Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1971 (10.8.1924)
- Date
- 1924-08-10
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981054--20026-3007220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Skfte 10_ Wen, Sonntag_ Wonnerstäg als Abschluß des Schönherr-ZyklM des Dichters Mindertragödie" und „D i e Bildschnitzer" Samstag de« 16. d. gelangt als Eröffnungsvürkstellnnginder neuenSpiel zeit das romantisch;. -Lustspiel „Die Freier" von E i ch e n d o r s f, in der .Bearbeitung von Otto Z o ff, mit der Musik von L ah us e n!z«r Erstaufführung. Montag den 18. d. wird Rudolf T y r o l t, i,der aus diesem Anlaß seinen Sommerurlaub unterbricht, in der! Neueinstudierung von A n z e n g r u b e r S „D a S v i e r t e -Gebot" einmalig den alten Schalanter verkörpem. Den! Marttn spielt Anton E d t h o f e r, den Stolzenthaler Hans i H o m m a. Dienstag den 19. d. wird die Groteske „Sechs lPersonen suchen einenAutor" in den Spielplan -dieses Theaters ausgenommen.! In den K a m m e r s p i e l e u findet Donnerstag den!14. d. um 8 Uhr abends die 80. Aufführung der Revue!MaS Frauen träumen" statt. > Carl-Theater. Heute gibt als Abschiedsvorstellung ideS Amerikanisch-jüdischen Kunsttheaters Herr Direktor Morris S ch w a r tz einen einmaligen ^Rezitationsabend, bei welchem er das Volksstück -von AnSky „Der Dybuk" zum Vortrage bringen wird.!— Dienstag beginnen die Mitglieder der „W i l n a e r -.Trup p e" das von uns bereits angekündigte mehrtägige Gasti spiel. Sie werden cut diesem Tage Max N o r d a u S Drama f„D oktorKohn" ausführen. > Im R a i m u u d - T h e a t e r gelangt bis zum 18. d.! täglich ' die Operette „D i e tolle Lola" zur Aufführung, rSamstag den 16. d. setzt die Exl-Bühne wieder ihr Gastspiel in diesem Theater sott.' ZmJohannStrauß-Theate r.findet Samstag den 16. d. die 73. Aufführung der Operette „DeSKönigS Nachb arin" statt. Theater in der Josef st ad t. Morgen findet; die erste Wiederholung der Tragikomödie „Sonkinund der Haupttreffer" statt. Dienstag wird die Komödie! „S ch n e i d e r W i b b e l" von Hans Müller- -Schlösser zum ersten Male aufgeführt. Lustspieltheater. Heute 4 Uhr nachmittags „Der keusche Lebemann". Allabendlich setzt. Karl. Knaack sein Gastspiel in „D i e K l e i n e v om V a ri e t 6". mit großem Erfolg fort. Die Staatsoper beim Musiku«d Theaterfest. Wie bereits berichtet, ist durch die Einigung zwischen, dem Finanzministerium und der Bundestheaterverwaltung die Mtwirkung der Staatsoper am Theater- und Musikfest der Stadt Wien gesichert und das angesetzte Programm'bleibt'vollständig aufrecht. Die Uraufführung der „Ruinen von Athen" und „Geschöpfe des Prometheus" von Beechoven (textliche Bearbeitung . von Hofmannsthal) findet am 20. September statt. Am selben Abend' wird das Ballett „Don Juan" von Gluck gegeben - (Dirigent Richard Strauß). Die teilweise neu inszenierte „Zauberflöte" wird aw 2. Oktober aufgeführt - (Dirigent Direktor Franz Schalk). Die erste ,Sledermaus"-Auffüihrung in der Neuinszenierung ist am 8.. Oktober. Die Uraufführung zweier Sätze der nachgelassenen Symphonie von Gustav Mahler ist für den 11. Oktober angesetzt (Dirigent Franz Schalk). Der Mozart-Zyklus der Oper, der am 15. September mit der ,-Entsührung ans dem Serail" beginnt,»enthält außer/der. bereits erwähnten „Zauberflöte".noch „Don Juan" im.Operntheater sowie „Figaros. Hochzeit" und „Cofr fän tutte" im Redouteüsaal. Ferner bringt die Oper eine Uebersicht' über das deutsche und deutschösterreichische. Opernfchaffen der Gegenwart, und zwar Werke.von Bittner, Kienzl, Korn-gold u. a. Bon Richard Strauß'wird der „Rosenkavalrer", „Ariadne auf Naxos" (mit Kurz, Lehmann, Duhan ' und Picccwer) und „Schlagobers" gegeben. In „Schlagobers" wird Leoncavallös ‘ ,Mrfazzö" aufgefuhrt. . Äks; Probe ihrer besten Aufführung , eines italienischen Werkes bringt die Oper . 