Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1974 (13.8.1924)
- Date
- 1924-08-13
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sfo. 1974 Wien, Mittwoch Wiener MoeKenzettuntz. 13. August 1984 ' " GM A i.K$ Vi 7MMM^ SEIFE NBL Äf TCH E N Unter LUX sind nicht die üblichen dick-groben sogenannten Seifenflocken zu verstehen. LUX ist ein Edeleisenfabrikat in der Form viereckiger Blättchen von wunderbarer weiss durchsichtiger Feinheit dargestellt. Zu seiner Herstellung kommen die auserlesenästen Rohmaterialien zur Verwendung. LUX ist deshalb, wenn im BADE und für die Körperpflege verwendet, von hoher erfrischender Wirkung. Namentlich aber ist es zum Waschen des Kopfhaares zu empehlen, denn es verleiht ihm jenen entzückenden Seidenglanz und Weichheit, aus der fühlbare Frische und Reinheit strömt. LUX ist wieder in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. m % Mondfinsternis und MsrrnSHe. i Radiowellen nach dem Mars. , . Günstiges Wetter vorausgesetzt, werden wir am nächsten Donnerstag den 14. d. den Gang einer totalen Mondesfinsterniz verfolgen können. Der Mond geht an diesem Tage für uns nur 19 Uhr 20 Minuten auf, die totale Finsternis beginnt um 20 Uhr 81 Minuten und ist um 22 Uhr 9 Minuten beendet. An der Universitätssternwarte ist verstärkter Beobachtungsdienst eingeführt. Mich von der Sternwarte der Urania.aus-' wirb dgs interessante astronomische Ereignis, das übrigens auch mit freiem Auge zu betrachten ist, beobachtet werden. Irr einigen Tagen, am 23. d., tritt der Planet Mars in ein für die Beobachtung besonders günstiges Stadium: in das der Erdnähe. Er wird dann „nur" 66 Millionen Kilometer weit von de.r Erde entfernt fein. Dos ist eine Strecke, die ItOOmal so groß ist als der — 40.000 Kilometer betragende — Umfang der Erde. In Philadelphia werden amerikanische Physiker versuchen, Nadiowellen nach dem Mars zu senden. Es sind besonders lange Wellen, die bestimmt sind, -den Raum bis zum Macs zu durchdringen; ihre Länge wird etwa 15 Kilometer betragen. Die Experimentatoren von Philadelphia stehen auf dem Standpunkt, daß keine Gelegenheit versäumt werden darf, von der Bewvhnlhelt des Machbarplaneten etwa Kenntnis zu erlangen: Gibt es auf dem Mars Lebewesen, so sind sie möglicherweise so hoch entwickelt und verfügen über so gute Instrumente, daß sie die von der Erde eintresfenden Radiowellen aufzufangen, deren Ursprung richtig zu deuten, sie. vielleicht sogar zu beani- Worten vermögen. . * Wien, 13. August. * Eine Warnung des zionistischenj Jmmigrationsdepartements. Das Haupt'bureau der Zionistischen Organisation ist vom Pälästinaamt in Triest unterrichtet worden, daß verschiedene mit einem persischen Visum versehene Einwanderer dort zwecks Erlangung eines Durchreisevisums durch Palästina vorstellig geworden sind, offenbar mit der Absicht, in Palästina zu bleiben. Das Jmmigrationsdepartement der Zionistischen Organisation macht darauf aufmerksam, daß derartige Immigranten von dem Palästinaamt in Trieft keinen Beistand erwarten können und außerdem Gefahr laufen, in den Häfen Palästinas znrückgewiesen zu werden. * Die Auswanderung nach Aeghten. Informierte Stellen teilen mit: Das Einreisevisum nach Aegypten wird In der Regel nur erteilt, wenn der Nachweis einer gesicherten Lebensstellung durch Anstellung, durch hinreichende Barmittel usw. erbracht wird. Kaufmännisches Personal, auch solches mit Sprachkenntnissen, weist derzeit in Aegypten viele Stellenlose aus. Für Frauen gibt es Kairo ein Stellenvermittlungsbureau (Bouug - Womens Christian Association Connaug'ht House, Rue Soliman-Pascha), an das sich Bewerberinnen unter Angabe ihrer Kenntnisse und Forderungen sowie etwaiger Referenzen unmittelbar, wenden