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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-14 · Heft 1975 (14.8.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1975 (14.8.1924)
Date
1924-08-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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tzMv . -vter^ Donnerstag SMfvischen, tu kn-ün sie Mst vor - ein paar Jahren, nachdem-man ihr den ganzen Sommer lang das Geld aLgeinöpst hatte, hinüusgeprügelt wurde; diese jüdische Schichte Mt kulturell in einem haltlosen Uebergang, feftt sie verschwommenen Bildungsidealen, leerer unproduktiver Wohtätigkeit und den Emotionen seelenloser Dagesstnsation in Kunst urch Literatur zutreibt; dieselbe Schrchte ist eö, die losgerissen vom politischen Instinkt, hen nur das Bewußtsein der Zugehörigkeit zur (Gemeinschaft gibt, eine Art politischen Snobismus bekundet, der, bei einem rosaroten Sozialismus des Marktes beginnend, zur egoistisch cipMtischen Gleichgültigkeit führt. Urtb wenn dann irgendein Warnungszeichen sichtbar wird, wenn jener politische Snob plötzlich am Dienen Leibe die würgende Kette des wirtschaftlichen üab sozialen Antisemitismus - spürt, die sich immer enger um das Judentum Oesterreichs schnürt, wenn das Gesetz wegen unlauteren Wettbeüverbes, die Novellierung deS Mieterschutzes, die Steuerpolitik der Gemeinde Men, wenn all das, was ja die jüdische „Bodenständigkeit" nach der Meinung jener politischen Suobisten nicht treffen kann, plötzlich Änett Voll ihnen zn Schaden und zum Ruin bringt, dann ist's ein unbegreiflich, unsagbares Wunder, das Mirakel, das eben in Salzburg abgesagt wurde« Denn es ist das Symbol unserer Zeit, dag die Mirakel immer abgesagt werden nnissen zugunsten der rauhen Wirklichkeit, welche -- '""'dische politisck)e SnMsmus erst dann erkennt, bis ,u spät ist. Ae ideale Horthd>A«ivM8t. Wiener Mor>trnzeitung.^ - wBPirremrogiuma -EÄ' Der neue Roman der „Wiener Morgenieltunfl“. In dem Düster eines Londoner Hebeltages geschieht in einem Auto ein Mord. Die Suche nach den Tätern geht infolge der schlauen An** läge der Tat' in die Irre und es ist schließlich die Tochter des Ermordeten, die die Wahrhei Sie ein Berliner Professor die Sache darstellt. — y. Wie«, 14. August. In El m an im Oberbaysvn ksL üvie der „Psster berichtet, eben eine interrvationale Konferenz für Studetttenfvagen abgehalten worden, auf welcher in einer Reihe von Vorwägen die Universitätstdiale der großen KuKurkvetfe dargestellt 'wurden. Der Berliner Professor Dr. Robert G r a g g e r widmete sich der ungarischen Universität. Das zitierte Blatt gibt seinen Vortrag wieder und man erkennt daraus, wie wenig so ein Pro-, fessör die tatsächlichen Verhäktnisie ersaßt. Er «weiß nichts von 'der Numerus clausus^Gemeinheit des heutigen Hochschulweisens Ungarns, die nicht zuletzt aus dieser Institution alle geistige Aktivität verbannt -hat. Was an den Universitäten vorgeht, das fuhrt der Professor aus den „neuerwachten Idealismus" -der Studenten zurück, der fordere, ,chaß die Universität. . . erzieherisch wirke, um doS durch Krieg, Revolution und Bolschewismus gestörte geistige Gleichgewicht zu befestigen". Ein. Professor Berlirter Richtung kann das gar nicht anders sehen, zumal ein Professor, der dem Humanismus ,/die Aufklärung mit ihrer rÜMavistischen Gleichmacherei" vorwirft. Ein si» isoliertes Volk wie Ungarn,, das durch tue Schukd',seiner im-perialtstischen Politik aus seiner Hege- -DMeDosMo« HÄrÄchgt wurde, müßte fein Heil in der fsrgsamsten Förderung der BoÄSbildung suchen, um