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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-14 · Heft 1975 (14.8.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1975 (14.8.1924)
Date
1924-08-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wiener Morftenzeitüng. 14. August 1924 Gelle T vom Staatsanwalt verfolgt Eine Berliner Sknndalaffäre. - Kin merkwürdiges SaniernnLsbureau. in Berlin koloMes Aufsehen Ans Berlin wird uns gemeldet: Gegen den Großkaufmann Heinrich Sklarz ist von der Staatsanwaltschaft in B a u tz e n wegen B e i ih i l f e z u m b e t r ii g e r i s ch e n Bankero 1 t der Haftbefehl erlassen worden'. Sklarz hat der Firma Monongin Schirg'rswalde in Sachsen, als diese Gesellschaft in Konkltrs geriet, durch sein Sanierungsbureäu Hilfe geleistet. Die Staatsanlwastschaft hat den von Sklarz -nach Schirgiswalde entsandten Geschäftsführer der Firma Sklarz verhaftet. Es wird diesem «zur Last gelegt, daß seit seiner Anwesenheit in Schirgiswalde wichtige Papiere verschwunden sind. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß diese Papiere auf Veranlassung von Sklarz beiseite geschafft wurden. Nach der Verhaftung des Geschäftsführers wurde auch gegen Sklarz ein Haftbefehl erlassen. - Sklarz ist seit anfangs August verreist und seine Angehörigen behaupten, seine Adresse nicht MS Wen,Mnner8lag ___ Sie Erdnähe des Mars. " «m 23. August wird der Planet Mars nach '79 Jahr e n Melber in seine größte Erdnähe gelangen, was dem Aberglauben und allem, was mit ihm verbunden ist, Anlaß gibt, von der „bedrohlichen" Nähe des rotschimmernden Platten zu sprechen, die allerhand böse Folgen für die Erdbewohner, von Seuchen und Kriegsgefahr bis zum Weltuntergang nach sich ziehen soll. Die auffällige Sichtbarkeit des Sternes, der zur Zeit seiner Erdnähe weit größer als sonst am Himmel erscheint, mag zu den furchtsamen Phantasien des Aberglaubens beigetragen haben. Ohne sie stellt sich nach den astronomischen Gesetzen das Phänomen wie folgt dar: Schon die Astronomen des Altertums hatten erkannt, .daß der Planet Mars seine Größe wechselt, und Kopernik ns hatte diese. Erscheinung als einen der wichtigsten Beweise für die Richtigkeit seiner Lehre angeführt, daß. die Sonne Im Zentrum unseres Systems stcht, um das die Erde und in größerem Abstande von der Sonne auch Mars sich bewegt. Stellt man. sich die Planetenbahn von Erde und Mars wie zwei ineinandergelegte, verschieden große Reifen vor, in VkM» Mittelpunkt die Sonne steht, dann ist eS leicht begreiflich, daß Mars und Erde, wenn sie ans derselben Seite der Sonne stützeneinen diel geringeren Abstand voneinander haben müssen, als wenn jeder dieser beiden Himmelskörper auf einer anderen Seite der Sonne weilt. Die Erde ist im Durchschnitt IM Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Mars dagegen 328 Millionen Kilometer. Stehen Erde und Mars auf einer Seite der Sonne, die. Erde 'also zwischen Sonn e und Mars, dann befindet sich Mars in Opposiiion zur Sonne. Dann beträgt der Abstand des Mars von der Erde,238 minus IM Millionen'Kilometer, also 76 M i l l i o n e n Kilometer. Befindet sich Mars dagegen in seiner Konjunktion zur Sonn?, was der. Fall ist, wenn die Sonne -wischen Mars und. Erde steht, dann mißt die Entfernung des Mars von unserer Erde 238 Plus IM, also 378 Millionen Kilometer. Wären die Planetenbahnen Kreise, was noch von Kopernikus angenommen wurde, dann müßte Mars bei jeder Oppositionsstellung 78 Millionen Kilometer von der Erde entfernt fein. Seit Kepler die Gesetze der Planetenbewegungen entdeckt hat,, wissen wir aber, daß sich die Planeten aus elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen, in deren einem Brennpunkte die Sonne steht. Sie befinden sich deshaW einmal der Sonne näher, das anderemal in Sonnenferne. Der geringste Abstand der Erde von