Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1974 (13.8.1924)
- Date
- 1924-08-13
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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)k ORK 0 Wien, Mittwoch mit meinem Freunde Otto den Zoologischen Garten. Wir bekustigten uns lange vor dem Affenkäfig. AlS wir dann gemütlich unterg:fahtv-unr-. Ausgang geschlendert waren, hielt mich ein Aufscher/an: „Nee, Stettenheim, mitnchnien is nid)." ' Ein« Beyvrchslung. Josef Kainz erzählte: In Rostock hatte ich den MW zu spielen! Am Vormittag kam ich an, wir tagten dÄ TMck schnell durch eine WelvständigungSprobe. Der Darsteller des Caleagno. wahrscheinlich ein für den Abend zum. Schaufpi«er erhobener Statist- Hot mich im letzten Akt anzusprechen ch,Urlauben Tie «nr. durchlancht-igsttr Herzog, Sie ick. Triumph?nächi der Tignoria zu führen." Nachdem der Kollege an seinem Tertmehvere Male vorbeigest-ottert hatte, so dag' man ihnti die Rolle schon abnehmen wollte, versprach er hoch und heilig, den Satz bizum Abend zu lernen, was! ihm auch wenigstens UNgeWr gelang. Bei dkr Aufführung sagte er: „Erlauben M UN», durchlauchtigster Herzog. Sie im'Triumph nach der Synatzoge zu Mttn." Wiener MorgenzeiLung. 13. August 1924 Sie Kasieftuildm bei der Wiener Kaufmannrbank, ' Bekanntlich richtet« sich der letzte groß« Bankbeamten, streik auch gegen di« von den Banken geforderte Zweiteilung der Kassestunden in Wien auf die Bor- und Nachmittags, stunden. Die Bankbeamten setzten e» durch, daß in dem am 16. März, dieses Jahres abgeschlossenen Kollektwvtttrag für 1921 die ungeteilten Kassestunden von 9 dir 8 Uhr festgesetzt wurden. Di« Wiener Kanfmannsbank hielt sich nicht an diese Bestimmung, weshalb der Reichsverein der Banks und Sparkassenbeamten die Entscheidung des Einignttg-amte» anrief. Bei der Verhandlung stellte sich die Wiener Kaufmannsbank auf den Standpunkt, daß der neue Kolleklivverlrag für sie hinsichtlich der Kassestunden keine Aenderung bringe, weil e8 in demselben heißt: „Die bisherigen kollektivvertraglichen Vereinbarungen bleiben, soweit sie nicht durch Zeitablanf oder dem Inhalte nach gegenstandslos geworden sind, mit den im fol* genden angeführten Aendcrungen für die Zeit vom 1. Jänner bis 31. Dezember 1924 aufrecht". Da nun bei der Wiener Kanfmannsbank gleich bei ihrer Gründung di« geteilte Arbeitszeit und die geteilten Kasiestuniden eingeführt wurden, bleiben di« durch den Kollektivvertrag pro 1923 bestehenden diesbezüglich«n Vereinbarungen unberührt. Demgegenüber erklärte der antraAellende Reichsverein, die Kassestunden bei der Wiener Kaufmann-bank haben wohl dem Kollektidvertrag für 1928 nicht widersprochen, dagegen widersprechen sie dem Kollektiv- Vertrag fiti| 1924, wett dieser hinsichtlich der Kassestunden ne>ue Bestimmungen enthalte, durch welche die früheren kokkektivvertraglich-n Bestimmungen aufgehoben erscheinen. Das SinigungSamt hat folgende Entscheidung gefällt: Die in dem am 15. März 1984 zwischen der Bankenvereinigung und dem Reichsverein der Bank- und Spavkassebeamten Oester- «ichabgeschlossenen Kollektivvertrag enthaltenen Bestimmungen über di« Kassestnnden haben auch für die Wiener Kaufmannrbank zu gelten. Sondirvereinbarungen sind nur dann gültig, wenn sie den Angestellten