Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1975 (14.8.1924)
- Date
- 1924-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPoisn 20qroszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1*3, oder in einerVerscbleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er., Wollzeile 11 Mit Postversftnd für ^'»en a. Oesterr. monatl. K 40.000 Ts eher, ho -Slowakei: Mon. K IS. Iu«oslawien: Mon. Hinar60. Polen: Mon. 3*/, Zioty, Deutschland: Mon.Goldmark,4, Franks Belgien: Mon. Fr cs. 12 **T" N a c h r * h 1 » n? e n 'MW Nr. 1975 rener I Preis K 1400 En gIa n d: Mon, 4 Schilling, Italien: Monatl. 12 Lire, Rumanien Mon. 150Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs.'4 Redaktion u, Administration Wien, II., Tahorstrasse 1 —3 Teleohone: 14-0-3°,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitäts8tr. 6—8 (Druckerei Stein manu Oesterreichisches Postspar* kassenr Konto Nr. 150.693 Wien. Ionnerstag. 14. August 1824 K.Mrgang Aülken in London. 8er Streit um die Räumung der Rubrgebieter. — Mac Donald soll vermitteln. — Provisorium in den denttch - französischen Handelrverbandlvnoen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 13. August. Der heutige Tag hat in den Verhandlungen eine Stockung gebracht, die sich in den Beratungen über bas schwierigste Thema -der Konferenz ergab: in der Fragender Räumung des Rnhr gebietes. Um halb 11 Uhr vormittags begannen heute im Auswärtigen Amt die . deutsch-französisch-belgischerr Beratungen, die sich mit der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebietes, der Frage der militärischen Kontrolle Deutschlands, dem Problem der französischen Sicherheit imd den Grundsätzen für das französisch-deutsche Handelsabkommen befaßten. Diese Besprechung dauerte drei Stunden . und wurde' dann unterbrochen. Um 5 Uhr nachmittags fanden .sich die Delegierten, und zwar Herriot, PewN della .Roeca, Bergery, Thennis, Hymans, Marx, .Str ese ma nn und Luther neuerlich zusammen. Mer trotz aller Anstvengiung lonntr auchdiesmal - ' keine Eini^unß - ^;; *' ■ ' erzielt werden, so >daß nm 7 ,UM)1b. Min. auch diese Be-, sprechung abgebrochen, und. auf. m opgen 9 U h r früh' rertagt werden muhte. Da die' auHetäuchten Meinnngs- ' Verschiedenheiten ziemlich groß sind, haben die deutschen Delegierten Mae Donald um Vermittlung gebeten. In den heutigen Beratungen verlangten die Deutschen die Räumung am. 1. Jänner oder spätestens am 1. April 1925. Die Franzosen und Belgier hiMen ihren StandpU'nEt aufrecht. Ministerpräsident Herriot legte die französische Politik gegenüber Deutschland dar und wies nach,* daß die Räumung vor Ablauf eines Jahres unmöglich sei. Er erklärte, Frankreich beweise so seinen Liberalismus und seinen Friedenswillen und forderte die deutschen Minister aus, in dem-' Mgemelne Erhebung in Marokko. Mn pessimistischer Bericht des spanischen Direktoriums. Madrid, 13. August. Das Direktorium veröffentlicht folgende Mitteilung: Die Meldungen aus Marokko sind nicht zufriedenstellend. Die Rebellen haben &c neue Stellung in der Linie Man block r e r t. Eine andalufische Reservebrigade wird nach Marokko eingeschifft werden, um die Truppen in der westlichen Zone zu verstärken. Weiters heißt es in der. Mitteilung, daß sich eine allgemeine Erhebung der Stämme zeige und daß es unbedingt notwendig sei, die Bewegung zu ersticken. Die Meutereien im Sudan. Mae Donald mißt ihnen schwerwiegende Bedeutung bei. Kairo, 13. August. (Reuter.) Ans Anlaß -der Ereig- .nisse in Athar hat hier heute nachmittags -eine Kundgebung stattgefunden. Im Sudan herrscht jetzt Ruhe. Wie „Evening Standard" meldet, sei Premierminister Mac