der Sonne beträgt 147 Millionen Kilometer, der größte 162 Millionen Kilometer: Mars dagegen hat als geringsten Abstand von der Sonne 297 und als/ größten 349 Millionen Kilometer. Dieser wechselnde Abstand der Erde- und des MarS von der Sonne hat einen Wechsel der Entfernungen beider Planeten voueinander bei der Marsopposition.zur Folge.. Steht bei einer MarKoPposition>, Erde' .in -.ihrer ^Sonnennähe 147 - Millionen Kilometer von der Sonne ab, Mars aber in feiner Sonnenferne, 249 Millionen Kilometer, dann mißt die Distanz zwischen beiden Planeten 249 minus 147 Millionen Kilometer, also 196 Millionen Kilometer. Steht > jedoch bei. einer Mars- Opposition .die Erde in ihrer Sonnenferne, also IM Millionen Kilometer, von der Sonne entfernt, Mars aber in seiner Sonnennähe, . also 297 Millionen . .Kilometer weg, dann 'betragt die Entfernung der Erde vom. Mars-nur 207 minus IW Millionen Kilometer oder 65 Millionen Kilo me t e r. DaS ist die g e r i n g st e E nt f e r n u-n g, bis zu der sich beide Planeten bei einer Marsoppositicm nähern können. Diese Oppositionen sind für die Marsbvobachtung am günstigsten, weÄ uns dann Mars größer erscheint. In eine solche günstige Oppo>sitiönsstellnng tritt Mars in diesem Jahre am 23. August nachmittags 6 Uhr. Marsoppoisitionen treten in Zwischenräumen von 2 Jahren und 60 Tagen ein. So günstige Oppositionen wie in diesem Jahre kommen nur alle 79 Jahve vor. Die letzte gleich günstige Opposition hatte Mars 1846, die nächste wird also erst im Jahve 3006 wieder eintreteu. Es ist begreiflich, daß die Fachastronomen alle Vorbereitungen getroffen haben, die günstige MarSopPosition in diesem Jahre aüszunützen, um vielleicht Einzelheiten auf der Oberfläche des Mars zu erforschen. Der Laie wird mit Hilfe eines guten Fernrohres die Weiße Polkappe sowie einige dunkle Flächen und Linien beobachten können. Sine hakenkreuzlerische Verleumdung des Rabbiners S. Wise. Dr. Wiese laßt durch den amerikanischen Botschafter Klage erhoben. Berlin, 12. August.' (I. T. A.) Die „Nene Niederschlesische Zeitung" vom 8/ Juni d. I. hatte ein Eingesandt veröffentlicht, m dem behauptet wurde, im „Kasseler Sontagsblatt", 15. Jahrgang, Nr. 18, St 118, habe folgende Aeußerung ddes Rabbiners W ise aus Amerika gestanden: ' „Es ist ein Glück, daß der Gekreuzigte in die Welt kommen ist... denn die Juden verdanken die größten Gewinne des ganzen Jahres dem Sohn Maria. . . Es ist übrigens'weit besser, den Christtag zu haben, als die Pocken, und wenn sich die Jungfrau nur dazu verstanden hätte, uns noch einen Buben im Sommer zu bescheren, so baß wir zwei Christtage hätten, so hätte ich ihr gern die Chinesen überlassen." Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ließ beim „Kasseler Sonntagsblatt" und bei Herrn Dr. Wise entsprechend anfragen. .....Das „Kasseler Sonn tagsblatt" antwortete: „Die Notiz ist'in der Nr. 18 des Jahrganges 15 (1893 oder 1894) nicht auffindbar .. . Wir haben bislang dieseAenßetrung in keinem der früheren Jahrgänge des ^Kasseler Sonntagsblattes"'gesilnden und solches ans Anfrage schon vor Jahren verschiedenen deutschen und christlichen Blättern mitgeteilt." Nunmehr ist auch die folgende Antwort des Rabbiners Dr. Wise eingetrofsen: „Dr. Wise, Rabbiner der Central and Free Synagognes und Direktor des Jewish Institut of - Religion, dem die ihm zugeschriebene Aeußerungen gezeigt wurde, erklärt, daß deren Veröffentlichung eine s o gemeine Verleumdung gegen ihn bedeute, daß, wenn sie in einer amerikanischen Zeitung gebracht worden wäre, ec diese soso rt wegen Verleumdung gerichtlich belangt hätte. Er ist im Begriff, an den amerikanischen Botschafter in Berlin zu schreiben, um in Erfahrung zu bringen, ob die Möglichkeit einer gerichtlichen Klage wegen Verleumdung besteht." i Sei ludenreine Markt Don Sornowire. 