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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-14 · Heft 1975 (14.8.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1975 (14.8.1924)
Date
1924-08-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wlienrr Morgenzeitung Mett. Donnerstag 14. August 1924 AK. IM! . ’ i- . iji-r' Sie Einwanderung im 8«li. Wie den offiziellen -statistischen Berichten zu entnehmen ist, sind im Laufe des Monates Juli 1772 Person e n (d. i. um 23 weniger als im Vormonat) nach Palästina ei ng eiwandert. Der Anfang des Monates August hat einen starken Einwanderungszustrom gebracht. Am 3. August landeten 150 sephardische Einwanderer aus Griechen-,- l a n d und der T ü r k e i, am 5. August sind 520 Z m m igranten aus Polen in Palästina eingetrosM. Die palästinensische Komstische Exekutive hat ein Gesuch an die Regierung gerichtet, ihr 5'0O Visa auszufolgen, damit noch. im Laufe dieser Monates 600 Chaluzim aus Rußland nach Erez Israel einwandern können. Don den Emigranten auS Rußland, die nach Palästina gingen, wurde 48 Personen die Erlaubnis zur Einreise nach Palästina verwergert; sie sind, wie I. T. A. auS Konstantinopel berichtet, an Bord eines russischen Dampfers dortseW eingetroffen und werden einige Tage in Quarantäne gehalten. Man befürchtet, daß sie wieder nach Rußland znrückgefchickt werden. Die poknkfthe Regierung und die Palästina* Wanderung. Der polnische Ministerpräsident Grabski empfing, wie uns aus Warschau berichtet wird, vor einigen Tagen eine Abordnung jüdischer Arbeiter, die nach Palästina auszuwandern beabsichtigen. Grabski hob in der Unterredung hervor, daß die jüdische Auswanderung aus Polen für dieses Land äußerst nachte ilig fei, da sie die finanzielle Lage des Landes ernstlich gefährde. Die Auswanderung der Juden erfordere daher außerordentliche Maßnahmen der Regierung. PalSstinensische Wirischastsforschung. Von Dr. Viktor Grünwald (Petach-Tikwah). Eine der wichtigsten Angaben aller, die am Aufbau Erez Israels ernstlich interessiert sind, ist die Bekämpfung des Charlatanismus. Dieses Nebel Hot sich überall eingenistet und stiftet den größten Schaden. Die Literatur ist natürlich der ideale Tummelplatz der Batlamm und Charlatane, weil man hier am wenigsten befürchten muß, mit der Wahrheit und Wirklichkeit zusammenzustoßen und entdeckt zu werden. Der. Schaden, wenigstens der unmittelbare, ist dort vielleicht auch weniger groß.. Beginnt aber der Eharlatan sich aufs wissenschaftliche Gebiet zu wogen, so kann das unmittelbare praktische Folgen haben, indem nämlich andere Leute im Vertrauen auf Batlans Behauptungen sich einrichten und zu Schaden kommen können. Die Gefahr ist in Palästina besonders groß, ja es wurde sogar schon viel Schaden angcrichtet. Leute, die Palästina nie gesehen haben, und die Verhältnisse hier nicht kennen, schreiben über die schwierigsten Probleme unserer Wirtschaft mit der größten Leichtigkeit. Roch schlimmer sind jene, die einmal vier Wochen im Lande waren, ,/alles gesehen" haben und seither den Titel „Palästinafachmann" mit demselben Rechte führen wie die Generale ihr Ghrendoktorat. Natürlich ist auch der dauernde Wohnsitz im Lande selbst kein Beweis für Verständnis in Wirtschaftssragen, die Ger gar nicht einfach sind, so daß außer Intelligenz auch noch Kenntnis und Erfahrung notwendig sind. So kommt es,'-daß das, was bisher über palästinensische Wirtschaftssragen geschrieben wurde, bis aus einige Ausnahmen erstaunlich leer ist und man fast gar keine Hilfsmittel hat, das hiesige Wirtschaftsleben zu studieren. Bei dieser Lage der Dinge, ist die