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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-12 · Heft 1973 (12.8.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1973 (12.8.1924)
Date
1924-08-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Mr. im M«en> Dienstag Wiener Morgettzeitung. 12. August 1924 Seite 8 Aus Gesuchen an den Kaiser Franz Josef. Die Lächerlichkeit vor der Majestät. Dijö «foiltzmden StMlüten kamen bei siner Drwchstcht bgr KÄhilwichen gNa^MSgästtche der Kabmottskanz-lei Franz Josefs zutage. Man lieft sie und Acht ab ihrer ungewollten grotesken Komik, Acht — und fühlt doch im selben Augenblick die tiefe Tragik, die in diesen armseligen VcMHschicksallen, in «diiefor Demut und in diesem unbedingten Glauben an eine „Majestät" so naiv sich offenbart. Ich bin in tiefster Eh rfurcht geboren im Jahve 18Y8, und «scheine mit tiessier Huld vor Eurer Majestät. Nun Mj ich ein Mljähvigeir Greis, unfähig zu arbeiten Md überschüttet von einsr ÄlnZahl von Ber- «waMen. Ich Habs vom Jahve 1908 -bis 1905 meine MMardiieinstpfficht abgebüßt. (Eine begveisliche Begvfffsdetrwechfluug.) Ich genieße «mvinm LebenSuntevhM durch Halten van Kostkuaben, Svabtzi ich mittessen kann, was ich aber infolge, Morsfchwäche nicht mehr lange werde tun können. Ich halbe schon eine Anzahl GMgefnche «ingereicht und lebe schon «viele Jahre in der Hoffnung, aber ich kann Ävchen tvauÄgen Zustand nicht rnehr länger ertragen. Ich habe meinen Sohn und Ernährer der Todeskugel übergeben und bin zu eiMv grausamen Ruine geworden. . Man hat mich als 53jährigen Diener unwürdig behandelt und Mich meiner Mann es w ürde entblößt. Meine ÄebenÄtage sind gezählt und ich habe keine Mitte-I, dem nahen Tode fröhlich entgegen zu kommen. Die Frau «eines FMväbÄs: Mein Mann ist blöds innig und «ebenfalls beim Militär. Ich bim mit meiner täglichen Notdurst hauptsächlich an die Mkdtätigkeit fremder Personen angewiesen. Drei Söhne habe ich arvfgezogen mit dem mir von Eurer Majestät allergnädigst verliehenen Stelg'fuß. Mein Sohn hat mich und meine morsche Gattin durchs seinen Tod den GögÄbniskosten ansgefetzt. Gestützt aus das edle Herz E. M. wanke ich zum Thmn. MchesM, M bitte um dielst MedaMe nur deshalb, damit M Jlh-rWiKoPf an meiner linken Brust «tragen kann. Del» gchochrtmst UnAchrt^ kam 1896 nach Lemberg, Wo ihkn seine «Hoheit k. C. LaNdesMMer Kaiserin MMich MÄ einer hochMen Salbe in 14 Tagen geheilt hat. . HÄtzerWWsvM GestWr durchgiLtlöm uneiinen SoldateMrstn, wimn ich die Gefahr des Vaterlandes und' nicht mchr dazu beitragen kann. («Das haben andere reichlich' besorgt.) Die bewilligte Pension von 6 K. reicht «nicht ans, um mH nur die bescheidenste Notdurft eines Menschen zu decken, Wst! wenn «man aus dem DanÄe wohnt.- Ich bMb aus die Unterstützung meiner drei Kinder angewiesen, die aber bis heute anMieben und war «nicht imstande, rwoin Altertum angemessen zu versorgen. Mein Schn war 1910 bei den Mcmöivevn, wobei er sich' durch sovtw'ähvende Positionsverandernng den rechten Wß verstauchte. Eine Witwe : Fch eÄaiGe mir von E. M. jenen Akt zu «rbiHön, Mit welchiem E. M. gegen die treuanhänglichen Untertanen stets so vavfchwendevifch waren. Ile LebensmittelmSrtte. h Die gestrigen Markte hatten das übliche flaue Montags- Arsenal und Gemeinde Wien. Dis Rathauskorrehreibt: Gegenüber den sorrgesetzten Bchauptuugen, )äß die'Gemeinde Wien in irgend einer Art, sei es unmittel- «bar, fei es auf dem Umwege über die Niederösterreichische ämptegesellschaft, das Arsenal oder Teile des Arsenals zu erwerben beabsichtige, fei neuerlich fest-gestellt, daß solche Absichten nicht bestehen. Auch von der Gründung einer Maschinenfabrik