Donald der Ansicht, daß die Ereignisse im Sudan >schwerwiegende Bedeutun,g halben. Wie die Londoner Blätter melden, sprach der Oberkommissär für Aegypten, Lord Allenby, im Foreign 'Office vor und erörterte mit dem Premierminister die Lage in Aegypten und im Sudan., Verstärkungen werden in Eile zur See von Suez nach Port Sudan entsandt. -Flugz.eu.ge sind von Kairo nach Khartum abgesendet worden. Wie aus Melilla gemeldet wird, begibt sich ein -britisches Kriegsschiff nach Port Sudan, ein anderes nach Alexandrien. - . selben versöhnlichen Geiste zu antworten. Unter diesen Umständen spricht man davon, daß das Ende der Konferenz in dieser Woche nicht mehr zu erwarten ist. In der Fragendes ■ Handelsvertrages wurde eine Einigung dahin erzielt, daß vorläufig ein Provisorium geschaffen und die endgültigen Verhandlungen im Oktober ausgenommen werden. Die Franzosen haben nach einigen Widerstand diesen Vorschlag angenommen, weil es ihnen begreiflich erschien, daß in- London derzeit eine definitive Abschließung des Vortrages nicht möglich sei. Theunis hat im Laufe des Tages.der deutschen Delegation gegenüber erklärt, -daß auch Belgien ein Handelsabkommen verlangen werde, aber die Verhandlungen erst später eröffnen würde, wenn die deutschsranzöstsch-belgischen Verhandlungen abgeschlossen sind. Morgen vormittags werden, die alliierten Finanzminister zusammenkommen, um die Frage der. kosten deMuhHsetzrm- ' zu bereinigen. Sie werden-'auch über.die Austeilung der ersten Annuitäten nach dem Dawes-Man unter dH Alliierten sprechen, die endgültig erst nach der Londoner Konferenz geordnet werden wird. . Ir. Marx verlimgt Instruktionen von 8bert. Die Krise der Konferenz. Dr. Marx hat heute abends den Reichspräsidenten Ebert ausführlich über den Standpunkt Herriots unterrichtet und um Rat gebeten, wie weit er gehen könne. Sowohl im deutschen wie auch im französischen Hauptquartier gab man heute abends zu, daß die L a g e s e hr ernst und eine Krise ausgebrochen sei. gimmerman — Grneralgouverneur von MedeMndisch-Fndien? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 13. August. Das „Amsterdamer „Wgemeen Harrdelsblad" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß der frühere Rotterdamer Bürgermeister und jetzige Generälkonnnissär des Völkerbundes in Wien, Z i m m e r m a n, zum Generalgouverneur von Niederländisch-Jndien ernannt werden soll. Kein griechisches Mtimatnm an Bulgarien. Athen, 13, ‘ August. Von kompetenter Stelle wird die im Ausland verbreitete Nachricht über ein Ultimatum Griechenlands an Bulgarien dementiert. Re letzten Kurse. (Rädiodienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 13. August. Devisenschlußkurs.er Wien 321.600. Prag 153.20, Paris 82.16, Brüssel 88,68, Rom 100,66, Zürich 24,03'/„ Madrid 33.65»/,, New-York 4,52%«, Amsterdam 11.60»'«, Kopenhagen 23,17»/,. Christiänla 32,52»/,, Stockholm 17,01»/,, HelstngforS 181, Berlin 19,25, Bukarest - 997,50. Aew-Vork, , 13. August. (Radio.) D e v i s e n s ch l u ßkürle: Daggeld 'Wechsel auf London 4.63, 60 Tage- Wechsel 4,60-/«, Paris 5.66, Amsterdam 39,07, Prag 2,97, Berlin 23»/«: Das Mirakel. —sch. W i e n, 14. August. Im vorigen Sommer klangen plötzlich alle. Glocken des Wunderturms in Salzburg, laut und eindringlich mahnend; es war wie damals, da Gottes Sogen, der sichtbarlich auf dem Kampf fürs bedrohte Vaterland ruhte, allen Gläubigen kundgegeben werden sollte. Was war geschehen? War wieder ein Ultimatum abgelaufen? Das gerade nicht, nur ein altes Legendenspiel wurde auf dem Domplatz zu Salzburg vorgeführt. And die Glocken klangen. Der Bearbeiter dieses christlichen Spieles war ein