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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-11 · Heft 1972 (11.8.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1972 (11.8.1924)
Date
1924-08-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mt Men, Montag ■ Wiener MorgemeLLung. li'. MgG im Kundschaft und zum größten Verbraucher, zu Rußland, hergestefit. Ditz anderen Industriestaaten werden früher oder später seinem Beispiele folgen müssen. Sie werden daS gleiche Opfer brmgen müssen, nur werden sie weniger' davon haben, weil England inzwischen die besten Positionen in Rußland besetzt haben wird. So ist wieder einmal England der Welt um eine Nasen-, länge voraus. ... -i. -M In London ist ein Franzose zum Tode vermtM worden. Sr war beschuldigt, dem Manne seiner Geliebten Gift gereicht zu haben, Sr hat hartnäckig geleugnet, aber die Geschwornen verurteilten ihn. Sein Gnadengesuch wurde abgewiesen, obwohl neben anderen Gründen auch geltend gemacht wurde, daß die Hinrichtung eines französischen Staatsbürgers auf die eben jetzt in London weilenden Vertreter der französischen Negierung einen peinlichen Andruck machen dürste. Die Wiener „Arbeiter-Zeitung" berichtet über den Fall und fügt, weil ja die Todesstrafe von den SoziMten grundsätzlich abgelehnt wird, grimmig hinzu: ,Mer die englische Gerechtigkeit bestcht auf dem Galgen!" Die Entrüstung der „Arbeiter-Zeitung" ist gerecht und jeder vernünftig und menschlich Denkende wird diese Entrüstung mit ihr teilen, denn die Todesstrafe ist und bleibt dgs dümmste und bestialischeste Verbrechen.. Me unterläßt es die „Arbeiter-Zeitung", den Verantwortlichen zu nennen. Diesmal ist weder ein borMrter, grausamer Monarch noch auch ein brutaler Tyrarmenknecht der Schuldige. In England hat nicht der König, sondern einzig um» allein der Innenminister das Begnadigungsrecht. Innenminister ist aber derzeit der Sozialist Henderson und der Mann hat während seiner kurzen Amtszeit bereits ein gutes halbes Dutzend Todesurteile bestätigt und ausführen lassen. Keine Macht der Erde hatte ihn zwingen können, auf sein Begnadigungsrecht zu verzichten. Seine Vergangenheit und seine Grundsätze schreiben ihm den Weg vor. Und doch hat er dem Lenker in die Hand gearbeitet. Warum? Weil er persömich ein Bluthund ist? Gewiß nicht. Er will keinen Anstoß erregen, es könnte seiner Stellung schaden. Zum Teufel mit allen schönen Grundsätzen, wenn sie augenblicklich hinderlich sind. Macht erringen und Macht behaupten ist der einzige vernünftige Grundsatz, alle anderen find Blödsinn. Dieser Grundsatz hat die englischen SozMstey dahin gebracht, in , Seidenstrümpfen, goldbestickten Kniehosen, den Paradehegen an der Seite, dem König, zu huldigen, Panzerkreuzer und bombenwerfende Luftschiffe zu bauen und Todesurteile zu unterschreiben und auf den Völkerbund zu pfeifen. Gerechterwelse muß festgestellt werden, daß vielleicht keine Partei der Welt so viele edel und gerecht denkende Menschen zählt, wie die englische Arbeiterpartei. Und gerade daran ist zu erkennen, wie tief die Zersetzung in die menschliche Gesellschaft eingegriften hat, wie stark der Drang zur Macht geworden ist. der Drang zur Macht, der letzten Endes auch der Drang zur Selbstvernichtung ist. ■M- »j Re deutsche Berfafsmmstier. Ueöerall in größter Ruhe verlaufen. Berlin, 1V. August, Anläßlich de's fünften Jahresiages der deutschen rePubMnifchen Verfassung fanden hmte in ganz Deut sch l a n d, von schönstem Wetter bchjmsW, eindrucksvolle Kundgebungen, statt, dis allenthalben üngostört und würdig verliefen und ihren Höhepunkt in , einer feierlichen Erneuerung des TreugtzMnifses