Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1971 (10.8.1924)
- Date
- 1924-08-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Veite. fr Wien, Sackitag MenerMorgenzeitung 1V. ÄuWst 1924 Nr. IM G ' $ schtedenwertige positive.Kernla^urge^r,'- VÄtz denen ijebe* ein». Seine von ihren rwgativyt ^ÄeZwoffentrabatzten rlMkrdist 'wird. Die Wertigkeit der 5dernladung fft nusi etwas ganz anderes als die WsrtiMtdes' Atoms. -Unter Wertigkeit der Kernladung versteht man .die Anzahl.. der, negativer: Elektronen, die gut AbsättigrnTg, zur vollständigen Neütralffatiorr' der positiven Kernladung nötig wären. Die so definierte Wertigkeit, kann bis 92 aust-eigen, mit welcher Zahl die Kernladung des Uranatoms bezeichnet, ist, das unter wallen, bekannten. Elementen das größte Atomgewicht besitzt. — In , Wirklichkeit ist aber die Kernladung fast in keinem Atom vollständig, neutrali» siert, sondern entweder nicht ganz gesättigt oder übersättigt. Das heißt: es fehlen entweder einige wenige negative Elektronen oder ihre Zahl ist um ektoas zu groß. Die Sättigung erfolgt durch Vereinigung mit andersartigen Atomen von entgegengesetzt gleicher' Wertigkeit Denn unter .Wertigkeit eines Atames versteht man die Zähl seiner ungesättigten Elementarladungen. Wenn ein Atom zürn Beispiel um zwei negative Elektronen -weniger enthält' als die positive Kernladung zur Msättigung erforderte/ so'ist es positiö. zweiwertig, wie zum Beispiel Eisen oder Kupfer, Sind 2 oder 4 oder 5 überzählige negative Elektronen in einem Atom vorhanden, so ist es negativ 2- oder 4- oder öwertig. Durch Abspaltung oder Hinzu-- tvitt negativer. Elektronen ändert, sich die Wertigkeit eines Atoms, wie zum Beispiel Eisen 2- und Swertig, Kupfer 1- und Lwertig elektrop'ositiv, Schwefel 4- und 6wertig elektro» negativ austreten kann. Mllwortig. sind solche Atome- -deren Kernladung vollständig durch negative Elektronen neutval-i» siert ist, so daß sie zudiesem Zweck keine Verbindung brauchen und. auch nicht fähig sindeine solche einzugchen. Stoffe mitimllwertigen Atomen sind äußerst selten. Es sinddas.die von- Rayleigh und Rarnsay entdeckten Edelgase, die mit -den im Jahre 1894 begonnenen Arbeiten aus der Lust isoliert wurden. Zü den Edelgasen mit nüllwevt-igen Atomen gehört auch das Helium. Es ist das mnso merkwürdiger, als Man im Helium den Urstoff gefunden zu haben glaubt, dessen Atomen durch Zusammentritt in -verschiedener ElektronenstrMur alle anderen Grundstoffe formieren. Und wo sich ein Atom in ein anderes Atym Mit dem nächst niederen Atomgewicht' verwandÄt, wird Helium abgespaiten. Umso wehr Wahrscheinlichkeit gewinnt die Anncchme,' Hel-rmn, ddr -Sonnenstoff,' sei die Uvmaterie der'Welt. Schreibmaschine und Bolksgesundheit Die Schreibmaschine, an der züsolge ihrer großen Verbreitung heute Millionen von Menschen, zumeist Frauen,..beschäftigt sind, ist eigentlich. gar nicht so harmlos, wie sie^-aussieht; denn die Tätigkeit an der Schreibmaschine in ihrer gegenwärtigen Form kann man durchaus nicht als gesundheitsfopderlich bezeichnen. ' Has, Wichtigste Problem' der. Schreib-, Maschine ist bchnmMch, iNß'^owM.