auf dem Boden des «Arsenals unter Patronanz oer Gemeinde ist in keiner Mise die Rede. Die Beziehungen een Gemeinde Wien und Arsenal beschränken sich lediglich f, daß das Arsenal Arbeiten für die Gemeinde übertragen erhält, wenn es im Wettbewerb mit anderen Firmen das günstigste Angeibot macht. * Der Wiener Fremdenverkehr im Monat Mai. Im Mai sind insgesamt 41.166 Personen in Wien abgestiegen. Aus den österreichischen Bundesländern kamen 8812 Personen. * Ein Rettungscmto für Kleintiere. Der Wiener Lierschutzverein hat ein Rettungsauto für Kleintiere in seinen Dienst gestellt, das mehrere Tiere gleichzeitig transportieren kann. Das Schutzhaus des Vereines hat bisher 111.036 Hunde und 37.453 Kleintiere aqer Art in Pflege gehabt. * Ein jiidischer Senator in Südafrika gestorben. Aus Johannesburg berichtet I. T. A.: W. Ehrlich, der ein»ige jüdische Senator in Südafrika, ist kürzlich in Bloemfontein verstorben. Am offenen Grabe hielt der Ministerpräsident, General Hertzog, eine Gedenkrede, rühmte die Verdiene des Verstorbenen um das Land und sprach von der 29jährigen Freundschaft, die ihn mit dem Verstorbenen verband. * Haftentlassung des Fürsten Engelbert Auersperg. Aus Budweis wird gemeldet: Wie -berichtet, wurde vor einigen Tagen der ehemalige Fürst Engelbert Auersperg mit seinem Auto an der österreichischen Grenze angehalten, als er Werteffekten für einige Millionen tschechische Kronen über die Grenze bringen wollte.. Gegen Erlag einer.Strafe von 1,200.000 tschechischer Kronen wird Auersperg aus der Haft entlassen mtb das Strafverfahren eingestellt werden. Das Auto wird als Zahlungsbürgschaft zurückbehalten. Kleine khronik. * Das Modell zu Joses Israels' „Sohn des alten Volkes" gestorben. Bor ungefähr 40 Jahren hat der berühmte indische Maler Josef Israels, dessen 100. Geburtstag ganz Holland vor kurzem feierte, fein berühmtes Gemälde „Der Sohn des alten Volkes" geschaffen. Das Modell war ein armer Amsterdamer Kleiderhausierer, der dieser Tage im Amsterdamer jüdischen Greisenashl verstorben ist. * Der Kampf gegen die Teuerung in Preßburg. AuS Preßburg wird uns berichtet: Die Preßburger Bäckermeister wurden heute vom Obernotariat vor ein Ultimatum gestellt, laut welchem sie die Erhöhung des Brotpreises bis zum «Montag zu begründen haben. Wenn dies nicht geschieht, so werde man gegen die Bäcker wie gegen Wucherer energisch Vorgehen. * Die „Hias" für die jiidifchen Flüchtling«. Aus N e w- York wird uns berichtet: In der letzten Sitzung der jüdischamerikanischen Gnngrationsgesellsch aft „Hias" wurden 3 0.0 0 0 Dollar für jene jüdischen Flüchtlinge in Rumänien bestimmt, die nach Rußland zu-rückbefördert werden sollten. Die „Hias" beabsichtigt, mit diesem Betrage die Auswanderung dieser Flüchtlinge nach Kan ada zu ermöglichen. Ebenso wurden 16.000 Dolllar für die 8000 jüdischen Flüchtlinge, die sich in Kuba befinden und -deren Lage eine verzweifelte ist, bestimmt. Die „Hias" beabsichtigt, demnächst eine großzügige Hilfsaktion, zur Linderung der «verzweifelten Lage der russischjüdischen Flüchtlinge in Rumänien einzuleiten. * Die höflichste Telephonzentrale der Welt. Wenn in Japan ein Telephonabonnent anläutet, antwortet der Angestellte auf der Zentrale folgendermaßen: „Was für eine Nummer -geruht der ehrwürdige Sohn des Mondes und der Sterne zu wünschen?" ,Hohi, zwei-Ärei." Stillschweigen, dann, die Verbindung wieder ausnehmend, der Angestellte: „Will die ehrwürdige Person gnädigst die Unzulänglichkeiten unseres geringfügigen Betriebes verzeihen und dem gütigen Sklaven des Drahtes erlauben, ihr zur Kenntnis zu bringen, daß die „Nie-genug-zu-tadelnde Lime" besetzt ist." — Bei uns ist die Telephonzentrale nicht ganz so höflich, aber dafür ist die „Nie-genug-zu-tadelnde Linie" häufiger besetzt oder mit einer anderen verwechselt. * Preisaufgaben der Berliner Universität für jüdische ... . ... Themen. Die Berliner Universität stellt für das Jahr 1924 bis sch.