Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1975 (14.8.1924)
- Date
- 1924-08-14
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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.Sette s_Wien, Donnerstag ... Wiener Morgenzeiturts. - 14. August 1924_Nr. 1975 Mitglieder der Wilitaer im Carltheaterl Letzte Z" "" ' ■mtorgena lg^»1®^ Betty Dalska, Samuel Ben Levi, Leo Halpern, Wolf Silberberg u. a. 0g|19^5»fl Wwi IW Ein Teil des Reinerträgnisses flfesst dem Keren Kajemeth L’Israel (Jüdischer Nationalfonds) zu Komödie von Perez Hirschbein —.-.. und wird zum Ankauf von Qrund und Boden in Palästina verwendet — . unterrichtet arabische Knaben und Erwachsene hauptsächlich in der onglischen Sprache. Unter dein Arabern macht die Misst o n s a r b e i t der englischen, französischen und italienischen Gesellschaften vn Palästiina große Fortschritte, was darauf zurückzuführen ist, daß mfolge der geringen Zahl und des primitiven Lehrplqnes der mohammedanischen Schulen in Palästina viele arabische Familien ihre Kinder in die Missionsschulen schickem. Troßfearr i« einem Salzburger Speditionslagerhaus. Milliardcnwerte vernichtet. Salzburg, 13. August, H'.i': in den frühen Morgenstunden hat inmitten der Stadt Salzburg ein Großfeuer gewütet, dem ein großes Spcbitiouslagcrhaus mit seinen Einlagernngsgütern vollständig zum Opfer gefallen ist und'durch das die umliegenden Häusern auf das ärgste gefährdet waren und das nur unter größter, fast übermenschlicher Anstrengung der Feuerwehren schließlich gelöscht werden konnte. In der Bayerhauserstraße 14 in Salzburg (Neustadt) befindet sich mitten unter den Häusern auch das Speditionslagerhaus der Firma G. Fa l l e n e g g e r. In den Magazinen sind zurzeit eine Unzahl von Möbe ln, vorwiegend wohnungsloser Parteien aus Salzburg, Wien und K l a g e n f u r t einoelagert. Aber auch zahlreiche G etreidevorräte zum Weiterversand sind in den Magazinen aufgestapelt und auch die Fuhrwerle des großen Pferdehändlers Hofinger werden dort eingestellt. Heute gegen 3 Uhr früh schlugen nun plötzlich meterhohe Flammensäulen zum Himmel empor, weit über Salzburg und die umliegenden Ortschaften hin sichtbar. Bald darauf vernahm man auch schon die Hornsignale der Feuerwehr, die die aus dem Schlaf geschreckten Einwohner aus den Wohnungen riefen. Trotz der frühen Morgenstunden war der Brandherd von' einer großen Anzahl Neugieriger umdrängt, die der äußerst schwierigen Löschaktion zusahen. Selbst ein größeres Wacheaufgebot mußte züsammengezogen werden, um Unglücksfälle zu verhüten und die Neugierigen vom Brandherde abzudrängen. Trotz der fast übermenschlichen Arbeit der Feuerwehr äuS Salzburg und den benachbarten Ortschaften, die bis gegen" 6 Uhr morgens dauerte, war es nicht mehr möglich, auch nur den geringsten Teil des Lagerhauses zu retten, das vollständig niedergebrannt ist. Man mußte sich nur darauf beschranken, ein Uebergreifen des Großfeuers zu verhüten, was auch gelang. Der angerichtete Schade dürfte weit über zwei Milliarden Kronen hinausgchen. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. Irr vrotpreis. Die versuchteErhöhung der BrotpreiseS konnte diesmal abgewehrtwerden. Wir sich in Hinkunft dieFestfetzungdeSBrotpreifeS vollziehen wird, darüber sind bisher keine Beschlüsse gefaßt worden, doch wird irgendein Modus gefunden werden, da besonders die kleineren Erzeuger eine Richtschnur hierfür brauchen. Eine allgemeine Herabsetzung deS Brotpreises ist für die nächste Zeit nicht z n e r w a r t e n, da fich die Mehlpreise auf derselben Höhe behaupten, dach wird mitgeteilt, daß manche Broterzeuger schon früher geringere Preise berechnet hätten, da