'überdies am , 30. September.Verdis „Maskenball". Am^. Oktober findet im Redoütensaäl die Evstäufführung des ,Mrrgers als'Edelmann" von Richard.Strauß als gemeinsame Veranstaltung des Burg- und Operntheäters statt. 11. Festauffuhrung „AÄa". Heute Sonntag findet äH der - iHcchen Warte die 11. Festausführung „Aida" statt. Dirigent Pietro Mascagni. Beginn halb 8 Uhr abends. Nach Schluß der Vorstellung direkter-Straßenbahnverkehr nach allen Rich« - tnngen. — Die Ausführungen werden bis zum 17. .August Wfk! verlängert, und zwar fmden ditzse letzten Vorstellungen am 12./14., 18., 16. und 17. August 1924 unter persönlicher Leitung von Pietro Mascagni statt.- , Konzerte im Burggarten. Aus der reichen Fülle der Der-, anstaltungen, die das abwechslungsreiche Programm im Burgaarten bilwen, seien einige hervörgehooey. Da gab' es einen bnnten Abend'mit einem ganz österreichisch gehaltenen Musik-. teil, an welchem 'Klara Musil, die ausgezeichnete Koloratursängerin, mitwirkte, während'die anderen Kunstdarbietungen von einer Reihe bewährter Kabarettkräfte bestritten wurden. An . einem anderen Abend wurde nach einem symphonischer^ Programm, in Hessen Wtte Mma Brasser Avei Arien vor-' trug, die Groteske von Paul Czinner ,Matans Maske"'; mit guter Wirkung ausgeführt. Auch an schwerem Geschütz hat -«s nicht gefehlt. Ein Wagner-Bruckner-Abend wurde von;Dr. Richard Ehr mann geleitet, die Opernsangerin Elsa lEhrmann-Trilety war fürden vokalen Part ausge-!boten. Hilde Rings spielte an.'einem 'bunten Abend das -Violinkonzert von Max Bruch, Alice Lach trug.zwei satirische! Chansons vor und vereinigte sich mit' rhrem Kollegen vom 'Modernen Theater Engen Jensen zur Wiedergabe eines z Sketches von Fanfarron „Der Herr OberroMeur". ' - Ferdinand Onno verlaßt. Men. Ferdinand Onno kehrt |nach ISjähriger Täticsteit in Wien unserer Stadt den Rücken,!um einem Ruse nach München Folge zu leisten. Direktor. . W e i s s e brachte ihn vom Landescheater in P r a g an das Deutsche Volkstheater, wo er bald durch seine verinnerlichte Menschengestaltung eine hevvorrEnde Stellung im -EnsemIblL einnahm. Später war er' am' Stadttheater Gunter Jarno, an der Residenzbühne unter Bernau :und zuletzt.am Modernen Theater tätig. Eine ausge-■ ' zeichnete. Schauspielerleistung, .würdig, ftr die Erinnerung zurückgerufen zu werden, war seine Verkörperung des Jeremias i in dem gleichnamigen Drama von Stephan Zweig, f Busonis größter Heiterkeitserfolg. Busoni verdanktei seinen größten Heiterkeitsersolg einer .nicht funktionierenden! Klaviertaste. In der alten. „Gentlements Concert Hall" in -Manchester bemerkte das Publikum in einem Busoni-Konzert. 'mit wachsendem Erstaunen, daß Busoni irgendwie mit seinem! Konzertflügel nicht zurechtkam. Plötzlich setzte das Spiel'aus, -Busoni drehte sich aus seinem Stuhle dem Publikum zu.'und jho'b mit einer Geste der Verzweiflung die Arme in die Lust. -Daraus großes Hin und Her auf dem Podium. ^Dxr. Veranstalter des Konzerts hielt eine kleine Ansprache, deren!Quintessenz darin bestand, daß eine Taste streikte, d. h. nach -dem Anschlag nicht mehr in die Höhe kcnn, daß über nun an-! geordnet sei, daß Herr Dayas neben Herrn Busoni sitzen, und!nach jedem Anschlag die Taste wieder in die Höhe stupsen -werde. Nun entwickelte'sich eine