M Republik erreichten. In Berlin bewegten sich unter starker Beteiligung der Bevöikevu>ng Fahnenabordnungen der «Gotverikschaften und des Reichsbanners Schwa^-rot-yM vom AleM'ndevPlatz zum Großen SchaufPiÄhauS, wo m Gegenwart namhafter Ehrengäste d«. fogiaildemoEratische Bizspräsident deS Reichstages Ditimann, der Generalisekretär der Zmtrumspartei Dr. Bocke sowie der Vorsitzende der demokratischen Partei Erk eile ng die Bedeutung des Tages würdigen. Nachmittags wurden unter Deilnashme von Hmderttaustnlden zwölf große BolikSversammlungen veranstaltet, für -die sich führende Politiker als Redner zur Berftigung gestellt hatten. In Weimar vevanftaltete der Bundesvorstand des Reichsbanmrs Schwarz-vot-gold im Naticmaltheater eine wohlgelungem Verfasiungsseier, zu der Abordnungen der Organisation aus allen Teilen des Reiches in Sonderzügen erschienen waren. Als offizielle Redner ergriffen unter anderen von den Führern des Reichsbanners die ReichStagsabgeordneten Fehrenbach, Loebe und Wels, ferner der Schöpfer der Weimarer Verfassung Prof. P r e u ß und General v. Deimling das Wort. I« M ünster Men sich der Reichspräsident und ui^rue Mitglieder der Reichsvegdevuug zur Deilnahme cm der Berfassungsfeier eingefunden, wobei Reichspräsident Ebert Schuhe! mrt eingebautem „B^rion^-Gummi-Abgatz k, ich her. M' Bedeuiuug HG. BHhnarev Wrterte, die vor ftnf Wchrey der deutschen «Einheit und dem Deutschen Raich neuen Ausdruck gegeben habe. NUr in dieser politischen Einheit könne der kulturelle und ideale Geist wirken, der jeden wahren Aufstieg beseelen müsse. Die Reichsverfassung wolle die nationale Idee und den Gedanken der DsmokMie im BewuWein des ganzen deutschen Volkes vereinigen. Nur auf dem Mtt Rechtsbvden der Verfassung her deutschen Repuhlik, schloß der Rsichsprälsident/kann sich die weitere staatliche Entwicklung DeUts chlandsund nnfeve außeinpoli-tisHe ZuLunjt de ßwer großen Der Index steigt wieder. Die Korrespondenz Herzog «schreibt: KomMnden Donnerstag wird die paritätische Kommisiion i«m Miniisteriuw für soziale Fürsorge den Index für den verflossenen Monat errechnen. Angesicht der zahlreichen Preissteigerungen! der lebenswichtigen Artikel, wie Mehl, Brot, Fett- Fleisch, Zucker, Gier, Gemüse, Seife, Kohle .ustv. und des erhöhten Reinigungsgeldes kann es keinem Zweifel unterlisgen, daß der Index stark positiv tmSfalwn wird. Man re.hnet dretmal mit einem positiven Index von etwa fünf Prozent. Set Werantokongreß. An der gestern stattgchmdencn Festvevsammlung des internationalen Esperantcckongressts im großen KonzerthauSsaale nahm in Vertretung des Bundeskanzlers Sektionschef Hovieky und namens des Bundesm'misterS Dr. Grünberger Legationsrat Hem teil. Sektionschef Horicky begrüßte im Namen der österreichischen Regierung den Kongreß aus das herzlichste und gab dem Wunsche Ausdrucks daß die Beratungen von vollem Erfolge, begleitet sein mögen, Wien, 1ä. August. Banknoten. Die Schweizer No« .'d. I.' aus das Vorkommen falscher, ft f a it 'K fMwummlKftv ’tttf . * Falsche schwer, tionalbank hat im Mä_ ....... vermutlich aus Deutschland stammender Banknoten im- Verkchr aufmerksam gemacht. In der letzten Zeit sind nun neuerdings solche faffche Noten, hauptsächlich auf fremden Plätzen, aufgetaucht. Es handelt sich um.die schon bekannte Fälschung der Hundertfrankennote der Nationalvank (mit dem Tell-Kopf auf der Vorder- und der Ansicht der Jungfrau, auf der.Rückseite), die, auf schlechtem Papier hergestellt, auch an der unscharfen Zeichnung des Notenbildes und sonders der Umrahmung sowie an der blassen, von derjenigen der echten Noten abweichenden Färbung zu erkennen ist; alle