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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-10 · Heft 1971 (10.8.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1971 (10.8.1924)
Date
1924-08-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sk. im Wien, Sonntag Wiener Morsenzett««-. 10. Augch 1924 ßSäfcfeü Schuhe! mit eingebautem „Berson“-Gummi-Absatz Der Lollar Md die Medizi«. Ae Asflftentenlurse an einigen Wiener Kliniken. - Schddignng amer Ltndenten. I brocheneu Herzens sind, und frohe Botschaft zu künden! Len gequätten Kmdem der Welt. Demnach hat Jesajas . nicht nur seinem Volke, nicht allein seiner Zeit — er hat j der ganzen Menschheit, allen Völkern und allen Zeiten gelebt.! Unter vier Königen, in einer politisch stark bewegten ' Zeit, hat Jesajas gewirkt. Kraft der göttlichen Berufung, ine ihm ward, war er Lenker und Lehrer, Warner und Mahner seines Volkes, zugleich Strafrichter und Wahrheitskündor den Gewalttätigen der Erde. Den KriW der damaligen Mett, den man zg jener Zeit als den Weltkrieg schlechthin ' bezeichnen durfte, das streitende Vö'lkergewirr, in dem die Keinen und die großen Völker und Reiche im Kampfe standen — den Weltkrieg jener Zeit mit allen seinen .Schrecknissen sah er an sich vorüberziehöir. Und mitten in diesem Wettkampf und Völkergewühl ward er sich seines prophetischen Berufes inne, und aus den Talesgründen schwang sich sein. Geist in eine Höhe, von der er das Jetzt! j Uich das Später von Völkern und Reichen erblicken konnte. Die Größe des Jesajas zeigt sich darin, daß er mit seinen ■ politischen Anschauungen allein und fest stand, daß er seine ttuf politischer Weitsicht gegründeten Ansichten mit wunderbarem Freimut vertrat. Jesajas als Politiker war aus dem Holz, aus dem die Helden des Menschengeschlechtes gezimmert sind. Er ging seinen Weg unbeirrt und mahnte zur Rückkehr die, die auf Abwege gerieten. Er goß die Schale Zeines gerechten Zornes auf die Bolksverführer aus, die gewissenlos das Volk an den Rand des Abgrundes brachten. Sein Wort schlug wie ein Hammer auf jeden Hohlkopf ein, gleichviel ob dieser Hohlkopf einem Volksgenossen oder einem Führer im feindlichen Lager gehörte. Zuweilen aber bediente er sich des im Ton gedämpften überlegenen Spottes, der den Gegner vernichtet, indem er ihn lächerlich macht. Seine ,Hvchsprüche" wider die Großmäuligen sind nahezu unerreichte Muster feingeschliffener Satiren. Man lese zum IBvispiel, wie Jesajas den Uebermut Assurs und das „hochmütige Prunken seiner Augen" geißelt. Oder man lese bie Beschreibung des syrisch-ephraimitischen Krieges, wie er Rezin, den König von Syrien, und Pekah, Sohn Remaljahs, den König von Israel, afl „zwei Stummeln rauchender Feuerscheite" lächerlich macht. Jesajas war wicht nach Heünkriegerart lediglich mit Saft- und Kraftworten am Kriege beteiligt. Der Krieg war ihm tiesinnerliches Erlebnis; freilich in. ganz anderem Sinne, als er im Jahre 1914 so manchem Geistigen Erlebnis war. Der ganze Jammer der kviegsgequälten Menschheit faßte ihn an und brannte in seinem. Herzen wie ein zehrendes Feuer. Dieses tiefinnerliche Erlebnis des Krieges, dieses leiderftillte Erlebnis, das den Schrei jeglichen, Schmerzes, den Schmerz jeglicher Wunde in sich einstig, machte Jesajas zum größten Kriogslyriker aller Zeiten. Jesajas hat nicht allein diesen oder jenen Krieg miterlebt, sondern er hat sozusagen die Idee des Krieges in ihrer ganzen Furchtbarkeit erfaßt. Sein Seherblick sah den Krieg an sich, losgebunden von ßeit und Raum, fortgewälzt durch Länder und Zeiten. Und aus diesem Gesicht des schier endlosen Krieges erwuchs ihm das Ideal des „Friedens ohne Ende". So ward Jesajas der. erste