^der^SchWhe.yde.. als - a»ch-- der Datierende has sehen kann, was/geschrleben wich. Die evste Schreibmäschine für dende chie Veffuche, eine Schreibmaschine zu konstruieren) leiten, sich', 'bekanntlich -. öon^dest'^Per-" suchen, «ine Maschine für Blindenschrift Herzustellen, .ab),' die vor genau 30 Jahren, im Jcchre 1874, unter der bekannten Marke ,Mmington" in den Haüdel gebracht wuchs, hatte einen so hohen Pcchierhalter,. daß die Maschinschreiberm inkrampfhaft gerader Haltung sitzen mußte. Dieneuen Systeme, mit sichtbarer Schrift, welche die Systeme mit der unsichtbaren. Schrfft allmählich völlig verdrängt haben, sind..niedrig gelbaut, damit man eben die Schrift sehen kann. Dadurch.ist dieMaschinschrelberin oder, der Maschinschreiber gezwungen,, sich beim Schreiben vorzubeugen und sich zu. bewegen, was eine ßönge Anzahl von Berufskrankheiten Hervorrust. .Bor allem fft es. die. Anstrengung der Augen,. welche Schstörungen Hervorrust; bei allerdings schon entsprechend disponierten Individuen, bringt das Vorbeugen, zu dem beim Schreibe» , nach Stenogramm noch das Seitwärtsbeugen hinzutritt, AtmungSstörungen und eventuell auch. chronische Erkrankungen der Atmungsorgane hervor. Die Pshchotechnik, welche sich mit der.Herstellung der richtigen Harmonie, zwischen den Leistungen des Menschen und der Maschine befaßt, gibt die Anweisung, daß die Maschin«. schreiberin oder der Maschinschreiber so zu sitzen habe, daßsein Unterarm wie beim Klavi-erspiÄ in der Höhe der Tastatur sich befinde, die Knie geschloffen sind und die Füße fest auf dem Boden ruhen; Rücken und Kopf sollen gerade gehalten werden.. Diese Vorschriften sirch jedoch rein-psychologisch nicht einzuha-lten, weil selbst bei größter Fertigkeit die an der Maschine sitzende Person gleichzeitig zwei oder auch drei-»weit voneinander gelegene Schriften (Tastatur,- Schrift und eventuell Stenogramm) lesen muß, die bei der gegenwärtigen. Konstruktion der Schreibmaschine nicht anders gelesen werden können, als indem Kopf und Rücken und damit auch die anderen Teile des Körpers aus der natürlichen Lage gebracht werden. Dieses wichtige Moment ist bisher bei der Konstruktion von Schreibmaschinen wenig in Betracht gezogen worden. Darum ist die Schreibmaschine in gewissem Maße ebenso gesundheitsschädlich wie die Nähmaschine. Bei dieser Gelegenheit sei aus der Geschichte der Schreibmaschine eine charakteristische Episode mitgeteilt: Zu den vielen Ländern, wö man sich mit der Konstruktion von Schreibmaschinen in den Sechziger- und Siebzigevjahren des vorigen Jahrhunderts befaßte, gehört« auch Rußland, wo im-Jahve 1GW -Michael Mssow eine Schreibmaschine, konstruierte. Die Zarenregierung dekretierte nun, daß alles) waS/auf der Schreibmaschine geschrieben,sei, da diese Drucktypen hat, als D vwckwerk zu betrachten wäre und der Zensur Unterliege. Da also das Schreiben mit der Schreibmaschine eventuell mit der Verbannung nach Sibirien.endenlohnte, war dies kein besonders großer Anreiz für den. Erfinder -und für airdere Mechaniker, sich -mit der Konstruktitm der Schreibmaschine weiter.-» befassen- . . i <■ r. -? «. 