbst ist Wichts übrig geblieben als eine tiefe, mit verbrannten Zjivgeldrocken und SösennSgeln durchsetzte Aschenschicht. Sie stammt von dem Brande bei der Eroberung Athens durch Sulla und deutet darauf hin, daß ein großer Teil des älteren Bauwerkes, kchtt aber das Gebälk, aus Holz auLgeführt war, WiLner Morgenzeitung. 18. August 1924 Nr. 1976 Mitteilungen um dem Publikum. llelne 6*9 Wohnungseinrichtungen «ln, »».MM«« 1—3 (Ecke Karl Schweighofergasse) Es sind im ganzen aus dieser außergewöhlich interessanten Ausstellung 190 Folianten und Urikunden aus zehn verschiedenen Jahrhunderten gufammengebracht worden. Ein Kleinod seltenster Art, dir berühmte Bibel des Hauses Alba, sei besonders erwähnt; sie ist am Beginn des 15. Jahrhunderts durch den Rabbi Mose Arrajel auLgeführt Worden. Spanische Mknlatmeuausstellung. AuS Madrid schreibt unser Korrespondent: Die Gesell schüft dev Kunstsreunde in Madrid veranstaltete im Bibliothekspckiast «ine Ausstellung mittelalterlicher Miniaduvmalerei in Spanien, tfte eine U ebersicht von der Entwicklung dieser Kunst in spanischen Handschriften, beginnend mit 'den ältesten Kund- -etbwngen dieser Art im 9. und 10. Jahrhundert bis zu ihren letzten AusMängen, die sich in künstlerisch ausgestatteten Urkunden und Wappenlbviesen'des 17. und 18. Jahrhunderts schstellen lassen. Am erstaunlichsten ist wohl der Reichtum an Handscheusten aus den beiden ersten Jahrhunderten dieser Epoche, tfrib die in chnen enthaltenen Malereien, die oft eine ganze, mitunter sogar eine Doippelseite «tinnehmen, sind von einer unvergleichlichen Kühnheit der Phantasie und Komposition, vereint mit einer künstlerisch zielbcwußten Deveinsäch-ung in der Wohl der Ausdrucksmittel. In diesen alten Dokumenten sÄchmttMMeMchtt Malerei sind einesteils Erinnerungen an dis zugrunde gegangene Kultur der Westgoten festgchalten, wahrend in anderen wieder die Annäherung und Befruchtung Mtzt GinflAsen des Orients sich ausspricht, so daß man an der Wiege drrßneueren fparnüschen Kunst bereits mit Deutlichkeit Kvei chavSderSskische Merkmale erlkennen kann, die im Wechsel der Jahrhunderte für ihre Eigenart bestimmend waren: die Anhänglichkeit an die Ueiberlteserungen der Vergangenheit und die anfangs zögernde, allmählich neugestaltende Aufnahme von Anregungen, die der Iberischen HMmsel im Sause der Geschichte von den verschiedensten Kulturzentren zufloffen. Was M speziellen den mehr und mehr zutage tretenden arabischen Einfluß anbelangt, so kommt er nicht nur in vielen Fällen im StA und Ornament des Buchschmuckes «Oerkennkbar zum Ausdmck, sondern nicht selten finderi sich nckben dem Text Anmerkungen und Erläuterungen in arabischer Sprache. Im Lause der Jahrhunderte macht sich zunächst von stockigen fventden GinsNssen der .sraulMscho, geltend. Hierzu kommt später, im Gefolge einer dynastisch-'pol'ittschen Annähe- Mng an das Herzogtum Burgund, die BÄgnnHcha.fi mit der Musischen Kunst, während zur Zeit des UebevgangeL der Gotik gür Renaissance auch Spanien sich der von Italien ausgchenden Een Bewegung nicht nvchr entzichen konu'e, Im 16. Jahrhundert wwd allmählich, speziell aus dem (Miete des durch die MMatunmalevei vertretenen Kurtstizweiges, d-.r Eindruck einer Form und Stil chavalkteristisch spanischen, bvzieihungSLrLise tzeMpi^ren Kunst schwächer. absehbarer Zeit ausgehoben werden wird, könne einem Ge- Werbeinhaber die Berträüenstwürdigkeit nicht nckhimen. Der RegierungSvertreter erwiderte, die Beurteilung, ob M Mißbrauch des Gewerbes zu besorgen sei, liege im ft-etien Ermessen der Gewerbebehörde. DieBertrauenswüvdiWit. seiMcht nur bei Neuanmeldungen, sondern