äg- SMchl im Gl°b. wk auch'im Kl-icha« Mt sch I «bet Verkehr mden bescherdensten Grenzen. Die Großmarktwiederholt für den Staatsvreis (dessen Höbe übriaens vom halle hatte zwar -ganz geringe Fleischt,nporte auszuweisen, allein angesichts der spärlichen Käufevbeteiligung blieb ein Großteil der Vorräte erspart. Der Naschmarkt wurde trotz des Montages ziemlich günstig beliefert. Die Preise der meisten Gemüsearten blieben gegen Samstag unverändert. Auch der Obstmarkt verfügte über ausreichende Zufuhren. Ungeachtet der konstant günstigen Ankäufe in allen Obstsorten sind die Preise für viele Werbraucherschichten nicht zu erschwingen. Namentlich in den ' Bezirksgeschäften, wie auch bei den ambulanten Ständen sind die Preise noch höher als auf den offenen Märkten. Eier sind in genügenden Mengen erhältlich, die Qualität jedoch ’ läßt stellenweise zu wünschen übvig. * Eine Stiftung für Weltsprache. Nach der Meldung der nordamerikanischen Presse hat sich Frau Dave H. MorriS geb. Alice Dandevbilt bereit erklärt, einen Fonds von 2,600,000 Dollar für die Propaganda des Weltsprachegedankens zu begründen. Frau Morns ist Vorstandsmitglied der Association für die internationale Hilfssprache der Vereinigten Staaten von Nordamerika, die -es sich zur Aufgabe gesetzt hat. das Weltspracheproblem objektiv zu prüfen und zu einer baldigen Lösung zu führen. * Eine Universität in Mailand. Eine neue Universität, zu welcher die Stadt zehn Millionen Lire als Baufonds bereitgestellt Hatz und die noch Ende dieses Jahres eröffnet werden soll, wird m Mailand errichtet werden. Bisher bestanden in Mailand — in dessen unmittelbarer Nähe sich die seit 1301 «bestehende Universität P a v i a befindet — von Hochschul- «insti-tuten: die 1869 errichtete Kgl. Acc-adomia seientifico-let. teraria, eine Art philosophisch-literarischer Fakultät, ferner eine technische Hochschule (R. Instituts Tecnico Superiore), eine höhere Handelslehranstalt (Universita commerciale „Lnigi Bocconi"), verschiedene klinische Fortbildungsinstitute, eine tierärztliche und eine landwirtschaftliche Hochschule, außerdem eine Kunstakademie. * Hunde als Hochzeitsgäste. Lady Ursula GroSvenor, eine Tochter des Herzogs von Westminster, die sich mit dem Hauptmann Filmer-Sainkey vermählte, hatte zu ihrer Hochzeit einen alten Straßenkehrer, den sie feit ihrer Kindheit kennt, und zwei ihrer Lieblingshunde eiugeladen. Die Trauung fand unter so großem Andrang von Neugierigen statt, baß Polizei die Ordnung ausrechterhalten mußte. Als das jun-he Paar in Begleitüng des Straßenkehrers und der Hunde die Kirche verließ, durchbrachen die wartenden Menschenmassen den Polizeikordon. Das Gedränge artete in eine Panik aus. bei der 30 Frauen ohnmächtig wurden. Vereine, Bortröge und Bersammluugen. Machlekath Haawodah, Wien. Heute, 5 Uhr nachmittags, dringende Versammlun g sämtlicher in Wien anwesenden Chaluzim. Wien, 12. August. * Die Selbstmordepidemie. Am 9. d. wurde aus dem Mühlwasser die Leiche des Obert-eilherrichters Josef G rest e nde r ge r gezogen. Er hat nach Auszeichnungen, die.man bei ihn, fand, Selbstmord verübt. — Bei Orth a. d. D. wurde die Leiche eines ungefähr 26jähvigen kräftigen «Mannes geborgen. — Die 19jährige Verkäuferin Grete B. nchm am 10. d. wegen unglücklicher Lwbe Lysol. Sie wurde in das Krankenhaus gebrachtz — Die Hausgehilfin Anna B. wurde in ihrem Schlafranm, der mit Leuchtgas evfüllt war, «bewußtlos