91 fr tt i alb t s a t a t it l dt io ne n in der Wie«er Morgenzeitung' llrti IMttii, Mn, fiistei, Kondeo in der Nummer der WmerMorgeazeilnng" am Sonfilag den 28. Septemder Elul) Sie waren Geld, zeit «Mde! vie Neujahrsgratuiationen der »Wiener Morgenzeitung“ haben,sich, seit Jahren beim jüdischen Publikum bestens eingeführt. Um die grosse Fülle der einlaufenden Gratulationen unterbringen und günstigst placieren zu können, empfiehlt es sich, den anliegenden Bestellschein sofortaus zuschneiden und umgehend an die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Der Betrag ist am besten, in Noten der entsprechenden Landeswährung gleichzeitig mit dem Bestell* schein in bar zu überweisen. ' , Der Preis för slas EInh«11sinsera«(20 mm) baIr8g11 FürWIen und Oesterreich . K 70.000 . - Füf Pol*n % : . ...Zloty S.- Für alle übrigen Landet Dollar 1.—- beziehungsweise dessen Gegenwert in der Landeswährung Muster: J. M. Frost und Frau S . II. Grosse Mohrengasse Nr. 47 gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten . zum Neuen Jahre! Hl•r auiiehntldiNI Bestellschein An die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitungu Wien, XL Tabovstrasae 1—3 Ich bestelle für die 1loscfr-Haschanah-iTwnmer der „Wiener Morgenzeitmg" - Nmahr8gratuhtion{m) mm Preise von md sende den Betrag gleichseitig mit diesem Bestellschein ein < / To xt. (deutlich mit Bleistift ausfüllen!) -miMHNH Adresse'. , den..• 1924 Sude» im ferne» Sften. Die Vertreterin der amerikanischen B'uei B'rith-Logen. Frau Bella'P-ewsn er, die in den letzten zwei Iahten über Auftrag des Ordens die - östlichen Gebiete in Asien, AfvAa und Australien. , bereist hat, übergab einem Mitarbeiter deS Rigaer „Folk" nachstehende interessante Mitteil-ungen über >das Leben der Juden in Ostaisien und in Afrika:. . In Indien weilte ich längere Zeit in den Gemeinden der schwarzen Juden, die sich B'uei Israel neunen- und der Sage nach seit der ersten Zerstörung des Mischen Reiches in Indien leben sollen. Diese Gemeinden feiern s ä an tliche jüdischen Festtage mit Ausnahme 'des Pu rim fest es, welches ihnen gäuzlich unlbMnnt ist. Ihre. Hau-ptgemein-de befindet sich in Bombay, wo über 800t> Seelen dieser Sekte leben. Die B'nei Israel beschäftigten sich zumeist mir Handwerk und Kleinhandel. In den größeren Städten gehören sie auch den Jntelligenzsbetülfen an. So findet man unter den B e a m t e n d e r e n g l i s ch e n V e r w a l«. t um g sehrviele Angehörige dieser Sekte. Ihre Existenz war bis vor 160 Jahren der Judenheit ganz mchcskannt, erst ein e n g l i s ch e r M i s s i o n ä r entdeckte sie zusällig während einer Reise durch Indien. Dviiher begannen sich die schwarzen Juden für Bildung zu interessieren. Wenn sie auch äußerlich sich vrm der übrigen Lan-dbevökkernng unterscheiden, so ist die unter ihnen vorherrschende Assim-ilation nicht zu verkennen. Emen ganz anderen. Menschenischlag stellen die a r a b ische n Juden dar, die zumeist aus Bagdad stammen und in Indien große Handelsgüschäifte führen. Sie sind die Hauptifi-nanziers und Besitzer der Banmwollindnstrie in In«' dien. In Indien dürsten ungefähr 10.000 ar abis che Juden wohnen; ihr kulturelles Niveau ist trotz ihres Wchlstaudes sehr' niedrig. Mit den schwarzen Juden stchen sie in gar keiner Verbindung, cs herrscht sogar eine starke Mneigung zwischen beiden Teilen. Die arabischen Juden führen ein schr religiöses Leben, haben jedoch für die jüdische Erzichun-g ihrer Jugend gar keinen Sinn. In China, wo über 30.000 Inden leben, kamüe Frau Powsner feststellen, daß der nationale Entwicklungsprozeß sich