Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1973 (12.8.1924)
- Date
- 1924-08-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981056--20046-3007242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gehe ft Wen, DienStdg Aber wenn auch di« Farbe des Milieus fehlte, hochwertig war die dramatische Gvstaltnng des Inhaltes, Plaistilsch die Fomrung des Dialogs uitib den Inhalt bis zur Neige ausphöpsend die Dtrrnmung dev heiteren uld der ernsten Wendungen dieser stillen, bescheidenen, aber echten Komödie von Jnsch kewi tsch. Sic wurde mit großem Beifall ausgenommen. O. A. Aezitation des „Jtzbuk" durch Morris Schwartz. Earl-Theater. Am letzten Abend des Gastspieles, welches das New- Yorker jüdische Kunsttheaterso ehrenvoll bestand, trug der Führer der Truppe, Morris Schwartz, im dichtgesüllten Earl-Theater An—fkis „Tybuk" vor. Man hat im Laufe der Jahre so manchen tvertvollen «Aezitationsabend erlebt, auch die Wiedergabe ganzer Werke. Der Referent erinnert sich nicht an eine Darbietung von solcher Geschlossenheit, geistiger Durchdringung des Stoffes und dramatischer Kraft. Schwartz stand hinter einem Podium zwischen zwei Kerzen und sprach die drei Akte. Leist musikalische Untermalung jener Stellen, in welchen bei Jnszenesetzung der Dichtung Melodien erklingen, waren der einzige Behelf. Sonst blieb Schwartz aus sein Organ, seine Geste und Mimik angewiesen. Die Wirrung war außerordentlich. Insbesondere die Gestalten Leas, ihres von dunkler Angst bedrängten Bräutigams, ihres Paters und des Rabbi Asriel traten überaus plastisch in die Erscheinung. Die Hochzeitsszene, daS markerschütternde Rusen des Dybuk aus der Brust der besessenen Lea, die Verzückung Chan ans und das Sterben Leas nt der Schlußszene waren — so paradox es klingt — von stärkster dramatischer Wirkung. Aber auch die Auffassung des- Vortragenden kam eindeutig zum Ausdruck. Schwartz dürste aus seiner Bühne An—skys Dichtung anders darstellen wie die „Wilnaer". Sie haben aus dem Dybuk eine Art chassidifHes Oratorium, ein edleS Bühnenweihespiel, geformt. Schwartz belaßt der Dichtung den Charakter des balladesken Volksstückes, versenkt sich nicht ht die mystischen Abgründe, scheint auf opernhaste Aufmachung zu verzichte« und gibt der einfältig-schlichten Wiedergabe der chasfÄnschen Legende den Vorzug. Do bemerkenswert und künstlerisch bedeutend die Aufführung der Wilnaer war, so kräftig erfrischend dürfte der ,,Dybuk" sein, den Direktor Schwartz herausbringt, und es wird sich hoffentlich im. nächsten Jahre Gelegenheit geben, mit dem „Dybuk" deS New-Aorker jüdischen Kunsttheaters in Wien Bekanntschaft zu machen. Daß eS Schwartz gelang, das Publikum, welches den Saal wieder dicht stillte, mit seinem Vortrage einen ganzen Abend in Spannung zv halten, ist Wertmesser seiner künstlerischen Persönlichkeit. Es ist aber auch Zeugnis für die Reife des Publikums. Darauf kam Schwartz, der nach Schluß deS Vortrages mtt stürmischem Beifall gefeiert wurde, in seiner warmen AbichisdSrede zu sprechen. Er dankte mit bewegten Worten dem Wiener Publikum nutz her .Wiener Presse. - O. A. Aufführung von Rordaus ■„*». Sohn". Im Carl-Theater beginnen heute Mitglieder der Wilnaer Truppe und Wiener jüdische Schauspieler ein kurzes Gastspiel. Zur Ausführung gelangt unter der künsüerischen Leitung Wolf Silberbergs die Tragödie „Doktor Kohu" von Max Nordau mft den Damen Betti Dalska, Helena Brozlawska, Paula Dreiblatt und Sara Frühling, sowie den Herren Wolf Silberberg, Samuel Be» Levy, Leo Halpern, Jonas Reißmann, Leopold J«ngw1rt, Raum Brindt, Max Streng, M. Bell «. a. Wie wir erfahren, werden die Veranstalter einen namhaften