können, Ohne feste Stellung auf Grund eines detaillierten undunzweideutigen Dienstvertrages nach Aegyten auszuwandern, ist auch aus dem Grunde vollkommen uuangezeigt, weil das Leben dort gegenwärtig sehr teuer ist. * Fremdenverkehr im Juli 1924. Im Juli <[. I. sind in Wien insgesamt 60.100 Fremde angekommcn. Davon sind 34.933 Oesterreicher. * Wohltätigkertspostmarken. Die Postverwaltung wird auch Heuer eine eigene Reihe von „Wohltätigkeitsmarken" ansgeben. Die Marken werden am 6. Septenwer 1924 in Verkehr gesetzt und von diesem Tage an bis einschließlich 31. Dezeinber 1924 allgemein für den Briesver-kehr gültig sein. Die Markeureih.2 besteht in fünf Werten zu 100, 300, 600 und und 1000 K. Zu diesen Nennwerten wird ein auf den Marsen ersichtlicher Zuschlag im Ausmaße des Dreifachen des Nennwertes zugunsten „allgemeiner Wohltätigkeitszwecke" erhoben. Welcher Art diese „Wohltätigkeitszwecke" sind, darüber schweigt sich die Postverwaltung aus. * Der Bahnsteig Banmqarten aufgelassen. Ab Freitag den. 16. August wird in der Halte st e l l e Baumgar t en der Bahnsteig der Verbindungsbahn gänzlich ausgelassen. Bon diesem Tage an erfolgt oas Aus- und Einsteigen bei den Zügen der Verbindungsbahn an: Bahnsteig für die Züge der Westbahn, Richtung Neulengbach, somit bei den Verbindungsbahnzügen nach, Hütteldorf-Hackjng rechts, bei den Zügen Richtung Wien-Hauptzollamt' links in der Fahrtrichtung, * Für die Spielbank in Veldes. Aus Veldes wird uns geschrieben: Ter Gemeinderat hat eine scharfe Entschließung gegen die Aushebung des Spielsaales beischlossen, und sich auch gegen' die übermäßig scharf gehaudhabte Polizeiliche Revision der Anwesenden ausgesprochen. Zum Zeichen des Protestes hat der Bürgermeister Tome seine Stelle nisdergelegt. * Ambulanter Bahnhofverschleitz der Tabakregie. Die Tabakregie wird in Bahnstationen mit längerem Zugsaüfenihalt sowie in der: Wiener Hanptbcihnlhöfen die Versorgung der uteifeuben mit Rauchmaterial vom Waggon aus durch am- «MW» ~ - - - * Selbstmordchronik des Tages. Di? in Wien bedienstete 18jährige Hausgehilfin Josefa O. hat sich in St. Andrä. wo sie mit ihren Dienstgebern zum Sommeraufenthalt'weilte, in I die Donau gestürzt und. wurde itt Wien als Leiche, geborgen. Den Selbstmord hat si^ ihren Eltern in einem Briefe angeküüdigt. — Eine andere Hausgehilfin, die 20jährige Therese B., hat versucht, sich mit Leuchtgas zu vergiften. — Wegen eines Zwistes mit ihrer Schwester hat die 34jährige Marie D., die zurzeit arbeitslos ist, ihrem Leben ebenfalls durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende machen wollen. — Infolge Lebensüberdrusses hat der 39jährige St-eiübildhauere Karl P. eine tödliche Dosis Veronal genommen und wurde bewußtlos ins Wiedener Krankenhaus gebracht, — Der 20jährige Ka non o n i e r Anton N o w a c z e k hat sich gestern nachts während seines Wachdienstes vor der Wilhelmskaserne in der Vorgartenstraße mit seinem Dienstrevolver erschossen. Die Ursache der Tat dürfte Unlust am militärischen Beruf, den er erst seit Mai dieses Jahres ausübte, gewesen sein. * Schwerer Unfall in der Telephonzentrale. Der 24jährige Bundesbetriebsbeamte Wilhelm B r e s s o n i arbeitete gestern in der Telephonzentrale auf einer Leiter und stürzte ab. Er spießte sich am Unterleib an einer Spitze auf und verletzte sich schwer. Die Nettungsgesellschaft brachte ihn in die Unfallstation. * Nicht abspringen! Der Zugsfübrer des Bundesheeres Leopold Seidler sprang gestern auf dem Rupertusplatz auf einen Straßenbahnzug auf. stürzte und brach das rechte Schlüsselbein. Die Nettungsgesellschaft brachte ihn in die Unfallstation. (Dir nachstehenden Ankündigungen sind entgeltlich.) . * Bei Otto Kaserer am Konstantinhügel (Prater) findet der Gesunde und der Kranke Unterhaltung, Erhol n n g und Genesung. Suchen Sie Berglnft, Sonnenbad oder kühlsten Schatten. Waldaussicht oder Wasseraussicht, Kafseeh.ausgetränke oder Restaurant mit vorzüglicher warmer oder kalter Küche, alles finden Sie hier, einige Schritte von der Elektrischen (Linie L, M, H, H2, Endstation). Treffpunkt der besten Wiener Gesellschaft. Die künstlerische Sens ation des Tages ist hier das weltberühmte russische Studentenchor- und Balalaika-Orchester, welches nach siegreichem Zuge durch ganz Europa jetzt tätlich am Konstantinhügel konzertiert. Für Liebhaber klassischer und moderner Wiener Musik sorgt die beliebte Wiener Kapelle W. Ganglberger. Bei schlechtem Wetter gedeckte, elegante, bequeme Räumlichkeiten. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorsgasse 42. * 'Sommer-Räumnngsverkmtf im Warenhaus Brüder Schifsmann, 2. Be;., Taborstraße ' 48. Prima Regenmäntel 175.000 K., franz. Wasch-Boile pro Meter 17.900 K., Modell- Voll-Etamine, große Auswahl aparter Muster, pro Meter 39.000 K., Gponge für Kleider und Kostüme pro Meter 39.00 K., Schweizer Etamine in allen Farben pro Meter 39.000 K., Covercoats. 130 Ztm. breit, pro Meter 98.000 K. Reichhaltiges Lager.in Damen- und Herrenwäsche, Le'nenwaren, Vorhängen, Teppichen nstv. zu bekannt billigen Preisen bei vorzüglicher Qualität. Ein Besuch überzeugt. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Jung Juda Jugendbund. Heilte gemeinsamer Heimabend, 2. Bez., Große Schiffgasse 2. Anschließend Sitzung der Bundesleitung. Jüdisch- Jugendfürsorge (Angebot von Hilfskräften). Die Jüdische Jugendfürsorge. 1. Bez.. Seitenstettengasse 2, sucht dringend : Für 18jährigen Burschen Posten als Lagerist oder Manivulant in der Wäschebranche. — Für 17jährigen Burschen, nach der Lehre. Posten in einem Dameukonfektionsgeschäft. — Für nette, anständige Frau leichte Bedienung oder'Stelle als Tagesköchin. . , Aufführung des Films des Jüdischen NatioualfondS. Die Kurgäste von Kaltenleutgeben führen am Sonntag den 17. Augllst, um 11 Uhr vormittags den Film „Eine Reise durch Erez Israel im Jahre 1923" im Kaltenleutgebner-Kino auf. Den begleitenden Vortrag hält Herr Dr. I. Waldmann. — Am 14. August lauft derselbe Film in I g l s, Tirol. Den begleitenden Vortrag hält Dr. Justh. Ein Erzieher zur Kunst. Heute wird der Kritiker der „Arbeiterzeitung" und Kunstrcherent der Gemeinde,Wien, Herr Dr.'D. I. Bach, 50 Jahre alt. Durch seine ausgezeichnete Wirksamkeit als Theaterrcifereut seines 'Blattes, durch dm Schaffung der Kuuststelle und der Arbeitcrsymphoniekonzerle. hat sich Bach um das Kunstlcben Wiens sehr verdient gemacht. Sein rastloses Wirken i>st der- Popularisierung der Kunst i-m besten Sinne des Wortes gewidmet, nid es mag dem rastlos tätigen. Manne, dem auch die Leitung des bevoistchenden Wiener' Musik- und Theaterscstes anvertraut ist, au seinem 50. Geburtstage zur Gchug tuuug gereichen, daß er weiten Schichten der arbeitenden Be schm Kunst zugänglich gemacht hat. Sie waren früher wegen der hohen Eintrittspreise nur. den Bemittelten, in den 'letzten Jahren gar nur den Reichen Vorbehalten und sind, nicht zuletzt durch seine Wirksamkeit, Gemeingut-der geistigen und manuellen Arbeiter geworden. Bach wurde von seinen Parteigenossen durch einen Fackelizug und festliche Ansprachen gechrt. Das ganze Ikunstliöbende Wien hat Ursache, sich, dieser Ehrung anzuschließen. Keine „Salzburger Festspiele". Wie aus Salzburg gemeldet wird, sind die „Salzbur g e r F e st is p i e l e", welche am 17. d. unter R e i nh a r d t s Regie hätten beginnen sollen, nunmehr endgültig abgesagt worden. Bekanntlich wurde die Ausführung von Bollmöllers Mirakel" für diese Festspiele in neuer Bearbeitung voöbereitet. Lady Diana Manners hätte die Hauptrolle spielen sollen. Die Absage wird -nun damit begründet, daß die Künstlerin an der Mitwirkung verhindert ist. Es dürften aber auch andere Ursachen, wahrscheinlich vor allem das mangelnde Interesse an dieser. Aufführung, die vor Jahren in Reinhardts Inszenierung in der Wiener Rotunde häufig zu sehen war,.und die Tatsache maßgebend sein, daß die Fremden billigere ausländische Orte auMchen, als es das sündhäst teuere Salzburg ist. . 