bisher entdeckten Falsifckate tragen neben der laufenden Nummer die Ärienbezeichnung „2 E". was besonders auftällt. Aus Angaben, die zur Ermittlung und Festnahme der Fälscher führen, mt me Nationalbarck eine. Belohnung von 5000 Schweizer Franken auSgesetzt. * Reue Autobuslinien. Im Herbst «sollen drei neue Autobuslinien durch die Innere Stadt führen. Zn diesem Zwecke werden 30 neue Wagen ausgerüstet. * Internationale Festsetzung der Kobstnpreist. Bei dem dieser Tage in Prag stqttgefundenen internationalen Bergarbeiterkongvetz wurde über Antrag deS Vertreters der b ri tü» schen Admiralität über das Projekt eines internationalen KohlenverteilungsbureauS diskutiert. Dasselbe hätte die Aufgabe, die Kohlenüberschüsst eines Lander mit dem Kohlenbedärf des anderen Landeauszugleichen. Die FestfetzungbeS KotzlenprelseS soll Hand« ln Hand mit dieser Verteilung von Export und Import gehen. , * Emreiseerleichterungeu nach Jugoslawien. Die fugo- «Regierung hat die Aisogebühren fürSommerftisWr, tdchens vre^ehn Tage in Jugoflawien bleiben, bedeutend herabgesetzt. * DaS Motorrad. Das widerlichste Vehikel, welches jetzt chidemisch in den Wiener Straßen um sich greift, durch feinen Bau daS Auge beleidigt und durch Lärm und Gestank die Nerven zerrüttet, muh natürlich, da seine Beisitzer . eS darauf anlegen, durch die Straßen zu rasen, zur Gefghr des Verkehrs werden. Samstag nachmittags hat ein kos gelassenes Piptorr<ch .schweres Unglück angerichtet, und nur der Geistesgegenwart eines Wachmannes ist es - zu verdanken, daß nichts AergereS geschah. Der Kohlenhändler Stephan Feichtinger fuhr mit seinem Motorrad derart unvorsichtig aus der Austria- Garage (Nikolsdorfergasse) auf den Fahrdamm, daß er' mit voller Wucht an den eben passierenden Fiakerwagen des Karl P i ch k e r, der von diesem selbst gelenkt wurde, anstieß. Der Wagen wurde in die Hohe gehoben und Pichler auf die Straße geschleudert. Dadurch scheuten die Pferde und rasten mit dem Wagen davon. Sie rannten am Wiedener Gürtel an einen fahrenden Str alß e nbähnz u g an, so daß eine Lichtscheibe in Trümmer ging. Dann erst gelang es einem Wachmann, die Pferde zu bändigen.- Pichler hatte infolge des Sturzes einen Bruch der Hand, erlitten; eines der Pferde erlitt, leichte Schrammen. Die S t r a'f ä m t sh and lun g gegen Feichftnger ist im Zuge. eilldorfgasse 42. (Entgeltlich.) * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Selhswwrd Rabstt Balajthys. dkft«n iufa wiirde der 68j8hriggewesene BstkAschauspieler Rovert Balajthy in der Küche seiner WoWsttz in Her WevgW Stz .in einem LchnsM sitzcnd, den Schlauch der geöffneten Gasleitung in den Händen haltend, leblos aufgefunden. Die Rettungögrsettschaft wurde berufen, doch konnte der Jnspektionsarzt nur mehr den Eintritt des Todes seststellen. Die Ursache der Tat ist noch nicht festgestellt, doch ist anzunehmen, daß ihn die schlechten materiellen Verhältnisse, in denen er sich seit einiger Zett befand, sowie Krankheit zu dem Verzweiflungsakt getrieben habw. * Balathy war eine der größten schauspielerischen Begabungen Wiens; in seiner äußeren Erscheinung an den unvergeßlichen Florian Geyer des Brchmjchen AGug-Dhester-, Rittner, erinnernd, hat'er frühzeitig die Theaterlauftahn eiugeschlagen. Rach langem Wandern auf den kleinen Bühnen der deutschen und österreichischen Provinz kam er zu den M eiuingern und wurde nach deren Wiener Gastspiel im Jahre 1893 an das damals neu sröffnete Rai mund-THea Ur engagiert. Hier kam die große, die einfachen Linien bevorzugende Kunst dieses Darstellers zu starker Wirkung. Der Steinllopserhans, der Meineidbauer, der alte Grutz waren seine