Friedensapostel der Menschheit. (Der edle Professor Lamasch schrieb einmal, die Idee des Völkerfriedens und Völkerbundes sei in ihrem Ursprung und ihrem Wesen christlich-germanischer Abstammung; er hat übersehen, daß schon sieben Jahrhunderte vor der Entstehung des Ehristentums und ungefähr sechs Jahrhunderte vor dem Eintritt der Germanen in die Geschichte der Prophet Jesajas den. Gedanken des Weltfriedens unddes Völkerbundes. ausgesprochen hat.) Der Friede der Welt, der Bund der Völker, die Eintracht aller -Menschen, das „Seid umschlnngen, Millionen!" ist ein jesajanisches Jdeal.- Durchaus jesajanisch ist der Gedanke, daß der neue Bau der Friedeuswell sich nur -auf „unparteiische Gerechtigkeit" wird gründen können, daß. kein dauernder Friede sein wird, ehe nicht die Friederrsgesinnung, der „Geist der. Einsicht und des Rates", wie 'der Prophet es nennt, unter den Völkern lebendig ist. Also spricht Jesajas: „Der Schiedsrichter (das Schiedsgericht) der Zukunft wird mit Gerechtigkeit richten und Recht in Billigkeit sprechen; denn, es wird Gerechtigkeit der Gurt seiner Hüften und die Treue der Gurt seiner Lenden sein. Dann wird der Wolf neben dem Lamme tvohnen und der Panther neben dem Böcklein lagern, und Kalb und Len werden zusammen weidÄr. . Ob der Prophet vom „Panther .und Böcklein im Frieden" etwa irr dem Sinnes sprach, wie Bismarck vom „Bären und Walfisch im Kriege", das wissen wir nicht. Das eine nur ,wissen wir: Jesajas war der erste, der uns verkündet hat „einen neuen Himmel und eine neue Erde", eine neue W«lt, die kommen wird, weil, sie kommen muß. , , Aus ärztlichen Kreisen wird uns geschrieben: J>n letzter Zeit mehren sich 'die Klagen auslaMscher Merzte, die zur Spezialausbildung nach W i-em kommien, über die «- nkollegiale und gewinnsÄchtige Behandlung in den Spezmlkuvsen. Diesem Kurse lesen die einzelnen Assistenten an den Kliniken. Während nun an einigen Kliniken von den Ausländern übermäßig hohe Honorare in ausländischer Währung verlangt'und Kurse nur gelesen werden, wenn eine gewisse Min de st summe pro Stunde Mahlt wird, worden den Kursteilnehnrern als Lehrer oft Assistenten zur Verfügung gestellt, die ihre Stellung mehr -ihrer Protektion als ihren Kenntnissen zuverdanken haben. Das KurSleftn ist an ge- >wissen Kliniken geradezu zu einer Domäne der Prote kt io ns linder der unterschWlrchen klinischen Ehess geworden. Die fremden AeHte, die an den Wiener Kliniken den Professor selbst und seine Lehren Hüven wollen, müssen sich mit emem vielfach mehr als unzulänglichen, schlechten Ersatz Ibegnügen. Bei der hohen Bezahlung, die den Fremden auserlegt iwird, vergessen es die Assistenten, daran zu denken, daß diese Merzte zum größten-Teile arme Leute sind, die unter den schwersten Entbehrungen in ihrer Heiimav das Geld zu-sammenlogey, um es dann hier in Wisstnschäft unizusetzen, nicht <ßxt, um die Vergnügungen etlicher Assistenten zu bezahlen» Es sind weist amerikanische Merzte, >Üe davon betroffen worden^ und jeder dieser amerikanischen Merzte wich als Dollarautomat betrachtet, dem man, solange er hier ist, Dollar abzapsen kann. Dabei überstht man, daß der praktische Amerikaner die Grenzen des Manbten in materieller Hinsicht, genau kennt und gut zu beurteilen «weiß, was Konjunktur und was Wissenschaft ist. An und für sich ist das KnrSlefen ein fahr gutes Geschäft. Es «wich auch sicherlich den Assistenten zugestanden. daß sie eine Erhöhung ihrers Einkommens brauchen. Das darf aber nicht zu Auswüchsen führen, die geradezu beschämend für die Wiener Universität sind. ' Gewisse Assistenten geben, ebenso wie die klinischen Chefs, gar nichts für die Kliniken 'her, deren HilfsmittÄ von der Beleuchtung