äußerst komische Szene: Busonis Hände rannten fieberhaft über die Tastatur, während! Dayas' Finger wie wild'zwischen ihnen in die Höhe tippten,!hi's die beiden'.Künstler in lautes Lachen ausbrachen und unter ' i schrankenloser! Fröhlichkeit der Zühöterschast das! breMttfckc * Wiener Vlovsenzeituns. iO. August 1924 Nr. IM -- ■ .T IIIIHIHIII Alle Arten von Bankgeschäften liiiniinii Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Wien, I. Seitzergasse 4 ,BSfSr Telephon: 22-8-90 Serie i04&5 Telegrammadresse: Prapobank Kredit- und Warengeschäfte Selbstmord der Maglstratsdirelto« von Steyr. Än Opfer politischer Berfolg«nge«. In Steyr hat vorgestern der ehemalige M-agistratSdirektor der Stadt, Dr. Franz Habl, durch Einatmen von ^Leuchtgas Selbstmord verübt. Er war wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt in der ersten Instanz sveigesprochen worden; nunmehr hat der Oberste Gerichtshof das Urteil /der zweiten Instanz, .die HM verurteilte, betätigt. Unmittelbar, nach der Zustellung des UrteAes hat Dr. Habl die Tat begangen. .In einem zuruckgelassenen Schreiben macht sr die sozialdemokratische Partes für die unbegründete Anklage, die zu seiner Verurteilung und zu seinem Selbstmord führte, verantwortlich. Was er gemacht habe und wofür er verurteilt wurde, komme überall vor. Er sei..von der sozialdemokratischen Partei wegen seiner geutschnätwnalen GesinMng .verfolgt worden. Daß. er die Aufforderung des sozialdemokratischen. Bürgermeisters, der sozialdemokratischen Partei beizutreten, abgelehnt habe, sei ihm MN BerhälMis geworden, denn hierdurch habe er sich den glühenden Haß der Sozialdemokraten zu gezogen. An seinen Sohn hatte Dr. Habl vor dem Selbstmord ein Telegramm mit den Wor-ten gerichtet: - „Dr. HM plötzlich gestorben." „Er hat Beziehungen zum Wohnungsamt." Gestem hatte sich vor dem Schöffensenate der Handelsagent Eduard Knespl M»verantworten, weil er verschiedenen Personen Geld und Waren entlockt hatte, unter dem Vorwände, ihnen dank semer Beziehungen zum Wohnuugsamte rasch eine Wohnung zu.verschafifen. Außerdem versuchte er den Beamten zu verketten, sich für «inen Beamten des Wohnungsamtes Mszugeben und ihm bei seinen Betrügereien behilflich zu sein. Derselbe tat aber nicht mit und so kam der ganze Schwindel auf. Knespl wurde M einem Jahr schweren Kerkers vemrteilt. Z» schweren Kerker vermtettt. Ms Wr.-Neustadt wird uns berichtet: Vor dem Schöffensenate des hiesigen Kreisgerichtes' hatten sich Leute der BürgerMeistsr von Kottingbrmtn Eusebius MauS,L'erger und der G-emmrdesekretar Josef Semper- Erstever wegen Verbrechens der Amtsveruntreuung, des MißbrMchs der Amtsgewalt und des Vergehens des Wuchers, laterer wegen Verbrechens der Amts- Veruntreuung und des Betruges zu verantworten. Die 'Anklage führt MS: Bereits im Jahve 1921 tMchten -in Kotttngbrunn Gerüchte auf, daß sich d«r Bürgermeister Mansberger -bei Holzlief-evungen Unzukönnnlichkeiten habe zuschulden kommen lassen. Am 6. -März d. I. erschien der MitangeKagte Josef Semper -bei der hiesigen StaatsanwaMchaft mtt der SÄbftanzeige, GemeindsgÄder in unbekanter Hohe veruntreut und für sich verwendet zu haben. Die Höhe der Schadensumme -konnte nicht fGgestem werden, weil sowohl die Geschäfte als «ch die Buchfuhvuuy.der Genveinde sehr verworren waren und - Semper wilRürliche CnttDayungen gemacht hatte, wie es ihm gerade zum jewe-Myen Kassenstand paßte. Kurze. Zeit darauf erschienen GemeiüdefunktiMä« bei der hiesigen SichevheitSbehorde und bat«« um Intervention gegen Bürgermeister Mansberger. Die ein>IÄeiteten. Erhebungen ergaben