Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1971 (10.8.1924)
- Date
- 1924-08-10
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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AUTO-BEILÄGE DER WlIcl^ER MORGENZEiTÜNG-ERSCHEINT SONISJäTAG’ «feite 1p VMM DUtzMzrWM um mm : MW SV&m Was braucht ein Kleinauto? ' 2. Sinfenverlust'. Das und nichts anderes ist der immer wieder ins Treffen geführte, klassische Abhaltungsgrund. Beinahe vröchte man sagen: Der Wunschautomobilistenschreck 1984. Zu Friedenszeiten, ja, da war es anders. Die 4 Prozi nt Zrnsen (bei einer Anschaffungssumme von 60*30 Kronen 200 Kronen) bedrückten niemanden, gar niemanden, auch nicht die allerbescheidenste Brieftasche. Heute dagegen hat der aus einem Autokauf resultierende Zinsenverlust ehrsurchtgebietende Höhen erklettert. 10, 20, ja selbst 30, 40, und 50 Prozent müssen wohl oder übel in Anschlag gebracht werden, wie viel, das ist ganz individu'lll, es kommt eben darauf an, wie der betreffende Autoreslcktant sein Gerstel angelegt hat, ob bei einer Groß-, einer Mmol- oder Ohne-Mittel-Bank. Derart schwankt her Zinsenabgang (bei einem 70 Millionen-Gefährt) zwischen 10 und 35 Millionen pro anno. Das sind Summen, fraglos, die memand leichten Herzens verschmerzt, nicht einmal der mehrfache'Insolventer, und schon gar nicht der einfache Milliardär. Mcht so ganz mit Unrecht pflegt der Autoreflektant von heute zu argumentieren. Wenn ich für die 10, 20, 30 Millionen, die mir durch das Auto an Zinsen entgehen, Taxi'fahre, notabene zur 4000fachen deckt das meinen Kilometerbedarf vollauf, und die Spesen, die der eigentliche Autobetrieb verursacht, sind, gewissermaßen gefundenes Geld. Nun denn, das ist ein Argument, düs sich i nicht so leicht — vielleicht auch überhaupt nicht — hinweg- . argumentieren läßt. Mag man hundertmal einwenden: Der Taxi ser eben kein Privatauto, sondern ein grauslicher - Klapperkasten, Lei dem man seine geraden. Glieder riskiere, was ein besserer Mensch sei, der besteige überhaupt , keinen Taxameter, weil er seine Benutzer deklassiere, ihn um den Rest seines (nicht mehr vorhandenen) Kredits bringe, überdies wären Ueberlandfahrten per Taxameter nicht zu erschwingen usw. — den eingefleischten Taxischwärmer kann das alles nicht rühren. Für Nuancen im Gang, fit* feinere Unterschiede in der. Fassade des.Wagens' fehlt ihK der Blick, Äutö ist Auto in seinen Augen, und was den Fahrkomfort anlangt, den das Lohnauto bietet, so ist er diesbezüglich nicht gerade heikel. Nur auf seine Brieftasche ist er es, aber schon sehr, er dreht die Million dreimal um, um sie dann erst recht nicht auszugeben. Auf siebenstellige Beträge, allein an Zinsen, zu verzichten, für nichts und wieder nichts, das geht einfach über seinen finanziellen Horizont, dazu kann er sich nicht aufschwingen. Wie hoch soll, darf, muß man nun eigentlich ... , r die Zinsenverlustquote in BetriebZrechnung stellen? Unseres Erachtens tun es 20 Prozent vollauf. Schließlich und endlich werden auch wir sanierte Oesterreicher nicht ewiglich auf so exorbitant hohen: Zinsfüße leben, wie dies gegenwärtig der Brauch, die Herren Geldverleiher und Bankiers werden es