1 ,, j.' , V- . * Aus den Theatern. V o l k s o p e r. Heute „Cavalleria rugtic an k „D e r Bajazzo". Morgen „Madame Butterfly"'. Im Deutsch enVolkStheater wkd die Winterspielzeit unter Leitung des Direktors Dr. Rudolf Beer SamStag den 16. d. um l/,8 Uhr mit der österreichischen Uraufführung des Lustspiels „Die Freie r" von Josef von Eichendorff eröffnet. Regie r Renato M o r d o. — Direktor Dr. Rudolf Beer hat Franz M o l n a r s neue Komödie „Der gläserne Pantoffel" zur deutscheil Uraufführung erworben. Max Pallenberg wird die männliche Hauptrollrin dem Stück spielen. Raimund-Theater. Täglich die Operette „D i e t o l l e L o l a". Samstag den 16. d. eröffnet die E x l- Bühne mit „E h e st r e i k" den zweiten Teilihres Sommergastspiels. Im C a r l - T h ea t e r bringen heute einige ehemalige Mitglieder der „W i l n a e r T r u p p e" und jüdische Schauspieler R o r d a n s „Doktor K o h.n" zur Aufführung. Mitwirkende: Frau Dalska, Brozlawska, Dreiblatt und Frühling sowie die Herren Wolf Silberberg, BenLewi, Halpern, Reißmann, Jungwirt h, B r i n d t, S t r e n g, Bell u. a. Ein Teil des ReinerträgniffeS stießt dem Jüdischen Nationalf o n d 8 zu. Theaterin derJosefst ad t. Heute und morgen, l/,8 Uhr, „Sonkin und der Haupt treffe r". Freitag und Samstag „S ch n e t d e r W i p p e l". Alexander Brody gestorben. Der ungarische Schriftsteller' Alexander Brody ist gestern in Budapest im Mer von 61 Jahren gestorben. Er war seit Engerer Zeit herzleidend; ein Lungenödem führte semen raschen Tod herbei. Brody war einer der erfolgreichsten BühnenschrW-eller Ungarns. Ans dem Zenith seines Ruhmes stand er vor etwa zehn Jahren. Sein bedeutendstes Werk war „Die Lchverm", die in deutscher Ueber!setzu>nig am Wiener Deutschen Volkstheater Erfolg hatte. Brody hat auch zahlreiche Roma n e unid Novellen verfaßt. Er hinterläßt mehrere Söhne, von denen zwei auch 'literarisch tätig sind. Tanzabend Suff Mrjam. Aus Js.chl tvird uns geschrieben: Das Debüt der neunjährigen Susa Miriam am Kurtheater in Bad Ischl Est^ltete sich Ar einer einen Sen-' liation. Gleich beim Ersck^ineu nahm das bildhübsche Kind durch sein erfrischend, natürliches Wesen und die völlige Unbekümmertheit um das Publiikum alles gefangen. Die Weichheit und Grazie der Bewegung — durch reitzende Kostüme gehoben —, ihr drolliger Humor ries BaisallsstürmL hervor, die sich von Numiner zu Numm-er steigerten und einmal fast die ganze Panse zwischen dem einen und dem anderen Auftreten anssüllten. Es war erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit sie schwierige technische Aükgaben ^bewältigte, wie sie den. Fuß-' Spitzentanz bchervscht. Höher zu werten ist aber die instinktiv sichere Gchassrrng und Charakteristik des Wesens so grnndver-. schiedcncr Tänze, wie eines chinesischen, sütländischen und russischen, nur erklärlich durch die hohe Musikalität, die diesem Kinde, wie vielen un-seres Boklies, eignet. Von Wippchen. Julius Stettenheim, der als Kriegsberichterstatter Wippchen mit seinem Humor die Lesewelt Deutschlands lachen machte, hatte einen besonderen Haß auf seinen Freund Otto Brahm, dem berühmten Direktor des Berliner Lessmg-Theaters, geworfen und wurde nicht müde, Ge-