bis zu den Apparaten sie unentgeltlich benützen. Die Kliniken werden von ihnen nicht als [ 'Pflanzstätte der Wissenschaft, sondern als Melkkuh fü r ihre privaten Interessen behandelt. Dabei drängt sich so manchem der ausländischen Merzte die Frage auf, wozu dennbei so hohen Einkünften gewisser Assistenten an' einzelnen SpeziaMniken die große Bettc.lglocke für die Wiener Kliniker geläutet wird. Die Einkünfte einzelner Assistenten 'sind so groß, daß zum Beispiel einer dieser Herren nicht 'weniger als drei Automobile besitzt, von'denen er zwei als Autotaxi in Wien fahren läßt. Der landläufige Begriff von den ethischen Voraussetzungen für die medizinische Wissenschaft läßt die Koppelung der Berufe . " klinischer Assistent und Autotaxibefiher nicht gerade als glücklich ansehen. Aber Protektion macht alles, Den Schaden, den diese.Leute der Wiener medizim« schen Schule zufügen, können sie selber nicht ermessen. Unter den schlechten Vertretern der oft doch noch guten Lehrer leidet das Niveau der medizinischen Schule, es leidet darunter der Ruf' Wiens. Es leiden aber auch die Privatärzte darunter ' und nicht zuletzt auch die armen Studenten. Die Studenten müssen oft monatelang mit ihren Prü.fujngen warten und deswegen ihre Studien um viele Monate verlängern, was heute große Geldsummen verschlingt, und das aus dem eitiifachenj; Grunde, weil infolge der Kurst für die fremden Merzte,! also für , Valuta-Kurst, kein Material an Patienten und keme 'Zeit der Mssiftenbm - für die Studenten vorhanden ist/ Außerdem gehen viriles Assistenten in ihrer GeschäsiMchiigkeit so Weib, daß sie - armen Studenten aus dem Auslande, die auf Gvlmd ihrer: Ar mutszeugnisse in ihren Taxen an - der Univev» •; sität den Inländern gleichgestellt sind, das Recht, die Assi-! stentenkurse zu Inländertaxen zu Wen, vorenktzakten.NüH! den Ankündigungen dies'er Assistenten sieht überall das ominost Wort: Gleichstellung M nicht. Was der arme Staat den .armen Studenten' ge-- wahrt, das 'wollen die reichrn Assistenten ihnen «währen. Es trägt zu wenig. - Aber auch der * Staat erleidet Schaden. Das geringe Wissen, das die Assistenten de« fremden A-erzien vermitteln können, suchen, sie durch «ue aus-' gierige Zahl von Patienten wettzumachen. Den ausRndischen Aerzten, die Kurse besuchen, wird eiw große Zahl von Patienten vorgestellt. Um diese zu -erlangen, wird die Bestimmung, daß die Bchandbung -in den Kliniken und' Ambulatorien nur unbemittelten Kranken. zuteil werden darf, nicht eingöhalten, sondern diese AMtenten ziehen, um möglichst viel Kvankenmatevial zu bekommen, auch zahlungskräftige Patienten zur Kinischen Behandlung heran, und halten sich nicht an die staaÄichen Bovschvifte». Dadurch muß der Staat für die Behandlung von Personen, die sich ihre Therapie selbst^ bezahlen könnten, aust kommen, und daraus erklärt es sich zum- -Teile, 'daß wiMH mittellose Kranke so oft . - kein Spitcksbett erhalten können. - - ' Es Mve eMich Zeit, daß die Ehess dieser Tätigkeit ihrer. Schüler erhöhtes Augenmerk zuwenden, und daß sie ihre eigenen.Nester von Pen.Leuten ihrer nächsten Umgebung reinigen, bevor sie Unrat in ändere Nester 'werfen. Das Uebel der Valuta-Kurst sollte, solange & noch von hier aus nwgllch ist, rechtzeitig behandelt we-chen, da dies mit großem Schaden für die Wiener Wissenschaft van außen her besorgt 'werden würde.. / AtombeM und Wertigkeit. Von Dr. Adele Mener. Was ist ein Atom? Der Name bedeutet „das Unteilbare". Und das war auch die Definition des Atombegrifses bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts. Bis zur Entdeckung des Radiums. Da evfuhr man, daß auch jene Keinsten, ans chemischen Weg nicht mehr teilbaren