auch wieder einmal billiger geben, der Zinsenwucher wird abermals in unseren Wortschatz ausgenommen werden müssen. Reparaturen! Wiederum einer von jenen Begriffen, die sich mit fortschreitender Sanierung der Autotechnik dem Kraftfahrer mehr und mehr entfremden. Ja, für manchen Selbstfahrer ist er geradezu Fremdwort. Das kommt davon! Bon der Güte dkr Kleinautos nämlich. Sein Differential oder seine Hinterradbrücke fühlt keinerlei Bedürfnis mehr, auf offener Landstraße aus- 1 einanderzugehen, seine Federn sind stille Dulder geworden .und die Motorlager gehen, beziehungsweise laufen nicht mehr eigenmächtig aus. Heute fährt so ein Kleinautomobilist 10.000 Kilometer und darüber, ohne mit der Reparaturwerkstätte flüchtigste Bekanntschaft zu machen- Und auch nach Absolvierung dieser Distanz halten sich die RetablierungSspesen, bewährte Marke und Type vorausgesetzt, in durchaus mäßigen Grenzen. Und dies, obwohl die Menschenarbeit an sich bedenklich hoch über der Friedensparität steht. Nämlich: die Arbeitsintensität hat gelitten. Man leistet nicht mehr daswas im Frieden, und diese volkswirtschaftlich tief bedauerliche Tatsache, verschärft noch durch die sozialen Abgaben, die auf jeder einzelnen Arbeitsstunde lasten, kommt, in den Fakturen für Autoreparaturen zum mehr oder minder scharfen Ausdruck. TnH alledem: Die V : Reparaturquote pro Kilometer zeigt entschieden fallende Tendenz.. Zehn. Millionen jähr- ' Üch, vom zweiten Benützungsjahr an, dürften in -der! Regel hinreichm, den Reparaturbedarf eines modernen l Kleinwagens zu decken. Bei Antiquitäten freilich, bei! Wagen rm gefährlichen Alter, sind die jährlichen Repara-! turriSkcn schlechterdings unberechenbar, betragen sie doch j nicht selten ein Vielfaches vom jeweiligen Sübstanzwert * der Karre. i In diesem Zusammenhang scheint es uns opportun,! auf eine Neuere „Käufermode" hinzuweisen, die sich stark eiNzubürgern beginnt: Der '., . >• .. ' ~ Autowechsel zum Jahreswechsel. Oder noch häufiger:, zum Saisonwechsel. DaS heißt, in jedem neuen Frühjahr legt, man fich so ein fabriksneues Meinauto zu. Sei es durch Aufzahlung beim Zwischenhändler oder in der Fabrik selbst, fei es durch privates Abstoßen des alten und Vollauszahlung des neuen Modells.. Ohne Zweifel, diese Methode hat viel Bestechendes an sich. Der Wagen, mit dem man fährt, ist stets das Letzte und Neueste, von konstruktiver und nicht minder von äußerlicher Eleganz, und was die Hauptsache, ist, von beinahe jungfräulichem Wesen. Zudem ist der Bruchsicherheitskoeffizient der denkbar größte, die Wahrscheinlichkeit, das Reiseziel defektlos zu erreichen, eine sympathisch hohe. Auch vom pekuniären Standpunkt besehen, bietet das System des alljährlichen Wagenwechsels viel Verlockendes. Man rollt stets unter Fabriksgarantie, zumindest, in den Reisemonaten, im Frühjahr und Sommer, wenn also etwas am Wagen bricht, was verschlägts, es bricht ja zu Lasten der Fabrik. Die Sorgen der Generalreparatur aber bleiben dem zweiten Besitzer Vorbehalten. Die Rechnung ist eine glatte: 10 bis 15 Millionen Aufgeld auf das leicht überfahrene „wie neue" Fahrzeug und der niegelnagelneue Wagen, Hochmodefarben, mit den-letzten