100 jüdische Händler vertrieben. Ans Warschau berichtet I. T. A.:'Der Magistrat der Stabt Sosnowiee hat einen Marktplatz der Stad>t, aus welchem^etwv 100 jüdische H ä ndl erseit langen >Jahren ihre Werkanfsstänbe' hatten, an, die antilstmitifche Gesellschaft Rozwoj verpachtet, die dort einen „j u d e n r ein e n M a r k 4" errichten will. Ter Friedensrichter des Ortes verurteilte die jüdischen Ladenbesitzer zum sofortLgen Verlassen des Platzes.' Obwohl die jüdischen ■ Händler gegen das Urteil' Berufung eiukjjtett, weil sie trotz chr-H Gesuches "wicht als Partei vor GDicht zugelassen wurden, verfügte der Magistrat die scfövtlge E v a-k u re r u n g der j ü d \ f che n L ä d e n. Eines urorgens wurde der Platz von Polizisten und Rozwoj- Leuten abgesperrt, die jüdischen Hädler wurden nicht a n ihre Stä nde g elassen, die Berkanfsstä nde demo.liert und zerschlagen, die Waren ü der d e n Mark t g e w o r s e n. Nnnnrehr hat das Kreisgericht das Urieil des Friedensrichters a u fgehoben. Trotzdem hat der Magistrat Einerlei Anstalten getroffen, um das Unrecht wieder gutzumnchen. Der jüdische kaufmännische Verein hat sich in der Angelegenheit an den In st i z m i n ifte r gewendet. gn&Üüum eines zionistischen Wochenblaiies. 25 Jahre „Jüdische Volksstimme". In dgn nächsten Tagein werden es 25 Jahre, seit in Brünn die Wochenschrift „Jüdische Volksstimme" erscheint. Im Jahre 1899 . von Max. Hickl begründet, der dieses mode'rne jüdische Blatt bis heute herausgibt, vermochte sich dke „Jüdische' Volksstimme" allen Krises zum Trotz bis heute zu behaupten.'Seit je vertritt dieses Blatt die nationale Idee des Judentums und hat viel dazu berget ragen, daß der jüdischnationale Gedanke unter den Inden Mährens und Schlesiens immer mehr durch drang. Die „Jüdische Volksstimme" hat in politischer und kultureller Beziehung stets unbeirrt anc Programm eines modernen jüdischen Nationalismus festgehalten, und nicht zum wenigsten ist U diese Prinzipienfestigkeit, welche diesem Organ auch in dgn Zeiten des großen Blättersterbens Widerstandskraft verlieh. Dü das Blatt sich selbst nicht untreu wurde, wurden ihm auch seine Leser nicht untreu. Gern nehmen wir den Anlaß wahr, der „Jüdischen Volksstimme" und ihrem Herausgeber zum 25jährigen Jubiläum herzlich Glück Md noch viele Jubiläen zu wünschen. ' Wie wir erfahren, gibt die Redaktion der „Jüdischen Volksstimme" anläßlich ihres Jubiläums eine illustrierte Festschrift heraus. |_ . , Ser Davidster» als Sowjetstern. Eine agudistischo Denunziation. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Die neue jüdische Gemeindeverwaltung in Zloezow, die aus einer nationalen Majorität besteht, hat vor kurzem die Restaurierung der städtischen Synagoge veranlaßt, bei welcher Gelegenheit am Eingängstor ein.neuer „Mögen David" angebracht wurde. Tie Agndah-Leute, die bei den letzten Wahlen unterlegen waren, nahmen die Gelegenheit zu der üblichen Hetze; gegen das nationale „Epikureertnm" wahr. Ueberdies ließen , sie das Tor, an welchem der Davidstern, angebracht tvar, niederreißen. Als hierauf die.Gemeindeverwaltung das Tor wiederherstellen und neuerlich einen Davidstern anbringen erregt. Die Br über Sklarz sind dort besonders in bei ersten Nachkriegsjahren stark hervorgetreten, haben jcbod manchmal eine nicht ganz geklärte Rolle gespielt. Es find vor allem drei Brüder Sklarz, die tl Berlin bekannt sind, und rj.var Heinrich, Waldemar und Leon. Leon Sklarz hat es verstanden, in eine der größtenBerlinerEisen Handelsfirmen ein. zutreten und dadurch auf den Markt einen gewissen Eiw m ,zu gewinnen. Tann machte sich Leon Sklarz selb, ständig und ging an die Gründung großer Konzerne, vop denen die Metall um A.