durch Erweckung und NuAavmachung aller latenten geistigen Energien der Schäden des Friedensvertrages Herr zu werden. Ungarn hat dies verschmäht. Es verzettelt seine Budgetkrafi in militaristischen Experimenten und ln Dersuchen, die Wnoritatt, ohne m. es sich überhaupt nicht entwickeln kann, politisch uNd Lultu-vell zu zertrampeln. Das System, das heute Ungarn beherrscht und repräsentiert, ist nirgends, auf Seinem Gebiete positiv betont. Es ist nur Rache, Strafe und fanatischeste Kbassenwirtschast, die ihre Spitze vor oKem Heyen das jüdische Element richtet, das ihr wegen iseiNer geistigen BewsgslichSeit bis in di« Seele hinein verhaßt D. Mel und Grundbesitz haben niemals viel für Bildung und Wissen Übrig gehabt, weil sie die revolutionierende Wirkung ahnten. ©§ war darum den Machthabew in Ungarn alles daran gelegen, die in den Massen Hegende Sehnsucht nach Bildung und Wissen als jüdische Idee zu denunzieren und sich durch die lleberleiluUg des ANtifönnttzMus vom politischen aus das geistige Geleise die Unterstützung -der magyarischen Intellektuellen zu sichern, die die Erlösung von der jüdischen Konkurrenz freudig begrüßten. Da§ ist die Erklärung für 'den Terrorismus der, Studenten und Professoren, der in Ungarn die gleiche Verwüstung hervorgevufen hat. die sich an den Wiener Hoch- Mtlen zeigt. Wenn man -das mit Professor Gragger als ,MisMMsches Prinzip, die Wissenschaft, die Hochschulen z» retten" anspricht — uns mag's recht sein. Wir sind für das demokratische Prinzip, die Wissenschaft, Forschung und Lehre allen zugänglich zu machen, die sich ihr nur widmen wollen, und für die anderen so viele V-oWAschulen als nur MvAi-ch zu schaffen. Prof. Gvagger sieht diese Entwicklung, die auch er mit GöLge A betrachten,scheint, als Ausfluß des „überall kritischen Problems, wie die Universität dem Leben angepaßt werden Sann". Dieses Problem gibt es nicht. Die Universität hat die Grenzen des Wissens zu erweitern, sie hat unbefangen und dovaussetzungslos für die geistige Beveicherung der DiMer zu wirken. Sie hat sich nicht anzupassen. Wo sie dies tut, wird sie zu einem Werkzeug politischer Cliquen oder Klassen, die nach ihrem Interesse den Begriff des Löbens" definieren. Da's ist in Deutschland geschähen, wo 'die Universitäten >de.m von der Nationalistischen Offiziers» und Junker'kaste vorgsschriebenen Leben" sich anpassen mußten und sich zu Instrumenten des Feldlweioeb-Patkiotismus hera'bwürdigen ließen. Das geschieht jW wisdtzr M Ungarn. Dort wird eine königlich -maghari .Me MsMchaft in 'der schmutzigen Retorte der Cloredö gekocht. Siefft rassisch gelklärt und dem angepaßt, was der Hovjhy und die Seinen unter ,/Leben" verstehen, das es Gott fti Da-ntWÄl KMtzüriam nicht gibt. An den Tag bringt. Der Roman „Das Mädchen im Nebel", dessen Inhalt wir knapp skizzieren, ist mit einem blendenden Raffinement geschrieben. Bei kluger Vermeidung der Fehler der Feld-, Wald- und Wiesen-'Kriminalromane führt der Autor in literarisch einwandfreier Darstellung, dabei aber in rasendem Tempo, die Handlung dem Schlüsse entgegen, wobei auch der moderne Aberglaube des Okkultismus die entsprechende Beleuchtung findet. Der Roman „Das Mädchen im Nebel" von Josef Gollomb wird unseren Lesern eine willkommene Bereicherung des Inhaltes unseres Blattes bringen. Der Roman beginnt Sonntag den 17. August tu .erscheinen. Re Geschichte der Wischen Minderheitsrechre. In der Reihe der „Quellen und Studien des Osteuropi-stultituts in Bissau" hat Georg Landauer ein Merk „Das geltende jüdische Minderheitsrecht" veröffentlicht, das