Errungenschaften und Finessen versehen, , hält feierlichen Einzug in die Garage. „Was sagt man, 36. hat schon wieder einen neuen Wagen!". So flüstert sich's der Ringkorso zu, und ahnt nicht, wie billig diese Noblesse zu stehen kommt. Nun. aber zurück zum Hauptthema. Das Reparaturkonto ist ein veränderliches, es wird, ganz abgesehen von der Güte des Wagens, von den Fahrtalenten des Lenkers, seien sie nun Positive, oder negative, seiner Sorgfalt in der Wartung und der Qualität der Reparaturwerkstätte bestimmt, Daneben noch von manch anderen Momenten. Immerhin: Mit 10 Millionen pro Jahr ist. das Reparaturkonto im leichtautomobilrstischen Haushalt hinreichend' dotiert.; Und die Versicherung? Auch diesbezüglich lassen sich ziffernmäßige Angaben nur.Mit Vorbehalt geben. Es gibt bekanntlich -?• - ' Freunde und Feinde der AüLoversicherung gegen alles und jedes. Leute, die da vorgeben, sie hätten ihr Geld nicht gestohlen,' daß sie es in Versicherungspolizzen investieren würden, andere wieder, die, eben weil sie ihr Geld nicht gestohlen haben, keinerlei Bedürfnis empfinden, es beim nächstbesten Akzident einzubüßen. So steht hier Standpunkt gegen Standpunkt, , und jeder hat. seine Berechtigung. . Das eine steht fest: Haftpflichtversicherung ist eine unabweisbare Notwendigkeit für jeden verantwortungsbewußten Automobilisten. Versicherung gegen Brand, Unfall und-Kollision dagegen ist nicht unbedingt erforderlich. Hochwichtig aber die Diebstahlsversicherung, zumal für Herren „ohne Chauffeur". Wer seinen Wagen stunden- oder gar tagelang sich selbst, überläßt, muß ihn wohl — Wiedersehen macht bekanntlich Freude! — gegen die Betriebsamkeit der Herren Langfinger immunisieren, auf daß er — zumindest — sein Geld wiedersehe. Wohl gemerkt! Die landesübliche Versicherung gegen Autodiebstähle verwahrt beileibe nicht vor Schaden. Nur wenn der ausdrückliche Vermerk: „Die Versicherung gilt auch dann, wenn der Wagen längere Zeit hindurch unbewacht stehen bleibt" -oder so ähnlich die Polizze ziert, ist der Schutz ein vollkommener. Auf „vorübergehend unbewacht" und ähnliche „gerissene" Ausdrucksweisen, wie sie in den Polizzen so oft zu finden sind, lassen man sich unter keinen Umständen ein. Die Versicherungsprämie (Diebstahl, Unfall, Haftpflicht usw.) bei einem 60 Millionen-Objekt beläuft sich auf rund 1,5 Millionen. Nun zum Kapitel Amortisation. Ca depend, pflegt der Franzose zu sagen. Hängt ab in erster Linie von der Popularität des Fabrikats, der Beliebtheit der Type, von der Marktgängigkeit des Wagens. Besonders unser Wien schwärmt so gerne. Der Name (einer schönen Schauspielerin, eines'begabten Wirtshauses, eines rassigen Wagens) fliegt irgendwo auf und schon ist tont Vienne begeistert. Solch a la Mode-Wagen — der Zustand ist übrigens ein flüchtiger ist spielerisch leicht änzubringen. Man reißt sich förmlich um ihn. Sein Abberkauf bereitet keinerlei Uttgelegenherten, vom Käsfeehaus weg frNddü sich Liebhaber für seine Reize. Wie die Dinge dermalen stehen (und die'Kurse dermalen liegen), find es die kleinen und leichten, die kleineren und noch, leichteren Wagen, die hoch in der Gunst der Verbraucher stehen. Steuerrösser, die