günstiger .sind oder Gegenständ« betreffen, die im Kollektitzvertrag keine Regelung erfahren haben. Die Kassestunden sind aber im neuen Kollektivvertrag genau geregelt und daß Kassestunden über 8, respektive halb 4 Uhr hinaus den Angestellten 'günstige seien, wurde weher behauptet, noch ist es riach.AiFicht des CmigungSamteS d«r Fall. Eine stumme Ehe. Die Kaufmannsgattin U. bracht« gegen chrell Gatten beim Zivillandssgericht« eine EheschetdnnMage m, 4« der sie anführte, st« Hab« ihren Mann auf einer ehe« ÜchvN ttftfteu« ertappt, habe aber, da «in« Versöhnung stattffm, Keine Ehsbruchsklage gegen ihn erhoben. Nach der Versöhnung habe aber der Gatte eine vollständige Gleichgültigkeit ihr gegenüber gezeigt und dieser dadurch AuSdruck verliehen, daß 4t kein Wort mehr sprach und nur dann, wenn sie zuerst das Wort an ihn richtete, sich zu einer Antwort herbetliek die mrr so viel Worte, als unbedingt notwendig war, enthielt. Dg fte Überdies zur Kenntnis gelangt«, daß ihr Mann mit demsslben Mädchen, mit dem er sich eines Ehebruches schuldig gemacht hält«, einen Ausflug, wenn auch in Begleitung ihrer Sltrrn, unternahm, habe sie ihn verlassen. Der Geklagt« hatte nicht» gegen die Scheidung, verlangte aber auch den Anspruch über das Verschulden der Gattin, da st« ihn boshaft verlassen halbe. Di« Wortknappheil des Mannes berechtige die Frau noch nicht, ihn zu verlassen; besser - weniger WM« als solche, die vielleicht Anlaß zu Mißhelligkeiten geben könnten. Auch der Ausflug in Gesellschaft mehrerer Personen sei keine so schwer« Verfehlung, daß ote Frau deshalb davonzulausen be. vechtigt wäre. Di« Untergericht« sprachen di« Scheidung der Ehe aus 'beiderseitigem Verschulden aus. Gegen dieses Urteil brachte die Gattin die Revision an den Obersten Gerichtshof ein, weil ihr Verlassen kein „boshaftes" sei! Man könne ihr rtichi MMtteN, dies« wortlose Ehe fortzusetzen. Der Oberste Gerichtshof gab der Revision Folg« und ändert« das dberküttdeSgerichtliche Urteil dahin ab, daß die Ehe aus dem Meinverschulden des Mannes für geschieden erklärt wurde. Su iu^n ijiutcu jim ran« okument« Über bk Grenze bei tzain'burg nach Oesterreich uggelt, um Wer Wien und Triest nach Palästina zu fahren. Die wurden von der Grenzpolizei angchalten und sollten über Weisung der zuständigen Beztrkshauptmannschaft Wxm-asweise nach der Richtung, aus der st« gekommen waren, abgeschvbett werden. Sie glaubten, man wolle sie Nach Ungarn schaMn. Unter den Zurufen: Erstechet oder erschlaget uns lieber, nur fahrt uns, nicht nach Ungarn," lellteten sie. der Eskorte Widerstand, indem sie sich auf den Boden niederlegten uüd Abwchrbewegungen aussührten. Das Gericht hatte in diesem Vorgehen den Tatbestand der öfstntlichen Gewalttätigkeit erblickt und die Angeklagten Unter Anwendung äußerstet Milde M einer Kerkerstrafe in der Dauer von zwei Wochen verurteilt. Die Strafe wurde damals als durch die Unter» suchuiNashaft verbüßt erklärt. In der nun stattgefundenen V«» rMtgsberhaMuttg wurde der Berufung der Angeklagten nicht OttgLgSben und das «rltrichtttliche Urteil bestätigt. Der als Zeuge vernommen« Rwiermspektor der Grenzpöltzei hakte in Mter Hussa ge angegeben, er hätte den Eindruck gehabt, daß vtr Widerstand «der Angeklagten nicht einer bestimmten Person