Teil des Reinertrages dem Jüdischen Nationalfonds zufließen lassen. Las Salzburger KammerumMff. Auch das dritte Konzert bot eine Fülle von Anregungen und zeig« deutlicher als alle Debatten für und wider die moderne Musik, unter welchen Schwierigkeiten die junge Generation über die Tradition hinauswachst, und mit. wHh KmsÄeritfcheim Ernst und Mer -Bchefftenrng sie trotz, aller Gchäffigjkeit und Indolenz der alten Musikzünftler f&p -ihre Ideale kämpft und -leidet. Es winkt ein fernes AÄ» Tondichtung Schleier aus der »Hand der Ä^ahrheit zu empfangen", doch die gangbaren Mittel Mftb Wege sind noch nicht gefunden und so wird im Zeualtelr der Naturwissenschaft auch in der Musik gesucht und expormventiert. Wir leben nicht mehr im lichten sonnigen Zeitalter Mozarts, ,Mrser ist das Los der Epigonen", wie Gottfried Keller m feinen wunderschönen ,Mrselen" klagt. Er bringt sior Musik in Worten, so schön, daß sie durch -die Vertonung fast verlieren müßten, und doch hat sein Schweijze-r Landsnrann Ochmar Schoeck eine gemäßigt moderne Musik dazu geschrieben, die eben auch das Los der Epigonen teilt: GGve-vMffg, intellektuell und doch wieder sttnck und edel eMpfuMn, bleibt sie in sich zwiespältig. Sorgfältig della» misrt erreichen diese Gesänge, mit Begleitung von Klavier, BlaL- und Schlaginstrumenten nur selten ein melodisches Eigenleben. Herr Heinrich Rehkemper war mit seiner üppigen BavitonsKmme und seiner reifen Vortwgskunst dem Werke der beste An-wM. Ein recht problematisches Werk sind die „Starnelli e Ballate" für Streichquartett von G. Francesco Malipiero. Der jungitaliemsche Tondichter gveift gerne auf alte historische Farmen zurück; so bnüpft er hier an die alte Ballade, das Tanzlied mit Ehorrefrain, an und bringt in drei Sätzen eine recht lost Verknüpfung von vierzehn verschiedenen Sätzchen. Durchführung fehlt so gut wie ganz, durch leere Quintengänge und das Fehlen der Chromatik wird eine ganz sonderbare Verbindung von Archaismus T - " Wiener Morgeuzeitttng. _ und Moderne hergLftellt. — Dev Franzose Eric Satie, der trotz seine« fast'sechzig Jahre .mit dm Moderne marschiert, berührt sich in seinem' 1918 ge-schaffonen symphonischen Gebilde mit Smgstinlme „S o c r ai e" mit dem mittleren SchöNberg. Ein ganz sonderlicher Einfall, die ganz unsanglichen Texte nach Dichtungen Platos in Musik zu setzen, was denn auch nicht recht gelang. Eine Art Sprechgesang ohne weseMche Modulation der Melodie geht neben einem obstinaten Baß im Orchester her, nur gegen Schluß erfolgt eine feierliche Steigerung. Im übrigen bricht die Entwicklung immer wieder ab und Sokrates, „der weiseste nnd gerechteste der Menschen", stirbt, ohne daß ihm der Nachruf einer Kadenz beschieden ist. Eine Sonate für Klarinette und Fagott ist an sich sine groteske Idee;'Francis Paule ne weiß die Idee auch grotesk durchzuführen: Im ersten Satz poltert das schwerfällige Fagott mit der beweglicheren Klarinette in Mißklängen um die Wette, im mittleren Teile werden dieselben Ddelodien in behaglicherem Tempo mit viel Wohlklang abgewandelt und darin -wohl die feinen Umgangsformen des Salons der guten alten Zeit verspottet, im Finale endlich kennt die Hetz - keine Grenzen und eine Art moderner Pantomime wird zur wüsten Klangorgie gesteigert. — Die in altem Süßwasstr segelnde Cellosonate des Engländers John Jreland ist manierliche Sonatenmufik mit schönen und meist melodischen Linien, vier Stücke für Streichquartett von Erwin S ch u l h o f f, in welchen verschiedene Tänze parodiert werden, ist schmissige moderne Unterhaltungsmusik, für den Salon zu unerzogen, für die Bar zu manierlich. Ein kleines Kunstwerk sind