Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1971 (10.8.1924)
- Date
- 1924-08-10
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Mett, 'GonttkH Wiener Morgenzeltung. M. August im Rr. IM * * n 0 P [ B f R I ( H T Tan; und Mode. Deir Tanzmit 'bestimmten Schöpfungen einer, vorherrschenden Modein Verbindung bringen zll wollen, wirb schwer gelingen. Getanzt wird aus ästhetischen und aus sportlichen Gründen — weil man dick ist, weil man dünn ist, weil man traurig ist und tveil mau lustig ist. Qo, vom Hörensagen weiß ich, daß es Leute gibt, die sogar aus erotischen Gründen tanzen. Ich werde mich also mit allen diesen Möglichkeiten in Beziehung zur Mode beschäftigen müssen. Nur den religiösen Tanz — die ältesten Tänze waren religiöser Natur — glaube ich heilte beiseite lassen zu können. Der moderne Kunsttanz entbehrt ja fast jeder Kleidung und wird daher glücklicherweise nur von durch Gott dazu prädestinierten Einzelindividuen ausgeführt. Manchmal leider auch von anderen, aber dann wehrt man sich rechtzeitig. Denn die ältesten, unmodernsten Ansichten über den nackten 'Körper, die bis in das graue Altertum zurückreichen, sind noch heute tonangebend. (Von meinem Abendkleid, das nur ein Jahr alt ist, kann ich das leider -nicht behaupten. Die Schöpferin war aber auch alles eher als göttlich.) Die moderne Gesellschaft hat aber auch Tänze, die durch kunstvolle Bewegungen zu eigenartig exotischer Musik eine ästhetisch 'dekadente Aufmachung haben. Ich habe häuftg in Tanzlokalen zechende, lärmende Gesellen verstummen sehen, wenn ein entsprechend gekleidetes Paar formvollendet Tango getanzt Zat.. Zur glücklichen Wirkung ge^rt eben das passende ernste oder zumindest edel-festliche In -diesem kann man dann alle Tänze wagen: Man darf ja den Shimmy oder Double Fox dem Kleide zuliebe Mhiger tanzen; man soll aber nicht einer schlechtgewählten Kleidung — Touristendreß, bunter Jumper usw. — zuliebe den Tango oder Boston mit Kapriolen versehen Wenn -man früher sagte: ,Kdel verpflichtet", könnte man in diesem Falle sagen: Kleidung verpflichtet!" Ich bin Überzelt, daß das gute Kleid viele Paare vor unschönen Bewegungen bewahrt; die Kultur des Tanzes wird gehoben und verfeinert. Das sollten endlich die tanzenden Menschen wissen, dann würden die neuen Tänze auch unter den nachdenklichen Leuten nicht so viele Widersacher finden.;x. {^sünsrj Elegante (Damenhute M&A L Mahlers fasse ft Okkasfonsverfauf von eleganten Damenhüten K250,000 p EIN FUSSBALL-ROMAN VON SIDNEY Rachdnick Vorbehalte». 41. Frrtsetzun«. Weder Bell noch Tommy Dean konnten gehalten wer- den. Ihre Läufe elektrisierten die Menge. Als Abschluß eims Vorstoßes von Dean, wobei dieser seinen Weg zickzack wie ein menschlicher Korkzieher durch die Verteidigung der Swifts bohrte, kam der Ausgleich, ber schon längst in -der Lust lag.'Ein wunderbarer Zenterball, den Marr mit : dem Kops aus der Lust holte und sicher gegen das Tor köpfelte, wurde zwar die Beute des Swift-Tormannes l Thomson, aber bedrängt von zu viel roten Feinden konnte! Kt. nichts lbesseres tun als ihn wegfäüsteln. ' j' Ziemlich außerhalb des Gedränges stand der große Bill Lennie und lauerte. Als der Ball'aus dem kämpfenden Menschenknäuel herauskam, fiel er gerade vor Lennie zu . Boden, der ungehindert schoß. Der Ball begann seine Reife i v« Lennies Fuß und endete im Netz. Der große Bill war der Stoiker der Hollywood-Mannschaft. Man hatte ihn noch nie begeistert im Siege oder veWverfelt bei einer Niederlage gesehen. Diesmal jedoch als die 30.000 Zuschauer einen brausenden, -begeisterten Sang