Wirksamkeit der „Palestme Econvmic Society", die im Auslände leider viel zu wenig bekannt ist, besonders begrüßenswert. Es ist dies eine Gesellschaft, die zunächst das Ziel verfolgt, die ökonomischen Verhältnisse des Landes genau zu erforschen und die Resultate zu publizieren. Grundsatz hiebei ist, daß nur Leute zu Worte kommen dürfen, die wirklich etwas verstehen. Es ist eben die beste Bekämpfung des Eharlatanismus, ein Niveau zu schaffen, das für den Eharlatan von vomehereiin unerreichbar ist und das ihm die Möglichkeit benimmt, mitzureden. Die Gesellschaft hat bereits früher mehrere Bulletins und Broschüren veröffentlicht, die zu dem Besten gehören, was bisher in und außerhalb Palästinas über palästinensische Wirtschaftsfragen geschrieben wurde. Die Themen waren das Kreditproblem, die Hafenfrage, Währungsfrage usw. Jedes Heft enthält auch sehr viel statistisches Material, ein in Palästina besonders wunder Punkt. Nicht nur sind die bestehenden Statistiken unverläßlich und veraltet, es kommt sogar vor, das bei neuen von der Negierung heniusgegebenen Statistiken in zwei verschiedenen Publikationen gäüz andere Zahlen genannt sind. Es scheint also auch englische Batlanim zu geben. Das soeben erschienene Bulletin 4-5 ist in Form und Inhalt besonders gelungen. Es schildert in der Einleitung die Ziele der Gesellschaft; Növomehs ky schreibt über die Industrie Palästinas, ferner enthält das Bulletin eine Abhandlung Dr. Weinbergs über den Iaffaer Orangenhandel, und schließlich gibt Dr. Alony (Sußnitzki) einen Ueberblick über das palästinensische Zollsystem, mit einem Anhang, der die Zollgesetze Palästinas und seiner Nachbarländer enthält. In dem Heft fh&ct man ferner eine Fortsetzung der in den früheren Bulletins , begonnenen Immigrationsstatiftik und der Berufszahlung. , Der Artikel Dr. Alonhs ist besonders instruktiv; seine Anregungen zur. Reform des Zollwesens find daher überaus wertvoll, da sie vollkommener Sachkenntnis und dem Verständnis für unsere Wirtschaft entspringen. Doktor Alony, als Sekretär der Gesellschaft, hat übrigens das Hauptverdienst an dem Zustandekommen dieser Hefte, und von ihm stammt auch derstatistische Teil. Nur wer die Verhältnisse in Palästina kennt und weiß, wie die Druckereien usw. beschaffen sind, kann ermessen, welche Hindernisse bei der Publizierung dieser Bulletins zu überwinden waren. Dazu kommen noch die sprachlichen Schwierigkeiten. Die Bulletins sind hebräisch und englisch herausg-egeben. Sie behandeln Themen, für die vielfach eine hebräische Terminologie noch gar nicht besteht, so daß die Uebersetzung keine leichte Aufgabe ist. Es wird aber eine besondere Sorgfalt darauf verwendet und die Bulletins wirken auf diese Weife geradezu sprachschöpferisch. Nov-omehskys Stellung zum Iudustrieproblem ist sehr interessant und man sieht gleich, daß hier ein Fachmann spricht. Er begnügt sich nicht mit der Feststellung -der gegerwärtigen Lage, sondern gibt wichtige Hinweise für die Zukunft. Mit vollem Rechte legt er besonderes Gewicht auf die Frage 'der Rohstoffe und des Marktes, was bisher meist vernachlässigt wurde. Jedoch betont er meiner Ansicht nach zu wenig, daß ein großer Teil der bisherigen Fehlschläge auf persönliche Ursachen bei Gründern und Leitern, wie Unkenntnis der Verhältnisse und machmäl direkte Unfähigkeit, zurückzuführen find, so daß Unternehmungen mißlangen, die nach der objektiven Lage der Dinge hätten gelingen müssen. Ferner ist auch, wie Novomeyskh dartut, die Geldverschwendung bei der Gründung mancher palästinensischen Unternehmungen zu tadeln gewesen, die schon viel Schaden gestiftet