gegolten, sondern sich itut gegen bi« vermeintliche Verschickung nach Horchh-UNsjarn gerichtet habe. Das Gericht nahm aber ÄS «Wesen an, daß die Angeklagten tatsächlichen Widerstand Mert'We Abschiebung geleistet hätten. erscheint Sonntag den 17. Äugjust. Es ist das spannendste Buch der letzten Jahre, das wir unseren Lesern zu bieten in der Lage sind. Das Mädchen im Nebel iriUtUillM üiiüiiiüiiüiiiiDüisii Kriminalroman von Josef Gollomb hat in England und Amerika ungeheures Aufsehen erregt; bisher wurden in beiden Ländern über 300.000 Exemplare dieses sensationellen :Wefkes ‘abgesetzt, das atemraubende Schilderung mit hohen dichterischen Vorzügen vereint. „Das Mädchen im Nebel“ Wird auch ln der autorisierten deutschen Ueberlragung, die wir erworben haben, liiigeltturft - Wirkung erzielen. Wie England und Amerika über das Büch urteilen: «Llterary Digest'*: Eine atemberaubende Folge von Ereignissen und Sdhreöken, die den Leser bis zum Schluss gepackt hält. „The Call Magazine“: Der faszinierendste Kriminalroman, den ich seit langem las, der die weiteste Verbreitung verdient. »New York Times**! Es ist lange her, dass ein so fabelhaft spannender Kriminalroman geschrieben worden ist „Nörfolkva“: Der Leser wird sich hüten, auch nur eine Seite auszulassen. Die Sprache einfach, die Handlung packend. Sonntag den 11. August i« döf . Wiener Morgenzeitnng“ 9!t. 1974 Erhöhung der österreichische« Liskoutrate aus 18 Prozent. Die höchste Eskourpterate Europas. Was schon vor einer Woche, als die Ankündigung der Generalratssitzung in den Ferien bekannt wurde, befürchtet wurde, ist nunmehr zur Tatsache geworden. Der ©enerciL rat hat in seiner gestrigen Sitzung die Erhöhung der Diskontrate auf 15 Prozent beschlossen. D'ese Maßnahme ist auf Wunisch deS ausländischen Beraters der Nationalibank erfolgt. Schon vor mehr als einem Monate war von ihm die Forderung nach einer solchen Maßnahme erhoben worden. Damals wurde aber davon abgesehen, da man eine Besferung der Verhältnisse erwartete. Diese Besserung ist ausgoblieben. Der Barschatz der Nationalbank hat sich weiter vermindert, dafür aber hat das W e ch s e U Portefeuille eine neuerliche Erhöhung «m 25 Milliarden erfahren. Das gesamte Wechselporiefeu!ll? beträgt nunmehr 3328 Milliarden. Wenn bedacht wird, daß der gesamt« Banknotenumlanf 7723 Milliarden ausmacht, so bedeutet dies, daß tatsächlich fast die Hälfte aller Banknoten im Wege des WechfelesEompteS in Verkehr gebracht wurde. Dieses starke Anwachsen der Eskomptcansprüche einerseits und die Verminderung des Barschatzes andererseits scheint diesen Entschluß Hur Erhöhung der Bankraie verursacht zu haben. Die maßgebenden Finanzkreis« und auch Handel und Industrie haben gegen eine solche Maßnahme zur Zeit der Regenerierung der Krise Protest erhoben. Dieser blieb aber erfolglos. Trotz alledem muß man sich fragen, ob nicht diese Erhöhung lieber hätte unteMeOen sollen. Daß das Eskomptep^rteseuille gestiegen ist, bedeutet nicht viel, wenn bedacht wird, daß Handel und Industrie in der letzten *$ett den Weg direkt zur Nationalbank zu nehmen beginnen Und nicht mehr sich der Vermittlung der Banken, welche l-tzt ziemlich immobilisiert sind, bedienen. CS ist ein« natürliche Entwicklung, die nicht unbedingt die Erhöhung der