anstimmten, vollführte Lennie das erstemal in seiner Fußballkarrieve einen Kriegstanz bis in die Feldmitte. Er j vollführte diesen begeisterten Tanz mit drei Äürmern und ,DoeiH<flfbacks,dieihmam Halse. hingen, was sowohl von 1 feiner Kvrperkttvft als auch von seiner guten Laune zeugte. jEr schien seinen Hexenschuß -vergessen zu haben, jedenfalls j Awach er nicht davon. Es war überhaupt Lennies Match. Ms, einzige weitere ijVöal des'Däges'in''-er. zweiten Spielhälfte hatte ebenfalls ihn zum Erzeuger. Er, Bell, und Marx hatten eine Mion übern ömiyeth-die von Warviner. durch einen langen Die Mode hat immer einen Einfluß aus den Tanz gehabt. Warum ist das zierliche Menuett emer hnnten, koletten Kleidung Vorbehalten gewesen? Am wenigsten war der heiter-iernste/bitter-süße. Walzer von dem Kleide abhängig. . Er sah in großer Abendtoilette ebensogut aus wie im Wäschermädelkostüm. Aüf die' formvollendete Harmonie kommt es an. Diese zu erreichen, ist Sache des guten, kultivierten Geschmackes. Wir können uns ja das Kleid wählen, nicht wählen können wir leider den Partner! Noch nie wurde so viel getanzt als heute. Man tanzt zu Mittag, am Nachmittag und am Abend. Aus den Bädern und Kurorten kommt die Nachricht, daß auch schon früh am Strand getanzt wird. Das ist aber wohl nur Sommerfreude, Ferienübermut. Wirklich eingebürgert hat sich nur der Fünfuhrtee und der Tanz am Abend. Daß man zum Tee nicht schon in großer Llbendtoilette erscheint, wissen wobl heute alle Frauen. Das Repertoire der diesjährigen Mode an Nachmitt a g s k l e i d ch e n ist endlos. Jedes von ihnen ist reizend. Charakteristisch für die gute Wirkung ist die einfache Linienführung, die mit scheinbar geringen Mitteln erzielt wird. Ein Kragen läuft in Schalenden ans, sie bilden gleichzeitig den Aufputz; ein Umhang ist so geschnitten, daß er wie ein Schal uw den Hals gewickelt werden kann. Die Krawatte wird einmal, zweimal und öfters durch den Stoff gezogen und die Wirkung ist viel lebendiger, als w'nn sie glatt berabhängt. Das, was die kleinen, schlichten Kleider wertvoll macht, ist nur das Material, darin unterscheiden sich die Kleider für den Bormittag von jenen, die man nur am Nachmittag trägt. Es wäre ein großer Verstoß, dies nicht zu buchten. Seide, weiche Seide, glanzend Seide, Seide durchwirkt von herrlichen Mustern, Seide bestickt, Seide in allen FavbenzUsanrmenstelluugen — Schwarz-Weiß und Rot — im Vordergrund, das ist das Material des Nachmittagskleides. Und dies mtt vollem Recht. Die Frauen sehen in Seide schlanker aus, ihre Bewegungen darin sind irgendwie weicher, Vorteile, die beim Tanzen voll zur Geltung kommen. Wichtig ist, daß das Kleid eine bequeme Weite hat und sich nicht bei jeder Avmbewgung heraufzieht, ein Fehler, der außerordentlich häßlich wirkt. Bedeutend kostbarer sind die Abendkleider, unter denen das Gpitzenkleid die erste Stelle einnimmt. Aber auch metallisch glänzendes Material wird viel verwendet; es kommt aber nur für die wirklich schlanke Frau in Betracht. Aparte Modelle werden aus emgefärbten Spitzen in Gemeinschaift mit weichem Seidencrepe verfertigt. Es existieren unzählige Möglichkeiten, das kostbare Spitzenmaterial in reizvoller und verführerischer Weise zu verarbeiten. Auch Taft, der ei ne Ze ttlang in Vergessenheit geraten war, taucht wieder auf. Und mit den Taftkleidern zugleich -bemerkt man, daß neben der schmalen, schlanken Linie Plötzlich wieder der weite Rock in Sicht konmtt. In der Tat dringt aus der Modezentrale Paris eine Fülle von Anregungen, oie sich mtt dem wetten Rock beschäftigen, zu uns. Häufig