die Etüden Op. 33 von Karol Szhmanowski. Der polnische Komponist, der so oft in den Bahnen Max Negers wandelt, nähert sich hier der französischen Schule. Es sind etwa Chopins „Preludes" in der Tonsprache des 20. Jahrhunderts, ein geschlossener Zyklus von poetischen Miniaturen, reich an neuen Farben und reizvoll kapriziösen Episoden. — Erwähnen wir noch das „Q u a r t e t t o V « n e z i a n o" und das Zika-Quartett, die Sängerin Marya Freund und den Pianisten Henry G i l - M a r ch e z, den Klarinettisten Edmond Allegra und den Fagottisten H. Henker, welche durch ihre reifen künstlerischen Leistungen den Glanz des Mustkfestes erhöhten. flb. Aus den Aeatenr. Deutsch eSVolkrtheater. Heute zum letzten Male während deS Gastspieles der Exl-Bühne „B o l k i n N o 1". Morgen „DiepolitischeWit w.e", Donnerstag „Kindertragödie" und „Die Bildschnitzer. deS Samstag geht als Eröffnungsvorstellung der Winterspielzeit — Deutschen Volkstheaters »Die Freier" von Josef Eichendorff in Szene. T h e a t e r i d e r S o s»f st a d t.. Heut«, 7*8 Uhr, Erstaufführung der'Kornödie'„Sch neider Wibbel* in fmff Bildern von Hans 2K. fi ller-Schlösfer. Mittwoch „So «kin und der Haupttreffer*. Das Programm des BurgthoatttS beim Musik- und Theaterfest. Außer der bereits angekündigten Uraufführung von Artur Schnitzlers „Komödie der Verführung", die ausden 9. Oktober angesetzt ist. bringt das Burgtheater am 30. September die Urauführung des Spieles in zwei Abteilungen und einem Bersspiel „5)28 Schwert des Attila" von einem jungen Grazer Dichter Ernst Fischer. — Im Nkademiecheater findet am 27. September die -Uraufführung des Märchenspieles ,Der Kaffer im Walde" von Walter Eidlitz statt. — Im Schönbrunner Schloßchvater wird am -14. Oktober ,/Da8 Bolksfchau- »von Doktor Faust" m der Bearbeitung von Richard ik aufgesührt. Zwölfte Festauffvihrung „Aida". Heute findet die zwölfte Festaufführung der ,Kida" auf der Hohen Warte statt. Dirigent Pietro MaScagni. Beginn halb 8 Uhr abends. Rach Schluß der Vorstellung direkter Straßenbähnverkchr nach allen Richtungen. Die nächsten Aufführungen finden an folgenden Tagen statt: Donnerstag den 14. d., Freitag den 16. d., Sam8tag den 16. d. und Sonntag den 17. d. Ein polnisches Ballett in Wien. Morgen um 8 Uhr abercks tritt dar derzeit in Wien weilende polnische Ballett im Burggarten auf und wird unter anderem auch Proben polnischer choreographischer Kunst darbieten. DaS polnische Ballettensemble hat bereits im AiuÄande eine längere Tournee absolviert und -erntete sowhl bei der fachmännischen Kritik als auch beim Publikum ungeteilte Anerkennung. ES steht unter der Leitung des Ballettmeisters Jan CieplinSki. Raimunds „Der Verschwender" als Esperanto-Vorstellung. Das Interesse weiter Wiener Kreise vermag die Aufführung zu erregen, die heute um 7 Uhr abens im Bürgertheater stattfmdet. Ferdinand Raimunds „Der Verwender", ins Esperanto übersetzt und von Künstlern deS Mener BürgertheaterS und anderer bedeutender Wiener fo«s des Nürnberger StadtheaterS davgestellt. Es wird für dH Wiener Publikum nicht ohne Reiz sein, das Hm wohMkannte Werk Raimunds in seiner Wirkung in der Welthilfssprache auf ein auS vierzig Nationen zusammengesetztes Publikum zu tzxKachien. Die Mitwirkenden haben in schönem Eifer die MijM -nichtgescheut, die Sprache binnen drei Monaten zu erlernenV^für die Aufführung ein Opfer von ihrem SommerurlaM zu bringen. ettchtrsaal. Ankaus von AlbergerSte« ans der Schön, brunner Schloßkapelle. In der Goldeinlöseanstalt Scheidt war vor einiger Zeit ein junger Mann erschienen, der sich durch Schriftstücke unter dem Namen Alfred Nisener vorstellte und dort