auch bei Wied^ranmÄdungen zu prüfen. Der Berwaltungsgerichtshos schloß sich Vieser Aus- -sühru. z an und wies diie Beschwerde ab. Aus den Theater«. V o l k 8 o p e r. Heute „H o f f m a n n - E r z ä h l u ng e n". Morgen „Die s ch L n e H e l e n a". Theaterin derJoief st ad t. Heute und morgen, '/,8 Uhr, „Schneider W i b' b e l". Sonntag „S o n k i n und der Haupttreffer". Im Carl-Theater bringen beute zum letztenmal Mitglieder der „W i l n a e r Truppe" und Wiener jüdische SchauspielerPerez Hirschbeins „Ein verworfener W i n k e I" zur Ausführung. Mitwirkende: Frau D a l s k a, Brazlawska, Dreiblatt und Frühling sowie die Herren Wolf Silberberg, Ben Lewi, Holpern, Reiß mann, Jungwirth, Brindt, Streng, Bell u. a. Ein Teil dos ReinerträgnisseS fließt dem Jüdischen Nationalfonds zu und wird zum Ankauf von Grund und Boden in Palästina verwendet. Johann Strauß-Theater. Morgen 78. Aufführung der Operette „Des Königs Nachbarin". Im Lustspieltheater wurde wegen der großen Erfolges der Schwanknovitat „Die Kleine vom Variete" das Gastspiel Karl K n a a ck S bis 26. d. verlängert. WochenspielplandeSDeutschenVolkstheaterS. Morgen, '/»8 Uhr abends, Eröffnungsvorstellung „D i e F r e i e r", Lustspiel von Josef von Etchendorff. Sonntag, Mittwoch und Freitaa, V»8 Uhr, „Die Freier". Montag, i/,8 Uhr abends, „DaS vierte Gebot" (Dr. Rudolf T y r o l t). Dienstag und Donnerstag. V*8 Uhr abends, „SechSPersonen sucheneinenAutor". Samstag zum ersten Male: „Vinzenz und dieFreundin bedeutender Männer", Poffe in drei Akten von Robert Musil. _ Heute 13. Festausführung „Aida". Infolge des schlechten Wetters mußte die für gestern anberaumt gewesene Festaussührung der „Aida" auf der Hohen Wärte für heute Freitag verschoben werden. Die gelösten Karten behalten für diese Ersatzdorstellung ihre Gültigkeit. Dirigent Pietro Mascagm. Beginn halb 8 Uhr abends. Nach Schluß direkter Straßenbahnverkehr nach allen Richtungen. Ein Prozeß der Witwe Strindbergs. B. Vignh und M. Hir'schmann, beide in Wien, hüben Arzhbaschews Roman „Ssani-n" dramatisiert. Das Stück sollte in der kommenden Saison an einer Wiener Bühne zur Uvaufsührnng kommen. Die Witwe Strindbergs, Frau Frieda Strmdberg, die in New-Bonk lebt, hat durch ihren Wiener Rechtsanwalt gegen die geplante Ausführung Protest erhobsn. Frau Strinobrrg gibt an, daß Arzybaschew ihr dic Generalautorisation für alle deutsch sprechenden Länder übertragen habe und baß sie für das Stück an Bigny keine Einwilligung gegeben. Digny dagegen erklärt, von Arzybaschew persönlich zur Dramatisierung feines Romans „Ssanin" autorisiert worden zu sein. Dies erklärte Arzybaschew während einer Filmaufnahme Herrn Vignh, der ebenfalls das Manuskript zu dem Film „Ssänin" geschrieben. Das Gericht wird nun zu entscheiden haben, ob die persönlich erteilte Bewilligung rechtsgültig sei oder nicht. Budapest wird literarisch. Eine Anzahl von Budapester Theatern Plant, am Sonntag Vormittagsvorstellungen zu veranstalten, die künstlerisch wertvolle Darbietungen bringen sollen. Das Lwstspieltheat'er beabsichtigt, Stücke von Ibsen, Strindberg, Tschechow. 