in drei Hauptkapiteln -die Geschicht e, den derzeitigen Stand und die Probleme 'des jüdischen M i n d e r h e i t s r e ch t e s behandelt. Der gelehrte Verfasser geht von der Tatsache aus, daß die heißumstrittene Streitfrage, ob die Juden.eine Nation seien -oder nicht, aus der weiteren Rechtsentwi cklung*a u §gefchalt-et ist, durch die Tatsache der Auerlkennung der Juden als Nation in staats- oder völkerrechtlichen Akten während und nach dem Weltkrieg. (Erklärung der britischen Regierung vom 2. November 19-17 — Balfour-Deklarat i.o n-— mit -Zustimmung einer Reihe anderer Regierungen; Auerik-enuungterritorialer Gruppen der jüdischen Nation in einzelnen Ländern, zum Beispiel Ukraine, Litauen.) Diese als Nation rechtlich nunmehr anerkannten Juden finb aus der einen Seite das „Minderyeitsvo'lk Par -exellenee", -da sie in keinem Staate und in keiner Provinz der eW-lt eine Mehrheit -bilden und hinter den jüdischen Minderheiten kein nationaler Muttrrstaat steht; andererseits bringen -kulturelle Momente, wie die Sprachenfrage (Hebräisch und Jüdisch), -wirtschaftliche, wie die Sabbarruhe, und naht zuletzt die P a l ä st i N a b e w e g u n g in das Problem des jüdischen Mind-crheltenrechts grüße und Wichtige Besonderheiten. Die historische Betrachtung führt z-ü-rück bis zu der in den Zeitraum von 660 bis 950 im persisch-arabische n Reich für das dortige jüdische Zentrum bestehenden Verfassung, mit einem Fürsten des Exils" an der Spitze, die dannauch no-ch int s p a n i s ch - a -r a b ischen Slaate bis zum 12. Jahrhundert eine g-swisse Fortsetzung g-eisunden 'hat (-der „Nagid", das Q'bevhaM der jüdischen Gemeinden Spaniens, -ist zugleich Mitglied des SMu-sratL). Jn> Deutschland besttzm die Juden durch Privilegien vielfach Gerichtshoheit nach j Ä d is ch e m Recht (Kölner Privileg von 1331), während in Polen und Litauen feit der OÄitte des 1$. Jahrhunderts ei Ne richtige jü dis che Au tonomie besteht, die M'iucr weiter aus-gebaut wird, um 1650 ur der Jnsti:utiön -des R e i chs-j u den tag es ihre Krönung- und ' erst -M der zn, i-ien Hälfte des' 18. Jahrhunderts ihr Ende zu sin-- ' den. ‘' Im -19Jahrhundert ruht die Bewegung^ um EMngung ■-- 14. Angusii 1924' M. Mg nationaler Rechte bei den Juden, bis in Rußland -der um erhörte politische und wirtschaftliche Druck, in anderes Landern die 1897 gegtün-dote zionistische Weltorganisation neue Antriebe nach dieset Richtung gegeben hat. Das derzeitig geltende /jüdische Minderheitenrecht, nledergslegt in den Bestimmiu-ngen der Frle-densverträgg bon 1919 Und 19^0 Wer da's all ge meine Minders heitenrecht, ferner in Sonderbestim-mungen der Ver-< träge mit der Türkei und mit Polen, weiter in dep BerfassUngen Polens, der utra-inischen 9U< hublik und Litauens, sowie endlich -im Palöstittcu man-dat umsaßt die Organisation der jüdischen Mindert heitru und ihre Grundrechte; die pvlitischeu und bürgen lichen Rechte, Gebrauch und Anerkennug der natio-naleq Sprache, -Freiheit des Bekenntnisses und der R-eliczions^ Übung, Autonomie in Schuld und Bildungs-Wesen, Besteuerungsrecht. Der Schütz der Winderheitsrechte -überhaupt liegt dem Völkerbund ob; bei Mein-u-ngsvev! schiedenheiten ist der Ständige internationalt Geri chtshos zuständig; da aber eine Intervention nur durch Mitglieder des Böl-k-erbu-ndrats herbei«, geführt werden -kann, sind -die jüdischen Minderheiten an keiner der heiide-n Stellen Parte ifä'hig. j Eine wichtige Rolle spielt auch die Fmge der B c rtvetung der jüdischen Minderheitz woöri! die von den Engländern den Zionisten