zwei silberne Kännchen und eine Silbertasse zum Verkauf nnd zum Einlösen anbot. Der Einlöser der Anstalt, Franz Hüttner, kaufte die Gegenstände zum Silberwerte von 1,196.380 K. Am Abend sielen dem. Vorgesetzten des Nisener die gekauften Kännchen auf, welche mit dem kaiserlichen Doppeladler versehen waren. Auf einem Kännchen war der Buchstabst „V", aus dem zweiten der Buchstabe J21" axabta** «ntz eg war vfsen- , 1L. Augu st 1924 Nr. 1978 kundig, daß. diese Kännchen und die Tasse Kirchengeräte, Meß« lännchen waren, und zwar, daß mit „V" gravierte für den Wein (Vinum) und das mit „A" gravierte für Wasser (Aqua). Auch deutete der kaiserliche Adler darauf hin, daß die Kännchen aus dem Besitze einer kaiserlichen Kirche stammen müssen. Von der Einlöseanstalt. Scheidt wurde die polizeiliche Anzeige erstattet und es wurde der Verkäufer in der Person des Alfred Partak eruiert, eines jungen Mannes, welcher bereits zweimal am Steinhof interniert war und tatsächlich die Kann« chen und die Tasse in der Schloßkapelle in Schönbrunn entwendet und deshalb auch bestraft worden war. Gegen Hüttner tourde die Anklage wegen b e d e n k.l i ch e n Ankaufes erhoben, über welche gestern die Verhandlung stattfand. Der Angeklagte gab an, daß er keinerlei Bedenken beim Ankauf der Kännchen hatte, da der jugendliche Verkäufer sich unter dem Namen, unter dem er sich vorstellte, legitimierte und angab, daß die Kännchen Familieneigenium seien. Richtern Es mußte ihnen doch aber der kaiserliche Adler, der auf jedem Gegenstand eingeprägt ist, in die Augen fallen. Angeklagter: Ich habe es für ein Wappen gehalten und eS kommt jo oft vor, daß alte Silbergegenstände mit Wappen und Gravierungen uns-zum Einschmelzen gebracht werden. Auf Befragen seines Verteidigers gab der Angeklagte an, daß er für den Ankauf von Silbergegenständen keinerlei Provision beziehe und daß er daher gar nicht irgend ein Interesse an dem Kauf der Gegenstände, die er zum. vollen Silberwerte einlöste, haben konnte. Der Richter verurteilte den angeklagten Einlöser im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe von 60.000 Kronen, im Nichteinbringungsfalle zu 24 Stunden Arrest, jedoch bedingt unter Einräumung einer einjährigen BewährungHcist. zwilproreb gegen öaftiglionk in Prag. In dem bekannten Rechtsstreite zwischen den Teilnehmern des ehemaligen SpiritusexPort^Shndikats haben die beiden Söhne des verstorbenen Vizepräsidenten der Prager Handelskammer Leon Bondh, Wladimir und Mlos Bondy, beim Prager Handel-gericht um die einstweilige Vevsügung über die Depositen CastiAlionis bei einer Prager Bank angesucht. Die Kläger machen gegenüber Casttglioni und dem Generalsekretär Gabor Neumann eine Forderung in - der Höhe von 1,774.487 K. nebst 12prozentigen Verzugszinsen geltend. Sie begründen die Usberreichung' der Klage heim Prager Handelsgerichte damit, daß Castiglioni alS Ausländer sein Vermögen, daS teilweise auch in Pvag bei einer Bank ruht, über die Grenze schaffen könnte. Der Rechtsvertreter des Beklagten erklärte gegenüber dieser Bchauptung, daß sein Mandant nicht daran denke, Wien zu verlassen, wo er seinen ständigen Wohnsitz habe, also in fett österreichischen Republik, in der tschecho-slowakische Gerichtsurteile vollstreckbar seien. Die Gerüchte, daß Castiglioni nach Italien übevsiedelr wolle, seien iBsurd und verdienen keinen Glauben. Ist das Haaraüsreiße« eine schwere Mißhandlung? Frau Therese St. brachte gegen ihren Gatten Johann St. beim ZivMandesgevichte eine GhetvennungSkluge ein, in der sie anführtr. ihr Gatte habe sie nach einem Streit mit dem Rasiermesser bedroht. Sie sei der Ausführung semer Drohung, er