durchzü-setzen beginnt; allerdings fft infolge dev SiMungsverhältnisse, da die Juden in China keine geschlossenen Gemeinden besitzen, die Assimilationsgejfahr nicht unbedeutend. Die meisten chinesischen Juden heiraten mehrere F r a u e n, gehen jedoch in ke i n e Miisch ehe-n ein. In I a p a n gibt es schr tvenige Juden, da die Regieru-ng fremdrasfige Einwchner aus'den Grenzen des Reiches aus-' weist. Die meisten -japanischen Juden sind erst während der vnssffchff-apan-rschen Krieges nach Japan eingewMtdert. In >den letzten - Jahren wurden aber auch diese Juden zum Verlassen des Landes gezwungen. Die in Japan- Noch wchnenden find derart asssiwistevt, daß man von-einem WNch Mischen Lsbem'r in Japan Nicht sprechen kann. ' -. -'? - - i In Australien leiben unter sechs Millionen Mnwohnem 20.000 Julien. Die Beizrchungen zwischen der einheimischen BevöVerung und den Inden sind leider nicht die basten, da die Juden, die durchwegs Handel und Trödlerer betreiben, von den Australiern, die sich ausschließlich mit Landwivffchaft beschäftigen, verachtet werden. Erst in letzter Zeit hat eine größere Anzahl jüdischer Familien Farmen cmgekaust nrld sich mit der Landwirffchaist zu beschMgen begonnen. Durch die Verfolgungen der australffchen Farmer sahen sie sich aber gezwungen, ihre Wirtschaften anWulaffen und in die Städte zu« vüchukchren. Biel beffev fft die Lage der Juden in Neuseeland, wo aulf eine Million Einwohner 2000 Inden .wohnen. Hier fpielen die Juden im Wirffchastsleben als Jmbüstriellle «ine bedeutende Rolle. Die gesamte Industrie verdankt ihve; Entstehung der jüdischen JnNative. Wähvend dir anstvalffchm Juden in kultureller Hinsicht viel zu wünschen Mvig lassen, fft unter den Juden in Neuseeland ein reges Wisches Kulturleben ‘ zu beobachten. Ser Sekretär der Mische« Gemeinde von «Arad. El Avab in Algier ist ein kleines Städtchen, in «dem hauptsächlich Jude it wohnen. Bor etwa 26 Jahren wurde »zum dortigen Gericht ein junger französischer Beamte-: ver-, setzt, der eine bescheidene Gerichtsstelle innehatte. Der junge Franzose verkchrte viel in den Kreisen der jüdischen Intelligenz von El Arab. und stand mit den dortigen jüdischen Familien in regem Verkehr. Nach einiger Zeit wurde in der Juden» gemeinde von El Avab die Stelle eines Sekretärs frei; die jüdischen Bekannten des französischen Gerichtsbeamten klagten. ihm, daß ihre Gemeinde keinen geeigneten-Sekretär finden könne. Da erbot sich der jusige Mann, nebenamtlich die AMden des Sekretärs in der jüdischen Gemeinde zu versehen, welche sein bescheidenes Einkommen — sein Gehalt betrug 120 Franken monatlich — etwas erhöhten, Dem beliebten Beamten wurde die Stelle gern übertragen« Er fertigte die Zirkulare der Gemeinde über religiöse und soziale Angelegenheiten aus und, wie es im Beamtenjavgon heißt, arbeitete er sich bald ein. Auch die hebräischen Termini technivi, die ihm nicht geläufig waren, erlernte er bald. Mit Bedauern sah die Judengemeinde von N Arab ihren trefflichen Sekretär scheiden, als er in seiner Becmrtenlaufbahn M einen andere» Dienstort versetzt wurde.; Dieser französische Sekretär der liebten »herrschen Judengemeinde hieß Gaston Doumergue und ist Heutes Präsident der französische« Uetznbljk. '.v.1 ycaagg—-VT \ v-- . ■■ . ‘ '-v Vv* ** ™ I