aufgefunden. — Der «Kutscher Franz RÄinger hat sich gestern nachts in seiner Wohnung aus 'Kränkung über den vor einigen Tagen erfolgten Tod seiner Frau erhängt. > * Vom Auto getötet. Gestern ^mittags wurde auf der Laxenburgerstraße die Beamtin Katharina Bauer von einem Auto erfaßt und niedergestoßen.' Sie erlitt schwere Verletzungen und starb auf der Unfallstation. * Embruchsdiebstahl bei einem Optiker. Unbekannte Täter sind vom. Keller aus in das Qptilkcrgeschäit Schlefffelder, Burggasse 73, gedrungen und stahlen Gegenstände im Gesamtwert von 40 Millionen Kronen. Auch 2 Millionen Kronen in Barem fielen ihnen in die. Hände. v * Der BilderdieH Gras Kolowrat. Am 4. d. wurde dem Ingenieur Felix Witt ein Paftellbild «des berühmten tschechischen Malers Josef M a n e s, das Herr Witt auf 90 Millionen schätzt, gestohlen. Unter -dem dringenden Verdacht «der .Täterschaft wurde der 36jährige Rittmeister a. D. Wilhelm (vormals „Grafts von 'Kolowrat verhaftet. wiederholt für den Staatspreis (dessen Höhe übrigens vom Kullusministerium diesmal verdoppelt wurde) das für 1924 gestellte Thema: „Die Vorstellungen und Erzählungen von, un^ erkannten Messias (Erlöser. Gott) im Judentum, Urchristentum und in der Gnosis sind zu sammeln, in ihrer Eigenart darzustellen und auf Ursprung rurd Geschichte hm zu unterfucheu." Ferner als neues Thema: „Me vorpaulinische jüdische Mystik (Philo, Septuaginta) und ihr Verhältnis zur antiken Mystik nnt besonderer Untersuchung der etwaigen Bezichungm zu Posvidonios." (I. T. A.) * Das entfernteste Weltall. Eine gewaltige Erweitemng unserer Vorstellungen vom Kosmosist durch Beobachtungen des Harvard- Observatoriums gegluckt. Die Astronomen entdeckten nämlich von dort aus ein neues Weltall, dm entferntesten Gegenstand, der je von einer Menschenmenge gesehen wurde. DaS Licht braucht von dort eine Million Jahre, um zur Erde zu 'gelängen. Das neue Weltall ist, wie in der ^Umschau" berichtet wird, sechs Q u i n t i l l i o n e n Meilen weit. Es wurde zunächst vor einigen Jahren durch Photographien beobachtet, die einen ganz blassen Fleck am Firmament zeigten. Aber durch Aufnahmen mit dem 100 Zoll- Teleskop von Mount Wilson, dein größten der Welt, konnte festgestellt werden, daß es sich bei dieser Sternwolke wirklich um ein Weltall handelt. Es entspricht den Magalhaens-Wolken, schwachen Lichtflecken am südlichen Himmel, die zuerst von Magalhaens gesehen wurden und jetzt als ein großes Sternshstem erkannt sind. Der Durchmesser des Kosmos, zu dem unser Weltall gehört wurde bisher auf 350.000 Lichtjahre geschätzt. Der tveiteste Ausläufer der Unendlichkeit, den der Menschengeist jetzt erfaßt hat. ist aber noch dreimal so weit. * Molieres Grabstein. Moliere. der bekannilich ein begabter Schauspieler war, spielte in seinem letzten Lustspiel, im „Eingebildeten Kranken", die Titelrolle. Am 17. Febmar 1678 wurde das Stück zum vierten Male anfgeführt. Moliere betrat die Bühne, obwohl er sich nicht wohl befand. Nur mit grösster Anstrengung konnte er die Rolle zu Ende spielen, und eine halbe Stunde danach starb er an einem Blutsturz. Dies gab Veranlassung zu seiner Grabschrift, die in deutscher Uebetragung etwa lautet: ■ ,Ioscius Molieres Staub ist in dieser Urne gesammelt. Rings das Menschengeschlecht spielen, war diesem ein Spiel. Doch einst spielt er den Tod. Da ergrilnmte der Tod und raffte ihn, Den Gaukelnden, fort. Und der Scherz endet in furchtbarem - Ernst." Bühne und Kunst. „Sonkn und der Haupttreffer." Theater in der Josefstadt. Es kommt wirklich nicht auf das Thema an. Ein Autor, den man nach die-ser Begegnung einen Dichter nennen möchte, nimmt eine durchaus abgebrauchte von hunlder-t