'Hauptwann und bisher unbekannten jungen ungarischen Autoren zu bringen. Im Inner st ä d t e r Theater werden Einakter aufaesührt werden. Das Königstheater will (sür Budapest unerhört!) es selbst mit der neuen ungarischen Musik versuchen: Bartot, Kode ly und andere sollen zur Aufführung gelangen. Selbst die Kabarette wollen nicht hinter den Theatern Zurückbleiben und bringen -im Rahmen der Matineen Lustspiele und Dramoletts heraus. Ae Berttauenswürdigkeit des Waders. Der Kaufwann Samuel R o 8 n e r, der vor dem Kriege tim 1. Bezirke für den Handel stdit Manufakturwaren und Wäsche registriert war und der wegen Einrückung zmn Kriegsdienst den GÄveribeschckn zuvückgelegt hatte,.wurde nach der Rücktchr aus dem'Kriege nicht mehr zum Gewerbebetriebe zu gelassen, weil er inzwischen wegen Vergehens der Proistreiberai (mit Schokolade, S/rse und Him-!beers>aift) rechtskräftig zu einem Monat Arrest und 606 K. Geldstrafe verurtM worden sei. Bei der Eigentümlichkeit des Gewevbies sei Mißbrauch zu befürchten, und der Magistrat fei daher nlicht in der Lage, die Wiederanmeldu^g des Geweribcs zur Kenntis zu nehmen. Gegen diese im Jnftanzenlzuge vom Bundesministerium 'für Handel und Ve.vtchr bestätigte Cutscheid>mg brachte 'Rosner die Beschwerde an den Verwal- .tungsgerichtshof ein, in der er geltend machte, er habe durch volle 32 Jahre das Gewerbe in Wien betriielben und sei durch die Einrückllng zum Kriegsdienst zeitweilig an der Fortsührnng desselben gchindcvt gewesen. Es handle sich daher nicht um Erteilung eines netten Gewerbescheines, sondert! um Mciitersühruilg des frührren Gowevbes, daS nicht' untersagt werden könne. Er wüßte auch nicht, auf welche andere er seine aus Frau und sechs Kindern bestchende Famikie erlhalten sollte; umlernen könne er nicht mehr. Eine Berr urteilung wegen Preistreiberei, Mo eines Gesetzes, das in ZIe geborene« khrenmllnnrr. Die schmutzige Wäsche des Jockeiklubs, Mit der schon fett längerer Zeit die Oeffentlichkeit behelligt wird, wurde in einer gestern stattgefundenen Verhandlung wieder einmal ausgebreitet und die goborenen Ehrenmänner sagten einander Wahrheiten. Diesmal dichte es sich um den BrotfriedenSengel Czernin, den edelgebornen Demokraten. Der „Altgraf" Erich Salm (das grbt's), ein alter Gegner be$. Cizernin, war im November 1922 ans dem Jockeiklub mit der Begründung ausgetreten, daß er zusammen mlit Ezernin nicht einem Klub angchören könne. Den Czernin, der darauf nicht reagierte, charakterisierte Salm in der gestern vor Gericht verlesenen Anklageschrift unter anderem wie folgt: „Als Czernin am Schluffe seiner Karikiere von Bukarest, wo er sich laut Zeitungsmeldungen mit Kollegen, und zwar ausgezeichnet, in zweifelhaften Lokalen unterhalten, aber einen minder ausgüzeichneten Frieden geschloffen hatte, gurückgvkchrt war, in seiner berüchtigten Rathausrede zum erstenmal vor weiteren Kreisen seine Verwandlung aus einem Minister des kaiserlichen Hauses in einen Verräter des kaiserlichen HauseS dokumentiert hatte, trat ich ihm in der Presse entgegen und habe diese seine Metamorphose in einer schärferen Tonavt kritisiert. Nach dem Umsturz hat er, obwohl er sich noch ganz kur>z vorher in einem berühmten DenbschreNen an den Kaiser als den berufenen Vertreter dynastischer Prinzipien ausgespielt hatte, sich in einen überzeugten Demokrat en verwandelt und ein die Dynastie kompromiittierendes Buch geschrieben, was mich veranlaßt^, ihm taxfrei den Titel eines „österreichischen Judas" zu verleihen." Im März 1824 richtete Salm einen offenen Brief an den Jockeiklub, in dem er wieder gegen Czernin austrat und eine schwutzige Geschichte aus der letzten Zeit über ihn vorbrachte. Daraufhin erklärten Fürst Nikolaus Palsfy und Ernst Mdiger. Siarhemberg, Mi Freunde des Ezernin, damit ihr Freund Cizernin gerettet werde, den Altgrafen Salm in einem Briefe für vogelsrei und ehrlos. Salm klagte die bciilden. Bei der gestern vor dem Strafbezivksgerichte 1 statt- ,gefundenen Verhandlung gaben nach einem längeren Hin und Her die beiden Beklagten eine Ehrenerklärung ab des Inhaltes, daß sie in ihrer Eigenschaft als Vertreter des Grasen