werden an den Abendkleidern zweifarbige Strautzfedern angebracht. Diese Mode, ' die sich schon im Wint-r einzuführen begann, scheint für die sommerlichen Abendkleider begeisterte Aufnahme., gesunden zu haben. Strauhfodern geben dem Kleide, aber auch der Drägerm Paßball zu seinem Mittelstürmer vorbereitet und vo» Mar» sofort wottevgeleitet wurde. Gin hitzköpfigerer oder egoistischerer Stürmer als eS Dick Marr war, hätte den Schuß vielleicht selbst gewagt, er aber schob das Leder zu Lennie hinüber, der noch bester placiert war, und der gigantische Linksinnen schoß, ohne eine Sekunde zu zögern, das entscheidende Goal amt einer Gewalt, die dem Tormann alle Finger gekostet hätte, wen» er imstande gewesen 'wäre, das blitzschnell a» ihm -vvvbei-> sausende Leder auch nur zu parieren. Berzweistlt strengten die Gäste sich an, mn den- Ausgleich zu erzielen, aber die weltberühmten Stürmer hatten bereits den Mut verloren. Wrenlock deckte den bliutftrngen Simmins, den 19jährigen, unter dem Namen „der Knabenin-ternationale" bekannten Swiftsstüvmer vollständig ab, während am anderen Wügel Nixon, .mit Wer schottischer . Beharrlichkeit Milden, den Wuuidevman,», den Flügelsturmer, der mit dem -Fußball jonglieren konnte wie. ein Kartenkünstler mit Spielkarten, in Schach hiekt. . So endete das Spiel für die Swifts mit einer größeren Niederlage als es das Stove zum Ausdruck brachte. So dachten wenigstens die Massen, denn als der Schlußpfiff des Schiedsrichters ertönte;, überfluteten ste mttex pfefrt« bm Bcksäll da s Feld. . Unzählige Napften die Kieler auf den Rücken, fremde Leute nannten sie mtt Kosenamen, von denen sie nichts gewußt hatten -da kam es «den Hollywood-Spielern Plötz-.. lich zum Bewußtsein, daß 'ihnen aus dem gvoßen RiM eine Anhängerschaft erstanden 'war, die sie mm chrte. In der Klübkanzler faß ein junger Mann mit dicker. Hornbrille und schrieb mtt Mr-rnden Fingevn einige Wern nieder. . „Einnahmen 3660,10-8 Pfund" wiederhoWtz . er» »während er schrieb. ,Mrn, Sam, was denken Sie davon?" Wer Sam Hollifter' schien. 'in diesem AügenMck.'gar. ivichts W 'deniken. Er faß in feinem Stuhl MvückgÄchnt, seine Pfeife zog diesmal gang gut. ..mch.r M,'. Wem. stzP. .fo' grimmigen Gesicht lag ein glückstrahLrW ^Lächeln. Er ftch an§. M wenn er in feinem.ganzen Leben BanM Magenschmerzen gehabt Wie. etwas Leichtes, Spielendes, und ihre Schönheit konunt im Tanze voll zur Geltung. Die Schöpfer der .Mode strengen ihre Phantasie an, immer etwas Neues.zu. geigen. Die Frau braucht nur zu wählen; esist eine Geschmack-und eine Geldfrage. Der ästhetische Schein, muß unter allen Umständen gckvahrt bleiben; das Gesetz des Taüzes. verlangt es, daß die Frau möglichst schlank äusstcht. und sich -imnter dem Rahmen anvaht, innerhalb dessen sie gefallen/will. ' ' " Ina./ Mode und PatriotismiW. Es war im ersten Kriegswinter. In vielen Sitzungen und Versammlungen wurde das Thema erwogen, wie man die Arbeit der deutschen Modeindustrie vom serndttchen Ausland, also vor allem von Frankreich, fortan-unabhängig halten könnte. Dabei ergriff auch ein würdiger, allseits beliebter Vertreter der Berliner Konfektion das Wort, um mit warmem und aufrichtigem patriotischen Elser für die Schaffung emer selbstständigen deutschen Mode emzutreten. „Hören wir auf, rief er, „mit der Ausländerei, die unsere ganze deutsche Mode, unsere Bekleidungsindustrie in die Sklaverei fremder Vorbilder, ^gebracht hat! Wir alle müssen danach streben, daß unsere Zeichner, unsere geschmackvollen Fachmänner und Mitarbeiterinnen Modelle eftinden, die nun auch wirklich den Stempel