die MitschuLd des Bürgermeisters an den Machenschaften des Gemeindesekvetärs. , Obwohl «m Kassier vorhanden war, lag die Kafsengebarung MÄchließlich -in den Händen edr beiden AnggklaKe«, welche die Kassmschlüsiel hatten, währerch der' Kassier durch zwü Jahre nur «in Scheinkaffier war. Der Gestmrtschaden, den - beide Beschuldigten der Gemeinde zufügten, durfte 46 Millionen Kröne-n be- -ft^igen.' Der arHeÄagte Semper war voqkommen geständig. Er lebte auf mUm Fuß, hielt sich eine Jagd, die jährlich 6 Mllionen kostete und unterhielt, trotzdem er verheiratet war, «in kostspieliges Verhältnis.. Der Bürgermeffter Mansberger stellte r«deS Verschulden in Abrede, wurde frdoch durch Semper .schwer belastet. Er war mit Semper einige Male, in Men, -wo sie Geld in flotter Da-mengesellschoch verpraßten. Bride AngeklaAen wurden schuldig erkannt. Mansberger wurde zu 18 .Monaten, :Swlper/zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. . ' DOBOTHEPM Versteigerungs-Einteilung 01s auf weiteres Preti«en nur Dknstaf bis Freitag?# lerisu Dl Siiber und Cbinaallbec: jHlfn Ml MKintM* hH Psrimmmiiok im FniBz-Saa]. TIglleh OebraMdMeegemUnie im Ludwfntorff-, Köasler- und Kolowrat-Saal; Jeden Dl aoMne Wiiolie, Kleider, Felie, Perserteppiche, NlhmaseMRM und Fahr* rldsr. il den 20. VW. Phetoepparata', OpemRliser, Trifcder, Mlkraekapa, Relmeuee, Sobrsfbmnnoliinen Im LudwIgstorfT-Saal. Do den 21. VIII. : 8ohBne» Mobiliar, Persertepploh», Luster, Klaviere, Pianino, Kamine. Qemllde, Arbeiten des Kunet|ewerbes im Franz-Josef-Saal. Dl den 12. Wll. u. Fr den 22. VIII. Im Hooh-8oal: Kumts«werbe, chemälde, «eproduktioaen, Anti* qnttiten, Teppiche. Jaden Dl u. Fr Im-Slaiheir: Mbal, Luster,BeleuoMimiifclrper.Bilder, Hausgeräte, Daatrhrandifsn. Fr den 22. VIII. VieHnm, Violas, Zithern, MandoHnimi Blashiatrumente, Hsrmmlkast mechaaisehe Musikinstrumente und RutlkaRen Im Ludwigstörlf-Saai. Mo den II. VIII.: BQoher-ausser | Katalog im Deoliau-Saal. Ml den 20. VIII. Technltöhe Auktion: Maschinen. Werkzeuge, Motore, Altmaterial, VIII,, Feldgasse 6. Täglich Schaiislellungen von 1 Uhr an um 3 Uhr Näheres in den „Mitteilungen11 un .Ivo#’ Ler gusammeubruch der antisemitischen Wirtschaftspolttlk. Bon Dr. Michael Snffan. In den letzten Wochen ist ein antisemitisches Wirtschaftsinstitut nach dem anderen zusammengeLrochen. Die arische Hitler-Bank, die Deutsche Bodenbank, hat den Reigen eröffnet.- Und^ die Oesterreichische Kaufmännische Bank, die gestern um die Einleitung des Ausgleichsverfahrens angesucht hat, hat vorläufig den Reigen beschlossen. Dabei kriselt es in allen anderen antisemitischen Wirtschaftsinstitutionen sehr stark und es wird wahrscheinlich noch eine oder die andere Organisation gezwungen sein denselben Weg einzuschlagen, den die Deutsche Bodenbank und die Kaufmännische Bank gegangen sind. Natürlich schieben die Herren, welche diesen Organisationen Pate gestanden sind, die Schuld immer auf einzelne Persönlichkeiten. Man sucht die eigenen Fehler zu verschleiern. Tatsache aber ist, daß es nicht allein zur Sache getan hat, daß der Busenfreund Hitlers, H e d e n i g g, der sich der verfolgenden Staatsanwaltschaft nur durch eine Flucht ins Irrenhaus entziehen konnte, an der Spitze der Bodenbank gestanden ist, daß einer der leitenden Direktoren der Oesterreichischen Kaufmännischen Bank eine Person war, die eine sechsmonatliche Kerkerstrafe abgebüßt hatte. Nicht nur dies allein hat den Zusammenbruch dieser Institutionen verschuldet. Die Ursachen liegen viel tiefer. Der Keim zu dieser Zerstörung liegt schon in ihren Gründungen. Als