nicht vorhanden sind, erzielen Höchstpreise. Darum, wer vorausschauend genug ist —, und das sollte 'jeder von uns fein in diesen geldknappen Zeitläuften —, bereits am Tage der Anschaffung des Wagens an den Tag seiner Abschaffung zu denken, müßte sich bei der Auswahl von Marke und Modell allen voran vom Gesichtspunkte der Modernität der Type (Modernität im Sinne von „in Mode sein") leiten lassen. Tut er das, befolgt er unseren Rat, wird er zwar nicht jahrzehntelang seiner Leibmarke die Treue halten können, weil kein Fabrikat auf Gottes Erdboden ewig en Vogue bleibt, dafür aber mit den denkbar geringsten Verkaufsverlusten (sprich Amortisationsquoten) wegkommen. Setzen wir nun den Kaufschilling für den Durchschnittsvolkswagen mit 70 Millionen ein und akzeptieren wir als Kilometerjahresdurchschnitt des bescheidenen Benützers 10.000, so übersteigt die Differenz zwischen An-, und Verkaufspreis keinesfalls 15 Millionen. ‘; Nun zur Abwechslung wieder eine herzige Addition. 10.000 Kilometer laufende Unkosten . . . . . K. 6,500.000 Zinsenverlust... . „ 14,000.000 . Amortisation . . , . . .. . . . . . . . . . „ 15,000.000 Versicherung ................ 1,500.000 Generalreparatur . ......... . . . „ 10,000,000 j Totalaufwand pro Jahr. . . K. 47,000.000 Also: 50 Millionen Kronen, alles in allem, verschlingt so ein Volksauto, im Betriebsjahr. Das ist aller-. Hand und gewiß mehr als der Außenstehende vermuten, würde. Zu seinem und unserem Tröste: Es läßt sich billiger machen, bedeutend billiger. Für Leute, beispiels- : weise, die günstiger einzukaufen und teurer zu verkaufen wissen, als wir es hier annahmen; für jene, die ihr Kapital minder profitlich angelegt haben, für Routiniers - des Kleinautos, die dank vorsichtiger Fahrweise und sorg- : faltiger Behandlung das Repäraturenkonto unter das i Durchschnittsniveau zu bringen verstehen. Allein auch die i anderen, die Großzügigen, die Unerfahrenen (weil, wenig 'Gefahrenen), werden keine. 50 Millionen jährlich für-den , Kleinwagen ausgeben; sie werden sie bloß nicht-ein- 'nehmen. Was immerhin.ein Unterschied ist. , sam GRAND PRIX VON EUROPA 4 ♦ ♦ ♦ 4 4 4 4 4 444444444444444444 ♦ ♦♦ 4 4 ♦ ♦ Sensationssiege das Solex Erster: Mathls Zweiter: Mathls Dritter: Mathls Verlangen Sie noch heute Anbot von I ng. M'EN D EL & KALLA! Wien, I. Bärtensteingasse 4 :: Tel. 24-1-66 u. 29-0-87 ICH FAHRE NUR mit GOODRICH Souple-Cord und Vollgummi- Reif e n Autozubehöre Reparaturen Vollgummipresse Kaufmann & Eissler Wien, III. Ungargasse 12 a :: Tel. 7388 u. 842/2 Wie schützt sich der Sportsmann am »fehersten gegen UnfMlife jeder Art: Durch Versicherung gegen Unfall und Haftpflicht I Besonders wichtig bei Betreiben von Körpersport (auch Wintersport), Radfahren und Reiten. Für Autobest txeri Auto-Ilnlversal-Verslcherung deckt alle ftjr Automobilisten in Betracht kommende Risken in. Je 5 Ue-A w B a I S ■ » zu den kulantesten MM eillET rOllIZC Bedingungen. MW keetenlofo Auefcthtft« bat der Direktion dM Wh Mftktions Wieg, I., Stock-lm-EisenplÄti Br. , . r.-KrW-M.- «HMtzvE nftOliO-DANUBIAIt.LI.OYD, Allgemeine VereicUeranrt^** Tel, Nr. 744*8, 74443. - Wien, A*pornpl&tx h Toi, Nr. 5538, 2061.