werde ihr-die Gurgel durchschnviden, nur durch , die schleunige Flucht entgangen.. Da er sie fortwährend auf daS gröblichste mißhandle, ihr die Haare ausreiße — ein Büschel Haare lctg den Akten bei — und sie derart Wage, daß die blauen Flecke von den namhaft gemachten Zeugen gesehen wurden, sei der Ghetrennunasgrund der gefährlichen Nachstellungen und wie» derholter schwerer Mißhandlungen gegeben. Der Geklagte bestritt, seine Frau mit dem. Rasiermesser bedroht zu halben. Tr habe nicht gesagt, „Ich werde dir die Gurgel abschneiden", sondern „ich weä»e m i r die Gurgel abschneiden", denn er habe wegen der chelichen Zerwürfnisse ernsürch an Selbstmord gedacht. Die von seiner Frau ins Treffen geführten Mißhandlungen seien nicht so schlimm, daß sie zur Ghetrennung führen müßten. Derlei komme schon manchmal in Chen vor. Dckß Gesetz verlange zur Ehetrennung schwere Mißhandlungen. Ein paar auSgerissene Haare oder blaue Flecken an der Haut stellen sich aber nicht als Folgen einer schweren Körperverletzung dar. DaS ZivillandeSgericht wies die Ghetrennungsklage a b, weil die Mordandrohung mit dem Rasiermesser nicht zu erweisen, die Mißhandlungen ober nicht als schwere Verletzungen -anzusehen seien. Bei der über die Berufung der Klägerin vor bm Oberlandesgericht stattgehabten Verhandlung bezeichnete der Zklagevertreter die Rechtsanschauung, daß „schwere" Mißhandlungen im Sinne des Gesetzes nur dann vorliegen, wenn sie Gesundheitsstörungen von bestimmter Dauer.nach srch ziehen, als eine irrige. AuSgerissene Haare seien schwere Mißhandlungen, wenn sie auch nicht erne „schwere Körperverletzung" im Sinne des Strafgesetzes darstellen. Was soll eine Frau sonst noch alles von ihrem Manne erleiden, che sie die Ehetrennung verlangen kann? Soll sie warten, bis die Schläge noch ausgiebiger werden, bis die Haare ihr vollständH vom Kopfe gerissen werden, Es sei se-ftgestellt. daß die Klägerin wiederholt in der Nacht flüchten mußte, um den Mißhandlungen des Mannes zu entgehen. Der Berusungssenat gab der Berufung Folge und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die erste Instanz. Kein Meterschutz für Trunkenbolde. Einem Untermieter wurde von seinem Wohnungsgeber die Wohnung gekündigt, weil er ein polizeibekannter Trunkenbold sei. der nicht nur seine Lebensgefährtin, sondern auch die Familie des Klägers mit der Drohung des Umbringenz in Schrecken setze. Seine Trunkenheitsexzesse stören alle Hausbewohner und wiederholt mußte die. Polizei eiuschreiten. Mt semer Lebensgefährtin streite er in derart geräuschvoller Weise, daß das ganze Haus zusammenlaufe. Die Polizei bestätigte, daß ihr der Geklagte als Trinker und gewalttätiger Mensch bÄannt sei, er fei wegen polizeiwidrigen Verhaltens mit 300.000 K. Geldstrafe bestraft worden. Das Bezirksgericht Leopoldstadt erklärte die Kündigung für wirk s a m, weil der Geklagte auf Grund der Polizeiakten als Trinker bekannt fei, in der Trunkenheit mit Totschlag drohe und mit seiner Lebensgefährtin in aufsehenerregender Weise streite. In der dagegen ergriffenen Berufung machte der Angeklagte geltend^ mit der polizeilichen Bestrafung sei die Sache abgetan, man könne nicht alle Trinker mit Obdachlosigkeit bestrafen. Der Klage-Vertreter erwiderte, für ge- >walttätige Trunkenbolde gebe es keinen Mieterschutz. Wenn man solche Mieter nicht hinausbringen könnte, würde jeder Schutz für den Wohnungsgeber, der für sich und seine Familie fürchten müsse, unmöglich sein. Dar ZiviillairdeSgerichi bestätigte das erstrichterllche Urteil, weil dem Hauptmieter daS Zusammenwohnen mit einem Trunkenbold und gewalttätigen Menstben nicht zngemutet werden könne. v