vorgeschlageNej Jewish Agency ein vielumstr-itbenes Gebilde -darstellt« Das bedeutsamste Problem ist die Rückwirkung der Wiederbesiedlung Palästinas auf die jüdische Minderheit, inwieweit die Entfaltung einer bodenständigen nationalen Kultur, die neue Entwicklung des jüdischen Rechts und der jüdischen Wissenschaft ans Haltung, Bewußtfstn und Stellungnahme der.Juden au-ch außerhalb Palästinas enöscheldeNden Einfluß gewinnen können, und' inwie-weit eine territoriale Autonomie der Juden in Palästina und die dann mögliche Aufnahme der „nationalen Hei-rustätte" cu-s Mitglied des Völkerbundes eine Vevändrruug -der allgemeinen jüdischen Lage der letzten beiden Iahrtausendr yerbeizuführen berufen ist. 8er Vertrag von Lausanne und die paWknenfische Staatsbürgerschaft. London, 12. August. (I. T. A.) Der Friedensverirag -mit der Türkei, der am 24. Juli 1923 in Lausanne unterzeichnet worden ist, ist am 6. d. für da's Britische Reich, Italien und Japan, aber noch nicht für F ra nikr-e i ch in Kraft getreten. Laut § 16 des Lauisauner Vertrages -verzichtet die Türkei auf alle Rechte und Ansprüche betveffend die außer-!hakb ihrer jetzigen Gven-Mgediegenen Territorien. Diese Territorien schließen Palästina, Syrien, Transjordanien und den Heds-chaS mit ein. § 51 handelt von dem auf -jedes vom früheren ottomanischen Reiche losgeloste Territorium entfallenden Teil! der türkischen Staatsschuld. Das Jnikrajittreten des Lausanner Vertrages -bedeutet für Palästina denl Beginn der Leistungeu auf die ottomauifche Staatsschuld. Das Inkrafttreten dr's Lausanner Vertrages ist auch auf die Frage der palästiue-nsischen Staatsbürgerschaft von Einfiuß. Denn erst jetzt wird es möglich werden, ein pcchästinensisches Staatsbürgerschastsgesetz zu schaffen. Einkommensteuer in Erez Israel. Jerusalem, 12. August. Hier geht das Gerücht um, daß die Regierung die Einführung einer p rogress jvenl Einkommensteuer lbevibsichtigt. s Lie Erweiterung der Fewish Agrnctz. (Eigenvienst der ,Miener Morgenzeitung".) Krakau, 13. August. Für den 1b. September wurde hierher, eine Sitzung des Zentralrates der Agudah Jisroel einberufen.^ Die Sitzung soll sich vor allem mit der S t e l l u n g n a h m her Agudah zurJewishAgency sowie mit Teilnahnre ihrer Hilfsorganisationen an den Arbeiten der j ü b is chenWelthilfSkonferenz beschäftigen. Sie Srmordung de Haanr. Zwei weNrre Derhaftungen - Jerusalem, 12. August. (P. P. O.) Außer dem llhaluz ® it | nt a n ii, der inzwischen gegen Kaution in Freiheit gesetzt wurde, sind noch zwei Person e N in Haft genommen worben unter dem Verdacht, den Mörder de HaanS zukennen, da-.angeblich festgestellt wurde, daß sich in Begleitung des Mörders noch zweiPerfonen befunden haben (tto WMkougreß der amerikanischen Frane«' liga. New-Aork, 13. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitunsi".) Uebermovgen -beginnt in Westsord ein auf drei Tage anberaumter W a H l k o n g r e ß der a m e r i k a-s N i f ch s n F r a u e n l i g a, auf welchem die Liste der w e i b l i ch e n K a n d -i d a te n für die Wahlen tn den Kongreß im Wege einer GrundaWimmung festigestellt werden-soll. Die amerikanische Frauenpartei Aabsichtigt, im Anschluß an diese Wahlkonferenz eine energische Mmpagne unter der Parole „Frau-en füt■ dtn Kongreß" in den Bereinigten Staaten einzubeiten. Der ge-genwärttge Kongreß zählt nur ein einziges weibliches Mitglied. Die Frauenpartei hofft, bei den nächsten Kongr-eßtvahlen sechs weibliche Wgeovdnete iu das Parlament zu bringen. 098^99

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