hat. Dr. WeinbergZ Abhandlung über den Omngenhand-el ist die erste ausführlichere Schrift über diesen so wichtigen Zweig unseres Wirtschaftslebens. Die Abhandlung enthält reiches Material. Dr. Weinberg ist einer der Direktoren der Genossenschaft -der. Orangenpflanzer „Pard e ß" und daher für die Abfassung dieser Schrift besonders qualifiziert. Emen Mangel des Werkes erblicke ich nur in dem Fehlen einer Rentabilitätsberechnung für einen Orangengarten, die besonderes Interesse für ausländische Leser gehabt hätte. Palästinenser wissen, daß ein Pardeß im allgemeinen ein gutes Geschäft ist. Der Wert dieser Bulletins ist groß; sie stellen die einzige, wirklich verläßliche Informationsquelle für palästinensische Wirtschaftssragen dar. Aber ihre Bedeutung geht noch weiter: Die Regierung, deren fachmännisch geschulte Beamte natürlich nicht allzu zahlreich sind, rechnet ernstlich mit der Economic Society als fachmännischen Körperschaft für Wirtschaftssragen. Gilbert Elahton, der Stellvertreter des High Commissioners, hat sich direkt an die Gesellschaft mit dem Ersuchen gewendet, die Bulletins an alle Departements der Regierung zu senden, um den Beamten Gelegenheit zu geben, sie zu studieren. Wir können den Engländern nicht durch Geschrei und nicht durch „Forderungen" imponieren, sondern nur durch wirkliche Leistungen, auf welchem Gebiete immer es sei. Wenn wir etwas leisten, so erkennen sie uns auch an und rechnen mit uns. Es ist zum Beispiel bekannt, daß die Frage der Schaffung einer selbständigen palästinensischen Währung, die so oft vergeblich i-n Resolutionen verlangt worden war, ihre bevorstehende Lösung einer Publikation dieser Gesellschaft verdankt. Hoosien verstand es, die Vorteile einer solchen Währung so überzeugend darzulegen, daß die Regierung der Sache sofort Aufmerksamkeit schenkte. Die wirtschaftlichen Fragen sind für den Aufbau des Landes von entscheidender Wichtigkeit, weit mehr als die Politik. Wir können uns einen Einfluß im Lande sichern, der weit größer ist als er unserer Zahl entspricht, wenn wir in wirtschaftlichen Fragen die Entscheidung geben. Die Möglichkeit hierzu ist sicher gegeben, aber die Voraussetzungen hierfür sind eben Leistungen, sowohl auf praktischem^ als auch auf wissenschaftlichem Gebiete. Beides muß hier Hand in Hand gehen und gründliche Wirtschastssorschung ist ungemein wichtig, denn wir haben gesehen, wie viele Unternehmungen gescheitert sind, weil die Lage nicht genügend gründlich erforscht war. Die Palestme Economic' Society ist heute das beste und vielleicht einzige Institut für Wirtschastsforfchung, das wir haben. Es wäre zu wünschen, daß die Bulletius auch in anderen Sprachen, etwa deutsch und jüdisch, erscheinen, um einen größeren Leserkreis in der Galuth zu erwerben. Dies ist natürlich nur dann möglich, wenn die Zahl der Mitglieder im Jn- und Auslande entsprechend zunimmt. Studienreise jüdischer Ingenieure nach Palästina. Eine Grupp? jüdischer Ingenieure in Lemberg bereitet, eine Studienreise nach Palästina vor. An der Fahrt wdr-den sich etwa 60 Personen, darunter die bedeutendsten jüdischen Ingenieure Galiziens, beteiligen. . ALS dem offiziellen Bericht der enMche» PalUtinn'Berwaltnng für 1823. Außenhandel. 1921 1922 1923 LghptischePfund Import. . 6,871.873 6,581.132 4,935.5 Transit nach Syrien . . . . 141 689 347.699 189.8 6,013.567 5,928.831 5,124.9 Exporte . . . . T. 1,416.368 1,353.368 1,554.7 Transit von Syrien . . . . 3.736 48.015 45.6 1,420.104 1,401.383 . 1,600.3 Reexport. 82.868 188.840 283.9 Ter Anteil der wichtigsten Lander, mit deinen Palästi' Handel treibt, war ' Großbritannien.. . . . 