Jude, der es aufführte, der, jüdische Theatevdirektor Reinhardt. Und ganz Ischl, Gmunden, St. Wolfgang, Aüffee und St. Gilgen strömte in hellbegeisterten Scharen in die gastliche Stadt, in welcher zu gleicher Zeit Flug- und Schmierblätter verteilt wurden, die zur Vertreibung der jüdischen Sommergäste aus dem schönen Salzkammergut und. der erzbischöflichen Stadt an der Salzach aufforderten. Auch in diesem Jahre sollte das „Mirakel" von Reinhardt in Salzburg schaugestellt werden, diesmal in der Kollegienkirche. Plötzlich wurden die Aufführungen abgesagt; die Erkrankung einer Darstellerin soll die Aufführung unmöglich gemacht haben. - Eingeweihte, die es in Dheaterdingen und insonderheit in der Reinhardtschen Theaterei immer, gibt, munkelten, der Grund' läge anderswo und ein Wusch mit normalem politischen und sittlichen Empfinden' hätte zu der Annahme verleitet werden Wunen, daß die rüde antisemitische Propaganda, welche im Zeichen - des Hakenkreuzes in Salzburg und im ganzen 'Sal^kamrnergub getrieben, wird, heuer, einen so . geringen 'Hustrom ■ an Sommergästen im Salzkawmergut üstdMO§so Heringe Fremdenfrequenz in. .SalK^Ä -- Sur HÄge^ haH,' daß der geschäftstüthtige Theatevü'WtüÄhnM eMah,-er würde diesmal mit der Abhaltung des „Mirakel-Festspieles" nicht auf seine Rechnung kommen. Denn die Besucher dieses Salzburger chrrsÄich-Eirchlichen Legendenspiels sind fast ausschließlich die jüdischen Sommerfrischler aus dem Salzkammergut, und man ' sollte glauben, daß diese Würde -genug besäßen, um nach den Erfahrungen der letzten Jahre Salzburg und das Salzkammergut zu meiden. Aber es ist nicht so. Die „Fremden" lassen sich in den idyllischen Sommersitzen weiter auswurzen und anspucken und wärengern bereit gewesen, in ihre Sommerunterhaltung durch das Mirakelspiel eine künstlerische Abwechslung bringen zu lassen, wäre nicht ein kleiner Zwischenfall gekommen, der wenigstens in dem einen Punkt, freilich gegen den Willen der Interessenten,, den Salzburger Festspielpilgern ihre. Würde wahren half. Es haben sich nämlich, wenn man einem Salzburger Blättchen glauben kann, die kirchlichen Kreise Salzburgs gegen die Mitwirkung zweier jüdischer Darstellerinnen im Mirakelspiel, das in der Kollegienkirche aufgefiihrt werden sollte, entschieden 'ablehnend Verhalten. Obwohl es noch selten vorgekommen sein dürste, daß kirchliche Kreise sich gegen jüdische Spenden für kirchliche Zwecke ablehnend Verhalten hätten, so kann doch, gesagt werden, daß die Kirche ein gutes Recht dazu hat, von ihrem Standpunkte aus die Distanz gegenseitiger Richtberü-Hrung zu wahren, wenn sie auf der anderen Seite nicht gewahrt wird. Der jüdische Jude hat seit Jahrhunderten den Takt gehabt; er fehlt jedoch einer Generation, welche an die Stelle jüdischen Wertbewußtseins den kulturarmen und. - -stets die Grenzen überschreitenden Snobismus gesetzt hat. Dieser Snobismus beherrscht die Aufführung des Legendenspiels und. führt ähr das Publikum zu, dessen Würde — diesmal — die katholische Kirche gewahrt hat. Snobismus ist die ganze 'kulturelle, sozial-und politische Einstellung einer Gesellschaftsschichte, welche, seit knappen' drei Generationen noch nicht imstande war, ein Aequivalent für das 'zu finden; was sie.aufgegeben . 'hat: ihr jüdisches Wert- und Selbstbewußtsein. Diese jüdische Schichte. ist es, welche noch immer wähnt, sie sei nicht gemeint, wenn irgendwo, gegen Juden gehetzt wird; diese jüdische Schichte, bevölkert mit , unerschütterlicher Gelassenheit jene Kurorte und Som- Grosser Sommer- RäimumnsTerkauf in allen Abteilungen des Warenhauses [Schiffmann II. Taborstraße 48 Telanhon En gros En jdetai: