Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1974 (13.8.1924)
- Date
- 1924-08-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981057--20055-3007252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
iüw, WM»H_ A»e Msenrrplofion. DO >Mt« M«»!tj«»Sl<qcr d», venliilzt«» Staat«« In dje Luft geflogen. Lotchon, 1L. August. .Au- Nashvill'r im Staate De- «essee (Nordamerika) wird ein furchtbares Explosionsu,«glück gemeldet. Das größte Munitionslager der Bereinigen Staaten geriet in Brand und flog in die Luft. Et explodierten Mer 4L Millionen.Pfund Pulver. Dße ersten Meldungen besagen, daß der Schaden unabsehbar ist und mindestens 20 Millionen Doll ar beträgt. Man mmutt an , daß auch Menschen ums Leben gekommen sind. In einem fotzen Umkreis wurden alle Fensterscheiben Her-- E stchmmert. Das Munitionsdepot wurde' vollständig der« '^.chschL-t., sÄe nächstliegetiden Gebäude stürzten -unter der -Wirkung des ungeheuren Luftdruckes zusammen. Die Flam^ «en stiegen mehrere hundert Fuß hoch und waren - bis auf Lg KLometer Entfernung sichtbar. ' Ae Rasmussen-AvedMon. Nomr (Alaska). 11. August. (SHeutto.) Knud 91 a s» muffen, der Leiter der dänischen Expedition gum Studium der G s k i m o st ä m m c, von der man seit 15 Monaten nichts gehört hat, ist in K o tz e b u e, 1600 Meilen nördlich von No me, eingetwffen. lieber das Schicksal der übrigen Exvoditionsteklnehmer herrscht Besorgnis. Der Ravoleon-Vaffano. f Aus Prag wird uns berich!«t: Dw AftLre B«I>ano nimmt einen unettvartel interessanten Verlaus. Das „Prager Tagblatt" «ft heute in der Lage, eine Amtsbestätigung. des Brünner deutsch-evcmgslisch-n Seniorates im Wortlaut -u reproduzieren, mi§' welchem die gräfliche Abkunft' des Leopold' Bassano unzweifelhaft hrrvovzwgehen scheint. Demgegenüber erklärt der Rechtsanwalt des Mtarbeiters des ^Srünner TageSbotcn", Dr. Ignaz Schütz, daß Baffano einen Matrikenanszug vor mehr als fünf Jahren gefälscht hat Md daß er sich anläßlich seines ■TW&ctttsrtteg zum evangeWhen Glauben unberechtigterweise in die Matrik als Graf Baffano eintragen ließ. In diese Widersprüche wird der Prozeß gegen Leopold Bassano, der in Verbindung mit einem Verfahren wegen Erpressung beim Brunner Landesgericht anhängig ist, Licht 'bringen. Nicht uninteressant ist auch der Erpressungs-Prozeß selbst. Leopold Bassano soll dadurch eine Erpresste begangen haben, -daß er die Beziehungen des Brunner deutschen Konsuls Dr. Bock zu Bassanos Frau zur Anzeige an Dr. Stressmann, den deutschen Außenminister, an das Prager Außenministerium und an den Prager deutschen Gesandten gebracht hat. In allen diesen Akten nennt sich Baffano einen Nachkommen des napoleonifche» Außenministers. ...... Boden für 'die Juden in der Towjetukraine» AÜga, 12. August. Nach hier eingelangten Berichten Mt das Präsidium des Vollzugsausschusses für die Sowjetukraine letzthin eine. Verordnung über die Beterlung des jüdischen Proletariats mit Bodenparzellen, beschlossen. In der Begründung wird unter anderem angeführt, daß die Juden infolge historischer Umstände gezwungen waren, sich mit dem Handel Kl beschäftigen, in dem sie aber jetzt durch Genosstnschaften vertreten werden. Um ihnen daher wirtschaftliche Lebensbedingungen zu ermöglichen, werden ihnen Bodenparzellen für landwirtschaftliche Zwecke zugewiesen (Wie bereits berichtet wurde, ist die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine eine geradezu katastrophale und hat neben starker Abwanderung eine Flucht aufs Land hervovgerufen. Dieser Bewegung trägt reichlich spät das staatliche Eingreifen Rechnung.) mußten, so müssen auch in der Kunst mit zunehmender allgemeiner Konsolidierung diese .Auswüchse zusammenschrumpfen. Sie werden nicht mehr als Originalität empfunden und Oberhand gewinnt allmählich die natürliche Attwicklung, die im Zusammenhänge mit ihrer Zeit vom Konventionell-Ve rlogen-Rhetorischen weg der Kürze, Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit in Form und Ausdruck zustvebt. Die überkultivierten beweglichen Franzosen sind darin weiter fortgeschritten als die schwerblütigen, polternden Deutschen, doch beide müssen aus innerer Notwendigkeit den Anschluß an ihre Zeit erreichen. Trotzdem vdep gerade darum darf man den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen, und die atonalen Wirren nicht tragisch nehmen. Tenn die Wirren lösen sich und das Atonale ist wohl nur ein Schreckgespenst aus einer Retorte, da doch in jeder melodischen Beziehung von „Haupt- und Nebentönen" — ob nun in unserer Kunstmusik, in den Kinderreimen oder bei den Primitiven — die Töne eben durch ihre Beziehungen zu einander eine Funktion ausüben und damit auch ohne die alte harmonische Grundlage eine immer und überall tonale Musik schaffen. Diese mag wohl, je nachdem ob „eine" Tonart vorherrscht oder zwei oder auch mehren Tonarten in der einstimmigen Melodie oder in verschiedenen Stimmen zvsctmmenwirken, dem noch harmonisch orientierten Gehör mehr oder weniger deutlich oder undeutlich werden, sie läßt sich aber niemals wegdisputieren: Denn mit ihrem Wegfall wäre es mit der musikalischen Logik, mit der geformten Melodie und dadurch mit der Musik als Tonkunst" vorbei. An diese „Götzendämmerung" glaubt jedoch kein Musiker, der in seiner Zeit lebt, er vertraut vielmehr hem Selbsterhallungstrieb und der gesunden Entwicklung, welche die Tonkunst nach biologischen Gesetzen gehen muß. Zu dieser Hoffnung berechtigt uns auch das ab gelaufene Salzburger Musikfest, dessen Werke keine atonalen Wirren, sondern eine tonale Klärung verkündeten. Dr. Erwin Fel Lev.; Mkerrer kinlettung der! Amtlich wich gemeldet: Der mit der Wöllersdorfer Angelegenheit befaßte MtersuchungSrichter ides Landes* gerichtes in Strafsachen Wien 1, OberlandesHerichisrat Dr. K ilh off, hat nnnmehr das Studium /des Aktes beendet, und gemäß dem AntM der Staatsanwaltschaft dne G i n l e i t n n g de r,V o r nt n t e r s u ch tt >n g wegen B e r, dacht es de s'V er brechen 8 des Betruges, altetu falls der Veruntreuung, beschlossen. ' -*':v ' ■ ' ‘ 1 i. Endlich werden energische Schritte angMndigt, um in das Dunkel des WWersdorfer Panamas' hinein zuleuchten. Die amtliche .Meldung über den Antrag auf Eröffnung des Strafverfahrens.. , - verschweigt allerdings, gegen wen diese Untersuchung gerichtet werden soll. Es ist anznnehmen, daß das bevorstehende Strafverfahren gegen die Gesellschaft a'ls solch?, bezlchnngs-weise gegen d e r e n H a u p t u n t e r n e h m e r gerichtet fein wird. ' Bekanntlich wurden vor zwei Jahren ans den staatlichen Wötlersdorser Werken mit Hinzuziehung der A-E. G. die Wöllersdorfer Werke A.-G. gegründet. Man 'war der Ansicht, daß der Anschluß an den Konzern der2l. E. G. dieser bisher gemischtwirtschaftlichen Unternehmung eine neue Entwicklungs'basts sichern werde. Um das nötige Kapital zu verschaffen, mußte die A. E. G. große Mb-'' Verkäufe aus den ausgestapelten Rohnmierialläufen der Wöllersdorfer--A.-G. vornehmen lassen, ohne daß es aber -dabei gelungen' lväre, tatsächlich dem Betrieb eine rentable Basis * zu schaffen. Er wurde damals zum größten Teil eingestellt und neuerliche Verhandlungen vor zirika einem Jahre mit .der Bundesverwaltung eingeleitet. Es traten, zwei neue .Reflektanten auf den Plan, die Metallum A.-G., -die dem Konzern der Gruppe Sklarz angehört, gemeinsam mit den: damaligen Geschäfts freunde der Metallum, Nr. 1974 mm Pochwa dt, und der österreichische Ing. Al der, welch als Vermittler zwischen der. deutschen Gruppe und de deutschen Gesellschaft füngierte. Diese Gruppe' verpflichtet, \v".,,-'". ' , ‘ ■■ , die Sanierung der Werke zu Wrnchnttzn und eine größere Summe in Pfund vor zu-stvecken. Die Neuorganisation wurde derart duvchgeführt, bat ein« Dachgesellschaft gegründet wurde, 'welche die Finan zierung der Tochtergesellschaften, die aus den einzelne: Beheben gebildet wurden, übernahm.. Doch auch dies neue GMschÄst .begnügte, sich, nicht «mit. 'ihren Einlagen sondchm^ versuchte, üin'ßtötzgre Käpitalten zu erhalten große Wverkäufe vorzunehmen. Diese Verkäufe wurdet .aber Mit großen Verlusten für den Staat abgewickelt. Die einzelnen Warenvorräte wurden viel M liger hergegeben, als sie in WiMchkeit lvert waren./ lbcber die Verteilung der Beute scheinen StreiMeiter zwischen -den.früheren Koinpagnons ausgebrochen-M sein die;. zu gegenseitigen Denunziation en der S k l a r z - Gruppe auf der einen Seite und der A l d e r - P o ch >w a dst - Gru.ppe auf . der ' anderen Seit führten. Auf Gmnd von' Interpellationen im Nationalrai hatte .Handelsinrinister Dr. Schürff restlose MuMvüni ^s Falles zugesagt. Die ganze Angelegen'heit wurde voi mehreren Wochen 'der Wirtschaftspolizei übertragen. Diesr -tmt nach Beendigung der 'UeberpMfmtg dm M" an die Staatsanwaltschaft ab, tvelche nunmehr die Einleitung der ovdenMchen Vor Untersuchung beantragte. Die Namen der in Verdach stehenden' Personen werden der Oeffentlichksit erst dam mitgeteilt welchen,, wenn ihre Schuld erwiesen und dem, errtsprechenid idie Anklage gegen sie erhoben ist. . ♦ mm zwischen Ledersohlen und PALMA- Kautschuksoltfen und -Absätzen. Längere Tragdauer und grössere Haltbarkeit der Schuhe, elastischer, angenehmer Gang und Billigkeit sind die Versilfe gegen&her ledersehien! Verlangen Sie aber ausdrUcküch „PALMA“! (Nadtodienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 12. August. Die Börse eröffnete heute in ruhiger Haltung und e8 machte sich ein gwer Grundton bemerkbar, besonders am Markte für ftemde Anleihen. Heimische Banken, Jndustriespeziatttäten, deutsche Renten waren zwar stark schwankend, schließlich erholten sich 3"/,ige 32, japanische Renten fester, österreichische, portugiesische Anleihe lagen ausgesprochen schwächer, Petroleunrwerte im allgemeinen besser. Silber war Wetter fallend. Gold nicht erholt. London, 12. August. Devisenschlußkurier Wien 322.600, Prag 154.60. Aew-York 4,55*7.«,, Paris 80,37*/,, Brüssel 87,87V,, Rom 100,48, Zürich 24,10'/,, Madrid 33.70-/,, Lissabon 1.47, Amsterdam 11.63*/«, Kopenhagen 28.12V,, Christians« 32,60V,, Stockholm 17,10. Helsingfors 181,37-/-, Berlin 19,35, Athen 255,50, Bukarest 997,60. London, 12. August. Efsektenkurse: Oesterreichische A.nleihe 91,75, Tschechische Anleibr 99 — Prager Anleihe 89,50, Skoda 87,50, Bankverein 8,9 Bodenkredit 18.—, Central Mining 11,—. General Müring 11,6, Diamons 17,—, Debeers 12,-, Rio Tinto 34,75, Royal Dutch 29,35, Shell 4,—. Paris, 12. August. Wechselkurse: London 81.25, New-York 17,85. Brüssel 91,50, Rom 18,15, Prag 53,80, Bukarest 8, Zürich 935, Wien 25. Paris, 12. August, siltadw.) Effektenschlußkurse: Banque de France —.—, Pragobanka.41,6.— Credit Lyonais 1605, Suez 139,50, Platine 628. Dabrowa 739, Banque Ottomane 779, Central Mining 908, Rio Tinto 28,49, Le Naphta russe 410. Sueceried Eghpte 1034, Cautschoues sin 147,—, Chartered 47,—, Debeers ordin. 975, GoldfieldS 77,—. Huanchflkas 950, Jägers Fontain 24st,—, Malacea ordin. 169,--, Maltzoff 450, Mexican Eagle 89.2Y, Padang 380,—, Rand Fontain 81.25 Randmine 240.-, Silva plana 159,—. Tangauyika 956,50/ Tubice soie 620.-, Utah Cepper 1485, Shell 334,50, Royal Dutch 24,050, Burmah —Bakou 26,90. Dew-Pork» 12. August. E s s e k t e n b ö r s e. Atchtnson 1067», Baltimore 63.75, Canadian Pacific 164,50, Cbeasepeacke 88, Erai 30,75, Greath Northern 66,75, Milwaukee 66, Northern Pacific 16"/„ Union Pacific 145, Union Steels 1077», Royal Dntch 44,—, Southern Pacific 97V». 5 ev-Bo4'ü> 12. August. (Radio.1 Devisenschsußkurle: Laapeld —, Wechsel auf London 4,58-/., 60 Taae- Wechsel 4,507», .Paris 6,55, Amsterdam 39,06, hrag 2,95. Berlin 237^ 300 Mttiom n ans ein fremdes Haus. Als die Eheleute Julius und Rosa Steiner arrfängl dieses Monates vom Landausenthalte nach Wien zurückkehrten hörten sie zu ihrer Uckberraschung, daß in dem der Fra, Steiner gehörigen Hause, Mariahilferstraße 51, inzwische» eine Schäpungökommission gewesen war. Es stellte sich heraus daß aus Grund einer angeblich von Frau Rosa Steiner ans gestellten Vollmacht auf das Haus ein Darlehen von-drei Milliarden österreichischen Kronen hätte. ausgenommei werden sollen. Frau Steiner hatte aber nichts mitnntev schrieben und nichts von einem Darlehen gewußt Mittlerweile war aber schon bei einem Notar und mit Hilfe eines Advokaten alles in die Wege geleitet worden, uw daß Darlehen erwirken zu können. Bei der ganzen Geschicht« hatte ein gewisser Gustav S t r ö ß n e r, der sich als Darlehenshevlnitdler bezeichnet, eine große Rolle gespielt. Ei wuvde schließlich polizeilich festgestellt, daß Stroßner mit Hilfe einer fremden Frau, die er als „Rosa Steiner" Vov anderen, die nichts wußten, um was es sich handelte, identifizieren ließ und von der er dann beim Notar eine Vollmacht vorwies, eine ganze Komödie aufgeführt hat. Tatsachliq wurde auf diese Art auf das der ahnungslosen wirklichen Frau Rosa Steiner gehörige Haus ein Darlehen von 300 Millionen Kronen beschafft. Die Summe wurde ab znglich der Spesen dem Sttößner ausgesolgt, dr dafür eine Bv stätigung von der Hand der angeblichen Frau Steiner beö brachtet Weitere VerhaMungen zur Beschaffung des gesamter Davlehensbetrcvges von dvei Milliarden waren schon mit bei Zentralsparkasse der Geminde Wien begonnen und standen kuq vor dem Abschluß. Sie waren aber eigentlich die Ursache dessenj daß der Betrug vorzeitig aufkam. Denn, als die Konunissior zur Schätzu-Ng des Wertes des Hauses iw Gebäude, Maria« hilferstraße 51, erschien, meldete der Hausbesorger das^ dem Ad mrnistrawr. Dadurch war die FinaWerung des Gamierstreichej vereitelt. Strößner wurde einvernommen und verhaftet. Ei kam mit dem Märchen, daß er sMst von der angeblichen „Rose Steiner" getän-scht worden sei. Von dem Davlehensvorschuf von 900 Millionen gingen an Spesen und Provisionen runl 29 Millionen ab und den Restbetrag von 271 .Millionen Kronen will Strößner der angeblichen Frau Steiner, die er zuletzj am 26. v. M. in einem Kaffeehaus getroffen zu haben be. hauptet, ausbezchtt haben. Feststeht, dß Strößner früher st ständiger Geldverlegenheit war und seit dem „Darlehen" zienr lich luxuriösen Äckbenswaudel führen konnte. Dir Ausiforschnuz der falschen „Rosa Steiner" ist bisher noch nicht gelungen Anziehen der Gemüsepreise. Infolge schwächerer Beschickung seitens der Gartu^ und infolge stärkerer Nachfrage haben sich gestern einzelne Ge wüsesorten verteuert. Neuseeländer Spinat erhöhte sich un 600 K. im Preise und kostete gestern aus dem Naschmarkt 150< bis 3000 K. pro Mograwne im Großhandel. Karfiol wuvd um 20.000 K. bis 50.000 K. pro Nagel im Preise hmaufgesctz und stellte sich aus 180.000 bis 300.00 K. Gurken wurden uu 600 K. pro Kilogramm teurer und kosteten 1606 bis 2000 K Eine leichte Preisechöhung erfuhren auch grüne Bauern sisolen. Kartoffeln waren in ausre ichenden Meu gei l äuge baten fanden jvdoch nur schleppenden Absatz.