32 28 . 2: Syrien. 4 6 1' Deutschland.. 5 12 H Vereinigte Staaten von Nordamerika . 7 9 1 Frankreich.. . . . 4 6 Export: Aegypten und Sudan. 89 34 9l 2« Amerika............. 1 16 Großbritannien... . 9 18 11 Syrien.. . 43 23 ir Die ungemein große Abnahme des Exports nach Syrir wird mit den Valutaschwankungsn in diesem Lande, hohe Frachtsätzen und Kreditreduktionen der syrischen Banken ei klärt. Die Hauptim Port guter waren: BanMwollwarei Paraffinöl. Tiere, Zement, Gerste, Mehl, Reis/ Ka' t o f f e l n, Olivenöl, Salz. Die hier hervorgchobene Artikel werden zweifellos in kuvzer Zeit in Palästina selbst s reichhaltig produziert werden, daß deren Import wird ew fallen können. Tie Haupiexportartik-el waren Wein, Orangen, Wasser melonen. Seife, Weizen, Hülsenfvüchte Sesam - und Mmdelr Die im Bericht 'gegebenen Ausstellungen der Import! lassen nicht erkennen, wie groß der Anteil von Lebensmitteln Rohstoffen, Halb- und FertiigsabrN-aten daran absolut 'und in Vergleich mit den Vorjahren war. Hier zeigt sich,' wie -so oft bei den Verösfentlichungen der Regierung, ein großer' Mangel an fachlicher Durcharbeitung. Im Export zsigte sich eine starke Ab nähme d ef Weiransfuhr (um 30 Prozent), dagegen' sine Ev Höhung der Ausfuhr von Orangen (36 Prozent) Seife (60 Prozent) und M e l o n e n (1922 überhaupt keine) Von den Zolleinnahmen stammten fast 60 Prozent au? Jaffa und nur 33'Prozent aus H a if a. Der Verkehr diese» Häfen war (in ägyptischen Pfund): Import Export Transit Transit Re- Import nach Export von export Syrien Syrien I a f f a zur See . . 2,049.691 453 481.818 26 44.194 „ mit Bahn - 213.576 - 231.128 - 6.928 2,263.166 463 712.946 26 50.110 H aifa zur See. .1,164.618 108.679 164.121 8.700 66.745 , mit Bahn . 256.600 80.548 267.732 36.881 65.605 . 1,423.213 189.227 421.853 45.581 132.350 Dies gibt ein anderes Bild als jene der Zolleinnähmen, da tit Haifa sich der Transithande-I mit Syrien konzentriert, der in Palästina nicht zollbolastet ist. Ihn eingeschlossen hatte Haifa zirka 75 Prozent der Import- und Exportzisfer Jaffas, obzwar dieser Hafen der Versorger der zwei wichtigsten. Konsumzeutrrn des Landes: Iassfa-TÄ-Awiw und Jerusalem ist. Erziehung. Di? Regierung hat für die Araber eine große Zahl von Volksschulen errichtet. 1920-21 waren es nur 171 mit 10.600 Schülern, 1923-24 314 mit nahezu 2 0.0 0 0 S ch ü Iern. 45 von diesen Schulen sind in den Städten, die übrigen am Land:. Privatschulen zählte man 1923 : 997, davon 187 jüdische, 178 christliche und 98 mohammedanische. In jüdischen Schulen befinden sich auch 68 Mohaminedanische und 28 christliche Schüler, in christlichen Schulen 1486 mohammedanische und 907 j ü d i s ch e S ch ü l e r. In den ■ I ü »* i ch c n Schulen befinden sich insgesamt 18.3 0 0 Schüler. Landwirtschaft. Wie bekannt, war die Getreideernte 1923 schlecht. Vor dem Krieg lieferte Palästina große Mengen von Malzgevste nach England, Während der letzten drei Jahre fiel die Pro- Bullion von 61.800 auf 27.000 Tons und während der ersten vier Monaie 1929 wurden 8488 Tons importiert und nur 20 exportiert. Auch der Export der anderen Getreidearten 'und der Gemüse ist ans einen Bruchteil gesunken. An-derer-f-its ist die Produktion von Weizen trotz des stavken Preisfalles gleichgeblieben. Der Anbau von Hülsensvüchten und Tabak breitet sich aus, ebenso Geflügel- und Bienenzucht, Wicke, Hafer, Kürbis wurden eingeführt. Die Flachspflanzung wir-d in der jüdischen Versuchsstation erstrebt. Vieh wird noch immer stark importiert, der Fleischkonsum der Städte ist sehr groß. /

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