unsrer Art, unserer Kultur, tragen. Was wir haben müssen, meine Damen und Herren, sind --deutsche Nom veautes " _■ Die Lockenfülle in Sickt. Wi« nicht anders zu erwarten, hat der Bubikopf nicht die Mode einer Saison überlebt. Di« Sehnsucht nach langen Haaren ist gerode. bei..den -Modedamen am größten, die früher nicht genug-eiftig Kr > eme möglichst kurz geschnittene Frisur eingetreten sind. „Viele.Mutter, erzählt -der „Figaro", „haben sich entschlossen, ihre Tochter wahrend der Sommermonate der stillen Einsamkeit emes Landaufenthaltes an-zuvertranen, damit sie nicht durch ihre aus der Mode gekommenen Bubiköpfeauffallen. Die also den'Freuden der Geselligkeit entrissenen Schönen geben sich während dieser Zeit ganz der ebenso anstrengendeii wie spannenden Beschäftigung hin, ihr Haar möglichst wachsen zu lassen. Tagtäglich betrachten sie die Fortschritte, die ihr Haarwuchsmacht, uw sparen nicht an Mitteln, um ihn zu 'beschleunigen, In der Zeit, in der das Haar halblaua ist, ist es so schwer zu frisieren und sieht so häßlich aus, dass die Dame -sich in dieser Berfaffung wirklich vor ihren Verehrern, nicht sehen lassen kann. Alle Hoffnung wird ans den Herbst, gesetzt. Da soll das, Haar soweit sein, daß es wieder seiner Trägerin als Schmuck dient und de« ganzen Spuk des Bubikopfes vergessen macht." - ' PERMANENTE AUSSTELLUNG Kunstgewerblicher. Arbeiten Liier Apt Binsen / Bandarbeiten / Hippes FeineDamenwäsehe Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT Hanna Menzel & Cie* Kunstgewerbe Wien, I. Burgpassage 6. Kapitel. Der Derrsckionsklrch. . -Zümdet einen Hsufchober an und sehet, , wie die Mamiwarfimt Himmel schlagen. So ging es m Hollywood M. Der Sieg über die Swifts — ein Steg, der jeden FuWÄllpropheten im Lande mtt emer einzigen Ausnahme (rmser Freumd Jimmy Dunster «war diese vevtrauensvEe Seele) maßlos überraschte, war das Zürcholz, und die Teilnahme der HoWywooÄ-BevöWe^ für Assooiation Fußball der Heuschober. Die Beglettevscheiumig dieses Bvandes war ein Fsuerschsin, der sich über das ganze Land zu . verbreiten Wen. In fernem Kommentar über das Spiel dieses Samstags fchvivb der weife Rvdafteur ' der »Mthletic Wvvld": „Diese Hoillywood-Afläve ist. das RätseHaftefte, was mir je im Kchball dovFÄommen ist! Sam Hollifter hatte gut spekuliert, aW ov die 1600. Pfund Bestechung der Swifts, das Match in DuvwinMmr auszutvagm, ausgeschlagen hatte. Seine Handlungsweise hatte da's Sportgewisten der StM mehr als. alles andere ausgerütteilt. Wie eine neue QsstrEavung kam es über die Stadt, daß es eine der besten Fußhallmannlfchaften des Landes war, die unter ihrem 'Namen fpistte. Und plötzlich wurde Hollywood stolz aUj ftönen Klub." Die Psychologie eines FußhallpMiöu'Ms ist seltsam. Wen« -foine ^Mngsmannfchast Erfoiltz hat, kennt fein Chrgetz und . feine GvwaMng keine Grenzen. Nachdem eine -der bestbekannten Mannschaften dles Landes -besiegt worden war, sah Hollywood'keinen- Grund, warum die.wackere« Bursche« in der roten Dreß nicht-noch größere' Heldentaten voMrtngen sollten. . . ' . ' / Ban dem AügenMck an, aA der große Bill LenM das sisgjbrmgLnde Goal gegen die. Swifts, geschossen hatte, steigerte sich die Erregung der Masse bis -M Fvebechitze und w'jedem Haust 'der ganzen Maflchaft stellten die Enthusiasten Bermntungen an, gegen wen wohl ^Hollywood in der nächsten Runde outveten würde, die am Montag nach«. mtttagK «OgeLost werden Wie. Der Hauptveiz dieser Aaubechafien' EinvichtunL dvS englischm Pokals, lag in der UngöwWe-it.der AumchMg. Ruhm und BegeffaHM beides konnte sich gleich rasch einstellen.