bekanntesten Rollen. Als Alfred v. Berger Burgtheaterdireltor war, engagierte er Balajthy ans Burgthrater, wo er den Fuhrmann Muschel aus Sonnenthals Erbe übernahm» diese Gestalt formte Balajthy ebenso erschütternd wie Rittner. Da das chaotische Regime Berger die Begabung des Künstlers nicht auszu.nützen verstand, schied er bald aus dem Verbände des Burgtheaters, um so nrehr, als feine krankhafte Platzfurcht, die sich in schwerem Lampenfieber äußerte, dem damals bereits 58jährigen Balajchy das Auftreten immer mehr zur Qual machte. Er hatte sich eine bescheidene Rente erspart und hoffte, davon seinen Lebensabend ohne'Sorgen verbringen zu können. Der Krieg und was nachher kam, machte dies« Hoffnungen zunichte. Ein Schl a g a n f a l l vpr etwa drei Jahren machte Balathijy völlig erwerbsunfähig und er war auf Unterstützungen von Verwandten -und Kollegen angewiesen. Die Not verstärkte den Trübsinn deS alten Mannes, und so ging er in den Tod, der eine Schmach .für Wien ist. Elfte, Festaufführung „Aida". Infolge des schlechten Wetters muhte die für gestern anberaumt gewesene elfte Festnufführung -der ,,Wa^ auf der Wen Warte auf heute. Montag. beMdben wttden. Die gelösten Karten) (mit dem- Datum 10. August) behalten für diese Grfatzvorstelluna ibre Gültigkeit.. Dirrtzentr Pietro MaLeagnt. Beginnhalb 8 Uhr abeM. Nach Schluß direkter Straßenbahrwevkehr nach allrn Richtungen. Mn weißer Rabe, Die große.schwedische Dichterin Selnm Lagerlöf hat es abgelchnt, der Verfilmung «ihres bedeutenden Rmnans „Gosta Berling" beizuwohnen, zu der sie von einer deutschen Filmges-ellschaft nach Berlin geladen wurde. In der heutigen Zeit der geschäftsmäßigen Betriebein der Kunst wahrlich eine seltene Ausnahme! - Bodenkauf österreichischer Juden in PalMm. Die Verkaussaktion palästinensischen Badens m«ter österreichischen Juden hat auch in der letzten Zoit., ungeachtet der Ferien, gute Fortschritte geimacht. Wieldev ist eine staatliche Anzahl von Parzellen am Karmel fest verikanift woMn. Auch Ae jüngst begonnene BeMmfSM'on ländlichen Bodens in A f ul eh für landjmvtfchaftlllche «NMung hat bereits giünstige Eli> g-ebnis se zu verzeichnen. JnnechM zweiter Wochen wuriden einige hundert Dunam an 2s4mix Jntevessen'ten, die ihre Uebersiedlung nach PalDina vorbereiten, «fest Megchen. Vom Afulch-B-oden snffallen aulf Guropa tm ganzen 8000 Dunam. Die Anmeldungen und konforme Vovmerikungen aus Osteuropa allem ühertreften hck weitem die ausgebotene Fläche in Afnleh^sa» daß bloß diejenigen Käufer *cmi/f Zuweisung deS gewünschten OuantumS rechnen Annen, die bis 1. September die vertragsmäßigen AnAahluugen geleistet halben. Die ganze 'Afuleh-TÜkton soll innerhalb weniger Wochen vollkommen zum Abschluß gelbracht werden. Allfällige Anlfragen Wer den Ankauf von PaWinalboden, insbesondere am Karmel und in Afnleh, täglich mit Ausnahme von Samstag von 10 bis 1 Uhr mittags im Palästmavchevab des Zionistischen LandeSkomitses, 2. Bez>, Tckbarstrahe 20 a. (TÄsphon G-3-T5.) * Steren Hajessod-SPenden per Luftpost. Die seit kurzem Vestchende Luftpost zwischen St. Francisco und New-Bork ist, wie die amerikanische Keren Hajessod-Kommission berichte,1, zum ersten Male firr die Beförderung von Keren Hajessod- Spenden benützt worden. Das Keren Hajessod-Komitee von St. Francisco-hat nämlich die dortfelbst eingeflossenen MonatSsteuem im Betrag von 26.0 00 Dollar an daS Hauptbursau des Keren Hajessod in Now-Aork auf dem Luftwege übernlittelk. Der 26.000 Dollar-Scheck hat die weite Reist von San ,Fvanciseo nach New-Vork in 36 Stunden zuvückgelegt. WUW,»,AO«.e R«ASM?;% m

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