die Deutschnationalen daran gingen, die Deufche Bodenbank in eine Hitler-Bank umzuwandeln da haben sie es unter der Phrase der Unabhängigkeit des arischen Besitztums vom jüdischen Kapitalismus getan. Mit keinem anderen Argument wurde die Oesterreichische Kaufmännische Bank gegründet. Die christlichsoziale Partei hat. ihren Kaufleuten eingeredet, daß sie sich nicht mehr von den verjudeten Banken majorisieren und ausbeuten lasten: dürfen, daß sie ihre eigenen Institute haben sollen, die, auf arischer Basis geführt, alle: ihre Kapitalsbedürfnisse befriedigen und die: Entwicklung der christlichen Wirtschaft fördern sollen. Wie diese Entwicklung ansgesehen hat, zeigt die Wirtschaft in der Kaufmännischen.Bank, die wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte , ihrer Einlagen zurückzahlen wird können. Bon arisch strammer Führung. zeugen die ungeheuren Mißstände in der Deutschen.Bodenbank, derer Schicksal.nicht mehr ungewiß ist, die . nicht einmal in der Lage ist, einen relativ annehmbaren Ausgleich zu schassen.. Jetzt versuchen diese Helden, welche sich früher in. Antisemitismus nicht genug tun konnten, bei denselben Banken, denen sie oft den Beinamen „verjudet"beigelegthabe.n, Hilfe zu erlangen. Abgesehen davon, daß dieses Epitheton ornans, das der österreichischen Bankwelt Leigelegt wurde, ganz und gar ungerechtfertigt ist, wird ihnen von diesen Instituten schon deswegen die Hilfe versagt, weil sie tatsächlich keine Existenzberechtigung haben und in ihrer Wirtschaft so verfahren sind, daß kein noch so gesund geführtes Bankunternehmen ihnen hier Hilfe bringen kann. - Die Antisemiten haben aus de-n Erfahrungen der letzten Iahte nichts gelernt. Es ist nicht das erste Mal, daß solche antisemitische Wirtschaftsorganisationen zusammenbrechen. Sie haben sich ja fast nie bewährt und was sich jetzt ereignet, ist wieder nur ein Beweis dafür, daß derartige Institutionen überhaupt keine Existenzberechtigung haben. Die Wirtschaft ist nicht nur internattonalsie muß auch unpolitisch und frei von allen Vorurteilen sein, wenn sie tatsächlich ihren Zweck erfüllen soll. Organisattonen, die nur einseitig auf gewissen umichtigen Grundlagen aufgebaut sind, können einen solche» Zweck nie erreichen. Es ist nicht möglich, eines der rührigsten Völker wie das jüdische, welches im Kapitalismus fett Jahrhunderten tätig ist, ohne weiteres aus dem Kapitalismus anszuschalten. Nicht deswegen, weil sie das Kapital beherrschen — dies ist eine der vielen anttsemittschen Lügen, deren Berichtigung schon längst als altsS Eisen verrostet ist und schon lange nicht mehr von kundigen Wirtschaftlern anerkannt wird — sondern deswegen, weil die Juden ein Element darstellen, das gerade in der Wirtschaft dank seiner Erfahrungen besonders^ rührig sein kann und das der Wirtschaft als solches gewaltige Vorteile zu bringen imstande ist. Gerade so wie nach den neuesten chemischen Forschungen der Mensch bdS; Konglomerat einer Unzahl von Atomen der verschiedensten Elemente ist, geradeso ist auch die: Wirtschaft ein Konglomerat, zusammengefügt aus einer Unmasse von Faktoren. Sie muß mit dem- Wirken aller Zusammenhängen, wenn sie tatsäch-' lich ihren Zweck erreichen will. Dies haben die Anti-: semiten bisher nicht eingesehen. Dazu fehlt ihnen auch die Erenntnis der tatsächlichen wrtschaftlichen Zusammen-; hänge. Besäßen sie diese, dann würden sie sich nicht zu -solchep Gründungen.herbeilassen. 1 Nicht nur-'in sMer-Betätigung im Finanzwesen hat -der wirtschaftliche Antisemitismus, wie die letzten Ereig^v Mtten^ -Auch in denjenigen WÄ-