Massen im Laufs der Erdepochen spontan ganz allmählich zerfallen, sich verwandeln, daß ans -den schwereren Atomen ganz unmeMich langsanr leichtere entstehen. Man erfuhr aber auch, daß dieser Prozeß auf keine Weise willkürlich beschleunigt > oder gar herbeigsführt werden könne. Nun. hat, wenn die Mchvicht sich bestätigen sollte, Prostssor M i et h e in Berlin durch Zufall eine Atomverwandlung, einen Atomzeosall- Willkür -l i ch h -e r b e -i z u f ü h r e n gelernt, den Zerfall des Quecksilbers in Hel-iumgas und Gold. Wenn, die Nachricht sich bestätigt, wenn aus der Originalpublikation hervorgehen wird, daß' das Ausgangsmaterial, das Quecksilber, nicht von Goldamalgam durchsetzt war (Amalgam ist jede.Verbindung mit Quecksilber). Die Annahme «ist wohl begründet, daß der Forscher sich nicht mit. dem Zufallsergebnis der Goldtröpfchen in der Quecksilberlampe begnügt habe. Er wird wohl für seine weiteren zielbeüvußten Untersuchungen das Quecksilber zuerst einer Destillation unterzogen haben, und zwar, um eine Oxydation des Quecksilbers, das heißt eine Verbindung mit dem Luftsauerstosf zu vermeiden, selbstverständlich unter Luftabschluß in Vakuum. Mit einer Verdampstmg des Quecksilbers im Vakuum und einer darauffolgenden Kondensation der Dämpfe durch starke Abkühlung zu flüssigem Quecksilbor ist Gewähr dafür gegeben ,daß keine Beimengung mehr darin enchalten ist. Denn Quecksilber siedet schon unter gewöhn-' lichem Lustdmck bei 360 Grad C., während Gold erst bei 1062 Grad schmilzt. Nach einer DoftillcMon muß Gbld also im. Rückstand zurückbleiben. . Wenn nun dieses destillierte. Quecksilber nach Verdampfung -m elektrischen Strom, wie es.in - der Quarzlampe >geschicht, Goldtröpfchen' zurückläßt, dann läßt sich die Provenienz dieses.. Goldes nicht, anders Mären. Äs. durch Heliumäbspaltung und dadurch' bewirkte UmwanÄung! des Quecksilbers in Gold.'Die Möglichkeit dieser Umwandlung! ist ja durch die Ergebnisie der RMunrforschung schon ev-/ wiesen worden (siehe meinen Artikel vom i. Juni). Nu« hätten wir auch die Möglichkeit der.willkürlichen Vornahme dieser Umwandlung gewonnen,'wenn die diesbezüglichen Arbeiten mit' destilliertem Quecksilbers vorgenömanen'wurden./ Wurde es aber nicht knapp vor der Untersuchung destiNech so ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daf das ursprünglich verwendete Quecksilber Goldamalgam in gevmgstea Mengen enthielt, aus dem.das Gold durch die hohe Tempera-, tnr des elektrischen Stromes, dir weit über 1000 . Grad ansteigen kann, in flüssigen Zustand abgeschieden wurde. Daß Vieser Verdacht auch in Läienkreisen aufgetaucht ist, beweisen mir Zuschriften aus dem Publikum, die in dieser Ängele.genheit an mich gerichtet wurden. Die Frage muß eben solange unentschieden bleiben, bis der Forscher selbst das Wort ergreift und unsere Zweifel niederschlägt. Unter der. Annahme, daß dies der Fall sein wird, müssen wir nun die einleitend aufgestellte Frage wiederholen, wie man den Atombegriff de>sinieren soll, wenn sich das Atom als teilbar erweist und nicht mehr als unteilbare Kasse aufgefaßt werden darf. . . . Wir -werden da an die neuen Erkenntnisse anknüpfen müssen, die ich am 18. Mai. und um 22. Juni an dieser Stelle dargelegt 'habe. Danach werden wir als Atom ein Massenteilchen definieren, das nur eine positive Kernladung besitzt. Das Molekül hingegen enthält nebeneinander mehrere der- „Geschichte der Zuden" in 3 eleganten Halbleinenbänden der „Wiener Morgenzeitung", der die Bezugsgebühr für 1 Jahr im voraus bezahlt, erhält Außer d er J ahres gebühr sind sür Bersa»dspesen d er r a e tz" noch b. K. 25.000 zu entrichten HM

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