Cizernin in dem Schreiben vom 5. Mai 1924 den PrivatanNäger nicht beleidigen und nicht seine Satisfaktionsunsähiakeit seststellen wollten, sondern daß sie die Erklärung in dem Briese im vorliegenden Falle lediglich aus Grund der Beschlüsse des Jockeiklubs, die für sie als Mitglieder bindend und maßgebend waren, a!bgsgebrn haben. Sie wurden darauf sreigesprochen. Der Mtgräf" ist also trotz des Briefes, der ja aufrecht bleibt und ihn als ehrlos bezeichnet, wieder satiSfaktionsfähig. Was ist aber mit Czernin? Vierzig Jahre Mietpartei im selben Hause. .Der Sansbesitzer Friedrich R. kündigte der Mieterin Laura P. Wohnung und Geschästslokal wegen Unverträglichkeit, Schikanierung sämtlicher HauSparteien und wegen abträglichen Gebrauches des Bestanogegenstandes, weil sie Hühner, Kaninchen und andere Kleintiere halte. Sie habe den Hausbesitzer einen Lügner genannt und auch die übrigen Parteien haben sich bei ihm über die Beleidigungen durch dre Geklagte beschwert. Das Bezirksgericht Neubau, hob die Kündigung als unwirksam auf, weil der Hausbesitzer nicht in seinem Hause wohne, somit nicht als „Mitbewohner", dem das Wohnen im Hause verleidet werde, angesehen werden könne, und weil, es auch im übrigen sich nur um Absonderlichkeiten der Geklagten handle, die zu einer Mndigung nicht ausreichen. Durch das Halten der Kleintiere sei dts Bestandcibjekt nicht beischädiiigt worden, was schon daraus hevvorgche, daß der Bretterboden niemals erneut zu werden brauchte. Bei der gestern über die Berufung des Klägers vor einem Ferialsmat des Zivillandesgerichtes stattgehabten Verhandlung erklärte der Klagevertreter, der Erstri^ler scheine Mitleid mit der Geklagten gehabt zu haben, es wäre sonst nicht zu erklären, daß er. alles zugunsten der Beklagten ausleate. Das Mieterschutzgesetz sei notwendig, aber eS fei kein Freibrief für Hemmungslosigkeiten und für Schikanierung aller Mietparteren des Hauses durch eine Mieteriu. Der Geklagtenvertreter wies darauf hin, daß die Geklagte 4 0 Jahre in diese Hause wohne und erst seit kurzer Zeit, als der jetzige Kläger das Haus erwarb, werde ihr, Unverträglichkeit usw. vorgeworfen. Die Geklagte sei ein alteS Fräulein, die allein in ver Welt dasteht. alle Parteien machen sich über sie lustig und es sei begreiflich, daß der Erstrichter diese Person, gegen die seit den vier Dezennien, während welcher sie im Hause wrchnt, nie ein Anstand vorlag, in Schutz nahm; es wäre unsozial, dom Richter daraus einen Vorwurf zu machen. Der Berufungssenot gab der Berufung keine Folge und bostätigte das erstrichterliche Urteil. , _ Gerüchtmacherei. Bor dom BtzzirkSrichter beim Strafgericht 1 wurde über eine von den Gesellschaftern einer großen LobcnsmitteHirma erhobene Ghvenbeleildigungslklage verhandelt. Wie in der Anklage ausgsführt wurde, hat der Beschuldigte, Oskar W., welcher Vertreter der Kunerolwerke ist, über die Firma Gustav Heinshermer u. Co. die Nachricht verbreitet, daß diese Firma mit 80 Milliarden, Kronen insolvent sei. Der Beschuldigte war geständig und gab zu, leichtfertig diese Gerüchte, welche jeder Grundlage entbehrten, verbreitet zu haben. Er . habe nicht geglaubt, daß die Weiterverbreitung einer solche»! Nachricht stvalsbar sei. Die Privatkläger lehnten die angebotene umfassende Ehrenerklärung mit der 'Begründung ab, daß solchen Gerüchtemachern im Interesse des össi'Utlichen Wirtschaftslebens das Handwerk gelegt werden müsse. Der Richter verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe Von 800.000 K., wobei die durch solche Gerüchte verursachte Störung des Wirtschaftslebens als erschwerend in Betracht gezogen wurde.