die festgesetzten und bekanntgegebenen Preise Maximalv r e i s e waren. _ Lar verschwundene Mauer-Bild. Willy Kolowrat enthaftet. Die Angelegenheit des verschwundenen Ddanes-B'.idrs hat, wie wir erfahren, eine unevwartete. Wendung genommen. Der pensionierte Rittmeister (Graf) Wilhelm Kolowrat, der auf Anzeige seines Freundes Felix Witt v. Döring unter der Beschuldigung, das Bild entwendet zu haben, verhaftet wurde, ist noch gestern, nachdem er im Landesgericht zwei Stunden verhört worden war, auf freien Fuß gesetzt worden. Nach Mitteilungen, die uns von Wilhelm Kolowrat zugeganigen sind, erklärt sich die schwere Beschuldigung seines gewesenen Freundes dadurch, daß dieser in^ sinnloser Erregung über den Diebstahl gewesen sei, da er für den halben Verlust aufkommen müsse, hievzu aber bei seiner derzeitigen Vermögenslage außerstande sei. Wieder ei« Poslfliigzeug in der Achecho- Slowakei veruuglM. Aus Prag wird uns tberichtei: Gestern mußte ein Poftflugzeug der Franco--Roumaine auf dem Mge Von Prag nach Wien nach längerem Kreisen bei Hladow bei Jglau eine Notlandung vornehmen. Der fraitzöfische Pilot reiste per Bahn nach Prag, da das Flugzeug von der Landungsstelle nicht aussteigen konnte. Es wild demoliert werden müssen. An der gleichen Stelle haben sich bereits einige FlugunMcke ereignet. Insbesondere ist dort vor kurzem ein Flugzeug abgestürzt, das derselben Gesellschaft gehörte, wovei der .Pilot und z-w^ei Reisende ums Leben kamen. Es wird die Vermutung ausgesprochen, daß in dem dortigen Luftkreis besondere Luftwirbel auf die Maschinen einwirken. bin itaUeaMer Pulveröevot in die Lust geflogen. Aus Mailand wird uns gemeldet: In der Nähe von Brescia ist ein P u l v e r d e p o t in die Luft geflogen, wobei zwei Militärpersonen ums Leben gekommen sind. Aasteflung ier KekttWeruugsarbeiteu au der Tauernbahn? Nach einer Mitteilung der Korrespondenz Wilhelm verlautet, daß die GeneraGirektion der Bundesbahnen die Elektrifizierungsarbeiten an der Tauernbahn einzustellen gedenkt. Seit dem, Jahre 1920 wurde an der Elektrifizierung der Strecke Schwarzach-St. Veit—Spittal am Millstättersee mit Hochdruck gearbeitet. Es heißt, daß der Plan der Elektrifizierung der Strecke, für die -schon Milliarden investiert wurden, fallen gelassen werden wird. Sie Lebeasmittelmärkte. Auch geftem konzentrierte sich der Hauptverkehr auf die G e m ü s e m ä r k t e. Unter dem Drucke der anhaltend gesteigerieu Zufuhrm wurden Spinat und Paradeiser um oOO K. pro Kilogramm im Preise herabgesetzt. Alle anderen Gemüftsotten, in denen der Uebersluß unvermindert a,nhält, erhielten sich auf dem vortägigen Stand. Mit Kartoffeln verschiedener Herkunft sind die Märkte noch immer überfüllt. Auch in allen Obstsorten ist die Auswahl konstant eine reichliche. Die Preislage jedoch bleibt trotz günstiger Zufuhren eine stabile. In der Großmarkthalle, wo die Fleischimporte während der letzten Tage merklich ausgesetzt haben, zwar der Verkehr sowohl im Großwie auch im Kleinhandel ganz belanglos. Nennenswerte Preisveränderungen find vorläufig nicht zu konstatieren. Der Absatz in Fettprodukten hat merklich nachgelassen, was auf die verminderte Kaufkraft der großen Verbraucherpreise zurückzuführen ist. _■ Dar Weiter. Auch gestern war ein schöner Hochsommertag. Die Voraussage hält die Wetterlage für unsicher. Ein Nahbeven? Die Seismographen der Zentralanstalt für Meteorologie registrierten am Morgen des 12. d., 7 Uhr 28 Min. 10 Sekunden mitteleuropäischer Zeit, ein kräftiges Nahbeben, dessen Herd zirka 200 Kilometer von Wien entfernt ist. Mitteilungen aus dem Publikum. RESTAURANT 2» S. BILLET VORZÜGLICHE POLNISCHE KÜCHE Wien, II. Hammer-Purgstallgasse 4 Wien, 14. August. * Vom Auto erfaßt. Gestern nachts wurde die 27jährigr Buchbinderin Marie Bogner im sechsten Bezirke von mm. Auto niedergestoßen. Die Frau etiliit* * mehrfache Verletzungen. * Beim Baden ertrunken. Vorgestern .nachmittags ist nächst der Reichsbrücke ein Mädchen beim Baden ertrunken. Wie nun festgestellt wurde, ist die Verunglückte mit der Wjährigen Privaten Marie Zider, Lerchemeldevstrahe 50, identisch. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. * Die Lebensmüden. Der 54jährige Buchdrucker Julius Farkas hat sich in seiner Wohnung erhängt. — Der Wiener Rechtsanwalt Dr. Johann W i t t i n g hat sich gestern mittags bei der Marienbrücke in den Donaukanal gestürzt. Ein Wachmann konnte ihn retten. Der Rechtsanwalt, der im 69. Lebensjahre steht, hat die Tat aus Not begangen. — Gestern früh versuchte die Cö'lestine Seiler durch Ausschneiden der Pulsadern und durch Genuß von Lysol einen Selbstmord. Auch die Private Wilhernine M. wollte sich durch Lysol vergiften. * Zum Protest gegen die Taufe Hans Herzls spendet die Jüdische Akademilsche Verbindung „U n i t a s" 10 Bäume für den Herzl-Wald. * „Der Pascha." Im Herbste IM hatte sich ein exotisch auss'chender junger Mann unter dem Namen „Salih Feridoun Bei Jikenda Pascha" bei einem gewesenen Obersten im ldrttten Bezirke einquartiert und bald dessen Vertrauen gewonnen. Im März 1922 hatte der „Pascha" von seinem Wohnnngsgeber verschiedene wertvolle Schmuckgegenstände für Veräußerung übernommen und verschwand schließlich damit. Nunmehr wurde der „Pascha" im Juli in Croßen in Deutschland verhaftet. * Das neue Wiener Telephonbuch. „Das Telephonbuch, für 1924 wird in der allernächsten Zeit' ausgegeben. Die Nummern sind — angeblich — bis zum Stande vom 31. Juli berichtigt. * Unveränderter Stratzenbahrrpreis am Freitag. Am Freitag den 15. d. (Feiertag) gilt aus den städtischen Straßenbahnen der Werktagspreis. Demnach gelten an diesem Tage . die Hin- und Rüchahrscheinc, Foühsahrscheine und Wochenkarten. , * Befreiung der Keren Hajessod-Beiträge von der Einkommensteuer in Amerika. Das amerikansche Finanzministerium hat beschlossen, daß die für den Keren Hajessod gezahlten Beliträge bcr der Berechnung der Einkommensteuer m A b z u g g e b r a ch t w e r d e n dürfen. * Messer im Munde von Toten. Bei der Ausgrabung des Burgwalles zu Göda bei Bautzen in der Oberlausitz ist man auf eine Gräberstätte mit 20 Skeletten gestoßen. Im Munde der Toten fand man nun in mehreren Fallen messerähnliche Eisenstücke, Diese Stücke lagen zum Teil so, daß sie Mischen dem Eck. und ersten Mahlzahn des Oberkiefers förmlich eing-egwängt waren und auf beiden Seiten hervorragten; zum S'civt waren sie von vorn nach der Nachenhöhle zu in den Mund des Toten eingelegt. Diese Art der Totenbeigabe bietet der Forschung ein Rätsel dar, das bisher noch völlig ungeklärt ist. Die Skelette, die über spät' latwischen Funden lagen, können nicht älter sein als etwa 700 Jahre, sind wcchrfcheinlich aber jünger. Man nimmt an, daß die Messer vielleicht mit dem Vampirglauben zusammenhängen, indem matt den Toten gegen diese Unholde eine Wa;s>e in die Hand geben wollte; vielleicht stellen sie auch ein Bollksmittel dar. um wettere Pest- und Seuchengeft.hr zu verhindern. * Eine Budapester Ehrenaftär«. Das christlichnaüonale Budapester Abendblatt „A Ncp" veröffentlichte vor einiact Zeit einen Schmähartiikel gegen den IGutsbefitzer Dr. Zoltan Klar und dessen Familie. Dr. Klar ließ wegen des Artikels 'den Chefredakteur des Blattes, dm gewesenen Volkswohlsahrtsmimster August Benard fordern. Chefredakteur Benard wich jedoch dem Duell aus und gab Dr. Klar eine Ehrenerklärung, in welcher er die Ausfälle seines Blattes gegen Dr. Klar aufs tiefste bedauert und zugleich angibt, daß er von dem Erscheinen des fraglichen Aufsatzes keine Kenntnis hatte, da er seit fünf Jahren keine einzige Nummer und keine einzige Seite des „A Nep" zu lesen Pflegte. D'ese Erklärung des „Chefredakteurs" Benard erschien vereinbarungsgemäß in der nächsten Nummer des ,,A Nep", jedoch in verstümmelter Form, ohne den Absatz, in welchem Bernavd sein Bedauern ausorückt. Dr. Klar wird nunmehr auf andere Art versuchen, sich Genugtuung zu verschaffen. * Der neue russische Kalender. Der Oberste Rat für Avbett und Verteidigung der Sowjetunion hat das Projekt einer Kalenderreform ausgearbeitet, wonach das ^proletarische Jahr zwölf Monate zu je sechs fünftägigen Wochen enthält. Jeder fünfte Tag ist Ruhetag, dafür wird aber bk neunstündige A rbeitszeit Mgefichrt. Das Projekt wird von den Gewerkschaften angchochten, weil auf diese Art auf den Monat 66mal 6 gleich 216 Arbeitsstunden kommen, während es bei dem jetzigen Kalender mit Achtstundentag nur 200 sind (ünter Abzug der samstägigen Verkürzungen). Tragen Sie auch an Ihren Sandalen Berson-Gummiabsatze und -Gummisohlen. Die Annehmlichkeit des Tragens wird ebenso überraschen wie die erhöhte Haltbarkeit der Sandalen _ (Entgeltlich.) vereine, Vorträge «ad Bersammiaagea. Zweckverhand der zionistischen Ingen dgruppen Oesterreichs. Heute um 7 Uhr abends Sitzung im Landeskomitee, 2. Bez., Toborsttaße 20 ». * Eine 52jiihrigr lungentuderlulose jüdisch« Frau, die ein leeres Kabinett zugewiesen bekam und erwerbsunfähig und gänrlich mittellos dasteht, braucht die Hilfe ihrer Mitmenschen zur Einrichtung deS Wohnraumes, den sie endlich erhalten hat. Spenden nimmt unsere Administtatton entgegen. Bühne und Kunst. Sie FestaaWhrangea aas der Hohe« Warte. Bis zum 28. August verlängert. — Wiederholung der Stagione im nächsten Jahre. — Die Kosten des Unternehmens. Ein Mitarbeiter unseres Blattes erhielt von einer führenden Persönlichkeit der „Sife" einige interessante Mitteilungen über die Festaufsührungen auf der Hohen Warte. Die Unternehmer dieser Kunstveranstaltungen haben von vornherein mit einem materiellen Erfolg nicht gerechnet. Ter künstlerische Erfolg ist so außerordentlich, daß sich die „Sisc" entschlossen hat, dies« italienisch« Opernstagione im nächst:!, Jahr zu wiederholen und nebst „Aida" noch zwei Opernwerke, nämlich „C arme n" und „G i a c o n d a" zur Aufführung zu bringen. Nächsten Donnerstag findet ein Abend zugunsten der mit wirkenden Künstler, späterhin ein Ehrenabend für Pietro Mascagni statt, an welchem des Meisters Oper „Cavalleria Rusticana" und zwei Me der „Aida" zur Aufführung gelangen werden. Das Gesamtetat be3 Unternehmens beläuft sich aus 7 Milliarden, das Tagesetat auf 7 00 Millionen. An den erfolgreichsten Abenden war die /Vorstellung von 16.009 bis 18.090 Personen besucht. Den stärksten Besuch wies die Hohe Warte Donnerstag den 7. d. auf. Die Organisation und das künstlerische Arrangement wird ausschließlich von der „Sise" bestritten. Voll Bewunderung äußerten sich die Herren der „Sisc" über die K u n st b egei st e r u n g und das K n n st v erst ä n d n i s W i e n s. Es ist daher auch angebracht, den Veranstaltern dieser hochwertigen Opernaufführungen nahezulegen, gewisse Uebelstände, lvelch« der Wirkung dieser Vorstellungen abträglich sind und das Publikum stören, schleunigst abzustellen. Die Anzahl der Sitzanweiser ist vielzu gering und die Lockrufe der Würstel« und Bierverkäufer der Stimmung und Sammlung des Publikums, desseit Qualitäten von den Veranstaltern so gepriesen werden, keineswegs zuträglich. i