Diskontrate zur Folge haben müßte. Man sage ja nicht, daß, wenn die Wirtschaft die hohen Banhzinisen von 35 Prozent ertragen habe, sie auch diese dreiproze>ntige Erhöhung leicht überwinden werde können. Dies Argument ist nicht ganz richtig. Denn schließlich hat die Nationalbank jetzt nunmehr die Zügel des Gelomarktes in der Hand und ihre stärkere Inanspruchnahme rührt in erster Reihe davon her, daß eben die Wirtschaft nur normale Zinssätze ohne die Bankßuschläg« ertragen kann und infolgedessen sich direkt an die Nationalbank wendet. Zweifellos P ein« solch« Erhöhung ein« ungesunde. Sie verteuert die Produktion. Sie besinträchtigt den Handel, Dazu mutz noch bedacht werden, daß diese Diskontrate eigentlich die höchste aller europäischen Bankraiett ist. Denn die polnische offizielle Bankvate betragt nur 12 Prozent und die deutsche nur 10 Prozent. Wenn aber diese Erhöhung Mtsächlich das ausländische Kapital, das schon jetzt seinen Weg nach Oesterreich zu nehmen beginnt, in noch stärkerem Maße hevanlocken sollte, dann ist trotzdem auf sine baldige Herabsetzung zu rechnen. DaL offizielle Communilsue. Di« Nationalbanik versendet folgenden Bericht: Ter Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank hat gestern unter dem Vorsitze des ersten Vizepräsidenten Dr. T h a a eine Sitzung abgehalten, in welcher gemäß dem Anträge deS Generaldirektors di« Erhöhung des Bankzinsfußes um drei Prozent, vaS ist im Mompte von 12 auf 18 Prozent, mit Wirksamkeit vom 13. d. angefangen, beschlossen wurde. Ungeachtet der anfangs Juni erfolgten Hinaufsetzung der Bankrate von 9 auf 12 Prozent ist das ESkompteporteseuU« bekannÄich im .Juni um 482 Milliarden Wiegen. Schon vor der letzten Sitzung vom 11. Juli d. I. wurde deshalb eine Erhöhu-Ng der Bankrate im Schoße des Präsidiums und DivÄtoviumS eingehend erwogen. In Würdigung der unleugbar schweren Opfer, welche eine Erhöhung der Bankvate gerade der Produktion auferlegt, und angesichts der allgemeinen Lage der Wiri- K entschloß sich die BanKeituna damals, von einem age abzusehen, und vorerst noch die Entwicklung im Monate Juli abzuwarten. Dieser Entschluß wurde dadurch erleichtert, daß der Barschatz, welcher in den vorausgegangenen Monaten bis Mitte Juni abgenommen hatte, damals nicht unecheAiche Zuflüsse aufwies. Die nun vorliegenden BanlkauSweis« für di« letzten vier Wochen zeigen, daß der Bavfchatz pro 7. d. ungefähr gleich hoch ist wie vor einem Monat, während der Stand des Eskompteportef e u i l 11 $ eine weitere Steigeruügum 137,6 M i ll i a r d i« aufweist. Dies« Steigerung fallt um so mehr ins Gewicht, als sie sich in einer Zeitperioide ereignet hat, rn der in anderen Jahren die Ansprüche an di« Notenbank eine Verminderung aufzuweifen pflegten und zu welcher speziell im Vorjahre der niedrigste Stand des Eskompteportesvuilles im ganzen Jahr« zn verzeichnen war. Di« Banklsitung konnte deshalb die Verantwortung für ein« weitere Hinausschiebung der Zinsfußerhohung um so weniger übernehmen, äks maßgebende Finanzkreise des Auslandes, deren Vertrauen gerade unter den gegenwärtigen Verhältnisten für unS von größter Wichtigkeit ist, eine energischere Betonung der Währungsaufgaben in der Bankpolitik für notwendig halten. An den Geschäftsbericht deS Gencral- 17478924