Bühnenhandwevkern «fingerfertig benützte Handlung — und sie ist neu, nachdenklich, ergreifend. Es ist die Geschichte von dem kleinen Mann, der sich einen Haupttreffer wünscht, richtig das gwße Los «zieht und an -diesem Glück zugrunde gcht. Freilich ist es diesmal nicht rasch erlernte Verschwendungssucht, die den Gewinner rasch wieder arm macht, oder Dummheit, die ihn Gaunem in die Hände spielt, oder kranlkhöfter Gei-z, der sich plötzlich zeig!, sobald das schwere Geld im Haus: ist. so daß er jetzt erbärr'lich'r labt als früher, da ihn: nur Waffer'ttppc und hartes Brot gegönnt waren. Sondern der arme Sonkm wird einfach, vervückt. Wie er es wird, das allein zeigt schon die Besonderheit dieser TragMomödie: Seine Herzensgiite, sein Mit- «leiden mit «den anderen nimmt chm nach dem ersten Anstürmen der Bittenden, Drängenden, Fordernden den Beistand. Er öffnet die schweren Bündel, enchaltend 200.000 Ruibelnöten, streut sie um sich, allen, an deren Not er jemals dachte, Gaben spendend und recht be-Mmmort, daß dann etwa für solche nichts übrig bleibt, von denen er nichts weiß. - Der arme Sonikm, in einem Handelsgeschäft angastellt, vom Chef gequält, (der ihn jetzt zum Kompagnon machen möchte) niemals anAgeschlasen, niemals gesättigtz hat sich nur immer darüber bÄla-gt, daß ihm nicht Zeit bleibt, über die Hoffnung cmlf das gr>oße Los mit seiner jungen Frau auch nur zu sprechen. Und wenn an «dem kritischen Tag die Zeitung ins Haus kommt, aus der zu entnehmen sein wird, ob SoUkin «den Haupttrchser gemacht hat, oder wieder ein Jahr lang hchfen muß, sagt er, «bevor er sich nach langem Kamps entschließt, die Zeitung zu leisen, zu seiner- Gattin, -ihr flehend die Hand streichelnd: „Sei nicht böse, wenn wir wieder nichts gewonnen haben." Aus drsseni Hinweis au«f einige von vielen Dialogstellen mag man erikennen, daß dieses Stück vom unglücklichen Gewinner nicht Mchendwar« ist, sondern wesenhast Md für Menschen für Gemüt gar sehr ergreifend. Nicht unwichtig: Es spielt im jüdischen Milieu. Der der« träMrte harmlose Sonikm, seine temPeraMentvolle -im Gold- .vausch überaus possierliche Gattin, Sonkins Mutter, der Aftermieter, die Anverwandten, — durchaus jüdische Figuren und das Stück, welches in mannigfachen Farben des HMrors, der TragA de8 KlembürgertumS, dev 1 Witzigen Pointe und des naiven Optimismus leuchtet, Mßte von einem hochrangigen, ostjüdischen Ensemble ges-pielt, um vieles stärken wirken, weil die Qualität, die im Milieu liegt, im Theater an der Josefstadt verloren ging. Am besten schiritten jene Künstler ab, die überhaupt darauf verzichteten, jüdische Menschen zu mimen. Herr Romberg als Donkiu war (von jenem Manko abgeschen) ganz Mßeropdentlich. Die Szene, -da er die Zeitung endlich liest und allnrählich des großen Glückes bewußt wird, 'gelang in Steigerung und Ausdruck ganz meisterlich. Bei Herrn L o v r i c hingegen war diesmal sehr hinderlich, daß er die Rolle des Kommis sozusagen ,perarisiert5". TreiMch Fraulc-i-n Binder ün«d Frau H a r t m a n n als Gattin beKv. Mutter Sonkius, nur daß insbeismr'dere Frau Hartmann (eine jüdische Mutter, «die noch Scheitel trägt '«) vom Orte der Handlung so weit entfernt war, wie etwa der Wiener Begirck Josefstadt von Kowuo. Was nicht hindert, daß diese Entscheidung, eine 'jüdiliche Figur unijüdisch zu spielen, Kveifellos dem verunglückten Versuche der Fvau Servaes vortzuziohen ist, die sich leider bemÄste, eine Jüdin Misch §u spielen. Unter Larven die einzig fühlende Brust (das heißt in diesem Falle die eintzig glaubwürdig Mische Figur), der ausgetzvichuet gelsähene Hcmdluugsgchiffe des Horm Doneggrr.

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