-G. die bekannteste ist. Däh. rend der Jnflationsperiode konnte Sklarz seine Einfluß, sphäre immer weiter ausdehnen, und sein Ziel war er. reicht, als es ihm gelang, die Wöllersdorfer Werke in die Hand zu bekommen. ließ, erstatteten etliche Agudisten bei der Behörde d'e Anzeige, daß die Zionisten ein bolschewistisches Zeichen an der Synagoge angebracht hätten; sie deuteten das jüdische Symbol des Davidsternes — gleich den rüdesten Antisemiten — in den Sowjetstern um. Die Bezirkshaupt- Mannschaft hat nun eine Untersuchung wegen „Anbringung staatsgefährlicher Embleme" emgeleitet. Me Beschränkungen der Paläftinaeinwandernng. Eine Protestversammlung in Wien. Dienstag, fand im Chaluzheim in der Rossauerkaserne eine von der Arbeitsabteilung des Wiener Paläftinaamtes einbernfene Versammlung der in Wien vorhandenen Palästinawanderer, deren Zahl sich auf über 600 Personen beläuft, statt. Die Referenten besprachen eingehend die traurige Lage der Palästina- Wanderer, die, obwohl in Erez Israel Mangel an Arbeitskräften vorherrscht, ■ gezwungen sind, hier zu, , bleiben, da ihnen die nötigen Zertisikate zur Einreise nach' Erez Israel nicht zur Verfügung stehen. Die Versammlung faßte eine Resolution, in der gegen die Absperrung Palästinas vor den jüdischen Massen, die. am Wvederaufbau des Landes Mitarbeiten wollen, p rote stiert wird. Diese Einschränkung der Immigration stehe im Wider- ' sprach mii der Balfour-Deklüration.(.M)her Resolution wird' ferner gegen das Verhalten der englischen Palästinaverwaltung gegenüber der jüdischen Einwanderung schärfstens protestiert. Die Resolution schließt mit einem Appell an alle maßgebenden Faktoren, die freie Eintvandernng der arbeitendeil jüdischen Massen zu erwirken. Die Resolution wurde an die z io n i sti sch e n Behörden iu Erez Israel und an die L o ndo ner^^ekutive geleitet. * Wie uns ans Warschau berichtet wird, hat dort eine gleichartige Versammlung stattgefnnden. Sie Gräber der krzväter. Panarabische Feier in Machpelah. Ans Jerusalem meldet P. P. O.: In der moharnmedänischen Welt rüstet man sich zu einer großen und seltene» Feier. Bekanntlich werden in der alten, vom Kalifen Omar erbauten Grabesmöschee in Hebron dieGräber der Erzväter gehütet. Diese in der Doppelhöhle „Mearath Hamachpelah" befindlichen Gräber sind mit kostbaren grünseidenen, mit breiten roten Streifen und reicher Goldnnd Silber st ickerei geschmückten großen Teppichen' bedeckt, die, weim sie zerschlissen sind, unter großen Feierlichkeiten durch neue ersetzt werden. Die alten werden dann m.it dem Heiligen Teppich in großer Prozession nach Mekka gebracht. Das Betreten der Grabeshöhle in Hebron ist außer den hohen Muftis und den heiligen Derwischen niemandem gestattet und wurde selbst den nach Palästina gekommenen europäischen Fürstlichkeiten verwehrt. König Hussein, der sich bekanntlich zum Kalifen aller Moslims ausrufen ließ, hat nun gemeinsam mit seinem Sohne, jbem König Faysul von Bagdad, neue Decken für die Gräber der Erzväter gestiftet, welche im Rahmen glänzender p a n a r a b i s ch e r Festeskundgebnngcn auf den - Gräbern niedergelegt werden sollen. Zu dieser Feier werden diesmal außer den Fürsten und höchsten Würdenträgern der Mohammedaner aller Welt auch die Oberhäupter der nichtmohammedanischen Staaten geladen werden, Sie Mission in PalMn«. Der verkrachte Seelenfang. I Die nach dem Einzccg der Engländer in Palästina sehr kräftig betriebene Tätigkeit der en g l i ch e n Jude nmi.ssion hat vollständig versagt. Bei den an jedem Samstag in der Missionskirche in Jerusalem abgehaltenen hebräischen Missions predigten fanden sich höchstens etliche sehr fragwürdige Individuen ein und es kam zu so peinlichein Zwischenfällen, daß die Missionspredigten eingestellt werdan mußten. Die Mission hat sich auch'entschlossen, ihre Abendkurse für Inden, die gar nicht sre- 'quentiert warm, in solche für Araber umzuwandeln mrd zu wisse n. Der Haftbefehl hat

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